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Auszüge aus dem Buch Der Fuchs wie er lebt jagt und gejagt wird Ott Verlag Thun München |
Räuber, Sanitäter
oder Totengräber?
Es ist nicht zu
leugnen, dass der Fuchs alles reißt und frisst, was er erwischen und
überwältigen kann. Jungwild aller Art, auch ältere Hasen, besonders in der
Notzeit, selbst Rehe, frisch gesetzte Kitze, wohl auch Wildkälber und Schaflämmer, krankes Rotwild fallen ihm in unkontrollierbarer
Menge alljährlich zum Opfer. Dass er in erster Linie schwaches,
krankes, angeschweißtes, hilfloses Wild reißt, ist zu selbstverständlich, als
dass darauf noch näher eingegangen werden müsste. Er ist also tatsächlich,
wie manche behaupten, auch eine Art von «Sanitäter». Vielleicht
liegt es im Sinne der Schöpfungsauslese, dass er vom hilflosen Jungwild
das nimmt, was nicht von den Eltern bzw. der Mutter ausreichend versteckt
oder betreut wurde, oder aber schon selbst mit genügender Schlauheit ausgerüstet
ist. Unbestreitbar ist indessen, dass Reineke erheblichen
Schaden am Wilde anrichten kann. Natürlich auch am Kleinvieh, soweit es nicht gegen seine Überfälle gesichert
ist.
Das hat ihm den Ruf
eines Erzschelmes, eines Gaudiebes und Strauchräubers
gebracht. Sehr zu Unrecht; denn er nimmt doch nur, was er kriegen kann, gemäß seinem Instinkt! Die Natur hat ihn
nun einmal nicht zum reinen Pflanzenfresser geschaffen, obwohl er auch ohne Not
pflanzliche Kost nicht verschmäht.
Weil er Nutztiere und
Nutzwild frisst, das wir selbst gerne essen oder verkaufen möchten,
darum verfolgen wir den Fuchs als lästige Konkurrenz!
Das ist ungerecht!
In der unberührten
Natur lebt eine derartige Fülle von allerhand Lebewesen,
dass alle nebeneinander Platz haben. Es macht dort wirklich nichts aus, wenn das Raubwild seinen Zehnten holt aus der Reihe
der übrigen Tiere. So
verschwenderisch arbeitet die Natur. Den Friedtieren, den Pflanzenfressern,
die viele Feinde haben, gab sie als Ausgleich eine ungeheure Fruchtbarkeit. Da fällt für das Raubwild genügend
ab, ohne dass empfindliche Lücken
gerissen werden in den Bestand irgendeiner Tierart,
zumal in erster Linie meist die Tiere dem Raubwild zum Opfer fallen, die einen körperlichen Fehler, eine Schwäche haben
oder geistig nicht ganz auf der Höhe
sind. Man schaue auf die schier unerschöpflichen Wildherden in den
Steppen Afrikas, denen das Großraubwild niemals empfindlichen
Abbruch zu tun in der Lage ist.
Anders natürlich ist
es in den gepflegten Wildbahnen unserer Heimat. Wer
ein hochwertiges Niederwildrevier hat und auf der Höhe halten will,
darf das Raubwild nicht überhand nehmen lassen! Indessen würde ich
es für falsch halten, den letzten Fuchs auszurotten. Denn wir wissen, dass
von Zeit zu Zeit Seuchen namentlich überhegte Wildbestände heimsuchen.
Nun ist es doch so, dass selten sofort alle Hasen oder Hühner einer Gegend
gleichzeitig erkranken. Immer werden zunächst einzelne Tiere von den
Krankheiten befallen werden, ohne dass Jagdberechtigter
oder Jagdaufseher das
sofort erkennen. Die feine Nase des unermüdlich umherstreifenden
Fuchses aber bemerkt es frühzeitig. Es ist also denkbar, dass kleine
Seuchenherde durch eine genügende Anzahl von Füchsen rechtzeitig
beseitigt werden.
Das ist vorläufig nur
eine Annahme, weil wir noch viel zu wenig wissen
vom Tierleben der Heimat. Aber selbst diese Annahme sollte genügen, den denkenden Jäger vor völliger Ausrottung des
Fuchses zu bewahren! Die Frage bleibt offen und ist umstritten, ob die Füchse
eine ausbrechende
Niederwildseuche verhindern können oder gar durch Verschleppen
kranker Beutetiere begünstigen.
Raubritter in Feld und
Wald
Kommt man an einen Bau
mit Jungfüchsen, so sieht es da in der Regel lieblich
aus: Aasgeruch entströmt dem Bau, Schmeißfliegen aller Art surren herum. Knochen, Hautfetzen, Federn, Tierreste liegen
da. Das hat wohl jeder Jäger
schon einmal gesehen! Mein Großonkel Eugen von Homeyer,
der bekannte Naturforscher, berichtet darüber einmal an A. E. Brehm: Mein Jäger
erlegte eine alte Füchsin auf dem Wege zu ihren Jungen, welche ein ganzes Bündel fast flügger Kiebitze
den letzteren zutrug und in ihrem
Magen nichts hatte als eine Maus. Sie lebte, wie ich anderweitig
erfuhr, auch in dieser Zeit fast ausschließlich von Mäusen, während sie ihre Sprösslinge mit größerem Wilde versorgte.
So fand ich in einem Bau zwei Hasen,
ein frisches, aber bereits angeschnittenes Rehkalb, eine
alte Wildente und ein Entenei. Mehr als zwanzig Hasengerippe lagen in
der Nähe.
Wer das liest oder wer
als Revierinhaber solche Schlachtbank findet, den
mag in der Tat ein Grausen ankommen und sich zu einem Wutanfall verdichten. Denn die zwanzig Hasen hätte er doch lieber-
selbst verspeist oder -
verkauft!
Wer aber sagt ihm, ob
es sich bei den zwanzig Hasen wirklich um voll gesunde
Hasen handelte? Die Möglichkeit sei ohne weiteres zugegeben, aber ebenso besteht die Möglichkeit, dass eben diese
zwanzig Hasen irgendwie eingegangen
oder doch verseucht waren, so dass der Fuchs sie leichter greifen konnte!
Vielleicht hat der Fuchs gerade dadurch eine Ausbreitung der
Seuche verhindert.
Es gibt da so viele
Dinge, die wir noch nicht wissen, vielleicht nie wissen
werden. Aber gerade deshalb sollten wir uns vor einem vorschnellen Urteil hüten.
Kein Zweifel besteht,
dass viele Füchse in einem gut besetzten Niederwildreviere zur
Frühjahrszeit einen enormen Schaden anrichten. Josef Graf zu Frankenberg und Ludwigsdorf, als Jagdschriftsteller unter dem Namen
«Lederstrumpf» rühmlichst bekannt, hat einmal eine Rechnung aufgemacht
über die «Schandtaten» eines Fuchses. Er rechnet so: Eine Fuchsfamilie raubt im Laufe eines Jahres
4 schwache Rehe
1oo Hasen
4o Fasanen
8o Rebhühner
Zu den niedrigen
Wildbretpreisen seiner Zeit berechnet, kommt er zu einer Gesamtsumme von 426 Mark.
Wenn man ihm folgen
wollte, müsste man logischerweise alle Füchse ausrotten !
Ich glaube, dass der
Schaden wohl einmal ausnahmsweise so hoch oder noch
höher werden kann, dass aber in der Regel derartige Wildbretmengen von einer Fuchsfamilie nicht im Jahresdurchschnitt
erbeutet werden! Man bedenke, dass der Fuchs außerdem noch, wie jede Losungsuntersuchung erweisen wird, zahllose Mäuse frisst, ferner
allerhand Aas, tote und lebende Fische, Krebse, Käfer
und Gewürm, Wildobst, Hagebutten, Mehlbeeren, Ebereschen, Schlehen, Trauben und
dergleichen, dazu Ratten, belanglose Vögel,
wilde Kaninchen, Igel, Mistbeigaben. In der Regel mordet
er nicht, wenn er keinen Hunger hat oder nicht etwa junge zu versorgen
sind. Er frisst auch Heidelbeeren und Himbeeren.
Annähernd genau
abzuschätzen, was er wirklich raubt, dürfte unmöglich
sein. Denn von den Gelegen und Jungtieren, die er reißt, bleiben kaum verräterische Zeichen zurück. Dass er zu normalen
Zeiten derartige Massen gesunden Altwildes zu reißen
vermag, will mir etwas unwahrscheinlich
vorkommen. Ich habe die Magen einer erheblichen Anzahl von mir erlegter Füchse -
weit über hundert - wissenschaftshalber geöffnet. Meist
war der Inhalt: Reste von Mäusen, Mai- und Mistkäfern, Raupen,Wildkaninchen, Aas,
Gescheide (von jägerischen Aufbrüchen), Mistreste, Kleinvögel,
Luderreste. Nun muss ich allerdings erwähnen, dass ich fast nie Füchse außerhalb der Frist vom November bis 1. März
schoss! Woher die Füchse in dieser
Zeit die Mai- und Mistkäfer nahmen, kann ich nur ahnen:
Ausgegraben oder vom Sturzacker aufgelesen.
In von mir
untersuchter Fuchslosung fand ich im Sommer und Herbst vorwiegend Mäuse-, Käfer-
und Obstreste. Dazu Haare und Federn von Kleinwild.
«Audiatur et altera
pars» oder «Eines Mannes Rede
ist keines Mannes
Rede, man soll sie hören alle beede!»
Zugegeben, dass die Füchse
manches Wild, besonders Jungwild, reißen - das wir selbst lieber verspeisen würden - muss man ihnen doch manches wieder
zugute halten:
1. Bezahlen sie einen
Teil ihrer Schuld mit ihrem Balge,
2. gewähren sie dem
echten Jäger wie Naturfreund durch ihr Verhalten manches Vergnügen,
3. fangen sie einen
nicht unbeträchtlichen Teil Mäuse und Ratten,
4. halten sie die
wilden Kaninchen kurz,
S. beseitigen sie Aas und krankes Wild, auch manche wildernde
Katze.
Es muss noch zu der
Frage Stellung genommen werden, was die Füchse außer Hasen, Kaninchen und
Fasanen an jagdbarem Wilde reißen. Selbstverständlich
nehmen sie an Bodenbruten und hilflosen Jungvögeln aller Art,
was sie an Gelegen von Wildenten, Fasanen, Hühnern, Haselhühnern, Birkwild,
Auerwild, Schnepfen, Singvögeln usw. erwischen können.
Wo ein unbeholfenes
Kitz von der sorglosen Mutter nicht genügend betreut wird, ist es ihnen
verfallen. In der Regel aber entfernt sich die Ricke nicht so weit von ihrem
Kitz, dass sie nicht sofort zu Hilfe eilen könnte. Und
den Kampf mit einer erbosten Ricke wagt ein normaler Fuchs
nur selten aufzunehmen. Es muss zugegeben werden, dass doch hier und da der Kitzraub gelingt. Sei es, dass die Ricke sich so
weit entfernt hatte, dass sie den Hilferuf ihres Kitzes nicht mehr vernahm, sei
es, dass es dem roten
Strauchritter möglich war, das Kitz lautlos zu würgen. Oder eben,
dass der Mut des Angreifers, beziehungsweise seine Geschicklichkeit, größer war als der der unglücklichen Mutter. Beide
Muttertiere kämpfen ja für ihre Kinder. Ein geglückter
Kitzraub bedeutet reichen Fraß für die Fuchswelpen! Indessen bedenke man, dass
auch hier und da Kitze eingehen, dass also
nicht jeder Kitzlauf am Fuchsbau auch einen Kindermord
bedeutet.
Gelegentlich mag dem
Fuchs auch der Raub eines Rot- oder Damwildkalbes
gelingen. Das ist aber dann nur ein Zufall. Denn den Kampf mit den kräftigen Läufen dieses Mutterwildes wagt Reineke
doch nicht.
Findet man aber gar
Reste eines Frischlings am Fuchsbau, so mag man getrost
annehmen, dass Reineke in diesem Fall nur Sanitäter oder Totengräber gespielt hat: Es handelt sich sicher um einen
eingegangenen oder mutterlosen Frischling, dem rohe
Menschen oder unüberlegte, hitzige Schützen
die Mutter weggeschossen. Denn es gibt wohl selten eine mutigere und
aufopferndere Mutter als die Bache. Anders liegt es mit dem Reißen
von Altrehen. Als man noch mit Schrot auf Rehe schoss, gab es ohne
Zweifel sehr viele Verluste, da ein Reh mit wenigen Schrotkörnern waidwund
noch sehr weit gehen kann und selten schweißt. Solche Rehe waren
ausnahmslos dem Fuchs verfallen, der sie vor langem, qualvollem Ludertode
bewahrt. Auch gesunde Rehe werden hier und da von starken Füchsen
gerissen, wenn Schneelage, Glatteis und Hunger auf beiden Seiten die dazugehörenden Vorbedingungen erfüllt haben. In der Regel aber
vertragen sich selbst starke
Fuchsbestände mit starken Rehbeständen. Dass der
Fuchs im Winter krankes, meist zu stark parasitiertes Rehwild reißt, sollten
wir Jäger ihm besser danken!
Jägerlatein
Die schöne
Geschichte Wildungens von dem Fuchs, der am Wechsel einer Bache
solange das Hinaufspringen auf einen hohen Baumstamm mit einem dicken Eichenknüppel im Fange übte, bis er es mit einem der Bache wegstibitzten
Frischling wagen konnte, möchte ich nicht als wahr unterstellen. Soviel ich
auch dem Fuchse an Überlegung zutraue, so weit gehe ich denn doch nicht.
Und mit mir wohl die Mehrzahl erfahrener Jäger.
Auf einen Kampf mit
der Bache wird es kein vernünftiger Fuchs ankommen lassen,
denn die Waffen wären zu ungleich.
Es erhebt sich die
Frage, ob der Fuchs auch imstande ist, gesundes Altwild
zu reißen.
Svend Fleuron erzählt
in seinem Buche «Die rote Koppel» von einem Spezialisten
unter den Füchsen für das Reißen von Altrehen. Das mag im Einzelfalle
vielleicht einmal vorkommen, bildet aber nicht die Regel.
Hermann Löns gar erzählt
in seinem Buche «Widu und andere Tiergeschichten» im
Kapitel «Ein Trauerspiel» von einem gesunden Hirsche, der
von Füchsen zu Tode gehetzt und gerissen wird. Wobei die Frage offen
bleibt, ob es sich hier um ein tatsächliches Erlebnis oder um das Produkt
dichterischer Phantasie handelt.
Auch das mag unter
besonderen Umständen einmal vorkommen, es gehören zu
solchem seltenen Vorkommnis besondere Voraussetzungen.
In der Regel wird ein
Fuchs außerhalb der Notzeit, die auch ihn durch Hunger tollkühn,
sein Jagdwild besonders anfällig macht, sich an stärkerem Wilde nicht vergreifen. Füchse rudeln sich in der Regel nicht. Wenn
einmal mehrere zusammen jagen, ist das
keine «Verabredung», sondern Zufall.
Anders ist es natürlich,
wenn es sich um Krankgeschossenes, krankes oder Not leidendes
Wild handelt.
Wenn im Spätwinter
Eis, Schnee und Glatteis dem Wilde die Nahrungsquellen
verschließen, wird es bei ausbleibender Fütterung leicht anfällig. Beim Wechseln über die glasharte Eisdecke des
Harstschnees schneidet es sich die Läufe wund und hinterlässt eine für jede
Raubwildnase anziehende Rotfährte.
Tief bricht das Wild durch die glasartige Decke in den weichen Schnee
ein. Den Fuchs aber trägt die harte Schicht noch, seine Ballen und scharfen
Krallen gestatten ihm rasche Vorwärtsbewegung. Und rotten sich
gar mehrere Füchse auf der Rotfährte zusammen, so ist es denkbar, dass
sie, hungertoll, auch ein stärkeres Stück Wild mit der Zeit zu Stande hetzen
und reißen.
Als Primaner sah und hörte ich i9o8
in einem schnee- und kältereichen
Winter im Hunsrück auf einer Schneeschuhpirsch, wie drei
Füchse eine alte Ricke hetzten und
rissen. Als ich hinzueilte, war das Reh schon im Verenden.
Zahllose Bisse an allen Körperstellen konnte ich feststellen. Die
Drossel (Kehlkopf) war durchgebissen.
