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Auszüge aus dem Buch „ Jack Russel Terrier“ Kynos Verlag Mürlenbach |
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Der
Fuchs
Als
ich vor einiger Zeit in South Wales eine Ausstellung richtete, hörte ich das mir nur zu vertraute Klagen eines desillusionierten
Terrier-Manns, der sagte: „Ich weiß überhaupt nicht, warum er beim Fuchs
versagt. Ich gab ihm eine Ratte oder
zwei, dann versuchte ich ihn auf den Fuchs, und er wich gegenüber Reineke zurück."
Dabei sprach er über einen Hund, der
gerade sieben Monate alt war!
Als Grundprinzip sollte man seinen Junghund nur auf
solches Raubzeug ansetzen, das ihn nicht überfordert. Über eine ganze Zeit war
ich darauf spezialisiert, von anderen ruinierte Hunde zu
erziehen. (Dabei kostete es mich fünf Monate, in Rotherham entlang dem Kanal einem
falsch behandelten Terrier-Junghund durch Arbeit auf
Wühlmäuse wieder Vertrauen zu vermitteln.) Nur durch
konstante und regelmäßige Jagd gewinnt ein Junghund Jagderfahrung,
erprobt seine Geschicklichkeit an ihm
angemessener Beute. Insbesondere entsteht hierbei eine
ganz enge Verbindung zwischen Hund und Besitzer, eine
Bindung, so alt wie die Haustierwerdung des Hundes selbst, eine Verbindung, die
sich auf diese Art nie so zwischen Hunden und einem Mann entwickelt, der sich ausgebildete
Hunde kauft oder einem Mann, der in fiebriger
Hast versucht, seinen Hund auf zu große Beutetiere anzusetzen. Dies führt
uns zur wichtigsten Jagdbeute eines
Terriers, nämlich zum Fuchs. Am
besten beginnen wir ganz offen mit einer Wahrheit. Füchse sind
furchtbare Gegner. Deshalb ist der künftige Terrier-Jäger
gut beraten, die Narren zu übersehen, die ihm erzählen, es gäbe Terrier, die innerhalb von Sekunden
mit Füchsen fertig werden, die ebenso schnell Füchse töten
wie ausgebildete Hunde Ratten fangen. Ehe man solche
falsche Vorstellungen erweckende, unehrliche Geschichten glaubt, sollte ein Jäger zunächst einmal die Verletzungen
an Terriern untersuchen, die regelmäßig mit
der Hundemeute arbeiten. Es gibt nur ganz wenige Hunde,
die regelmäßig mit der Meute jagen und keine schrecklichen Schrammen
aufweisen; noch seltener sind Terrier, die bei harten Kämpfen mit Füchsen
nicht einige Zähne verloren haben. Mein bester auf Füchse arbeitender
Terrier kämpfte mit einigen hundert Füchsen; im Alter von acht Jahren
gab es wenige Stellen in seinem Gesicht, die
nicht von Narben bedeckt waren. Man braucht sich
nur einmal die Fell-Terrier auf einer Jagdausstellung anzusehen
(„Fells" sind Steinklippen in Schottland). Dies sind in der Regel
sehr harte, schneidige, kleine Hunde, eigens gezüchtet, nicht nur um den Fuchs
aus dem Bau zu sprengen, sondern auch um ihn
zu töten, falls er nicht entflieht.
Viele dieser Hunde haben durch Zweikämpfe
mit Füchsen gebrochene oder dank Bänderverletzungen ausgerenkte Kiefer.
Aus dieser Sicht sollte man sich dann den
Narren ansehen, der offen den Fuchs als eine Beute verachtet, die so
leicht wie eine Ratte gefangen werden könne.
Den Fuchs würde ich lieber als ernsthaften
„Gegner" (Foe), denn als „Beute" (Quarry) bezeichnen. Ein
Zweikampf zwischen Hund und Fuchs kann immer
auf mehrere Arten zu Ende gehen - man
frage einmal jeden aktiven Jäger, wieviele tapfere kleine Terrier
er schon nach Auseinandersetzungen mit Füchsen
beerdigt hat. Man sollte sich auch vor Augen halten, daß
ein Terrier, der eine Ratte oder ein Wiesel erlegt hat, diese meist über
der Erde im Tageslicht bezwang, höchstens
noch in der Dämmerung. Jetzt verlangt man aber von seinem Hund, in den Fuchsbau einzuschliefen, in völliger
Dunkelheit mit ihm zu kämpfen, ihn zu stellen - in
einer Dunkelheit, an welche der Fuchs völlig gewöhnt ist. Hinzu kommt noch, daß
der Hund oft seinem Gegner in Erdgängen gegenübersteht, die mit giftigen Gasen
angefüllt sind, zum Beispiel
Methangas, oder hohem Kohlendioxidgehalt
aufgrund faulender Wurzeln alles Umstände,
an welche der Fuchs gut gewöhnt ist, die dem Terrier
aber völlig fremd sind. Es ist logisch, daß man von einem unerfahrenen Junghund,
einem Anfänger, viel zu viel verlangt, solch einem Feind entgegenzutreten, aber
die Anzahl der Jäger, die fertige Junghunde einer solchen Gefahr aussetzen, ist
durchweg erschreckend. Viele Männer rühmen
sich, sechs Monate alte Junghunde gegen den Fuchs eingesetzt zu haben.
Gerade am gestrigen Tage, ehe ich diese Zeilen schrieb,
hörte ich sich einen Jäger rühmen, sein sechs Monate alter Junghund sei schon gegenüber dem Dachs ein wahrer Dämon, kümmere
sich aber überhaupt nicht mehr um Füchse.
Hier darf man keinen Fehler machen! Manche Junghunde attackieren einen Fuchs,
als sei er ein Baby etwa in
der gleichen Art, wie sich ein Teenager nach durchzechter und durchtanzter Nacht Mohammed Ali gegenüberstellte
- das Ergebnis ist dann sehr ähnlich, das
können Sie mir glauben! Zu frühes Ansetzen auf jedes Beutetier hat auf das
Wesen eines Terriers katastrophale
Auswirkungen. Der Junghund bezieht schwere Prügel
und verweigert in der Regel jede weitere Auseinandersetzung mit einem Gegner, der ihn einmal niedergemacht
hat.
Logischerweise werden alle diese Opfer immer als „gerade
andressierte Junghunde (just started)" von Hundehändlern
angeboten. Natürlich gibt es einige wenige Jungtiere, die sich wie Tiger auf Füchse
stürzen, diese sind dann auch in der Regel zum Zeitpunkt ihres ersten Geburtstages
am Ende, völlig ruiniert; und wiederum gehen sie in die Hände von Händlern,
welche sich darauf spezialisiert haben, „andressierte Hunde" zu
verkaufen. Zu früher Einsatz ist nie ratsam, offen gesagt hat er
immer
zerstörerische Auswirkungen auf die künftige Jagdqualität
jedes Jagdhundes. Es wäre natürlich unwahr, wenn ich behauptete, ich hätte
nie Junghunde auf den Fuchs ausprobiert,
denn es ist eine schreckliche Versuchung, gerade einen „Überflieger"
gegen schwere Gegner auszuprobieren. Aber ganz gleich, wie sehr der Terrier Mann
auch die Tüchtigkeit seines Junghundes zu testen wünscht, er sollte der Versuchung widerstehen. Einige der
allerberühmtesten Jagdterrier waren insgesamt gesehen in ihren Lehrjahren
bemerkenswert langsam, einige davon wurden erstmals im Alter von drei oder vier
Jahren auf den Fuchs angesetzt. Der berühmte Rüde Pincher von
Mr. Cobby - ein Superhund in jeder
Beziehung - die Anzahl der von ihm
gedeckten Hündinnen beweist diese Tatsache
- war volle vier Jahre alt, ehe er zum
gefürchteten Fuchsjäger wurde.
Brian Forsyth von der Warwickshire Hunt ist ein Mann, dem
zu Recht nachgesagt wird, er habe so gut wie nie Mißerfolge mit einem Hund, zu Recht wird er in
der Arbeit mit Terriern als Autorität
angesehen. Brian Forsyth hatte einen
Hund, der für seine Arbeit weit und breit anerkannt war, obwohl er bis
zu seinem dritten Lebensjahr keinen Fuchs
annahm. Forsyth stand zu diesem Hund, den
viele abgegeben oder sogar erschossen hätten. Vom dritten
Jahr an setzte Forsyth ihn stärker und stärker ein, und
er arbeitete bis ins zehnte Jahr! Kein anderer Hund belohnte
seine Geduld mehr als dieser.
Bedarf
es noch weiterer Beispiele, um den Leser von der Torheit zu überzeugen, halbreife Hunde gegen den Fuchs einzusetzen, gibt
es hierzu noch eine andere Geschichte. Die
Familie Robson von der Border Hunt züchtete einen Terriertyp,
den wir heute als Border Terrier kennen. Diese
Terrier sind anfangs in der Jagd bemerkenswert langsam,
sie bleiben in der Regel bis ins Erwachsenenalter hinein
furchtsam und kindlich verspielt. Die Familie Robson
unterstreicht, daß sie niemals absichtlich einen Terrier
auf den Fuchs angesetzt habe, und ich zweifle nicht daran, daß dies die
Wahrheit ist. Ihren Terriern wurde erlaubt,
mit den Foxhounds zu laufen, mit zu beobachten,
wie ein Fuchs in den Bau einschlieft. Waren sie gut und ausgereift - und
es war allein der Terrier, der dieses
Fertigsein entschied, nicht der Jäger - dann schlieften sie in den
Bau ein. Einer der Terrier der Familie Robson, ein Hund namens Flint (ein unter Border Terriern recht
verbreiteter Name), stand vermutlich bereits im fünften Jahr, ehe er sich auf
einen Zweikampf mit dem Fuchs einließ.
