Rudolf  Fries

 

               

Auszüge aus dem Buch  

Bodenjagd 

Jagd und Kulturverlag Sulzberg/ Allgäu  

 

   Der Bodenjäger 

Es muß ein passionierter Jäger sein, der Wind und Wetter, mühselige, weite und oft vergebliche Wege nicht scheut. Gerade wenn es stürmt, regnet oder der Schnee von den Bäumen klatscht, muß er seine Baue nachsehen, besonders auf den Fuchs.

Auch seine Hunde müssen wetterhart sein, eine dichte Jacke haben und nicht zu nieder auf den Läufen sein, um auch bei einigem Schnee ihm folgen zu können.

Vor allem muß er alle seine Baue kennen, zu den schwer auffindbaren in großen Dickungen oder Stangenhölzern unauffällige Wegmarken anlegen, frühzeitig Blick- und Schußlinien ausfluchten, um mindestens dort die Sprengnetze im Auge behalten zu können, wo schlechterdings nimmer zu schießen ist. Er muß seine Baue studieren und taxieren, ob sie grabbar oder ungrabbar sind. Das ist oft im Voraus schwer zu sagen. Davon hängen aber die Art ihrer Bejagung, der Einsatz geeigneter Hunde und der Erfolg ab. Schon vor der Jagdzeit muß man seine Baue im Auge behalten, Hindernisse in den Einfahrten, die Unberufene schufen, beseitigen und die Einfahrten einhalmen oder einkreuzeln, indem man kreuzweise Reiser oder Halme hineinsteckt. Auch wenn diese umgeworfen sind, ist damit nicht gesagt, daß das Wild im Bau stecken muß, so man diesen nicht am Tage vorher vorsichtig nachgesehen hat. Gut ist es deshalb, den Boden vor den Einfahrten möglichst locker zu halten.

Grundfalsch ist es aber, aufs Geratewohl, ohne genügenden Verdacht, die Hunde schliefen zu lassen. Denn dann bleiben von diesen immer Wittrung und Haare in den Röhren hängen, die besonders den Fuchs vergrämen. Vielmehr legt man den oder die Hunde mindestens 50 Schritt vom Bau ab und schaut diesen leise und vorsichtig selbst nach. Die Einfahrten betritt man dabei tunlichst nicht. Besteht Verdacht, daß der Bau befahren ist, riecht man einmal selbst hinein! Der Fuchs riecht nach Veilchen, der Dachs nach Süßholz. Andere Nasen mögen beim Fuchs stechenden Teer, beim Dachs ranzige Butter riechen. Bei frisch befahrenen Bauen ist stets, auch vom Fuchs, etwas Erde ausgefahren oder vor der Röhre auf dem Laub usw. hingestreut, da der Fuchs und der Dachs sich dort schollern, den Sand aus Balg und Schwarte schütteln, wenn sie ausfahren. Spürt man gar bei Schnee usw., daß die Spur, die oft gar nicht gut zu deuten ist, wenn z. B. Füchse in der Ranzzeit wiederholt ein und ausgefahren sind, färbt, also Erde oder Lehm in ihr zu sehen ist, dann ist das Wild sicher fort! Bei Spurschnee, besonders in der Ranzzeit des Fuchses, betritt man den Bau gar nicht, sondern kreist ihn ein und zählt, wie viele Spuren in den Kreis und aus ihm heraus führen. Nach Adam Riese abzählend, weiß man dann, ob und wie viele Füchse da wirklich stecken. An den Röhren selbst kann man sich sonst auch bei einer Neuen sehr leicht täuschen. Da hat z. B. ein suchender Rüde die Nase in die Röhre gesteckt, so daß man meinen könnte, er sei eingefahren. Da er sich aber überzeugt hat, daß keine Fähe oder gar eine Hochzeitsgesellschaft drin steckt, ist er mit einem Satz über die Röhre bergauf oder auf einen Felsen gesprungen und längst davon, der Bau also leer. Findet man vor dem Bau in der Rollzeit im Schnee usw. förmliche Betten, in denen ein Fuchs gelegen war, so ist das ein Rüde gewesen, den ein stärkerer Freier von seiner Fähe im Bau weggerauft hat. Ob nicht die ganze Hochzeitsgesellschaft längst wieder davon ist, kann auch nur Einkreisen des Baues klären. Ein alter Aberglaube ist es auch, daß der Fuchs den Bau als Hochzeitsgemach benütze. Eine Begattung im Bau ist aber schon wegen der Enge der Röhre technisch rein unmöglich. Vielmehr flüchtet sich die noch nicht stehende Fähe, von dem einen oder anderen Freier hart bedrängt, endlich in den Bau, um sie leichter abbeißen zu können. Wie etwa eine noch nicht reife Hündin vor dem Rüden unter Bett und Diwan. Im Innern der Röhre, namentlich im sandigen Boden, kann man eher spüren, ob der Fuchs ein oder ausgefahren ist. Den Dachs verraten auch in schlecht spürbarem Boden die Eindrücke der langen Krallen. Der Dachs läßt auch meist in der Einfahrt einige Borsten zurück. Im Herbst verraten Moos und trockenes Gras, daß er sich dort ein Winterquartier ausgepolstert hat. Aber all das sagt noch nicht, daß er im Bau steckt, da er oft als vorsichtiger Troglodyt mehrere Baue für den Winter herrichtet. Hat es lange geregnet, so sind auch an befahrenen Bauen kaum Spuren zu finden. Dann wartet man nach vorsichtigem Einhalmen eine Nacht ohne Regen ab. Bei trockenem Wetter können auch frisch aussehende Spuren täuschen, d. h. alt sein. Ist man im Zweifel, dann macht man es wie beim Abfährten von Schalenwild oder bei Menschenspuren: Dann drückt man daneben die Finger in die Erde und kratzt den Boden etwas auf. Die alte Spur und Fährte erscheint dann heller und deutlicher als unsere Marke.

Liegt Laub vor und in den Röhren, deuten nach oben gewendete und dort noch feuchte Blätter auf frische Spur. Liegt aber etwas abgeschollerter Sand darauf, so ist mindestens der Fuchs nicht daheim. Der Bodenjäger muß also, wie der Pirschjäger, auf das kleinste Zeichen achten und es richtig deuten können. Ist aber der Boden hart gefroren, so kann auch ein gut befahrener Bau wie nicht befahren aussehen. Auch Haare usw. können alt sein. Dann hilft noch am besten die Nase. Sogar die des pfeifenrauchenden Jägers, der aber am Bau den Dauerbrandofen außer Betrieb setzen und auch darauf achten muß, daß aus diesem nicht Asche oder gar Nikotintropfen aus der Brusttasche vor die berochene Röhre fallen und den Bau gründlich verwittern. Ist der Bau bewohnt, riecht man das meist selbst, da die Wittrung, die herauskommt, warm erscheint, besonders, wenn das Wild im Bau sein Lager ändert, rückt, da ihm auch vorsichtige Tritte des Jägers bei starkem Frost durch die Erschütterung des Bodens künden, daß draußen Gefahr droht. Mindestens muß ein brauchbarer Hund, den wir angeleint in die Röhre winden, aber nicht hineinschliefen lassen, uns genau sagen, ob Wild im Bau steckt.

Wendet der Hund sich gleichgültig ab oder sucht er gar an der Leine mit tiefer Nase vom Bau weg, so ist der Fuchs sicher schon fort.

Stecken Fuchs und Dachs zusammen im Bau, so kann es aus der einen Röhre nach Fuchs, aus der anderen nach Dachs riechen. Oder auch mal aus verschiedenen Röhren deutlich oder gar nicht, je nachdem das Wild im Bau rückt. Auch ein Hund mit wenig Nase und Erfahrung, aber mit Haß auf Raubwild weiß schon von klein auf, ob ein Bau befahren ist oder nicht. Denn zum Finden im Bau braucht der Hund sehr wenig Nase. Wohl aber gewandtes und eifriges Schliefen und wirkliches Dranwollen an den Feind. Sagt nun auch noch der Hund, daß der Bau leer ist, da er gar nicht rein will, wäre es grundfalsch, ihn hineinzuhetzen oder gar hineinschieben zu wollen. Das kann nur den Hund verderben und das Wild vom Besuch des verwitterten Baues abhalten.

 

Wann steckt der Fuchs im Bau?

 

Damit kommen wir zu einer für den Bodenjäger sehr wichtigen und oft schwierigen Frage: Wann steckt der Fuchs im Bau? Die meiste Zeit eben nicht, wie wir schon bei der Betrachtung seiner Lebensweise gesehen haben. Nur in der Heck- und in der Rollzeit kann man damit ziemlich sicher rechnen. Davor und danach aber nicht. Nun ist es aber auch so, daß der Fuchs in unruhigen Revieren mit kleinen Dickungen, wo er über der Erde keine Ruhe und Sicherheit findet, zweifellos viel eher und öfter unter der Erde steckt, als in großen ruhigen Waldrevieren mit umfangreichen warmen Dickungen, Geröllhalden usw.

