Auszüge aus dem Buch „ Der Jagdteckel“ erschienen im Verlag Paul Parey.
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Der Teckel als Erdhund |
Wenn auch dem Teckel beileibe nicht immer zu Recht die
Raubwildarbeit unter der Erde als seine primäre Aufgabe zugeschrieben
wird, so bleibt es dennoch unbestritten, daß er sie vorzüglich zu meistern weiß. Seine Fähigkeit,
auch im Bau zu jagen, erhöht außerdem seine
vielseitige Brauchbarkeit wesentlich. Obwohl ein Teckel, der nichts anderes gelernt hat, als den Fuchs zu
sprengen und mit dem Dachs zu raufen,
ein ganzer Kerl, ein gewaltiger Kämpfer sein mag, erfüllt
er die Vorstellung von einem universellen Jagdteckel nur bedingt. Allerdings
ist die Arbeit an Raubwild, noch dazu unter der Erde, also praktisch bei Dunkelheit
und ohne Anlehnung an den Menschen, so ziemlich die beste Möglichkeit,
die Wesensfestigkeit unseres Hundes festzustellen und zu verbessern. Denn
ein Teckel, der im Bau feige ist, wird auch bei anderen jagdlichen Tätigkeiten
im hellen Tageslicht feige sein. Hat er genug Schneid, um Fuchs und Dachs
in Balg und Schwarte zu fahren, dann wird er auch vor dem wunden Hauptschwein
nicht kneifen, nicht vor dem torkelnden Hirsch oder dem schlagenden
Tier Reißaus nehmen, und dem sich stellenden Rehbock wird er ohne Umschweife
an die Drossel fahren. Deshalb sollten wir unseren Jagdteckel auch dann
die Arbeit im Bau bis zum Erfolg üben und überstehen lassen, wenn wir sie
später vor dem fertigen Hund nicht verlangen würden oder infolge mangelnder
Gelegenheit nicht verlangen können.
Wie kaum eine andere Veranlagung läßt sich die
Wesensfestigkeit, die „Schärfe", schon verhältnismäßig früh
beim jungen Teckel erkennen, so daß die meisten für den Jagdgebrauch
bestimmten Hunde allein nach diesem gezeigten Merkmal ausgewählt
werden. Zwar neige ich nicht dazu, nur nach seiner „Schärfe"
den guten vom schlechten Jagdhund zu unterscheiden, glaube aber, daß die Wesensfestigkeit eines Jagdteckels sein späteres jagdliches Können
wesentlich beeinflußt. Diese und der
Spurlaut, verbunden mit feinster Nase, sind die
Säulen, die seine Brauchbarkeit bestimmen.
Neben der grundsätzlichen Einarbeitung aller
Gebrauchsteckel im Bau zum Zweck ihrer Wesenserforschung besteht aber vermehrt
das Verlangen, aus dem Teckel einen speziellen Erdhund zu machen. Dem später
als Schweißhund oder als Stöberer gedachten Hund werden wir die Bauarbeit nur in einem
Quantum zukommen lassen, das gerade
ausreicht, um Schlüsse aus seinem Verhalten zu ziehen. Damit werden wir es bewenden lassen, um unserem Hund das Einschliefen
in die Baue nicht zur Gewohnheit werden zu lassen. Denn ein Schweißteckel,
der nach dem Schnallen gleich den erstbesten befahrenen Bau annimmt,
dürfte unseren Vorstellungen kaum
entsprechen. Ebenso wenig der Stöberer der
alle vorgefundenen Baue gründlich revidiert.
Hier werden wir uns also bescheiden müssen, obgleich es
Stimmen gibt, die von solchen Gefahren nichts wissen wollen und meinen, daß
der wirklich zu" verlässige Hund bei der angeordneten Arbeit zu
bleiben hat und auch von sich aus bei ihr verbleibt. Das wäre zu schön, aber
die gesunde Natur ist in der Regel doch
stärker als unser menschliches Verlangen. Zwar gebe ich zu, daß der passionierte
und routinierte Rotfährtenarbeiter, wenn geschnallt, den genannten Gefahren weniger ausgesetzt ist. Aber wer vermag schon in das Herz eines Teckels
zu schauen? Beim Stöberer ist dagegen die Gefahr des Zubaugehens immer
gegeben, denn dieser Hund ist nicht erfüllt von der Tätigkeit eines Schweißhundes
auf der Wundfährte, sondern befindet sich anhaltend im Suchen
von vorerst noch Unbekanntem. Er läßt sich also leicht ablenken, hat „viel Zeit",
um sich mit allen Dingen zu befassen, die seiner Nase, seiner Veranlagung und
auch seiner Erinnerung nach bedeutend erscheinen. Daß im Falle einer vom Teckel
selbständig vorgenommenen Bodenjagd die geplante andere Jagd ins Stocken
gerät, ist aber nur das kleinste Übel. Schlimmer ist es, daß wir unserem Hund,
von dessen Verbleib wir nichts wissen, nicht einmal helfen können, wenn er
in einem zerklüfteten Etagenbau, vielleicht noch dazu am Dachs, in ernsthafte
Not gerät. Deshalb genügt bei Teckeln, die sich später als Jagdhunde über
der Erde bewähren müssen, nach meiner Überzeugung vollauf die Einarbeitung im
Kunstbau. Bei den speziellen Bau- oder Erdhunden wird man dagegen anders denken
und handeln müssen, denn sie sind später ausgesprochene „Fachidioten"
und das nicht im abfälligen, sondern im höchst anerkennenden Sinne.
Die Ausübung der Bodenjagd ist im Hinblick auf die flächendeckende
Eindämmung der Tollwut, dieser für Menschen und Tiere
gleichermaßen gefährlichen Seuche, mittels Schluckimpfung der Füchse heute ohne
Bedenken auszuüben.
