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Auszüge aus dem Buch Bodenjagd Jagd und Kulturverlag Sulzberg/ Allgäu |
Es muß ein passionierter Jäger sein, der Wind und Wetter,
mühselige, weite und oft vergebliche Wege nicht scheut. Gerade wenn es stürmt,
regnet oder der Schnee von den Bäumen klatscht, muß er seine Baue nachsehen,
besonders auf den Fuchs.
Auch seine Hunde müssen wetterhart sein, eine dichte
Jacke haben und nicht zu nieder auf den Läufen sein, um auch bei einigem
Schnee ihm folgen zu können.
Vor allem muß er alle seine Baue kennen, zu den schwer
auffindbaren in großen Dickungen oder Stangenhölzern unauffällige
Wegmarken anlegen, frühzeitig Blick- und Schußlinien ausfluchten, um
mindestens dort die Sprengnetze im Auge behalten zu können, wo schlechterdings
nimmer zu schießen ist. Er muß seine Baue studieren und taxieren, ob sie
grabbar oder ungrabbar sind. Das ist oft im Voraus schwer zu sagen. Davon hängen
aber die Art ihrer Bejagung, der Einsatz geeigneter Hunde und der Erfolg ab.
Schon vor der Jagdzeit muß man seine Baue im Auge behalten,
Hindernisse in den Einfahrten, die Unberufene schufen, beseitigen und die
Einfahrten einhalmen oder einkreuzeln, indem man kreuzweise Reiser oder Halme
hineinsteckt. Auch wenn diese umgeworfen sind, ist damit nicht gesagt,
daß das Wild im Bau stecken muß, so man diesen nicht am Tage vorher
vorsichtig nachgesehen hat. Gut ist es deshalb, den Boden vor den
Einfahrten möglichst locker zu halten.
Grundfalsch ist es aber, aufs Geratewohl, ohne genügenden
Verdacht, die Hunde schliefen zu lassen. Denn dann bleiben von diesen
immer Wittrung und Haare in den Röhren hängen, die besonders den Fuchs vergrämen.
Vielmehr legt man den oder die Hunde mindestens 50 Schritt
vom Bau ab und schaut diesen leise und vorsichtig selbst nach.
Die Einfahrten betritt man dabei tunlichst nicht. Besteht Verdacht, daß der
Bau befahren ist, riecht man
Liegt Laub vor und in den Röhren, deuten nach oben
gewendete und dort noch feuchte Blätter auf frische Spur. Liegt aber etwas
abgeschollerter Sand darauf, so ist mindestens der Fuchs nicht daheim.
Der Bodenjäger muß also, wie der Pirschjäger, auf das kleinste Zeichen
achten und es richtig deuten können. Ist aber der Boden hart gefroren, so kann
auch ein gut befahrener Bau wie nicht befahren aussehen. Auch Haare usw. können
alt sein. Dann hilft noch am besten die Nase. Sogar die des pfeifenrauchenden Jägers,
der aber am Bau den Dauerbrandofen außer Betrieb setzen
und auch darauf achten muß, daß aus diesem nicht Asche oder gar
Nikotintropfen aus der Brusttasche vor die berochene Röhre fallen und den
Bau gründlich verwittern. Ist der Bau bewohnt, riecht man das meist selbst,
da die Wittrung, die herauskommt, warm erscheint, besonders, wenn das Wild im
Bau sein Lager ändert, rückt, da ihm auch vorsichtige Tritte des Jägers
bei starkem Frost durch die Erschütterung des Bodens künden, daß draußen
Gefahr droht. Mindestens muß ein brauchbarer Hund, den wir angeleint in
die Röhre winden,
aber nicht hineinschliefen lassen, uns genau sagen, ob Wild im Bau steckt.
Wendet der Hund sich gleichgültig ab oder sucht er gar an
der Leine mit tiefer Nase vom Bau weg, so ist der Fuchs sicher schon fort.
Stecken
Fuchs und Dachs zusammen im Bau, so kann es aus der einen Röhre nach
Fuchs, aus der anderen nach Dachs riechen. Oder auch mal aus verschiedenen
Röhren deutlich oder gar nicht, je nachdem das Wild im Bau rückt. Auch ein
Hund mit wenig Nase und Erfahrung, aber mit Haß auf Raubwild weiß
schon von klein auf, ob ein Bau befahren ist oder nicht. Denn zum Finden im Bau
braucht der Hund sehr wenig Nase. Wohl aber gewandtes und eifriges
Schliefen und wirkliches Dranwollen an den Feind. Sagt
nun auch noch der Hund, daß der Bau leer ist, da er gar nicht rein will, wäre
es grundfalsch, ihn hineinzuhetzen oder gar hineinschieben zu wollen. Das
kann nur den Hund verderben und das Wild vom Besuch des verwitterten
Baues abhalten.
Wann steckt der Fuchs im Bau?
Damit kommen wir zu einer für den Bodenjäger sehr
wichtigen und oft schwierigen Frage: Wann steckt der Fuchs im Bau? Die
meiste Zeit eben nicht, wie wir schon bei der Betrachtung seiner Lebensweise
gesehen haben. Nur in der Heck- und in der Rollzeit kann man damit
ziemlich sicher rechnen. Davor und danach aber nicht. Nun ist es aber
auch so, daß der Fuchs in unruhigen Revieren mit kleinen Dickungen, wo er über
der Erde keine Ruhe und Sicherheit findet, zweifellos viel eher und
öfter unter der Erde steckt, als in großen ruhigen Waldrevieren mit
umfangreichen warmen Dickungen, Geröllhalden usw.
Ja, dort geht er oft auch bei richtigem Sauwetter, das mit
Recht als bestes Bauwetter gilt, nicht immer unter die Erde, wie man
meinen sollte. Das schon gar nicht, wenn er am Morgen mit tau oder
regennassem Rock vom Feld usw.
in den ruhigen Wald oder
Berg heimkommt. Mit nassem Balg geht er nicht in den meist feuchtkalten
Bau. Auch wenn keine Sonne ihm den feuchten Kittel trocknet,
liegt er dann lieber auf einem Baumstock, einem Felsen usw. und läßt das vom
Wind besorgen. Ja, ich habe wiederholt aus großen Dickungen bei schönstem Regenwetter mit dem
Deutschen Wachtelhund Füchse rausgestöbert
und erlegt. Sie waren staubtrocken, die Hunde klatschnaß. Der Fuchs findet also auch dann noch überall ein trockenes
Plätzchen, unter einem
Windwurfteller, in einer Stein oder Erdnische usw. Wenn
der Fuchs nach seinem nächtlichen Umherstreifen zu Bau fährt, tut er das
meist am Vormittag oder schon in der Frühe.
Wenn das Wetter aber nicht gar zu ungemütlich ist, geht
er schon am frühen Nachmittag wieder bummeln, auf ruhigen Schlägen im
Wald und auf Mäusefang in friedlichen Feldern.
Andererseits liegt der Fuchs sicher einmal eine oder zwei Nächte
im Bau über, wenn Regen und Sturm in finsteren Nächten ihm jede
erfolgreiche Mäusepirsch verbieten. Jeder Trapper weiß, daß sich der
Fuchs nach mehreren solchen Nächten todsicher im Eisen fängt, dessen
Kirrung er bisher nur verächtlich im Vorbeischnüren links liegen gelassen hatte.
Denn Hunger tut weh!
Auch wenn man im Herbst die Fuchsdickungen mit mehr oder
weniger Erfolg mit Hunden abgestöbert oder mit Treibern durchgekämmt
hat, geht der Fuchs gerne zum Bau, wenn auch erst am nächsten Tag.
Man sagt wohl auch, daß der Fuchs, namentlich der Jungfuchs, bei der ersten
Neuen zu Bau fahre, weil ihn die plötzlich weiß gewordene Gegend etwas
unheimlich anmute. Ich habe das in großen, ruhigen Wäldern und Bergen
nie feststellen
können, wenn nicht Tau- und Sauwetter folgten. Denn
freilich, wenn es überall tropft und klatscht und der Fuchs mit trockenem
Balg ins nasse Holz kommt, zieht er den Bau den tropfenden Dickungen vor.