Später, als Forstmann
auf Schneeschuhen die Wälder durcheilend, habe ich
noch gelegentlich hier und da Spuren eines gleichen Dramas gefunden. Und ebenso habe ich erlebt, dass Krankgeschossenes Großwild
besonders im Winter von Füchsen
gehetzt und gerissen worden war. In den Jahren 1942-45
lebte ich als Forstamtsleiter im
südlichen Teile des Riesengebirges. Das 800o Hektar große
Revier, zu dem der Südhang der Schneekoppe gehörte, hatte einst einen sehr großen
Bestand an Rehwild besessen. Später legten die
Waldbesitzer mehr Wert auf das erst nachträglich aus den Beskiden eingewanderte Rotwild. Jeder zweite, dritte
Winter pflegte erhebliche Schneemengen zu bringen. Das war
auch in den Jahren meines Dort seins der
Fall. Monatelang bedeckte Schnee in Höhen von ein bis drei Metern die
Berge und wehte in den Tälern und Schluchten zu sechs bis neun Metern an.
Sonne, leichte Regenfälle und kurzes Tauwetter schufen
darüber Glatteisschichten, durch die das Schalenwild durchbrach und sich nur mühsam
herauswühlte. Hasen gab es nur wenige, Kaninchen gar
nicht, Mäuse nur in der Nähe der Bauden. Da mussten die sonst auffallend
heimlichen und daher alt und sehr stark werdenden Rotfüchse schon gewaltig
hinterher sein, wollten sie nicht verhungern. Selbstverständlich
fielen sie jede durch Harst verursachte Rotfährte an und hetzten nächtlicher
weile das kranke Wild. Geriet dieses in eine Schneewächte, war es meist verloren. Fünfzehn gerissene Rehe zählten wir in einem
Winter allein in der Nähe des Schloßparkes, wohin sich die Rehe
herabgezogen hatten zu den Fütterungen,
weil sie an den Raufen in den hohen Lagen
vom Rotwilde abgeschlagen wurden. Fast ausnahmslos handelte es sich dabei um stark abgekommene, parasitierte Rehe.
Reineke, der
Vielgewandte
Ich habe sehr oft zu
allen Jahreszeiten und Tageszeiten Gelegenheit gehabt,
den Fuchs zwischen anderem Wilde zu beobachten, und manchmal Tränen
dabei gelacht.
Da mümmelte
beispielsweise auf einem Kleeacker eine Anzahl von alten
Hasen. Ein Fuchs kam des Weges. Deutlich sah man ihm an, dass er sich liebend gern einen Hasenbraten gegriffen hätte, wenn
ihm die Aussichtslosigkeit nicht so klar gewesen wäre. So tat er das Klügste,
was er tun konnte: Er
beachtete die Hasen gar nicht, bis auf gelegentliche unauffällige
Seitenblicke. Für ihn gab es nur Mäuse! Die alten Hasen hatten sich bei der Annäherung des Fuchses zunächst genau nach
ihm umgesehen. Einige machten einen
Kegel. Längere Beobachtung ihres Todfeindes aber brachte sie zu
der Überzeugung, dass der Beutezug Reinekes heute nicht ihnen gälte. Sie ästen drum friedlich weiter. Nicht ohne häufige Seitenblicke
nach dem Mausjäger. Denn «trau, schau, wem».
Wenn Reineke mal
soeben ganz unauffällig bei seiner Mausejagd sich den Hasen näherte, so
schufen diese durch ebenso unauffälliges Beiseiterücken ohne
unvornehme Hast einen gewissen Achtungskreis um ihn.
Reineke sah ein, dass
er es mit erfahrenen Hasen zu tun hatte und verkrümelte
sich langsam weiter ins Feld hinaus, aber doch immer so, dass es nicht wie feige Flucht aussah.
Solche Bilder habe ich häufig gesehen.
Auch mit Karnickeln, Fasanen und Hühnern.
Einmal habe ich es erlebt, dass eine Kücken führende Fasanenhenne urplötzlich
mit derartiger Wucht dem Fuchse ins Genick stieß, dass der vor Schreck das Weite suchte.
Im dichten Gestrüpp
einen Hasen zu überraschen, oder in tiefer Schneewehe,
das gelingt ihm öfter. Auch lauert er gern am Hasenpass. Am Karnickelbau oder -pass ist er von der Ausdauer einer Katze,
ebenso am Mauseloch.
Einem Fuchs beim Mausen
oder beim Maikäfer- oder Heuschreckenfangen
zuzusehen, ist für jeden Naturfreund oder Jäger ein wirklicher Genuss. Dabei kommt es gelegentlich vor, dass Reineke so in
seine Sache vertieft ist, dass er darüber
alle Vorsicht vergisst, und der Jäger ihn nahe anpürschen kann.
Da der Fuchs auf der
einen Seite ein Feinschmecker, auf der anderen Seite
kein Kostverächter ist, findet er fast immer so viel, dass er sich leidlich sättigen kann. Er weiß, wo der Kiebitz brütet und
die Ente, die Bekassine. Wo es Fische
und Krebse, Ratten und Wasserhühner gibt, ist ihm bekannt.
Er weiß, wo ein Gesperre Junggeflügel haust, wo die Bauern
oder Försterhühner unbeaufsichtigt sind und kennt jeden Karnickelbau. Beim
Setzen des Reh- und Hochwildes findet er sich ein als Abnehmer für
die Nachgeburt. Er macht die Nachsuche nach der Treibjagd und weiß das
Gescheide vom Aufbruch zu finden. In der Krähenkolonie, der Reiherkolonie
stellt er sich ein, wenn die jungen die ersten Flugversuche machen, wobei manch
eines zu Boden stürzt. Er weiß, dass unter den Horsten der Raubvögel,
Reiher und Kormorane, Fisch- oder Wildreste zu finden sind. Er kennt jeden Düngerhaufen,
in dem Schlachtabfälle oder krepiertes Geflügel häufig vorkommen.
Er kennt aber auch
jeden Weg und Steg in seinem Revier, jede Deckungsmöglichkeit.
Gewissenhaft hält er seinen Pass und hinterlässt an den «Poststellen» seiner Sippe, auffallenden Steinen, Bäumen,
Pfählen ebenso gewissenhaft
seine Visitenkarte in der einen oder anderen Form.
Sobald die Jungfüchse
einigermaßen gewandt sind, lehrt sie die Mutter, zunächst
an von ihr gefangenen Tieren, wie man Beute macht. Schießt das Getreide in den
Halm, dann zieht die Fähe mit ihrer Kinderschar häufig
in das dichte, deckende Halmenmeer ein, wo sie manchmal einen Notbau
ausschachtet. Dies zur Freude des späteren Mähers!
Nun geht die Lehrzeit
erst richtig los. Hatten die Welpen schon als ganz kleine
Kerlchen gelernt, auf Wink und Ruf der Mutter zu gehorchen, so lernen sie nun rasch ihr alle Bewegungen nachzumachen. Eine Fuchsschule
von sicherem Versteck aus zu beobachten, ist wiederum eine Herzensfreude
für den Jäger. Wenn auch keine ganz ungetrübte!
Rasch wachsen die Füchslein heran. Im Mittsommer werden sie schon selbständig. Und wenn der Winter kommt, steht jeder Jungfuchs auf eigenen Branten.
Es geht auch so!
Gegenmittel
Wem so sehr viel an
der vollen Erhaltung seiner Niederwildbestände gelegen
ist, der ist gewohnt, dafür auch Opfer zu bringen. Er hat es also in der Hand, durch Erwerb von abständigem Vieh vom Abdecker
der Fähe in der Nähe ihrer
Welpen die Futtersuche zu erleichtern. Das ist sicher billiger
als der Verlust an Jungwild. Natürlich wird die Fähe nebenher auch noch etwas Wild reißen, aber es ist nicht recht
einzusehen, warum sie von dargebotenem Luder, sofern es nicht allzu verdorben
ist, keinen bequemen Gebrauch machen sollte. Dem Vernehmen nach sollen die Füchse
in Donaueschingen, die fortlaufend mit
Pferdefleisch gefüttert wurden, so gut wie
gar keinen Schaden am Wild gemacht haben. Das wäre also ein Punkt, den
man wohl erwägen sollte! Wo große Viehzucht getrieben wird, gibt es immer Abgänge, und die sind nicht teuer! Auch die Aufbrüche von Bock,
Hirsch und Sau betrachte man als Deputat des Fuchses und rode sie deshalb
nur so tief ein, dass die Krähen sie nicht finden, wohl aber der Fuchs.
Ich kannte Jäger, die jeden Aufbruch für den heimischen Komposthaufen mitnahmen. Jeder Aufbruch, den der Fuchs verzehrt, spart einigem
Kleinwilde ein frühzeitiges Ende in Reinekes Rachen. Alle Schlachtabfälle,
Eingeweide von Geflügel spendiere man seinen Füchsen. Auch
viel Wenig macht ein Viel aus ! Im Frühjahr
beteilige man sich eifrig am Abschuss von Krähen und Elstern und lege sie dem
Fuchs maulgerecht. Die viel zu
zahlreichen Katzen in Stadt und Land, die umherstreunen und vor
denen auch nicht der Vogel auf hohem Baume sicher ist, bringe man den
Füchsen, wenn man sie erbeutet. Hier und da sind auch einige Eichhörnchen
zu gleichem Zwecke überzählig. Diese fügen dem Forstwirte mehr
Schaden zu als er ahnt. Natürlich soll man das niedliche Baumäffchen unseres Waldes nicht völlig ausrotten. Aber seit Hühnerhabicht
und Baummarder, die natürlichen
Feinde des Eichkätzchens, bei uns selten wurden,
hat dieses stellenweise überhand genommen und richtet erheblichen
Schaden an den Forstgewächsen und am Singvogelbestande an. Oft
genug habe ich selbst die Nesträubereien des roten Koboldes gesehen. In
einem einzigen Jahre rief mich mein damals vierjähriger ältester Junge viermal
zu Hilfe, als vor seinen Augen ein Eichhörnchen Staren- und Spechtsbruten
in unserem Garten und Park ausräuberte.
Will man den Stab über
Reineke brechen, so erwäge man auch zuvor, dass
er in einem Revier mit wilden Kaninchen sich vorwiegend an diese hält,
dementsprechend also das andere Wild nicht in Anspruch nimmt. Seitdem
der Schaden von Karnickeln zu
ersetzen ist, wird mancher Jagdherr
über den Karnickelsegen und die Tätigkeit des Fuchses anders denken gelernt
haben.
Bei dieser Gelegenheit
möchte ich auf ein Bedenken hinweisen, dessen Geltendmachen
in den Fachzeitschriften mir seinerzeit verwehrt wurde: Bekanntlich wird ein
sehr erheblicher Teil der Federwildgelege und der Junghasen von den Rabenvögeln (Kolkrabe, Rabenkrähe,
Nebelkrähe, eventuell Dohle,
Eichelhäher und Elster) geraubt. Daher hat man sich in neuester Zeit veranlasst
gesehen, gegen diese Räuber mehr und einheitlicher
als früher mit dem sonst verpönten Gifte vorzugehen. Alle Revierinhaber waren
verpflichtet, in der Zeit zwischen März und Mai zu gleicher Frist
eine der Reviergröße angemessene Anzahl von Gifteiern auszulegen. Dadurch
wurden erhebliche Strecken an diesen Vögeln gemacht.
Wir wissen aber, dass
einerseits das Raubwild gerade in dieser Zeit seine
jungen hat, andererseits von ihm Eier nicht verschmäht werden. Kurze Zeit nach Zurückweisung meiner diesbezüglichen
Warnung durch die Jagdpresse aber erschienen gerade hier mehrere Berichte über
tot auf
gefundene Dachse und
Füchse, die allem Anschein nach einer Vergiftung, sei es durch
direkte Aufnahme der vergifteten Eier, sei es durch Verzehren der vergifteten Rabenvögel, erlegen waren. Ich möchte das als Beweis
ansehen, dass meine beabsichtigte Warnung berechtigt war.
Wer kann mit
Sicherheit sagen, wie viele säugende Fähen von Fuchs, Dachs,
Marder gerade durch diese Vergiftungsaktion, die ihnen nicht gelten sollte,
getroffen wurden und werden, wie viele hilflose Jungtiere daher jämmerlich verhungern müssen? Und das bewegt mich zu dem
Appell an alle Jäger, die
Gifteier auslegen : Verseht
die Eier auf der Unterseite mit einem
scharfen Geruch, der das Raubwild vor der Aufnahme warnt, sammelt
alle vergifteten Vögel immer baldmöglichst auf und vernichtet sie
gründlich! Denn die Gefahr, dass hungrige Raubwildmütter für ihre hungrigen
jungen auch die Gifteier und die vergifteten Vögel nehmen, kann doch wohl kaum abgeleugnet werden! Wollen wir auch dem Niederwild
helfen mit den Massenvergiftungen ihrer gefiederten Feinde, deswegen
wollen und dürfen wir unser Raubwild damit nicht ausrotten oder auch
nur zehnten.
Vielleicht ließe sich auch mit einem
Rohkresol-Dunstkreis um jedes Nest mit
Gifteiern die Gefahr etwas bannen. Zweckmäßig wäre es, dem Gifte
einen Stoff beizumengen, der durch seinen Geruch auch vor Genus der
vergifteten Vögel warnt! Mir persönlich ist bei der Jagdausübung jede Anwendung
von Gift immer etwas unheimlich und zuwider gewesen. Gift ist heimtückisch
und unberechenbar. Seine Benutzung beim Jagdbetriebe
lässt sich mit meinen Begriffen von Waidgerechtigkeit nicht vereinbaren. Man soll auch dem Wilde eine anständige Chance lassen! Undwer je Strychninvergiftete
Füchse oder andere Tiere, gar edle Hunde tot oder
im Todeskampfe sah, der verzichtet gern auf dieses hinterlistige Mittel,
das dazu noch so viel unkontrollierbare Leiden verursacht. Der Jäger ist
ein Schütze, kein Giftmischer ... Es
gibt andere, freilich etwas unbequemere
Mittel, Krähen, Raubzeug und Raubwild kurz zu halten ... !
«..,
waidmännisch
jagt, wie sich's gehört,
den
Schöpfer im Geschöpfe ehrt!»
Fangarten:
Schwanenhals, Berliner Eisen Anlage von Fangplätzen
Die Fangmöglichkeiten
sind auch nach dem Verbot von Tellereisen und Gift noch
reichlicher als man denkt:
Da gibt es zunächst
noch die beiden erlaubten Eisen, das so genannte «Berliner
Eisen» und den «deutschen Schwanenhals». Die Anwendung beider ist schwierig und erfordert einige Kraft und
Geschicklichkeit. Man beginnt damit, dass
man sich Fangplätze herstellt und auf denselben die Füchse
ankirrt. Dabei hat man mit verschiedenen Umständen zu rechnen.
Einmal muss man zu verhindern suchen, dass Krähen, Bussarde, Eichelhäher, Mäuse
und ähnliche Tiere sich die Vorteile der Anlage zunutze machen, zweitens muss man verhindern, dass Menschen, Jagdhunde und
Nutzwild dadurch zu Schaden kommen. Man vergesse nie, dass beide
Schwanenhälse eine stete Bedrohung für die Gesundheit anderer Lebewesen
sind! Die Kraft der Bügel und Federn ist unter Umständen imstande,
schwächere Knochen glatt zu durchschlagen! Rehwild, schwächeres
Rot- und Damwild, das durch Zufall hineingerät, ist unrettbar verloren.
1936 war
ich Zeuge so einer Tragödie. Der Jagdaufseher eines Bekannten
hatte einen Schwanenhals in einem niedrig eingefriedigten Dorfgarten gelegt.
Eines Morgens war das schwere Eisen verschwunden. Schleppspuren auf dem gefrorenen Boden deuteten auf ein Rotwildkalb hin,
das den Zaun trotz der Hausnähe überfallen hatte und durch einen
dummen Zufall an den Abzugbrocken gestoßen haben musste. Tagelanges
Nachsuchen war vergeblich, zumal Schneefall einsetzte. Es wurde den
Nachbarn gemeldet. Das Rotwildkalb blieb verschollen. Wochen später war ich bei
strenger Kälte mit dem Jagdpächter im Revier, um
auf Füchse zujagen. Da kam eines Sonntags morgens ein Bauer zu uns und
meldete, dass er die Knochenreste eines Stückes Rotwild mit einem schweren
Eisen am Laufe im sonst unzugänglichen Bruche und Schilfmeer
eines nahen Sees gefunden habe. Es war das unglückliche Kalb, von Sauen und Füchsen
schon bis auf wenige Knochen vertilgt! Welche Qualen
muss das arme Tier ausgehalten haben, ehe der Tod es erlöste! Hoffentlich
hat ein mutiger Fuchs ihm das Ende beschleunigt!