Abgesehen davon ist der Hund gegen Tollwut schutzgeimpft, was bei Jagdhunden
jährlich zu erfolgen hat, und zum anderen sind die enorm angestiegenen
Fuchsbesätze ein guter Grund, einige „Bremsen" im Sinne des Niederwildes
und anderer Arten, die ihm neben Mäusen und mehr als Beute dienen,
einzubauen. Dazu ist die Bodenjagd ein probates Mittel.
So sind wir endlich wieder in die Lage versetzt, guten
Gewissens der biologisch und hegerisch so wichtigen Bauarbeit nachgehen zu
können. Nachdem seit langem mit Recht erfolgten Verbot des
Tellereisens ist die Jagd mit dem Erdhund neben dem Ansitz am
Luderplatz die effektivste Bejagungsart, die wachsenden Fuchsbesätze in Grenzen
zu halten.
Um seinen vierläufigen Jagdhelfer hierfür einzuarbeiten,
bietet sich der Kunstbau in einer Schliefenanlage an. Hier hat der
Teckelführer die Möglichkeit, seinen Hund auf die Arbeit am Naturbau
vorzubereiten. Trotz des für uns Jäger häßlichen Wortes
„Kunst" hat diese von Menschenhand geschaffene Anlage den großen
Vorteil, daß hier ein Teckel auf Herz und Nieren geprüft werden kann. Im Naturbau sind die Möglichkeiten für eine umfassende Prüfung doch
sehr begrenzt, mindestens aber benötigt
man hier einen längeren Zeitraum, um die Leistungen eines Hundes entsprechend beurteilen zu können. In vielen Fällen
springt der Fuchs nämlich bereits,
wenn der Teckel gerade erst eingeschlieft ist, was nichts über die
Bodenjagdqualitäten eines Hundes aussagt. Über die Fähigkeiten
unserer Teckel aber können wir uns bestenfalls dann ein bestimmtes Bild machen,
wenn der Fuchs nicht springen will, also erst durch den nötigen Nachdruck
des Hundes dazu veranlaßt wird, den Bau zu verlassen. In einem Kunstbau
hingegen kann man die Vorliegearbeit des Hundes zweifelsfrei beurteilen, auch
wenn es nicht möglich ist, den Fuchs hier frei zu sprengen. Der Bau einer Schliefanlage
mit vorschriftsmäßigem und prüfungstüchtigem Kunstbau ist eine
recht kostspielige Sache. Für den normalen Teckelbesitzer würde sie allein schon
finanziell ein großes Opfer bedeuten, denn es müssen das Gelände sowie die
hochgesteckten tierschutzgerechten Haltungsbedingungen für die Schliefenfüchse
vorhanden sein. Dazu reichen beispielsweise die Möglichkeiten in einem
Vor- oder Kleingarten einer städtischen Wohnsiedlung aus unterschiedlichen Gründen nicht aus, weshalb die Teckelvereine hier gefragt sind.
Ein Teckel, der absolut nicht in den Bau will
solche gibt es , kann überirdische
Arbeiten durchaus zur Zufriedenheit ausüben. Ein junger Hund, der im Zwinger
oder Garten kennengelernt hat, daß vorhandene Rohre (Durchmesser 20
Zentimeter) spielerisch durchlaufen werden können, lernt so die Dunkelheit kennen
und „findet nichts dabei", wenn er auf dem Schliefplatz schliefen soll und
meistens will. Hat er gelernt, daß „unten" die Musik des Jagens spielt, schlieft
er freudig und was absolut
entscheidend für den Bauhund ist versucht
zu finden. Ein Bauhund, der nur künstliche Revierbaue und Durchlässe verläßlich
absucht und hier auch das Raubwild sprengt, ist nur ein „halber Erdhund".
Im Naturbau erst zeigt sich der Könner!
Wer für und mit seinem Teckel etwas tun will, der schließe
sich am besten einer der zahlreichen Gruppen des DTK oder des VJT an. Das hat nichts mit
der vielgeschmähten Vereinsmeierei zu tun,
sondern dient der Ertüchtigung unseres
Jagdgehilfen. Außerdem sollten alle Jäger, die sich diesem liebenswerten,
tüchtigen Jagdhund verschrieben haben, auch deshalb einem Zuchtverein angehören,
weil sie das natürliche und erwünschte Gegengewicht zu den jagdfernen
Ausstellungsleuten herstellen können!
Gerade für den Anfänger des Bodenjagdhundes ist der
Zusammenschluß Gleichgesinnter
fast zwingend, denn nicht nur die Anlage eines mustergültigen Kunstbaues stellt
den einzelnen vor Probleme, auch die Haltung des notwendigen Raubwildes.
Wie die ordentliche Einarbeitung des Teckels am Kunstbau
zu erfolgen hat, läßt sich mit Wort und Bild allerdings nur sehr
unvollkommen wiedergeben. Zwar wird der Ablauf der Arbeit in erster Linie von
der Veranlagung des Hundes und dem individuellen Verhalten des Raubwildes
bestimmt. Aber der Mensch als Handlanger ist dennoch sowohl am Erfolg
als auch am Misserfolg, mehr als er es selbst glauben mag, beteiligt.
Längst nicht alle Teckel sind hart genug für die Arbeit
unter der Erde und nehmen schon den ersten Schmiß für alle Zeiten übel.
Besonders bei noch jungen Hunden kann sich eine solche erste Enttäuschung
sehr ungünstig auf die weitere Arbeitsfreude auswirken. Gerade die anhänglichen, häufig mit
guten Qualitäten für alle anderen
Waldarbeitsfächer ausgestatteten Teckel benehmen sich im Kunstbau nicht
immer als wüste Haudegen, obwohl auch sie, bei entsprechend vorsichtigem
Anfangseinsatz, recht brauchbare Erdhunde werden können.
