D. Brian Plummer     

Auszüge aus dem Buch 

„ Jack Russel Terrier“ 

Kynos Verlag Mürlenbach  

         Jack Russel.jpg

                              

                                     

Der Fuchs  

Als ich vor einiger Zeit in South Wales eine Ausstellung richtete, hörte ich das mir nur zu vertraute Klagen eines desillusionierten Terrier-Manns, der sagte: „Ich weiß überhaupt nicht, warum er beim Fuchs versagt. Ich gab ihm eine Ratte oder zwei, dann versuchte ich ihn auf den Fuchs, und er wich gegenüber Reineke zurück." Dabei sprach er über einen Hund, der gerade sieben Monate alt war!

Als Grundprinzip sollte man seinen Junghund nur auf solches Raubzeug ansetzen, das ihn nicht überfordert. Über eine ganze Zeit war ich darauf spezialisiert, von anderen ruinierte Hunde zu erziehen. (Dabei kostete es mich fünf Monate, in Rotherham entlang dem Kanal einem falsch behandelten Terrier-Junghund durch Arbeit auf Wühlmäuse wieder Vertrauen zu vermitteln.) Nur durch konstante und regelmäßige Jagd gewinnt ein Jung­hund Jagderfahrung, erprobt seine Geschicklichkeit an ihm angemessener Beute. Insbesondere entsteht hierbei eine ganz enge Verbindung zwischen Hund und Besitzer, eine Bindung, so alt wie die Haustierwerdung des Hundes selbst, eine Verbindung, die sich auf diese Art nie so zwischen Hunden und einem Mann entwickelt, der sich ausgebildete Hunde kauft oder einem Mann, der in fiebriger Hast versucht, seinen Hund auf zu große Beutetiere anzusetzen. Dies führt uns zur wichtigsten Jagdbeute eines Terriers, nämlich zum Fuchs. Am besten beginnen wir ganz offen mit einer Wahrheit. Füchse sind furchtbare Gegner. Deshalb ist der künftige Terrier-Jäger gut beraten, die Narren zu übersehen, die ihm erzählen, es gäbe Terrier, die innerhalb von Sekunden mit Füchsen fertig werden, die ebenso schnell Füchse töten wie ausgebildete Hunde Ratten fangen. Ehe man solche falsche Vorstellungen erweckende, unehrliche Geschichten glaubt, sollte ein Jäger zunächst einmal die Verletzungen an Terriern untersuchen, die regelmäßig mit der Hundemeute arbeiten. Es gibt nur ganz wenige Hunde, die regelmäßig mit der Meute jagen und keine schrecklichen Schrammen aufweisen; noch seltener sind Terrier, die bei harten Kämpfen mit Füchsen nicht einige Zähne verloren haben. Mein bester auf Füchse arbeitender Terrier kämpfte mit einigen hundert Füchsen; im Alter von acht Jahren gab es wenige Stellen in seinem Gesicht, die nicht von Narben bedeckt waren. Man braucht sich nur einmal die Fell-Terrier auf einer Jagdausstellung anzusehen („Fells" sind Steinklippen in Schottland). Dies sind in der Regel sehr harte, schneidige, kleine Hunde, eigens gezüchtet, nicht nur um den Fuchs aus dem Bau zu sprengen, sondern auch um ihn zu töten, falls er nicht entflieht. Viele dieser Hunde haben durch Zweikämpfe mit Füchsen gebrochene oder dank Bänderverletzungen ausgerenkte Kiefer. Aus dieser Sicht sollte man sich dann den Narren ansehen, der offen den Fuchs als eine Beute verachtet, die so leicht wie eine Ratte gefangen werden könne. Den Fuchs würde ich lieber als ernsthaften „Gegner" (Foe), denn als „Beute" (Quarry) bezeichnen. Ein Zweikampf zwischen Hund und Fuchs kann immer auf mehrere Arten zu Ende gehen - man frage einmal jeden aktiven Jäger, wieviele tapfere kleine Terrier er schon nach Auseinandersetzungen mit Füchsen beerdigt hat. Man sollte sich auch vor Augen halten, daß ein Terrier, der eine Ratte oder ein Wiesel erlegt hat, diese meist über der Erde im Tageslicht bezwang, höchstens noch in der Dämmerung. Jetzt verlangt man aber von seinem Hund, in den Fuchsbau einzuschliefen, in völliger Dunkelheit mit ihm zu kämpfen, ihn zu stellen - in einer Dunkelheit, an welche der Fuchs völlig gewöhnt ist. Hinzu kommt noch, daß der Hund oft seinem Gegner in Erdgängen gegenübersteht, die mit giftigen Gasen angefüllt sind, zum Beispiel Methangas, oder hohem Kohlendioxidgehalt aufgrund faulender Wurzeln  alles Umstände, an welche der Fuchs gut gewöhnt ist, die dem Terrier aber völlig fremd sind. Es ist logisch, daß man von einem unerfahrenen Junghund, einem Anfänger, viel zu viel verlangt, solch einem Feind entgegenzutreten, aber die Anzahl der Jäger, die fertige Junghunde einer solchen Gefahr aussetzen, ist durchweg erschreckend. Viele Männer rühmen sich, sechs Monate alte Junghunde gegen den Fuchs eingesetzt zu haben. Gerade am gestrigen Tage, ehe ich diese Zeilen schrieb, hörte ich sich einen Jäger rühmen, sein sechs Monate alter Junghund sei schon gegenüber dem Dachs ein wahrer Dämon, kümmere sich aber überhaupt nicht mehr um Füchse. Hier darf man keinen Fehler machen! Manche Junghunde attackieren einen Fuchs, als sei er ein Baby  etwa in der gleichen Art, wie sich ein Teenager nach durchzechter und durchtanzter Nacht Mohammed Ali gegenüberstellte - das Ergebnis ist dann sehr ähnlich, das können Sie mir glauben! Zu frühes Ansetzen auf jedes Beutetier hat auf das Wesen eines Terriers katastrophale Auswirkungen. Der Junghund bezieht schwere Prügel und verweigert in der Regel jede weitere Auseinandersetzung mit einem Gegner, der ihn einmal niedergemacht hat.

Logischerweise werden alle diese Opfer immer als „gerade andressierte Junghunde (just started)" von Hundehändlern angeboten. Natürlich gibt es einige wenige Jungtiere, die sich wie Tiger auf Füchse stürzen, diese sind dann auch in der Regel zum Zeitpunkt ihres ersten Geburtstages am Ende, völlig ruiniert; und wiederum ge­hen sie in die Hände von Händlern, welche sich darauf spezialisiert haben, „andressierte Hunde" zu verkaufen. Zu früher Einsatz ist nie ratsam, offen gesagt hat er immer zerstörerische Auswirkungen auf die künftige Jagdqualität jedes Jagdhundes. Es wäre natürlich unwahr, wenn ich behauptete, ich hätte nie Junghunde auf den Fuchs ausprobiert, denn es ist eine schreckliche Versuchung, gerade einen „Überflieger" gegen schwere Gegner auszuprobieren. Aber ganz gleich, wie sehr der Terrier ­Mann auch die Tüchtigkeit seines Junghundes zu testen wünscht, er sollte der Versuchung widerstehen. Einige der allerberühmtesten Jagdterrier waren insgesamt gesehen in ihren Lehrjahren bemerkenswert langsam, einige davon wurden erstmals im Alter von drei oder vier Jah­ren auf den Fuchs angesetzt. Der berühmte Rüde Pincher von Mr. Cobby - ein Superhund in jeder Beziehung - die Anzahl der von ihm gedeckten Hündinnen beweist diese Tatsache - war volle vier Jahre alt, ehe er zum gefürchteten Fuchsjäger wurde.

