Hans Lux     Rolf  Kröger

 

Auszüge aus dem Buch „ Der Jagdteckel“ erschienen im Verlag Paul Parey.

  

    Der Teckel als Erdhund

   

Wenn auch dem Teckel beileibe nicht immer zu Recht die Raubwildarbeit unter der Erde als seine primäre Aufgabe zugeschrieben wird, so bleibt es dennoch unbestritten, daß er sie vorzüglich zu meistern weiß. Seine Fähigkeit, auch im Bau zu jagen, erhöht außerdem seine vielseitige Brauchbarkeit wesentlich. Obwohl ein Teckel, der nichts anderes gelernt hat, als den Fuchs zu sprengen und mit dem Dachs zu raufen, ein ganzer Kerl, ein gewaltiger Kämpfer sein mag, erfüllt er die Vorstellung von einem universellen Jagdteckel nur bedingt. Allerdings ist die Arbeit an Raubwild, noch dazu unter der Erde, also praktisch bei Dunkelheit und ohne Anlehnung an den Menschen, so ziemlich die beste Möglichkeit, die Wesensfestigkeit unseres Hundes festzustellen und zu verbessern. Denn ein Teckel, der im Bau feige ist, wird auch bei anderen jagdlichen Tätig­keiten im hellen Tageslicht feige sein. Hat er genug Schneid, um Fuchs und Dachs in Balg und Schwarte zu fahren, dann wird er auch vor dem wunden Hauptschwein nicht kneifen, nicht vor dem torkelnden Hirsch oder dem schlagenden Tier Reißaus nehmen, und dem sich stellenden Rehbock wird er ohne Umschweife an die Drossel fahren. Deshalb sollten wir unseren Jagdteckel auch dann die Arbeit im Bau bis zum Erfolg üben und überstehen lassen, wenn wir sie später vor dem fertigen Hund nicht verlangen würden oder infolge mangelnder Gelegenheit nicht verlangen können.

Wie kaum eine andere Veranlagung läßt sich die Wesensfestigkeit, die „Schärfe", schon verhältnismäßig früh beim jungen Teckel erkennen, so daß die meisten für den Jagdgebrauch bestimmten Hunde allein nach diesem gezeigten Merkmal ausgewählt werden. Zwar neige ich nicht dazu, nur nach seiner „Schärfe" den guten vom schlechten Jagdhund zu unterscheiden, glaube aber, daß die Wesensfestigkeit eines Jagdteckels sein späteres jagdliches Können wesentlich beeinflußt. Diese und der Spurlaut, verbunden mit feinster Nase, sind die Säulen, die seine Brauchbarkeit bestimmen.

Neben der grundsätzlichen Einarbeitung aller Gebrauchsteckel im Bau zum Zweck ihrer Wesenserforschung besteht aber vermehrt das Verlangen, aus dem Teckel einen speziellen Erdhund zu machen. Dem später als Schweißhund oder als Stöberer gedachten Hund werden wir die Bauarbeit nur in einem Quantum zukommen lassen, das gerade ausreicht, um Schlüsse aus seinem Verhalten zu ziehen. Damit werden wir es bewenden lassen, um unserem Hund das Einschliefen in die Baue nicht zur Gewohnheit werden zu lassen. Denn ein Schweißteckel, der nach dem Schnallen gleich den erstbesten befahrenen Bau annimmt, dürfte unseren Vorstellungen kaum entsprechen. Ebenso wenig der Stöberer der alle vorgefundenen Baue gründlich revidiert.

Hier werden wir uns also bescheiden müssen, obgleich es Stimmen gibt, die von solchen Gefahren nichts wissen wollen und meinen, daß der wirklich zu" verlässige Hund bei der angeordneten Arbeit zu bleiben hat und auch von sich aus bei ihr verbleibt. Das wäre zu schön, aber die gesunde Natur ist in der  Regel doch stärker als unser menschliches Verlangen. Zwar gebe ich zu, daß der passionierte und routinierte Rotfährtenarbeiter, wenn geschnallt, den genannten Gefahren weniger ausgesetzt ist. Aber wer vermag schon in das Herz eines Teckels zu schauen? Beim Stöberer ist dagegen die Gefahr des Zubaugehens immer gegeben, denn dieser Hund ist nicht erfüllt von der Tätigkeit eines Schweißhundes auf der Wundfährte, sondern befindet sich anhaltend im Suchen von vorerst noch Unbekanntem. Er läßt sich also leicht ablenken, hat „viel Zeit", um sich mit allen Dingen zu befassen, die seiner Nase, seiner Veranlagung und auch seiner Erinnerung nach bedeutend erscheinen. Daß im Falle einer vom Teckel selbständig vorgenommenen Bodenjagd die geplante andere Jagd ins Stocken gerät, ist aber nur das kleinste Übel. Schlimmer ist es, daß wir unserem Hund, von dessen Verbleib wir nichts wissen, nicht einmal helfen können, wenn er in einem zerklüfteten Etagenbau, vielleicht noch dazu am Dachs, in ernsthafte Not gerät. Deshalb genügt bei Teckeln, die sich später als Jagdhunde über der Erde bewähren müssen, nach meiner Überzeugung vollauf die Einarbeitung im Kunstbau. Bei den speziellen Bau- oder Erdhunden wird man dagegen anders denken und handeln müssen, denn sie sind später ausgesprochene „Fachidioten" und das nicht im abfälligen, sondern im höchst anerkennenden Sinne.