Die meisten Teckel werden jedoch nach sorgsamer
Einarbeitung bei der Baujagd brauchbare Leistungen bringen, wenn auch nicht
alle dabei die „Unterwelt" aus den Angeln heben werden. Der
Kunstbau kann zwar nur bedingt die rauhe Jagdpraxis ersetzen, ist aber eine
unverzichtbare Hilfe und Vorbereitung auf dem Einsatz im Naturbau.
Das
Raubwild hat bei der Kunstbauarbeit meist den Vorteil auf seiner Seite. Es hat
Erfahrungen aus zahlreichen Begegnungen mit den Bauhunden und wehrt
bei Attacken der Hunde meist mit stoischem Gleichmut ab, wohl wissend, daß
der Gitterschieber sie schützt.
Wer seinen Hund die Prüfung am Kunstbau bestehen lassen
will, muß vorher mit ihm entsprechend geübt haben. Selbst wenn man weiß,
daß er die nötige Schärfe mitbringt, die er also schon im Revier bewiesen
hat, wird man ohne Übung nicht auskommen, denn die Bauprüfung verlangt
mehr als nur die notwendige Schärfe. Darüber hinaus kann es vorkommen,
daß selbst scharfe Hunde, die zum ersten Mal vor dem Kunstbau stehen,
diesen, aus welchen Gründen auch immer, gar nicht annehmen, also nicht schliefen. Das
werden auch später in der Regel keine guten Erdhunde.
Selbst aus Elterntieren, die am Bau „Klasse" sind,
hat es schon Junghunde gegeben, die um nichts in der Welt dazu zu bewegen
waren „unter Tage" zu gehen. Sicher liegt dieses Manko
manchmal daran, daß der meist unerfahrene Führer Fehler machte, wie z. B.
das blödsinnige gewaltsame Hineinschieben des Junghundes
in die Röhre. Manchmal jedoch fehlt nur der Funke, der überspringen muß.
Hierzu fällt mir ein recht denkwürdiges Beispiel ein. „Gregor von Osterwede",
heute ein Spitzenhund unter der Erde, hat anfangs nicht die rechte Meinung,
was Bodenjagd anging. So ließ ich ihn manchmal mit seiner älteren Halbschwester
„Donna" einfach mitlaufen . Er machte an der Baueinfahrt einfach
kehrt. Dann wurde „Donna" läufig, und ich mußte die Teckel getrennt halten,
doch da kam mir eine etwas ungewöhnliche Idee: „Gregor" war ganz wild
auf die noch nicht stehende Hündin, und als sie einmal in einem befahrenen
Bau einschliefte, ließ ich ihn los. Wie der Teufel verschwand er, als habe er nie
etwas anderes getan, im Bau. Nach etwa zehn Minuten sprang der erste Fuchs,
beide Teckel beutelten den mit einem Schuß erlegten Rotrock und verschwanden
einmütig wieder unter der Erde. Kurz darauf sprang Reineke Nummer
zwei, erst gefolgt von dem Teckelrüden, dann von der Hündin, also war hier schon
„Schichtwechsel" zu beobachten. Erst nachdem auch in diesem Fuchs kein
Leben mehr steckte, besann sich „Gregor" auf seinen Fortpflanzungstrieb und
kümmerte sich wieder um „Donna". Jetzt sahen wir, daß der Rüde direkt am
Fuchs gewesen war, denn sein erster Schmiß zierte seine schwarze Nase. Dieser
Hangbau im Revier Travenhorst im Landkreis Segeberg heißt seitdem „Gregor-Bau"
und war der Beginn einer großen Bauteckelkarriere. Von diesem Tag an,
da bin ich sicher, hätte dieser Klasse-Teckel jede läufige Hündin solange
ignoriert, bis er sicher war, daß kein Fuchs mehr steckte. Dann allerdings mußte
man aufpassen.
Wenn auch ein Kunstbau niemals den Abmessungen und
Variationen eines Naturbaues
entsprechen wird, so hat es eine den Vorschriften entsprechende künstliche
Schliefanlage doch in sich. Grob betrachtet stellt das Röhrensystem eine
große Acht dar, der am unteren Ende noch eine „Einfahrt" von mindestens sechs
Metern Länge angehängt ist, die am ersten Kessel, dem Suchkessel, endet. Hier
wird das Raubwild vor Beginn der Arbeit, und für den Hund nicht zu berühren
eingeschlossen zwischen zwei Schiebern, eingesetzt. Ein weiterer Kessel,
der Zweigkessel, befindet sich in der „Einschnürung" der Acht und dann, am
Ende dieses Röhrengebildes, noch zwei weitere Kessel, die Endkessel als
Kreis-Kessel mit Deckschieber. Die gesamte Längsausdehnung dieses Systems beträgt
etwa zwanzig bis fünfundzwanzig Meter oder noch mehr. Eine andere Form
der Kunstbauanlage ist die U-Form, die über ähnliche Abmessungen und
Schwierigkeitsgrade verfügt wie die Acht-Form. Auch im Hinblick auf die
Breite, also den Durchmesser der Röhren, wird es dem Teckel nicht leicht gemacht,
denn sechzehn Zentimeter sind sehr wenig, und unsere schweren
Schläge müssen sich schon sehr dünn machen, um dem Fuchs zu folgen. Darüber
hinaus ist aber noch eine Rohrverengung von nur vierzehn Zentimetern
im Kunstbau eingebaut. Weitere Schwierigkeiten sind ein Fall- und ein Steigrohr.