Brian Forsyth von der Warwickshire Hunt ist ein Mann, dem zu Recht nachgesagt wird, er habe so gut wie nie Mißerfolge mit einem Hund, zu Recht wird er in der Ar­beit mit Terriern als Autorität angesehen. Brian Forsyth hatte einen Hund, der für seine Arbeit weit und breit anerkannt war, obwohl er bis zu seinem dritten Lebensjahr keinen Fuchs annahm. Forsyth stand zu diesem Hund, den viele abgegeben oder sogar erschossen hätten. Vom dritten Jahr an setzte Forsyth ihn stärker und stärker ein, und er arbeitete bis ins zehnte Jahr! Kein anderer Hund belohnte seine Geduld mehr als dieser.

Bedarf es noch weiterer Beispiele, um den Leser von der Torheit zu überzeugen, halbreife Hunde gegen den Fuchs einzusetzen, gibt es hierzu noch eine andere Geschichte. Die Familie Robson von der Border Hunt züchtete einen Terriertyp, den wir heute als Border Terrier kennen. Diese Terrier sind anfangs in der Jagd bemerkenswert lang­sam, sie bleiben in der Regel bis ins Erwachsenenalter hinein furchtsam und kindlich verspielt. Die Familie Robson unterstreicht, daß sie niemals absichtlich einen Terrier auf den Fuchs angesetzt habe, und ich zweifle nicht daran, daß dies die Wahrheit ist. Ihren Terriern wurde erlaubt, mit den Foxhounds zu laufen, mit zu be­obachten, wie ein Fuchs in den Bau einschlieft. Waren sie gut und ausgereift - und es war allein der Terrier, der dieses Fertigsein entschied, nicht der Jäger - dann schlieften sie in den Bau ein. Einer der Terrier der Familie Robson, ein Hund namens Flint (ein unter Border Terriern recht verbreiteter Name), stand vermutlich bereits im fünften Jahr, ehe er sich auf einen Zweikampf mit dem Fuchs einließ. Und dieser Flint wurde im Bordergebiet zu einem recht berühmten Hund, arbeitete nachweislich bis zu seinem 16. Geburtstag.

Zu früher Einsatz ist ganz einfach sinnlos, absolut schädlich. Wie aber soll man einen Terrier auf die Fuchsjagd einschulen? Die Antwort steckt in einer Nußschale: Wenn er ausgereift ist und nur unter Ausschluß der Öffentlichkeit. Dieser Ausschluß der Öffentlichkeit (priva­cy) ist außerordentlich wichtig, denn beim ersten Ver­such auf den Fuchs kann ein Hund seinen Besitzer durchaus zum Narren machen; solches Handeln wird, wenn es unter Ausschluß der Öffentlichkeit erfolgt, dem Hund meistens vergeben, geschieht es aber in der Öffentlichkeit - etwa auf einer Jagdveranstaltung - kommt es in der Regel dabei zu einer Fülle von hämischer Kritik (besonders von Leuten, die entweder ihren Hund zu Hause gelassen haben oder selbst keinen Terrier besitzen oder gar jagdlich führen; es ist erstaunlich, wie aus vielen Menschen ohne Hunde ausgerechnet Terrier-Experten werden!). Ein solches Geschehnis kann sich auf die Beziehung zwischen Jäger und Hund außerordentlich störend auswirken, zu Schäden führen, die oft viel Zeit brauchen, um auszuheilen. Fleischwunden heilen schnell, angekratzter Stolz braucht dazu viel länger. Aber man sollte immer mit dem ersten Schritt beginnen. Der „Möchtegern-Fuchsjäger" hat schon einwandfrei gelernt, sich in der Rattenjagd zu bewähren - je länger desto besser - ein Jahr ist nicht zu lang - möglicherweise hat er auch bereits ein paar Wiesel oder sonstiges kleines Raubzeug gefangen. Der Hundebesitzer beschließt, sein Hund sei zur ersten Auseinandersetzung mit dem Fuchs fertig. Der Hund könnte ruhig etwa 18 Monate alt sein, ehe er seinen ersten Fuchs sieht. Man sollte die Jugendzeit des Terriers klug genutzt haben, dem Hund freien Lauf geben, Jagd auf kleine Beute erlauben. Hat es ihm sein Besitzer erlaubt, konnte er Wassergräben erfor­schen, ist häufiger in leere Bauten eingeschlieft - zu diesen Aktivitäten sollte man ihn natürlich nicht zu sehr ermutigen. Er ist in seiner Jugend auch in die tiefsten Winkel von Höhlen vorgedrungen und den erregenden Ge­ruchsspuren gefolgt, die hier versammelt sind. All dies sollte ein junger Fuchsjäger bereits getan haben, dabei aber nie zu sehr vom Besitzer ermutigt werden. Ein Hund, der in jedes Loch, das sein Besitzer findet, hineingelobt wird, wird mit größter Wahrscheinlichkeit nur zu begierig sein, seinem Besitzer einen Gefallen zu tun, indem er in jeden Bau, den er sieht, einschlieft und vor Erregung möglicherweise sogar Standlaut gibt. Solcher übertriebener Enthusiasmus ist Grundlage für das Übel, das man als falsches Markieren bezeichnet. Solche Hunde geben in völlig leeren Bauten Laut, weil sie glauben, sie täten ihrem Herrn damit einen Gefallen. Hat ein Hund erst einmal eine solche Untugend angenommen, ist es verdammt schwierig, sie ihm abzugewöhnen. Ich selbst weiß kein wirklich hundertprozentig wirksames Mittel, um dies erzieherisch zu korrigieren. Trotzdem sollte der Hund daran gewöhnt sein, in Bauten und Röhren einzufahren, um seine Beute zu suchen. Ehe wir weitergehen noch ein wichtiger Ratschlag. In aller Regel leben Kaninchen und Füchse in einer Art Wohngemeinschaft, eine Feststellung, die auf den ersten Blick ein wenig erstaunlich erscheint, aber bei näherer Prüfung doch recht logisch ist. Auf der Suche nach neuen Bauten finden Füchse in der Regel Kaninchenbauten, vergrößern sie für ihren eigenen Bedarf. Danach leben die Kaninchen mit einer Art Zwangseinquartierung, die besten Zimmer im Bau sind von den Füchsen bewohnt. Terrier finden in der Regel sehr viel Freude am Kaninchenjagen, denn Kaninchen haben einen süßen, nahezu verführerischen Duft, den Hunde fast immer unwider­stehlich finden - viel aufregender als Fuchsgestank, denn richtig gesehen ist der Fuchs für Hunde gleich welcher Rasse gar keine natürliche Beute. Aber Hunde, die nicht kaninchenrein sind, wie es in der Jagdterminologie heißt, - also Kaninchen jagen - werden bei vielen Gelegenheiten die ihnen zugedachte Beute (also Fuchs oder Dachs) im Stich lassen und Kaninchen ausgraben. Eine recht unangenehme Angewohnheit, die den Wert eines Terriers deutlich mindert. Ich habe schon häufig Stunden damit verbracht, Terrier meiner Freunde auszugraben, Hunde, deren Besitzer mir versichert hatten, sie wären völlig ka­ninchenrein. Am Ende fand ich den Hund Standlaut gebend vor einem kleinen Mümmelmann in einem der zahlreichen Tunnel, welche jeden normalen Fuchsbau immer wieder kreuzen. Hinzu kommt noch, Kaninchen können sich in eine winzige Ecke zusammenquetschen, deshalb gräbt der Terrier häufig, um an seine Beute heranzukommen, wühlt sich folglich selbst in der Erde ein, schließt sich damit von der Luftzufuhr ab und stirbt nicht selten aufgrund seiner Leidenschaft für Kaninchen. Mit Sicherheit werden viele Hunde bei der Arbeit auf den Fuchs eingeschlossen und ersticken, aber tatsächlich gibt es noch eine viel größere Anzahl an Terrieropfern, die den Kaninchen, nicht den Füchsen zuzuschreiben sind - eine inkonsequent scheinende Feststellung, aber trotzdem sehr wahr.