Sind
sie aber nur dick mit Rauhreif belegen, der in der Sonne schmilzt und tropft,
dann setzt sich der Fuchs sicher an einen windstillen, sonnigen Ort auf
einen Baumstock oder Felsen und schläft dort den Schlaf des Gerechten. Wenn
man Zeit hat und sein Revier kennt, kann man ihn geradezu dort suchen,
anpirschen und strecken, mindestens mit der Kugel. Nun gibt es aber noch eine ziemlich sichere Zeit, wo der Fuchs im Bau
stecken kann, der seit der Roll- bzw.
Heckzeit von ihm nie befahren war. Wie schon
die alten Jäger wußten, ist das zur Zeit des Laubfalles, also je nach Klima
und Lage, welche die ersten Frostnächte bestimmen, etwa von Mitte Oktober
bis Mitte November.
Es ist ja nun richtig, daß das ewig raschelnde und
fallende Dürrlaub sogar dem Hasen solche Laubholzdickungen, ja -waldungen
verleidet, und er dann lieber auf Schlägen liegt oder selbst im Feld. Daß aber der Fuchs auch
in reinen Nadelwaldungen, wo kein Laubbaum
weit und breit da ist, und kein Laub rascheln
und fallen kann, gerne zu Bau geht, hat m. E. einen anderen Grund. Er ist
noch nicht so warm angezogen, und wenn er nun mit trockenem Balg ins
Holz kommt, der Rauhreif tropft, aber keine Sonne durch den Herbstnebel
kommt, dann geht er eben unter die Erde. Das namentlich auch dort, wo im
Wald nun plötzlich Unruhe durch die beginnende Holzfällung eintritt, und
namentlich auch in mit Streurechten belasteten Staatswaldungen nun ganze
Ortschaften mit Kind und Kegel sich wochenlang damit beschäftigen, dem
armen Wald den letzten natürlichen Dünger, die Bodenstreu, zu rauben und
abzufahren. Erst recht erfolgt das alljährlich in den meisten kleinen Bauernwäldern.
Da wird es auch dem Fuchs über der Erde unheimlich, und
der kundige Bodenjäger mit einem brauchbaren Erdhund kann gerade in
dieser Zeit manchen Fuchsbalg aufs Brett bringen, der in rauhen Lagen und
Herbsten schon gut unter die Winterbälge paßt.
Die Rollzeit beginnt ja erst so um Weihnachten. Und ob man dann eine
ganze Hochzeitsgesellschaft glücklich im Bau erwischt, das ist oft genug mehr
ein glücklicher Zufall; denn dazu muß man
den richtigen Tag riechen oder erraten, wenn man nicht einen Tag zu spät
vor dem leeren Bau stehen will.
Um jene Zeit im Oktober-November steckt der Fuchs auch
gerne in den erwähnten Heu- und Streustädeln, die der dort oft
sommerfrischende Dachs meist wieder verlassen hat, um seine Winterbaue im
Wald usw. zu beziehen.
Wir haben darüber schon manches erzählt und gestreift,
was zur eigentlichen Bejagung unter der Erde wissenswert ist, oder doch weniger
Kundige auf sie vorbereiten kann.
Wie schon erwähnt, sind die Fuchsbaue nach dem Ende der
Ranz, also spätestens ab Jänner, verlassen, und es ist sinnlos, dann dort
noch Hunde schliefen zu lassen, die höchstens im Hornung schon die kleinen,
armen Grimbartkinder
meucheln, und das in der Schonzeit des Dachses. Weder den Fuchsrüden noch die Fähe
wird man dort noch finden. Aber die Fuchsfähe sucht schon ab anfangs März, so
sie dick geht, eine Wochen- und
Kinderstube. Ja, sie gräbt sogar in leichtem Boden eine neue Röhre.
Während Reineke das sonst dem Pionier und Schwerarbeiter Grimbart überläßt.
Die Fuchsfähe schnürt mindestens um diese Zeit von Bau zu Bau, räumt
die Einfahrten und Röhren aus, mehr oder weniger Erde ausfahrend. Welchen
Bau sie dann zur Kinderstube wählt, entscheidet sie wohl erst wenige
Tage vor dem Wölfen. Wenn man also ab Mitte März vorsichtig die Baue revidiert
und sie frisch ausgeräumt findet, kann man sicher dort um Ende April
Jungfüchse im Alter von vier bis acht Wochen ausheben. In der ersten Zeit
liegt noch kein Raub vor dem Bau. Die meisten Jäger merken ja erst etwas
von Jungfüchsen, wenn im Mai der Platz vor dem Bau wie ein Schindanger
aussieht. Dann ist es aber schon recht gefährlich, auf dem Bau noch viel herumzutrampeln,
ja, ihn auch nur zu betreten, so man die Jungfüchse graben
will. Denn die Fähe ist da äußerst mißtrauisch gegen Menschen oder gar Hundewitterung.
Ja, es genügt schon, wenn sie von dem ansitzenden Jäger Wind bekommt, sobald
sie mit Fraß heimkehrt. Sie warnt dann aus sicherer Entfernung
die Welpen mit einem maunzenden, gar nicht lauten Ton, so daß diese
im Bau versteckt bleiben. Hat man gar noch das eine oder andere der vor
dem Bau meist so lustig spielenden Kinder Ermelines totgeschossen, so ist der
Rest der Welpen samt der Mutter über Nacht sicher ausgewandert und kaum
mehr zu finden, da er im Gebüsch usw. steckt. In meinen jungen Jahren,
als die Vernichtung der Fuchsgehecke noch als die erste Pflicht der Hege galt,
paßte ich mal an einer Kieferndickung, in welcher der Bau lag, auf einer Leiter
abends auf die heimkehrende Fähe. Nach deren Erlegung sollte das Geheck
mit den Dachshunden am nächsten Morgen ausgehoben werden. Es wurde
schon dämmerig, als die Fähe unsichtbar in der Dickung kam, aber von
mir trotz der Leiter Wind erhielt. Sie umkreiste mich unsichtbar, bis es völlig
Nacht war, dabei warnend, etwa mit »gau! gau!« lautgebend. Endlich
ging dieses maunzende Warnen in ein deutliches Locken über. Und auf dem
hellen Sand vor den Röhren sah man mit dem Glas noch kleine Schatten, die auf
die Fähe zu in die Dickung eilten.
Daß der Bau nun leer sei, war mir
sofort klar. Und das bestätigten am nächsten frühen Morgen die Hunde.
Die Gesellschaft war nimmer zu finden, ob gleich wir nach ihr alle Baue
im großen Forst absuchten. Heute freue ich mich, daß die kluge Mutter alle
ihre Kinder gerettet hat.
Ich
möchte mich auch deshalb nicht über das Jungfuchsgraben hier weiter verbreiten.
Denn in gut grabbaren Bauen ist es ein Kinderspiel für die Jäger und
namentlich die Hunde, die Jungfüchse auszuheben. Wo das wirklich einmal nötig
ist, müßte man mindestens warten, bis die Jungfüchse einigermaßen wehrhaft
sind, um den jungen Erdhunden wenigstens einigermaßen ernstliche
Arbeit zu liefern. Da es ja heute mit Recht gesetzlich verboten ist, säugende
Muttertiere zu erlegen, bevor alle Kinder gestreckt sind, wird die Fähe
meist entkommen, so man sie nicht zufällig im Bau mit antrifft. Eine Zeit,
wann die Fähe daheim ist, läßt sich aber nicht voraussagen. Wenn
man Jungfüchse graben will, muß man dafür nicht zu starke, gewandte
Schliefer haben. Denn jene graben sich im leichten Boden gerne kleine, ganz enge Seitenröhren, wo sie vor zu massigen Hunden sicher sind,
und überdies sind sie in größeren
Bauen so flink und gewandt, daß sie weniger rasche Hunde oft gar nicht alle fangen können. Daß man im lockeren Bau mit
Sand und Geröll die Wannen mindestens ebenso breit anlegen muß, wie sie
tief zu werden scheinen, ist bereits erwähnt. Das nicht nur wegen der Einsturzgefahr
für Mann und Hund, sondern weil man sich sonst drunten nimmer
rühren kann, wenn man endlich auf die Röhre, den Hund und das Wild kommt. Dann muß man sofort lange Ruten in geöffnete Röhren schieben.
Sonst findet man diese im lockeren Boden, der nachrutscht, oft lange oder
gar nimmer, und der verschüttete Hund kann erstickt sein, bevor man ihn
finden und freimachen kann, zumal er ja dann meist nimmer Laut zu geben
vermag.