Ja, dort geht er oft auch bei richtigem Sauwetter, das mit Recht als bestes Bauwetter gilt, nicht immer unter die Erde, wie man meinen sollte. Das schon gar nicht, wenn er am Morgen mit tau oder regennassem Rock vom Feld usw.  in den ruhigen Wald oder Berg heimkommt. Mit nassem Balg geht er nicht in den meist feuchtkalten Bau. Auch wenn keine Sonne ihm den feuchten Kittel trocknet, liegt er dann lieber auf einem Baumstock, einem Felsen usw. und läßt das vom Wind besorgen. Ja, ich habe wiederholt aus großen Dickungen bei schönstem Regenwetter mit dem Deutschen Wachtelhund Füchse rausgestöbert und erlegt. Sie waren staubtrocken, die Hunde klatschnaß. Der Fuchs findet also auch dann noch überall ein trockenes Plätz­chen, unter einem Windwurfteller, in einer Stein oder Erdnische usw. Wenn der Fuchs nach seinem nächtlichen Umherstreifen zu Bau fährt, tut er das meist am Vormittag oder schon in der Frühe.

Wenn das Wetter aber nicht gar zu ungemütlich ist, geht er schon am frühen Nachmittag wieder bummeln, auf ruhigen Schlägen im Wald und auf Mäusefang in friedlichen Feldern.

Andererseits liegt der Fuchs sicher einmal eine oder zwei Nächte im Bau über, wenn Regen und Sturm in finsteren Nächten ihm jede erfolgreiche Mäusepirsch verbieten. Jeder Trapper weiß, daß sich der Fuchs nach mehreren solchen Nächten todsicher im Eisen fängt, dessen Kirrung er bisher nur verächtlich im Vorbeischnüren links liegen gelassen hatte. Denn Hunger tut weh!

Auch wenn man im Herbst die Fuchsdickungen mit mehr oder weniger Erfolg mit Hunden abgestöbert oder mit Treibern durchgekämmt hat, geht der Fuchs gerne zum Bau, wenn auch erst am nächsten Tag. Man sagt wohl auch, daß der Fuchs, namentlich der Jungfuchs, bei der ersten Neuen zu Bau fahre, weil ihn die plötzlich weiß gewordene Gegend etwas unheimlich anmute. Ich habe das in großen, ruhigen Wäldern und Bergen nie feststellen

können, wenn nicht Tau- und Sauwetter folgten. Denn freilich, wenn es überall tropft und klatscht und der Fuchs mit trockenem Balg ins nasse Holz kommt, zieht er den Bau den tropfenden Dickungen vor.

Sind sie aber nur dick mit Rauhreif belegen, der in der Sonne schmilzt und tropft, dann setzt sich der Fuchs sicher an einen windstillen, sonnigen Ort auf einen Baumstock oder Felsen und schläft dort den Schlaf des Gerechten. Wenn man Zeit hat und sein Revier kennt, kann man ihn geradezu dort suchen, anpirschen und strecken, mindestens mit der Kugel. Nun gibt es aber noch eine ziemlich sichere Zeit, wo der Fuchs im Bau stecken kann, der seit der Roll- bzw. Heckzeit von ihm nie befahren war. Wie schon die alten Jäger wußten, ist das zur Zeit des Laubfalles, also je nach Klima und Lage, welche die ersten Frostnächte bestimmen, etwa von Mitte Oktober bis Mitte November.

Es ist ja nun richtig, daß das ewig raschelnde und fallende Dürrlaub sogar dem Hasen solche Laubholzdickungen, ja -waldungen verleidet, und er dann lieber auf Schlägen liegt oder selbst im Feld. Daß aber der Fuchs auch in reinen Nadelwaldungen, wo kein Laubbaum weit und breit da ist, und kein Laub rascheln und fallen kann, gerne zu Bau geht, hat m. E. einen anderen Grund. Er ist noch nicht so warm angezogen, und wenn er nun mit trockenem Balg ins Holz kommt, der Rauhreif tropft, aber keine Sonne durch den Herbstnebel kommt, dann geht er eben unter die Erde. Das namentlich auch dort, wo im Wald nun plötzlich Unruhe durch die beginnende Holzfällung eintritt, und namentlich auch in mit Streurechten belasteten Staatswaldungen nun ganze Ortschaften mit Kind und Kegel sich wochenlang damit beschäftigen, dem armen Wald den letzten natürlichen Dünger, die Bodenstreu, zu rauben und abzufahren. Erst recht erfolgt das alljährlich in den meisten kleinen Bauernwäldern.

Da wird es auch dem Fuchs über der Erde unheimlich, und der kundige Bodenjäger mit einem brauchbaren Erdhund kann gerade in dieser Zeit man­chen Fuchsbalg aufs Brett bringen, der in rauhen Lagen und Herbsten schon gut unter die Winterbälge paßt.  Die Rollzeit beginnt ja erst so um Weihnachten. Und ob man dann eine ganze Hochzeitsgesellschaft glücklich im Bau erwischt, das ist oft genug mehr ein glücklicher Zufall; denn dazu muß man den richtigen Tag riechen oder erraten, wenn man nicht einen Tag zu spät vor dem leeren Bau stehen will.

Um jene Zeit im Oktober-November steckt der Fuchs auch gerne in den er­wähnten Heu- und Streustädeln, die der dort oft sommerfrischende Dachs meist wieder verlassen hat, um seine Winterbaue im Wald usw. zu beziehen.

 

Von der Grabarbeit auf Fuchs und Dachs

 

Wir haben darüber schon manches erzählt und gestreift, was zur eigentlichen Bejagung unter der Erde wissenswert ist, oder doch weniger Kundige auf sie vorbereiten kann.

Wie schon erwähnt, sind die Fuchsbaue nach dem Ende der Ranz, also spätestens ab Jänner, verlassen, und es ist sinnlos, dann dort noch Hunde schliefen zu lassen, die höchstens im Hornung schon die kleinen, armen Grimbartkinder meucheln, und das in der Schonzeit des Dachses. Weder den Fuchsrüden noch die Fähe wird man dort noch finden. Aber die Fuchsfähe sucht schon ab anfangs März, so sie dick geht, eine Wochen- und Kinderstube. Ja, sie gräbt sogar in leichtem Boden eine neue Röhre. Während Reineke das sonst dem Pionier und Schwerarbeiter Grimbart überläßt. Die Fuchsfähe schnürt mindestens um diese Zeit von Bau zu Bau, räumt die Einfahrten und Röhren aus, mehr oder weniger Erde ausfahrend. Welchen Bau sie dann zur Kinderstube wählt, entscheidet sie wohl erst wenige Tage vor dem Wölfen. Wenn man also ab Mitte März vorsichtig die Baue revidiert und sie frisch ausgeräumt findet, kann man sicher dort um Ende April Jungfüchse im Alter von vier bis acht Wochen ausheben. In der ersten Zeit liegt noch kein Raub vor dem Bau. Die meisten Jäger merken ja erst etwas von Jungfüchsen, wenn im Mai der Platz vor dem Bau wie ein Schindanger aussieht. Dann ist es aber schon recht gefährlich, auf dem Bau noch viel herumzutrampeln, ja, ihn auch nur zu betreten, so man die Jungfüchse graben will. Denn die Fähe ist da äußerst mißtrauisch gegen Menschen oder gar Hundewitterung. Ja, es genügt schon, wenn sie von dem ansitzenden Jäger Wind bekommt, sobald sie mit Fraß heimkehrt. Sie warnt dann aus sicherer Entfernung die Welpen mit einem maunzenden, gar nicht lauten Ton, so daß diese im Bau versteckt bleiben. Hat man gar noch das eine oder andere der vor dem Bau meist so lustig spielenden Kinder Ermelines totgeschossen, so ist der Rest der Welpen samt der Mutter über Nacht sicher ausgewandert und kaum mehr zu finden, da er im Gebüsch usw. steckt. In meinen jungen Jahren, als die Vernichtung der Fuchsgehecke noch als die erste Pflicht der Hege galt, paßte ich mal an einer Kieferndickung, in welcher der Bau lag, auf einer Leiter abends auf die heimkehrende Fähe. Nach deren Erlegung sollte das Geheck mit den Dachshunden am nächsten Morgen ausgehoben werden. Es wurde schon dämmerig, als die Fähe unsichtbar in der Dickung kam, aber von mir trotz der Leiter Wind erhielt. Sie umkreiste mich unsichtbar, bis es völlig Nacht war, dabei warnend, etwa mit »gau! gau!« lautgebend. End­lich ging dieses maunzende Warnen in ein deutliches Locken über. Und auf dem hellen Sand vor den Röhren sah man mit dem Glas noch kleine Schatten, die auf die Fähe zu in die Dickung eilten.  Daß der Bau nun leer sei, war mir sofort klar. Und das bestätigten am nächsten frühen Morgen die Hunde. Die Gesellschaft war nimmer zu finden, ob gleich wir nach ihr alle Baue im großen Forst absuchten. Heute freue ich mich, daß die kluge Mutter alle ihre Kinder gerettet hat.