Cobby erzählte mir einmal, daß in Vorkriegszeiten, lange ehe die Myxomatose Kaninchen zur Seltenheit werden ließ, einige Kaninchenbauten so groß und so verschlun­gen waren, daß sie tatsächlich einem Labyrinth ähnelten. Im Jahre 1919 gruben zwei Zechkumpane meines Vaters, Bergleute aus Wales, über acht Tage an einem Kanin­chenbau in Carmarthenshire, um einen Terrier zu befreien, der 15 Fuß unter der Erde (4,6 Meter) eingeschlossen war. Solche riesigen Kaninchenbauten sind sehr selten geworden, seit die Myxomatose die Kaninchenbevölkerung reduziert hat, aber sie sind auch heute noch Fallen für viele Terrier. Hunde, die zur ernsthaften Fuchsjagd verwendet werden, in erster Linie also Hunde zur Jagd mit Foxhound-Meuten oder als Fuchsjäger unter der Erde, sollten absolut kaninchenrein erzogen werden. Der Trick besteht häufig darin, daß man ein paar wilde Kaninchen (zahme Kaninchen haben offensichtlich einen völlig anderen Geruch) in einer Einzäunung laufen läßt. Versucht der Terrier-Junghund sich auf sie zu stürzen, wird er ernsthaft bestraft. Früher oder später lernt der Hund, daß Kaninchen als Beutetiere „verboten" sind, er beunruhigt nicht länger die Bunnies. Von dem berühmten Hund Bluecap (1908) im Besitz von Nimrod Capel sagt man, er sei so kaninchenrein gewesen, daß er sie selbst aus seiner Futterschüssel fressen ließ, obwohl er auf den Fuchs geradezu ein Dämon war. Capel stellte immer sicher, daß alle seine Jagdterrier kaninchenrein wa­ren, erschoß jeden seiner Hunde, der sich als kaninchenscharf erwies. Eine zwar wirklich drastische Maßnahme für einen Durchschnittsjäger, aber Capel pflegte zu sagen, daß es Aufgabe eines Terriers sei, auf dem jagdlichen Sektor Sport zu gewährleisten. Und im goldenen Zeitalter der Fuchsjagd - einer Zeit, wo Dienstleistungs­jobs relativ sehr gut bezahlt und Füchse umsorgt wurden - gab es wenige Jagdteilnehmer, die bereit waren, lange Wartezeiten in Kauf zu nehmen, während ein Terrier auf Kaninchenjagd ging und dem Fuchs Zeit ließ, sich in einem uneinnehmbaren Bau unter der Erde einzugraben. Terrier auf Kaninchenjagd machen viel Spaß - ich muß zugeben, ich sehe das so - aber für ernsthafte Fuchsjäger sind solche Hunde immer lästig und unnütz. Aber um zu unserer Aufgabe zurückzukehren, der Terrier hat das Alter erreicht, um zur Fuchsjagd eingesetzt zu werden. Damit ist seine Zeit des freien Umherlaufens zu Ende. Von jetzt an soll er an der Leine gehen, nur noch freigelassen werden, wenn sein Besitzer dies für nützlich hält. Vor der Arbeit - den Hund immer an der Leine! Nun kommt der Terrier-Mann zu einem Bau, von dem er weiß, daß Füchse darin leben oder zumindest von dem man sagt, es sei eine „Fuchsunterkunft". Es sollte sich möglichst um einen Bau handeln, der nicht beson­ders tief erscheint - die letzten Worte haben eine große Bedeutung, denn selbst Bauten mit nur einem einzigen Ausgang können manchmal außergewöhnlich tief sein. Ich könnte einige schreckliche Geschichten über solche Bauten mit nur einem Ausschlupf erzählen. Wie dem auch sei, der Terrier zieht an der Leine, die Erde riecht kräftig nach Fuchs.

Nun wird dem Hund die Halsung abgenommen. Es gibt die Möglichkeit, daß er vorsichtig in den Bau einschlüpft, um ihn zu erkunden; es ist auch möglich daß der Bau nicht besetzt ist, denn Füchse graben Dutzende von Bauten, bewohnen sie nur für eine Nacht oder so, ehe sie weiterziehen. Bevorzugte Bauten sind fast immer besetzt, aber viele werden nur eine Nacht als Wohnung gebraucht, wenn sich ein Fuchs weit von seinem eigenen Zuhause weg befindet. Ist der Fuchs offensichtlich nicht zu Hause, sollte man den Hund nie ermutigen, in den Bau zurückzukehren, man sollte ihm glauben, daß niemand zu Hause ist. Wenn man seinen Hund ermuntert, in den Bau ein- und auszuschlüpfen, macht man ihn nicht nur selbst zum Narren, man ermuntert ihn zur schlimmsten Sünde des falsch Markierens, wie ich bereits erklärt habe. Deshalb sollte man es am besten an einem anderen Bau neu versuchen.

Früher oder später wird man fündig werden und der Hund auf den Fuchs im Bau stoßen. Aber das erste Zu­sammentreffen mit einem Fuchs ist in der Regel für einen Terrier etwas verwirrend, denn es gibt eigentlich zwischen Hund und Fuchs keine natürliche Feindschaft. Man kann zwar - das ist wahr - eine solche Feindschaft leicht schaffen, indem man dem Terrier erlaubt, ein altes Fuchsfell zu zerreißen, noch besser einen Fuchskörper. Ich habe immer mein Auto angehalten, um für meine Terrier einen tödlich verunglückten Fuchs mit nach Hau­se zu nehmen. Wahrscheinlich würde mich der Mann auf der Straße dabei für verrückt halten, weil ich Fuchskör­per aufnehme, sie im Kofferraum meines Wagens verstaue. Dies hilft mir aber beim Einarbeiten meiner Ter­rier auf Füchse, man sollte sich dabei wenig um das Geschwätz der Leute kümmern. Schon im allgemeinen sieht die Welt einen Terrier-Mann als einen hoffnungslosen Phantasten. Aber echte Landbewohner vergeuden nichts!

Stößt der Terrier zum ersten Mal auf einen Fuchs, sind die Reaktionen von Hund zu Hund unterschiedlich. Einige leicht erregbare Charaktere kläffen wie verrückt. Diese Terrier werden häufig ganz außergewöhnlich gute Hunde zum Heraussprengen des Fuchses, allerdings geben sie auch auf frischen Fuchsgestank Laut, selbst wenn der Fuchs sein Lager bereits verlassen hat. Andere, etwas phlegmatischere Terrier lassen ganz einfach ein tiefes, in der Kehle steckendes Grollen ertönen. Ist man ganz sicher, daß der Fuchs im Bau steckt - ich gebe zu, daß man sich ohne Einsatz eines gut ausgebildeten Fuchshundes dabei schwer tut - ist es jetzt Zeit, den jungen Terrier durch Zurufe anzufeuern. Man muß ihn unbedingt ermuntern, seine Beute zu stellen, wie wild zu bellen, ihn reizen, den durchdringenden, fast betäubenden Fuchsge­stank voll aufzunehmen, ehe man anfängt, den Fuchs auszugraben. Noch wichtiger wäre es, dem Hund zu erlauben, den Fuchs quer durch den ganzen Bau zu treiben, ihn zu stellen, festzuhalten, in einem blinden Gang einzusperren, ehe man mit dem Ausgraben beginnt. So unsportlich es klingen mag, es bleibt nahezu unerlässlich, den ersten Fuchs zu töten, dem Hund zu gestatten, den Fuchskörper zu apportieren, insbesondere dann, wenn der Hund durch den Fuchs Wunden einstecken mußte. Man darf hier keinen Fehler machen, auch der kampfstarke, aggressive Anfangshund muß von einem ausgewachsenen Fuchs in aller Regel recht ernsthafte Verletzungen einstecken. Erlaubt man dem Hund da­nach, den Fuchskörper zu beuteln, fühlt sich der Hund durch seinen Sieg befreit, ist bereit, auch auf künftigen Jagden Verletzungen in Kauf zu nehmen, ohne vom Fuchs abzulassen.