Die Ausübung der Bodenjagd ist im Hinblick auf die flächendeckende Eindämmung der Tollwut, dieser für Menschen und Tiere gleichermaßen gefährlichen Seuche, mittels Schluckimpfung der Füchse heute ohne Bedenken auszuüben. Abgesehen davon ist der Hund gegen Tollwut schutzgeimpft, was bei Jagdhunden jährlich zu erfolgen hat, und zum anderen sind die enorm angestiegenen Fuchsbesätze ein guter Grund, einige „Bremsen" im Sinne des Niederwildes und anderer Arten, die ihm neben Mäusen und mehr als Beute dienen, einzubauen. Dazu ist die Bodenjagd ein probates Mittel.

So sind wir endlich wieder in die Lage versetzt, guten Gewissens der biologisch und hegerisch so wichtigen Bauarbeit nachgehen zu können. Nachdem seit langem mit Recht erfolgten Verbot des Tellereisens ist die Jagd mit dem Erd­hund neben dem Ansitz am Luderplatz die effektivste Bejagungsart, die wachsenden Fuchsbesätze in Grenzen zu halten.

Um seinen vierläufigen Jagdhelfer hierfür einzuarbeiten, bietet sich der Kunstbau in einer Schliefenanlage an. Hier hat der Teckelführer die Möglichkeit, seinen Hund auf die Arbeit am Naturbau vorzubereiten. Trotz des für uns Jäger häßlichen Wortes „Kunst" hat diese von Menschenhand geschaffene Anlage den großen Vorteil, daß hier ein Teckel auf Herz und Nieren geprüft werden kann. Im Naturbau sind die Möglichkeiten für eine umfassende Prüfung doch sehr begrenzt, mindestens aber benötigt man hier einen längeren Zeitraum, um die Leistungen eines Hundes entsprechend beurteilen zu können. In vielen Fällen springt der Fuchs nämlich bereits, wenn der Teckel gerade erst eingeschlieft ist, was nichts über die Bodenjagdqualitäten eines Hundes aussagt. Über die Fähigkeiten unserer Teckel aber können wir uns bestenfalls dann ein bestimmtes Bild machen, wenn der Fuchs nicht springen will, also erst durch den nötigen Nachdruck des Hundes dazu veranlaßt wird, den Bau zu verlassen. In einem Kunstbau hingegen kann man die Vorliegearbeit des Hundes zweifelsfrei beurteilen, auch wenn es nicht möglich ist, den Fuchs hier frei zu sprengen. Der Bau einer Schliefanlage mit vorschriftsmäßigem und prüfungstüchtigem Kunstbau ist eine recht kostspielige Sache. Für den normalen Teckelbesitzer würde sie allein schon finanziell ein großes Opfer bedeuten, denn es müssen das Gelände sowie die hochgesteckten tierschutzgerechten Haltungsbedingungen für die Schliefenfüchse vorhanden sein. Dazu reichen beispielsweise die Möglichkeiten in einem Vor- oder Kleingarten einer städtischen Wohnsiedlung aus unterschiedlichen Gründen nicht aus, weshalb die Teckelvereine hier gefragt sind.

Ein Teckel, der absolut nicht in den Bau will  solche gibt es , kann überirdische Arbeiten durchaus zur Zufriedenheit ausüben. Ein junger Hund, der im Zwinger oder Garten kennengelernt hat, daß vorhandene Rohre (Durchmesser 20 Zentimeter) spielerisch durchlaufen werden können, lernt so die Dunkelheit kennen und „findet nichts dabei", wenn er auf dem Schliefplatz schliefen soll und meistens will. Hat er gelernt, daß „unten" die Musik des Jagens spielt, schlieft er freudig und  was absolut entscheidend für den Bauhund ist  versucht zu finden. Ein Bauhund, der nur künstliche Revierbaue und Durchlässe verläßlich absucht und hier auch das Raubwild sprengt, ist nur ein „halber Erdhund". Im Naturbau erst zeigt sich der Könner!

Wer für und mit seinem Teckel etwas tun will, der schließe sich am besten einer der zahlreichen Gruppen des DTK oder des VJT an. Das hat nichts mit der vielgeschmähten Vereinsmeierei zu tun, sondern dient der Ertüchtigung unseres Jagdgehilfen. Außerdem sollten alle Jäger, die sich diesem liebenswerten, tüchtigen Jagdhund verschrieben haben, auch deshalb einem Zuchtverein angehören, weil sie das natürliche und erwünschte Gegengewicht zu den jagdfernen Ausstellungsleuten herstellen können!

Gerade für den Anfänger des Bodenjagdhundes ist der Zusammenschluß Gleichgesinnter fast zwingend, denn nicht nur die Anlage eines mustergültigen Kunstbaues stellt den einzelnen vor Probleme, auch die Haltung des notwendigen Raubwildes.

Wie die ordentliche Einarbeitung des Teckels am Kunstbau zu erfolgen hat, läßt sich mit Wort und Bild allerdings nur sehr unvollkommen wiedergeben. Zwar wird der Ablauf der Arbeit in erster Linie von der Veranlagung des Hundes und dem individuellen Verhalten des Raubwildes bestimmt. Aber der Mensch als Handlanger ist dennoch sowohl am Erfolg als auch am Misserfolg, mehr als er es selbst glauben mag, beteiligt.

Längst nicht alle Teckel sind hart genug für die Arbeit unter der Erde und nehmen schon den ersten Schmiß für alle Zeiten übel. Besonders bei noch jungen Hunden kann sich eine solche erste Enttäuschung sehr ungünstig auf die wei­tere Arbeitsfreude auswirken. Gerade die anhänglichen, häufig mit guten Qualitäten für alle anderen Waldarbeitsfächer ausgestatteten Teckel benehmen sich im Kunstbau nicht immer als wüste Haudegen, obwohl auch sie, bei entsprechend vorsichtigem Anfangseinsatz, recht brauchbare Erdhunde werden können.