Und dieser Flint wurde im Bordergebiet zu einem
recht berühmten Hund, arbeitete nachweislich bis zu seinem 16. Geburtstag.
Zu früher Einsatz ist ganz einfach sinnlos, absolut
schädlich. Wie aber soll man einen Terrier auf die Fuchsjagd einschulen? Die
Antwort steckt in einer Nußschale: Wenn er ausgereift ist und nur unter
Ausschluß der Öffentlichkeit. Dieser Ausschluß der Öffentlichkeit (privacy)
ist außerordentlich wichtig, denn beim ersten Versuch auf den Fuchs kann ein
Hund seinen Besitzer durchaus zum Narren machen; solches Handeln wird, wenn es
unter Ausschluß
der Öffentlichkeit erfolgt, dem Hund meistens vergeben, geschieht es aber in der Öffentlichkeit - etwa
auf einer Jagdveranstaltung - kommt
es in der Regel dabei zu einer Fülle von hämischer Kritik (besonders von
Leuten, die entweder ihren Hund zu Hause gelassen haben
oder selbst keinen Terrier besitzen oder gar jagdlich führen; es ist
erstaunlich, wie aus vielen Menschen ohne Hunde ausgerechnet
Terrier-Experten werden!). Ein solches
Geschehnis kann sich auf die Beziehung zwischen Jäger und Hund außerordentlich
störend auswirken, zu Schäden führen,
die oft viel Zeit brauchen, um auszuheilen. Fleischwunden heilen schnell, angekratzter Stolz
braucht dazu viel länger. Aber man sollte immer mit dem ersten Schritt
beginnen. Der „Möchtegern-Fuchsjäger" hat schon einwandfrei gelernt,
sich in der Rattenjagd zu bewähren - je
länger desto besser - ein
Jahr ist nicht zu lang - möglicherweise
hat er auch bereits ein paar Wiesel oder
sonstiges kleines Raubzeug gefangen.
Der Hundebesitzer beschließt, sein Hund sei zur ersten Auseinandersetzung mit
dem Fuchs fertig. Der Hund könnte ruhig etwa 18 Monate alt sein, ehe er seinen ersten Fuchs sieht. Man sollte die Jugendzeit
des Terriers klug genutzt haben, dem Hund freien Lauf
geben, Jagd auf kleine Beute erlauben. Hat es ihm sein
Besitzer erlaubt, konnte er Wassergräben
erforschen, ist häufiger in leere
Bauten eingeschlieft - zu diesen
Aktivitäten sollte man ihn natürlich nicht zu sehr ermutigen.
Er ist in seiner Jugend auch in die tiefsten Winkel von Höhlen vorgedrungen
und den erregenden Geruchsspuren
gefolgt, die hier versammelt sind. All
dies sollte ein junger Fuchsjäger bereits getan haben, dabei
aber nie zu sehr vom Besitzer ermutigt werden. Ein Hund,
der in jedes Loch, das sein Besitzer findet, hineingelobt
wird, wird mit größter Wahrscheinlichkeit nur zu begierig sein, seinem
Besitzer einen Gefallen zu tun, indem
er in jeden Bau, den er sieht, einschlieft und vor Erregung
möglicherweise sogar Standlaut gibt.
Solcher übertriebener Enthusiasmus
ist Grundlage für das Übel, das man
als falsches Markieren bezeichnet. Solche Hunde
geben in völlig leeren Bauten Laut, weil sie glauben, sie täten ihrem Herrn damit einen Gefallen. Hat
ein Hund erst einmal eine solche
Untugend angenommen, ist es verdammt schwierig, sie ihm
abzugewöhnen. Ich selbst weiß
kein wirklich hundertprozentig wirksames Mittel, um dies erzieherisch zu
korrigieren. Trotzdem sollte
der Hund daran gewöhnt sein, in Bauten und Röhren
einzufahren, um seine Beute zu suchen. Ehe
wir weitergehen noch ein wichtiger Ratschlag. In aller Regel leben
Kaninchen und Füchse in einer Art Wohngemeinschaft,
eine Feststellung, die auf den ersten Blick
ein wenig erstaunlich erscheint, aber bei näherer
Prüfung doch recht logisch ist. Auf
der Suche nach neuen Bauten finden Füchse in der Regel Kaninchenbauten, vergrößern
sie für ihren eigenen Bedarf. Danach leben die
Kaninchen mit einer Art Zwangseinquartierung, die besten
Zimmer im Bau sind von den Füchsen bewohnt. Terrier finden in der Regel
sehr viel Freude am Kaninchenjagen, denn Kaninchen haben einen süßen, nahezu
verführerischen Duft, den Hunde fast immer
unwiderstehlich finden -
viel aufregender als Fuchsgestank,
denn richtig gesehen ist der Fuchs für Hunde gleich welcher Rasse gar keine natürliche Beute. Aber Hunde, die nicht kaninchenrein
sind, wie es in der Jagdterminologie heißt, -
also Kaninchen jagen -
werden bei vielen Gelegenheiten die
ihnen zugedachte Beute (also Fuchs oder Dachs) im Stich lassen und Kaninchen ausgraben. Eine recht unangenehme
Angewohnheit, die den Wert eines Terriers deutlich
mindert. Ich habe schon häufig Stunden damit verbracht,
Terrier meiner Freunde auszugraben, Hunde, deren
Besitzer mir versichert hatten, sie wären völlig kaninchenrein.
Am Ende fand ich den Hund Standlaut gebend
vor einem kleinen Mümmelmann in einem der zahlreichen
Tunnel, welche jeden normalen Fuchsbau immer wieder
kreuzen. Hinzu kommt noch, Kaninchen können sich in eine winzige Ecke zusammenquetschen, deshalb gräbt
der Terrier häufig, um an seine Beute heranzukommen,
wühlt sich folglich selbst in der Erde ein, schließt sich damit von der
Luftzufuhr ab und stirbt nicht selten aufgrund
seiner Leidenschaft für Kaninchen. Mit Sicherheit
werden viele Hunde bei der Arbeit auf den Fuchs eingeschlossen und
ersticken, aber tatsächlich gibt es noch
eine viel größere Anzahl an Terrieropfern, die den Kaninchen,
nicht den Füchsen zuzuschreiben sind -
eine inkonsequent
scheinende Feststellung, aber trotzdem sehr wahr.
Cobby erzählte mir einmal, daß in Vorkriegszeiten,
lange
Nun wird dem Hund die Halsung abgenommen. Es gibt die Möglichkeit,
daß er vorsichtig in den Bau einschlüpft, um ihn zu erkunden; es
ist auch möglich daß der Bau nicht besetzt ist, denn Füchse graben Dutzende von
Bauten, bewohnen sie nur für eine Nacht oder so, ehe sie weiterziehen.
Bevorzugte Bauten sind fast immer besetzt, aber viele werden nur eine
Nacht als Wohnung gebraucht, wenn sich ein
Fuchs weit von seinem eigenen Zuhause weg befindet. Ist der Fuchs offensichtlich nicht zu
Hause, sollte man den Hund nie ermutigen, in den Bau
zurückzukehren, man sollte ihm glauben, daß niemand zu Hause ist. Wenn man
seinen Hund ermuntert, in den Bau ein-
und auszuschlüpfen, macht man ihn nicht
nur selbst zum Narren, man ermuntert ihn zur
Früher oder später wird man fündig werden und der Hund
auf den Fuchs im Bau stoßen. Aber das erste Zusammentreffen mit einem Fuchs ist in der Regel
für einen Terrier etwas verwirrend, denn es gibt eigentlich zwischen
Hund und Fuchs keine natürliche Feindschaft. Man kann zwar - das
ist wahr - eine solche Feindschaft leicht
schaffen, indem man dem Terrier erlaubt, ein altes Fuchsfell
zu zerreißen, noch besser einen Fuchskörper. Ich
habe immer mein Auto angehalten, um für meine Terrier einen tödlich verunglückten Fuchs mit nach Hause
zu nehmen. Wahrscheinlich würde mich der Mann auf der
Straße dabei für verrückt halten, weil ich Fuchskörper
aufnehme, sie im Kofferraum meines Wagens verstaue. Dies hilft mir aber beim
Einarbeiten meiner Terrier auf Füchse, man sollte sich dabei wenig um
das Geschwätz der Leute kümmern. Schon im
allgemeinen sieht die Welt einen Terrier-Mann als einen hoffnungslosen Phantasten.
Aber echte Landbewohner
vergeuden nichts!
Stößt der Terrier zum ersten Mal auf einen Fuchs, sind
die Reaktionen von Hund zu Hund unterschiedlich. Einige leicht erregbare
Charaktere kläffen wie verrückt. Diese Terrier werden häufig ganz außergewöhnlich
gute Hunde zum Heraussprengen des Fuchses, allerdings geben sie auch auf
frischen Fuchsgestank Laut, selbst wenn der Fuchs sein Lager bereits verlassen
hat. Andere, etwas phlegmatischere Terrier lassen
ganz einfach ein tiefes, in der Kehle steckendes Grollen ertönen. Ist man ganz
sicher, daß der Fuchs im Bau steckt - ich gebe zu, daß
man sich ohne Einsatz eines gut
ausgebildeten Fuchshundes dabei schwer
tut - ist es jetzt Zeit, den jungen
Terrier durch Zurufe anzufeuern. Man
muß ihn unbedingt ermuntern, seine
Beute zu stellen, wie wild zu bellen, ihn reizen, den durchdringenden, fast betäubenden Fuchsgestank
voll aufzunehmen, ehe man anfängt, den Fuchs auszugraben.
Noch wichtiger wäre es, dem Hund zu erlauben,
den Fuchs quer durch den ganzen Bau zu treiben, ihn zu stellen, festzuhalten,
in einem blinden Gang einzusperren, ehe man mit dem Ausgraben beginnt. So unsportlich
es klingen mag, es bleibt nahezu unerlässlich, den ersten Fuchs zu töten, dem Hund zu gestatten, den
Fuchskörper zu apportieren, insbesondere dann, wenn
der Hund durch den Fuchs Wunden einstecken mußte.