Das Vorliegen und Verbellen des Hundes werden den abgeklärten Schliefenfuchs
nicht konfus machen, das kennt er zur Genüge und hat sich längst an den
Krach gewöhnt. Alles in allem ist der richtig angelegte Kunstbau keine Bagatelle,
und ein Hund, der seine Befähigung als Bauhund in der künstlichen
Anlage bewiesen hat, dürfte auch in der Praxis gut zu gebrauchen sein.
Zur
Ausbildung der Jagd im Naturbau werden die Wintermonate benutzt. In diese
Zeit fällt auch das Rollen oder Ranzen des Fuchses. Etwa nach Weihnachten
kann schon mit dem Rennen der ersten Fähen gerechnet werden. Die Hauptranz
der Rotröcke findet jedoch Ende Januar/Anfang Februar statt. Wie bei allen
Tieren ändert sich auch das Benehmen des Fuchses während der Begattungszeit.
Wenn es sonst keine festen, begründeten Regeln für das Zubaufahren
des Fuchses gibt, so steckt er jetzt verhältnismäßig viel in der Erde, und einer
einzigen Fähe folgen oft zwei und gelegentlich sogar drei Rüden in den Bau.
Im allgemeinen bedeutet das Vorhandensein mehrerer Füchse in einem Bau keine
erhöhte Gefahr für den Teckel, denn alle zusammen können und werden sich
ihm nicht zum Kampfe stellen. Dafür wäre der enge Fuchsbau gar nicht geeignet.
Außerdem versteht es der Fuchs als ausgesprochener Einzelgänger nicht, „im
Rudel" zu kämpfen. Meist springt der erste Fuchs unerwartet schnell, wenn sich
der Jäger über der Erde ruhig verhält und nicht im Wind steht. Erst nach dem
Schuß wird der nächstfolgende Fuchs vorsichtiger. Aber auch hier gibt es, wie
überall auf der Jagd, Ausnahmen. Oft habe ich mich beim Sprengen darüber gewundert,
wie schnell die Füchse kamen, obwohl die Jäger nicht daran dachten,
sich leise zu verhalten. Natürlich saß stets ein schneidiger Teckel dahinter, dessen
Anwesenheit den Füchsen anscheinend noch unsympathischer war als die
Unruhe über der Erde.
Bereits eine meiner ersten Baujagden, als ganz junger Jäger
durchgeführt, verlief trotz aller Unerfahrenheit so planvoll, daß mir damals das Füchse
sprengen als die leichteste Sache der Welt erschien, und ich konnte nicht
begreifen, was die Älteren für ein Palaver
um solches Kinderspiel machten. Erst später wurden auch mir die
Schwierigkeiten bewußt, mit denen man rechnen muß.
Aber am Anfang war alles ganz einfach. An einem der
ersten Tage im neuen Jahr verabredete ich mich mit einem ebenfalls blutjungen Jägerjüngling
zum Fuchssprengen. Der Onkel dieses jungen Mannes besaß einen ganzen
„Haufen" Rauhhaarteckel. Sie sollten solche sein, ausgesehen
haben sie nicht danach. Alle waren sie ganz hell dürrlaubfarben,
und ihr Haar war so weich und lang, daß man
kaum die Läufe erkennen konnte. Nach unseren heutigen Zuchtbegriffen stellten
sie ganz minderwertige Hunde dar. Aber das betraf nur ihr Äußeres, jagdlich
waren sie ganz große Klasse und taten viel zur Aufbesserung des Einkommens
ihres Besitzers. Ein guter Winterbalg des Fuchses brachte damals so um
die fünfunddreißig Mark. Das war viel Geld. Wäre der Preis heute noch angemessen,
würde mehr Mühe auf die wichtige Eindämmung der eskalierenden Population
dieses Kulturfolgers verwandt, denn er hat keine Probleme in unserer
teils ausgeräumten Kulturlandschaft. Im Gegensatz zu vielen seiner potentiellen
Beutetiere.
Auch bei uns Jungen spielte die Preiskenntnis der Fuchsbälge
eine große Rolle für unser Vorhaben. Also holten wir uns jeder so
ein Pelzknäuel von Teckel aus der Meute heraus und verfrachteten es in unsere
Rucksäcke. Fußhoch lag der Schnee, und die Wege waren weit. Aber damals wurde
ja noch tüchtig gelaufen, ohne daß man es merkte. Nach einer Stunde waren
wir am ersten Bau angelangt. Daß er gut befahren war, erkannten wir Grünschnäbel
auch ohne Zuhilfenahme eines Hundes. Kurze Beratung, dann wurde der erste Teckel
aus dem Rucksack befreit und schliefte sofort in die enge Röhre.
Erst als die Rutenspitze des Hundes in der Erde
verschwunden war, luden wir unsere Flinten. Das hätten wir früher tun sollen!
Noch ehe die Gewehre zugeklappt waren, sprang bereits bereits der erste
Fuchs. Wie ein roter Pfeil schoß er über den Schnee und
entschwand. Wir waren zutiefst erschrocken und warteten auf
den Teckel, der gleich auftauchen mußte. Statt dessen aber hörten wir seinen gedämpften
Laut. Nun waren wir damals schon soweit „aufgeklärt", daß wir um
die Bedeutung der Ranzzeit wußten, glaubten also, daß der Rüde gesprungen
wäre, die Fähe aber noch im Bau säße. Jetzt sollte der Teckel sein Können
zeigen.
Das tat er! Fast gleichzeitig drückten wir ab, und ein starker Fuchs überrollte
sich im Schnee. Wieder warteten wir auf den Teckel. Aber er kam immer noch
nicht. Jetzt war abermals sein Laut zu hören, und der im Rucksack eingesperrte
Hund fiel mit seinem Hals ein. Dieser oberirdische Krach gefiel uns zwar
nicht, aber wo sollten wir mit dem zweiten Teckel hin! Denn daß das gleichzeitige
Einschliefen von zwei Hunden in einen Bau für diese gefährlich werden
konnte, hatte man uns beigebracht. Wir ahnten, daß der im Schnee liegende Fuchs auch ein Rüde sein mußte, der noch im Bau steckende die Fähe.