Man soll seine Fangplätze
also nur so anlegen, dass nach menschlicher Voraussicht
kein Unglück dadurch entstehen kann.
Das Nächstliegende wäre,
solche Orte durch Warnungstafeln zu kennzeichnen.
Aber das geht nicht, denn es gibt überall leider unberechtigte Interessenten und Neugierige, die sich das zunutze machen
würden. Ich habe mit folgender Methode gute Erfolge gehabt :
Nachdem ich in einem ausgehöhlten
Buchenstubben mit einem auf Marder gelegten Schwanenhalse
ein Rehkitz gefangen, kam ich auf den
Gedanken, ähnliche Zufälle nach Möglichkeit
zu verhindern. Der Anblick der zerschmetterten Läufe und die Tötung des armen Tieres verfolgten mich noch lange in meinen
Träumen. Darum legte ich meine Fangplätze in eingezäunte Kulturen,
Baumschulen, Koppeln und umfriedete sie derart mit Dorngestrüpp, dass weder
Mensch noch Nutzwild durch Zufall hineintreten konnte. Ich gab dem ganzen
Dorngestrüpp ein natürliches Aussehen und wölbte
auch über dem Eisen die Zweige. Vorhandene Rot- und Weißdornbüsche,
Schlehen oder Heckenrosen gaben oft den natürlichen Rahmen.
Dadurch verhinderte ich auch den Besuch von Vögeln und das Zuschneien zum Teil.
Hier richtete ich mir bereits im frühen Herbst einen Platz von einigen Quadratmetern Umfang her. Aus gesiebter Ameisenspreu
mit etwas trockenem Pferdedünger machte ich das Lager für die
spätere Einbettung des Eisens zurecht. Um den Fuchs, der über alle Zäune
geht, sicher zu machen, vergrub ich in der Mitte einen alten Fassreifen
aus Eisenblech. Tote Mäuse, Spatzen, Gescheide von Geflügel, einen
Eichkater, eine tote Katze, wie ich es so hatte, brachte ich von August
an auf diese Plätze. Für den Transport von Gescheide und Schweiß hatte
ich eine große Blechbüchse im Rucksack, die gut schloss. Ich kann das
sehr empfehlen, damit der Rucksack nicht so besudelt wird.
Schon nach wenigen
Wochen bewiesen mir die Füchse, dass sie meine anscheinend
gute Absicht wohl verstanden hatten, indem sie meist schon in der nächsten Nacht
den Brocken fortnahmen und mir ihre Visitenkarten
hinterließen. Auch Iltis und Marder gaben gelegentlich Gastrollen.
Zweckmäßig legt man
natürlich solche Fangplätze so, dass man sie auch
mit gefangenem Fuchs nicht von außen einsehen kann.
Um zu verhindern, dass mir die Eisen
einregneten und dann festfroren, habe ich versucht, an geeigneten Stellen meine
Schwanenhälse unter ein regensicheres Dach
zu legen. Ich habe aber die Beobachtung gemacht, dass
die Füchse nur sehr schwer ihren Kopf unter solch ein Dach stecken, wie
es ja auch nur sehr selten gelingt, einen Fuchs in Schlagbaum oder Prügelfalle
zu fangen.
Man könnte ja nun geeignete Feldscheunen,
bei denen man sicher ist, dass sie weder
Mensch noch Hund betritt (wo ist man dessen sicher?), durch Absperren mit durchlässigen Drahtzäunen von geringer Höhe zum Fange
herrichten, da der Fuchs erfahrungsgemäß solche Stätten besucht. Auch
das habe ich versucht, möchte aber davon abraten. Denn die hier immer
vorhandenen Mäuse, die auch den Fuchs anziehen, nagen regelmäßig den Fangbrocken so frühzeitig ab, daß der Fuchs nichts mehr vorfindet.
Wer früher hauptsächlich mit Tellereisen
gearbeitet hat, glaube ja nicht, den
Schwanenhals nun als Ersatz verwenden zu können! Es kann gar nicht genug darauf
hingewiesen werden, dass die Gefährlichkeit des Schwanenhalses
eine vielseitige Verwendung ausschließt im Interesse der öffentlichen
Sicherheit. Gewiss, es sollen an manche Orte keine Menschen hinkommen!
Aber wer kann eine Garantie übernehmen, dass nun auch wirklich
kein Mensch dorthin kommt und durch einen blöden Zufall an den
Abzugbrocken stößt? Das eigene Verschulden des also Verunglückten befreit uns
weder von der Verantwortung, noch von den eigenen Gewissensbissen
!
Aus diesem Grunde erwähne ich auch die
zweite Verwendungsart der Schwanenhälse
nicht ausführlich, bei der an Stelle des Abzugbrockens ein Abzugfaden tritt, der beim Da gegen stoßen den Abzug bewirkt. Wer so
schwere und gefährliche Eisen legt, hat unter allen Umständen dafür zu
sorgen, dass nach menschlicher Voraussicht ein Mensch dadurch nicht verunglücken
kann! Im allgemeinen muss in unseren Jagdgründen von der
Verwendung nur abgeraten werden, zumal auch diese schweren Eisen nicht
immer Todfänge liefern.
Wenngleich der Fang im
Walde oder in Gärten usw. schwerer ist als auf freiem Felde,
wo der Fuchs gewöhnt ist, allerhand menschliche Hinterlassenschaften
zu finden, sollte man doch den Schwanenhals nur dort benutzen, wo keine
Unglücksfälle für Menschen oder Nutzwild entstehen können. Auch größte Wintergetreideschläge auf größten Gütern bieten
keine Gewähr gegen unbeabsichtigten Besuch durch Menschen oder Nutzwild! Darum
gehe ich auf diese Fallenstellerei nicht näher ein. Wer sie benutzen zu dürfen
glaubt, findet alles Wissenswerte darüber in den
bekannten Fangbüchern.
So scheidet auch der
früher beliebte Fang auf kleinen ufernahen Kunstinseln
in Gewässern oder der Unterwasserfang für den Schwanenhalsfang aus.
Wer sich eingehend
mit dem Schwanenhalsfange beschäftigen will, für den genügt es aber nicht,
sich ein Lehrbuch darüber anzuschaffen und sich allenfalls noch mit einigen
aufklärenden Worten seines Fallenhändlers
zufrieden zu geben! Er wird eher sich selbst dreimal als einen Fuchs
fangen! Alles muss gelernt sein, auch das Fallenstellen! Darum gehe man
zu einem Jäger, der es wirklich und nachweisbar versteht, und lasse es
sich von diesem mehrfach zeigen, versäume auch nicht, es unter seiner Anleitung
selbst zu probieren!
Es ist zu verstehen,
wenn aus all diesen Gründen viele Jäger auf den Schwanenhals
verzichten.
Er ist aber auch gar
nicht erforderlich, wie gleich zu beweisen sein wird.
Kastenfallen und
Fanggärten
In den verschiedenen
Modellen der Kastenfallen haben wir ausreichenden und
ungefährlicheren Ersatz. Besonders die Strackeschen Kastenfallen sind hervorragend. In allen Größen sind sie zu haben,
aber wir haben hier ja nur Interesse für den Fuchsfang. Die
Preise sind recht verschieden, im allgemeinen
halten sie sich in der Höhe der Schwanenhalspreise.
Der einzige Nachteil,
den die Kastenfallen bei vernünftigem Gebrauch haben,
ist der, dass sie in Bezug auf ihren Fang, wie auf sich selbst mehr dem Diebstahl ausgesetzt sind.
Man muss sie also an
solchen Orten einbauen, wo sie möglichst unauffällig
stehen.
Am vorteilhaftesten
richtet man sich hierzu wieder besondere Anlagen ein.
Man kann Kastenfallen
auf Pässen und in Engen, Durchlässen, auf schmalen
Stegen über Wasserläufe und dergleichen aufstellen. Alles Raubwild und
Raubzeug benutzt gern Furchen und Gräben. Wo natürliche Gräben als
Verbindung zwischen zwei Deckungen vorhanden sind, kann man diese vorteilhaft
benutzen. Dornbuschüberwachsene Gräben eignen
sich besonders gut hierzu. Einmal bieten sie schon natürliche Deckung
für die Kastenfallen, zum zweiten erleichtern sie die Herstellung von
Zwangspässen. Alles Wild benutzt erfahrungsgemäß gern Fußwege und alte
Wechsel ohne Hindernisse. Wenn wir also am inneren Grabenbord
schmale Steige herstellen und das Gelände daneben mit Dornen unpassierbar
machen, wird das Raubwild (und Raubzeug) diese Pfade bevorzugt
benutzen. Zweckmäßig gewöhnt man das Raubwild beizeiten
an diese Hindernisse und Gelegenheiten, also schon im Sommer. Wer seine
Kastenfallen nicht unnötig dem Wetter und der Diebstahlsgefahr
aussetzen will, der baue sich Kästen, die den Fallen ähnlich sehen und
setze diese als Durchlässe ein. Es ist wichtig, durch Dornbüsche das
Überspringen der Kastenfallen unmöglich zu machen. Wer seine Kastenfallen
beizeiten einsetzen will, muss dafür sorgen, dass sie unmöglich zufallen können.
So gewöhnt sich das Wild an diese Durchgänge.
Ganz besonders, wenn
diese durch ein starkes Eisengitter im oberen Teile nicht
zu dunkel sind. Das hat außerdem noch den Vorteil, dass man in der Fangzeit sofort erkennen kann, was man gefangen hat. Denn häufig
genug wird es vorkommen,
dass man an Stelle von Raubwild einen Hasen, ein Karnickel oder einen Fasan, ein
Huhn fängt.
Man achte bei vom Schreiner oder
Stellmacher gefertigten Kastenfallen darauf, dass sie in den wichtigsten Teilen,
wo das Raubwild die Zähne ansetzen kann, aus
gutem Eichenholz angefertigt werden. Außerdem
müssen alle Kanten und Löcher mit Eisenblech ausgeschlagen werden ; denn
Marder und Iltis vermögen sonst in einer Nacht sich freizumachen.
Alle Teile müssen leicht spielen. Doch vermeide man eine Tellerstellung,
die so leicht steht, dass sie auch von Mäusen abgetreten werden kann.
Sonst hat man viel Ärger und Misserfolg. Dass alle diese Einrichtungen
auch für den Fang von Katzen, Mardern, Iltissen, Hermelinen und
Wieseln benutzt werden können, erwähne ich nur nebenbei.
Zweckmäßig ist es, durch eingesteckte Äste,
Dornen, Weiden, Fichten in Fischreusenform
das Raubwild zwangsmäßig auf die Kastenfallen loszuführen. Man beachte, dass
nach starken Regengüssen, bei Schneefall
und Frost durch Zuquellen oder Versetzen Störungen eintreten können im
glatten Funktionieren der Falltüren wie des Tellers.
Kommt die Fangzeit,
also der November, so macht man die Kastenfallen
zum Fange fertig. Man kann, es ist aber nicht notwendig, vor und hinter die Falleneingänge einen kleinen Lockbrocken
legen. Also etwa ein Stückchen von einem kleinen Vogel oder
Hering oder dergleichen. Ich empfehle aber,
damit nicht erst zur Fangzeit zu beginnen. Das könnte den Fuchs misstrauisch
machen!
Kleine Feldremisen
eignen sich besonders für solche Anlagen. Auch Weidenheger,
Baumschulen, Schilfhorste, Ufergebüsch, alte Kiesgruben, verwachsene
Sandgruben, Torfstiche, Feldscheunen, Hecken, Abzuggräben und dergleichen. Es bleibt dabei zu berücksichtigen,
dass ältere Füchse nur
sehr selten in Kastenfallen gefangen werden.
Von unwiderstehlicher
Anzugskraft auf alles Raubwild sind zwei verschiedenartige
Anlagen, die ich aus eigener Erfahrung sehr empfehlen kann. Allerdings sind
sie nur in ziemlich menschenleeren Gegenden ohne Ärger
verwendbar.
Die erste ist folgende:
Man hebt eine Grube von etwa einem halben Meter
Tiefe auf einer trockenen, etwas erhöhten Stelle aus und wirft in das Loch von einem halben bis einem Meter Durchmesser
unten hinein Reisig. Am besten
Weichholzreisig. Espen, Linden, Apfelbaumverschnitt, aber auch Buchenreisig ist brauchbar. Darauf kommt etwas
Stroh. Es folgt eine Schicht
Getreidespreu, der man einige Hände Hinterkorn, Weizen, Gerste,
Hafer beimischt. Darüber wieder etwas Stroh und oben drauf Reisig. Bald haben die Mäuse der Umgegend heraus, dass es
hier eine sichere Zufluchtsstätte
mit reicher Nahrung gibt, und ziehen hinein. Damit keine Nässe
sie vertreibt, kann man Erdplaggen oder mit Erde bedeckte Dachpappe darüber legen.
Bald hat auch das
gesamte Raubwild der Gegend heraus, dass es dort Mausebraten
zu holen gibt. Umhegt man nun das Ganze mit Dornen oder dichtem Gezweig und lässt von den vier Windrichtungen
kleine Gräben mit flacher Sohle darauf zulaufen, deren Ränder
man auch verhegt, so hat man wiederum die schönsten
Zwangspässe. In diesen stellt man auch beizeiten Unüberspringbahre Kastenfallenattrappen auf, die man zur Fangzeit
mit richtigen vertauscht. Man kann durch Steine, Äste, Schutt die ganze
Anlage so tarnen und unzugänglich machen, dass sie vor unbeabsichtigten Störungen
völlig sicher ist. Von Zeit zu Zeit muss man natürlich
die Mäuse frisch füttern. Je grimmiger nun der Winter wird, desto größer
wird die Anziehungskraft dieser Mäusehecken. Ich empfehle natürlich
nicht, solche Anlagen in der Nähe von hochwertigen Obstbäumen oder
Laubholzanlagen zu machen, da die Mäuse dann hieran erheblichen Schaden
machen würden. Am 1.März stelle man den Fang hier ein.
Hat man im Revier, gut
verteilt, mehrere solche Anlagen, wird man den
Raubwildbestand der ganzen Umgegend ziemlich sicher in Schach halten können.
Selbstverständlich kann man auch mit Vorteil einen nicht knarrenden,
die Hauptwindrichtung berücksichtigenden Hochsitz dazu stellen, wo es passt, und wird dort häufig im Abenddämmern oder kurz nach
Tagesgrauen zu Schuss kommen, da jeder Fuchs der Umgegend die Anlage bald kennen
wird und sich immer wieder hingezogen fühlt, weil nun
einmal Mäuse die Lieblings- und Hauptbeutetiere aller Füchse sind.
Bekannt ist auch die Anziehungskraft von
Fasanenvolieren und Kaninchengehecken. Wer
also im Park oder Garten in Waldnähe eine Fasanenvoliere
hat, versäume nicht, an ihr geeignete Fangvorrichtungen mit Kastenfallen
anzubringen. Er wird staunen, was alles an seinen Fasanen interessiert
ist! Man kann solche Anlagen mit Kastenfallen außerhalb des Fasanengeheges
anbringen und mit Reusen versehen. Ich habe es aber für vorteilhafter gehalten,
sie nach innerhalb zu verlegen. An zwei Ecken der Voliere
ließ ich unten ein viereckiges Loch, in das gerade eine Kastenfalle hineinpasst.
Hier stellt man die Kastenfalle so auf, dass sie einen freien Eingang zu
den Fasanen vortäuscht. Zu dem Zwecke muss sie so befestigt werden, dass keine
Kraft sie zur Seite schieben kann. Ferner umgibt man sie
nach innen mit einem kräftigen Gitter, das man mit Gras oder Zweigen etwas
verblendet. Also, selbst für den Fall, dass die Falle sich nicht schließt, oder
dass dem Fuchs das Öffnen der inneren Tür durch einen Zufall gelingen
sollte, darf er nicht zu den Fasanen gelangen können! Das Raubwild,
auch der misstrauische Fuchs und der Steinmarder, die sonst um jede ungewöhnliche
Einrichtung von Menschenhand lange einen Bogen machen,
finden hierbei nichts Besonderes. Wenn sie in einen Stall eindringen, ist
es ja nicht anders! Wenn also die «dummen» Menschen hier im Fasanengehege ein Loch gelassen haben, warum sollte man es nicht benutzen?
Wo Störung oder Diebstahl durch Menschen
nicht zu befürchten sind, kann man sich das billiger zunutze machen: In
einem Forstgarten, einer Baumschule,
einem Pflanzkamp oder einer Dickung usw. errichtet man ein
Drahtgehege aus starkem Drahtgeflecht für eine Karnickelhecke. Einen Raum
von mehreren Quadratmetern Größe umhegt man mit engem Maschendraht
so eng, dass auch keine Wiesel oder Ratten hin durch können. Der Greifvögel wegen ist es besser, oben nicht offen zu lassen.