Man darf hier keinen Fehler machen, auch der kampfstarke, aggressive Anfangshund
muß von einem ausgewachsenen Fuchs in
aller Regel recht ernsthafte Verletzungen
einstecken. Erlaubt man dem Hund danach,
den Fuchskörper zu beuteln, fühlt sich der Hund durch seinen Sieg befreit, ist bereit, auch auf künftigen Jagden
Verletzungen in Kauf zu nehmen, ohne vom Fuchs
abzulassen.
Natürlich muß man den Fuchs so schnell und schmerzlos wie
möglich töten. Nie darf man dem Hund gestatten, den noch lebenden Körper
zu quälen oder zu schütteln. Tut man es doch, fordert man geradezu künftigen Ärger
heraus. Dagegen spricht nicht nur nach meiner Überzeugung, daß der
verzweifelt in die Enge getriebene Fuchs sich noch kraftvoll zu verteidigen weiß,
dem Hund böse Wunden beibringen kann, vielmehr glaube ich, daß ein
solcher Angriff auf den noch lebenden Fuchskörper auch für
den Jäger abstoßend wirkt, wenn man überhaupt einen Mann, der zuläßt, daß
sein Hund einen noch lebenden Fuchs zerreißt, einen Jäger nennen kann.
Gestattet man solche barbarischen Ausschreitungen, hat man bereits
die Trennlinie zwischen dem Jäger und dem „Tierkämpfer" überschritten,
und für mich gibt es keine widerwärtigeren Menschen als
solche, die Tiere quälen. Entgegen der öffentlichen Meinung gibt es hier wirklich
Eines Tages kam er zu meinem Hof und führte Klage, daß
eine Füchsin mit ihren Jungen seinen gesamten Bestand junger Hühner niedergemetzelt habe. Die
Szene auf seiner Farm ähnelte tatsächlich
einer Explosion in eier Federbettfabrik. Etwa eine Meile von seinem Hof lag ein
riesiger Dachsbau, in dem die Füchsin mit
ihren Jungtieren lebte, eine Anlage, die viel zu groß und tief war,
um sie auszugraben. Ich war doch sehr überrascht, daß
ich meinen auf natürliche Produktion ausgerichteten Farmer
beim Auslegen von Zyanid antraf, um die Baubewohner zu töten. An diesem Sonntag hörte ich in der Kirche
eine Predigt meines auf natürliche Farmmethoden
eingeschworenen Freundes, der selbst Laienprediger mit viel Sinn für
Humor war (wahrscheinlich eine sehr seltene
Kombination). Er predigte über die Bedeutung des Bibelzitates von Paulus: „Da ist eine Zeit ..."
Meine Freunde und ich verstanden recht genau, wenn auch wohl
die übrige Gemeinde nicht so ganz mitkam. Aber solche
Angriffe von Füchsen sind sehr selten. Werden die Geflügelhäuser die Nacht über
verschlossen gehalten und befinden
sich in ordentlichem Zustand, kommt es selten zu
Hühnerdiebstählen.
Es gibt auch so gut wie keine Hinweise für die oft anzutreffende
öffentliche Meinung, daß Füchse Schafe töteten. Die meisten Jäger im Lake
District behaupten, Füchse raubten Lämmer, aber
ihre Erklärungen klingen, um es vorsichtig auszudrücken, etwas zweifelhaft. Nur
wenige Füchse würden sich dem Angriff eines Lakeland Mutterschafes
stellen, das sein Lamm verteidigt. Der Ansturm
würde selbst den tapfersten Hund in die Flucht schlagen.
Tote Lämmer werden selbstverständlich gefressen,
häufig findet man an den Bauten auch Schaffelle unter
den Nahrungsresten. Diese Felle stammen aber in aller
Regel von nicht beerdigten Lämmern, die aus natürlichen Gründen ihre
Geburt nicht überlebten. Auf ähnliche
Art kann man auch Reste toter Ferkel finden, obwohl bisher niemand je Füchse angeklagt hat, sie töteten kleine Ferkel.
Viel wahrscheinlicher ist es, daß schlechte Aufsicht über die Herden, nicht die Füchse -
für den Tod der
Lämmer verantwortlich ist. Aber es gibt noch immer Farmer
in allen landwirtschaftlichen Bereichen, die zutiefst davon überzeugt sind, daß Füchse Lämmer töten. John
Peel, der berühmte Fuchsjäger aus den Lakelands, berichtet,
daß er ein einziges Mal „einen törichten, Schafe
tötenden Fuchs" erlegt habe.
Hat man selbst seinen ersten Fuchs gefangen und getötet,
rechtfertigt man dessen Tod vielleicht mit der Tatsache, daß
Füchse allgemein als Raubzeug („vermin") angesehen
werden. Um einen Terrier wirklich fuchsscharf zu machen,
bedarf es jedoch weit mehr als ein einzelnes Zusammentreffen mit seinem
Gegner. In der alltäglichen Wirklichkeit geben nur wenige Hundehändler einem Hund mehr als eine Gelegenheit vor dem Verkauf, denn nur
wenige können sich den Zeitaufwand leisten, um einen Hund vor dem Verkauf auf
viele Füchse zu trainieren. Hunde
verbessern sich, wenn man ihnen regelmäßig Arbeit
gibt, zusehends. Sie lernen dabei nicht nur das Verhalten des Fuchses genau kennen, sondern bei regelmäßiger
Arbeit wird das Band zwischen Mensch und Hund
immer sehr viel enger. Ein klassisches Beispiel bietet eine Hündin aus meiner Zucht namens Climber, sie wurde
an Malcolm Haddock, den Terrier-Mann der
Meynell Hunt verkauft. Mit Climber wurde so regelmäßig
gearbeitet, daß Haddock behauptete, er könnte so
stark mit seiner Hündin kommunizieren,
daß sie genau wußte, ob er den Fuchs herausgesprengt wünschte oder in
einem Nebengang zum anschließenden Ausgraben gestellt.
Zu meiner immerwährenden Schande habe ich diese Hündin für mich verloren, sie an Haddock verkauft, weil es
mir nicht gelungen war, sie so zu erziehen, daß sie andere Haustiere nicht beunruhigte. Ich hätte sie einzeln arbeiten
lassen sollen, um mich voll auf sie einzustellen. Für alle jene, die solche
Geschichten über engste Beziehungen nicht
glauben, möchte ich unterstreichen, daß
wenn ein guter Führer seinen Hund hält
und regelmäßig ausbildet, sich solche
engen Beziehungen recht häufig bilden.
Jedoch der Käufer und Wiederverkäufer, der
Händler, der mit allen Wassern
gewaschene Terrier Besitzer,
der seinen Hund gegen Brieftauben handelt,
weil er einen Reiz nach dem anderen braucht, wird nie solche
engen Verbindungen aufbauen, mit lebenden Tieren gleich welcher Art
immer nur sehr wenig Erfolg haben.
Viele
Hunde, die regelmäßig auf Füchse gearbeitet werden, lernen diese einfach durch lautes, bösartiges Gekläff aus
dem Bau zu sprengen, ohne je mehr als einen Kratzer
oder so zu riskieren. Einmal besaß ich eine Hündin namens Ping, eine Enkelin
des alten Rüden von John Cobby „Pickaxe"; sie arbeitete zehn oder mehr
Jahre auf Füchse, mußte nur ganz zu Anfang ihrer Laufbahn einen Fuchsbiß
hinnehmen und vergaß diesen nie. Hiernach
hielt sie immer die notwendige Distanz, stellte den Fuchs, ohne
ihn direkt zu berühren. Im Gegensatz hierzu jedoch werden viele Hunde nach einiger Zeit im Töten von Füchsen recht
geschickt, insbesondere Terrier mit Einschlag vom Bull Terrier oder Lakeland Terrier. Fell Terrier töten
Füchse in der Regel, indem sie diese erdrosseln; sie packen den Fuchs mit einem charakteristischen Griff an
der Kehle, verengen Muskeln und Fell an der Kehle, bis
ihr Gegner tot ist. Der Hundekenner Winch ist fest davon
überzeugt, daß diese Veranlagung in
einigen Zuchtlinien der Fell Terrier
erblich verankert ist. Diese Eigenschaft
findet man im Norden von England, wo Füchse
als Raubzeug angesehen werden, das Jagdziel der Tod des Fuchses, nicht
gesellchaftliches Vergnügen ist, sieht sie
nicht als Fehler. Im Süden dagegen bedeutet das Töten des Fuchses einen schwerwiegenden Fehler. Die
Terrier sollen für guten Sport auf
der Meutejagd sorgen, ein toter Fuchs oder ein schwer verletzter, der aus dem Bau hinkt, ist
nicht gerade das, was man sich darunter vorstellt.
Hat ein Terrier erst einmal gelernt, den Fuchs im Bau zu töten,
gibt es nur wenig, was ein Besitzer tun kann, um dieses
Fehlverhalten des Hundes zu korrigieren (vom Standpunkt der Meutejagd), denn der Hund wird von Mal
zu Mal beim Einschliefen in den Bau noch geschickter.