Auch der dritte Fuchs kam, und wieder
fielen zwei fast gleichzeitig abgegebene Schüsse. Der Rotrock rutschte
verendet in den Schnee. Unsere Freude war unbeschreiblich. Da erschien auch schon der Teckel, schüttelte sich den
gelben Sand aus dem wuscheligen Fell,
eräugte dann die Füchse, rannte giftig darauf zu und beutelte erst den einen, dann den anderen gründlich.
Inzwischen hatten wir unsere Pfeifen in Gang gebracht,
zwar noch keine richtigen „Försterpfeifen", aber gut genug, um jungen Grünröcken
ein bißchen Jägerwürde zu verleihen. Während wir noch unsere kostbare Beute
begutachteten, machte sich der freie
Teckel nochmals in den Bau. Zwar glaubte ich nicht so recht,
daß da drinnen noch ein weiterer Bewohner sein könnte, aber mein Lehrlingskollege
flüsterte mir zu, daß der Teckel nicht wieder einschliefen würde,
wenn es umsonst wäre.
Also schnell die Flinten wieder geladen und Posten bezogen! Inzwischen rumorte
es da drinnen fürchterlich. Jetzt fraß jede Sekunde gierig an unseren Nerven,
das auf uns zuströmende Weidmannsheil schien unermesslich. So verging eine
lange, wohl sehr lange Zeit. Dieser Fuchs sprang allem Anschein nach nicht. Einmal
wischte der Teckel kurz aus dem Bau heraus, allerdings aus einer anderen,
abseitigen Röhre, die wir vorher gar nicht bemerkt hatten. So hielten wir den
mit rotem Sand überpuderten Teckel fast für einen Fuchs. Er schüttelte sich
eilig, machte dann kehrt und verschwand wieder in der Röhre. Unsere Erregung wurde
dadurch nicht geringer.
Dann polterte und rappelte es, und als der Fuchs aus der Röhre
fuhr, wurde erst einmal gründlich vorbeigeschossen. Aber zum Glück hatten auch
damals die Flinten schon zwei Läufe. Wir bekamen auch Fuchs
Nummer vier, das war endlich die Fähe. Als wir dann den Teckel wiederhatten, wußten wir, daß
auch in solchen einmaligen Stunden Grenzen
gesetzt sind. Drei Füchse hatten wir erlegt, vier hatten zugleich in einem Bau gesteckt!
Aber der Tag war noch nicht zu Ende. Wir wußten noch
einige Bauen, von denen man in dieser Jahreszeit etwas erwarten konnte.
So hingen wir die drei Füchse in einen astigen Randbaum und zogen weiter
zu einem ziemlich lückig stehenden Stangenholz. Schon von weitem lachten uns
die forsch ausgefahrenen gelben Sandhügel vor den Einfahrten des
Fuchsbaues aus seiner weißen Umgebung heraus entgegen. Die Teckel wurden
ausgetauscht, und jagdeifrig schliefte der ausgeruhte Hund zu Bau. In unserer
goldenen Stimmung erwarteten wir ähnliches
wie am Bau zuvor. Tatsächlich, kaum standen wir richtig, hörten wir schon
den Laut des Teckels. Die Flinten wanderten vorsichtig in Voranschlag,
gerade noch rechtzeitig genug, um den springenden Fuchs viermal
vorbeizuschießen. Sofort war der
Teckel da, machte „ein dummes Gesicht", als er keinen Erfolg bemerkte,
und schliefte gleich wieder ein. Natürlich steckte noch
ein Fuchs, den bekamen wir dann. Nun hatten wir vier Füchse, die wir uns redlich
teilten. Daß wir am Nachmittag gemeinsam noch einen fünften erlegten, wer
glaubt es uns?
Jagddusel
fragt nicht nach Alter und Erfahrung. Aber so leicht kann man auf der
Jagd gelegentlich „reich" werden. Später habe ich wieder umlernen müssen,
weil der Anfangserfolg ein Zufallserfolg war, den man noch nachträglich durch mannigfache
Enttäuschungen bezahlen mußte. Immerhin aber war ein guter Grundstein gelegt
zu der Erkenntnis, daß der gute Hund die Jagd erst vollkommen werden läßt.
An dieser Stelle muß einmal die Frage aufgeworfen werden,
ob der berüchtigte rabiatscharfe Teckel einem zwar auch „am Feind
bleibenden", aber „quecksilbrigen" und nicht zum „Würger um jeden
Preis" veranlagten vorzuziehen ist. Im Grunde genommen liegt die
Wahrheit in der Mitte. Ohne Schärfe geht es nicht, aber „dosiert" muß
sie sein. Das heißt, sie sollte nicht blindwütig und kopflos
vom Hund eingesetzt werden. Derjenige Teckel eignet sich am besten für
die Bodenjagd, der ohne auch nur einen Moment sein Ziel aus den Augen zu verlieren,
„mit nachhaltigem Druck taktiert", um den Fuchs zum Springen zu bringen.
Beständiges Lautgeben am Wild mit gelegentlichen Faßversuchen, wenn
der Rote den Bau nicht räumen will, sind die Lösung. Taucht der Teckel hin
und wieder zwischendurch vorm Bau auf, um sich davon zu überzeugen, daß
sein Herr und Meister noch dort ist, oder um die Röhren aus taktischen
Gründen zu wechseln, ist das nicht nachteilig zu bewerten. Blinde Schärfe hingegen
hat nicht selten zur Folge, daß ein Fuchs unter der Erde abgetan wird, und dann
kommt es zur unnötigen zeitaufwendigen und oft bauzerstörenden Graberei.