Ich möchte mich auch deshalb nicht über das Jungfuchsgraben hier weiter verbreiten. Denn in gut grabbaren Bauen ist es ein Kinderspiel für die Jäger und namentlich die Hunde, die Jungfüchse auszuheben. Wo das wirklich einmal nötig ist, müßte man mindestens warten, bis die Jungfüchse einigermaßen wehrhaft sind, um den jungen Erdhunden wenigstens einigermaßen ernstliche Arbeit zu liefern. Da es ja heute mit Recht gesetzlich verboten ist, säugende Muttertiere zu erlegen, bevor alle Kinder gestreckt sind, wird die Fähe meist entkommen, so man sie nicht zufällig im Bau mit antrifft. Eine Zeit, wann die Fähe daheim ist, läßt sich aber nicht voraussagen. Wenn man Jungfüchse graben will, muß man dafür nicht zu starke, gewandte Schliefer haben. Denn jene graben sich im leichten Boden gerne klei­ne, ganz enge Seitenröhren, wo sie vor zu massigen Hunden sicher sind, und überdies sind sie in größeren Bauen so flink und gewandt, daß sie weniger rasche Hunde oft gar nicht alle fangen können. Daß man im lockeren Bau mit Sand und Geröll die Wannen mindestens ebenso breit anlegen muß, wie sie tief zu werden scheinen, ist bereits erwähnt. Das nicht nur wegen der Einsturzgefahr für Mann und Hund, sondern weil man sich sonst drunten nimmer rühren kann, wenn man endlich auf die Röhre, den Hund und das Wild kommt. Dann muß man sofort lange Ruten in geöffnete Röhren schieben. Sonst findet man diese im lockeren Boden, der nachrutscht, oft lange oder gar nimmer, und der verschüttete Hund kann erstickt sein, bevor man ihn finden und freimachen kann, zumal er ja dann meist nimmer Laut zu geben vermag.

Über die Tiefe der Baue täuscht man sich auch bei viel Erfahrung nur zu leicht. In lockerem Geröll oder Schutt von Steinhalden hört man die Hunde in vier bis fünf Meter Tiefe, wenn man das Ohr auf den Boden legt, oft noch ganz deutlich Laut geben und kann sie doch mit Graben kaum oder gar nicht erreichen. Auch in lockerem Sand hört man die Hunde auch in mehreren Metern Tiefe meist noch deutlich. In beiden Fällen ist man versucht, den Einschlag oben zu schmal und zu kurz anzulegen, was sich bitter rächen kann. Selbstverständlich ist dabei stets, daß man den Einschlag quer zum vermuteten Lauf der Röhre anlegt und umso länger, je weniger der Verlauf derselben einwandfrei zu bestimmen ist. Das kann man ja nur aus dem lauten Gang der Jagd in der Unterwelt leidlich sicher bestimmen, wenn man mit dem Ohr am Boden horcht, wo der laute Hund vorstößt und zurückweicht.

Im dichten Lehm und Letten hört man die Hunde, die in der meist darunter liegenden Sandschicht arbeiten, da dort in solchen Bauen die Röhren liegen müssen, oft schon in zwei bis drei Metern Tiefe kaum mehr Laut geben. Höchstens noch nach langem Abhorchen des ganzen Bodens über dem Bau ein leises Klopfen, wohl durch das Anprallen des Hundekopfes an die Decke der Röhre beim Lautgeben erzeugt.

Äußerst wichtig ist es ferner, genau abzuhorchen, wo der Hund drunten Laut gibt und wo etwa vor ihm das Wild liegt. Nie darf man auf den Fuchs oder gar Dachs selbst graben, sondern nur auf den Hund. Denn wenn man dem Wild auf den Kopf oder gar Rücken gräbt, und es keine Rückzugslinie mehr hat, weil der gute Hund es wirklich festgetrieben, richtig gestellt hat, dann stößt der Fuchs und namentlich der Dachs sicher hart auf den Hund vor, der dabei meist schwer geschlagen wird, so er etwas taugt. Völlig falsch ist es auch, über dem Wild mit dem Spaten oben auf den Boden zu klopfen oder dort zu trampeln, um festzustellen, ob das Wild wirklich gestellt ist oder noch rücken kann, daß also dieser Einschlag nicht zum Ziele führen würde. Denn dann stößt der Gegner durch das Dröhnen über ihm urplötzlich auf den Hund los, der oft gar nimmer rasch genug zurückweichen und passieren kann, wenn er Schneid hat, also schon dicht vor dem Wild liegt. Daß der Hund dann meist schwer geschlagen wird, ja durch unverschuldeten Griff Fang in Fang einen Ober- oder Unterkieferbruch erleiden kann, wenn man falsch trampelt, ist jedem Kundigen klar.

Über ein schlagendes Beispiel wird später noch berichtet werden, das eine brave Terrierhündin kriegsuntauglich gemacht hat.

Wenn man genau hört, wo der Hund und das Wild liegen, und man sicher weiß, daß der vorsichtige Hund nicht zu hart am Wild, liegt, also genug Spielraum hat, mag man ja über dem Hund selbst einmal klopfen. Das hören Hund und Wild auch noch in großen Tiefen. Der Hund weiß dann, daß man ihm zu Hilfe kommt, und das Wild rückt dann weiter zurück oder an eine andere Stelle im Bau, so es noch kann.

Denselben Erfolg erzielt man ja, wenn man erst einmal zu graben anfängt. Man muß daher immer wieder einmal am Boden des Einschlags abhorchen, ob die Jagd da drunten noch steht, bevor man weitergräbt. Gerade der Dachs wird dann oft noch rücken, so er noch kann, neues Abhorchen und neuen Einschlag fordern. Bleibt aber das laute Hin und Her da unten doch in demselben Rohr, so wird man den begonnenen Einschlag bis auf dieses Rohr nieder­bringen, um zu sehen, wie es da drunten nun weitergeht und ausschaut. Ja, in sehr großen Bauen, wo die Jagd nirgends endgültig steht, immer rundum geht, was sogar beim Dachs vorkommen kann, bleibt manchmal nichts anderes übrig, als den Bau durch einen Einschlag entzweizuschneiden oder die obere Etage durch eine Wanne aufzugraben, ja, auch noch die zweite Etage, um die Jagd zum Stehen zu bringen. Auf einen solchen Fall werden wir beim Abschnitt über den Dachs noch zurückkommen. Diese Regeln gelten aber für jede Grabarbeit, auch die auf den Jung- und Altfuchs. Eine Hauptregel ist es auch, dem Hund, bevor man ihn schliefen läßt, die Halsung abzunehmen. Wenn das schon bei der Stöber- und Wasserarbeit und vor Schweißhetzen alte, gute Regel ist, so ist das bei der Bauarbeit doppelt nötig. Denn die Halsung behindert nicht nur den Hund unter der Erde, sondern sie kann ihm lebensgefährlich werden, wenn er sich an einer Wurzel, an einer Engstelle damit verhängt und man ihn nicht mehr ausgraben kann, weil er nimmer Laut gibt oder es überhaupt unmöglich ist zu graben, wie in Felsbauen, Kanälen, Heustädeln usw. Bestenfalls geht im Bau die Halsung verloren! Das ist jedenfalls viel besser, als wenn durch sie der Hund zum Teufel ginge! - Dagegen muß jeder Hund, der nicht arbeitet oder nimmer arbeiten will, unbedingt fest und sicher angeleint werden. Man legt ihn abseits des Baues ab, wobei er sich völlig ruhig verhalten muß. Auch der oder die Jäger und Gehilfen dürfen beim Graben keinen weiteren Lärm machen, insbesondere nicht unnötig auf dem Bau herumtrampeln, da das den Hund drunten stört, das Abhorchen erschwert usw. Das Wild drunten hat ja ohnehin längst gespannt, daß es droben nicht mehr sauber ist, und wir legen beim Graben auch kein Gewicht darauf, daß es springt. Bei der Grabarbeit ist mir jede geladene Flinte auf dem Bau unheimlich. Wenn man allein gräbt, kann und soll man ja auch nur einen Revolver, weniger eine Pistole, griffbereit und gesichert in der Tasche haben. Ja, ich habe meine meisten Füchse und Dächse mit einem lumpigen Terzerol im Bau ge­streckt, dessen kleine Flobertkugel, genau zwischen beide Seher gezielt, auch den stärksten Dachs blitzschnell tötet. Mit einem Prügel kann man dem Tier wohl den Schädel zerschmettern, daß beide Seher heraushängen, ohne es rasch zu töten. Das ist rohe Tierquälerei. Ganz abgesehen davon, daß in einem engen Einschlag usw. der Schlag den braven Hund treffen kann. Der muß vorher unter allen Umständen entfernt sein. Besonders auch, wenn man mit halber Ladung den Dachs, der den Kopf aus der Röhre im Einschlag steckt, mit der Flinte strecken will, sobald der Hund weg ist.

Den Fuchs, der das nicht tut, kann man rasch und einfach lebend aus der letzten Sackröhre heben, indem man ihm einen kurzen Stecken vorhält, den er faßt und festhält, so daß man ihn so genügend weit herausziehen kann, um ihn mit der anderen Hand fest im Genick zu packen. Dabei kann gar nichts passieren, wenn man das richtig tut. Beim Dachs geht das kaum. Man kann ihn im Genick nicht halten, muß da anders vorgehen, wenn man ihn lebend ausheben will, wie im Abschnitt über die Grabarbeit auf Grimbart noch näher erörtert werden wird.