Terrier-Männer haben schon alle möglichen Vorschläge
gemacht, sie gehen vom Abtrennen des Fuchses durch ein Gitter bis zur gezielten
Arbeit des Hundes über eine Saison auf
Dachse. Aber um es frei und offen zu sagen, in der großen Mehrzahl der Fälle
zahlen sich diese Methoden ganz einfach nicht aus. Hat ein Hund einmal gelernt,
den richtigen Kehlgriff anzusetzen, sich zu verbeißen und den Fuchs abzuwürgen, gibt es so gut wie nichts,
um ihn davon abzuhalten. Arbeitet man mit ihm - wie ich schon gesagt habe
- regelmäßig, wird er im Abwürgen des
Fuchses von Mal zu Mal noch geschickter. Einmal
besaß ich einen Rauhhaarterrier aus der Zucht von
G. Hardwick aus Blaengarw; dieser war im Abwürgen von Füchsen geradezu ein
As, deshalb natürlich für die Arbeit mit Meutehunden völlig nutzlos. Er
pflegte mit großer Vorsicht in den Bau einzuschliefen, nahm sich immer
die Zeit, den genauen Standort seines Gegners aufzufinden, und machte sich dann mit tödlichem Ernst an seine Arbeit. Zu
keinem Zeitpunkt bellte oder knurrte er, um in irgendeiner Weise seinen Standort
anzuzeigen. Er war einer der besten
Fuchsjäger, die ich je gekannt habe, gleichzeitig einer der nutzlosesten
Jagdterrier für Meutenjagden, denen ich je in den Midlands begegnet bin.
Seine stumme Wut wurde schließlich zu seinem Untergang, denn er wurde durch
einen Dachs getötet. Natürlich
sollten bei der Fuchsjagd eingesetzte Hunde Laut
geben, denn wenn man einen Terrier ausgraben muß, ist dies der einzige
sichere Weg, um die exakte Stellung von Hund
und Fuchs zu bestimmen. Stumme Hunde
sind ziemlich nutzlose Kreaturen, wenn man Füchse ausgraben
muß. Ebenso nutzlos sind Hunde mit schwachem, piepsendem Falsettwinseln.
Meist führt ein kräftiger Schuß an
Bull Terrier-Blut dazu, daß Hunde stumm jagen.
Man sagt John Russell nach, er habe exakt aus diesem Grund kurzhaarige Hunde nicht gemocht; glatthaarige
Fox Terrier hatten damals, als man John Russell nachsagte,
er habe sie abgelehnt, einen ziemlich hohen Anteil an Bull Terrier-Blut. Außerdem
ist ein stumm jagender Hund immer in
großer Gefahr, unter der Erde eingeschlossen zu werden. Joan Begbie, die
Besitzerin der berühmten Seale Cottage Linie
von Jack Russell Terriern, sagte mir,
daß sie fest davon überzeugt sei, daß der stumme Jagdstil ein erblich
bedingter Faktor bei Hunden sei. Allerdings gibt es einen Hinweis, daß
dieser Fehler auch im Verlauf des Anlernens
des Hundes erst erworben werden kann. Natürlich handelt es sich hier um
einen Fehler, gegen den es kaum irgendein
Mittel gibt. Viele Füchse spielen in großen unterirdischen Bauten mit
dem Terrier Katz und Maus, bewegen sich von Gang zu Gang, wenn sie vom Terrier verfolgt werden. Deshalb blockiert man möglichst
alle Ausgänge. Man muß dies aber mit
großer Sorgfalt tun, denn Füchse sind in der Lage, sich durch ganz winzige Lücken durchzuquetschen, entkommen
gar aus völlig unmöglich klein erscheinenden
Kaninchengängen. Hat man die Ausgänge geschlossen, sollte man etwas abwarten. Nach einiger Zeit verändert
sich das Kläffen unter der Erde in ein stetiges Staccatoverbellen. Einiges
spricht nun dafür, daß der Hund den
Fuchs in einer Ecke gestellt hat, ihm gegenüberliegt, wenig
vom Fuchs entfernt, manchmal nur wenige Zentimeter. Er verbellt, zuweilen
bricht der Laut ab, weil er versucht, einige Male nach dem Fuchs zu schnappen. Hat
der unerfahrene Junghund Gelegenheit zu ein oder zwei Bissen, lernt er
normalerweise auf diese Art seine Fehler erkennen, denn der Fuchs zieht sich in
der Regel weiter zurück und teilt eine Serie kurzer, scharfer schmerzender
Bisse aus, die meisten treffen dabei den Terrier
im Gesicht. Man muß aufmerksam zuhören, denn
die Laute erzählen eine Menge über den Kampf, der ein paar Meter unter der Erdoberfläche stattfindet. Staccatogebell
bedeutet in der Regel, daß der Hund seinen Gegner
in einer Ecke gestellt hat, röhrendes Gebell, daß er
den Fuchs angreift, schrille Schmerzenslaute, daß nicht alles klar geht, der Fuchs ihm einige Bisse versetzt hat.
Es gibt Jäger, die sich rühmen, daß sie alleine nach dem Klang des Verbellens feststellen können, ob der Hund einem Fuchs
oder einem Dachs gegenübersteht. Ich
beneide sie um dieses Geschick, das ich selbst gewiß nicht
besitze.
Ist die Zeit gekommen, den Fuchs herauszuholen, beginnt
man mit dem Graben; immer sollte man versuchen, Schnelligkeit und Vorsicht
zu kombinieren, je näher man an den Ursprung des Lärms herankommt. Vorsicht
ist unbedingt angezeigt, denn wird ein Junghund, vor dem Fuchs
vorliegend, verschüttet, führt dies häufig zu etwas zögerndem Angriff auf den nächsten
Fuchs. Die Hunde werden, was man „spatenscheu" nennt, ziehen sich vom Fuchs
zurück, sobald der Klang des Grabens sich ihnen nähert,
aus Furcht, wieder verschüttet zu werden. Sicher
muß eine ganze Anzahl verschiedener Eigenschaften zusammenkommen und zusammenpassen, ehe sich ein Terrier zu einem
erstklassigen Fuchsjäger entwickelt. Die Praxis jedoch hilft dem Hund
bestimmt, wenn nicht perfekt, so doch immer erfolgreicher im Ausgraben von Füchsen
zu werden.
Ehe der interessierte Terrier-Mann vorgibt, er habe keine Füchse, an denen er seine Terrier ausbilden könne, sollte er
in der Umgebung der Stadt zunächst einmal jede Müllkippe überprüfen. Es
bewahrheitet sich immer wieder, daß im Abstand von noch nicht
einmal einer Meile solcher Müllhalten und Abfallhaufen irgendwelche
Fuchshöhlen liegen. So hat die Müllhalde von Bentley in R'alsall
allgemein immer eine schlechte Presse in den Ortszeitungen,
wird von den Gesundheitsbehörden als größtes Gesundheitsrisiko
beschrieben. Ich muß aber gestehen, sie ist ein geradezu idealer
Jagdgrund, nicht nur, weil sie von Ratten bevölkert ist und dadurch auch Gäste
aus der Schule, an der ich lehre, anzieht. Die Burschen erscheinen
mit ihren Frettchen und Terriern. Zusätzlich ist die Halde noch ein Paradies für
Füchse. Zugegeben, diese Füchse befinden sich in ziemlich erbärmlichem
Zustand, aber es sind trotzdem Füchse. Ich glaube, es wäre überkritisch,
nunmehr meine Schüler zu beschuldigen, weil sie auf dieser Müllhalde ihr
Jagdvergnügen finden. Wenn nur alles, was mir berichtet wurde, halb wahr
ist, würde ich wahrscheinlich mit ihnen selbst hinausziehen. Die
Welt des Lehrers besteht nicht immer nur aus: „Tu, was ich dir sage, nicht
was ich tue!" Aber ich schweife mal wieder ab.
Die
meisten dieser Bauten sind ziemlich flach, viele liegen unter sperrigen, unbeweglichen Abfallmassen, dazwischen
riesige Brocken beschädigter Autobahnplatten, welche
städtische Versionen der legendären LakelandKlippen
bilden; offen gesagt, sie sind ebenso gefährlich, aber
trotzdem beherbergen sie eine große Anzahl von Füchsen.
Gewöhnlich liegen die Bauten in großen Kaninchenlöchern,
sind aus einer grauen, aschigen klinkerartigen Erde ausgegraben. Ein solcher Klinkerhaufen enthält einen enorm
hohen Prozentsatz an Schwefelsäure, und dennoch hat man darin einen ganzen Wurf Fuchswelpen angetroffen.
Die Bauten auf Müllhalden sind in der Regel
Brutstätten der Räudemilben, deshalb muß man bei der
Arbeit mit einem Terrier hier sehr vorsichtig sein. Trotzdem,
die meisten sind leicht auszugraben, gewöhnlich
ist es gar nicht schwierig, die Genehmigung zu erhalten, aus diesen Höhlen Füchse
auszugraben. Es gibt nur wenige Behörden, die bei Übertretungen
einschreiten. Ich muß aber zugeben, es sind einige Verfahren erfolgt. Dabei ist
es seltsam genug, Trödler, die auf diesen Halden
verwertbare Abfälle suchen, bleiben von den Behörden
unbehelligt, aber Jäger mit Terriern und Frettchen erregen durchaus Mißtrauen,
wenn sie nicht zuvor um Genehmigung ersucht haben. Es ist etwas sinnlos, auf Füchse
zu wildern, denn wie sollte man, wenn man dabei angetroffen wird, ein
zwei Meter tiefes Loch erklären?