Natürlich muß man den Fuchs so schnell und schmerzlos wie möglich töten. Nie darf man dem Hund gestatten, den noch lebenden Körper zu quälen oder zu schütteln. Tut man es doch, fordert man geradezu künftigen Ärger heraus. Dagegen spricht nicht nur nach meiner Überzeugung, daß der verzweifelt in die Enge getriebene Fuchs sich noch kraftvoll zu verteidigen weiß, dem Hund böse Wunden beibringen kann, vielmehr glaube ich, daß ein solcher Angriff auf den noch lebenden Fuchskörper auch für den Jäger abstoßend wirkt, wenn man überhaupt einen Mann, der zuläßt, daß sein Hund einen noch lebenden Fuchs zerreißt, einen Jäger nennen kann. Gestattet man solche barbarischen Ausschreitungen, hat man bereits die Trennlinie zwischen dem Jäger und dem „Tierkämpfer" überschritten, und für mich gibt es keine widerwärtigeren Menschen als solche, die Tiere quälen. Entgegen der öffentlichen Meinung gibt es hier wirklich ganz beträchtliche Unterschiede. Hinzu kommt noch, daß solche Praktiken den Antijagdbewegungen (anti­blood-sports brigade) geradezu erstklassige Munition geben. Heutzutage steht die gesamte Jagdgesellschaft unter ständigem Beschuß tierschützerischer Organisationen. Niemand sollte einem Tier unnötige Qualen zufügen, man muß immer wissen, daß der Tod nie völlig schmerzlos ist, ganz gleich, was jagdliche Propaganda den Laien zu glauben machen versucht. Jede Tierquäle­rei löst für den Urheber zu Recht Ärger aus. Man sollte das Wild so schnell und schmerzlos wie möglich mit einem Minimum an theatralischem Zurschaustellen töten. Ob Füchse ausgerottet werden sollten oder nicht ist natürlich eine umstrittene Frage. Sie können in landwirtschaftlichen Bereichen sehr lästig werden, noch mehr natürlich in der Stadt. Aber dies ist wahrscheinlich die Folge störender menschlicher Dummheit bei Aufkommen der Myxomatose und Reduzierung der Kaninchenpopulation. Seit der Eindämmung des Kaninchens haben die Füchse ihre Freßgewohnheiten beträchtlich verändert. Noch vor 40 Jahren wäre ein Fuchs mitten in der Altstadt von Birmingham in „The Times" erwähnt worden; aber seit dem Rückgang der Kaninchen sind umherstreunende Stadtfüchse in England so verbreitet, daß sie keine Zeitungsmeldung mehr wert sind. Stadtfüchse brauchen natürlich immer neue Fleischquellen, obwohl die meisten von ihnen auf einer weitaus größeren vegetarischen Grundlage existieren als jener 20oio tierischer Proteine, die in den Jahren vor der Myxomatose allgemein gefordert wurden. Aber trotzdem brauchen sie zusätzlich zum hohen Anteil an pflanzlicher Ernährung kleine Säugetiere und Vögel, und diese finden sie eben nur durch Beuteschlagen auch in der Stadt. Ratten bieten dieses Protein im günstigen Verhältnis und wiederum ist hervorzuheben, daß entgegen den meisten Theorien Ratten die Hauptnahrung auch der meisten auf dem Lande lebenden Füchse sind. Diese Füchse sind häufige Besucher von Abfallhaufen und Deponien, sie jagen hier diese Nagetiere. Finden sie keine Rattenbestände, ja­gen sie auf andere Beute. Im Jahre 1970 erlebte Birming­ham mit seiner Fuchsbevölkerung echte Probleme. Täg­lich fielen Berichte an, daß durch Füchse Geflügel, Meerschweinchen, zahme Kaninchen und selbst halberwachsene Katzen getötet und gefressen wurden. Obwohl man nur wenige Füchse tatsächlich sah (Füchse sind in erster Linie nachtjagende Tiere), spürte man ihre Anwesenheit. Es war recht erstaunlich, wie viele Terrier-Männer nach Birmingham kamen, um sich dieses Problems anzunehmen - Männer, die normalerweise dreißig Meilen und mehr reisen mußten, um Füchse zu jagen. Auf dem Land lebende Füchse sind nicht solche Teufel, zu denen sie manche Geschichten machen. Wo es viele Kaninchen gibt, verursachen Füchse wenig oder überhaupt keinen Schaden. Aber selbst dort, wo die Kaninchenpopulation schwindet, fangen die meisten Füchse Ratten, Wasserratten und andere kleine Nagetiere; nur selten wagen sie es, menschlichen Behausungen nahe zu kommen und Geflügel zu räubern. Natürlich liegen in einem harten Winter die Dinge anders. Im Jahre 1963 lebte ich in Shropshire, und dieser schreckliche Winter verwandelte sicherlich nahezu alle freilebenden Wildtiere zu ausgemergelten Skeletten. Angriffe auf mein Geflügel waren verbreitet. Selbst bei Tageslicht griff ein Fuchs mein Geflügel an und ließ sich nicht verscheuchen. Tagelang umkreiste er die Geflügelausläufe, dies zeigten seine Spuren im tiefen Schnee. Ja er nagte sich selbst durch das Holz des Hühnerhauses, kümmerte sich überhaupt nicht um das wilde Kläffen meiner im Zwinger gehaltenen Ter­ier. Um die Geschichte zu Ende zu bringen, eines Nachts hörte ich in der Nähe meines Hauses fürchterlichen Kampflärm. Am Morgen fand ich rund um den zerwühlten und blutigen Schnee große Pfotenabdrücke, im Zentrum lag mein Fuchs. Einer der Lurcher-Hunde aus einem Zigeunerlager etwa eine Meile von meinem Haus muß die Gelegenheit entdeckt, den geschwächten Fuchs erledigt haben. Ich muß zugeben, die Zigeuner haben mir eine ganze Menge mehr Ärger bereitet als der Fuchs. Insgesamt gesehen sind Geflügeldiebe unter den Füchsen relativ selten, auch mitten im Winter. Natürlich werden Fuchsjagden damit gerechtfertigt, sie hielten umherstreifende Füchse in Grenzen, doch dies entspricht nicht der Wahrheit. Füchsinnen, die Welpen führen, richten zuweilen ein Blutbad an, insbesondere wenn die Geflügelhäuser alt und brüchig sind. Ich lebte eine Zeitlang nahe einer Geflügelfarm, ihr Besitzer war ein seltsamer Typ, der wohl zu Recht glaubte, daß die Menschen ihre Umgebung mit chemischen Düngern und intensiver Farmhaltung vergifteten. Seine Farm war die gepflegteste, die ich je angetroffen habe, dennoch gab es Ratten in Fülle, denn er weigerte sich, zu ihrer Bekämpfung Gift einzusetzen. Dadurch verbrachte ich viele glückliche Stunden bei der Bekämpfung der Ratten mit meinen Frettchen auf dem Gelände dieses seltsamen, aber mich faszinierenden Exzentrikers.

Eines Tages kam er zu meinem Hof und führte Klage, daß eine Füchsin mit ihren Jungen seinen gesamten Bestand junger Hühner niedergemetzelt habe. Die Szene auf seiner Farm ähnelte tatsächlich einer Explosion in ei­er Federbettfabrik. Etwa eine Meile von seinem Hof lag ein riesiger Dachsbau, in dem die Füchsin mit ihren Jungtieren lebte, eine Anlage, die viel zu groß und tief war, um sie auszugraben. Ich war doch sehr überrascht, daß ich meinen auf natürliche Produktion ausgerichteten Farmer beim Auslegen von Zyanid antraf, um die Baubewohner zu töten. An diesem Sonntag hörte ich in der Kirche eine Predigt meines auf natürliche Farmmethoden eingeschworenen Freundes, der selbst Laienprediger mit viel Sinn für Humor war (wahrscheinlich eine sehr seltene Kombination). Er predigte über die Bedeutung des Bibelzitates von Paulus: „Da ist eine Zeit ..." Meine Freunde und ich verstanden recht genau, wenn auch wohl die übrige Gemeinde nicht so ganz mitkam. Aber solche Angriffe von Füchsen sind sehr selten. Werden die Geflügelhäuser die Nacht über verschlossen gehalten und befinden sich in ordentlichem Zustand, kommt es selten zu Hühnerdiebstählen.