Arbeitet man also ganz allein, dann verstopft man vorher alle Einfahrten fest mit Reisig oder verkeilt sie mit Steinen, so daß das Wild nicht springen kann. Auf eine Hauptausfahrt legt man ein Sprengnetz, und ebenso sichert man geöffnete Einschläge, die man nicht fortwährend im Auge behalten kann, mit Sprengnetzen. An diese hängt man dann noch eine kleine Schlittenrolle, deren Klingeln uns verrät, daß da etwas los ist.

Nur wenn man einen ganz verlässigen und todsicheren zweiten Schützen bei sich hat, mag der schußfertig auf etwa springendes Wild passen. Nie aber mehrere Schützen, die selbst bei der Sprengarbeit vom Übel sind. Denn dann verläßt sich einer auf den anderen! Keiner paßt richtig stundenlang auf. Und ganz bestimmt springt das Wild gerade in dem Augenblick, wo man sich eine neue Pfeife usw. anzündet, einen Schluck Zielwasser nimmt oder gar Brotzeit macht, während das Wild blitzschnell verschwindet und nur dumme Gesichter hinterläßt.

Wenn gar noch mehrere Gehilfen, Jäger oder Zuschauer auf und am Bau sind, muß man alle Gewehre entladen lassen und jedes Schießen strengstens verbieten. Denn in dem dann entstehenden Trubel von Menschen und Hunden käme es beim Schießen auf springendes Wild mitten durch die Korona nur zu leicht zu schwersten Jagdunfällen. Wenn es sich nicht vermeiden läßt, mehrere Schützen mitzunehmen, so postiert man diese so weit vom Bau entfernt auf die Pässe in und aus Dickungen, daß keiner beim Schießen auf ewa springendes Wild Menschen oder Hunde gefährden kann. Bauarbeit ist kein Volks­fest und jeder Zaungast dabei überflüssig, ja gefährlich! Sehr wichtig ist es auch, daß der Bodenjäger richtiges Werkzeug mit sich führt. Wenn man allein arbeitet, hat man im Rucksack außer einigen Sprengnetzen, auf deren Gebrauch bei der Sprengarbeit noch näher zurückzukommen ist, mindestens einen kleinen, festen Pionierspaten und einen ebensolchen Beilpickel dabei und einen guten Leuchtstab in der Tasche. Mit dem Beilpickel, der also auf der einen Seite ein festes Beil, auf der anderen einen ebensolchen schmalen Pickel hat, am besten gut handgeschmiedet mit einem festen Stiel aus Eschenholz, muß man auch stärkere Wurzeln durchhauen und gröbere Steine ausheben und zertrümmern können. Auch wenn man einen oder zwei Erdarbeiter für tiefe, grabbare Baue benötigt, müssen diese ein solides Beil, eine starke Haue, einen festen Spaten und eine ebensolche Schaufel mitnehmen. Aber die Stiele sollen auch für dieses schwere Schanzzeug nur etwa einen Meter lang sein, da längere in tieferen Einschlägen bei der Erdarbeit nur hinderlich sind. Den grausamen Fuchshaken, eine doppelte starke Angel, die mit einem Wirbel an einer Stange aufgepaßt ist, habe ich nie benützt. Damit sollen Fuchs oder Dachs aus der Sackröhre gezogen werden, wenn er auf die Angel gebissen hat oder an einer Prante festgehakt wurde. Einfacher und humaner ist dann eine etwa fingerdicke feste Haselnußgerte, die man vorne kreuzweise einkerbt. Oder auch eine schwächere halbdürre Fichtenstange, an der man den obersten Quirl mit kurzen, zugespitzten Stummeln stehen läßt. Ist nun der Fuchs oder Dachs in einer Sackröhre vom Hund festgetrieben, aber noch nicht erreichbar, dann sondiert man mit diesen Ruten. Beide beißen sie darauf. Aber im Gegensatz zum Fuchshaken sucht man ihnen irgendwo mit dem oberen Teil der Ruten in die Wolle oder die Borsten zu fahren und dreht nun die Rute dort fest. Hat sie erst einmal Wolle oder Borsten gefaßt, dann wickelt sich durch richtiges Weiterdrehen der Balg oder die Schwarte um die Rutenspitze fest. Den Fuchs kann man dann meist leicht herausziehen, abfangen oder knebeln, so man ihn lebend haben will. Beim Dachs braucht man meist zwei Ruten und vier Hände, um den Schwergewichtler, der sich mit allen vier Pranten in der Röhre dagegen stemmt, zu landen.

Einen Knebel soll man bei der Grabarbeit stets in einer Hosentasche haben. Es ist das ein gut fingerstarkes und zwei Finger langes Stück festen, harten Rundholzes, tunlichst trocken, also aus Haselnuß oder Buche. An einem Ende des Holzes wird in einer leichten Kerbe eine kräftige Schnur so festge­knüpft, daß sie nicht abrutschen kann und ihre beiden Enden etwa 25 cm frei daran hängen. Der Fuchs nimmt dieses Apportel ohne Befehl sofort in den Fang, wenn man ihm das Holz hinhält und läßt es nicht mehr los, wenn man daran zieht. Sobald sein Fang frei ist, fährt man mit dem einen Ende der Schnur ihm unten und oben rings um den Fang und dann noch umgekehrt mit dem anderen Ende. Nun knüpft man beide Enden, das Stöckchen festhaltend und zurechtschiebend, fest zusammen. Der Fuchs hat dann einen sicheren Beißkorb an. Denn das Holz liegt hinter seinen Fangzähnen, kann also nicht herausrutschen, und die Schnur verhindert das öffnen des Fanges. So kann man auch bissige Hunde knebeln oder Hunde, die geflickt werden müssen, wie das auf Bau- und Saujagden öfter schon im Revier mit einfachsten Mitteln nötig werden kann. Den Fuchs, den man lebend mitnehmen will, steckt man dann einfach in einen festen Rucksack oder anderen Sack. Er verhält sich dann ganz ruhig, so daß man auf dem oft weiten Heimweg glaubt, er sei tot. Wenn man aber unvorsichtig nachschaut und der Fuchs so viel Luft sieht, daß er springen kann, wird er versuchen, blitzschnell aus dem Sack zu springen.

Weil wir nun schon mal beim Knebeln sind, müssen wir auch da einmal den Dachs betrachten, der sich dabei ganz anders verhält. Ein Mann muß viel Übung, Ruhe und Kraft haben, um den Dachs im Einschlag zu knebeln, wenn ihn ein scharfer Packer in diesem richtig gefaßt und herausgezogen hat. Wie gesagt, kann man ihn mit einer Hand nicht im Genick festhalten, da der Hals ja bei diesem Erdarbeiter so stark bemuskelt ist wie bei einer Wildsau. Bei beiden ist der Hals ja stärker bemuskelt als der Rücken. Die Dachs­schwarte ist zäh und elastisch. Der Dachs drückt einem die Hand vom Halse ab, wenn er auch noch den Rücken wölben kann. Im Einschlag muß man ihn also gleichzeitig mit einer fest zupackenden Hand am Nacken und mit dem Spatenstiel auch im Rücken niederdrücken. Vorne im Genick muß ihn natürlich der scharfe Hund noch eisern halten. Dann drückt man den Dachs mit dem Knie auf seinem Rücken fest auf den Boden - er zerbricht dabei nicht! - und hat nun die andere Hand frei. Mit dieser führt man ihm den Knebel in den Fang, den er nicht so willig nimmt, wie der Fuchs das stets tut, und schnürt ihm den Fang zu. Dann erst bricht man den Hund ab, was leichter ein Gehilfe besorgt. Der Dachs muß immer noch mit zwei Händen niedergehalten werden, bis man ihn in einen wirklich festen, dichten Sack stopfen kann, wozu wieder vier Hände nötig sind. Ist der Sack nicht sehr fest und dicht, dann arbeitet der Dachs oft rasch ein Loch mit seinen Grabkrallen hindurch, da er ja, geknebelt, mit dem Gebiß, seiner eigentlichen Waffe, nicht mehr zugreifen kann. Dann müßte man dem Dachs vorher auch alle vier Pranken kreuzweise fesseln, wie man einen Bock schränkt, den man in den Rucksack stecken will. Der Dachs schlägt ja nie mit den Pranten, aber er sträubt sich und kratzt damit, wenn er sich mit dem Gebiß nimmer wehren kann. Nennenswerte Verletzungen kann er aber auch dann mit den Pranten nicht verursachen.