Dann werden viele teilnehmende Jäger ungeduldig, schimpfen auf die Baujagd
generell und sagen: „Nächstes Mal ohne mich!" Das passiert einem nicht
mit einem Teckel, den man aufgrund seiner Führigkeit und seines Kontakts
zum Führer zumindest nach gewisser Vorliegezeit aus dem Bau vom Raubwild
abzurufen in der Lage ist. Aber Schärfe muß vorhanden sein, denn sie ist ebenso
wie der Spurlaut des Teckels ein Geschenk, das man erhält oder nicht erhält.
Deshalb ist jeder Streit um dieses Problem nutzlos. Der Bodenjäger Rudolf Fries
formulierte das ungefähr so: „Ohne gezielte Schärfe des Bauhundes bleibt es
mehr oder weniger dem Zufall überlassen, ob ein Fuchs springt, denn allein durch Baukläfferei ist Reineke nur selten dazu zu bewegen, seine Burg zu
verlassen. Zumal dann nicht, wenn er mitbekommen hat, daß beispielsweise draußen
ein fröstelnder Jäger versucht, sich durch irgendwelche Bewegung aufzuwärmen.
Andererseits ist der Fuchs von Natur aus ein ,Flieger', und man bejagt
ihn am erfolgversprechendsten mit einem Hund, der ihn unsicher macht, der
also ebenfalls ein Flieger ist. Vielleicht will der Rote ja springen, das kann
er aber nur schwerlich, wenn der Hund
durch stures Vorliegen in der engen Endröhre über längere Zeit den Weg
nach draußen versperrt. Wie oft kann man erleben,
daß Reineke in dem Moment, in dem der Hund einmal kurz den Bau verlassen
hat, plötzlich springt, da nun der Weg nach draußen für ihn frei war. Der
Dachs hingegen ist ein „Steher", der auch mit einem Steher von Hund
gearbeitet werden kann, weil man ihn nur durch einen Einschlag
erreichen kann, dessen Lage durch den konstanten Vorliegelaut des Hundes bestimmt
wird."
Die Ansicht, daß ein Teckel, der erlegtem Raubwild mit
viel Getöse an den Balg geht, auch „Schärfe" am lebenden
Raubwild hat, ist ein oft verbreiteter Irrtum. Häufig aber tun sie beides, manchmal aber auch
nicht.
Womit wir beim Thema„ Einschlag" wären. Zum
Spaten greifen sollte der Bodenjäger erst dann, wenn der vorliegende Hund den
Fuchs, der aus einem beliebigen Grund nicht springen will, zum Verklüften veranlaßt, der Hund
sich selbst verklüftet hat, oder aus einem
anderen Grund auf die Hilfe seines Meuteführers angewiesen ist. Allzu
oft wird ein Bau, der einmal gegraben wurde, für das Raubwild für lange Zeit
unwohnlich. Es soll in diesem Zusammenhang allerdings
nicht verschwiegen werden, daß es auch Bauanlagen gibt, die schon manchen
Spatenschlag gehört haben und immer wieder angenommen werden. Aber
das sind die Ausnahmen. Es sind in der Regel übrigens nicht die ausgesprochenen
Rabauken unter den Teckeln, die mit solchen Situationen nicht selbst
fertig werden, sondern die weichen, vorsichtigen Hunde. Ein Hund aber, der
nicht wieder ans Tageslicht zurückfindet, weil er mit den Tücken des Baues nicht
fertig wird, ist für die Bodenjagd ebenso wenig geeignet wie einer der manchmal
anzutreffenden „Baukläffer", bei dem es nur oder bestenfalls für den künstlichen
Revierbau reicht.
Daher wird die Bodenjagd in einem Revier mit Felsbauen, in
die kein Hineinkommen mit Hacke und Spaten möglich ist, oft zu einer
Gewissensfrage für den Jäger, der natürlich seinen Hund nicht gefährden,
geschweige denn verlieren möchte. Nur muß man hier gewisse Unterschiede beim
Einsatz des Teckels als Erdhund gelten lassen. Jäger, die mit jeder Faser
ihres Herzens an der Bodenjagd hängen, werden an ihren Hund ungleich höhere Ansprüche
bei der Bauarbeit stellen als solche, die ihren Teckel hauptsächlich für
Aufgaben über der Erde herangebildet haben. Der Schweißteckelmann z. B.
muß in Kauf nehmen, daß sein Hund von wehrhaftem, krankhaftem Wild bei Nachsuchungen geschlagen wird.
Er wird es hinnehmen müssen, weil es zu seinem Handwerk gehört. Dennoch
wird er bei gelegentlichen Bauarbeiten alles ausschließen, was seinem Hund
zum Verhängnis werden könnte. Sollte es dennoch einmal daneben gehen, dann
wird er künftig seine Hunde nicht oder nur noch in seltenen Ausnahmefällen
schliefen lassen. In den Stammrevieren, in denen ich Winter für Winter an den
Bauen arbeite, gibt es einige Pächter, die selbst Gebrauchsteckel führen, aber
niemals auf die Idee kämen, diese für die Baujagd einzusetzen. Und wenn, dann
in künstlichen Revierbauen, wo fast nie mit Dachs gerechnet werden muß. Erfahrene
Erdteckel meiden den Hausherrn oder ignorieren Meister Grimbart. Und
es ist nun einmal Tatsache: Die Wahrscheinlichkeit, daß Füchse im Dachsbau
und nicht anderswo stecken,
ist am größten. Abgesehen davon, daß Rotröcke
hier in der Regel schneller springen, denn bevor sie sich „nach unten"
zum Dachs drücken lassen, geben sie
lieber Fersengeld.