Die meisten Teckel werden jedoch nach sorgsamer Einarbeitung bei der Baujagd brauchbare Leistungen bringen, wenn auch nicht alle dabei die „Unterwelt" aus den Angeln heben werden. Der Kunstbau kann zwar nur bedingt die rauhe Jagdpraxis ersetzen, ist aber eine unverzichtbare Hilfe und Vorbereitung auf dem Einsatz im Naturbau.

Das Raubwild hat bei der Kunstbauarbeit meist den Vorteil auf seiner Seite. Es hat Erfahrungen aus zahlreichen Begegnungen mit den Bauhunden und wehrt bei Attacken der Hunde meist mit stoischem Gleichmut ab, wohl wissend, daß der Gitterschieber sie schützt.

Wer seinen Hund die Prüfung am Kunstbau bestehen lassen will, muß vorher mit ihm entsprechend geübt haben. Selbst wenn man weiß, daß er die nötige Schärfe mitbringt, die er also schon im Revier bewiesen hat, wird man ohne Übung nicht auskommen, denn die Bauprüfung verlangt mehr als nur die notwendige Schärfe. Darüber hinaus kann es vorkommen, daß selbst scharfe Hunde, die zum ersten Mal vor dem Kunstbau stehen, diesen, aus welchen Gründen auch immer, gar nicht annehmen, also nicht schliefen. Das werden auch später in der Regel keine guten Erdhunde.

Selbst aus Elterntieren, die am Bau „Klasse" sind, hat es schon Junghunde gegeben, die um nichts in der Welt dazu zu bewegen waren „unter Tage" zu gehen. Sicher liegt dieses Manko manchmal daran, daß der meist unerfahrene Führer Fehler machte, wie z. B. das blödsinnige gewaltsame Hineinschieben des Jung­hundes in die Röhre. Manchmal jedoch fehlt nur der Funke, der überspringen muß. Hierzu fällt mir ein recht denkwürdiges Beispiel ein. „Gregor von Osterwede", heute ein Spitzenhund unter der Erde, hat anfangs nicht die rechte Mei­nung, was Bodenjagd anging. So ließ ich ihn manchmal mit seiner älteren Halb­schwester „Donna" einfach mitlaufen . Er machte an der Baueinfahrt einfach kehrt. Dann wurde „Donna" läufig, und ich mußte die Teckel getrennt halten, doch da kam mir eine etwas ungewöhnliche Idee: „Gregor" war ganz wild auf die noch nicht stehende Hündin, und als sie einmal in einem befahrenen Bau einschliefte, ließ ich ihn los. Wie der Teufel verschwand er, als habe er nie etwas anderes getan, im Bau. Nach etwa zehn Minuten sprang der erste Fuchs, beide Teckel beutelten den mit einem Schuß erlegten Rotrock und verschwanden einmütig wieder unter der Erde. Kurz darauf sprang Reineke Nummer zwei, erst gefolgt von dem Teckelrüden, dann von der Hündin, also war hier schon „Schichtwechsel" zu beobachten. Erst nachdem auch in diesem Fuchs kein Leben mehr steckte, besann sich „Gregor" auf seinen Fortpflanzungstrieb und kümmerte sich wieder um „Donna". Jetzt sahen wir, daß der Rüde direkt am Fuchs gewesen war, denn sein erster Schmiß zierte seine schwarze Nase. Dieser Hangbau im Revier Travenhorst im Landkreis Segeberg heißt seitdem „Gregor-Bau" und war der Beginn einer großen Bauteckelkarriere. Von diesem Tag an, da bin ich sicher, hätte dieser Klasse-Teckel jede läufige Hündin solange ignoriert, bis er sicher war, daß kein Fuchs mehr steckte. Dann allerdings mußte man aufpassen.

Wenn auch ein Kunstbau niemals den Abmessungen und Variationen eines Naturbaues entsprechen wird, so hat es eine den Vorschriften entsprechende künstliche Schliefanlage doch in sich. Grob betrachtet stellt das Röhrensystem eine große Acht dar, der am unteren Ende noch eine „Einfahrt" von mindestens sechs Metern Länge angehängt ist, die am ersten Kessel, dem Suchkessel, endet. Hier wird das Raubwild vor Beginn der Arbeit, und für den Hund nicht zu berühren eingeschlossen zwischen zwei Schiebern, eingesetzt. Ein weiterer Kessel, der Zweigkessel, befindet sich in der „Einschnürung" der Acht und dann, am Ende dieses Röhrengebildes, noch zwei weitere Kessel, die Endkessel als Kreis-Kessel mit Deckschieber. Die gesamte Längsausdehnung dieses Systems beträgt etwa zwanzig bis fünfundzwanzig Meter oder noch mehr. Eine andere Form der Kunstbauanlage ist die U-Form, die über ähnliche Abmessungen und Schwierigkeitsgrade verfügt wie die Acht-Form. Auch im Hinblick auf die Breite, also den Durchmesser der Röhren, wird es dem Teckel nicht leicht gemacht, denn sechzehn Zentimeter sind sehr wenig, und unsere schweren Schläge müssen sich schon sehr dünn machen, um dem Fuchs zu folgen. Darüber hinaus ist aber noch eine Rohrverengung von nur vierzehn Zentimetern im Kunstbau eingebaut. Weitere Schwierigkeiten sind ein Fall- und ein Steigrohr. Das Vorliegen und Verbellen des Hundes werden den abgeklärten Schliefenfuchs nicht konfus machen, das kennt er zur Genüge und hat sich längst an den Krach gewöhnt. Alles in allem ist der richtig angelegte Kunstbau keine Bagatelle, und ein Hund, der seine Befähigung als Bauhund in der künstlichen Anlage bewiesen hat, dürfte auch in der Praxis gut zu gebrauchen sein.