Über die Tiefe der Baue täuscht man sich auch bei viel
Erfahrung nur zu leicht. In lockerem Geröll oder Schutt von Steinhalden hört
man die Hunde in vier bis fünf Meter Tiefe, wenn man das Ohr auf
den Boden legt, oft noch ganz deutlich Laut geben und kann sie doch mit Graben
kaum oder gar nicht erreichen. Auch in lockerem Sand hört man die Hunde
auch in mehreren Metern Tiefe meist noch deutlich. In beiden Fällen ist
man versucht, den Einschlag oben zu schmal und zu kurz anzulegen, was
sich bitter rächen kann. Selbstverständlich ist dabei stets, daß man den
Einschlag quer zum vermuteten Lauf der Röhre anlegt und umso länger, je
weniger der Verlauf derselben einwandfrei zu bestimmen ist. Das kann man ja nur aus dem lauten Gang der
Jagd in der Unterwelt leidlich sicher bestimmen, wenn man mit dem Ohr am
Boden horcht, wo der laute Hund vorstößt und zurückweicht.
Im dichten Lehm und Letten hört man die Hunde, die in der
meist darunter liegenden Sandschicht arbeiten, da dort in solchen Bauen
die Röhren liegen müssen,
oft schon in zwei bis drei Metern Tiefe kaum mehr Laut geben. Höchstens
noch nach langem Abhorchen des ganzen Bodens über dem Bau ein leises
Klopfen, wohl durch das Anprallen des Hundekopfes an die Decke der Röhre beim
Lautgeben erzeugt.
Äußerst wichtig ist es ferner, genau abzuhorchen, wo der
Hund drunten Laut gibt und wo etwa vor ihm das Wild liegt. Nie darf man auf den
Fuchs oder gar Dachs selbst graben, sondern nur auf den Hund. Denn
wenn man dem Wild auf den Kopf oder gar Rücken gräbt, und es keine Rückzugslinie
mehr hat, weil der gute Hund es wirklich festgetrieben,
richtig gestellt hat, dann
Über ein schlagendes Beispiel wird später noch berichtet
werden, das eine brave Terrierhündin kriegsuntauglich gemacht hat.
Wenn man genau hört, wo der Hund und das Wild liegen, und
man sicher weiß, daß der vorsichtige Hund nicht zu hart am Wild,
liegt, also genug Spielraum hat, mag man ja über dem Hund selbst einmal
klopfen. Das hören Hund und Wild auch noch in großen Tiefen. Der Hund
weiß dann, daß man ihm zu Hilfe kommt, und das Wild rückt dann weiter
zurück oder an eine andere Stelle im Bau, so es noch kann.
Denselben Erfolg erzielt man ja, wenn man erst einmal zu
graben anfängt. Man muß daher immer wieder einmal am Boden des Einschlags
abhorchen, ob die Jagd da drunten noch steht, bevor man weitergräbt.
Gerade der Dachs wird
dann oft noch rücken, so er noch kann, neues Abhorchen und neuen Einschlag
fordern. Bleibt aber das laute Hin und Her da unten doch in demselben
Rohr, so wird man den begonnenen Einschlag bis auf dieses Rohr niederbringen,
um zu sehen, wie es da drunten nun weitergeht und ausschaut. Ja,
in sehr großen Bauen, wo die Jagd nirgends endgültig steht, immer rundum
geht, was sogar beim Dachs vorkommen kann, bleibt manchmal nichts anderes
übrig, als den Bau durch einen Einschlag entzweizuschneiden oder die
obere Etage durch eine Wanne aufzugraben, ja, auch noch die zweite Etage, um die Jagd zum Stehen zu bringen. Auf einen solchen Fall werden wir
beim Abschnitt über den Dachs noch zurückkommen. Diese Regeln gelten aber
für jede Grabarbeit, auch die auf den Jung- und Altfuchs. Eine
Hauptregel ist es auch, dem Hund, bevor man ihn schliefen läßt, die Halsung
abzunehmen. Wenn das schon bei der Stöber- und Wasserarbeit und vor
Schweißhetzen alte, gute Regel ist, so ist das bei der Bauarbeit doppelt nötig.
Denn die Halsung behindert nicht nur den Hund unter der Erde, sondern
sie kann ihm lebensgefährlich werden, wenn er sich an einer Wurzel, an einer
Engstelle damit verhängt und man ihn nicht mehr ausgraben kann, weil er
nimmer Laut gibt oder es überhaupt unmöglich ist zu graben, wie in Felsbauen,
Kanälen, Heustädeln usw. Bestenfalls geht im Bau die Halsung verloren!
Das ist jedenfalls viel besser, als wenn durch sie der Hund zum Teufel ginge! -
Dagegen muß jeder Hund, der nicht arbeitet oder nimmer arbeiten will,
unbedingt fest und sicher angeleint werden. Man legt ihn abseits des Baues ab,
wobei er sich völlig ruhig verhalten muß. Auch der oder die Jäger und
Gehilfen dürfen beim Graben keinen weiteren Lärm machen, insbesondere
nicht unnötig auf dem Bau herumtrampeln, da das den Hund drunten stört,
das Abhorchen erschwert usw. Das Wild drunten hat ja ohnehin längst gespannt,
daß es droben nicht mehr sauber ist, und wir legen beim Graben auch
kein Gewicht darauf, daß es springt. Bei der Grabarbeit ist mir jede
geladene Flinte auf dem Bau unheimlich. Wenn
man allein gräbt, kann und soll man ja auch nur einen Revolver, weniger
eine Pistole, griffbereit und gesichert in der Tasche haben. Ja, ich habe meine
meisten Füchse und Dächse mit einem lumpigen Terzerol im Bau gestreckt,
dessen kleine Flobertkugel, genau zwischen beide Seher gezielt, auch den
stärksten Dachs blitzschnell tötet. Mit einem Prügel kann man dem Tier wohl
den Schädel zerschmettern, daß beide Seher heraushängen, ohne es rasch
zu töten. Das ist rohe Tierquälerei. Ganz abgesehen davon, daß in einem
engen Einschlag usw. der Schlag den braven Hund treffen kann. Der muß vorher
unter allen Umständen entfernt sein. Besonders auch, wenn man mit
halber Ladung den Dachs, der den Kopf aus der Röhre im Einschlag steckt, mit der Flinte strecken will, sobald der Hund weg ist.
Den Fuchs, der das nicht tut, kann man rasch und einfach
lebend aus der letzten Sackröhre heben, indem man ihm einen kurzen
Stecken vorhält, den er faßt und festhält, so daß man ihn so genügend
weit herausziehen kann, um ihn mit der anderen Hand fest im Genick zu
packen. Dabei kann gar nichts passieren, wenn man das richtig tut. Beim Dachs geht das kaum. Man
kann ihn im Genick nicht halten, muß da
anders vorgehen, wenn man ihn lebend ausheben will, wie im Abschnitt über die
Grabarbeit auf Grimbart noch näher erörtert
werden wird.
Arbeitet man also ganz allein, dann verstopft man vorher
alle Einfahrten fest mit Reisig oder verkeilt sie mit Steinen, so daß das
Wild nicht springen kann. Auf eine Hauptausfahrt legt man ein
Sprengnetz, und ebenso sichert man geöffnete Einschläge, die man nicht fortwährend
im Auge behalten kann, mit Sprengnetzen. An diese hängt
man dann noch eine kleine Schlittenrolle, deren Klingeln uns verrät,
daß da etwas los ist.
Nur wenn man einen ganz verlässigen und todsicheren
zweiten Schützen bei sich hat, mag der schußfertig auf etwa springendes Wild
passen. Nie aber mehrere Schützen, die selbst bei der Sprengarbeit vom Übel
sind. Denn dann verläßt sich einer auf den anderen! Keiner paßt richtig stundenlang
auf. Und ganz bestimmt springt das Wild gerade in dem Augenblick,
wo man sich eine neue Pfeife usw. anzündet, einen Schluck Zielwasser nimmt
oder gar Brotzeit macht, während das Wild blitzschnell verschwindet
und nur dumme Gesichter hinterläßt.
Wenn gar noch mehrere Gehilfen, Jäger oder Zuschauer auf
und am Bau sind, muß
man alle Gewehre entladen lassen und jedes Schießen strengstens verbieten.