Doch kann man da weiteres und damit
leichteres Geflecht nehmen, wenn man gegen
Marder und Wiesel an der äußeren, oberen Kante den engen Draht nach außen
einige Hände breit überstehen lässt. Da die Kaninchen von innen,
das Raubwild von außen wühlen können, muss man den Draht innen und außen
umbiegen und etwa einen halben Meter tief in die Erde legen, oder besser, man
baut eine schwache Mauer in umgekehrter TForm
aus Feld- oder Backsteinen. Will man die Anlage für längere Zeit benutzen,
ist es am besten, man mauert das ganze Gehege einen halben Meter
unter der Erdoberfläche aus, wobei man kleine Sickerlöcher für die
Feuchtigkeit nicht vergessen darf. In der Mitte der Anlage legt man einen
Kunstbau aus Steinen und Lehm an, der regensicher sein muss. In diese
Anlage setzt man einige Wildkaninchen oder ein bis zwei zahme und
beschickt den Käfig täglich mit frischem Futter. Da Kaninchen wenig wählerisch
sind, ist das nicht schwer. Entweder baut man nun gleich bei der
Anlage an zwei oder vier Ecken des Zwingers die Stellen für die Kastenfallen
ein oder man stellt diese außen auf. Das kann entweder so geschehen,
dass man sie längs der Drahtwände, dicht an diesen aufstellt, wobei man ein
seitliches Ausweichen des Raubwildes oder ein Überspringen mittels Dorngebüsches
unmöglich macht, auch wohl Reusenanlagen baut, oder
man verbaut die ganze Anlage mit Dornen, Fichten usw. und führt flache
Gräben in den Hauptwindrichtungen heran als einzige Zugänge, deren
Seiten auch verwehrt werden.
Zweckmäßig wird man schon vor der
Fangzeit gelegentlich Gescheide oder kleine Teile von Kaninchen rund um das
Gehege als Kirrbrocken verstreuen.
Auch diese Anlage ist
unbedingt zu empfehlen. Sie ist gesichert gegen wildernde
Hunde und Katzen. Lediglich gewaltsame Einbrüche durch Menschen
sind natürlich nur durch sehr sorgfältige Aufsicht zu verhindern.
Schlimmstenfalls ersetzt man die gestohlenen Kaninchen durch frisch
frettierte. Der Schaden kann also nicht groß werden. Gegen böse Menschen ist natürlich die ganze Fallenstellerei nur wenig zu schützen.
Hat man solche
Anlagen in Forstgärten, Pflanzkämpen mit hohen Zäunen errichtet, so genügt
es, wenn man an den Außenzäunen «Kattlöcher» als
Durchschlupfe schafft und diese zur geeigneten Zeit mit Kastenfallen besetzt. Hier kann man auch die Fallen gegen Regen und
Schnee durch ein darüber
befestigtes Brett sichern.
Für Pächter reiner
Feldreviere werden sich solche Anlagen im allgemeinen wenig empfehlen, wenn
nicht gerade besonders günstige Verhältnisse
vorliegen. In frei stehenden Kastenfallen fängt sich nur sehr selten ein Fuchs. Doch hat man andere Möglichkeiten, wie zum
Beispiel die Reuseneinrichtung oder
den Fanggarten.
Drahtzäune sind,
wenn sie erst nicht mehr ganz neu erscheinen, weder furcht erregend
noch ein Hindernis für den Fuchs. Wo sich also in abseitiger Lage eine Möglichkeit zur Anlage eines Fanggartens bietet, wird man
sich mit Erfolg seiner bedienen können. Je nach Geschmack kann man einen
Fanggarten in runder oder in viereckiger Form anlegen. Unter acht bis zwölf
Quadratmeter sollte man hierbei nicht gehen, da Füchse sehr
enge Gehege scheuen. Mannshoch, oben und unten geschlossen, aus nicht durch beiß barem Drahtgeflecht hergestellt, mit einer fest schließbaren
Tür versehen und mit eingebauten Falltüren oder Reusen wird dieser
Fanggarten auch seine Beute liefern. Man kann ihn entweder ab Sommer
mit Aas und Gescheide regelmäßig beködern oder mittels eines Käfigs
aus starkem Draht in der Mitte, der Mäuse, Karnickel oder Geflügel
enthält, anziehend gestalten. Bei der Falltürenanlage, diese
muss Widerlager haben, damit der Fuchs sie nicht öffnen kann, stellt
man die Wippbretter für den Abzug der
Falltore dicht an den inneren Käfig.
Die Reusenvorrichtung
besteht aus einem Bündel starker, federnder Stangen aus Hartmetall, die zu
einer Reuse vereinigt werden. An der einen Seite ist
die Reuse so weit, dass ein Fuchs ungehindert hineinschlüpfen
kann. Auf der anderen Seite sperren die Stäbe nur so weit, dass selbst ein
starker Fuchskopf mühelos hindurch kann. Die Enden der Stäbe sind aufwärts
gebogen und dann wieder vorwärts und abwärts und enden in einer
Nadelspitze. Kriecht ein Fuchs hinein und hindurch, kann er zwar den
Kopf herausstrecken, aber nicht wieder zurückziehen. Er kann also wohl ins
Innere des Fanggartens gelangen, aber nicht wieder von innen nach
außen. Hat man in der Ranzzeit eine zahme oder gefangene Fuchsfähe zur Verfügung,
die man in den mittleren Käfig setzen kann, wird man sogar gute
Erfolge erzielen. Im Notfall tut es auch sorgfältig behandelter Urin aus der Blase einer frisch geschossenen, hitzigen Fähe.
Sonst hängt der Fangerfolg davon ab, wie
sich im Sommer und Herbst die Füchse an den dann offen stehenden Fanggarten gewöhnt
haben. Die Falltüren werden über Sommer
festgestellt, die Reusen durch harmloseres Drahtgeflecht ersetzt. Immer aber müssen
die besuchenden Füchse im Fanggarten etwas Fressbares vorfinden, schon
von August ab.
Fanggruben für
Jungfüchse
Wer glaubt, ein in
seinem Revier ausgekommenes Geheck Jungfüchse nicht
dulden zu können und sich mit dem Vergrämen nicht begnügt, kann auf recht einfache Weise sich der meisten oder aller
Welpen bemächtigen, ohne mit rauem Schuss
dazwischenzufahren.
Ein hoher Blechkasten,
besser noch eine geruchlose Tonne, im Notfalle eine
einfache Erdgrube mit Steilwänden, vor der Hauptröhre angelegt, an den Rändern ein wenig mit Reisig verblendet und in der
Mitte mit einem Karnickelkopfe, einem Gescheide oder Stück rohen Fleisches
beködert, lockt, solange die Fähe
nicht hinzukommen kann, die ganze kleine Gesellschaft
früher oder später aus dem Bau und in die Tiefe, aus der es bei richtiger Anlage kein Entrinnen gibt.
Ein Wort sei mir
hierzu gestattet: Wer Jungfüchse auf diese oder andere Art
erbeutet, sei barmherzig! Kann er sie nicht selber großziehen (wozu auch, wenn er nicht Pelztierzüchter ist?) in ausreichend
großem Zwinger, so verschenke oder
verkaufe er sie nur in die Hände solcher Menschen, von
denen er bestimmt weiß, dass sie in den Tieren freie Gottesgeschöpfe würdigen ! Wer
einen Fuchs in einen engen Kasten oder Zwinger steckt, oder
gar ihn an die Kette legt, versündigt sich an einem Mitgeschöpfe! Auch
wer die Tierchen, die wehrlosen, dazu benutzt, einen feigen Hund scharf
machen zu wollen (Achtung, Tierschutzgesetz!), ist gefühllos und verdient nicht
den Ehrentitel Jäger.
Wer
gefühlsroh ist, hat in der Jägerei nichts zu suchen.
Denn heute kann niemand
mehr sagen, dass er nicht genügend darüber aufgeklärt
sei, wo das Waldwerk aufhört und die Rohheit anfängt. Das Dasein, das ein noch so «zahmer» Jungfuchs in der Regel
bei Gefangenschaft führt, ist
weder tier- noch menschenwürdig! Wo Tiergärten zu Anschauungs- und
Studienzwecken es erfordern, ist die Haltung solcher Tiere gerechtfertigt, Liebhaberei allein ist keine Entschuldigung für
noch so gut gemeinte enge
Gefangenhaltung.
Es gibt noch andere
Möglichkeiten zum Fuchsfang.
Gelegentlich, aber
sehr selten, fängt man auch einen Fuchs im Schlagbaum oder in der Prügelfalle.
Im allgemeinen ist der Fuchs zu vorsichtig, um seinen Kopf unter derartige
Vorrichtungen zu stecken. Wie ich in einer im
Walde völlig freistehenden, für Iltis gestellten Kastenfalle nur ein einziges mal in einem strengen Winter einen Fuchs fing, so
habe ich in für Marder gestellten Prügelfallen
und Schlagbäumen auch nur drei oder vier Füchse gefangen.
Über die neuartigen Stellschloss
- Prügelfallen, wie über die neuesten Schlagfallen fehlt mir jegliche
Erfahrung, weshalb ich mich darüber auch nicht
äußern kann. Auf Grund meiner langjährigen Fuchsstudien glaube ich aber nicht, dass man damit auf Füchse viele Erfolge
erzielen wird. Anders ist es mit Mardern und Iltissen.
In Gegenden, in denen
die üble Schlingenstellerei blühte, habe ich mehrfach
Füchse mit abgedrehten und teilweise eingewachsenen Drahtschlingen geschossen.
Ein Beweis für die Gefährlichkeit der gesetzlich mit hohen
Strafen bedrohten Schlingenstellerei; denn welche Qualen ein in Schlingen
gefangenes Wild auszustehen hat, selbst wenn es mit abgedrehter
Schlinge sich zu retten in der Lage ist, kann nur der beurteilen, der solches
Wild erlöste. Ich erspare dem Leser die Schilderung des Anblicks derartig
gequälter Wesen.
Baujagd
Sprengen
Wem gewaltsamere Mittel lieber sind, der
verschaffe sich einen guten Schliefer, sei es
nun ein Teckel der verschiedenen Arten oder ein Terrier. Da letzterer im
allgemeinen mehr Spezialist und Sporthund ist, auch nur verhältnismäßig wenige Foxe allen bei der Jagd an sie zu stellenden
Forderungen gewachsen sind, erwähne ich sie nur kurz. Keinen Zweifel gibt
es darüber, dass unter den Foxterriern sich eine ganze Anzahl von unbedingt
scharfen und brauchbaren Schliefern befindet. In seinen Bewegungen
ist der Fox meist rascher als der Teckel, seine Läufe sind höher
und befähigen ihn dadurch zu höheren Sprüngen. Das kann ihm in gewissen
Fuchsbauen ein Übergewicht gegenüber dem Teckel geben.
Mir sind die Foxterrier
für den Wald zu lebhaft, zu hell gefärbt, ausgenommen
die Jagdterrier, und außerdem für die Fuchsjagd zu
scharf! Ich erlebte es oft, dass im Fuchsbau
die vorliegenden Foxe den Füchsen die Ruten und Keulen zerfetzten. Und dazu ist
mir, abgesehen von den Qualen des
Wildes, schließlich jeder Fuchsbalg zu schade! Drum habe ich selbst nur selten
mit Foxterriern gearbeitet. Gleichwohl seien ihre Leistungen anerkannt.
Der Hund des bekannten Foxterrierzüchters F. Engels
hat in meinem Revier einmal einen sehr starken Fuchs nach stundenlanger Arbeit
rückwärts an einer Keule ans Licht gezogen. Als sein Herr und ich ihm dabei zu
Hilfe kommen wollten, entwischte der Fuchs wieder in den Bau, die Arbeit ging weiter. Nach mehrstündiger Arbeit packten
Fuchs und Hund sich im Fanggriff, und zwar so, dass der Fuchs Obergriff
hatte. Gleichwohl zog ihn der tapfere Fox heraus.
Es gibt nicht allzu viele
Teckel, die gleich hart sind !
Meist führen die Jäger
für solche Zwecke Teckel, da diese ihnen zugleich noch
andere jagdliche Arbeiten leisten können.
Wir haben da in allen
Farben Kurzhaar, Rauhhaar, Stichelhaar und Langhaar.
Ich habe selbst alle
Varietäten besessen und arbeiten gesehen. Nach meiner
Erfahrung muss ich sagen, dass ich die brauchbarsten Erdhunde unter den Rauh- und Stichelhaar wie Langhaar fand. Wohl aber ist
mir bekannt, dass auch
Kurzhaardackel aus verschiedenen, bekannten Zuchten Hervorragendes
unter der Erde an Fuchs und Dachs leisteten.
An sich sind alle Teckel wohl geeignet für
die Erdarbeit. Aber einmal gibt es da rein
nach Gebäude und Gewicht unzählige Möglichkeiten, zweitens sind die einzelnen Hunde charakterlich unendlich verschieden.
Was läuft nicht alles
unter der Firma «Teckel» herum! Leider ist es das Los
vieler Teckel, ihr Leben in Stadtmauern vertrauern zu müssen. Aus dem guten Gebrauchshunde haben wir, zum Teil durch unvernünftige
Zucht und Haltung,
Salon- und Schoßhündchen gemacht, die vor jedem Miezekätzchen,
vor jedem Jungfuchs und jedem finsteren Loch Angst haben!
Ein
Hauptcharakteristikum des Teckels, sofern er nicht verzüchtet oder
verzogen ist, dürfte sein Löwenmut sein. Diese Eigenschaft besonders hat ihn
den Jägern so lieb gemacht. Hand in Hand damit geht seine Jagdpassion.
Aber wie selten sind
heute solche Hunde geworden! Es steht zu hoffen, dass
ein neues Jagdgesetz, das für alle größeren Jagdreviere brauchbare Hunde
verlangt und unter gewissen Umständen an Stelle eines Schweißhundes einen
Teckel zulässt, auch hier bald Wandel schaffen wird!
Der Erwerb eines
brauchbaren Jagdteckels ist, wie bei allen Jagdhundkäufen,
teilweise ein Glücksspiel. Auch wenn man die beiderseitigen Stammbäume weit genug hinauf kennt, ist man nicht vor
Pech geschützt. Denn selbst unter den Kindern scharfer
Eltern fand ich hier und da Feiglinge. Am
besten ist daran, wer selbst über scharfe Hündinnen verfügt, sie von
einem scharfen Rüden decken lässt und die Welpen von der Mutter anleiten
lassen kann.
Man unterscheidet vier
Arten von Teckeln in charakterlicher Hinsicht:
den rücksichtslos scharfen Würger, den Durchschnittshund, den feigen Blender und den völlig unbrauchbaren Hund.
Letzterer scheidet für
jagdliche Zwecke gänzlich aus. Feige Blender kann
man kaum, Durchschnittshunde gelegentlich zu brauchbaren erziehen. Bei diesen
liegt es meist an falscher Jugenderziehung. Der schlappe Blender führt den unerfahrenen Jäger oft lange an der
Nase herum. Er markiert den
Biereifrigen, hat aber in Wirklichkeit große Angst vor der Tiefe und jedem
wehrhaften Raubwilde. So gibt er oft aus reiner Angst im unbefahrenen Bau Laut
und veranlasst seinen Herrn zu unnützen Arbeiten, zum
mindesten zu unnötigen Zeitversäumnissen. Und hat er wirklich
einmal einen Fuchs vor, bleibt er von diesem gefährlichen Tier so weit ab, dass Reineke bald merkt, wes Geistes Kind das ist,
und sich wenig um den Kläffer kümmert.
Die Entlarvung solchen Feiglings ist häufig nicht
leicht, zumal manche beim Aufdecken der Röhren ein wenig Mut
fassen und zupacken. Aus dem Verhalten an Raubwild über der Erde kann man aber
in der Regel bald seine Schlüsse ziehen. Der Hund, der auch schwaches, angeschossenes Raubwild nur in einiger Entfernung kläffend
umkreist, wird unter der Erde, wenn er allein kämpfen soll, ohne
Aussicht auf baldige Hilfe von Seiten seines Herrn, kläglich versagen.
Wühlt ein Hund am Röhreneingang, obwohl dieser weit genug ist, winselnd
herum, statt sich mutig in die Tiefe zu stürzen, taugt er auch nicht
viel!