Es gibt auch so gut wie keine Hinweise für die oft anzu­treffende öffentliche Meinung, daß Füchse Schafe töteten. Die meisten Jäger im Lake District behaupten, Füchse raubten Lämmer, aber ihre Erklärungen klingen, um es vorsichtig auszudrücken, etwas zweifelhaft. Nur wenige Füchse würden sich dem Angriff eines Lakeland Mutterschafes stellen, das sein Lamm verteidigt. Der Ansturm würde selbst den tapfersten Hund in die Flucht schlagen. Tote Lämmer werden selbstverständlich gefressen, häufig findet man an den Bauten auch Schaffelle unter den Nahrungsresten. Diese Felle stammen aber in aller Regel von nicht beerdigten Lämmern, die aus natürlichen Gründen ihre Geburt nicht überlebten. Auf ähnliche Art kann man auch Reste toter Ferkel finden, obwohl bisher niemand je Füchse angeklagt hat, sie töteten kleine Ferkel. Viel wahrscheinlicher ist es, daß schlechte Aufsicht über die Herden, nicht die Füchse - für den Tod der Lämmer verantwortlich ist. Aber es gibt noch immer Farmer in allen landwirtschaftlichen Bereichen, die zutiefst davon überzeugt sind, daß Füchse Lämmer töten. John Peel, der berühmte Fuchsjäger aus den Lakelands, berichtet, daß er ein einziges Mal „einen törichten, Schafe tötenden Fuchs" erlegt habe.

Hat man selbst seinen ersten Fuchs gefangen und getötet, rechtfertigt man dessen Tod vielleicht mit der Tatsache, daß Füchse allgemein als Raubzeug („vermin") angesehen werden. Um einen Terrier wirklich fuchsscharf zu machen, bedarf es jedoch weit mehr als ein einzelnes Zusammentreffen mit seinem Gegner. In der alltäglichen Wirklichkeit geben nur wenige Hundehändler einem Hund mehr als eine Gelegenheit vor dem Verkauf, denn nur wenige können sich den Zeitaufwand leisten, um einen Hund vor dem Verkauf auf viele Füchse zu trainieren. Hunde verbessern sich, wenn man ihnen regelmäßig Arbeit gibt, zusehends. Sie lernen dabei nicht nur das Verhalten des Fuchses genau kennen, sondern bei regelmäßiger Arbeit wird das Band zwischen Mensch und Hund immer sehr viel enger. Ein klassisches Beispiel bietet eine Hündin aus meiner Zucht namens Climber, sie wurde an Malcolm Haddock, den Terrier-Mann der Meynell Hunt verkauft. Mit Climber wurde so regelmäßig gearbeitet, daß Haddock behauptete, er könnte so stark mit seiner Hündin kommunizieren, daß sie genau wußte, ob er den Fuchs herausgesprengt wünschte oder in einem Nebengang zum anschließenden Ausgraben gestellt. Zu meiner immerwährenden Schande habe ich diese Hündin für mich verloren, sie an Haddock verkauft, weil es mir nicht gelungen war, sie so zu erziehen, daß sie andere Haustiere nicht beunruhigte. Ich hätte sie einzeln arbeiten lassen sollen, um mich voll auf sie einzustellen. Für alle jene, die solche Geschichten über engste Beziehungen nicht glauben, möchte ich unterstreichen, daß wenn ein guter Führer seinen Hund hält und regelmäßig ausbildet, sich solche engen Beziehungen recht häufig bilden. Jedoch der Käufer und Wiederverkäufer, der Händler, der mit allen Wassern gewaschene Terrier ­Besitzer, der seinen Hund gegen Brieftauben handelt, weil er einen Reiz nach dem anderen braucht, wird nie solche engen Verbindungen aufbauen, mit lebenden Tie­ren gleich welcher Art immer nur sehr wenig Erfolg haben.

Viele Hunde, die regelmäßig auf Füchse gearbeitet werden, lernen diese einfach durch lautes, bösartiges Ge­kläff aus dem Bau zu sprengen, ohne je mehr als einen Kratzer oder so zu riskieren. Einmal besaß ich eine Hündin namens Ping, eine Enkelin des alten Rüden von John Cobby „Pickaxe"; sie arbeitete zehn oder mehr Jahre auf Füchse, mußte nur ganz zu Anfang ihrer Laufbahn einen Fuchsbiß hinnehmen und vergaß diesen nie. Hiernach hielt sie immer die notwendige Distanz, stellte den Fuchs, ohne ihn direkt zu berühren. Im Gegensatz hierzu jedoch werden viele Hunde nach einiger Zeit im Töten von Füchsen recht geschickt, insbesondere Terrier mit Ein­schlag vom Bull Terrier oder Lakeland Terrier. Fell Terrier töten Füchse in der Regel, indem sie diese erdrosseln; sie packen den Fuchs mit einem charakteristischen Griff an der Kehle, verengen Muskeln und Fell an der Kehle, bis ihr Gegner tot ist. Der Hundekenner Winch ist fest davon überzeugt, daß diese Veranlagung in einigen Zuchtlinien der Fell Terrier erblich verankert ist. Diese Eigenschaft findet man im Norden von England, wo Füchse als Raubzeug angesehen werden, das Jagdziel der Tod des Fuchses, nicht gesellchaftliches Vergnügen ist, sieht sie nicht als Fehler. Im Süden dagegen bedeutet das Töten des Fuchses einen schwerwiegenden Fehler. Die Terrier sollen für guten Sport auf der Meutejagd sorgen, ein toter Fuchs oder ein schwer verletzter, der aus dem Bau hinkt, ist nicht gerade das, was man sich darunter vorstellt.