Nicht alle Fuchshöhlen sind natürlich so leicht
auszugraben,
einige von ihnen sind für Terrier echte Todesfallen. So
gibt es nahe Consett in der Grafschaft Durham zwei Bauten, die allgemein dafür
bekannt sind, daß sie schon vielen Terriern das Leben
gekostet haben. Solche Bauten sind nicht nur oft sehr tief, sondern einige davon
sind vergrößerte Eingänge in unterirdische Felsen, die über Millionen
von Jahren entstanden sind. Viele haben Schluchten und verborgene Abhänge,
die in der Dunkelheit überhaupt nicht erkennbar sind und in die ein
Hund sehr tief abstürzen kann. Nur ein törichter anerkannter Narr
wird versuchen, in solchen Bauten zu arbeiten, nachdem andere Terrier-Fachleute
von Ruf ihn gewarnt haben, aber Jahr um Jahr fordern gefährliche Bauten
das Leben vieler Terrier. Alte Grubengänge oder Bauten nahe
alter Minen sind geradezu legendäre Todesfallen. Dabei sind nicht nur die
Felsen krümmelig und verfallen, auch die Abstützungen unsicher. Nischen voll
erstickender Methangase und
Schwefelhydrogen können jeden unvorsichtigen Hund töten, der durch die Nähe
des Fuchses sich wie toll in solche
Gasnischen stürzt und bald nach Luft schnappt. Ich kenne einen solchen
Bau nahe meinem Geburtsort in Wales. Es ist eine verfallene alte Mine,
die schon den Tod von hunderten von Terriern verursacht hat. Aber mit jeder
neuen Generation von Terrier-Männern
erhalten diese Gruben frische Opfer. Auch die Felsspalten und Felshöhlen
im Norden haben den schlimmen Ruf, Todesfalle
vieler Terrier zu sein. Selbst außerordentlich
ungefährlich wirkende Bauten können zu Todesfallen werden, sind
manchmal sehr viel tiefer als man annimmt. Ein solches Beispiel drängt sich mir
geradezu auf. Ich lebte einige Zeit mit den McLeods in
den Grampians, denn der alte John war nicht nur eine Wissensquelle
hinsichtlich der Highlandnatur und Volkssagen, er war auch ein vorzüglicher
Terrier-Mann. In der Zeit, in der ich ihn kannte, lag eigentlich die Zeit
des Ausgrabens schon etwas hinter ihm, aber er kannte jeden Zoll des Landes,
auf dem er, sein Vater und sein Großvater
als Wildhüter arbeiteten. Einer seiner Söhne hatte einen
Greyhound-Rüden gekauft, einen großen schwarzen ehemaligen
Rennhund, einen Sohn von Hi There, wenn ich mich richtig erinnere, und er
wollte diesen Rüden sehr gern auf der
Fuchsjagd erproben. Old John fragte mich,
ob eine meiner Hündinnen absolut sicher für die Fuchsjagd
sei, und nachdem ich ihm versichert hatte, daß
dies der Fall wäre, wanderten wir hügel aufwärts und kamen zu einem
Fuchsbau mit nur einem Ausgang, fast völlig
im tiefen Heidekraut verborgen, nur erkennbar an der stark benutzten Fährte, die durch das Heidekraut zum
Bau führte. Ich war außerordentlich überrascht als ich
feststellte, daß sich die Jungs - verdammt
- Jungs - sie
sind heute nahezu 40 Jahre alt -
am Fuße des Tals nahezu dreiviertel
Meilen entfernt aufstellten, dicht neben einem vom
Wind umgeworfenen Weißdornbusch. Ich ließ Clown
einschlüpfen, eine stehohrige, recht häßliche, aber tüchtige Hündin und hörte
ihren Weg hinab in die Dunkelheit. Es herrschte völlige Stille, nicht
der leiseste Ton zeigte an, ob sie fündig
geworden ist. „Der Fuchs ist nicht zu
Hause, John", murmelte ich und beugte mich hinunter, um die Hündin herauszurufen, aber John legte seinen
Daumen gegen meine Kehle, denn er ist ein wortkarger
Mann und deutete auf eine Stelle nahe dort, wo seine
Jungs warteten. Etwa eine Minute später flitzte eine kleine Füchsin
ganz dicht bei den Jungs aus den Felsspalten
und wurde ziemlich grob nach nur etwa 20 Schritten vom Greyhound gepackt.
Clown folgte nach, dies war also kein Bau mit nur einem Ausgang.
McLeod berichtete mir, daß es Erzählungen gäbe, wonach es hier bereits in
diesem Bau Füchse gegeben habe, noch ehe die Wölfe in Glencoe ausgerottet
waren. Ein tiefer Bau ist nicht immer dadurch gekennzeichnet,
daß er über viele Einschlüpfe und Ausgänge verfügt. Eine
große Anzahl von Hunden geraten in solchen Bauten zwangsläufig in
Schwierigkeiten, es gibt nur weniges, was man tun kann, um dies zu verhindern,
mit Ausnahme, daß man gut auf Erzählungen von Männern hört, die
schon schlechte Erfahrungen gemacht haben. Es gibt einen anderen Bau am
Kanalufer nahe Wall in Staffordshire; dies war ursprünglich eine alte römische
Festung, und ich habe, sooft ich in die Gegend kam, immer
wieder festgestellt, daß diese auf Terrier-Männer wie ein
Magnet wirkte. Hier gibt es immer Füchse im Bau, selbst nach einem sehr
nassen Mitsommer, aber der Bau birgt eine Fülle von Gefahren. Nur selten
bedauert ein Terrier-Mann
in dieser Gegend im nachhinein nicht, daß er
sich je an diesen Platz begeben hat. Die Anzahl von Terriern,
deren Leben zu beklagen ist, muß erstaunlich hoch
liegen. Der Bau beginnt wie ein völlig harmloser Bau
mit nur einem Eingang, geht dann tief in verwitterten
Sandstein, reicht etwa 30 Meter am Kanalufer hinauf. Ich kenne die Stelle gut,
denn die Knochen zweier meiner
Terrier liegen gleichfalls da unten, denn auch ich habe versagt, mich geweigert,
dem Rat von Joe Wadlow zu folgen,
dessen Aufgabe es früher, während des Ersten Weltkriegs war, die Bauten für
die South Staffordshire Hunt zu
verbauen.
Der Fell und Moorland Club bietet einen vorzüglichen Rettungsservice,
stellt sogar Ausgrabgerätschaften bereit, um verlorene Hunde zu
retten. Sie haben dabei an gemessenen Erfolg, aber -
traurig zu sagen - noch viel mehr
Fehlschläge, denn ein Gang zu einem eingeschlossenen Hund ist eine Sache, einen erstickten Körper zu bergen, eine völlig
andere. Wie dem auch sei, der Fell and Moorland Club bietet eine vorzügliche Versicherung gegen
sehr hohe Ausgrabungskosten und hilft sicherlich dadurch, viele Hunde zu retten,
die anderenfalls in offensichtlich nicht ausgrabefähigen Erdbauten dem sicheren
Tod überlassen blieben. Die Rettungsberichte, die in den Jahrbüchern des Clubs veröffentlicht werden, lese sich
wie epische Dramen, sie geben eine lebhafte Beschreibung
der Schwierigkeiten, die sich beim Retten von Hunden
aus gefährlichen Höhlen ergeben. Eine Mitgliedschaft zu diesem Club ist für
jeden Terrier-Mann eine vorzügliche
Investition, denn es kostet weniger als ein Pfund pro Jahr, diesem
hochgeschätzten Club anzugehören.
Jetzt zu einem anderen Thema. Von meinen Hunden erwarte
ich einen sehr hohen Grad an Gehorsam, denn ich bestehe
darauf, daß sie auf Ruf aus dem Bau zurückkommen.
Seit der Veröffentlichung meines Buches „The Working Terrier" wurde ich zu diesem Punkt ziemlich häufig
angegriffen. Viele Jäger scheinen einen Hund zu bevorzugen, der seinem
Gegner, dem Fuchs, durch dick und dünn
nachfolgt, sich um das Abrufen seines Besitzers überhaupt nicht kümmert. Ich
für meinen Teil mag das nicht. Habe
ich genug gegraben - und ich muß zugeben, daß ich sehr schwierige Bauten meide - denn
mir geht es in erster Linie um die
Jagd, nicht ums Graben. Deshalb möchte ich, daß mein Hund auf Kommando herauskommt,
ganz gleich, was andere darüber sagen. Selbst
wenn es ein Hund ist, der sich niemals von seinem Feind
abbringen lassen will. Sicher, es ist Dein Hund, er Deine
Kommandos unberücksichtigt läßt, es ist auch Deine
Zeit, es ist Dein Problem. Es genügt zu sagen, ich habe
einmal vier volle Tage den Hund eines Freundes ausgegraben
und mußte dabei feststellen, daß das Tier überhaupt nicht eingeschlossen,
sondern einfach ungehorsam und nicht
karnickelrein war. Auf meine Kosten hätte
es mir überhaupt nicht gefallen, einen solchen Terrier
zu besitzen, aber ich muß zugeben, in meiner Anfängerzeit hatte ich auch Hunde dieser Art. Füchse bleiben außerordentlich selten - wenn überhaupt ihr
ganzes Leben das Jahr über unter der Erde. Insbesondere im Sommer bewegen sie sich frei weg vom stinkenden,
milbenverseuchten Bau, verbergen sich draußen zwischen Kohlköpfen und Korn, suchen während Regenfällen
Schutz unter. Hecken. Im späten Herbst erst kehren
sie in die Bauten zurück, und der beginnende Winter ist im allgemeinen
die beste Zeit, Füchse im Bau anzutreffen.
Im späten Winter paaren sich Füchsin
und Fuchs, die Welpen werden etwa 56
Tage nach der Befruchtung geboren - die genaue Tragezeit ist in
gerade in jüngerer Zeit erschienenen
wissenschaftlichen Artikeln noch
umstritten. Fuchswelpen werden blauschwarz oder schokoladenbraun geboren,
haben einen dicken Pelz. Füchse tragen
anders als Dachse kein eigenes Nestmaterial ein, deshalb bedarf es guter Isolierung, wenn
die Welpen nicht an Unterkühlung sterben sollen. Ob
der Fuchsrüde bei der Aufzucht der
Welpen hilft oder nicht erscheint noch immer umstritten. Ich
habe persönlich große Zweifel, ob er sich überhaupt daran beteiligt. Mit Sicherheit
bleibt er während der Welpenaufzucht in unmittelbarer Umgebung, möglicherweise rein aus Neugierde,
möglicherweise aufgrund seiner Zuneigung zur Füchsin -
eine Anhänglichkeit, die sofort nach
der Paarung beginnt. Es ist aber
ziemlich gewiß, daß wo ein Jäger eine Füchsin
mit Welpen findet, man im allgemeinen nur ein paar
hundert Schritte entfernt auch einen Bau antrifft, in dem
der Fuchsrüde wohnt.