Zur Ausbildung der Jagd im Naturbau werden die Wintermonate benutzt. In diese Zeit fällt auch das Rollen oder Ranzen des Fuchses. Etwa nach Weihnachten kann schon mit dem Rennen der ersten Fähen gerechnet werden. Die Hauptranz der Rotröcke findet jedoch Ende Januar/Anfang Februar statt. Wie bei allen Tieren ändert sich auch das Benehmen des Fuchses während der Begattungszeit. Wenn es sonst keine festen, begründeten Regeln für das Zubaufahren des Fuchses gibt, so steckt er jetzt verhältnismäßig viel in der Erde, und einer einzigen Fähe folgen oft zwei und gelegentlich sogar drei Rüden in den Bau. Im allgemeinen bedeutet das Vorhandensein mehrerer Füchse in einem Bau keine erhöhte Gefahr für den Teckel, denn alle zusammen können und werden sich ihm nicht zum Kampfe stellen. Dafür wäre der enge Fuchsbau gar nicht geeignet. Außerdem versteht es der Fuchs als ausgesprochener Einzelgänger nicht, „im Rudel" zu kämpfen. Meist springt der erste Fuchs unerwartet schnell, wenn sich der Jäger über der Erde ruhig verhält und nicht im Wind steht. Erst nach dem Schuß wird der nächstfolgende Fuchs vorsichtiger. Aber auch hier gibt es, wie überall auf der Jagd, Ausnahmen. Oft habe ich mich beim Sprengen darüber gewundert, wie schnell die Füchse kamen, obwohl die Jäger nicht daran dachten, sich leise zu verhalten. Natürlich saß stets ein schneidiger Teckel dahinter, dessen Anwesenheit den Füchsen anscheinend noch unsympathischer war als die Unruhe über der Erde.

Bereits eine meiner ersten Baujagden, als ganz junger Jäger durchgeführt, verlief trotz aller Unerfahrenheit so planvoll, daß mir damals das Füchse sprengen als die leichteste Sache der Welt erschien, und ich konnte nicht begreifen, was die Älteren für ein Palaver um solches Kinderspiel machten. Erst später wurden auch mir die Schwierigkeiten bewußt, mit denen man rechnen muß.

Aber am Anfang war alles ganz einfach. An einem der ersten Tage im neuen Jahr verabredete ich mich mit einem ebenfalls blutjungen Jägerjüngling zum Fuchssprengen. Der Onkel dieses jungen Mannes besaß einen ganzen „Haufen" Rauhhaarteckel. Sie sollten solche sein, ausgesehen haben sie nicht danach. Alle waren sie ganz hell dürrlaubfarben, und ihr Haar war so weich und lang, daß man kaum die Läufe erkennen konnte. Nach unseren heutigen Zuchtbegriffen stellten sie ganz minderwertige Hunde dar. Aber das betraf nur ihr Äußeres, jagdlich waren sie ganz große Klasse und taten viel zur Aufbesserung des Einkommens ihres Besitzers. Ein guter Winterbalg des Fuchses brachte damals so um die fünfunddreißig Mark. Das war viel Geld. Wäre der Preis heute noch angemessen, würde mehr Mühe auf die wichtige Eindämmung der eskalierenden Population dieses Kulturfolgers verwandt, denn er hat keine Probleme in unserer teils ausgeräumten Kulturlandschaft. Im Gegensatz zu vielen seiner potentiellen Beutetiere.

Auch bei uns Jungen spielte die Preiskenntnis der Fuchsbälge eine große Rolle für unser Vorhaben. Also holten wir uns jeder so ein Pelzknäuel von Teckel aus der Meute heraus und verfrachteten es in unsere Rucksäcke. Fußhoch lag der Schnee, und die Wege waren weit. Aber damals wurde ja noch tüchtig gelaufen, ohne daß man es merkte. Nach einer Stunde waren wir am ersten Bau angelangt. Daß er gut befahren war, erkannten wir Grünschnäbel auch ohne Zuhilfenahme eines Hundes. Kurze Beratung, dann wurde der erste Teckel aus dem Rucksack befreit und schliefte sofort in die enge Röhre.

Erst als die Rutenspitze des Hundes in der Erde verschwunden war, luden wir unsere Flinten. Das hätten wir früher tun sollen! Noch ehe die Gewehre zugeklappt waren, sprang bereits bereits der erste Fuchs. Wie ein roter Pfeil schoß er über den Schnee und entschwand. Wir waren zutiefst erschrocken und warteten auf den Teckel, der gleich auftauchen mußte. Statt dessen aber hörten wir seinen gedämpften Laut. Nun waren wir damals schon soweit „aufgeklärt", daß wir um die Bedeutung der Ranzzeit wußten, glaubten also, daß der Rüde gesprungen wäre, die Fähe aber noch im Bau säße. Jetzt sollte der Teckel sein Können zeigen. Das tat er! Fast gleichzeitig drückten wir ab, und ein starker Fuchs überrollte sich im Schnee. Wieder warteten wir auf den Teckel. Aber er kam immer noch nicht. Jetzt war abermals sein Laut zu hören, und der im Rucksack eingesperrte Hund fiel mit seinem Hals ein. Dieser oberirdische Krach gefiel uns zwar nicht, aber wo sollten wir mit dem zweiten Teckel hin! Denn daß das gleichzeitige Einschliefen von zwei Hunden in einen Bau für diese gefährlich werden konnte, hatte man uns beigebracht. Wir ahnten, daß der im Schnee liegende Fuchs auch ein Rüde sein mußte, der noch im Bau steckende die Fähe. Auch der dritte Fuchs kam, und wieder fielen zwei fast gleichzeitig abgegebene Schüsse. Der Rotrock rutschte verendet in den Schnee. Unsere Freude war unbeschreiblich. Da erschien auch schon der Teckel, schüttelte sich den gelben Sand aus dem wuscheligen Fell, eräugte dann die Füchse, rannte giftig darauf zu und beutelte erst den einen, dann den anderen gründlich.