Denn in dem dann entstehenden Trubel von Menschen und Hunden käme es
beim Schießen auf springendes Wild mitten durch die Korona nur zu leicht zu
schwersten Jagdunfällen. Wenn es sich nicht vermeiden läßt, mehrere
Schützen mitzunehmen, so postiert man diese so weit vom Bau entfernt auf
die Pässe in und aus Dickungen, daß keiner beim Schießen auf ewa springendes
Wild Menschen oder Hunde gefährden kann. Bauarbeit ist kein Volksfest
und jeder Zaungast dabei überflüssig, ja gefährlich! Sehr wichtig ist es auch, daß der Bodenjäger richtiges
Werkzeug mit sich führt. Wenn man allein arbeitet,
hat man im Rucksack außer einigen Sprengnetzen, auf deren Gebrauch bei der
Sprengarbeit noch näher zurückzukommen ist, mindestens einen
kleinen, festen Pionierspaten und einen ebensolchen Beilpickel dabei und
einen guten Leuchtstab in der Tasche. Mit dem Beilpickel,
der also auf der einen Seite ein festes Beil, auf der anderen einen ebensolchen schmalen Pickel hat, am besten gut handgeschmiedet mit einem
festen Stiel aus Eschenholz, muß man auch stärkere Wurzeln durchhauen
und gröbere Steine ausheben und zertrümmern können. Auch wenn man einen oder zwei Erdarbeiter für tiefe, grabbare Baue benötigt,
müssen diese ein solides Beil, eine starke Haue, einen festen Spaten und eine
ebensolche Schaufel mitnehmen. Aber die Stiele sollen auch für dieses
schwere Schanzzeug nur etwa einen Meter lang sein, da längere in tieferen Einschlägen
bei der Erdarbeit nur hinderlich sind. Den grausamen Fuchshaken, eine doppelte
starke Angel, die mit einem Wirbel an
einer Stange aufgepaßt ist, habe ich nie benützt. Damit sollen Fuchs
oder Dachs aus der Sackröhre gezogen werden, wenn er auf die Angel gebissen
hat oder an einer Prante festgehakt wurde. Einfacher
und humaner ist dann eine etwa fingerdicke feste Haselnußgerte, die man vorne
kreuzweise einkerbt. Oder auch eine schwächere halbdürre Fichtenstange,
an der man den obersten Quirl mit kurzen, zugespitzten Stummeln
stehen läßt. Ist nun der Fuchs oder Dachs in einer Sackröhre vom Hund festgetrieben,
aber noch nicht erreichbar, dann sondiert man mit diesen Ruten. Beide
beißen sie darauf. Aber im Gegensatz zum Fuchshaken sucht man
ihnen irgendwo mit dem oberen Teil der Ruten in die Wolle oder die Borsten
zu fahren und dreht nun die Rute dort fest. Hat sie erst einmal Wolle
oder Borsten gefaßt, dann wickelt sich durch richtiges Weiterdrehen der
Balg oder die Schwarte um die Rutenspitze fest. Den Fuchs kann man dann
meist leicht herausziehen, abfangen oder knebeln, so man ihn lebend haben will.
Beim Dachs braucht man meist zwei Ruten und vier Hände, um den
Schwergewichtler, der sich mit allen vier Pranten in der Röhre dagegen stemmt, zu landen.
Einen Knebel soll man bei der Grabarbeit stets in einer
Hosentasche haben. Es ist das ein gut fingerstarkes und zwei Finger
langes Stück festen, harten Rundholzes, tunlichst trocken, also aus Haselnuß
oder Buche. An einem Ende des Holzes wird in einer leichten Kerbe eine kräftige
Schnur so festgeknüpft, daß sie nicht abrutschen kann und ihre
beiden Enden etwa 25 cm frei daran hängen. Der Fuchs nimmt dieses Apportel ohne
Befehl sofort in den Fang, wenn man ihm das Holz hinhält und läßt es
nicht mehr los, wenn man daran zieht. Sobald sein Fang frei ist, fährt man
mit dem einen Ende der Schnur ihm unten und oben rings um den Fang und dann
noch umgekehrt mit dem anderen Ende. Nun knüpft man beide Enden,
das Stöckchen festhaltend und zurechtschiebend, fest zusammen. Der
Fuchs hat dann einen sicheren Beißkorb an. Denn das Holz liegt hinter
seinen Fangzähnen, kann also nicht herausrutschen, und die Schnur verhindert
das öffnen des Fanges. So kann man auch bissige Hunde knebeln oder Hunde, die
geflickt werden müssen, wie das auf Bau- und Saujagden öfter schon im
Revier mit einfachsten Mitteln nötig werden kann. Den Fuchs, den man
lebend mitnehmen will,
steckt man dann einfach in einen festen Rucksack oder anderen Sack. Er
verhält sich dann ganz ruhig, so daß man auf dem oft weiten Heimweg glaubt,
er sei tot. Wenn man aber unvorsichtig nachschaut und der Fuchs so viel Luft
sieht, daß er springen kann, wird er versuchen, blitzschnell aus dem Sack
zu springen.
Weil wir nun schon mal beim Knebeln sind, müssen wir
auch da einmal den Dachs betrachten, der sich dabei ganz anders verhält.
Ein Mann muß viel Übung, Ruhe und Kraft haben, um den Dachs im Einschlag zu
knebeln, wenn ihn ein scharfer Packer in diesem richtig gefaßt und
herausgezogen hat. Wie gesagt, kann man ihn mit einer Hand nicht im
Genick festhalten, da der Hals ja bei diesem Erdarbeiter so stark bemuskelt
ist wie bei einer Wildsau. Bei beiden ist der Hals ja stärker bemuskelt als
der Rücken. Die Dachsschwarte ist zäh und elastisch. Der Dachs drückt
einem die Hand vom Halse ab, wenn er auch noch den Rücken wölben kann. Im Einschlag muß man ihn
also gleichzeitig mit einer fest zupackenden
Hand am Nacken und mit dem Spatenstiel auch im Rücken niederdrücken. Vorne im
Genick muß ihn natürlich der scharfe Hund noch eisern halten. Dann drückt
man den Dachs mit dem Knie auf seinem
Rücken fest auf den Boden - er
zerbricht dabei nicht! - und hat nun
die andere Hand frei. Mit dieser führt man ihm den Knebel in den Fang, den er nicht so willig nimmt, wie der Fuchs das stets
tut, und schnürt ihm den Fang zu. Dann
erst bricht man den Hund ab, was leichter
ein Gehilfe besorgt. Der Dachs muß immer noch mit zwei Händen niedergehalten
werden, bis man ihn in einen wirklich festen, dichten Sack stopfen
kann, wozu wieder vier Hände nötig sind. Ist der Sack nicht sehr fest
und dicht, dann arbeitet der Dachs oft rasch ein Loch mit seinen Grabkrallen
hindurch, da er ja, geknebelt, mit dem Gebiß, seiner eigentlichen Waffe, nicht
mehr zugreifen kann. Dann müßte man dem Dachs vorher auch alle vier
Pranken kreuzweise fesseln, wie man einen Bock schränkt, den man in den
Rucksack stecken will. Der Dachs schlägt ja nie mit den Pranten, aber
er sträubt sich und kratzt damit, wenn er sich mit dem Gebiß nimmer wehren
kann. Nennenswerte Verletzungen kann er aber auch dann mit den Pranten
nicht verursachen.
Damit ist die Sache noch lange nicht aus. Auch der
geknebelte und sogar geschränkte Dachs tobt im Sack meist wütend weiter. Dabei geifert er stark
vor Zorn. Wenn man nun den Dachs weiter transportieren muß, um irgendwo
die nächste feste Kiste zu erhalten und ihn von Fesseln und Knebel
bald zu befreien, kann es vorkommen, daß er sich auf einmal im Sack oder
Rucksack ganz ruhig und still verhält. Wie das der Fuchs immer tut, der
aber dabei quicklebendig ist. Der Dachs aber ist dann in der Regel tot. Oft
schon nach einer halben Stunde Marsch. Die Ursache wurde mir nie ganz klar.