Die besten Hunde werden
bekanntlich nur ungern verkauft. Daher kommen wirklich
brauchbare Althunde selten in den Handel. Was man unter hochtönendsten Namen und Anpreisungen meist zu
kaufen bekommt, ist bestenfalls
Durchschnitt. Und das ist wohl ein Hauptgrund, warum
das Fuchssprengen verhältnismäßig wenig beliebt und bekannt
Ganz rabiate Würger
sind auch nicht immer eine ungetrübte Freude! Ich hatte einst
einen Langhaarteckel, der stumm im Bau verschwand, dort
einige Male anschlug und dann dem nächsten Roten ohne weitere Vorrede
an die Drossel fuhr. Da würgte er dann so lange herum, bis nach
seiner Meinung Reineke wirklich tot war. Und das dauerte unter Umständen
sehr lange. Derweilen stand ich allein oder mit Freunden draußen
ohne jede Ahnung von den unterirdischen Vorgängen so lange, wie
es meinem Teckel beliebte. Denn wenn er einen Fuchs erledigt hatte, und
es waren noch mehr da, kamen diese an die Reihe. Ganz zum Schluss fiel
es ihm dann bisweilen ein, einen Fuchs nach draußen zu schleppen. Und
wenn ich ihm sehr gut zuredete, er aber nicht zu ermüdet und gut
gelaunt war, brachte er auch noch einen zweiten an. Wie viele Füchse er nun
wirklich gewürgt hatte, blieb mir verborgen. Denn auf gut Glück zu
graben, ist sinnlos.
Solche rabiate Würger
sind zum Glück, kann man sagen selten.
Unter den Durchschnittshunden gibt es
nun auch wieder sehr verschiedene Burschen. Der eine geht bis dicht an den
Fuchs und begnügt sich damit, ihn so
lange anzukläffen, bis man einen Durchschlag machen kann. Der
zweite geht ran und rauft mit dem Fuchs eine Zeitlang. Dann kehrt er
zur Erdoberfläche zurück und erkundigt sich, ob sein Herr noch da ist. Diese
Sorte schätze ich am meisten. Der dritte poltert unter Getöse im Bau
herum, fährt aus und in eine andere Röhre wieder ein. Dadurch gibt er dem
Fuchse Gelegenheit zum Stellungswechsel. Das ist zum Graben schlecht, zum
Sprengen gut.
Der Hauptwitz beim
Sprengen ist der: der Fuchs darf nicht wissen, was
eigentlich draußen los ist ! Hin
und wieder ein scharfer Angriff des Hundes
macht ihm den Aufenthalt im Malepartus unangenehm. So entschließt
er sich leichter zum Springen.
Liegt ein Hund dicht am
Fuchse, so verhindert er diesen am Verklüften.
Bleibt er weit ab, dann kann der Fuchs einen Sandwall zwischen sich und den Angreifer bringen. Gräbt nun der Hund unermüdlich
hinter dem Fuchse her, besteht
die Gefahr, dass der Hund sich selbst so verklüftet, dass
er nicht umkehren kann, wohl gar erstickt.
Besser ist also der
Hund, der zuweilen wieder an die Erdoberfläche zurückkehrt:
er wird sich immer den Rückweg offen halten. Auch gibt er seinem
Herrn immer wieder ein Lebenszeichen und die Möglichkeit, ihn abzunehmen.
Das hat einen Vorteil, den auch nur verhältnismäßigwenige Jäger
kennen: Nimmt man den vom Fuchs zurückkehrenden Hund still ab
und zieht sich ein wenig zurück, wobei man sich ganz ruhig verhält, springt
oft der Fuchs nun noch nach spätestens einer halben Stunde! Sofern
das Licht reicht, sollte man keinen Spreng- oder Grabversuch, der erfolglos
blieb, ohne die Ausnützung dieser Möglichkeit aufgeben.
Wenn man Füchse
sprengen will, kann man das auch außerhalb der Ranzzeit
machen, an Tagen, an denen der Fuchs aus irgendwelchen Gründen zu Hause zu sein pflegt. In Revieren, die ich täglich
beging, hatte ich gute
Erfolge mit einer kleinen Mühe: An allen Bauen, die in der Nähe
meines täglichen Weges lagen, hatte ich mir Zeichen angebracht, die mir mit einiger Sicherheit angaben, ob Reineke zu
Hause war: jede Röhre pflegt weichen
Untergrund zu haben durch das Geschleif beim Ausschachten
des Baues. Ist es nicht weich, lockert man es mit dem Messer auf. Dann fegt man mit einem Aste den Boden glatt und
steckt drei dürre Grashalme
nebeneinander so in die Einfahrt, dass kein größeres Tier sie passieren kann,
ohne sie zu berühren. Fährt nun ein Fuchs ein und
bleibt drin, werden die Halme nach innen umgeknickt oder hineingerissen. Fährt der Fuchs erstmalig oder erneut wieder
aus, nimmt er die Halme mit nach außen.
Das ist nicht unbedingt, aber einigermaßen sicher. Man
kann statt der Halme auch einen geraden Kiefernzweig mit einem rechtwinklig
abstehenden Seitenzweig nehmen. Oder besser zwei. Die Äste müssen zu beiden Seiten leicht beweglich so stehen, dass die
Seitenäste sich in der Mitte der Röhre
treffen. Das erstere Verfahren ist aber besser.
Hat man Neuschnee, so
ist das Einspüren erleichtert. Kann man nicht sofort
sprengen, legt man Taschentücher, Handschuhe, Patronenhülsen vor die Röhren.
Aber keine dabei übersehen!
Mit dem Hunde nähert
man sich recht leise dem Bau, damit Reineke nach
Möglichkeit nichts von dem Unternehmen merkt. Man bedenke, dass bei festen Schritten des Menschen der Boden dröhnt
und den Schall weiterleitet !
Zweckmäßiger ist es
immer, einen Gehilfen bei sich zu haben, der den Mund halten
kann. Dauert nämlich die Geschichte etwas länger, kommt
man leicht in die Versuchung, sich auf dem Bau lang zu legen, um
nach seinem treuen Hundchen zu horchen. Und dabei ist schon mancher
Fuchs ungefährdet entkommen!
Man verstopft alle die
Röhren -
auch die verfallenen, unscheinbaren! -
die man nicht gut beschießen kann, oder deren
Hintergelände zu deckungsreich ist,
oder belegt sie mit Netzen. Dann nimmt man unter allen Umständen seinem Hunde
die Halsung ab und lässt ihn schliefen. Wichtig ist, dass man nun sofort seinen Posten einnimmt und hier ohne Bewegung
stehen bleibt. Der Gehilfe muss gut gedeckt so stehen, dass er das Schussfeld
nicht beeinträchtigt.
Was nun folgt, ist verschieden. Der eine Hund windet sorgfältig an allen Röhren, ehe er sich für eine entschließt, und schlieft bedächtig ein. Das ist der beste Hund !
Man
soll ihm auch immer seinen freien Willen lassen !
Der zweite winselt
schon vor Ungeduld, wenn man ihm die Halsung abstreift
und schießt wie ein Pfeil in die erste Röhre. Auf jeden Fall kann schon im nächsten Augenblick ein Fuchs springen.
Also muss man unablässig auf der
Hut sein. Gewöhnlich aber hört man zunächst nichts, dann aus der Tiefe ein
dumpfes «Wuff» «Cave, adsum!» (Hüte dich, ich bin da!»).
Manchmal geht das bald in ein Aufjaulen und Getümmel über.
Dem folgt oft ein rasches Springen des Fuchses. Zuweilen aber kommt es auch anders. Jungfüchse springen leichter als
alte. Auch Fähen, die keine Welpen haben, springen leichter
als alte Rüden. Aber das ist keine
Grundregel. Gerade der gerissene Altfuchs springt häufig als erster. Besonders,
wenn der Hund sich eben mit der Fähe oder einem anderen Rüden
balgt.
Dauert die Sache sehr
lange, so hat entweder der Hund gepackt oder der
Fuchs sich verklüftet. In alten Mutterbauen kommt es auch vor, dass der Fuchs, ortskundiger als der Hund, sich in eine der
verschlungenen Röhren geflüchtet hat, was der Hund erst
mühsam ausfindig machen muss. Auf jeden Fall sei man besonders auf der Hut,
wenn es nach anfänglichem Getümmel plötzlich
still wird! Dann lugt der Fuchs vielleicht
schon aus einer Röhre, ehe er springt.
Unbedingt lasse man
den Fuchs erst ganz heraus und ein Stück vom Bau
weg, ehe man schießt. Sonst macht er leicht kehrt und ist dann häufig nur durch Graben zu bekommen.
Auch die Tatsache, dass
man einen Fuchs gestreckt hat, berechtigt noch nicht zum
Aufgeben des Lauerpostens und Anstimmen eines Indianergeheuls.
Es können noch mehr Füchse zu Hause sein! Drei, auch vier traf
ich in der Ranzzeit mehrmals in einem Bau an. Auch außerhalb der Ranzzeit
kommt es vor.
Kehrt der Hund zurück,
ohne unten Laut gegeben zu haben, und zeigt er
auch kein weiteres Interesse am Bau, lässt man ihn noch die übrigen Röhren,
auch die verstopften, untersuchen. Will er nicht wieder hinab, darf man annehmen, dass der Bau leer ist. Jeder brauchbare
Hund wird, auch wenn er geschlagen
wurde vom Fuchs, immer wieder hinabdrängen,
sofern noch ein Fuchs drin steckt.
Und beim unbrauchbaren
Gewalt anwenden zu wollen, ist vergebene Liebesmühe!
Graben/ Neue Hilfsgerätschaften
Spaß muss
sein! («Der
Fuchsgreifer»)
Hat man am Getümmel
dort unten gemerkt, dass die Sache ernst wurde, kommt
aber nach etwa einer halben Stunde der Hund nicht zum Vorschein, ist es an der Zeit, dass der Gehilfe in Tätigkeit
tritt. Er muss zunächst die Röhre
abhorchen, in der der Hund verschwand. Dann kriecht er
weiter auf der Erde und legt überall das Ohr auf diese. Ist der Boden nicht zu steinig oder fest, hört man bei allen flacheren
Bauen stets irgendwelche Geräusche. Bei großen
Etagenbauen freilich versagt das oft. Aus
der Art der Geräusche
entnimmt der Kundige bald, was los ist. Hat der Hund
den Fuchs oder dieser den Hund gepackt, so hört man Würgegeräusche und das Anschlagen der Köpfe an die Röhrendecke.
Bleibt das Geräusch
an einer Stelle, ist es wohl angebracht, helfend einzugreifen.
Ich habe zu diesem
Zwecke beim Fuchssprengen immer einige Hilfsgeräte
bei mir. Spaten, Hacke und Beil sind ja die bekannten Handwerkszeuge für den Fuchsgräber. Zuweilen auch der lange,
starke Draht, der an einem Ende einen Handgriff hat, am
anderen aufgeraut ist. Ich habe aus
jahrelanger Erfahrung noch einige weitere als zweckmäßig herausgeknobelt
: Zwei Gasröhren von einem und drei Meter Länge und einem schweren
Holzschlägel. Für die spazierstockstarken Gasröhren habe ich eine
Einschraubbahre Zwinge von konischer Form.
Liegt nun der Hund
fest vor, treibe ich die kürzere Gasröhre, auf die ich
oben ein Stück Buchen- oder Eichenbrett lege, dort mit dem schweren
Holzschlägel oder Beilhieben in die Erde. Von Zeit zu Zeit ziehe ich die
Röhre wieder heraus und horche. Merke ich dann, dass ich nicht genau über
dem Hunde bin, setze ich die Röhre zehn Zentimeter rechts oder links
von dem ersten Bohrloch wieder an. Bekomme ich auch mit sechs bis
acht Bohrungen die Röhre nicht, fühle ich vom Eingange her mit dem langen Drahte den Verlauf des Einfahrtrohres des Fuchsbaues ab und treibe
in der ermittelten Richtung mein Gasrohr von oben hinab. Am Durchsacken
spürt man, ob man die Fuchsröhre getroffen hat. Dann gehe ich mit einer neuen Bohrung in etwa zwanzig Zentimeter Entfernung
weiter vor. Geht die Bohrung daneben, hat der Fuchsbau einen Knick
gemacht. Dann setze ich das Gasrohr rechts oder links von der letzten
Bohrung wieder an.
Dieses Hineintreiben
der Gasröhre in die Erde geht viel rascher als jeder
Grabeinschlag.
So komme ich schließlich
bis an den Hund. Man muss, wenn man glaubt, die
richtige Tiefe erreicht zu haben, vorsichtig die Gasröhre eintreiben, um den Hund nicht zu verletzen. Ist man dicht über
dem Hunde, hört man das schon am
stärkeren Lautgeben. Dann dreht man die Gasröhre
mit den Händen tiefer. Stößt man durch, so zieht man die Gasröhre heraus und schraubt die Zwinge ab. Nun kann man in
mündliche Verbindung und Hörverbindung mit seinem
Hunde treten. Das ermutigt schon ermattete
Hunde sehr. Außerdem ist durch das Bohrloch etwas für frische Luftzufuhr gesorgt, auf jeden Fall die Gefahr des Erstickens beseitigt, sofern der Hund etwa verklüftet sein sollte.
Es kommt vor, dass der
Fuchs bei dem Klopfen oder Durchstoßen einen Vorstoß oder Rückzug macht. Das
tut er zuweilen auch beim Grabeinschlag.
In diesem Falle ist die ganze Grabearbeit häufig umsonst
gewesen, man muss einen neuen Kasten machen. Solche zeitraubende Mühe erspart
das Gasrohr. Den neuen Standort des Hundes ermittelt
man mit Hilfe der Gasröhre auch wieder rasch. Hat man die Überzeugung
gewonnen, dass der Fuchs in einem Sackrohr festsitzt und nicht weiter
kann, gibt es zwei Möglichkeiten. Gehorcht der Hund gut, ruft man
ihn durch das Sprachrohr ab und nimmt ihn draußen an den Riemen. Dann
kann man entweder auf das Springen des Fuchses warten oder
ihn zu einem Stellungswechsel verlocken, oder aber man lässt den Hund
vor dem Fuchse und sucht nun mit dem Gasrohr auf oder hinter den
Fuchs zu kommen. Eine Berührung mit dem Rohre - reicht
die Einmeterröhre nicht mehr, wechselt
man sie gegen die Dreimetrige aus - ist für den Fuchs häufig der Anstoß
zu einem Ausfall gegen den Hund, wobei entweder dieser ihn packt oder so zurückweicht,
dass der Fuchs an ihm vorüber kann und
springt.
Geht das nicht, brennt man sich die Pfeife
an und bläst nun mit vollen Backen den Rauch
hinter den Fuchs. Das bewegt meist den Hund zuerst, sich zurückzuziehen. Ihm folgt der Fuchs, dem die Verstänkerung seiner
Burg unheimlich wird, in der Regel sehr bald.
Die Handhabung der
Gasröhren erspart also viele Grabearbeit, erfordert aber
zwei Mann, von denen stets einer schussfertig sein muss und sich um alles übrige nicht zu kümmern hat. Denn ein derart in
die Enge getriebener Fuchs pflegt wie ein Pfeil aus der Röhre zu schießen.
Ist der Bau flach, erübrigt
sich in der Regel jede Grabearbeit, wenn man
sich der Gasröhren bedient. Bei flachen und kurzen Bauen, oder
Führt alles Hantieren
mit den Gasröhren nicht zum Ziele, muss man zum
Graben schreiten. Das wird durch die Gasröhren sehr vereinfacht. Man weiß sofort, wohin der Einschlag zu kommen hat, und
kennt auch die Tiefe.
Dementsprechend mache man den Kasten.
Hier wird fast immer
ein grundlegender Fehler gemacht: Man wirft den
Einschlag zu schmal und zu klein aus! Das rächt sich später, wenn man an den Fuchs kommt. Dann kann man sich nämlich im
Einschlag nicht rühren. In der
Regel liegen die Fuchsröhren zwischen einem und zwei
Metern tief im Boden. Auf jeden Fall muss der Kasten quer zum Verlaufe
der Fuchsröhre so breit sein, dass man sich bequem darin bewegen kann.
Dadurch wird auch die Gefahr des Einsturzes und des Verschüttet werdens verringert. Ich erinnere an den Fall, bei dem 1922 ein
Oberförster in Danzig und 1936
ein Revierförster in Hoyerswerda im Einschlage
von Sandmassen verschüttet wurden und erstickten. Zum mindesten besteht die Gefahr der Verschüttung für den Hund unten, indem
ihm der Rückzugsweg eingedrückt wird. Lieber etwas langsamer arbeiten
und mehr Erde auswerfen.