Hat ein Terrier erst einmal gelernt, den Fuchs im Bau zu töten, gibt es nur wenig, was ein Besitzer tun kann, um dieses Fehlverhalten des Hundes zu korrigieren (vom Standpunkt der Meutejagd), denn der Hund wird von Mal zu Mal beim Einschliefen in den Bau noch geschickter. Terrier-Männer haben schon alle möglichen Vorschläge gemacht, sie gehen vom Abtrennen des Fuchses durch ein Gitter bis zur gezielten Arbeit des Hundes über eine Saison auf Dachse. Aber um es frei und offen zu sagen, in der großen Mehrzahl der Fälle zahlen sich diese Methoden ganz einfach nicht aus. Hat ein Hund einmal gelernt, den richtigen Kehlgriff anzusetzen, sich zu verbeißen und den Fuchs abzuwürgen, gibt es so gut wie nichts, um ihn davon abzuhalten. Arbeitet man mit ihm - wie ich schon gesagt habe - regelmäßig, wird er im Ab­würgen des Fuchses von Mal zu Mal noch geschickter. Einmal besaß ich einen Rauhhaarterrier aus der Zucht von G. Hardwick aus Blaengarw; dieser war im Abwürgen von Füchsen geradezu ein As, deshalb natürlich für die Arbeit mit Meutehunden völlig nutzlos. Er pflegte mit großer Vorsicht in den Bau einzuschliefen, nahm sich immer die Zeit, den genauen Standort seines Gegners aufzufinden, und machte sich dann mit tödlichem Ernst an seine Arbeit. Zu keinem Zeitpunkt bellte oder knurrte er, um in irgendeiner Weise seinen Standort anzuzeigen. Er war einer der besten Fuchsjäger, die ich je gekannt habe, gleichzeitig einer der nutzlosesten Jagdterrier für Meutenjagden, denen ich je in den Midlands begegnet bin. Seine stumme Wut wurde schließlich zu seinem Untergang, denn er wurde durch einen Dachs getötet. Natürlich sollten bei der Fuchsjagd eingesetzte Hunde Laut geben, denn wenn man einen Terrier ausgraben muß, ist dies der einzige sichere Weg, um die exakte Stel­lung von Hund und Fuchs zu bestimmen. Stumme Hunde sind ziemlich nutzlose Kreaturen, wenn man Füchse ausgraben muß. Ebenso nutzlos sind Hunde mit schwachem, piepsendem Falsettwinseln. Meist führt ein kräfti­ger Schuß an Bull Terrier-Blut dazu, daß Hunde stumm jagen. Man sagt John Russell nach, er habe exakt aus diesem Grund kurzhaarige Hunde nicht gemocht; glatthaarige Fox Terrier hatten damals, als man John Russell nachsagte, er habe sie abgelehnt, einen ziemlich hohen Anteil an Bull Terrier-Blut. Außerdem ist ein stumm jagender Hund immer in großer Gefahr, unter der Erde eingeschlossen zu werden. Joan Begbie, die Besitzerin der berühmten Seale Cottage Linie von Jack Russell Ter­riern, sagte mir, daß sie fest davon überzeugt sei, daß der stumme Jagdstil ein erblich bedingter Faktor bei Hunden sei. Allerdings gibt es einen Hinweis, daß dieser Fehler auch im Verlauf des Anlernens des Hundes erst erworben werden kann. Natürlich handelt es sich hier um einen Fehler, gegen den es kaum irgendein Mittel gibt. Viele Füchse spielen in großen unterirdischen Bauten mit dem Terrier Katz und Maus, bewegen sich von Gang zu Gang, wenn sie vom Terrier verfolgt werden. Deshalb blockiert man möglichst alle Ausgänge. Man muß dies aber mit großer Sorgfalt tun, denn Füchse sind in der Lage, sich durch ganz winzige Lücken durchzuquetschen, entkommen gar aus völlig unmöglich klein erscheinenden Kaninchengängen. Hat man die Ausgänge geschlossen, sollte man etwas abwarten. Nach einiger Zeit verändert sich das Kläffen unter der Erde in ein stetiges Staccatoverbellen. Einiges spricht nun dafür, daß der Hund den Fuchs in einer Ecke gestellt hat, ihm gegenüberliegt, wenig vom Fuchs entfernt, manchmal nur wenige Zentimeter. Er verbellt, zuweilen bricht der Laut ab, weil er versucht, einige Male nach dem Fuchs zu schnappen. Hat der unerfahrene Junghund Gelegenheit zu ein oder zwei Bissen, lernt er normalerweise auf diese Art seine Fehler erkennen, denn der Fuchs zieht sich in der Regel weiter zurück und teilt eine Serie kurzer, scharfer schmerzender Bisse aus, die meisten treffen dabei den Terrier im Gesicht. Man muß aufmerksam zuhören, denn die Laute erzählen eine Menge über den Kampf, der ein paar Meter unter der Erdoberfläche stattfindet. Staccatogebell bedeutet in der Regel, daß der Hund seinen Gegner in einer Ecke gestellt hat, röhrendes Gebell, daß er den Fuchs angreift, schrille Schmerzenslaute, daß nicht alles klar geht, der Fuchs ihm einige Bisse versetzt hat. Es gibt Jäger, die sich rühmen, daß sie alleine nach dem Klang des Verbellens feststellen können, ob der Hund einem Fuchs oder einem Dachs gegenübersteht. Ich beneide sie um dieses Geschick, das ich selbst gewiß nicht besitze.

Ist die Zeit gekommen, den Fuchs herauszuholen, beginnt man mit dem Graben; immer sollte man versuchen, Schnelligkeit und Vorsicht zu kombinieren, je näher man an den Ursprung des Lärms herankommt. Vorsicht ist unbedingt angezeigt, denn wird ein Junghund, vor dem Fuchs vorliegend, verschüttet, führt dies häufig zu etwas zögerndem Angriff auf den nächsten Fuchs. Die Hunde werden, was man „spatenscheu" nennt, ziehen sich vom Fuchs zurück, sobald der Klang des Grabens sich ihnen nähert, aus Furcht, wieder verschüttet zu werden. Sicher muß eine ganze Anzahl verschiedener Eigenschaften zusammenkommen und zusammenpassen, ehe sich ein Terrier zu einem erstklassigen Fuchsjäger entwickelt. Die Praxis jedoch hilft dem Hund bestimmt, wenn nicht perfekt, so doch immer erfolgreicher im Ausgraben von Füchsen zu werden.

Ehe der interessierte Terrier-Mann vorgibt, er habe keine Füchse, an denen er seine Terrier ausbilden könne, sollte er in der Umgebung der Stadt zunächst einmal jede Müllkippe überprüfen. Es bewahrheitet sich immer wieder, daß im Abstand von noch nicht einmal einer Meile solcher Müllhalten und Abfallhaufen irgendwelche Fuchshöhlen liegen. So hat die Müllhalde von Bentley in R'alsall allgemein immer eine schlechte Presse in den Ortszeitungen, wird von den Gesundheitsbehörden als größtes Gesundheitsrisiko beschrieben. Ich muß aber gestehen, sie ist ein geradezu idealer Jagdgrund, nicht nur, weil sie von Ratten bevölkert ist und dadurch auch Gäste aus der Schule, an der ich lehre, anzieht. Die Burschen erscheinen mit ihren Frettchen und Terriern. Zusätzlich ist die Halde noch ein Paradies für Füchse. Zugegeben, diese Füchse befinden sich in ziemlich erbärmlichem Zustand, aber es sind trotzdem Füchse. Ich glaube, es wäre überkritisch, nunmehr meine Schüler zu beschuldigen, weil sie auf dieser Müllhalde ihr Jagdvergnügen finden. Wenn nur alles, was mir berichtet wurde, halb wahr ist, würde ich wahrscheinlich mit ihnen selbst hinausziehen. Die Welt des Lehrers besteht nicht immer nur aus: „Tu, was ich dir sage, nicht was ich tue!" Aber ich schweife mal wieder ab.

Die meisten dieser Bauten sind ziemlich flach, viele liegen unter sperrigen, unbeweglichen Abfallmassen, dazwischen riesige Brocken beschädigter Autobahnplatten, welche städtische Versionen der legendären Lakeland­Klippen bilden; offen gesagt, sie sind ebenso gefährlich, aber trotzdem beherbergen sie eine große Anzahl von Füchsen. Gewöhnlich liegen die Bauten in großen Kaninchenlöchern, sind aus einer grauen, aschigen klinkerartigen Erde ausgegraben. Ein solcher Klinkerhaufen enthält einen enorm hohen Prozentsatz an Schwefelsäure, und dennoch hat man darin einen ganzen Wurf Fuchswelpen angetroffen. Die Bauten auf Müllhalden sind in der Regel Brutstätten der Räudemilben, deshalb muß man bei der Arbeit mit einem Terrier hier sehr vorsichtig sein. Trotzdem, die meisten sind leicht auszugraben, gewöhnlich ist es gar nicht schwierig, die Genehmigung zu erhalten, aus diesen Höhlen Füchse auszugraben. Es gibt nur wenige Behörden, die bei Übertretungen einschreiten. Ich muß aber zugeben, es sind einige Verfahren erfolgt. Dabei ist es seltsam genug, Trödler, die auf diesen Halden verwertbare Abfälle suchen, bleiben von den Behörden unbehelligt, aber Jäger mit Terriern und Frettchen erregen durchaus Mißtrauen, wenn sie nicht zuvor um Genehmigung ersucht haben. Es ist etwas sinnlos, auf Füchse zu wildern, denn wie sollte man, wenn man dabei angetroffen wird, ein zwei Meter tiefes Loch erklären?