Damit ist die Sache noch lange nicht aus. Auch der geknebelte und sogar geschränkte Dachs tobt im Sack meist wütend weiter. Dabei geifert er stark vor Zorn. Wenn man nun den Dachs weiter transportieren muß, um irgendwo die nächste feste Kiste zu erhalten und ihn von Fesseln und Knebel bald zu befreien, kann es vorkommen, daß er sich auf einmal im Sack oder Rucksack ganz ruhig und still verhält. Wie das der Fuchs immer tut, der aber dabei quicklebendig ist. Der Dachs aber ist dann in der Regel tot. Oft schon nach einer halben Stunde Marsch. Die Ursache wurde mir nie ganz klar. Ist es Herzschlag? Ist es Luftmangel? Ich fand dann immer, daß die durch sein Geifern und Schäumen nasse Schnur des Knebels sich so fest über die Nase und Nasenöffnung zusammengezogen hatte, daß sie dem Dachs dort die Atemluft abgeschnürt zu haben schien, und er also erstickt war! Ich rate also beim Dachs, den man unbedingt lebend heimbringen will, diesen Kampf mit Knebel und Fessel zu vermeiden, der für beide Teile nicht erfreulich ist und oft zu keinem glücklichen Ende führt. Dann ist es schon besser, gleich auch noch eine feste, verschließbare Kiste auf den Bau mitzunehmen oder den auf den Schliefplätzen üblichen Transportkasten für das Raubwild. Man hebt dann den Dachs mit der Dachszange einfach aus und steckt ihn ungeknebelt in den festen Kasten. Mit der Dachszange, die man sonst auch beim Dachsgraben entbehren könnte, die man aber doch im Rucksack leicht mit­führen kann, muß man freilich auch richtig hantieren können. Falsch sind m. E. diejenigen Dachszangen konstruiert, die vorne eine gekröpfte Halskrause haben, die scheinbar den Dachs leichter in der Röhre selbst hinterm Kopf um den Hals fassen soll. Das wird in der Röhre nur selten gelingen, weil der Dachs den Kopf zwischen die Vorderpranten steckt. Die Dachszange, mit der man natürlich auch den Fuchs ausheben kann, soll vielmehr völlig gerade aus etwa kleinfingerdickem Rundeisen geschmiedet sein, das sich aber nirgends verbiegen darf. Man kann dann das Wild unversehrt in einen festen Sack oder Rucksack, den Dachs noch besser in eine feste Kiste, stecken.

 

Das Fuchssprengen

 

Der Fuchs läßt sich aus geeigneten Bauen mit geeigneten Hunden oft spielend sprengen, wenn er draußen vom Jäger nichts vernommen, gewindet oder gar geäugt hat. Dann allerdings nur schwer oder gar nicht. Der Dachs springt nur ganz ausnahmsweise einmal aus einem ungegrabenen Bau, wenn er keine Sackröhren hat, es zum Beispiel ein Sternbau ist, dessen Röhren alle strahlenförmig nach außen münden. Und das noch viel eher einmal der leichte Sommerdachs aus einem solchen Sommerbau, als der fet­te, schwere Herbstdachs aus einem großen Mutter- oder Winterbau. Wer also Erdhunde anbietet, die jeden Fuchs und Dachs todsicher sprengen, ist ein Schelm! Und wer sie auf solche dreiste Reklame hin für teures Geld kauft, zählt zu denen, die nie alle werden.

Gute Erdhunde kann man kaum je kaufen, so wenig wie gute Saufinder oder Schweißhunde. Die kann nur ein guter Jäger ausbilden und auf die höchste Leistung bringen. Der verkauft aber solch ein Kleinod nicht ohne höchste Not. Man muß sich also solche Hunde selbst heranbilden und laufend verdienen, am besten aus Welpen oder Junghunden bis zu sechs Monaten, die aus bester Leistungszucht stammen. Wenn man sie von kleinauf richtig erzieht, ausbildet und abführt, erlebt man damit am meisten Freude und Erfolg. Ich sage immer, am besten und billigsten verdirbt man seine Hunde selbst. Man lernt dabei wenigstens etwas dazu, und es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen!

Der Mensch lernt nur aus den eigenen Dummheiten. Ein Volk auch aus diesen nicht!

Aber ein Jäger soll wenigstens aus den Lehren Erfahrener, aus der gerechten Schule etwas dazulernen. Denn beim jagen lernt keiner aus! Und das Be­ste lernt man, auch wenn man sich schon ausgelernt dünkt, von guten Hunden dazu! Sie sind nun einmal unsere besten und treuesten Waidgesellen, wenn wir sie nur als solche erziehen und behandeln. Das gilt gerade auch für den Erdhund, der ja neben dem Saufinder das härteste Brot eines Jagdhundes sich verdienen muß. Darum darf der Jäger sie nie im Stich lassen. Dann werden sie auch ihn nicht im Stich lassen.

Aus dem Vorstehenden wird schon klar geworden sein, daß wir zum Sprengen des Fliegers Fuchs auch einen Flieger von Hund brauchen. Also kleine, wendige, rasch schliefende Hunde mit genügend Schneid, ob nun Terrier oder Dachshunde.

Man muß auch unterscheiden, ob der Fuchs nur sozusagen von selbst springt oder wirklich vom Hund gesprengt wird.

Denn oft springt er, ohne mit dem Hund nur annähernd Bekanntschaft bekommen zu haben.

So hatte ich mal in einem Privatwald im Allgäu dienstlich zu tun und gar kein Gewehr mit, da ich dort nicht ohne weiteres jagdberechtigt war. Aber zwei blutjunge Foxterrier dabei und sie in dem hageldichten Fichtenstangen­holz nicht mal angeleint, da sie ja auch noch zu dumm waren, um über der Erde zu jagen. Auch einen Bau oder gar einen Fuchs kannten sie noch nicht. Da kam ich dort an einen Bau mit zwei Röhren, die sich auf etwa 10 Schritt gegenüberlagen. Im Handumdrehen waren die beiden Anfänger Wauz und seine Wurfschwester Wanz im einen Loch. Und bevor sie nur einen Ton äußerten, stand fünf Schritt vor mir vor der zweiten Röhre ein Altfuchs. Der äugte noch in die Röhre zurück und schnürte dann ganz  langsam davon. Bis die beiden Foxe stumm nachkamen, war der Fuchs längst davon, und meine beiden Anfänger versuchten nicht einmal, seine Spur aufzunehmen. Von den übervorsichtigen Baukläffern habe ich schon früher erzählt. Sie fahren mit homerischem Kriegsgeschrei, das oft schon mehr Angstgeschrei ist, um sich Mut anzubellen, zu einer Röhre rein, zur nächsten raus und im Bau herum, wie der Wind in der Laterne. Sie wollen gar nicht ernstlich an den Fuchs. Der aber glaubt offenbar, daß der ganze Bau voll von Hunden sei und springt, so der Bau das irgendwie erlaubt und wenn er draußen nichts gemerkt hat, oft im Handumdrehen. Oft aber auch nicht, wenn er draußen Unrat und Unruhe wahrgenommen hat oder der Bau nur Sackröhren hat, er also ohne Zwangsräumung gar nicht springen kann. Dann ist mit den reinen Kläffern nichts zu erben!

Auch gute Sprenger versuchen dann meist zunächst, ob das von einer anderen Einfahrt her nicht besser gelingen könnte. Oft rückt dann der inzwischen nervös gemachte Fuchs aus seiner Sackröhre und springt mehr oder minder freiwillig.

Diese vorsichtigen Sprenger werden kaum je geschlagen, da sie sich nicht auf einen ernstlichen Nahkampf einlassen. Der wirklich rücksichtslose Spren­ger aber fängt mit dem Fuchs, den er in die letzte Sackröhre gedrängt hat, nun hart zu raufen an, schiebt sich beißend auf ihn, versucht ihn zu würgen, was im engen Sackrohr meistens mißlingt, und drängt ihn mit seinem Körper, rücksichtslos vorstoßend und fassend, aus der Sackröhre. Der Fuchs überrollt dann den Hund, wie man sagt. Richtiger wohl, er reißt sich noch aus dem Handgemenge los, hinterläßt dem Hund nur einen Fang voll Wolle und einige Schmisse und fliegt dann aus der erstbesten Röhre heraus, die an die frische Luft führt. Das auch sonst, wenn er mal die Zähne des Hundes gespürt hat. Denn der Fuchs ist kein »Steher« wie der Dachs. Dieser sagt dagegen: Hier bin ich Herr im Hause und schmeiße jeden raus, der mir nicht paßt.

Wenn der Fuchs nun wie aus der Pistole geschossen springt, muß sehr rasch und sicher geschossen werden. Oft ist das auch für den besten Schützen nicht einfach; denn man hat da den Eindruck, daß der Fuchs auch hinten noch zwei Seher habe und es meisterhaft verstehe, zwischen sich und das Feuerrohr gerissen eine Deckung zu bringen. Im hohen Holz den dicksten Baum, sonst einen Busch, einen Fels usw. Ungern springt der Fuchs in sehr hohen und lockeren Schnee, der ihn an rascher Flucht hindert. Ich glaube. auch, daß er genau weiß, ob der Hund langsam oder rasch ist, und sich danach richtet. Wo man nicht oder schlecht schießen kann, wie in Dickungen, springt der Fuchs am liebsten. Auch hat er oft eine gut getarnte Fluchtröhre, fast senkrecht nach oben, zum Beispiel unter einen dichten Fichtenbusch, die man bis dahin nicht kannte, und ist hinter dem Busch fast unsichtbar und blitzschnell verschwunden, bevor man langsam schauen kann. Wenn der Fuchs einige Zeit zur Überlegung hat, weil ihm der Hui dicht rasch an der Lunte folgt und folgen kann, streckt er oft zunächst den Kopf aus der Röhre, schaut nach, ob es draußen sauber ist, und zieht sein Kummergesicht wieder zurück. Glaubt er draußen die Luft sauber, was Hauptsorge des Jägers beim Spren­gen sein muß, dann setzt er in der Röhre zum Springen an und haut blitzschnell ab.