Ist es Herzschlag? Ist es Luftmangel? Ich fand dann immer, daß die durch
sein Geifern und Schäumen nasse Schnur des Knebels sich so fest über die
Nase und Nasenöffnung zusammengezogen hatte, daß sie dem Dachs dort die
Atemluft abgeschnürt zu haben schien, und er also erstickt war! Ich rate also
beim Dachs, den man unbedingt lebend heimbringen will, diesen Kampf mit
Knebel und Fessel zu vermeiden, der für beide Teile nicht erfreulich ist und
oft zu keinem glücklichen Ende führt. Dann ist es schon besser, gleich auch
noch eine feste, verschließbare Kiste auf den Bau mitzunehmen oder den
auf den Schliefplätzen üblichen Transportkasten für das Raubwild. Man hebt dann den Dachs mit der Dachszange einfach aus und steckt ihn
ungeknebelt
in den festen Kasten. Mit der Dachszange, die man sonst auch beim Dachsgraben entbehren könnte,
die man aber doch im Rucksack leicht mitführen kann, muß man freilich auch richtig hantieren können. Falsch
sind m. E. diejenigen Dachszangen
konstruiert, die vorne eine gekröpfte Halskrause haben, die scheinbar den Dachs leichter in der Röhre selbst
hinterm Kopf um den Hals fassen soll.
Das wird in der Röhre nur selten gelingen, weil der Dachs den Kopf zwischen die Vorderpranten steckt. Die Dachszange,
mit der man natürlich auch den Fuchs ausheben kann, soll vielmehr völlig
gerade aus etwa kleinfingerdickem Rundeisen geschmiedet sein, das sich aber nirgends
verbiegen darf. Man kann dann das Wild unversehrt
in einen festen Sack oder Rucksack, den Dachs noch besser in eine
feste Kiste, stecken.
Der
Fuchs läßt sich aus geeigneten Bauen mit geeigneten Hunden oft spielend
sprengen, wenn er draußen vom Jäger nichts vernommen, gewindet oder
gar geäugt hat. Dann allerdings nur schwer oder gar nicht. Der Dachs springt nur ganz ausnahmsweise einmal aus einem ungegrabenen Bau,
wenn er keine Sackröhren hat, es zum Beispiel ein Sternbau ist, dessen
Röhren alle strahlenförmig nach außen münden. Und das noch viel eher einmal
der leichte Sommerdachs aus einem solchen Sommerbau, als der fette, schwere
Herbstdachs aus einem großen Mutter- oder Winterbau. Wer also Erdhunde
anbietet, die jeden Fuchs und Dachs todsicher sprengen, ist ein Schelm! Und wer
sie auf solche dreiste Reklame hin für teures Geld kauft, zählt
zu denen, die nie alle werden.
Gute Erdhunde kann man kaum je kaufen, so wenig wie gute
Saufinder oder Schweißhunde. Die kann nur ein guter Jäger ausbilden und
auf die höchste Leistung bringen. Der verkauft aber solch ein Kleinod
nicht ohne höchste Not. Man muß sich also solche Hunde selbst
heranbilden und laufend verdienen, am besten aus Welpen oder Junghunden bis zu
sechs Monaten, die aus bester Leistungszucht stammen. Wenn man sie von kleinauf
richtig erzieht, ausbildet und abführt, erlebt man damit am meisten Freude
und Erfolg. Ich sage immer, am besten und billigsten verdirbt man seine
Hunde selbst. Man lernt dabei wenigstens etwas dazu, und es ist
noch kein Meister vom Himmel gefallen!
Der Mensch lernt nur aus den eigenen Dummheiten. Ein Volk
auch aus diesen nicht!
Aber ein Jäger soll wenigstens aus den Lehren Erfahrener,
aus der gerechten Schule etwas dazulernen. Denn beim jagen lernt keiner aus! Und
das Beste lernt man, auch wenn man sich schon ausgelernt dünkt,
von guten Hunden dazu! Sie sind nun einmal unsere besten
und treuesten Waidgesellen, wenn wir
sie nur als solche erziehen und behandeln. Das gilt gerade auch für den
Erdhund, der ja neben dem Saufinder das härteste Brot eines Jagdhundes
sich verdienen muß. Darum darf der Jäger sie nie im Stich lassen. Dann werden
sie auch ihn nicht im Stich lassen.
Aus dem Vorstehenden wird schon klar geworden sein, daß
wir zum Sprengen
des Fliegers Fuchs auch einen Flieger von Hund brauchen. Also kleine,
wendige, rasch schliefende Hunde mit genügend Schneid, ob nun Terrier oder
Dachshunde.
Man
muß auch unterscheiden, ob der Fuchs nur sozusagen von selbst springt oder
wirklich vom Hund gesprengt wird.
Denn oft springt er, ohne mit dem Hund nur annähernd
Bekanntschaft bekommen
zu haben.
So hatte ich mal in einem Privatwald im Allgäu dienstlich
zu tun und gar kein Gewehr mit, da ich dort nicht ohne weiteres
jagdberechtigt war. Aber zwei blutjunge Foxterrier dabei und sie in dem hageldichten
Fichtenstangenholz nicht mal angeleint, da sie ja auch noch zu dumm waren, um über der
Erde zu jagen. Auch einen Bau oder gar einen
Fuchs kannten sie noch nicht. Da kam
ich dort an einen Bau mit zwei Röhren, die sich auf etwa 10 Schritt gegenüberlagen.
Im Handumdrehen waren die beiden Anfänger Wauz und
seine Wurfschwester Wanz im einen Loch. Und bevor sie nur einen Ton
äußerten, stand fünf Schritt vor mir vor der zweiten Röhre ein Altfuchs.
Der äugte noch in die Röhre zurück und schnürte dann ganz
Auch gute Sprenger versuchen dann meist zunächst, ob das
von einer anderen Einfahrt her nicht besser gelingen könnte. Oft rückt dann
der inzwischen nervös gemachte Fuchs aus seiner Sackröhre und
springt mehr oder minder freiwillig.
Diese vorsichtigen Sprenger werden kaum je geschlagen, da
sie sich nicht auf einen ernstlichen Nahkampf einlassen. Der wirklich rücksichtslose
Sprenger aber fängt mit dem Fuchs, den er in die letzte
Sackröhre gedrängt hat, nun hart zu raufen an, schiebt sich beißend auf
ihn, versucht ihn zu würgen, was im engen Sackrohr meistens mißlingt, und drängt
ihn mit seinem Körper, rücksichtslos vorstoßend und fassend, aus der
Sackröhre. Der Fuchs überrollt dann den Hund, wie man sagt. Richtiger
wohl, er reißt sich noch aus dem Handgemenge los, hinterläßt dem Hund nur
einen Fang voll Wolle und einige Schmisse und fliegt dann aus der
erstbesten Röhre heraus, die an die frische Luft führt. Das auch
sonst, wenn er mal die Zähne des Hundes gespürt hat. Denn der Fuchs ist
kein »Steher« wie der Dachs. Dieser sagt dagegen: Hier bin ich Herr im Hause
und schmeiße jeden raus, der mir nicht paßt.
Wenn der Fuchs nun wie aus der Pistole geschossen springt,
muß sehr rasch und sicher geschossen werden. Oft ist das auch für den
besten Schützen nicht einfach; denn man hat da den Eindruck, daß der
Fuchs auch hinten noch zwei Seher habe und es meisterhaft verstehe, zwischen
sich und das Feuerrohr gerissen eine Deckung zu bringen. Im hohen Holz den
dicksten Baum, sonst einen Busch, einen Fels usw. Ungern springt der Fuchs in
sehr hohen und lockeren Schnee, der ihn an rascher Flucht hindert. Ich
glaube.
auch, daß er genau weiß, ob
der Hund langsam oder rasch ist, und sich danach richtet. Wo
man nicht oder schlecht schießen kann, wie in Dickungen, springt der Fuchs
am liebsten. Auch hat er oft eine gut getarnte Fluchtröhre, fast senkrecht nach oben, zum Beispiel unter einen dichten
Fichtenbusch, die man bis dahin nicht kannte, und ist hinter dem Busch fast
unsichtbar und blitzschnell verschwunden, bevor man langsam schauen kann. Wenn der Fuchs einige Zeit zur
Überlegung hat, weil ihm der Hui dicht rasch an der Lunte folgt und folgen
kann, streckt er oft zunächst den Kopf aus der Röhre, schaut nach, ob es draußen
sauber ist, und zieht sein Kummergesicht wieder zurück. Glaubt
er draußen die Luft sauber, was Hauptsorge des Jägers beim Sprengen sein muß,
dann setzt er in der Röhre zum Springen an und haut blitzschnell
ab.