Inzwischen hatten wir unsere Pfeifen in Gang gebracht, zwar noch keine richtigen „Försterpfeifen", aber gut genug, um jungen Grünröcken ein bißchen Jägerwürde zu verleihen. Während wir noch unsere kostbare Beute begutachteten, machte sich der freie Teckel nochmals in den Bau. Zwar glaubte ich nicht so recht, daß da drinnen noch ein weiterer Bewohner sein könnte, aber mein Lehrlingskollege flüsterte mir zu, daß der Teckel nicht wieder einschliefen würde, wenn es umsonst wäre.

Also schnell die Flinten wieder geladen und Posten bezogen! Inzwischen rumorte es da drinnen fürchterlich. Jetzt fraß jede Sekunde gierig an unseren Nerven, das auf uns zuströmende Weidmannsheil schien unermesslich. So verging eine lange, wohl sehr lange Zeit. Dieser Fuchs sprang allem Anschein nach nicht. Einmal wischte der Teckel kurz aus dem Bau heraus, allerdings aus einer anderen, abseitigen Röhre, die wir vorher gar nicht bemerkt hatten. So hielten wir den mit rotem Sand überpuderten Teckel fast für einen Fuchs. Er schüttelte sich eilig, machte dann kehrt und verschwand wieder in der Röhre. Unsere Erregung wurde dadurch nicht geringer.

Dann polterte und rappelte es, und als der Fuchs aus der Röhre fuhr, wurde erst einmal gründlich vorbeigeschossen. Aber zum Glück hatten auch damals die Flinten schon zwei Läufe. Wir bekamen auch Fuchs Nummer vier, das war endlich die Fähe. Als wir dann den Teckel wiederhatten, wußten wir, daß auch in solchen einmaligen Stunden Grenzen gesetzt sind. Drei Füchse hatten wir erlegt, vier hatten zugleich in einem Bau gesteckt!

Aber der Tag war noch nicht zu Ende. Wir wußten noch einige Bauen, von denen man in dieser Jahreszeit etwas erwarten konnte. So hingen wir die drei Füchse in einen astigen Randbaum und zogen weiter zu einem ziemlich lückig stehenden Stangenholz. Schon von weitem lachten uns die forsch ausgefahrenen gelben Sandhügel vor den Einfahrten des Fuchsbaues aus seiner weißen Umgebung heraus entgegen. Die Teckel wurden ausgetauscht, und jagdeifrig schliefte der ausgeruhte Hund zu Bau. In unserer goldenen Stimmung erwarteten wir ähnliches wie am Bau zuvor. Tatsächlich, kaum standen wir richtig, hörten wir schon den Laut des Teckels. Die Flinten wanderten vorsichtig in Voranschlag, gerade noch rechtzeitig genug, um den springenden Fuchs  viermal vorbeizuschießen. Sofort war der Teckel da, machte „ein dummes Gesicht", als er keinen Erfolg bemerkte, und schliefte gleich wieder ein. Natürlich steckte noch ein Fuchs, den bekamen wir dann. Nun hatten wir vier Füchse, die wir uns redlich teilten. Daß wir am Nachmittag gemeinsam noch einen fünften erlegten, wer glaubt es uns?

Jagddusel fragt nicht nach Alter und Erfahrung. Aber so leicht kann man auf der Jagd gelegentlich „reich" werden. Später habe ich wieder umlernen müssen, weil der Anfangserfolg ein Zufallserfolg war, den man noch nachträglich durch mannigfache Enttäuschungen bezahlen mußte. Immerhin aber war ein guter Grundstein gelegt zu der Erkenntnis, daß der gute Hund die Jagd erst vollkommen werden läßt.

An dieser Stelle muß einmal die Frage aufgeworfen werden, ob der berüchtigte rabiatscharfe Teckel einem zwar auch „am Feind bleibenden", aber „quecksilbrigen" und nicht zum „Würger um jeden Preis" veranlagten vorzuziehen ist. Im Grunde genommen liegt die Wahrheit in der Mitte. Ohne Schärfe geht es nicht, aber „dosiert" muß sie sein. Das heißt, sie sollte nicht blindwütig und kopflos vom Hund eingesetzt werden. Derjenige Teckel eignet sich am besten für die Bodenjagd, der ohne auch nur einen Moment sein Ziel aus den Augen zu verlieren, „mit nachhaltigem Druck taktiert", um den Fuchs zum Springen zu bringen. Beständiges Lautgeben am Wild mit gelegentlichen Faßversuchen, wenn der Rote den Bau nicht räumen will, sind die Lösung. Taucht der Teckel hin und wieder zwischendurch vorm Bau auf, um sich davon zu überzeugen, daß sein Herr und Meister noch dort ist, oder um die Röhren aus taktischen Gründen zu wechseln, ist das nicht nachteilig zu bewerten. Blinde Schärfe hingegen hat nicht selten zur Folge, daß ein Fuchs unter der Erde abgetan wird, und dann kommt es zur unnötigen zeitaufwendigen und oft bauzerstörenden Graberei. Dann werden viele teilnehmende Jäger ungeduldig, schimpfen auf die Baujagd generell und sagen: „Nächstes Mal ohne mich!" Das passiert einem nicht mit einem Teckel, den man aufgrund seiner Führigkeit und seines Kontakts zum Führer zumindest nach gewisser Vorliegezeit aus dem Bau vom Raubwild abzurufen in der Lage ist. Aber Schärfe muß vorhanden sein, denn sie ist ebenso wie der Spurlaut des Teckels ein Geschenk, das man erhält oder nicht erhält. Deshalb ist jeder Streit um dieses Problem nutzlos. Der Bodenjäger Rudolf Fries formulierte das ungefähr so: „Ohne gezielte Schärfe des Bauhundes bleibt es mehr oder weniger dem Zufall überlassen, ob ein Fuchs springt, denn allein durch Baukläfferei ist Reineke nur selten dazu zu bewegen, seine Burg zu verlassen. Zumal dann nicht, wenn er mitbekommen hat, daß beispielsweise draußen ein fröstelnder Jäger versucht, sich durch irgendwelche Bewegung aufzuwärmen. Andererseits ist der Fuchs von Natur aus ein ,Flieger', und man bejagt ihn am erfolgversprechendsten mit einem Hund, der ihn unsicher macht, der also ebenfalls ein Flieger ist. Vielleicht will der Rote ja springen, das kann er aber nur schwerlich, wenn der Hund durch stures Vorliegen in der engen Endröhre über längere Zeit den Weg nach draußen versperrt. Wie oft kann man erleben, daß Reineke in dem Moment, in dem der Hund einmal kurz den Bau verlassen hat, plötzlich springt, da nun der Weg nach draußen für ihn frei war. Der Dachs hingegen ist ein „Steher", der auch mit einem Steher von Hund gearbeitet werden kann, weil man ihn nur durch einen Einschlag erreichen kann, dessen Lage durch den konstanten Vorliegelaut des Hundes bestimmt wird."