In Ewden, etwas nördlich von Rotherham, fand ich einmal
zwei Füchsinnen, die nur etwa 15-20 Meter voneinander ihre Wurfbauten
gegraben hatten, weitere 100 Meter entfernt davon fand ich den
Bau eines Rüden. Es scheint danach doch etwas wahrscheinlich, daß Füchse manchmal
polygam sind. Fest steht, daß der Rüde sein Territorium
mit großer Wildheit gegen alle rivalisierenden
Rüden verteidigt. Robert Ardrey ist fest davon überzeugt, daß Auseinandersetzungen zwischen Tieren gleicher
Art in erster Linie territorial sind, demgegenüber treten
nur selten - wenn
überhaupt - Kämpfe
um die Paarung selbst auf. Über einen Zeitraum von etwa drei Jahren
wurde die Umgebung um meine Hütte von einem großen,
schlanken Fuchsrüden kontrolliert, und ich habe nur
sehr selten irgendeinen anderen Fuchsrüden in dieser Gegend angetroffen.
Als schließlich der alte Fuchsrüde starb,
drangen junge Rüden in den Bereich ein, teilten sich
das Territorium wie Zigeunererben.
Aber nun zur praktischen Arbeit auf den Fuchs. Hier
gibt
es mehrere alternative Methoden, die wir einzeln überprüfen
werden. Zum einen kann man alle Ausgänge blockieren, gibt der Terrier gut
Standlaut, ist es verhältnismäßig einfach, vorausgesetzt der Bau ist nicht
zu tief, auf einen solchen Hund zuzugraben. Haben
sie eine Chance,
werden die meisten Füchse lieber fliehen als kämpfen,
ganz einfach deshalb, weil Füchse keine Auseinandersetzungen und wilde
Kämpfe mit Hunden mögen. In der
Alltagspraxis haben Füchse eine ausgeprägte Furcht vor Hunden, selbst säugende Füchsinnen mit Welpen fliehen
lieber und überlassen die Welpen ihrem Schicksal,
wenn sie nur eine kleine Chance haben. Geschichtenerzähler
über Füchse, die gegen ganze TerrierHorden
ankämpfen, um ihre Welpen zu schützen, sind ziemlich
suspekt, um mich vorsichtig auszudrücken. In aller Regel flüchtet der
Fuchs. Wie aber kann man ihn dann
fangen?
Ist man selbst sehr ruhig und hat einen tüchtigen
Terrier, einen Terrier des Schlages, der kläfft und lieber
den Fuchs in die Flucht schlägt, als auf Leben und Tod zu kämpfen,
kann man Füchse mit großen, kräftig gefertigten Netzen fangen. Füchse
fliehen aufgescheucht von Frettchen auch aus Kaninchenbauten, und ich kenne mehrere
Ferreters, die tatsächlich in ihren Kaninchennetzen
Füchse gefangen haben.
Wenn ein Fuchs ins Netz gerät, sollte man beim Herauslösen
gut aufpassen, insbesondere wenn er durch Zufall in einem Kaninchennetz
verfangen ist. Die meisten Füchse verfallen, wenn sie sich in
Netze verfangen sehen, in einen Zustand der Starrheit.
Viele Jäger nehmen an, daß sich der Fuchs nur bewußtlos oder tot stellt, um
sich der Aufmerksamkeit des Jägers und seines Hundes zu entziehen,
das stimmt nicht. Die Bewußtlosigkeit, ein Stadium nahe der Katalepsie, ist
ganz einfach eine Art Anfall, ebenso typisch und der Willenskraft entzogen wie
die Anfälle von Silas Marner. Man muß jedoch sehr vorsichtig
sein, wenn man versucht, die noch lebende Beute wieder
zu beleben. Solche Anfälle treten schlagartig auf, die Erholung ist aber ebenso schnell. Der Jäger hält plötzlich einen
zappelnden, schnappenden, energiegeladenen Feind
in seinen Händen. Lebende Füchse sollte man immer fest mit beiden Händen packen, eine Hand rund um den
Hals, die andere um die Lende. Nachdem ich meinen Lesern diesen vorzüglichen
Rat erteilt habe, muß ich einmal wieder
gestehen, etwas scheinheilig zu sein. Ich habe eine viele Zentimeter
lange Narbe an meinem linken Unterarm, das
Ergebnis, daß sich ein in meinen Händen befindlicher Fuchs aus dem Stadium der
Katalepsie sehr schnell erholte. Ich habe ein Gefühl -
ein schlechtes Gefühl - daß
ich hier fortfahre, eine Lesung zu halten, nachdem die Schule schon längst
vorüber ist. Ich habe einmal einen
Fuchs aus dem Bau getrieben und für
einige weibliche Fotografen in Netzen gefangen. Eine davon gab in verräterischer Weise die Fotos einer Organisation,
die sich die Abschaffung der Jagd zum Ziel
gesetzt hat; die Fotos zeigten den Fuchs, wie er seine Zähne
in meinen Arm geschlagen hatte. Dies geschah übrigens
genau in dem Augenblick, als ich den Fotografen
meine Theorie der Katalepsie und des richtigen Haltens
eines Fuchses vortrug. Meine Aufmerksamkeit wurde durch ein Blitzlicht abgelenkt, und die erschreckte Füchsin
kam plötzlich wieder ins Leben und biß gerade durch
den Arm; sie schloß dabei bulldogartig den Fang, erwartete das Unausweichliche, mit starren Augen und sich in
Sekundenschnelle verbeißendem Kiefer. Ich hatte eine Zeit mit höllischen Schmerzen, bis ich sie überreden konnte, mich
loszulassen. Ich habe eine unglaublich reiche Auswahl an Jagdfotografien, darunter gibt es aber eine,
die ich niemanden außer meinen engsten Freunden zeige;
die Aufnahme, die mich herumhüpfend zeigt, mit dem
in meinem Arm verbissenen Fuchs, mein Gesicht so voller Panik, daß jedermann von meiner Unfähigkeit, einen
lebenden Fuchs festzuhalten, überzeugt wird. Die
Jagd von aus dem Bau gesprengten Füchsen mit
Greyhounds oder Lurchers ist wohl der
wirksamste Weg, sie zu fangen, weitaus erfolgreicher als die Fuchsjagd hinter
den Hounds. Eine solche Jagd ist möglicherweise ebenso spektakulär, wird aber
niemals zu einem gesellschaftlichen
Ereignis. Trotzdem ist diese Einzeljagd sicherlich
besonders erfolgreich. Im letzten Jahr hatte die Meynelle
Hunt eine mittelmäßige Fuchsstrecke -
man sagte
mir, daß die Kosten für einen einzigen Fuchs bei etwa 20.000 Pfund
lagen. Zehn Meilen von diesem Jagdzwinger
lebt ein allgemein bekannter Fuchsfänger, der nahezu die doppelte Anzahl
an Füchsen getötet hat, wobei
seine einzigen Gehilfen eine verbastardete Jack Russell Terrier Hündin und ein abgemagerter Lurcher-Rüde waren.
Leute, die andere glauben machen, daß die großen
Fuchsjagden ein Mittel seien, den Fuchsbestand zu kontrollieren,
betrügen damit die anderen und sich selbst.
Ich wünschte mir, daß diese Leute einmal zugäben,
daß die englische Fuchsjagd mit Pferd und Hounds ganz
einfach ein gesellschaftliches Ereignis darstellt, keinen Rachefeldzug
zwischen Jägern und Füchsen.
Der
Dachs
Der nächste auf der Liste der zu bejagenden Tiere eines Jack
Russel Terriers ist der Dachs, ein wirklich beachtlicher,
gefährlicher Gegner! Ich wette darauf, daß wenn ein Terrier-Besitzer einem
älteren Farmer gegenüber nur erwähnt, daß er einen Jack
Russell Terrier besitzt, daß dann gerade dieser Landmann -
der wahrscheinlich selbst gerade keinen Hund besitzt - dem
Terrier-Mann stolz erzählen wird,
wie er vor Jahren selbst einen Hund besessen
habe, der einen Dachs getötet hat. Was für ein unglaubliches
Tier dieser Terrier gewesen sein mußte - und was für ein unglaublicher
Lügner dieser Erzähler in Wirklichkeit
ist! Ähnlich dem Billy Liar in den Erzählungen von Keith Waterhouse frage ich mich immer wieder, ob
es überhaupt je weise, alte, erfahrene Männer gibt. Die
Verhältnisse liegen ganz einfach: Der Dachs ist seit Jahrhunderten
ein geradezu klassischer Kämpfer, der Gegner
„par excellence", das erfahrenste unter den kämpfenden Tieren, der großartigste
Pfund-gegenPfund-Kämpfer, den der allmächtige Gott je erschaffen hat.
Er ist in Wirklichkeit gegenüber dem Angriff eines 7 Kilo schweren Terriers völlig
unverwundbar. Meine Leser können mir glauben, ein Hund der versucht, einen Dachs
anzunehmen, niederzumachen ist - wie
wir im Black Country zu sagen pflegen -
einer, der „alles für nichts
gibt". Zwei Geschichten sollen meine Leser davon überzeugen,
daß diese Feststellung absolut wahr ist. Etwa
um 1800, plus/minus zehn Jahre, gelang es im Norden von England, einen ganz herausragenden Kampfhund
zu züchten (hell of a good fighting dog) - man
nannte ihn den Blue Paul. Einige
Fachleute berichten, daß es sich um eine besonders geglückte Kreuzung zwischen
Terrier und Bulldog gehandelt habe, andere sprechen
von einer Mischung von Mastiff mit Bulldog; wie es auch
gewesen sein mag, es waren herausragende Kampfhunde mit einem Minimumgewicht von etwa 25 Kilo, einige Exemplare wogen
bis zu 45 Kilo. Solche Hunde konnten
tatsächlich einen Löwen in die Flucht schlagen, dies stimmt aber nicht ganz,
denn nachweislich wurden eine ganze Reihe Blue Pauls in den Kolonien durch Löwen
getötet. Zu der Zeit, als diese Rasse größte Popularität
erreicht hatte, begann man in den Pubs von London abscheuliche
Zweikämpfe zwischen Hunden und Dachsen zu organisieren, dabei wurden
teilweise die Hunde angehetzt, einen Dachs aus einem Faß herauszuziehen. Manchmal
kämpfte der Hund direkt gegen das Raubtier, sollte
es töten. Es war ein ekelerregender, sehr ungleicher Zweikampf.