Am Kampfgetümmel hört
man, wo man vorsichtiger die Erde abschürfen muss. Das Gasrohr leitet
uns ganz zuverlässig.
Durchstößt man die Röhre
hinter dem Hunde, so zieht man diesen an der Rute zurück
und steckt den Spaten vor die Nase des Fuchses, damit
dieser nicht entweichen kann. Nun verfährt man nach Beheben. Einen Draht oder ein Stöckchen schiebt man durch die Erde
auf den Fuchs zu. Dann erfolgt
in der Regel ein Biss dahinein. Man kann jetzt das kleine Loch
erweitern, bis man den Fuchs zu Gesicht bekommt, ohne dass dieser durch das Loch
entweichen kann. Mit einer kleinen Pistole gibt
man ihm den Fangschuss in den Kopf. Oder man greift ihn mit der Fuchszange.
Oder man tritt die Erde hinter ihm und um ihn fest, dass er sich
nicht rühren kann. Dann greift man ihm unter die Lunte und fesselt ihm
die Hinterläufe mit einer festen Gardinenschnur. Das andere Ende gibt
man dem Gehilfen und lässt ihn, nachdem man den Einschlag geräumt,
den Fuchs herausziehen, worauf ein Hieb auf die Nase, ein zweiter über die
Kehle das rasche Verenden des Fuchses herbeiführen. Oder man durchstößt
die Decke über dem Fuchs und springt aus dem Einschlag, ohne
den Spaten herauszuziehen. Dann springt auch der Fuchs in Kürze nach
Ziehen des Spatens heraus und kann geschossen werden.
Viele Vorteile habe ich beim Fuchssprengen
und Graben von einer kleinen «Erfindung» gehabt:
Ich bohre gern in die
Decke aller Fluchtröhren ein bis zwei Meter vor deren
Mündung mit meinen Gasröhren oder mit dem Eichenheister ein Loch, das bis auf die Sohle der Röhre hinabreicht.
Dann schneide ich mir
mit dem Nicker einige bebuschte Ruten von etwa
zwei Meter Länge ab, deren unteres Ende ich nicht mit den Händen berühre, damit keine menschliche Witterung daran haften
bleibt. Diese Ruten führe ich in
die oben erwähnten Bohrlöcher ein, so dass sie in der Mitte
der Fluchtröhre im Boden feststecken.
Kommt nun ein Fuchs
(oder Hund) an dieser Stelle vorbei, drückt er die Rute zur
Seite, wobei diese oben einen Ausschlag macht.
Das hat den Vorteil, dass
man seine
Aufmerksamkeit nicht mehr so sehr auf alle Röhren verteilen muss, sondern sich
allein der verdächtigen Stelle widmen kann.
Auch ist man in der Lage, beizeiten das Gewehr in Anschlag zu bringen, so dass man bei Erscheinen des Fuchses keine weiteren
Bewegungen mehr nötig hat.
Es sollte nicht
vorkommen, ist aber schon der Fall gewesen, dass hitzige
Schützen, denen der Fuchs überraschend sprang, zu viel Zeit brauchten um
sich zu fassen, und dann vorbeischossen. Ja, sogar Hunde sind bei solchen Gelegenheiten an und totgeschossen worden.
Dieses Überraschungsmoment wird beim
Gebrauche der «Weiserruten» ziemlich
ausgeschaltet.
Da auch andere Jäger,
mit denen ich zusammen auf den Fuchs jagte, diese
kleine Erfindung als praktisch anerkannten, glaube ich, sie besonders
den Jungjägern nicht verschweigen zu sollen.
Ich habe noch nie
beobachtet, dass Füchse an solchem Hindernis Anstoß nahmen.
Besonders, wenn der Hund ihnen auf den Fersen ist, haben sie
ja auch gar keine Zeit zu langen Überlegungen. Ich halte es aber für wichtig,
darauf hinzuweisen, dass man das untere Ende der Ruten nicht mit
den Händen berührt. Es könnte doch sein, dass ein schlauer Fuchs zurückprellt,
wenn er verdächtige Witterung an der Rute bemerkt.
Bei allem
Fuchssprengen und Graben ist es zweckmäßig, wenn der Gehilfe
einen scharfen Gebrauchshund in Bereitschaft hält. Denn bei dem raschen Schießen
kommt es leicht vor, dass ein Fuchs nur angeschossen wird und weiterflüchtet. Ein schneller und scharfer Hund
holt ihn rasch ein. Sonst flüchtet
der Fuchs sehr weit und oft in einen unzugänglichen Bau. Dann
ist er in der Regel verloren.
Gelegentlich kommt es
vor, dass man von seinem Hunde nichts mehr hört,
nachdem er, anfänglich Laut gebend, in der Tiefe verschwunden ist. Es gibt
einige, meist alte Dachsbaue, die erheblich tief in die Erde hinab gehen und bis dreißig Meter lange Rohre haben. Ist dann
der Boden sehr dicht, hört man
zuweilen auch vom Lautgeben des Hundes nichts mehr. Das
ist böse! Zumal es häufig vorkommt, dass auch ein Dachs noch den Bau
bewohnt. Beim Dachs ist die Gefahr des Verklüftens stets gegeben. Auch
ist er für schwache Hunde kein zu verachtender Gegner. In solchem Falle
wird man stets durch Einschläge seinem Hunde zu Hilfe zu kommen versuchen.
Die Gasröhren, die man an den verschiedensten Stellen tief in die Erde
treibt, erleichtern das sehr. Tonschichten, Raseneisenerz (Ortstein)
und einzelne Felsen dämpfen die Geräusche stark ab. Kommt man mit
dem Gasrohr auf eine Undurchstoßbahre Schicht, versucht man es ringsherum
mit neuen Bohrlöchern. Irgendwo findet man dann schon eine weiche Stelle. -
Baue an Steilhängen und in felsigen Gegenden
sind stets als gefährlich für die
Hunde zu betrachten und daher besser zu verschonen. Man macht sie in der Zeit, in der man sprengen will, einige Tage vorher
unbenutzbar, indem man in die Röhren einen mit Rohkresol getränkten
Lappen weit hinein schiebt, den man später wieder entfernt. Zweckmäßig ist es, wenn man beizeiten (im Sommer) bereits durch Anlage
eines künstlichen Notbaues in der Nähe dem Fuchs einen anderen Unterschlupf
bietet. Davon wird noch weiter unten die Rede sein.
Dünensand und
geschiebereiche Erden sind für die Hunde nicht immer ungefährlich.
Eine hängende Sandscholle, ein lose aufliegender Felsblock können,
durch das Arbeiten des Hundes angestoßen, sich hinter ihm senken, durch den
Einsturz ihm den Rückweg verlegend. Das hört man meist dadurch, dass der Laut des Hundes zunächst dumpf, aber klar aus der Einfahrtsröhre
klingt, plötzlich jedoch sehr abgedämpft wird oder gar nicht mehr
zu hören ist. Dann tut Eile not. Hier ist die Gasröhre oft das einzige
Rettungsmittel, da ein Grabeinschlag, der natürlich folgen muss, viel zu lange
Zeit in Anspruch nimmt. Ich weiß von manchem tapferen Hundchen,
das elend ersticken musste. Man lasse sich drum das Mitschleppen der
Gasröhren nicht verdrießen! Einmal macht es sich doch bezahlt durch Errettung
eines Hundes! Die Gasröhren lassen sich ja auch im Revier so leicht
verstecken !
Eine niedliche
Geschichte von Fuchsgraben, die ich als junger Forstreferendar
erlebt, sei mir gestattet, hier einzuflechten:
Mit der Aufstellung
eines neuen Wirtschaftsplanes als «Forsttaxator» beschäftigt,
benutzte ich meine Freizeit zum ausgiebigen jagen auf mir freigegebene
Wildarten. Ich merkte aber bald, dass die ortsansässigen Förster mit mehr als
einem nassen Auge auf meine ständig wachsende Fuchsstrecke sahen, zumal die Bälge der von mir geschossenen Füchse mein
Eigentum waren und damals hoch im Werte standen. Ich ging also zu
jedem einzelnen Förster hin und schlug vor, mit mir gemeinsam auf Füchse zu
jagen und den Erlös zu teilen. Damit waren die meisten, ein Teil
sogar freudig, einverstanden. Ein alter Hegemeister hatte drei Dackel, mit
denen er gelegentlich, wenn die Hunde recht gut aufgelegt waren, auch
schon einige Füchse gesprengt hatte. Es kam aber nicht oft vor, daß die
von der Frau Hegemeister reichlich verhätschelten und überfütterten
Wie bei allem starken
Wilde, so gingen auch hier die seltsamsten Gerüchte
um. Nicht nur, dass dem Griesfuchse alle wesentlichen Räubereien der Umgegend in die Schuhe geschoben wurden,
abergläubische Gemüter
brachten ihn sogar mit dem
leibhaftigen Gottseibeiuns in Verbindung. Denn
groß war die Zahl der Jäger in der Gegend, die bei einem Zusammentreffen
mit dem Fuchse irgendein Pech hatten, das diesem das Leben rettete. Eins
stand fest, dass dieser Fuchs außergewöhnlich gerissen war.
Nun hatte der
Hegemeister an diesem Morgen mit seinem alten Widersacher ein
unvermutetes Zusammentreffen gehabt. Im letzten Flockengewirbel
war ihm der Fuchs ganz harmlos angelaufen. Leider aber erwies sich die Flinte
als ungeladen. Und als der Schaden rasch behoben wurde, war
der Fuchs in einer unscheinbaren Senke verschwunden. Der behutsam
und schussfertig heranpirschende Hegemeister konnte den Fuchs nicht mehr
entdecken. Abspüren ergab aber, dass Reineke in einem kleinen Notbau
steckte, in den sich schon zwei andere Füchse hineinspürten. Wie triumphierte
da der Hegemeister! Die drei waren ihm sicher! Diesmal sollte
der Griesfuchs ihm nicht entkommen!
Rasch hatte er die Röhren
verstopft und verblendet und war nun im Eiltempo nach
Hause gekommen, um mit Hilfe seiner Hunde und seines Sohnes die Ernte einzuheimsen.
Offensichtlich war es
ihm nicht recht, dass auch ich da war. Ungern forderte
er mich auf, mitzukommen. «Aber das sag' ich Ihnen gleich, Herr
Referendar», sagte er, «der alte Griesfuchs gehört mir! Schießen Sie,
was Sie wollen, aber den Griesfuchs lassen Sie mir! »
Lachend sagte ich zu.
Nach einem herzhaften Schnaps auf glückliches Gelingen
pilgerten wir los. Nur dem Zwange gehorchend verließen die drei
liegemeisterlichen Teckel den warmen Ofen- und Sofaplatz.
Als wir am Fuchsbau
ankamen, hatten wir nur noch zwei Teckel, den dicksten
Försterdackel und meine schlanke Langhaarteckelhündin. Die anderen Krummbeine hatten sich heimwärts verkrümelt. Und
der dicke Dackel wies die Zumutung seines Herren, zu schliefen, mit Entrüstung von sich. Als er mit Gewalt in die Röhre gestopft wurde -
schon falsch! - ließ er sich außer Reichweite darin häuslich nieder und war nicht zu
bewegen, den Kampf in der dunklen
Tiefe aufzunehmen. Sichtlich erleichtert
kam er endlich heraus, als wir ihn lockten, um meine Hündin anzusetzen.
Drei Füchse steckten,
wie erneutes Abspüren ergab, in dem Notbau. Darunter,
an der starken Spur und dem Fehlen einer Zehe deutlich erkennbar, der starke Griesfuchs.
Meine «Lotte vom
Chattenbühl» schliefte bedächtig ein und war bald im
Nahkampfe. Aber wir lauerten draußen vergeblich. Der Altfuchs hatte unseren Lärm mit dem streikenden Teckel richtig gedeutet.
Er dachte gar nicht daran, zu
springen. Denn drinnen war er vorläufig noch sicher, draußen
aber war es brenzlig, wie er aus langjähriger Erfahrung wusste.
Der Hegemeister wurde
ungeduldig. Als meine scharfe Sprengerin, Siegerin
in zahllosen Fuchsschlachten, zweimal, erheblich schweißend, an der Oberfläche erschienen war und mich Hilfe heischend
angeäugt hatte, machte ich den
Vorschlag, zu graben. Denn ich kannte meine Hündin. Wenn
sie um Hilfe bat, hatte sie die Hoffnung, den Fuchs bald sprengen zu können, aufgegeben. Sie wusste aber, dass ich sie nie
im Stiche ließ. Drum verschwand sie
getrost wieder in der Tiefe. Nun musste Karl, der Forstlehrling
und Sohn des Hegemeisters, strotzend von Gesundheit und Kraft, nach Hause traben, um die fahnenflüchtigen Dackel
und Schanzzeug zu holen.
Inzwischen froren der Hegemeister und ich bei angestrengtester
Aufmerksamkeit weiter, ohne dass ein Fuchs sprang.
Endlich kam Karl, die
Sünder an der Strippe. Gegen meinen Rat wollte der
Hegemeister nun seine Hunde hinter meiner Hündin herschicken. Aber er hatte die Rechnung ohne seine Dackel gemacht. Kaum
waren sie der Halsung ledig,
als sie mit fliegenden Behängen dahin stürmten, woher sie
eben gekommen waren. Schnee und Kälte, dazu der eklige Wind, sagten ihnen offenbar nicht zu, und Passion hatten sie
auch kaum, obwohl der Besitzer sie sehr
gelobt hatte. Jetzt aber half alles Fluchen nichts, der Hegemeister
musste sich den Tatsachen beugen. Wir hörten die Gefechtslage ab und machten
den Einschlag. Zwei Mann standen mit Gewehr im Arm
weiter schussbereit, der dritte grub und hackte. Aber das war eine saure Arbeit. Ziemlich tief war der Boden gefroren, so dass
wir nur langsam vorwärts kamen.
Es wurde Mittag, da waren wir kaum einen Meter tief.
Als wir in zwei Meter Tiefe endlich das Rohr hatten, waren die Füchse zurückgewichen in ein anderes. Also mussten wir
einen neuen Einschlag machen.
Endlich gegen die Dämmerung hin kamen wir auf die
richtige Röhre, in der der Kampf tobte. Plötzlich schrie Karl im Einschlage auf: «Dort ist er!»
«Aufpassen», rief
der alte Hegemeister mir zu, hing die Flinte an einen Baum,
sprang in den Einschlag und jagte Karl nach oben. Ich sah den Förster noch im Einschlage herumtreten, dann verschwand er
für mich. Karl und ich
beobachteten nun scharf die anderen Röhren und warfen nur
dann und wann einen scheuen Blick auf den Einschlag. Schon wurde es schummerig,
als endlich aus der Tiefe meine Hündin im Bogen herausflog und bald darauf das Triumphgeschrei erscholl: «Nun
hab' ich dich endlich, du Satan! Na,
warte!»
Von nerviger Faust im
Genick gehalten, erschien das Gaunergesicht des Griesfuchses über
den Wällen ausgeworfener Erde. Dahinter das puterrote
Gesicht des Hegemeisters. Er musste auch alle Kraft anwenden, um den
aus Leibeskräften strampelnden Fuchs festzuhalten. Man sah es Reineke an, was
er dachte: «Besiegt? ja, vorläufig! Aber noch nicht verloren!»
Er zappelte und kratzte und
zog
alle Schleusen! Der Hegemeister spuckte und schimpfte und hielt den Fuchs
mit steifem Arme weit von sich in die Höhe.
Karl sprang hinzu: «Lass ihn laufen, Vater, ich will ihn schießen!»
- «Schafskopf», brummte der nur, «und
dann schießt du an ihm vorbei! Nein,
hol meinen Krückstock, und schlag ihm auf die Nase!»
Karl legte gehorsam
sein Gewehr nieder und sprang nachdem Knüppel: «Ja, Vater, das
will ich wohl tun!»
Und Karl packte den
umgekehrten Krückstock mit beiden Händen.
Und Karl holte aus...
Und Karl schlug zu mit
aller Kraft...
Leider aber nicht auf
des Fuchses Nase, sondern...
Ob nun Karl in der
Aufregung schlecht gezielt oder der Hegemeister oder
der Fuchs eine Bewegung gemacht hatten, ließ sich später nicht mehr einwandfrei feststellen. Jedenfalls ist Tatsache, dass der
Knüppel mit aller Wucht niedersauste,
und zwar auf Vaters Faust, die infolgedessen nicht mehr imstande
war, den Fuchs im Genick festzuhalten.