Von alten gerissenen Bauernjägern lernte ich einst ein Rezept, um das Nahen des Fuchses (oder Hundes!) zu signalisieren. Sie schoben vorsichtig lange, dünne Ruten in die Röhre, sie nur an der dünnen Spitze anfassend, die her­ausstand und so kündete, daß sich ein Tier der Ausfahrt nähere. Nie aber darf der Jäger dem Fuchs ins Gesicht schießen, wenn der wirklich den Kopf aus der Röhre streckt. Spitz von vorn ist ja auch sonst der schlechteste Schuß auf den Fuchs. Hier aber wird ihn der nachfolgende Hund, wenn er wirklich mit Kopfschuß verendet wäre, todsicher von hinten fassen und in den Bau zurückreißen. Handelt es sich noch um stark und tief abfallende Röhren, dann kann es sehr schwierig werden, den Fuchs noch zu landen. Denn aus solch engen und steilen Röhren kann ihn auch der willigste Hund oft nicht ins Freie ziehen, da er sie schon ohne Gepäck manchmal nur schwer überwinden kann, gar noch, wenn höhere Felsstufen nur springend zu bewältigen sind. Wie man den Fuchs dann noch landen kann, wird noch berichtet werden.

Aber noch ein anderer triftiger Grund verbietet jedes Schießen auf den Kopf des Fuchses, der zur Ausfahrt herausschaut. Ist der Hund schon hinter dem Fuchs, kann ein leichtfertiger Schuß in die Röhre hinein diesen verletzen, besonders bei gefrorenem oder steinigem Boden auch durch Prellschrote. Auch kam es schon vor, daß der Fuchs blitzschnell sprang und der Hund in die Feuergarbe lief und auf der Strecke blieb. Erdhunde sollen keine rote Köpfe haben. Das ist bei leichtsinnigen Schützen so gefährlich wie der rote Hund beim Fuchstreiben über der Erde. Ja, ich habe es erlebt, daß ein hitziger Schütze einen Rauhhaarfox, der den Kopf aus der Röhre streckte, für einen Fuchs totschoß. Der Terrier war weiß mit üppigem Bart zu Bau gefahren. Und heraus guckte nun sein roter, spitzer Kopf, vom Lehm rotgefärbt, und im nassen Bau hatte der üppige Bart sich klatschnaß um den nun spitz erscheinenden Fang geklebt. Ja, es kann dann auch einem gut erfahrenen Bodenjäger vorkommen, daß er im allerersten Augenblick nicht sofort seinen so veränderten Hund erkennt. Aber schießen darf und wird er nie in die Röhre hinein.

Wenn man nun allein jagt, kann man oft von einem Platz aus nicht alle Ausfahrten großer Baue überblicken oder ständig im Auge behalten. Denn der eigene Standort des Schützen muß sorgfältig gewählt werden. Er muß vor allem besten Wind haben und darf selbst gar nicht in die Röhren hineinsehen können, da ihn der Fuchs sonst schon in der Röhre eräugt, bevor der Jäger ihn sehen kann, und dann natürlich nicht springt. Auch zwei Schützen kön­nen sehr oft große Baue nicht richtig übersehen und alle Ausfahrten schußfertig bewachen. Besonders nicht an großen Hangbauen, die Röhren auf der Höhe und noch solche an zwei steilen Hängen haben, wo man selbst kaum stehen kann. Erst recht ist das für den Einzeljäger oft der Fall, von Bauen in Dickungen gar nicht zu reden. Dann muß man eben Sprengnetze legen, aber richtig!

Es ist das keine Zughaube, wie man sie meist auf Kaninchenbauen verwendet, wenn man mit dem Frett jagt und schlechtes Schußfeld hat.

Das Sprengnetz ist ein Decknetz, etwa 1,20 m im Geviert, mit viereckigen Maschen aus kräftigern braungefärbten Garn von acht bis neun cm im Quadrat. Diese Maschenweite ist wichtig, da sie genau so berechnet ist, daß Fuchs und Dachs mit dem Kopf durchfahren können und dann die Masche um den Hals haben, diese also nicht aufbeißen oder zerreißen können. An den vier Ecken des Decknetzes sind an etwa 10 cm langen, festen Hanf­schnüren vier durchbohrte Bleikugeln von der Größe einer kleinen, rund ge­dachten Walnuss befestigt. Springt nun Fuchs oder Dachs richtig in das Decknetz, also etwa in die Mitte des flach über die Ausfahrten oder Einschlä­ge gebreiteten Netzes, so schlagen diese Bleikugeln hinter dem Wild zusammen und so in die Netzmaschen, daß das Wild nach wenigen überhasteten Fluchten wie ein verschnürtes Paket fluchtunfähig liegen bleibt, da es völlig und fest eingewickelt ist. Es kann dann leicht getötet oder auch völlig unversehrt lebend erbeutet werden. Liegt das Wild so richtig im Netz, kann man es zunächst gar nicht herauswickeln, muß vielmehr die Masche um sei­nen Hals aufschneiden, um es herauszubekommen. Den Fuchs, den man lebend mitnehmen will, kann man so ungeknebelt in den Sack oder Rucksack stecken. Beim Dachs ist das weniger zu empfehlen, wie schon erörtert. Damit eben das Decknetz richtig fängt, muß man es auch richtig über die Röhre legen, und zwar möglichst flach auf dem Boden liegend und stets diagonal.

 

Wie kämpfen Fuchs und Dachs?

 

Darüber muß sich jeder Bodenjäger, auch wenn er die Bodenjagd nur gelegentlich betreibt, restlos klar werden. Gerade darüber sind aber viele Irrtü­mer und unausrottbare Kindermärchen verbreitet.

Wie schon erwähnt, ist der Fuchs ein Flieger. Auch der Hund, der ihn sprengen soll, muß ein Flieger sein. Der Dachs aber ist ein Steher und auch der auf Dachs brauchbare Hund muß Steher sein. Der Fuchs ist kein echter Höhlenbewohner wie der Dachs. Der Fuchs verteidigt sich unter der Erde nur so lange er muß. Hat er draußen Unrat vernommen oder gewit­tert, oder hat ihn der Hund in eine Sackröhre gedrängt, dann muß er sich wehren. Er sperrt dann mit offenem Fang und keckernd die enge Röhre. Ist der Hund nicht scharf genug, um ihn zu fassen, liegt er nur vor, so muß man auf den Hund graben. Scharfe Hunde aber, die dem Fuchs an die Kehle wollen, drängen dann dicht auf und versuchen zu fassen. Dabei halten sie lautgebend ihren Kopf tief und seitwärts. Deshalb werden sie vom Fuchs meistens oben, auf Nasenrücken, durch die Augenlider und Behänge ge­schlagen. Die Terrier haben daher kleine Behänge, ein Kippohr oder Stehohr. Der Dachshund hat weit hinterm Auge angesetzte, lange Behänge, die man deshalb oft als Fuchsfutter bezeichnet.

Der Würger muß versuchen, dem Fuchs von unten an die Kehle zukommen, wenn dieser einmal nicht aufpaßt oder ins Leere schnappt. Dann faßt ihn der griffsichere Hund von unten und der Seite an der Kehle, greift nach und dreht den Fuchs auf den Rücken, um ihm die Luft abzudrücken. Das fordert in engen Röhren, wie sie reine Fuchsbaue meist haben, sehr viel Schneid und sicheren Griff. Deshalb soll man junge Erdhunde nicht oder nicht zu viel im Freien und Hellen würgen lassen, wo das für scharfe, wenn auch kleine Hunde eine Spielerei ist. Ja, man kann damit erreichen, daß sie gar nicht mehr ins enge, dunkle Loch wollen, sondern nur hineinbellen und rufen Geh' raus, wenn du Schneid hast!

Gelingt nun dem Hund das Fassen und Würgen oder gar Abwürgen im engen Loch oder Kessel, den Fuchsbaue an sich meist gar nicht haben, vorbei oder nicht vollständig, drängt er sich nach Art der rücksichtslosen Sprenger mit seinem nicht zu großen Körpergewicht auch in eine Sackröhre und auf den Fuchs und diesen förmlich da heraus, dann kommt es zum Handgemenge. Der Fuchs überrollt den Hund. Der Hund ist nun hinter dem Fuchs, und der springt nun um jeden Preis an die frische Luft, nachdem er die Zähne seines Gegners ausprobiert hat.