Er wurde ausgetragen zwischen einem wilden
Kampfhund mit einem Gewicht bis zu 45 Kilo gegen ein
jämmerlich kleines, mitleiderregendes Raubtier - das
war zumindest die Situation auf den
ersten Blick, bis man sich die
Ergebnisse solcher Kämpfe näher ansah. Selbst
der Blue Paul wurde von diesem kleinen Tier besiegt
- einem Lebewesen, das im besten Fall
mit allem Winterspeck etwa 18 Kilo
wog.
Wenn so selbst ein Hund von solchem Kaliber große Schwierigkeiten
mit einem Dachs hatte, wird ein Jack Russell Terrier mit Sicherheit
in einem Kampf Hund gegen Dachs niemals der Sieger sein. Vor einigen
Jahren kam auf die Crufts Hundeausstellung ein Bull TerrierZüchter
mit seinem Hund, von dem es hieß, er habe tatsächlich einen Dachs getötet;
beide waren von einer Gruppe sie bewundernder Städter umringt, welche
diese Geschichte
glaubten. Städter überschätzen Hunde, haben
wahrscheinlich selbst nie einen Dachs gesehen. Als sie alle erregt
diskutierten, streichelte ich den Hund, untersuchte
seinen Unterkiefer und den Hals - Stellen,
an denen Dachse stets schwere Wunden
hinterlassen. Der Hund zeigte
keinerlei Verletzungen. So erscheint es mir mehr als zweifelhaft, ob Hund oder Mann überhaupt einen
Dachs je gesehen, geschweige denn, ihn aus dem Bau gejagt
und erlegt haben' Jeder Hund, der sich je mit einem Dachs angelegt hat,
wird aus einem solchen Kampf immer
unverkennbare Narben tragen.
Die zweite Geschichte spricht noch mehr für die
kämpferischen
Fähigkeiten des Dachses. Immer kurz vor einer Fuchsjagd hinter den Fox
Hounds - meist
in der Nacht vor der Jagd - muß der
Jagd-Terrier-Mann alle schwierigen
Eingänge zu Fuchs- und Dachsbauten verschließen. Damit versucht man zu verhindern, daß ein durch Hunde und
Reiter gejagter Fuchs in einen Bau einschliefen kann,
sowie er in Schwierigkeiten gerät. Sicherlich etwas unsportlich, wenn man an
das Gedicht von John Masefield „Reynard
the Fox" denkt - ein Gedicht, das
die meisten meiner Schulfreunde zu
einer sehr kritischen Einstellung gegenüber der Fuchsjagd brachte.
Tatsache ist aber
Warum
ist ein Dachs eigentlich so schwer verwundbar? Er gehört nicht nur zum
Geschlecht der Wiesel, eine Gattung außerordentlich
wilder, kleiner Raubtiere, er hat gegenüber seinen wieselartigen
Vettern noch zusätzliche Vorteile. Die
Schwarte eines Dachses ist außerordentlich zäh, so zäh, daß das Abhäuten und Präparieren der Häute
allen außer den Spezialisten eine Menge Probleme bereitet.
Außerdem liegt unter der Haut eine dicke Fettschicht,
eine Fettschicht, die bei Wärme zu einer Art halbflüssigem Öl wird.
Das Wichtigste ist aber, die Kiefer dieses Raubtieres sind völlig
einzigartig, da sie im gelenk drehbar sind und sich nicht, wie die Kiefer
anderer Säugetiere, im Kampf ausrenken
lassen. Manchmal bricht der Kiefer - besser ausgedrückt in ganz seltenen
Fällen - aber er läßt sich nicht ausrenken,
ohne daß die sehr dicke Schädelplatte des Dachses schweren Schaden nimmt. Hinzu kommt noch, Dachsknochen sind außerordentlich
dicht, deshalb außerordentlich schwer zu verletzen
(man beachte das Schädelfoto dieses Raubtieres auf Seite 49). Kombiniert
man nun diese Verteidigungsmechanismen noch mit der Tatsache, daß dieses Raubtier
einen Biß ähnlich einer Stahlfalle hat, außerdem Krallen
- die es in der Regel für das Graben
braucht - mit einer Länge von etwa 3,5 - 4
cm, dann hat man ein ungefähr
richtiges Bild des Gegners. Sie können mir glauben, er ist wirklich ein
echter Gegner! Ich wiederhole es: Kein Hund
kann einen Dachs töten! Dachse leben
in England seit der Eiszeit; zeitweise wurden sie recht wild verfolgt,
trotzdem gibt es sie auch heute noch reichlich, sie sind bei weitem nicht die
gefährdete Tierart, wie sie uns von Naturschützern
immer vorgestellt werden.
Vor einigen Jahren grub ich zusammen mit Gerry Humphries
einen jungen Dachsrüden aus, der solch einen Kaninchenbau erweitert hatte und
in einer kurzen Röhre lag, nur 1,30 Meter lang und etwa 30 cm unter der Oberfläche.
Dies war natürlich eine bemerkenswert leichte Ausgrabung. Ich muß aber
betonen, daß es außerordentlich selten ist, daß man einen Dachs an
einer so gefährlichen, ungeschützten Stelle antrifft. Künstliche
Röhren, von Jagdberechtigten an Stellen angelegt, wo Füchse
in Ruhe ihre Welpen aufziehen können, beherbergen öfter einsame Dachsrüden -
Rüden, die einen Territorialkampf
gegen ihre Väter verloren haben, aus dem Hauptbau vertrieben wurden. Capel legte viele derartige Kunstbauten an und
Dachse wurden zur großen Plage, denn
sie bewohnten die Bauten, gaben den Füchsen keine Wurfgelegenheit.
In einigen Jagden sind Dachse sehr erwünscht, insbesondere wenn in einem
Gebiet die Bauten von Räudemilben (Sarcoptes
communis) verseucht sind; ein Dachs wird (richtiger wäre wohl, man
vermutet ein Dachs würde) solche Bauten reinigen, indem er die mit Räudemilben
verseuchte Erde ausgräbt. Ich persönlich glaube, daß es sich hierbei
um eine angedichtete Eigenschaft handelt,
aber diese Vorstellung war im goldenen Zeitalter
der Fuchsjagden sehr verbreitet, man duldete die Dachse aufgrund solcher Vermutungen weitgehend. Nachdem
wir uns mit den Bauten und den Eigenschaften des jagdbaren Tiers eingehend befaßt
haben, kommen wir zu einem sehr umstrittenen Punkt, nämlich der zeitlichen
Begrenzung der Dachsjagd. Vom Gesetz her besteht in England keine zeitliche
Begrenzung; zweifelsohne kann man auch sagen,
daß, würde die Regierung eine solche
zeitliche Begrenzung einführen, es damit zu einer anderen,
außerordentlich falschen Regulation käme. Wie die Dinge nun einmal sind, ist
es Aufgabe des Terrier-Mannes
sicherzustellen, daß Dachse nicht während der Zeit der Aufzucht gejagt
werden. Man nimmt an, daß Dachse sich
im Spätsommer paaren, aber niemand vermag genau die Tragezeit von
Brock zu sagen, jedenfalls werden die Jungen
im Februar oder um den Februar herum
geboren. Es wäre eine absolute Verrücktheit, einen Terrier in den Bau zu schicken, der wahrscheinlich
einen Wurf beherbergt, denn sicherlich sind Vater
und Mutter unverwundbar, die Jungtiere aber bestimmt nicht. Hinzu kommt, daß
im Gegensatz zu vielen erfundenen Erzählungen
von Autoren, die überhaupt keine Ahnung von Dachsen haben,
wahrscheinlich nie einen sahen, kaum eine Dächsin ihre Jungen verteidigt; sie zieht
sich in eine Röhre zurück, vielleicht um den Hund abzulenken. Dies klappt aber selten, denn Terrier sehen in
neugeborenen Dachsjungen „leichtes Fleisch", richten ein
Blutbad an. Dies ist nicht nur barbarisch oder, vorsichtiger ausgedrückt,
unsportlich, es hat auch ausgesprochen
schlechte Folgen für die Jagd in der Zukunft. Jeder
Jäger, der dieses Namens würdig, kein Schlächter ist, sollte sich Gedanken um die Zukunft der Jagdtiere machen,
auf die er jagt. Tut er das nicht, sondern schlachtet
Tiere rücksichtlos, dann wird der Dachs auch dem
Weg des Uhus folgen, der großen Eule und dem englischen
Wolf. Gerade die Dachsbevölkerung in Cardiganshire
hat aufgrund eines unverantwortlichen Dahinschlachtens von Jungtieren und erwachsenen Tieren zur Zeit, da
dieses Buch geschrieben wird, einen verheerenden
Schaden erlitten. Da die Jungen immer Anfang des Jahres geboren werden, sollte sich der Dachsgräber mit seinen
Aktivitäten unbedingt auf die Sommermonate beschränken.