Was nun folgte, war
ein wüster Tumult:
Der Hegemeister brüllte
auf wie ein Stier, der Fuchs fiel in den Einschlag. Dort erwischte er die
hegemeisterlichen Waden. Die Folge war erneutes
Gebrüll des Wehrlosen. Der Fuchs sprang auf den Rücken des sich
nach ihm bückenden Hegemeisters, Karl wollte die kapitale Beute nicht
entweichen lassen und schlug ein zweites mal mit aller Wucht zu.
Leider traf er den gewandt ausweichenden
Fuchs wieder nicht, dafür aber - das
Genick seines unglücklichen Erzeugers! Der stürzte zunächst nieder,
raffte sich aber bald wieder auf, riss an dem Krückstock seinen entsetzt
erstarrten Sprössling zu sich in die Grube und verabfolgte ihm mit der
unverwundeten Linken eine barbarische Ohrfeige.
Ich versuchte, den entwetzenden Griesfuchs
trotz aller Strafandrohungen zu schießen,
was mir aber infolge meines schütternden Zwerchfelles nicht
gelang. Ich konnte keinen Schuss abgeben. Mein Lachen erzürnte den
schon so erbosten Hegemeister, dass er in allen Tonarten zu fluchen begann.
Und als ich mich bückte, um dem verdroschenen Vater aus der Grube
zu helfen, sah ich gerade, wie hinter mir aus den beiden Röhren je
ein weiterer Fuchs entwischte...
Den fluchenden,
puterroten, von Fuchse übel bekleckerten Hegemeister zog
ich nun an der heilen Linken aus dem Kasten. Die Rechte des Biederen sah böse aus, mit der Linken rieb er sich das schmerzende
Genick.
Karl kletterte mit
einer feuerroten Backe und völlig geknickt aus der Grube.
Aber nur, um unter einer weiteren Abgottsohrfeige seines wütenden Vaters wieder hineinzustürzen. Und ich hielt mir den Leib vor
Lachen. Viel fehlte nicht, dann wäre
der rasende Roland auch mir gegenüber handgreiflich
geworden. Und nur mit Mühe hielt ich ihn davon ab, seinem eben wieder
aus der Tiefe auftauchenden Unglückssohne eine dritte Maulschelle zu verabreichen. Glücklicherweise fiel mir die große
Medizin aller Waidmänner ein :
Ich griff in den Rucksack und entnahm ihm meine Feldflasche
mit Spezialmischung (zwei Drittel Korn, ein Drittel Kümmel), die
ich dem Tobenden in die heile Linke drückte. Sie verfehlte ihre oft erprobte
Wirkung nicht. Nach einem sehr, sehr tiefen Zuge aus der Flasche klangen
die folgenden Verwünschungen schon um einige Tonarten milder.
Und nach einem weiteren Zuge stöhnte der Alte grimmig: «Dort läuft er!
Und ich hatte ihn schon im Rucksack! Bloß wegen dem Kerl, dem traurigen,
meinem eigenen Sohn!» Und schon machte er wieder Miene, seinen Zorn weiter auf seines Sohnes Wangen auszutoben. Der aber war auf
seiner Hut und entwetzte mit einer Riesenflucht über den Einschlag. Rasch
opferte ich nochmals die Flasche. Während der Hegemeister trank, streckte
er mir seine geschwollene Rechte unter die Nase. Wenn den Hieb der
Fuchs bekommen hätte, wäre er mausetot gewesen! Ziemlich gebrochen
wankten wir im Trauermarsche nach Hause. Und als Mutter Hegemeister
nach dem ihr - wie oft schon? -
versprochenen Griesfuchse fragte, hätte der Unglückswurm Karl um ein Haar noch eine Abreibung bezogen.
Es wurde eine lange
und feuchte Sitzung nach dem Abendessen. Nachdem
ich auch noch etwas zu hören bekommen hatte wegen Nicht Schiessens und schadenfrohen und durchaus nicht angebrachten
Gelächters, versöhnten sich zu meiner Freude in vorgeschrittener Stunde Vater
und Sohn wieder. Schließlich
tranken wir sogar auf das Wohlergehen des gerissenen und
vom Glücke begünstigten Griesfuchses.
Der aber lebte noch
lange. Zwei Jahre später erst, wie mir erzählt wurde, lief
er im Schneetreiben einen Hilfsförster an, der ihn mühelos umlegte. Da hatte der Griesfuchs nur noch einige Zahnstummel und
somit seine Lebensaufgaben
reichlich erfüllt.
Der alte Hegemeister
wurde seitdem im Kollegenkreise der «Voßgrieper»
(Fuchsgreifer) genannt. Aber nur heimlich, sonst wurde er sehr böse.
In Karls Stübchen
hing lange Zeit Vaters Eichenheister an der Wand. Warum,
das wussten nur die Eingeweihten...
Der Kunstbau
Wer passionierter
Dackelmann ist, sei es im Walde oder im Felde, dem sei
die Anlage von recht zahlreichen Kunstbauen empfohlen. Die Mühe lohnt sich immer!
Im Walde legt man sie
in Feldnähe an oder neben schwierigen Bauen. Im
Felde ist jedes Stück Unland dazu geeignet. Wo das Gelände zu tief oder zu sumpfig ist, hilft ein künstlicher Hügel. Wer
nur über eine völlig «bereinigte»
Feldmark verfügt, der hat zum mindesten einige Wildäcker zur
Verfügung oder unter den Grundbesitzern einen Freund, der ihm gegen Geld und gute Worte die Anlage gestattet. Man fürchte
nicht, sich die Füchse
durch diese Maßnahme erst ins Revier zu ziehen! Die kommen doch.
Remisen, Mais- und Topinamburfelder bilden einen sicheren Zufluchtsort für sie, ob da nun ein Bau drin liegt oder
nicht. Und wenn man die Baue erst
gegen den Herbst hin bewohnbar macht durch Freilegen der vorher mit
einem Steine verschlossenen Einfahrten, kann man sein Gewissen in dieser Hinsicht beruhigen. Zu der ganzen Anlage gehören nur
ein Spaten, eine Hacke, einige Steine,
etwas Reisig und einige Stunden Arbeitszeit.
Zeitig im Sommer
beginne man damit. An einer geeigneten Stelle sticht man
mit dem Spaten einen dreiviertel Meter tiefen und zwei Spaten breiten Graben aus. Derselbe soll sich grundsätzlich an die
Hufeisenform anlehnen, aber
scharfwinklige Einfahrten haben. Eine Anlage von Stubengröße
genügt. Die Einfahrten müssen gebrochen sein, weil der Fuchs weder Lichteinfall noch Zugluft in seiner Behausung schätzt.
Zweckmäßig senkt man die
Einfahrten zunächst etwas, um sie gegen die Mitte hin, wo sie in einem kleinen, erhöhten Kessel zusammentreffen,
wieder ansteigen zu lassen. Das hat den
Zweck, den Kessel trocken zu halten. Außerdem sammelt
sich im erhöhten Kessel die warme Luft, die der Fuchs sehr liebt. Mit je drei bis fünf Metern Röhrenlänge von jeder
Seite kommt man aus. Wer eine Mehrarbeit
nicht scheut, kann entsprechend mehr Meter nehmen.
Nur zwei Röhren bauen wir, damit später der in einer Röhre erscheinende
Hund den Fuchs bequem zur anderen hinausjagen kann.
Den Boden der Röhren belegen wir mit
Steinen. Wer die Anlage jahrelang benutzen
will, der kann die Fugen mit Zement ausgießen. Auch die Seiten befestigen wir mit hochkant gestellten Steinen und decken sie mit
Steinplatten oder Reisig ab. Vorher bestreuen wir den Boden der Röhren mit
einer Sandschicht und füllen den Kessel mit getrocknetem Moos. Heu ist
weniger brauchbar, auch Stroh, weil es zu rasch fault. Ist die Decke über
den Röhren geschlossen, dann legen wir Reisig und Grasplaggen darüber
und füllen die ausgeschachtete Erde darauf. Zweckmäßig decken wir
diese wieder mit Grasplaggen und werfen noch etwas Dorngestrüpp darauf,
um die Anlage möglichst unauffällig zu machen. Die Röhreneinfahrten
verdecken wir mit einem darüber eingepflanzten Brombeer- oder Rosenbusch.
Über den Kessel
kommen einige lange, schmale Steinplatten oder im Notfalle
Eichenbretter. Es sind dies am besten schmale Stücke, so dass bei späterem
Aufheben derselben ein etwa darunter sitzender Fuchs durch die
einzelnen Lücken nicht entspringen kann.
Auch über diese
Decke kommt eine Schicht Reisig, dann Grasplaggen,
Die überflüssige Erde wird durch
Umherschleudern unauffällig in der Umgegend verteilt oder weggeschafft. Ist die
Arbeit vollendet, darf kein Unbefangener
etwas davon bemerken. Dann ist es richtig ! Die
Einfahrten verschließen wir bis zum
Beginn der Ernte mit einer Steinplatte.
Fällt unter der Sense oder Mähmaschine
das Halmenmeer, findet Reineke nicht mehr
so gute Zufluchtsstätten. Er ist dann geneigt, wenn er im Felde bleiben will,
solche Notbaue anzunehmen. Auch schlechtes Wetter verleitet ihn dazu. Da es nun
wichtig ist, dass er die Baue beizeiten findet und sich daran gewöhnt, öffnet
man kurz vorher die Einfahrten und wirft von Zeit zu Zeit ein Stück Luder oder Gescheide hinein und davor.
Neben jeder haben wir
einen buschigen Ast liegen, mit dem wir immer wieder
den Sand in den Röhreneingängen Glattfegen. Damit haben wir ein gutes Kontrollmittel, ob die Baue angenommen werden.
Auch Hermelin, Wiesel, Iltis,
Marder, streunende Katzen benutzen gern diese Notbaue.
Man kann natürlich durch Zementieren der
ganzen Anlage, Einbau eines Trittbrettes und
einer, beziehungsweise zweier Falltüren das Ganze zu einer Falle ausbauen. Da der Mechanismus zu vielen Zufälligkeiten
ausgesetzt
ist, ist es nicht sehr zu empfehlen. Es ist auch gar nicht nötig, wie wir
sehen werden. Ist die Anlage richtig gemacht und nicht gestört worden,
werden wir gegen Herbst hin bemerken, dass die Füchse der Umgegend
ihr immer häufiger einen Besuch abstatten. Besonders, wenn sie regelmäßig
einen leckeren Brocken dort vorfinden.
War früher schlechtes Wetter im Spätherbste
für den Jäger, der in seinem Revier Erholung zu finden hoffte, ein
Trauertag, den er in der Jagdhütte, rauchiger Wirtsstube oder dergleichen
beim Dauerskat verbrachte, so winken ihm jetzt
behagliche Freuden. Gegen Mitte November wird der Fuchsbalg gut. Nun
verwittern wir im Walde und auf dem Felde die gefährlichen und unbequemen
Fuchsbaue mit Rohkresol (alle zehn bis vierzehn
Tage wiederholen, auch Abwechslung im Stänkermittel!) und untersuchen
bei geeignetem Wetter unsere möglichst zahlreichen Kunstbaue mit dem Teckel. Wir werden staunen, was wir dabei alles erbeuten! Wer
kein unbedingt sicherer Schütze ist, der kann vor die Einfahrten Fuchshauben
(Netze) spannen. Auch eine recht lange Kastenfalle, die wir davor setzen,
erfüllt zuweilen den gleichen Zweck.
Ich empfehle, gegen das
Weihnachtsfest hin die Baue für einige Wochen
in Ruhe zu lassen. Denn man muss wissen, dass jeder Hundebesuch im Kunstbau wie
im natürlichen diesen für zwei bis drei Wochen jedem Fuchse verstänkert. Und bei der im Januar, wenn nicht
erst im Februar einsetzenden Ranzzeit
wollen wir doch den Hauptschlag gegen die Füchse führen!
Unabhängig vom
Wetter haben wir dann nämlich die Aussicht, in dem einen
oder anderen Bau zwei bis vier Füchse anzutreffen. Es ist darum zweckmäßig, wenn wir nicht an jedem Tage mit dem Teckel
alle Baue untersuchen, sondern uns durch Spurschnee,
weichen Sand oder Grashalme die Gewissheit
darüber verschaffen, ob auch der Bau besetzt ist.
Sind Füchse im
Kunstbau, ist die Sache denkbar einfach und ohne viel Mühe.
Wir kennen ja den Verlauf der Rohre und die Lage des Kessels. Wir können im Notfalle an jeder beliebigen Stelle
unschwer den richtigen Einschlag
machen.
Wer ein Dutzend oder
auch nur ein halbes Dutzend solcher Baue im Revier
hat, ist in der Lage, auch ohne alle Fallen seine Füchse in Schach zu halten! Einen ganzen Jagdtag oder auch mehrere kann
man mit dieser Art von gerechtem
Waidwerk ausfüllen und seinem Hunde, sich und seinen
Freunden damit große Freude bereiten.
Günstig ist es, wenn
der eine oder andere Kunstbau in der Nähe eines Luderplatzes liegt, weil sich
dort die Füchse der Umgegend immer gern einfinden und in
der Nähe herumtreiben.
Wird es dem Fuchs bei
der Mäusejagd oder Pirsche im weiten Felde zu spät,
ist der Wald weit ab, so nimmt er gern den nächsten Bau an, auch wenn es ein ihm bekannter Kunstbau ist. Der im Felde vom
hochläufigen Hunde gehetzte
Fuchs nimmt gleichfalls gern seine Zuflucht dorthin.
Gewiss, das sind
alles kleine Unbequemlichkeiten. Aber wer auf Erfolg rechnen
will, unterzieht sich ihnen gern. Denn ganz so dumm, wie viele Jäger glauben, ist Reineke doch nicht.
Selbstverständlich
kann man sich auch am befahrenen Kunstbau beizeiten
ansetzen. Ist die Gemarkung still, kommt Reineke oft schon am hellen Nachmittage heraus.
Die Mühe bei Anlage
eines Kunstbaues ist nicht allzu groß. Ein bis zwei Tage
gehen drauf. Das Schwerste ist das Herbeischaffen von geeigneten Steinen. Im Notfalle tun es auch alte Backsteine. Selbst
alte Bretter sind äußerst verwendbar, aber nicht ganz so
gut. In gebirgiger Gegend und in den
norddeutschen Tiefebenen, wo sich allzu viele Geschiebe finden, trifft man
auf den von den Bauern am Raine abgelagerten Steinhalden genügend
brauchbares Material an. Sind die Steine nicht flach, kann man sich auch
mit buckligen behelfen. Nur muss man dafür sorgen, dass Hund und Fuchs
die Röhren durchschlüpfen können. Im Sumpfgelände kann man aus
Steinen einen Bau aufführen auf einer etwas erhöht liegenden Stelle und
ihn dann mit genügend Erde, Torfplaggen und dergleichen ausreichend
zubauen.
Jeder Jagdaufseher
sollte derartige Arbeiten ausführen können.
Wo Jagdaufseher auf
den Erlös aus Raubwildbälgen ganz oder teilweise
angewiesen sind, ist folgende Regelung empfehlenswert: Es liegt nahe, dass ein solcher Jagdaufseher weniger Interesse
daran hat, dass sein Jagdherr einen
Fuchs erlegt, als wenn er es selbst tut. Er wird also entweder
selbst möglichst viele Füchse schießen und fangen oder zum mindesten
keinen allzu großen Eifer an den Tag legen, seinen Herrn oder gar einen
Gast darauf zu Schuss zu bringen. Das ändert sich sofort, wenn der Jagdherr
sich entschließen kann, für jeden mit Hilfe seines Jagdaufsehers von
ihm selbst erlegten Fuchs jenem den vollen Balgwert, womöglich mit
einer kleinen Zusatzprämie, zu gewähren.
Wer kein Massenmörder
ist, dem wird die Fuchsjagd ein ungleich höheres
Vergnügen bereiten als das Erlegen von Hasen, Karnickeln und Hühnern.
Reineke in
Gefangenschaft
Hier und da findet man
auf dem Lande oder in Forsthäusern noch den einen oder
anderen Fuchs, an einer Hundehütte angekettet.
In den Straßen
Berlins sah ich einst einen Herrn, der einen «zahmen» Fuchs
an einer Kette hinter sich herzerrte.
In Gastwirtschaften
auf dem Lande findet man auch gelegentlich einen «zahmen» Fuchs
in einem kleinen Drahtkäfig als Schaustück und Lockmittel
für die Gäste.