Nicht alle Fuchshöhlen sind natürlich so leicht auszugraben, einige von ihnen sind für Terrier echte Todesfallen. So gibt es nahe Consett in der Grafschaft Durham zwei Bauten, die allgemein dafür bekannt sind, daß sie schon vielen Terriern das Leben gekostet haben. Solche Bauten sind nicht nur oft sehr tief, sondern einige davon sind vergrößerte Eingänge in unterirdische Felsen, die über Millionen von Jahren entstanden sind. Viele haben Schluchten und verborgene Abhänge, die in der Dunkelheit überhaupt nicht erkennbar sind und in die ein Hund sehr tief abstürzen kann. Nur ein törichter anerkannter Narr wird versuchen, in solchen Bauten zu arbeiten, nachdem andere Terrier-Fachleute von Ruf ihn gewarnt haben, aber Jahr um Jahr fordern gefährliche Bauten das Leben vieler Terrier. Alte Grubengänge oder Bauten nahe alter Minen sind geradezu legendäre Todesfallen. Dabei sind nicht nur die Felsen krümmelig und verfallen, auch die Abstützungen unsicher. Nischen voll erstickender Methangase und Schwefelhydrogen können jeden unvorsichtigen Hund töten, der durch die Nähe des Fuchses sich wie toll in solche Gasnischen stürzt und bald nach Luft schnappt. Ich kenne einen solchen Bau nahe meinem Geburtsort in Wales. Es ist eine verfallene alte Mine, die schon den Tod von hunderten von Terriern verursacht hat. Aber mit jeder neuen Generation von Terrier-Männern erhalten diese Gruben frische Opfer. Auch die Felsspalten und Felshöhlen im Norden haben den schlimmen Ruf, Todesfalle vieler Terrier zu sein. Selbst außerordentlich ungefährlich wirkende Bauten können zu Todesfallen werden, sind manchmal sehr viel tiefer als man annimmt. Ein solches Beispiel drängt sich mir geradezu auf. Ich lebte einige Zeit mit den McLeods in den Grampians, denn der alte John war nicht nur eine Wissensquelle hinsichtlich der Highlandnatur und Volkssagen, er war auch ein vorzüglicher Terrier-Mann. In der Zeit, in der ich ihn kannte, lag eigentlich die Zeit des Ausgrabens schon etwas hinter ihm, aber er kannte jeden Zoll des Landes, auf dem er, sein Vater und sein Großvater als Wildhüter arbeiteten. Einer seiner Söhne hatte einen Greyhound-Rüden gekauft, einen großen schwarzen ehemaligen Rennhund, einen Sohn von Hi There, wenn ich mich richtig erinnere, und er wollte diesen Rüden sehr gern auf der Fuchsjagd erproben. Old John fragte mich, ob eine meiner Hündinnen absolut sicher für die Fuchsjagd sei, und nachdem ich ihm versichert hatte, daß dies der Fall wäre, wanderten wir hügel aufwärts und kamen zu einem Fuchsbau mit nur einem Ausgang, fast völlig im tiefen Heidekraut verborgen, nur erkennbar an der stark benutzten Fährte, die durch das Heidekraut zum Bau führte. Ich war außerordentlich überrascht als ich feststellte, daß sich die Jungs - verdammt - Jungs - sie sind heute nahezu 40 Jahre alt - am Fuße des Tals nahezu dreiviertel Meilen entfernt aufstellten, dicht neben einem vom Wind umgeworfenen Weißdornbusch. Ich ließ Clown einschlüpfen, eine stehohrige, recht häßliche, aber tüchtige Hündin und hörte ihren Weg hinab in die Dunkelheit. Es herrschte völlige Stille, nicht der leiseste Ton zeigte an, ob sie fündig geworden ist. „Der Fuchs ist nicht zu Hause, John", murmelte ich und beugte mich hinunter, um die Hündin herauszurufen, aber John legte seinen Daumen gegen meine Kehle, denn er ist ein wortkarger Mann und deutete auf eine Stelle nahe dort, wo seine Jungs warteten. Etwa eine Minute später flitzte eine kleine Füchsin ganz dicht bei den Jungs aus den Felsspalten und wurde ziemlich grob nach nur etwa 20 Schritten vom Greyhound gepackt.

Clown folgte nach, dies war also kein Bau mit nur einem Ausgang. McLeod berichtete mir, daß es Erzählungen gäbe, wonach es hier bereits in diesem Bau Füchse gegeben habe, noch ehe die Wölfe in Glencoe ausgerottet wa­ren. Ein tiefer Bau ist nicht immer dadurch gekennzeichnet, daß er über viele Einschlüpfe und Ausgänge verfügt. Eine große Anzahl von Hunden geraten in solchen Bauten zwangsläufig in Schwierigkeiten, es gibt nur weniges, was man tun kann, um dies zu verhindern, mit Ausnahme, daß man gut auf Erzählungen von Männern hört, die schon schlechte Erfahrungen gemacht haben. Es gibt einen anderen Bau am Kanalufer nahe Wall in Staffordshire; dies war ursprünglich eine alte römische Festung, und ich habe, sooft ich in die Gegend kam, immer wieder festgestellt, daß diese auf Terrier-Männer wie ein Magnet wirkte. Hier gibt es immer Füchse im Bau, selbst nach einem sehr nassen Mitsommer, aber der Bau birgt eine Fülle von Gefahren. Nur selten bedauert ein Terrier-Mann in dieser Gegend im nachhinein nicht, daß er sich je an diesen Platz begeben hat. Die Anzahl von Terriern, deren Leben zu beklagen ist, muß erstaunlich hoch liegen. Der Bau beginnt wie ein völlig harmloser Bau mit nur einem Eingang, geht dann tief in verwitterten Sandstein, reicht etwa 30 Meter am Kanalufer hinauf. Ich kenne die Stelle gut, denn die Knochen zweier meiner Terrier liegen gleichfalls da unten, denn auch ich habe versagt, mich geweigert, dem Rat von Joe Wadlow zu folgen, dessen Aufgabe es früher, während des Ersten Weltkriegs war, die Bauten für die South Staffordshire Hunt zu verbauen.

Der Fell und Moorland Club bietet einen vorzüglichen Rettungsservice, stellt sogar Ausgrabgerätschaften bereit, um verlorene Hunde zu retten. Sie haben dabei an gemessenen Erfolg, aber - traurig zu sagen - noch viel mehr Fehlschläge, denn ein Gang zu einem eingeschlossenen Hund ist eine Sache, einen erstickten Körper zu bergen, eine völlig andere. Wie dem auch sei, der Fell and Moorland Club bietet eine vorzügliche Versicherung gegen sehr hohe Ausgrabungskosten und hilft sicherlich dadurch, viele Hunde zu retten, die anderenfalls in offensichtlich nicht ausgrabefähigen Erdbauten dem sicheren Tod überlassen blieben. Die Rettungsberichte, die in den Jahrbüchern des Clubs veröffentlicht werden, lese sich wie epische Dramen, sie geben eine lebhafte Beschreibung der Schwierigkeiten, die sich beim Retten von Hunden aus gefährlichen Höhlen ergeben. Eine Mitgliedschaft zu diesem Club ist für jeden Terrier-Mann eine vorzügliche Investition, denn es kostet weniger als ein Pfund pro Jahr, diesem hochgeschätzten Club anzugehören.