Der Fuchs zwickt mit seinen spitzen Zähnen zwar tiefe Löcher, aber sobald ihn sein Gegner auslässt  läßt er diesen sofort auch los. Es kann wohl auch am Fuchs einmal Schneidezähne kosten, ja, wenn es ganz dumm geht, auch einmal Brüche des Kiefers für den Hund. Wenn dieser blind Fang an Fang greift, kann ihm der Oberkiefer hinter der Nase gebrochen werden, so er nicht die Reißzähne weit genug in das Gebiß des Fuchses brachte. Denn dann hat der Fuchs Obergriff. Hat aber der Hund den Unterkiefer des Fuchses fest in der Zange, dann kann er dem Fuchs diesen bre­chen. Beim Dachs, der als Gemischtköstler kein so spitzes Gebiß, aber ein viel kräftigeres hat, ist das dem Hund wohl nie möglich. Er wird dann selbst Kieferbrüche erleiden. Dem Fuchs ist Vorsicht der bessere Teil der Tapferkeit. Er reißt aus, so lange er irgendwie kann, über und unter der Erde. Deshalb genügt es schon öfter, ihn zum Räumen des Baues zu veranlassen, wenn ein reiner Baukläffer ihn dort beunruhigt und ihm den Bau verleidet. Es mag Jäger und Baue geben, bei denen das auch mit Feiglingen gelingt. Der wirkliche Bodenjäger wird sich für reine Baukläffer höflichst bedanken, ja, sie sind ihm ein Greuel. Ich fand solche unter leichten, sehr hochbeinigen Teckeln, die offenbar einen neueren Schuß kleiner Pinscher hatten, aber keine Schneid. Die fuhren mit homerischem Kriegsgeschrei zu einem Loch rein, zum nächsten Loch raus und zum dritten wieder rein. Sie wollten gar nicht an den Fuchs und wurden auch nie geschlagen. Aber der übervorsichtige Meister der Ränke wurde unruhig und unsicher im Bau, glaubte offenbar, es sei da so ein halbes Dutzend gefährlicher Radaubrüder drinnen und sprang oft überraschend schnell, ohne daß der Baukläffer wirklich an ihn oder ihm gar in die Wolle gekommen war! Hatte der Fuchs aber draußen irgend etwas vom Jäger gespannt, dann sprang er eben nicht. Auch aus Sackröhren nicht. Und graben konnte man mit diesen Flatterern nicht einmal aus seichten Bauen einen Fuchs. Vom Dachs vollends gar nicht zu reden!

Denn der Dachs ist ein grimmiger Gegner, stärker als der massivste Erdhund, der ja nicht über 12 bis höchstens 14 Pfund Gewicht haben darf, wenn er überall durchkommen und nicht stecken bleiben soll. Der Herbstdachs hat ausgewachsen und voll im Schmalz 20 bis 30 Pfund und oft noch mehr. Er ist nicht nur ein Steher, sondern ein Schwergewichtsringer, der wütend seine Burg verteidigt und so gut wie nie aus einem ungegrabenen Bau springt. Damit kann man beim Dachs nie rechnen, und auch alte Bodenjäger können solche Fälle an wenigen Fingern aufzählen. Bis man vollends erlebt, daß ein Hund einen ausgewachsenen Dachs im Bau abwürgt, kann man alt und grau werden. Denn an die Kehle läßt sich der Dachs nicht kommen. Er setzt sich auch vor scharfen Hunden an einem Knie oder hinter einer anderen Ecke im Bau fest und wahrt sich meist noch einige Meter freier Rückzugslinie. Das übt der Dachs sogar im Kunstbau. Ist nun der Hund nicht sehr scharf, so kehrt ihm der Dachs die Keulen zu, wirft ihm mit den Vorderpranten Sand und Kies ins Gesicht und baut so, sich verklüftend, oft im Handumdrehen den Stollen zwischen sich und dem Hund zu. Buddelt nun der Hund eifrig nach, dann wirft er hinter sich eine neue Wand auf. Soviel kann der Hund vorn gar nicht wegschaffen, wie der Dachs ihm hinwirft. Wohl aber soviel hinter sich, daß er sich den Rückzug und die Atemluft selbst abschneidet; denn er kann die selbstgeschaffene Barrikade nimmer öffnen oder gar wegschaffen, sogar wenn er sich noch wenden könnte, weil meist kein Raum da ist, um den selbstgeschaffenen Erdwall wieder abzubauen und sich den Rückzug zu ermöglichen.

Der Hund hat sich also selbst verklüftet. Nicht der Dachs den Hund, wie alter Aberglauben wähnt. Der Hund verstummt dann, schon weil ihm die Luft zum Lautgeben mangelt, und erstickt endlich, wenn man ihn nicht rasch durch Nachgraben befreien kann. Der Dachs aber erstickt nicht, auch nicht, wenn er sich nach unten oder seitwärts in lockeren Sand soweit vergraben hat, daß er buchstäblich begraben ist. Er liegt dann zusammengerollt, völlig von Erde bedeckt, im Sand. Er ist offenbar als echter Höhlenbewohner in der Lage, mit sehr wenig Sauerstoff auszukommen, und hat wohl auch in seinen langen Borsten oder durch Pressen gegen den Sand sich noch eine ihm genügende Luftreserve geschaffen. Jedenfalls habe ich es nie erlebt, daß ein zweifellos verklüfteter Dachs, den man auch im erweiterten Stollen nimmer fand, in seinem Grab erstickt wäre. Wenn man den Hund noch retten konnte und den Einschlag auffüllte, hatte der Dachs am anderen Morgen den Bau munter verlassen, wie das Einhalmen und seine Spur bezeugten. An einen Fall erinnere ich mich besonders. Bei einem Naturbauschliefen des Nürnberger Gebrauchsteckelklubs beim langen Volkmarsgustel in Pfünz auf dem Jura hatten wir so ein Dutzend Dachshunde mit, die im Naturbau ihr Gesellenstück leisten sollten. Der große Bau auf einer sandüberlagerten Hügelkuppe hatte viele Röhren und zwei Etagen. Die meisten Kunstbauschliefer fanden nichts und kamen bald wieder. Nur ein wildsaufarbener Glatthaarrüde, ein alter Praktiker eines alten Bodenjägers - die Namen habe ich leider vergessen - fand endlich und verbellte gut und lange genug, bis wir mit Haue und Spaten durch waren und einen starken Fuchsrüden erledigen konnten.

Da aber der Bau auch vom Dachs befahren war, wie der Sand vor den Röhren mit der typischen Rinne durch ihn und die Abortgruben mit frischer Losung des reinlichen Grimbart bewiesen, ließen wir den Bau erneut von meh­reren Hunden durchsuchen. Bis endlich unser erfahrener Matador an einer ganz anderen Stelle wieder fest vorlag. Endlich hatten wir den Hund durch einen tiefen Einschlag erreicht. Er lag scheinbar am Ende einer Sackröhre und bellte, dort buddelnd, in den Sand vor sich. Der Schaufelstiel stieß aber überall auf festen Boden. Der erfahrene Führer, der seinen braven Hund ge­nau kannte, war mit uns Richtern aber einig, daß der Dachs sich hier verklüftet habe. Also nahmen wir den Hund ab, verstopften hinter ihm die Röhre gegen den Hauptbau fest und dicht mit Reisig und gruben bergmännisch den Stollen weiter auf. Vorne, links und rechts war fester Boden. Aber nach unten gab der lockere Sand unter der Sonde nach. Nachdem wir da einen halben Meter Sand ausgeschöpft hatten, kamen die Borsten des zusammengerollten Dachses und dieser dann selbst munter zum Vorschein, dem man eine Revolverkugel zwischen die Seher steckte, bevor er aus dem Einschlag klettern konnte.

Der Dachs hat ja auch sonst die Eigentümlichkeit, aus einer geöffneten Sackröhre den weißschwarzen Kopf, meist nach kurzer Zeit, herauszustecken, auch wenn er noch einige Meter Rückzugslinie hätte. Der Bau ist ihm offenbar unheimlich geworden, da Licht und Sonne in sein Haus scheinen. Man nimmt dann am besten den Hund ab, verstopft hinter diesem vorher die Röhre in den Hauptbau, aber wirklich mauerfest, mit Reisig oder verkeilt sie mit Steinen.

Wenn dann draußen alles ruhig ist, schaut der Dachs heraus. Dann muß aber ein ruhiger Schütze mit einer halben Patrone, die volle Pulverladung, aber nur so ein Dutzend Körner hat, ihm rasch auf den Kopf schießen, oder das mit einer sicheren Revolverkugel zwischen die Seher tun. Schon deshalb muß zuerst der Hund weg sein.

Pistolen gehen nie los, wenn man sie wirklich einmal braucht! Das habe ich wiederholt erlebt! Der Schütze drückte, aber die Sicherung usw. ließ keinen Schuß losgehen. Das Rohr des Einschlags gegen den Hauptbau war nur mit etwas Reisig und Sand lose verstopft. Der Dachs wischte unter der nicht los­gehenden Pistole durch, hatte im Nu die Röhre geöffnet und war wieder im Hauptbau verschwunden. Wer dann von den Jägern und Hunden noch Lust, Zeit und Schneid hat, die mühselige Arbeit von Neuem zu beginnen, mag das tun! Meist haben sie keine Lust mehr dazu und Meister Grimbart hat seine Schwarte und sein Schmalz wieder einmal gerettet! Was ihm in diesem Fall zu gönnen ist!

Oder er klettert im Handumdrehen auch aus einem tiefen Einschlag und entkommt in dem Trubel von Jägern und Hunden wieder in den Hauptbau, durch eine Einfahrt in einen anderen nahen Bau oder in die nächste Dickung, bevor die Jäger ihre Flinten anbacken können. Und die nachgehetzten Hunde schüttelt er ab, haut sie zuschanden und ist nicht mehr zu sprechen.

Wenn nun der Hund sehr scharf ist, zwingt er den Dachs, ihm die Front zuzuwenden, indem er ihn in die Keulen zwickt, sobald er sich umdrehen und verklüften will, um dann sofort wieder loszulassen, wenn der Dachs sich ihm zuwendet. Denn wenn der Hund stur in die Kehrseite des Dachses beißen und ihn zu halten versuchen wollte, würde er vom Dachs schwer geschlagen werden.