Die Ansicht, daß ein Teckel, der erlegtem Raubwild mit viel Getöse an den Balg geht, auch „Schärfe" am lebenden Raubwild hat, ist ein oft verbreiteter Irrtum. Häufig aber tun sie beides, manchmal aber auch nicht.

Womit wir beim Thema„ Einschlag" wären. Zum Spaten greifen sollte der Bodenjäger erst dann, wenn der vorliegende Hund den Fuchs, der aus einem beliebigen Grund nicht springen will, zum Verklüften veranlaßt, der Hund sich selbst verklüftet hat, oder aus einem anderen Grund auf die Hilfe seines Meuteführers angewiesen ist. Allzu oft wird ein Bau, der einmal gegraben wurde, für das Raubwild für lange Zeit unwohnlich. Es soll in diesem Zusammenhang allerdings nicht verschwiegen werden, daß es auch Bauanlagen gibt, die schon manchen Spatenschlag gehört haben und immer wieder angenommen werden. Aber das sind die Ausnahmen. Es sind in der Regel übrigens nicht die ausge­sprochenen Rabauken unter den Teckeln, die mit solchen Situationen nicht selbst fertig werden, sondern die weichen, vorsichtigen Hunde. Ein Hund aber, der nicht wieder ans Tageslicht zurückfindet, weil er mit den Tücken des Baues nicht fertig wird, ist für die Bodenjagd ebenso wenig geeignet wie einer der manchmal anzutreffenden „Baukläffer", bei dem es nur oder bestenfalls für den künstlichen Revierbau reicht.

Daher wird die Bodenjagd in einem Revier mit Felsbauen, in die kein Hineinkommen mit Hacke und Spaten möglich ist, oft zu einer Gewissensfrage für den Jäger, der natürlich seinen Hund nicht gefährden, geschweige denn verlieren möchte. Nur muß man hier gewisse Unterschiede beim Einsatz des Teckels als Erdhund gelten lassen. Jäger, die mit jeder Faser ihres Herzens an der Bodenjagd hängen, werden an ihren Hund ungleich höhere Ansprüche bei der Bauarbeit stellen als solche, die ihren Teckel hauptsächlich für Aufgaben über der Erde herangebildet haben. Der Schweißteckelmann z. B. muß in Kauf nehmen, daß sein Hund von wehrhaftem, krankhaftem Wild bei Nachsuchungen geschlagen wird. Er wird es hinnehmen müssen, weil es zu seinem Handwerk gehört. Dennoch wird er bei gelegentlichen Bauarbeiten alles ausschließen, was seinem Hund zum Verhängnis werden könnte. Sollte es dennoch einmal daneben gehen, dann wird er künftig seine Hunde nicht oder nur noch in seltenen Ausnahmefällen schliefen lassen. In den Stammrevieren, in denen ich Winter für Winter an den Bauen arbeite, gibt es einige Pächter, die selbst Gebrauchsteckel führen, aber niemals auf die Idee kämen, diese für die Baujagd einzusetzen. Und wenn, dann in künstlichen Revierbauen, wo fast nie mit Dachs gerechnet werden muß. Erfahrene Erdteckel meiden den Hausherrn oder ignorieren Meister Grimbart. Und es ist nun einmal Tatsache: Die Wahrscheinlichkeit, daß Füchse im Dachsbau  und nicht anderswo stecken, ist am größten. Abgesehen davon, daß Rotröcke hier in der Regel schneller springen, denn bevor sie sich „nach unten" zum Dachs drücken lassen, geben sie lieber Fersengeld.