Von alten gerissenen Bauernjägern lernte ich einst ein
Rezept, um das Nahen des Fuchses (oder Hundes!) zu signalisieren. Sie schoben vorsichtig
lange, dünne Ruten in die Röhre, sie nur an
der dünnen Spitze anfassend, die herausstand
und so kündete, daß sich ein Tier der Ausfahrt nähere. Nie aber darf
der Jäger dem Fuchs ins Gesicht schießen, wenn der wirklich den Kopf aus der Röhre streckt. Spitz von vorn ist ja auch sonst der
schlechteste Schuß auf den Fuchs.
Hier aber wird ihn der nachfolgende Hund, wenn er wirklich mit Kopfschuß
verendet wäre, todsicher von hinten fassen und in den Bau zurückreißen. Handelt es sich noch um stark und tief abfallende
Röhren, dann kann es sehr schwierig werden, den Fuchs noch zu landen.
Denn aus solch engen und steilen Röhren kann ihn auch der willigste Hund
oft nicht ins Freie ziehen, da er sie schon ohne Gepäck manchmal nur schwer
überwinden kann, gar noch, wenn höhere Felsstufen nur springend zu bewältigen
sind. Wie man den Fuchs dann noch landen kann, wird noch berichtet
werden.
Aber noch ein anderer triftiger Grund verbietet jedes
Schießen auf den Kopf des Fuchses, der zur Ausfahrt herausschaut. Ist der Hund
schon hinter dem Fuchs, kann ein leichtfertiger Schuß in die Röhre hinein
diesen verletzen, besonders bei gefrorenem oder steinigem Boden auch durch Prellschrote. Auch
kam es schon vor, daß der Fuchs blitzschnell
sprang und der Hund in die Feuergarbe lief und auf der Strecke blieb. Erdhunde
sollen keine rote Köpfe haben. Das ist bei leichtsinnigen Schützen so
gefährlich wie der rote Hund beim Fuchstreiben über der Erde. Ja, ich habe
es erlebt, daß ein hitziger Schütze einen Rauhhaarfox, der den Kopf aus
der Röhre streckte, für einen Fuchs totschoß. Der Terrier war weiß mit üppigem
Bart zu Bau gefahren. Und heraus guckte nun sein roter, spitzer Kopf,
vom Lehm rotgefärbt, und im nassen Bau hatte der üppige Bart sich klatschnaß
um den nun spitz erscheinenden Fang geklebt. Ja, es kann dann auch
einem gut erfahrenen Bodenjäger vorkommen, daß er im allerersten Augenblick
nicht sofort seinen so veränderten Hund erkennt. Aber schießen darf
und wird er nie in die Röhre hinein.
Wenn
man nun allein jagt, kann man oft von einem Platz aus nicht alle Ausfahrten
großer Baue überblicken oder ständig im Auge behalten. Denn der eigene
Standort des Schützen muß sorgfältig gewählt werden. Er muß vor allem
besten Wind haben und darf selbst gar nicht in die Röhren hineinsehen können,
da ihn der Fuchs sonst schon in der Röhre eräugt, bevor der Jäger ihn
sehen kann, und dann natürlich nicht springt. Auch zwei Schützen können
sehr oft große Baue nicht richtig übersehen und alle Ausfahrten schußfertig
bewachen. Besonders nicht an großen Hangbauen, die Röhren auf der Höhe
und noch solche an zwei steilen Hängen haben, wo man selbst kaum stehen kann.
Erst recht ist das für den Einzeljäger oft der Fall, von Bauen in Dickungen
gar nicht zu reden. Dann muß man eben Sprengnetze legen, aber richtig!
Es
ist das keine Zughaube, wie man sie meist auf Kaninchenbauen verwendet, wenn
man mit dem Frett jagt und schlechtes Schußfeld hat.
Das Sprengnetz ist ein Decknetz, etwa
1,20 m im Geviert, mit viereckigen Maschen aus kräftigern braungefärbten Garn
von acht bis neun cm im Quadrat. Diese Maschenweite ist wichtig, da sie genau so
berechnet ist, daß Fuchs und Dachs mit dem Kopf durchfahren können und dann die Masche um
den Hals haben, diese also nicht aufbeißen oder zerreißen können. An
den vier Ecken des Decknetzes sind an etwa 10 cm langen, festen Hanfschnüren
vier durchbohrte Bleikugeln von der Größe einer kleinen, rund gedachten
Walnuss befestigt. Springt nun Fuchs oder Dachs richtig in das Decknetz,
also etwa in die Mitte des flach über die Ausfahrten oder Einschläge
gebreiteten Netzes, so schlagen diese Bleikugeln hinter dem Wild zusammen
und so in die Netzmaschen, daß das Wild nach wenigen überhasteten Fluchten
wie ein verschnürtes Paket fluchtunfähig liegen bleibt, da es völlig und
fest eingewickelt ist. Es kann dann leicht getötet oder auch völlig unversehrt
lebend erbeutet werden. Liegt das Wild so richtig im Netz, kann man es
zunächst gar nicht herauswickeln, muß vielmehr die Masche um seinen
Hals aufschneiden, um es herauszubekommen. Den Fuchs, den man lebend mitnehmen
will, kann man so ungeknebelt in den Sack oder Rucksack stecken. Beim Dachs ist
das weniger zu empfehlen, wie schon erörtert. Damit eben das Decknetz richtig fängt, muß man es auch richtig über die
Röhre legen, und zwar möglichst flach auf dem Boden liegend und stets
diagonal.
Darüber muß sich jeder Bodenjäger, auch wenn er die
Bodenjagd nur gelegentlich betreibt, restlos klar werden. Gerade darüber
sind aber viele Irrtümer und unausrottbare Kindermärchen verbreitet.
Wie schon erwähnt, ist der Fuchs ein Flieger. Auch der
Hund, der ihn sprengen
soll, muß ein Flieger sein. Der Dachs aber ist ein Steher und auch
der auf Dachs brauchbare Hund muß Steher sein. Der Fuchs ist kein echter
Höhlenbewohner wie der Dachs. Der Fuchs verteidigt sich unter der Erde
nur so lange er muß. Hat er draußen Unrat vernommen oder gewittert, oder hat
ihn der Hund in eine Sackröhre gedrängt, dann muß er sich wehren.
Er sperrt dann mit offenem Fang und keckernd die enge Röhre. Ist
der Hund nicht scharf genug, um ihn zu fassen, liegt er nur vor, so muß man auf
den Hund graben. Scharfe Hunde aber, die dem Fuchs an die Kehle wollen,
drängen dann dicht auf und versuchen zu fassen. Dabei halten sie lautgebend
ihren Kopf tief und seitwärts. Deshalb werden sie vom Fuchs meistens
oben, auf Nasenrücken, durch die Augenlider und Behänge geschlagen.
Die Terrier haben daher kleine Behänge, ein Kippohr oder Stehohr. Der
Dachshund hat weit hinterm Auge angesetzte, lange Behänge, die man deshalb oft
als Fuchsfutter bezeichnet.
Der Würger muß versuchen, dem Fuchs von unten an die
Kehle zukommen, wenn dieser einmal nicht aufpaßt oder ins Leere schnappt.
Dann faßt ihn der griffsichere Hund von unten und der Seite an der Kehle,
greift nach und dreht den Fuchs auf den Rücken, um ihm die Luft abzudrücken.
Das fordert in
engen Röhren, wie sie reine Fuchsbaue meist haben, sehr viel Schneid und sicheren
Griff. Deshalb soll man junge Erdhunde nicht oder nicht zu viel im Freien
und Hellen würgen lassen, wo das für scharfe, wenn auch kleine Hunde
eine Spielerei ist. Ja, man kann damit erreichen, daß sie gar nicht mehr ins enge,
dunkle Loch wollen, sondern nur hineinbellen und rufen Geh' raus, wenn du
Schneid hast!
Gelingt nun dem Hund das Fassen und Würgen oder gar Abwürgen
im engen
Der Fuchs zwickt mit seinen spitzen Zähnen zwar tiefe Löcher,
aber sobald ihn sein Gegner auslässt läßt er diesen sofort auch los. Es kann wohl auch am Fuchs einmal Schneidezähne
kosten, ja, wenn es ganz
Denn der Dachs ist ein grimmiger Gegner, stärker als der
massivste Erdhund, der ja nicht über 12 bis höchstens 14 Pfund Gewicht
haben darf, wenn er überall durchkommen und nicht stecken bleiben soll.