Anders dagegen der Baujäger. Er tut es immer wieder,
obwohl er um alle Gefahren weiß und ein Meister ist im Hinblick auf
das „Ansprechen" eines schwierigen oder simplen Baues. Damit
aber ist sein Verhältnis zu seinem Hund nicht weniger gut oder herzlich,
es ist nur ein anderes, auch im Anbetracht auf die Auswahl seines
vierläufigen Jagdhelfers. Denn wozu braucht ein Hund, der sein Leben lang den
Kampf mit dem Raubwild unter der Erde zu bestehen hat, den Spurlaut und die
feinste Nase? Hier hat beides nur züchterischen Wert. Aber das andere muß da sein: der Wille zum Kämpfen,
die Ausdauer, die Nervenfestigkeit und vor allen Dingen der Biß, unter
der Erde unter schwierigen Bedingungen finden und arbeiten
zu wollen. Erstaunlich ist, wie ein Teckel es wegsteckt, wenn er einmal geschlagen
wird, weil seine Passion am Raubwild stärker ist als die Ungemach eines „Schmisses".
Ein Bauhund hat das härteste Los unter den Jagdhunden zugeteilt erhalten,
aber mit seiner Erfahrung wächst sein Können, und in Zusammenarbeit mit
seinem Führer steigert er sich zu großen Leistungen, die er nicht bringen würde,
hätte er nicht „Freude an seiner Aufgabe". Ich erlebe es Jahr für Jahr,
daß zu Beginn der Bodenjagdsaison, ohne daß später ihre Passion nachläßt,
die Teckel häufiger einmal geschlagen werden als am Ende der Einsätze.
In den letzten Tagen kann man beim Nachhausekommen fast immer guten
Gewissens die allabendliche Frage der Ehefrau: „Sind die Hunde in
Ordnung?" bejahen. Dann nämlich sind sie eingejagt und im wahrsten Sinne
des Wortes„ schlauer als ein Fuchs", dann sind sie
mit allen Wassern gewaschene Profis.
Der gute Jäger weiß das und erkennt nicht nur den
materiellen Wert eines erfahrenen Bauhundes. Ich kannte einen Kollegen,
dessen Hund unter der Erde geblieben ist. Ich war dabei, als es geschah. Aber
ich habe auch erlebt, wie dieser tottraurige Jäger seinen
Hund suchte, sich tagelang vergebens abmühte, einen Granitfelsen zu
durchlöchern. Er aß kaum etwas und schlief nicht mehr. Was
dieser Jäger um seinen Hund gelitten hat, weiß nur der zu ermessen, dem ähnliches
wiederfahren ist.
Die
Mehrzahl der Bodenjäger, auch solcher, die über Jahrzehnte intensiv an den
Bauen Winter für Winter arbeiten, haben noch nie einen Hund verloren, weil
sie Felsenbaue meiden und die Teckel aufgrund ihrer Erfahrung in der Lage sind,
sich gar nicht erst in Gefahr zu begeben. Teckeln mit übertriebener Schärfe ist
es in dem Moment gleichgültig, ob hinter ihnen die Röhre droht zusammenzubrechen,
denn hitzig drängt es ihn nur ans Raubwild. Der erfahrenere mit der dosierten
Schärfe behält in solchen Fällen eher einen klaren Kopf und weiß sich zu
helfen, bevor sich hinter ihm Sandberge auftürmen.
Bauarbeit ist gerechte Jagd, aber Bauarbeit selbst muß
auch „gerecht" sein. Natürlich ist es am reizvollsten, im
schneeverhangenen Revier dem Winterfuchs mit dem Teckel nachzustellen, aber vielerorts sind
die Jäger gezwungen, auch während der Geheckzeit mit den Teckeln an die
Baue zu gehen, um die Zahl der vielen Jungfüchse zu
reduzieren, die keine Tollwut mehr reduziert. Selbstverständlich
ist, daß hierbei die zur Versorgung des Gehecks notwendigen Altfüchse von
jedweder Bejagung zu verschonen sind, solange auch nur ein Welpe da ist. Man mag
kontrovers über den Einfluß des Fuchses beispielsweise auf viele Niederwildarten
streiten, eines jedoch steht außer Zweifel, nämlich die Tatsache, daß schwerpunktmäßig
in der Aufzuchtzeit des Gehecks sowie in der Notzeit im Winter die Rotröcke
nicht nur die Hasenbesätze zehnten. Und genau zu diesen beiden Zeiten zieht der
passionierte Bodenjäger mit seinen Teckeln hinaus, nicht nur, um ein
wenig Ausgleich in der Natur zu schaffen, sondern auch, weil die Bodenjagd mit
dem Teckel unglaublich reizvoll ist. Im Winter natürlich mehr als im Sommer.
Die Bodenjagd ist keine Jagdart, bei der man
Massenstrecken erzielen kann. Aus den Statistiken erfahrener Bodenjäger geht
hervor, daß vier erlegte Füchse eine überdurchschnittliche
Tagesstrecke darstellen. Natürlich gibt es auch Tage, an
denen der müde Jäger mit seinen müden Teckeln ohne Beute nach Hause kommt,
aber eben so gut ist es möglich, unter günstigen Umständen auch einmal sieben
oder acht Winterfüchse an einem Tag zu erbeuten. Ein weiterer Wert der
Ein Wort noch zu den heute erhältlichen Bauhundsendern
oder auch zu Ortungsgeräten, wie sie normalerweise zum Aufspüren
unterirdischer Leitungsschäden benutzt werden. Mit ihnen ist das
Auffinden des vierläufigen Jagdgefährten, für den Fall, daß er
wirklich im Bau einmal festsitzt, kein großes Problem mehr. Diese Geräte
sind im einschlägigen Handel erhältlich.