Anders dagegen der Baujäger. Er tut es immer wieder, obwohl er um alle Gefahren weiß und ein Meister ist im Hinblick auf das „Ansprechen" eines schwierigen oder simplen Baues. Damit aber ist sein Verhältnis zu seinem Hund nicht weniger gut oder herzlich, es ist nur ein anderes, auch im Anbetracht auf die Auswahl seines vierläufigen Jagdhelfers. Denn wozu braucht ein Hund, der sein Leben lang den Kampf mit dem Raubwild unter der Erde zu bestehen hat, den Spurlaut und die feinste Nase? Hier hat beides nur züchterischen Wert. Aber das andere muß da sein: der Wille zum Kämpfen, die Ausdauer, die Nervenfestigkeit und vor allen Dingen der Biß, unter der Erde unter schwierigen Bedingungen finden und arbeiten zu wollen. Erstaunlich ist, wie ein Teckel es wegsteckt, wenn er einmal geschlagen wird, weil seine Passion am Raubwild stärker ist als die Ungemach eines „Schmisses". Ein Bauhund hat das härteste Los unter den Jagdhunden zugeteilt erhalten, aber mit seiner Erfahrung wächst sein Können, und in Zusammenarbeit mit seinem Führer steigert er sich zu großen Leistungen, die er nicht bringen würde, hätte er nicht „Freude an seiner Aufgabe". Ich erlebe es Jahr für Jahr, daß zu Beginn der Bodenjagdsaison, ohne daß später ihre Passion nachläßt, die Teckel häufiger einmal geschlagen werden als am Ende der Einsätze. In den letzten Tagen kann man beim Nachhausekommen fast immer guten Gewissens die allabendliche Frage der Ehefrau: „Sind die Hunde in Ordnung?" bejahen. Dann nämlich sind sie eingejagt und im wahrsten Sinne des Wortes„ schlauer als ein Fuchs", dann sind sie mit allen Wassern gewaschene Profis.

Der gute Jäger weiß das und erkennt nicht nur den materiellen Wert eines erfahrenen Bauhundes. Ich kannte einen Kollegen, dessen Hund unter der Erde geblieben ist. Ich war dabei, als es geschah. Aber ich habe auch erlebt, wie dieser tottraurige Jäger seinen Hund suchte, sich tagelang vergebens abmühte, einen Granitfelsen zu durchlöchern. Er aß kaum etwas und schlief nicht mehr. Was dieser Jäger um seinen Hund gelitten hat, weiß nur der zu ermessen, dem ähnliches wiederfahren ist.

Die Mehrzahl der Bodenjäger, auch solcher, die über Jahrzehnte intensiv an den Bauen Winter für Winter arbeiten, haben noch nie einen Hund verloren, weil sie Felsenbaue meiden und die Teckel aufgrund ihrer Erfahrung in der Lage sind, sich gar nicht erst in Gefahr zu begeben. Teckeln mit übertriebener Schärfe ist es in dem Moment gleichgültig, ob hinter ihnen die Röhre droht zusammenzubrechen, denn hitzig drängt es ihn nur ans Raubwild. Der erfahrenere mit der dosierten Schärfe behält in solchen Fällen eher einen klaren Kopf und weiß sich zu helfen, bevor sich hinter ihm Sandberge auftürmen.

Bauarbeit ist gerechte Jagd, aber Bauarbeit selbst muß auch „gerecht" sein. Natürlich ist es am reizvollsten, im schneeverhangenen Revier dem Winterfuchs mit dem Teckel nachzustellen, aber vielerorts sind die Jäger gezwungen, auch während der Geheckzeit mit den Teckeln an die Baue zu gehen, um die Zahl der vielen Jungfüchse zu reduzieren, die keine Tollwut mehr reduziert. Selbstverständlich ist, daß hierbei die zur Versorgung des Gehecks notwendigen Altfüchse von jedweder Bejagung zu verschonen sind, solange auch nur ein Welpe da ist. Man mag kontrovers über den Einfluß des Fuchses beispielsweise auf viele Niederwildarten streiten, eines jedoch steht außer Zweifel, nämlich die Tatsache, daß schwerpunktmäßig in der Aufzuchtzeit des Gehecks sowie in der Notzeit im Winter die Rotröcke nicht nur die Hasenbesätze zehnten. Und genau zu diesen beiden Zeiten zieht der passionierte Bodenjäger mit seinen Teckeln hinaus, nicht nur, um ein wenig Ausgleich in der Natur zu schaffen, sondern auch, weil die Bodenjagd mit dem Teckel unglaublich reizvoll ist. Im Winter natürlich mehr als im Sommer.

Die Bodenjagd ist keine Jagdart, bei der man Massenstrecken erzielen kann. Aus den Statistiken erfahrener Bodenjäger geht hervor, daß vier erlegte Füchse eine überdurchschnittliche Tagesstrecke darstellen. Natürlich gibt es auch Tage, an denen der müde Jäger mit seinen müden Teckeln ohne Beute nach Hause kommt, aber eben so gut ist es möglich, unter günstigen Umständen auch einmal sieben oder acht Winterfüchse an einem Tag zu erbeuten. Ein weiterer Wert der Erlegung von Winterfüchsen liegt darin, daß es sich hier um „Standfüchse" handelt, in diesem Revier territorial ihr Streifgebiet gefunden haben. Die anderen sind lange abgewandert, um sich ein eigenes Revier zu suchen. Entnimmt man in einer solchen Gegend schwerpunktmäßig im Winter eine größere Anzahl Füchse, so hat das Niederwild „ein wenig mehr Luft", um seinerseits die Not­zeit zu überstehen, und während der Brut- und Setzzeit gilt das gleiche für die brütende Rebhenne und den Junghasen. Am Schluß sei denen, die behaupten, der Fuchs lebe ausschließlich von Mäusen, die Frage gestellt: Was tun die Rotröcke, wenn, was alle paar Jahre geschieht, die Mäusepopulation zusammenbricht? Klare Antwort: Gerade dann leben sie auch nicht nur vom Fallobst, Luder, Regenwürmern und Amphibien! Die Rotröcke sind „Gewinner" in unserer Kulturlandschaft, viele ihrer Beutetiere „Verlierer". Also hilft der Bodenjäger den Verlierern durch Reduzierung der Gewinner.

Ein Wort noch zu den heute erhältlichen Bauhundsendern oder auch zu Ortungsgeräten, wie sie normalerweise zum Aufspüren unterirdischer Leitungsschäden benutzt werden. Mit ihnen ist das Auffinden des vierläufigen Jagdgefährten, für den Fall, daß er wirklich im Bau einmal festsitzt, kein großes Problem mehr. Diese Geräte sind im einschlägigen Handel erhältlich.