Der Herbstdachs hat ausgewachsen und voll im Schmalz 20 bis 30 Pfund
und oft noch mehr. Er ist nicht nur ein Steher, sondern ein
Schwergewichtsringer, der wütend seine Burg verteidigt und so gut
wie nie aus einem ungegrabenen Bau springt. Damit kann man beim Dachs nie
rechnen, und auch alte Bodenjäger können solche Fälle an wenigen Fingern aufzählen.
Bis man vollends erlebt, daß ein Hund einen ausgewachsenen Dachs im
Bau abwürgt, kann man alt und grau werden. Denn an die Kehle läßt
sich der Dachs nicht kommen. Er setzt sich auch vor scharfen Hunden an einem Knie
oder hinter einer anderen Ecke im Bau fest und wahrt sich meist noch
einige Meter freier Rückzugslinie. Das übt der Dachs sogar im Kunstbau. Ist
nun der Hund nicht sehr scharf, so kehrt ihm der Dachs die Keulen zu, wirft ihm
mit den Vorderpranten Sand und Kies ins Gesicht und baut so, sich
verklüftend, oft im Handumdrehen den Stollen zwischen sich und dem Hund zu.
Buddelt nun der Hund eifrig nach, dann wirft er hinter sich eine neue Wand
auf. Soviel kann der Hund vorn gar nicht wegschaffen, wie der Dachs
ihm hinwirft. Wohl aber soviel hinter sich, daß er sich den Rückzug
und die Atemluft selbst abschneidet; denn er kann die selbstgeschaffene
Barrikade nimmer öffnen oder gar wegschaffen, sogar wenn er sich noch wenden könnte,
weil meist kein Raum da ist, um den selbstgeschaffenen Erdwall
wieder abzubauen und sich den Rückzug zu ermöglichen.
Der Hund hat sich also selbst verklüftet. Nicht der Dachs
den Hund, wie alter Aberglauben wähnt. Der Hund verstummt dann, schon weil
ihm die Luft zum Lautgeben mangelt, und erstickt endlich, wenn man ihn
nicht rasch durch Nachgraben befreien kann. Der Dachs aber erstickt nicht,
auch nicht, wenn er sich nach unten oder seitwärts in lockeren Sand soweit
vergraben hat, daß er buchstäblich begraben ist. Er liegt dann
zusammengerollt, völlig von Erde bedeckt, im Sand. Er ist offenbar
als echter Höhlenbewohner in der Lage, mit sehr
wenig Sauerstoff auszukommen, und hat wohl auch in seinen langen Borsten oder
durch Pressen gegen den Sand sich noch eine ihm genügende Luftreserve
geschaffen. Jedenfalls habe ich es nie erlebt, daß ein zweifellos verklüfteter
Dachs, den man auch im erweiterten Stollen nimmer fand, in seinem Grab
erstickt wäre. Wenn man den Hund noch retten konnte und den Einschlag
auffüllte, hatte der Dachs am anderen Morgen den Bau munter verlassen,
wie das Einhalmen und seine Spur bezeugten. An einen Fall erinnere ich mich besonders. Bei einem
Naturbauschliefen des Nürnberger
Gebrauchsteckelklubs beim langen Volkmarsgustel in Pfünz auf
dem Jura hatten wir so ein Dutzend Dachshunde mit, die im Naturbau ihr
Gesellenstück leisten sollten. Der große Bau auf einer sandüberlagerten Hügelkuppe
hatte viele Röhren und zwei Etagen. Die meisten Kunstbauschliefer
fanden nichts und kamen bald wieder. Nur ein wildsaufarbener Glatthaarrüde,
ein alter Praktiker eines alten Bodenjägers -
die Namen habe
ich leider vergessen - fand endlich und
verbellte gut und lange genug, bis wir mit Haue und Spaten durch waren und einen
starken Fuchsrüden erledigen konnten.
Da aber der Bau auch vom Dachs befahren war, wie der Sand
vor den Röhren mit der typischen Rinne durch ihn und die Abortgruben mit
frischer Losung des reinlichen Grimbart bewiesen, ließen wir den Bau
erneut von mehreren Hunden durchsuchen. Bis endlich unser erfahrener
Matador an einer ganz anderen Stelle wieder fest vorlag. Endlich hatten wir
den Hund durch einen tiefen Einschlag erreicht. Er lag scheinbar am
Ende einer Sackröhre und bellte, dort buddelnd, in den Sand vor sich. Der
Schaufelstiel stieß aber überall auf festen Boden. Der erfahrene Führer,
der seinen braven Hund genau kannte, war mit uns Richtern aber einig, daß der
Dachs sich hier verklüftet habe. Also nahmen wir den Hund ab, verstopften
hinter ihm die Röhre gegen den Hauptbau fest und dicht mit Reisig und
gruben bergmännisch den Stollen weiter auf. Vorne, links und rechts war
fester Boden. Aber nach unten gab der lockere Sand unter der Sonde nach.
Nachdem wir da einen halben Meter Sand ausgeschöpft hatten, kamen die
Borsten des zusammengerollten Dachses und dieser dann selbst munter zum
Vorschein, dem man eine Revolverkugel zwischen die Seher steckte, bevor er aus
dem Einschlag klettern konnte.
Der
Dachs hat ja auch sonst die Eigentümlichkeit, aus einer geöffneten Sackröhre
den weißschwarzen Kopf, meist nach kurzer Zeit, herauszustecken, auch
wenn er noch einige Meter Rückzugslinie hätte. Der Bau ist ihm offenbar
unheimlich geworden, da Licht und Sonne in sein Haus scheinen. Man nimmt
dann am besten den Hund ab, verstopft hinter diesem vorher die Röhre
in den Hauptbau, aber wirklich mauerfest, mit Reisig oder verkeilt sie
mit Steinen.
Wenn dann draußen alles ruhig ist, schaut der Dachs
heraus. Dann muß aber ein ruhiger Schütze mit einer halben Patrone, die
volle Pulverladung, aber nur so ein Dutzend Körner hat, ihm rasch auf
den Kopf schießen, oder das mit einer sicheren Revolverkugel zwischen die
Seher tun. Schon deshalb muß zuerst der Hund weg sein.
Pistolen gehen nie los, wenn man sie wirklich einmal
braucht! Das habe ich wiederholt erlebt! Der Schütze drückte, aber die
Sicherung usw. ließ keinen Schuß losgehen. Das Rohr des Einschlags gegen den
Hauptbau war nur mit etwas Reisig und Sand lose verstopft. Der Dachs wischte
unter der nicht losgehenden Pistole durch, hatte im Nu die Röhre geöffnet
und war wieder im Hauptbau verschwunden. Wer dann von den Jägern und
Hunden noch Lust, Zeit und Schneid hat, die mühselige Arbeit von Neuem zu
beginnen, mag das tun! Meist haben sie keine Lust mehr dazu und Meister
Grimbart hat seine Schwarte und sein Schmalz wieder einmal gerettet!
Was ihm in diesem Fall zu gönnen ist!
Oder er klettert im Handumdrehen auch aus einem tiefen
Einschlag und entkommt in dem Trubel von Jägern und Hunden wieder in den
Hauptbau, durch eine Einfahrt in einen anderen nahen Bau oder in die
nächste Dickung, bevor die Jäger ihre Flinten anbacken können. Und die
nachgehetzten Hunde schüttelt er ab, haut sie zuschanden und ist nicht
mehr zu sprechen.
Wenn nun der Hund sehr scharf ist, zwingt er den Dachs,
ihm die Front zuzuwenden, indem er ihn in die Keulen zwickt, sobald er sich
umdrehen und verklüften will, um dann sofort wieder loszulassen, wenn
der Dachs sich ihm zuwendet. Denn wenn der Hund stur in die Kehrseite
des Dachses beißen und ihn zu halten versuchen wollte, würde er vom Dachs schwer geschlagen
werden.
Der Dachs weiß genau, daß ihm unter der Erde nur der
eiserne Griff des Hundes nach seinem Hinterhaupt gefährlich werden und ihn
wehrlos machen kann, und daß er sich nicht an die Kehle kommen
lassen darf. Er hält darum den Kopf tief am Boden, wie beim Stechen nach
Erdmast, aber vor dem Hund zwischen seinen Vorderpranten, und hält dem Hund
nur den dikken, starkbemuskelten Nacken oder Rücken hin. Läßt der
unerfahrene scharfe Hund sich nun verleiten, ihn dort an der dicken zähen
Schwarte zu fassen, so packt er den Hund mit seinem starken Gebiß, den
Kopf erstaunlich wendig drehend, von unten an
der Kehle, am Hals, an den Läufen oder selbst in die Weichen. Er läßt aber
nicht mehr los, wie der Fuchs, wenn der Hund von ihm notgedrungen abläßt.