In früheren Jahren
durchzog die Plätze Berlins ein Mann, der in einem Käfig allerhand nicht
zueinander passende Tiere zur Schau stellte. Er
Was will ich mit
dieser Aufzählung bezwecken? Ich habe selbst eine
Da konnte es nicht
ausbleiben, dass ich in all jenen «zahmen» Füchsen das zitternde Seelchen erkannte, dem die geschilderten Situationen alles andere als angenehm waren. Deutlich sah man, dass das Kind freier Wildnis
nur einem Zwang gehorchte und sich weit weg wünschte vom Menschen.
Ich stelle die Möglichkeit
nicht in Abrede, dass man Füchse in Gefangenschaft
aufziehen kann und vielleicht in der zweiten, dritten oder späteren Generation einzelne Tiere erhält, in denen der Drang zur Freiheit völlig
erloschen ist und der Anlehnung an den Menschen Platz gemacht hat.
Unsere Haushunde sind ja auch einmal von wilden Ahnen hergekommen.
Wer aber die Katze genauer kennt, weiß, dass sie ihre Seele nie so
restlos dem Menschen hingibt wie der Hund. Mag sie ihre Herren noch so
sehr heben, da bleibt stets eine Kluft, ein - sagen
wir ruhig : vornehmer - Abstand vom Tier zum Menschen. Das ist es auch, was die Katze manchen
Menschen ein wenig unheimlich macht. Das Unergründliche, die Seelenferne
der Katze dem Menschen gegenüber gibt ihr eine einzigartige Stellung.
Ganz anders geht
mancher Hund in seinem Herrn auf. Es gibt in einzelnen
Fällen eine fast restlose Verständigungsmöglichkeit zwischen Hund und Mensch.
Der wesentliche
Unterschied zwischen Hund und Katze in seelischer Hinsicht
findet vielleicht eine Erklärung in den Lebensgewohnheiten dieser Tiere: Die Katze ist Einzeljäger, Pirschjäger.
Gemeinsame Jagdunternehmen von «zahmen»
oder verwilderten Hauskatzen oder Wildkatzen und
führten mich nach wenigen hundert Metern zum Fuchsbau. Da sah es lieblich aus ! Die Köpfe von mehreren Fasanenhennen und Hähnen, von einigen
Hasen und zahlreiche Federn und Knochen lagen umher. Vor drei
Röhren waren Spielplätze der Fuchsjugend.
Ich wusste genug und
ging zum Förster. Gegen elf Uhr waren wir zur Stelle,
beobachteten den Bau eine Stunde lang von fern, ohne die alte Fähe zu sehen. Da nahmen wir an, sie sei zu Hause, und gingen
zum Bau.
Mein Rüde brachte die
Fähe nach einigem Kampfe zum Springen, der Förster
schoss sie tot. Dann musste er aus dienstlichen Gründen heimkehren
und überließ mir das Ausheben der Welpen.
Der Bau war ein flacher
Notbau. Mein Rüde brachte bald zwei abgewürgte
Jungfüchse heraus. Ich nahm ihn ab, um die Hündin und ihre noch junge
Tochter auch all den Füchsen arbeiten zu lassen.
Beide lagen gut vor, würgten
aber merkwürdigerweise nicht, obwohl sie
sonst jedem Altfuchs an die Drossel gingen.
Ich deckte auf und sah
ein merkwürdiges Bild : In
einer Ecke des Kessels saßen dicht
zusammengedrückt noch fünf Jungfüchse,
etwa acht Wochen alt. Davor lagen in
zwei Röhren die beiden Hündinnen, gaben ab und zu Laut
und versuchten, mit den Pfoten - mit
den Jungfüchsen zu spielen! Ich
hetzte die Hunde an, sie fassten aber nicht zu! Nun hob ich die Fuchswelpen
einzeln am Genick aus, wobei sie sich recht verschieden benahmen. Ein
Rüde versuchte, mich zu beißen und keckerte mich giftig an. Schwer nur
konnte ich ihn greifen. Eine kleine Fähe schmiegte sich in meine Hand und
leckte diese. Zwei Jungfüchse sprühten aus den Sehern Gift und Galle, die
anderen waren harmlos vertraut.
Ich setzte nun die
ganze Gesellschaft ins Freie und hetzte die beiden Hündinnen
an, sie zu würgen. (Ich weiß, das ist etwas grausam, aber gewiss nicht zu vermeiden, will man am Fuchs zuverlässige Würger erziehen!)
Meine Hündinnen aber machten nur Spielversuche, die von den Fuchswelpen recht
verschiedenartig aufgefasst wurden. Schließlich beleckten
die Hündinnen die gutartigen Jungfüchse !
Das rührte mich, ich
steckte daher die ganze Gesellschaft in den Rucksack und nahm sie
mit nach Hause. Ich wollte sie aufziehen. Nach
einigen Tagen ergab sich die Unmöglichkeit bei meiner damaligen Wohnung. Ich bot
darum die Füchse meinen Bekannten an, die alle lebhaft dafür dankten.
Es blieb also nichts
übrig, als die Jungfüchse umzubringen.
Ich setzte sie in den
geschlossenen Hof und hetzte meine drei Dackel darauf. Und da geschah das Merkwürdige: Auch der scharfe Rüde,
der wenige Tage zuvor zwei
Jungfüchse gewürgt hatte, machte nur Spielversuche
mit den Kleinen, die ältere Hündin leckte die Kerlchen, die in ihrer Angst nässten und sich besudelten, trocken und brachte
mir schließlich einen kleinen Welpen
behutsam angetragen!
Da überkam mich jäh
die Erkenntnis: In den Seelen meiner wilden Hundemeute
regte sich das Mitgefühl für die hilflosen Wesen, das -
mir bisher
gefehlt hatte!
Ich brachte es nicht
fertig, die Jungfüchslein zu töten und übergab sie daher einem
Forstgehilfen mit dem Auftrage, es an meiner Stelle zu tun!
Und nie wieder habe
ich mich an Jungfüchsen vergriffen!
Als junger Student
habe ich mehrfach Jungfüchse geschenkt bekommen, auch käuflich
erworben. Nicht immer ohne Krach mit meinen Wirtinnen ! Aber ich war immer
schon ein Tiernarr. Von Jugend auf hatte ich immer allerhand mehr oder minder zahmes Getier um mich.
So habe ich auch als
Gymnasiast und Student die Tierhaltung oft unter erschwerten
Umständen durchzusetzen gewusst.
Bei meinen Füchsen
fiel mir die Verschiedenartigkeit der Charaktere selbst
bei Tieren aus einem Wurfe auf. Allen war gleichartig eine nie ganz zu überwindende Scheu auch vor mir, ihrem ständigen und
liebevollen Pfleger, eigen. Aber
während einige Jungfüchse sich doch wenigstens zeitweise
an mich anschlossen, blieben andere zeitlebens unzähmbare Wildlinge.
Ich habe mich nie
entschließen können, einen Fuchs dauernd an die Kette
zu legen. Schon früher hatte ich solche armen Schächer hier und da gesehen. Ein Zerrbild der Natur schienen sie mir. Wer
einen Fuchs, den freien Sohn der
Wildnis, an die Kette legt, der schien mir damit sich selbst ein seelisches
Armutszeugnis auszustellen. Wer ein Tier halten
will, hat nach meiner Auffassung auch die Pflicht, diesem die größtmöglichen
Bequemlichkeiten und Freiheiten zu verschaffen,
um die Gefangenschaft ihm erträglich zu machen.
Wo Freihaltung im
Zimmer nicht möglich ist, muss man dem Tiere einen geräumigen
Zwinger zur Verfügung stellen können, sonst lasse man die
Finger davon. Denn ein solches Tier in ein enges Gewahrsam zu sperren,
ist heimliche Tierquälerei!
Nach Möglichkeit habe
ich auch meine Füchse im Zimmer um mich gehabt, nicht
immer zur Freude meiner Wirtinnen und - meines Geldbeutels. Für durch meine Füchse angerichteten Schaden an Tapeten, Dielen
und Möbeln habe ich oft tief in meinen Geldbeutel greifen müssen. Aber
jeder Mensch hat ja wohl einen Spleen! Und wer es leugnet, hat meist mehrere! Mein Spleen waren nun einmal die Füchse. Mir schwebten
zwei Probleme vor: ich wollte versuchen, einen Fuchs so zahm zu bekommen,
dass ich ihn als Schweißhund benutzen könnte, um die Zuverlässigkeit seines
Geruchsinnes auszuproben. ,
Das zweite Problem war:
Ich wollte versuchen, eine Kreuzung zwischen
Fuchs und Langhaarteckel (als dem Fuchse ähnlichstem Hunde) zu erzielen.
Als Nebenproblem schwebte mir noch eine völlig
zahme Fuchsfähe vor, die mir draußen im
Walde in der Ranzzeit helfen sollte, die wilden Fuchsrüden
vor die Flinte zu holen. Das habe ich in einem Falle erreicht.
Durch meinen Beruf verursachtes, unstetes
Wanderleben, später, nach Krieg und
Inflation, mangelnde Geldmittel haben mir die Verwirklichung dieser
Dinge zum größten Teil unmöglich gemacht.
Es ist mir gelungen,
zwischen meinen verschiedenen Hunden und meinen
Füchsen (bis auf wenige Ausnahmen) ein gewisses Freundschaftsverhältnis zu
erreichen. Allerdings nur, wenn ich dabei war. Ich merkte meinen Hunden an, dass sie nur mir zuliebe Frieden hielten. Köstliche
Stunden hat mir als
Student in Eberswalde ein Fuchs bereitet. Ich hatte damals einen
kapitalen Deutschdrahthaarrüden «Unkas». Der war nicht nur scharf,
sondern auch witzig. Er konnte auf Befehl lachen. Bis zu scheußlicher
Grimasse verzog er dann sein Gesicht. Dieser Hund strich besonders gern
am Kachelofen in meinem Arbeitszimmer
entlang. In dem Raum zwischen Wand und Ofen aber hatte mein Fuchs
sein Standquartier. Ein beliebtes Spiel für die beiden war nun folgendes:
Strich «Unkas» am Ofen entlang, fuhr der Fuchs hinter seiner Kehrseite aus
dem sicheren Schlupfwinkel und zwackte den Hund in seine etwas zu lang kupierte Stummelrute. Wütend kehrte sich «Unkas» um und
kläffte und knurrte hinter den sich sofort zurückziehenden Fuchse her.
Des Hundes dicker Kopf passte nicht in den schmalen Spalt zwischen Wand
und Ofen. Nun kam der Fuchs auf der anderen Seite zum Vorschein,
lugte um die Ofenecke und schnappte rasch wieder in die Stummelrute. Da der
Hund aufmerksam auf der bisherigen Angriffsseite seine Nase in den Spalt geschoben hatte, merkte er nichts, bis er die Fuchsfänge
verspürte. Rasend fuhr er wieder
herum, um auf der anderen Ofenseite zu versuchen,
ob er den Quälgeist nicht strafen könnte. Worauf nach einer Weile dort, wo
sich des Hundes Kehrseite befand, Reineke wieder vorsichtig erschien,
um sich nach erfolgtem Zwacken schleunigst wieder in Sicherheit zu bringen.
Das Spiel wurde unter
Umständen stundenlang fortgesetzt. Bis ich dann
Ruhe schuf und den schwer gekränkten «Unkas» beruhigte. Ich las in seinen treuen Augen, dass er gar zu gern den Fuchs
abgewürgt hätte, wenn ich es ihm erlaubt
hätte.
Lag ich zur
Mittagsruhe auf dem Sofa, alle meine Hunde natürlich bei mir,
sah ich deutlich in all den treuen Hundeaugen, dass es ihnen unverständlich
blieb, warum Reineke den besten Platz, auf Herrchens Bauch, einnehmen durfte. «Herrchen, alles verstehen wir, nur dass
du den Stänker so bevorzugst, das bleibt uns unfassbar!»
Sichtlich unangenehm
war es auch meinen Hunden, wenn sie am Ofen zusammengerollt
auf einer Sauschwarte schliefen und Reineke den Versuch
machte, sie als wärmende Unterlage zu missbrauchen.
Befahl ein Machtwort
von mir die Duldung, so zitterten sie vor Aufregung,
bis ich sie erlöste.
Der freien
Fuchshaltung (ich fütterte nie rohes Fleisch, minderte dadurch den üblen
Geruch des Fuchses herab) im Zimmer stellten sich auf die
Dauer unüberwindliche Hindernisse entgegen. Ich gab sie auf, als einst
an einem Sonntagnachmittage mein dort zurückgelassener Fuchs aus
allem Erreichbaren, einschließlich Tapeten und Büchern, die Trümmer
von Karthago geschaffen hatte, auf denen sitzend er mich abends mit
fröhlichem Gekecker empfing.
Der Fuchs kam nun in
ein Gehege im Garten und durfte zuweilen frei herumlaufen.
Mich von ihm auf der Straße begleiten zu lassen, habe ich bald aufgegeben. Erstens gab es immer Menschenaufläufe,
zweitens wurde der Fuchs durch
Menschen und fremde Hunde für Tage stark verschüchtert,
drittens kam er in seiner Angst oft in Lebensgefahr.
Begegnete uns ein fremder Hund, machte der
Fuchs zunächst einen krummen Buckel und
keckerte ihn an. Wurde es brenzlig, sprang er gewandt an mir hoch und auf meine Schulter. Inzwischen hatten aber gewöhnlich
meine Hunde schon nach ihrer Art für «Ordnung» gesorgt. Mit dem
keckernden Fuchs auf der Schulter wurde mir die Trennung der Raufenden
nicht leicht. So gab ich diese Spaziergänge auf.
Im Walde habe ich den
Fuchs zuerst an der Kette, später frei einige Male mitgehabt.
Der Wald war ihm sichtlich fremd und unheimlich. Stets hatte er Sorge, mich zu verlieren.
Eines Morgens weckte
mich um vier Uhr, bei grauendem Tag, der Nachtwächter
mit der Nachricht, dass er soeben meinen stadtbekannten Fuchs mit dem Silberhalsband aus dem Garten kommen und im
nahen Walde verschwinden
gesehen habe.
Rasch kleidete ich mich
an und nahm die Verfolgung des Ausreißers auf. Drei Tage lang habe ich nach ihm
gesucht. Er blieb verschwunden. Da
er nie wieder zum Vorschein gekommen ist, nehme ich an, dass er das Los so vieler gezähmter Tiere geteilt hat und auf
irgendeine Weise verunglückt ist.
Mehrfach habe ich noch
Füchse aufgezogen, im Zwinger und frei, aber meist verunglückten
sie auf tragische Weise. Wie dreiviertel aller der unglücklichen Rehkitze, die alljährlich immer wieder von falsch
verstandener Tierliebe aufgepäppelt
werden! -
Es braucht unendliche Geduld und sehr viel
Zeit, einen dazu veranlagten Fuchs
einigermaßen zahm zu machen. Und das ist oder sollte doch wenigstens ein
für die Füchse glücklicher, erschwerender Umstand der Fuchshaltung
sein.
In meiner Fasanerie
fing ich einst einen Fuchs, der mich jahrelang nächtlicherweile
durch unverschämt lautes Schrecken (warum, weiß ich nicht) im Schlafe gestört
hatte. Ich setzte ihn in einen geräumigen Zwinger, den ich für einen in
gleicher Weise gefangenen Edelmarder erbaut hatte. Der Marder
war unter unausgesetzten Befreiungsversuchen, obwohl er alle Nahrung
willig nahm, eingegangen. Wie ich annehme, an gebrochenem Herzen
wegen des Verlustes der Freiheit.
Sofort ging der Fuchs
die Drahtwände hoch, die vorsichtshalber oben geschlossen
waren. Tagelang versuchte er, sich durchzugraben. Aber das ging nicht, weil
unten ein engmaschiges Drahtnetz lag. Dann griff er mit den
Fängen in die engen Drahtmaschen, bis alle Zähne abgebrochen waren.
Vom Marder her stand
noch ein Baumstumpf im Zwinger, auf dem eine kleine Hütte angebracht war, wohl 1,60 m hoch. Für
den Fuchs hatte ich eine gute Hundehütte in den Zwinger gestellt.
Gleichwohl zog er die enge Marderbude
vor, die er mit gewandtem Sprunge zu erreichen
verstand. Auch auf dem Kletterbaume des Marders produzierte er sich als Trapezkünstler. Bis zur Decke des Zwingers stieg
er auf.
Ich habe mir die
erdenklichste Mühe gegeben, den Fuchs an mich zu gewöhnen.
Es blieb vergeblich.
Eines Tages blieb
seine Nahrung unberührt. Am nächsten Tage lag er friedlich
inmitten des Zwingers tot auf dem Rücken. Da innere Ursachen nicht festgestellt werden konnten, muss ich auch hier an
das aus Gram gebrochene Herz glauben.