Auch darf zum Thema Bodenjagd ein weiterer, aktueller
Gesichtspunkt nicht außer acht gelassen werden, nämlich der, daß der Befall durch den
Fuchsbandwurm (Echinoccocus multilokulares)
bei den Füchsen dramatisch zugenommen hat. Nach neuesten Studien sterben viel
mehr Menschen heutzutage an den Folgen der Echinoccose als an Tollwut. Diese
Zahlen zeigen deutlich zunehmende Tendenz.
Deshalb ist es geboten, daß der aktive Bodenjäger seine vierläufigen Jagdhelfer
lieber einmal mehr als einmal zu wenig einer Wurmkur unterzieht. Die Fuchsräude,
ebenfalls sicher unter anderem begünstigt durch ständig weiter
steigende Fuchsbesätze, kann bei rechtzeitigem Erkennen dem Menschen zwar nicht
in dem Sinne gefährlich werden, aber für den Hund, der sich infiziert,
eine arge Last bedeuten.
Die eigentliche Baujagdsaison beginnt normalerweise um
Hubertus, weil dann der Balg der Füchse reif ist, und sie endet Ende
Februar, Anfang März. Leider hat sich trotz aller Mahnungen der jagdlichen
Organisationen noch immer keine flächendeckende Bejagung der Rotröcke
verwirklichen lassen, was vielerorts am mangelnden Interesse
der Revierinhaber liegt, deren jagdliche Perspektiven sich ausschließlich auf
das Schalenwild konzentrieren und mit Phrasen: „Ein Fuchs frisst kein Rotwild" ihre
mangelnden Aktivitäten entschuldigen.
Auch gibt es nicht wenige Forstbeamte, die in der
Fuchsbejagung einen Anachronismus sehen, weil sie meinen, sie brauchen die Füchse zur Mäusetilgung.
Oder, wie ein junger Forstbeamter sagte:
„Ich schieße in meinem Waldrevier keine
Füchse, denn die halten mir die Hasen kurz, die mehr Verbiß verursachen, als
man glaubt".
Die
meisten Erdhunde werden, wenn überhaupt, vom Dachs, der ebenfalls
stetig zunimmt, geschlagen. Das aus zweierlei Gründen: Nur ganz selten ist der
Dachs zu bewegen, vor dem scharf angreifenden Hund zu springen. Zum anderen
aber ist seine Verteidigung eine andere, gefährlicher als beim Fuchs. Wenn man
auch weiß, wie verhältnismäßig unbeholfen und langsam sich der Dachs im
Revier bewegt, so sollte man deshalb nicht annehmen, daß ihm dieses Phlegma
auch im Bau eigen ist. Seine Hauptwaffen im Kampf sind das dem Teckel
immer überlegene Gebiß und seine „Grabschaufeln", mit denen er in kürzester
Zeit Steine und Erde aufzutürmen vermag, um entweder den vorliegenden
Hund von sich abzuhalten oder aber diesen in einer Endröhre festzusetzen, zu
verklüften. Auch die Tatsache, daß der Dachs an Oberfläche und Seiten kaum vom
Hund ernsthaft zu packen ist, gehört zu seiner Kampfüberlegenheit. Sie läßt
sich aber nicht immer vermeiden, denn Reineke bevorzugt die „wohnlichen"
Erdburgen von Grimbart und ist hier häufig anzutreffen.
Es gibt heute Reviere, in denen es kaum einen
ausgesprochenen Fuchsbau mehr gibt, weil der sich ebenfalls ausbreitende Dachs
bereits ehemalige Fuchsbaue ausgebaut hat. Wenn die Dachsfähe
wölft und
das kann schon im Februar sein ,
wirft sie die jungen Vorjahrsrüden raus, die sich dann in irgendwelchen Fuchsbauen
Notunterkunft suchen und den Bodenjäger in Überraschung versetzen, weil
die typischen Dachszeichen wie Dachsrinne und sogenannte „Dachsklos" noch
nicht offenkundig sind. Häufig glaubt man dann, daß der Teckel mit dem Fuchs
rauft und wundert sich darüber, daß er den vermeintlichen Roten nicht wie sonst
sprengt. Aus dieser Unwissenheit heraus wird oft ein u.U. folgenschwerer Fehler
begangen: Der Teckel wird angerüdet und das auf eine Art, die man ihm gerade
mühselig „abgewöhnt" hat. Dann versteht der Erdhund die Welt nicht
mehr, was Folgen für seine gesamte
Art am Bau zu arbeiten haben kann.
Im schlimmsten Fall wird der Teckel dann entweder in
Zukunft wieder den Dachs suchen und arbeiten oder aber das
„Blinken" anfangen, d. h. auch den Fuchs ignorieren; zumindest, wenn er
ihm weit „nachsteigen" muß unter der Erde. Der Dachs ist bei den
bestehenden Jagd- und Schonzeiten eh für den Jäger im
Winter tabu.
Nicht selten kommt es vor, daß der Bodenjagdteckel auch
auf Karnickel stößt. Dann ist guter Rat teuer, denn in der Regel üben
die grauen Flitzer großen Reiz auf den Hund aus, was zur Folge hat, daß der Teckel ihnen
„nachbuddelt". Das kann Zeit kosten.
Ich habe Hunde erlebt, die den Dachs meiden, aber am Kanin alle gute Erziehung
vergessen. Es sei denn, man will Kaninchen sprengen.
Trotz gewisser Beschränkungen, die sich der Bodenjäger
auferlegen sollte, bleibt die Baujagd ein Weidwerk, das ein Jägerleben ganz
ausfüllen kann.
Auch die vielerorts auf den Feldern zu findenden Rundballen aus Stroh sowie Rohrdurchlässe in der Feldmark und natürlich vom Jäger angelegte Kunstbaue lohnen die Kontrolle mit dem Teckel.