Auch darf zum Thema Bodenjagd ein weiterer, aktueller Gesichtspunkt nicht außer acht gelassen werden, nämlich der, daß der Befall durch den Fuchsbandwurm (Echinoccocus multilokulares) bei den Füchsen dramatisch zugenommen hat. Nach neuesten Studien sterben viel mehr Menschen heutzutage an den Folgen der Echinoccose als an Tollwut. Diese Zahlen zeigen deutlich zunehmende Tendenz. Deshalb ist es geboten, daß der aktive Bodenjäger seine vierläufigen Jagdhelfer lieber einmal mehr als einmal zu wenig einer Wurmkur unterzieht. Die Fuchsräude, ebenfalls sicher unter anderem begünstigt durch ständig weiter steigende Fuchsbesätze, kann bei rechtzeitigem Erkennen dem Menschen zwar nicht in dem Sinne gefährlich werden, aber für den Hund, der sich infiziert, eine arge Last bedeuten.

Die eigentliche Baujagdsaison beginnt normalerweise um Hubertus, weil dann der Balg der Füchse reif ist, und sie endet Ende Februar, Anfang März. Leider hat sich trotz aller Mahnungen der jagdlichen Organisationen noch immer keine flächendeckende Bejagung der Rotröcke verwirklichen lassen, was vielerorts am mangelnden Interesse der Revierinhaber liegt, deren jagdliche Perspektiven sich ausschließlich auf das Schalenwild konzentrieren und mit Phrasen: „Ein Fuchs frisst kein Rotwild" ihre mangelnden Aktivitäten entschuldigen.

Auch gibt es nicht wenige Forstbeamte, die in der Fuchsbejagung einen Anachronismus sehen, weil sie meinen, sie brauchen die Füchse zur Mäusetilgung. Oder, wie ein junger Forstbeamter sagte: „Ich schieße in meinem Waldrevier keine Füchse, denn die halten mir die Hasen kurz, die mehr Verbiß verursachen, als man glaubt".

Die meisten Erdhunde werden, wenn überhaupt, vom Dachs, der ebenfalls stetig zunimmt, geschlagen. Das aus zweierlei Gründen: Nur ganz selten ist der Dachs zu bewegen, vor dem scharf angreifenden Hund zu springen. Zum anderen aber ist seine Verteidigung eine andere, gefährlicher als beim Fuchs. Wenn man auch weiß, wie verhältnismäßig unbeholfen und langsam sich der Dachs im Revier bewegt, so sollte man deshalb nicht annehmen, daß ihm dieses Phlegma auch im Bau eigen ist. Seine Hauptwaffen im Kampf sind das dem Teckel immer überlegene Gebiß und seine „Grabschaufeln", mit denen er in kürzester Zeit Steine und Erde aufzutürmen vermag, um entweder den vorliegenden Hund von sich abzuhalten oder aber diesen in einer Endröhre festzusetzen, zu verklüften. Auch die Tatsache, daß der Dachs an Oberfläche und Seiten kaum vom Hund ernsthaft zu packen ist, gehört zu seiner Kampfüberlegenheit. Sie läßt sich aber nicht immer vermeiden, denn Reineke bevorzugt die „wohnlichen" Erdburgen von Grimbart und ist hier häufig anzutreffen.

Es gibt heute Reviere, in denen es kaum einen ausgesprochenen Fuchsbau mehr gibt, weil der sich ebenfalls ausbreitende Dachs bereits ehemalige Fuchsbaue ausgebaut hat. Wenn die Dachsfähe wölft  und das kann schon im Februar sein , wirft sie die jungen Vorjahrsrüden raus, die sich dann in irgendwelchen Fuchsbauen Notunterkunft suchen und den Bodenjäger in Überraschung versetzen, weil die typischen Dachszeichen wie Dachsrinne und sogenannte „Dachsklos" noch nicht offenkundig sind. Häufig glaubt man dann, daß der Teckel mit dem Fuchs rauft und wundert sich darüber, daß er den vermeintlichen Roten nicht wie sonst sprengt. Aus dieser Unwissenheit heraus wird oft ein u.U. folgenschwerer Fehler begangen: Der Teckel wird angerüdet und das auf eine Art, die man ihm gerade mühselig „abgewöhnt" hat. Dann versteht der Erdhund die Welt nicht mehr, was Folgen für seine gesamte Art am Bau zu arbeiten haben kann.

Im schlimmsten Fall wird der Teckel dann entweder in Zukunft wieder den Dachs suchen und arbeiten oder aber das „Blinken" anfangen, d. h. auch den Fuchs ignorieren; zumindest, wenn er ihm weit „nachsteigen" muß unter der Erde. Der Dachs ist bei den bestehenden Jagd- und Schonzeiten eh für den Jäger im Winter tabu.

Nicht selten kommt es vor, daß der Bodenjagdteckel auch auf Karnickel stößt. Dann ist guter Rat teuer, denn in der Regel üben die grauen Flitzer großen Reiz auf den Hund aus, was zur Folge hat, daß der Teckel ihnen „nachbuddelt". Das kann Zeit kosten. Ich habe Hunde erlebt, die den Dachs meiden, aber am Kanin alle gute Erziehung vergessen. Es sei denn, man will Kaninchen sprengen.

Trotz gewisser Beschränkungen, die sich der Bodenjäger auferlegen sollte, bleibt die Baujagd ein Weidwerk, das ein Jägerleben ganz ausfüllen kann.

Auch die vielerorts auf den Feldern zu findenden Rundballen aus Stroh sowie Rohrdurchlässe in der Feldmark und natürlich vom Jäger angelegte Kunstbaue lohnen die Kontrolle mit dem Teckel.