Nun zum Einsatz des Hundes und zum Ausgraben. Zunächst
bevorzugen es die meisten erfahrenen Jäger, ihre Hunde über eine Jagdsaison
nur auf Füchse einzusetzen, ehe sie diese auf den Dachs zulassen. Der Dachs ist
ein gefährlicher Gegner, deshalb ist es ein guter Rat an den Jäger,
den Terrier erst bei der Jagd unter der Erde auf weniger gefährliches Wild
Erfahrungen gewinnen zu lassen, ehe der Terrier sich mit einem so schweren
Gegner einläßt. Viele Jäger testen ihre Terrier auf den
Dachs, noch
ehe diese einen Fuchs zu Gesicht bekommen haben. Die Gründe liegen auf der
Hand. Füchse ziehen über weite Strecken umher, oft muß der Jäger gleichfalls
meilenweit gehen, ehe er auf einen Fuchs trifft, der sich in seinem
Bau befindet. Dachse sind wenig wanderlustig, bei Besuch nahezu immer zu Hause,
deshalb lassen sie sich leicht aufspüren. Es
ist traurig, vielleicht aber doch ein Glück
- man kann sie nicht leicht jagen.
Unverändert vertrete ich die Auffassung, daß wenn ein Terrier-Mann über
eine Jagdsaison zunächst seine Hunde nur auf den Fuchs
einsetzt, ehe er sich an Brock wagt, umso besser. Im Normalfall wird ein
Hund recht leicht in den Dachsbau
einschliefen, wenn er über eine Jagdsaison bereits auf
den Fuchs gejagt hat; tatsächlich kenne ich auch einige Hunde, die außerordentlich
gierig auf die Dachsjagd sind, obwohl sie sich für einen Fuchs überhaupt nicht
interessieren. Hier ist zu unterstreichen, daß auch das Gegenteil
vorliegen kann. So war Climber, eine Hündin, die ich
schon früher erwähnte, auf Füchse eine vorzügliche Jagdhündin,
verwandelte sich aber zum flüchtenden Feigling,
wenn sie nur einem halberwachsenen Dachsjungtier gegenüberstand. Gaston Phoebus, ein berühmter
Jäger aus dem Mittelalter, beschreibt eine einmalig barbarische
Methode, wie ein junger Terrier auf den Dachs
angelernt wird. Man fing einen ausgewachsenen Dachsrüden, schnitt ihm mit großen Metallschneidem die
Unterkiefer ab. Dann hetzte man die Terrier auf dieses
armselige, nahezu harmlose Tier, das ohne seinen Unterkiefer
dem Terrier gegenüber absolut wehrlos war. Diese erstaunliche Methode einer Einführung in die Dachsjagd ist ebenso
tierquälerisch wie töricht. Zunächst einmal
habe ich große Zweifel, ob ein Dachs es überhaupt überleben würde, wenn
man ihm den Kiefer abtrennt, und zum zweiten würde eine solche Methode den Terrier
einen völlig falschen, gefährlich falschen Jagdstil lehren.
Würde ein so angelernter Junghund nicht alle Vorsichtsregeln
in den Wind schlagen, sich auf den ersten,
nicht verstümmelten Dachs, den er trifft, stürzen, weil
er glaubt, dieser könnte nicht zurückbeißen? Ein erstklassiger
Dachshund braucht vier Grundqualitäten. Zum ersten muß er tapfer sein, aber nicht zu tapfer; am
besten ähnelt er „dem Brei für den kleinen Bären", mit
andern Worten, „er ist gerade richtig". Würde er sich wirklich
vor dem Dachs fürchten, könnte er durchaus
am Dachskessel im ersten leeren Schlafplatz verbellen,
ein Problem, auf das man recht häufig trifft, wenn man
mit einem leicht nervösen Terrier auf Dachse jagt; zum anderen würde er sich
vom Dachs so fern halten, daß es dem
Raubtier gelingt, wieder zum Hauptausgang durchzukommen,
dadurch alles Graben erfolglos zu machen.
Wäre der Terrier aber zu tapfer und versuchte, sich in den Dachs zu verbeißen oder ihn unter der Erde angreifen,
würde er auf eigene Kosten die Kampfkraft dieses
Raubtieres erfahren.
Ein harter Hund, ein Hund, der nicht zurückweicht, würde
schnell zum Opfer, bräuchte tierärztliche Behandlung. Einige Schläge der
Fellterrier sind Füchsen gegenüber wahre Teufel, auf der Dachsjagd aber völlig
unbrauchbar. Nicht durch mangelnden Mut, wohlgemerkt, sondern
ganz durch das Gegenteil! Denn sie haben die Gewohnheit, sich auf den
Gegner zu stürzen, furchtlos zuzupacken; dabei erleiden sie eine schreckliche
Niederlage, werden verkrüppelt, gelähmt und vor ihrer Zeit
jagduntauglich, dies alles aufgrund mangelnder Vorsicht beim
Kampf gegen einen so gefährlichen Gegner. Willie Irving, seit Piper Allen
der großartigste Jäger in dem Gebiet der Fells, sagt man nach, daß er stets darauf
hingewiesen habe, daß der Lakeland Terrier für
die Dachsjagd nutzlos sei, ganz
einfach, weil er ein zu harter Draufgänger war (Willie sorgte dafür, daß der Kennel Club diese Rasse
akzeptierte, den Standard anerkannte). Deshalb ist der ideale Hund für die
Dachsjagd ein Hund, der etwa genau in
der Mitte liegt („just right"), ein Hund, der lange Zeit den
Dachs verbellt, ihn immer wieder bedroht, dabei in der höllischen Dunkelheit im
Zentrum des Baus bleibt, immer den richtigen Abstand zu den Kiefern des Dachses
hält, sich nicht darum schert, daß ihm die Erde um die Ohren fliegt, welche
ihm der Dachs während dieser Jagd entgegenschleudert. Dachse versuchen
- wie ihr Name sagt - sich
im Bau selbst einzugraben, wenn sie sich fürchten, einen Erdwall
zwischen sich selbst und dem Hund zu
errichten.
Als nächstes braucht ein solcher Hund eine kräftige Stimme.
So töricht dies klingen mag, dies ist eine der wichtigsten
Eigenschaften! Ein stumm jagender Hund ist für die Dachsjagd praktisch nutzlos, ein Hund mit schwacher,
piepsiger Stimme ist fast ebenso schlecht. Oft stellen sich die Dachse
dem Hund erst ganz tief in der Erde. Um hier
nachzugraben, braucht der Hund einen tiefen, klingenden Standlaut (basso
profundo), um den Grabenden den sicheren Weg zu zeigen. Einmal grub ich nahe
Maltby in Yorkshire einen Dachsrüden aus, der nahezu
fünf Meter tief lag; ich fand ihn nur aufgrund der kräftigen
Stimme einer außerordentlich nützlichen Hündin, die ich damals besaß. Jetzt muß ich aber diese Geschichte
zu Ende erzählen, auch wenn sie mich als krassen
Amateur brandmarkt. Wir stießen durch und kamen senkrecht von oben über dem Paar an, wobei die Hündin kreischte
wie ein ärgerliches Marktweib. Ich faßte nach unten,
um die Hündin herauszuziehen, denn es wäre eine Idiotie,
einen Hund den Verletzungen auszusetzen, die auftreten können, wenn der Dachs an der Rute herausgezogen
wird; als ich sie packte, schlug sie mir in voller Erregung die Zähne in die
Hände. Ich hob sie, vom eigenen Körper abgewandt, heraus, rollte mich leicht
zur Seite, um ihre schnappenden Kiefer von meinem Gesicht abzuhalten,
drehte mich um und sah gerade noch, wie der Dachs
in die Hauptröhre abwanderte. Ich muß zugeben, ich
hatte ihm bestens geholfen. Es war später Abend, es regnete, und mein
Team von Terrier-Leuten war völlig erschöpft.
Niemand sprach mit mir auf dem Heimweg. Aber
man sollte mir den Jäger zeigen, der nie einen Fehler
gemacht hat.
Die nächste Forderung ist, der Hund muß bei seinem Gegner
über eine lange Zeitspanne verweilen. Ich kannte Hunde, die 20 Stunden beim
Dachs blieben, noch im letzten Jahr grub ich eine alte Hündin aus, die
ihren Gegner über 29 Stunden stellte. Wenn ein Hund alle paar Minuten
herein- und hinausläuft, wird der Dachs ganz einfach in den Hauptgang
abwandern, die ganze Aufgabe beginnt von neuem.
Bei
der Dachsjagd schätze ich eine gute Hundenase. Ich besitze eine Hündin - heute leider recht alt geworden - die
einen Dachs wittert, der sich hinter einem ganzen Wall von
Erde eingegraben hat. Bei der Arbeit braucht ein Hund eine sehr gute
Nase, um in einem mit Faulgasen angefüllten
Bau einen Dachs auch hinter loser Erde auszumachen.
Ein starker, kraftvoller Hund ist von großem Wert, wenn er am Ende des Grabens
den Dachs fixieren oder festhalten muß.
Der beste Hund, den ich je sah, war ein
riesiger, häßlicher, rauhhaariger Hund im Besitz von Bob Walker in
Rugeley. Dieser Hund konnte nicht unter der
Erde arbeiten, hierfür war er ganz einfach zu groß; aber wenn das Graben zu
Ende war, all die Arbeit getan, war
dieser Hund von höchstem Wert. Wie es mit den meisten Kopfhunden geht (Caesar dogs - wie man diese Hunde nennt),
fand er jedoch ein trauriges Ende. Leider ist dies immer wieder das große Risiko von Kopfhunden, die
am Ende des Ausgrabens im Kampf an vorderster Stelle
arbeiten müssen.
Ich muß hier bekennen, ich hasse es, Dachse zu töten. Wie schon gesagt habe ich einmal einen als Haustier aufgezogen, und obwohl er sich dabei als außerordentlich lästig erwies, lehrte er mich bestimmt, Mr. Brock zu schätzen, anstatt ihm zu schaden.