Sondern er quetscht und fetzt mit seinem starken Gebiß und
Nackenkraft, so daß der Hund oft starke Substanzverluste
erleidet. Ich habe Fälle erlebt, daß der Dachs einem scharfen, starken Terrier
ein Stück Haut, so groß wie ein Fünfmarkstück, aus der Kehle riß, so daß
man den Kehlkopf frei liegen sah. Dieses Loch verheilte auch nimmer
Einer scharfen Terrierhündin wurden vom Dachs die Weichen
aufgerissen, so daß
das Gescheide herausdrang. Wir flickten sie beim nächsten Bauern mit Hopfennadeln
wie einen Sack zu. Und sie heilt sich aus, wie Saufinder bei Schlägen
ins Gescheide, wenn nur dieses selbst heilgeblieben war. Aber der Dachs
tut das nur mit dem Gebiß! Darum werden die Hunde vom Dachs meist unten
geschlagen. Nie geschieht das mit den Pranten, wie ein unausrottbarer
Jägeraberglauben wähnt. Da erinnere ich mich eines Falles schon aus
meiner frühen Jugend. Am Eselsberg auf dem rechten Lechufer bei Thierhaupten,
wo mein Vater in meinem Geburtsjahr 1881 Oberförster und Forstmeister
war, also im Altbayerischen, gab es große Fuchs- und Dachsbaue. Endlich hatte
einer unserer tüchtigen alten Dachshunde den Dachs zwischen zwei
Einschlägen im Sand fest. Mein Vater packte den Dachs, der unter einer
kurzen Erdbrücke saß, am Pürzel und warf ihn mit Schwung nach oben aus dem
tiefen Einschlag, wo ihn die anderen Jäger erledigen sollten. Nebenbei
bemerkt, muß das rasch gehen! Der Dachs muß, wie der an der Lunte
ausgehobene Fuchs, mit ausgestrecktem Arm vom Leibe bzw. den Beinen und Keulen soweit weggehalten werden, daß er sie nicht erreichen
kann. Der Dachs ist, am Pürzel gefaßt
und frei in der Luft gehalten, wohl im Stande, sich mit erstaunlicher
Gewandtheit fast bis auf Handbreite mit dem Gebiß an den Arm oder Rockärmel nach oben zu wenden. Nicht aber diese bei
ausgestrecktem Arm zu erreichen.
Unerfahrene werfen ihn dann endlich ängstlich weg.
Aber unser Dachs landete richtig droben unter den Jägern
und Hunden, die auf ihn geschnallt wurden. Da war nun auch ein Förster
des benachbarten Barons M. dabei, der seinen starken, langhaarigen, strohgelben
Hühnerhund, eine gute alte Rasse ohne Setterblut, schnallte. Da die
Dackel auch schon über dem Dachs waren, mochte der scharfe Hühnerhund
falsch gegriffen haben. Jedenfalls fetzte ihm der Dachs mit dem scharfen
Gebiß blitzschnell den ganzen Nasenschwamm restlos weg! So daß der Förster
ihn sofort erschoß mit dem traurigen Spruch: Was nützt mir ein Hühnerhund,
der keine Nase mehr hat!
Die Dackel konnten den Dachs auch nicht lange halten,
wurden harmloser geschlagen und gaben das Rennen auf, als der Dachs in eine
nahe, hageldichte Dickung entkommen war. Als mein Vater aus dem tiefen
Einschlag kam, meinte
er, es wäre besser gewesen, den Dachs mit der Flinte zu bedienen und gar
keine Hunde daran zu hetzen. Und nun behaupteten einzelne Jäger, der Dachs
habe dem Hühnerhund mit den Krallen an der Prante die Nase weggehauen.
Nur einer hatte klar gesehen, daß der Dachs den Hund mit dem Gebiß
an der Nase gefaßt hatte, und als der Hund nun den Kopf hochriß, auch
den starken Dachs einen Augenblick hochgerissen habe und der arme Hund
danach keine Nase mehr gehabt habe. Worauf mein Vater den Zweiflern erklärte,
daß der Dachs nie mit der Prante schlage. Diese sei wohl zum Graben
geeignet, aber nicht, um so schwere Verletzungen herbeizuführen. Das
sind nun mehr als 70 Jahre her, in denen ich das im Natur- und im Kunstbau
oftmals beobachtet und auch in der Jagdpresse wiederholt erklärt habe.
Aber heute noch glauben viele Jäger daran, daß der Dachs mit den Pranten
die Hunde oft so jammervoll zurichte.
Solche
Köhlermärchen pflanzen sich ja auch gerade bei Jägern wie eine ewige Krankheit
fort.
Damit ist aber die Kampftechnik des Burgherrn von
Malepartus noch lange nicht erschöpft. Wenn ein erfahrener, scharfer und
griffsicherer Hund ihn richtig hart am Hinterhaupt im Genick packt und ihn
eisern hält, ist der Dachs wehrlos. Ja, wenn ihn der Hund dabei neben dem Kamm
des Hinterhauptes stark auf die daneben verhältnismäßig dünnen
Knochen über dem Gehirn drückt, scheint der Dachs oft wie betäubt und läßt
sich fast wehrlos ziehen. Nie versucht er dabei aber den Hund mit den Pranten
abzustreifen. Dabei kann es sogar vorkommen, daß ein Hund mit sehr starkem Gebiß dem Dachs an
dieser schwächsten Stelle der Schädeldecke einen Zahn tödlich ins Gehirn drückt. Das sah ich einmal von dem Dachspacker Hindrik vom Zangenberg,
einem Rauhhaarfox besten Arbeitsschlags mit einem Riesengebiß. Er zog den
Dachs, den wir lebend haben wollten, in den Einschlag mit jenem Genickgriff.
Bevor wir aber den Dachs im Einschlag mit der Dachszange packen
konnten, fing er an zu strampeln und war verendet, bis wir den Hindrik abbrechen konnten. Gewiß ein seltener Fall. Wehrlos ist der
Dachs auch, wenn ihn der Hund seitlich am Backen oder an einem Gehör packt.
Aber lange kann er den Dachs so kaum halten. Jedenfalls beginnt
nun der Dachs, der sich mit dem Gebiß nimmer wehren kann, eine andere,
oft recht gefährliche Taktik. Er schiebt sich mit seinem ganzen Gewicht
auf den Hund, diesen unter sich oder neben sich buchstäblich an die Wand
drückend. Bis dem Hund die Luft ausgeht und er loslassen muß. Einen
solchen Fall habe ich ja schon im Abschnitt Felsbaue berichtet, wo ich dem
braven Wauz 5030 noch im letzten Augenblick helfen konnte, der, unter
dem Dachs liegend, diesen stöhnend noch mit eisernem
Genickgriff festhielt, bis ich den Grimbart mit dem Waldblatt abfangen
konnte. Aber auch, wie
der Terrier danach wochenlang mit gequetschten oder gebrochenen Rippen
krank lag, bis er sich endlich durchriß. Mancher
schwächere Hund mag nach solchem Ringkampf mit dem Schwergewichtler
Grimbart auch im Bau verendet liegen bleiben, ohne daß man weiß, wie er
verunglückt ist.
Ja, die Arbeit auf den Dachs ist für Hund und Jäger kein
Honiglecken und schon
deshalb wenig beliebt und geübt. Aber man muß darum wissen, da man
auch beim Fuchssprengen an Dächse und in die Lage kommen kann, richtig
zu handeln.
Fuchssprengen ist oft ein Kinderspiel für Hund und Jäger.
Dachsgraben aber schon ein ernstes Unternehmen. Schon alte Klassiker
schildern die Ausrüstung für diesen Feldzug nach Malepartus. Sie empfehlen
auch, gleich mit Roß, Mann und Wagen auszurücken und Speise und Trank, ein
Fäßlein Wein mitzunehmen und zur Kurzweil ein munteres, junges und hübsches
Dirnlein! Was wir weniger raten möchten. Denn der Sturm auf
Malepartus wird oft zu einer harten Männerarbeit und zum harten Kampf der
braven Hunde.
Wenn jemand eine Kontaktaktadresse
mit dem Jagd und Kulturverlag Sulzberg/ Allgäu