Der Dachs weiß genau, daß ihm unter der Erde nur der eiserne Griff des Hundes nach seinem Hinterhaupt gefährlich werden und ihn wehrlos machen kann, und daß er sich nicht an die Kehle kommen lassen darf. Er hält darum den Kopf tief am Boden, wie beim Stechen nach Erdmast, aber vor dem Hund zwischen seinen Vorderpranten, und hält dem Hund nur den dik­ken, starkbemuskelten Nacken oder Rücken hin. Läßt der unerfahrene scharfe Hund sich nun verleiten, ihn dort an der dicken zähen Schwarte zu fassen, so packt er den Hund mit seinem starken Gebiß, den Kopf erstaunlich wen­dig drehend, von unten an der Kehle, am Hals, an den Läufen oder selbst in die Weichen. Er läßt aber nicht mehr los, wie der Fuchs, wenn der Hund von ihm notgedrungen abläßt. Sondern er quetscht und fetzt mit seinem starken Gebiß und Nackenkraft, so daß der Hund oft starke Substanzverluste erleidet. Ich habe Fälle erlebt, daß der Dachs einem scharfen, starken Terrier ein Stück Haut, so groß wie ein Fünfmarkstück, aus der Kehle riß, so daß man den Kehlkopf frei liegen sah. Dieses Loch verheilte auch nimmer ganz. Es bildete sich eine Fistel, durch die ständig Speichel herausfloß, und beim hastigen Saufen auch das Wasser. Dieser brave Hund arbeitete noch monatelang scharf auf Fuchs und Dachs. Er ging aber nach weiteren bösen Verletzungen endlich elend ein.

Einer scharfen Terrierhündin wurden vom Dachs die Weichen aufgerissen, so daß das Gescheide herausdrang. Wir flickten sie beim nächsten Bauern mit Hopfennadeln wie einen Sack zu. Und sie heilt sich aus, wie Saufinder bei Schlägen ins Gescheide, wenn nur dieses selbst heilgeblieben war. Aber der Dachs tut das nur mit dem Gebiß! Darum werden die Hunde vom Dachs meist unten geschlagen. Nie geschieht das mit den Pranten, wie ein unausrottbarer Jägeraberglauben wähnt. Da erinnere ich mich eines Falles schon aus meiner frühen Jugend. Am Eselsberg auf dem rechten Lechufer bei Thierhaupten, wo mein Vater in meinem Geburtsjahr 1881 Oberförster und Forstmeister war, also im Altbayerischen, gab es große Fuchs- und Dachsbaue. Endlich hatte einer unserer tüchtigen alten Dachshunde den Dachs zwi­schen zwei Einschlägen im Sand fest. Mein Vater packte den Dachs, der unter einer kurzen Erdbrücke saß, am Pürzel und warf ihn mit Schwung nach oben aus dem tiefen Einschlag, wo ihn die anderen Jäger erledigen sollten. Nebenbei bemerkt, muß das rasch gehen! Der Dachs muß, wie der an der Lunte ausgehobene Fuchs, mit ausgestrecktem Arm vom Leibe bzw. den Beinen und Keulen soweit weggehalten werden, daß er sie nicht erreichen kann. Der Dachs ist, am Pürzel gefaßt und frei in der Luft gehalten, wohl im Stande, sich mit erstaunlicher Gewandtheit fast bis auf Handbreite mit dem Gebiß an den Arm oder Rockärmel nach oben zu wenden. Nicht aber diese bei ausgestrecktem Arm zu erreichen. Unerfahrene werfen ihn dann endlich ängstlich weg.

Aber unser Dachs landete richtig droben unter den Jägern und Hunden, die auf ihn geschnallt wurden. Da war nun auch ein Förster des benachbarten Barons M. dabei, der seinen starken, langhaarigen, strohgelben Hühnerhund, eine gute alte Rasse ohne Setterblut, schnallte. Da die Dackel auch schon über dem Dachs waren, mochte der scharfe Hühnerhund falsch gegriffen haben. Jedenfalls fetzte ihm der Dachs mit dem scharfen Gebiß blitzschnell den ganzen Nasenschwamm restlos weg! So daß der Förster ihn sofort erschoß mit dem traurigen Spruch: Was nützt mir ein Hühnerhund, der keine Nase mehr hat!

Die Dackel konnten den Dachs auch nicht lange halten, wurden harmloser geschlagen und gaben das Rennen auf, als der Dachs in eine nahe, hageldichte Dickung entkommen war. Als mein Vater aus dem tiefen Einschlag kam, meinte er, es wäre besser gewesen, den Dachs mit der Flinte zu bedienen und gar keine Hunde daran zu hetzen. Und nun behaupteten einzelne Jäger, der Dachs habe dem Hühnerhund mit den Krallen an der Prante die Nase weggehauen. Nur einer hatte klar gesehen, daß der Dachs den Hund mit dem Gebiß an der Nase gefaßt hatte, und als der Hund nun den Kopf hochriß, auch den starken Dachs einen Augenblick hochgerissen habe und der arme Hund danach keine Nase mehr gehabt habe. Worauf mein Vater den Zweiflern erklärte, daß der Dachs nie mit der Prante schlage. Diese sei wohl zum Graben geeignet, aber nicht, um so schwere Verletzungen herbeizuführen. Das sind nun mehr als 70 Jahre her, in denen ich das im Natur- und im Kunstbau oftmals beobachtet und auch in der Jagdpresse wiederholt erklärt habe. Aber heute noch glauben viele Jäger daran, daß der Dachs mit den Pranten die Hunde oft so jammervoll zurichte.

Solche Köhlermärchen pflanzen sich ja auch gerade bei Jägern wie eine ewige Krankheit fort.

Damit ist aber die Kampftechnik des Burgherrn von Malepartus noch lange nicht erschöpft. Wenn ein erfahrener, scharfer und griffsicherer Hund ihn richtig hart am Hinterhaupt im Genick packt und ihn eisern hält, ist der Dachs wehrlos. Ja, wenn ihn der Hund dabei neben dem Kamm des Hinterhauptes stark auf die daneben verhältnismäßig dünnen Knochen über dem Gehirn drückt, scheint der Dachs oft wie betäubt und läßt sich fast wehrlos ziehen. Nie versucht er dabei aber den Hund mit den Pranten abzustreifen. Dabei kann es sogar vorkommen, daß ein Hund mit sehr starkem Gebiß dem Dachs an dieser schwächsten Stelle der Schädeldecke einen Zahn tödlich ins Gehirn drückt. Das sah ich einmal von dem Dachspacker Hindrik vom Zangenberg, einem Rauhhaarfox besten Arbeitsschlags mit einem Riesengebiß. Er zog den Dachs, den wir lebend haben wollten, in den Einschlag mit jenem Genickgriff. Bevor wir aber den Dachs im Einschlag mit der Dachszange packen konnten, fing er an zu strampeln und war verendet, bis wir den Hindrik abbrechen konnten. Gewiß ein seltener Fall. Wehrlos ist der Dachs auch, wenn ihn der Hund seitlich am Backen oder an einem Gehör packt. Aber lange kann er den Dachs so kaum halten. Jedenfalls beginnt nun der Dachs, der sich mit dem Gebiß nimmer wehren kann, eine andere, oft recht gefährliche Taktik. Er schiebt sich mit seinem ganzen Gewicht auf den Hund, diesen unter sich oder neben sich buchstäblich an die Wand drückend. Bis dem Hund die Luft ausgeht und er loslassen muß. Einen solchen Fall habe ich ja schon im Abschnitt Felsbaue berichtet, wo ich dem braven Wauz 5030 noch im letzten Augenblick helfen konnte, der, unter dem Dachs liegend, diesen stöhnend noch mit eisernem Genickgriff festhielt, bis ich den Grimbart mit dem Waldblatt abfangen konnte. Aber auch, wie der Terrier danach wochenlang mit gequetschten oder gebrochenen Rippen krank lag, bis er sich endlich durchriß. Mancher schwächere Hund mag nach solchem Ringkampf mit dem Schwergewichtler Grimbart auch im Bau verendet liegen bleiben, ohne daß man weiß, wie er verunglückt ist.

Ja, die Arbeit auf den Dachs ist für Hund und Jäger kein Honiglecken und schon deshalb wenig beliebt und geübt. Aber man muß darum wissen, da man auch beim Fuchssprengen an Dächse und in die Lage kommen kann, richtig zu handeln.

Fuchssprengen ist oft ein Kinderspiel für Hund und Jäger. Dachsgraben aber schon ein ernstes Unternehmen. Schon alte Klassiker schildern die Ausrüstung für diesen Feldzug nach Malepartus. Sie empfehlen auch, gleich mit Roß, Mann und Wagen auszurücken und Speise und Trank, ein Fäßlein Wein mitzunehmen und zur Kurzweil ein munteres, junges und hübsches Dirnlein! Was wir weniger raten möchten. Denn der Sturm auf Malepartus wird oft zu einer harten Männerarbeit und zum harten Kampf der braven Hunde.  

 

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Wenn jemand eine  Kontaktaktadresse  mit dem Jagd und Kulturverlag Sulzberg/ Allgäu hat, mir unbedingt bescheid geben..