Jetzt zu einem anderen Thema. Von meinen Hunden erwarte ich einen sehr hohen Grad an Gehorsam, denn ich bestehe darauf, daß sie auf Ruf aus dem Bau zurückkommen. Seit der Veröffentlichung meines Buches „The Working Terrier" wurde ich zu diesem Punkt ziemlich häufig angegriffen. Viele Jäger scheinen einen Hund zu bevorzugen, der seinem Gegner, dem Fuchs, durch dick und dünn nachfolgt, sich um das Abrufen seines Besit­zers überhaupt nicht kümmert. Ich für meinen Teil mag das nicht. Habe ich genug gegraben - und ich muß zugeben, daß ich sehr schwierige Bauten meide - denn mir geht es in erster Linie um die Jagd, nicht ums Graben. Deshalb möchte ich, daß mein Hund auf Kommando herauskommt, ganz gleich, was andere darüber sagen. Selbst wenn es ein Hund ist, der sich niemals von seinem Feind abbringen lassen will. Sicher, es ist Dein Hund, er Deine Kommandos unberücksichtigt läßt, es ist auch Deine Zeit, es ist Dein Problem. Es genügt zu sagen, ich habe einmal vier volle Tage den Hund eines Freundes ausgegraben und mußte dabei feststellen, daß das Tier überhaupt nicht eingeschlossen, sondern einfach ungehorsam und nicht karnickelrein war. Auf meine Kosten hätte es mir überhaupt nicht gefallen, einen solchen Terrier zu besitzen, aber ich muß zugeben, in meiner Anfängerzeit hatte ich auch Hunde dieser Art. Füchse bleiben außerordentlich selten - wenn überhaupt  ihr ganzes Leben das Jahr über unter der Erde. Insbesondere im Sommer bewegen sie sich frei weg vom stinkenden, milbenverseuchten Bau, verbergen sich draußen zwischen Kohlköpfen und Korn, suchen während Regenfällen Schutz unter. Hecken. Im späten Herbst erst kehren sie in die Bauten zurück, und der beginnende Winter ist im allgemeinen die beste Zeit, Füchse im Bau anzutreffen. Im späten Winter paaren sich Füchsin und Fuchs, die Welpen werden etwa 56 Tage nach der Befruchtung geboren - die genaue Tragezeit ist in gerade in jüngerer Zeit erschienenen wissenschaftlichen Artikeln noch umstritten. Fuchswelpen werden blauschwarz oder schokoladenbraun geboren, haben einen dicken Pelz. Füchse tragen anders als Dachse kein eigenes Nestmaterial ein, deshalb bedarf es guter Isolierung, wenn die Welpen nicht an Unterkühlung sterben sollen. Ob der Fuchsrüde bei der Aufzucht der Welpen hilft oder nicht erscheint noch immer umstritten. Ich habe persönlich große Zweifel, ob er sich überhaupt daran beteiligt. Mit Sicherheit bleibt er während der Welpenaufzucht in unmittelbarer Umgebung, möglicherweise rein aus Neugierde, möglicherweise aufgrund seiner Zuneigung zur Füchsin - eine Anhänglichkeit, die sofort nach der Paarung beginnt. Es ist aber ziemlich gewiß, daß wo ein Jäger eine Füchsin mit Welpen findet, man im allgemeinen nur ein paar hundert Schritte entfernt auch einen Bau antrifft, in dem der Fuchsrüde wohnt.

In Ewden, etwas nördlich von Rotherham, fand ich einmal zwei Füchsinnen, die nur etwa 15-20 Meter voneinander ihre Wurfbauten gegraben hatten, weitere 100 Me­ter entfernt davon fand ich den Bau eines Rüden. Es scheint danach doch etwas wahrscheinlich, daß Füchse manchmal polygam sind. Fest steht, daß der Rüde sein Territorium mit großer Wildheit gegen alle rivalisierenden Rüden verteidigt. Robert Ardrey ist fest davon überzeugt, daß Auseinandersetzungen zwischen Tieren gleicher Art in erster Linie territorial sind, demgegenüber treten nur selten - wenn überhaupt - Kämpfe um die Paarung selbst auf. Über einen Zeitraum von etwa drei Jahren wurde die Umgebung um meine Hütte von einem großen, schlanken Fuchsrüden kontrolliert, und ich habe nur sehr selten irgendeinen anderen Fuchsrüden in dieser Gegend angetroffen. Als schließlich der alte Fuchsrüde starb, drangen junge Rüden in den Bereich ein, teilten sich das Territorium wie Zigeunererben.

Aber nun zur praktischen Arbeit auf den Fuchs. Hier gibt es mehrere alternative Methoden, die wir einzeln überprüfen werden. Zum einen kann man alle Ausgänge blockieren, gibt der Terrier gut Standlaut, ist es verhältnismäßig einfach, vorausgesetzt der Bau ist nicht zu tief, auf einen solchen Hund zuzugraben. Haben sie eine Chance, werden die meisten Füchse lieber fliehen als kämpfen, ganz einfach deshalb, weil Füchse keine Auseinandersetzungen und wilde Kämpfe mit Hunden mögen. In der Alltagspraxis haben Füchse eine ausgeprägte Furcht vor Hunden, selbst säugende Füchsinnen mit Welpen fliehen lieber und überlassen die Welpen ihrem Schicksal, wenn sie nur eine kleine Chance haben. Geschichtenerzähler über Füchse, die gegen ganze Terrier­Horden ankämpfen, um ihre Welpen zu schützen, sind ziemlich suspekt, um mich vorsichtig auszudrücken. In aller Regel flüchtet der Fuchs. Wie aber kann man ihn dann fangen?

Ist man selbst sehr ruhig und hat einen tüchtigen Terrier, einen Terrier des Schlages, der kläfft und lieber den Fuchs in die Flucht schlägt, als auf Leben und Tod zu kämpfen, kann man Füchse mit großen, kräftig gefertigten Netzen fangen. Füchse fliehen aufgescheucht von Frettchen auch aus Kaninchenbauten, und ich kenne mehrere Ferreters, die tatsächlich in ihren Kaninchennetzen Füchse gefangen haben.

Wenn ein Fuchs ins Netz gerät, sollte man beim Herauslösen gut aufpassen, insbesondere wenn er durch Zufall in einem Kaninchennetz verfangen ist. Die meisten Füchse verfallen, wenn sie sich in Netze verfangen sehen, in einen Zustand der Starrheit. Viele Jäger nehmen an, daß sich der Fuchs nur bewußtlos oder tot stellt, um sich der Aufmerksamkeit des Jägers und seines Hundes zu entziehen, das stimmt nicht. Die Bewußtlosigkeit, ein Stadium nahe der Katalepsie, ist ganz einfach eine Art Anfall, ebenso typisch und der Willenskraft entzogen wie die Anfälle von Silas Marner. Man muß jedoch sehr vorsichtig sein, wenn man versucht, die noch lebende Beute wieder zu beleben. Solche Anfälle treten schlagartig auf, die Erholung ist aber ebenso schnell. Der Jäger hält plötzlich einen zappelnden, schnappenden, energiegeladenen Feind in seinen Händen. Lebende Füchse sollte man immer fest mit beiden Händen packen, eine Hand rund um den Hals, die andere um die Lende. Nachdem ich meinen Lesern diesen vorzüglichen Rat er­teilt habe, muß ich einmal wieder gestehen, etwas scheinheilig zu sein. Ich habe eine viele Zentimeter lange Narbe an meinem linken Unterarm, das Ergebnis, daß sich ein in meinen Händen befindlicher Fuchs aus dem Stadium der Katalepsie sehr schnell erholte. Ich habe ein Gefühl - ein schlechtes Gefühl - daß ich hier fortfahre, eine Lesung zu halten, nachdem die Schule schon längst vorüber ist. Ich habe einmal einen Fuchs aus dem Bau getrieben und für einige weibliche Fotografen in Netzen gefangen. Eine davon gab in verräterischer Weise die Fotos einer Organisation, die sich die Abschaffung der Jagd zum Ziel gesetzt hat; die Fotos zeigten den Fuchs, wie er seine Zähne in meinen Arm geschlagen hatte. Dies geschah übrigens genau in dem Augenblick, als ich den Fotografen meine Theorie der Katalepsie und des richtigen Haltens eines Fuchses vortrug. Meine Aufmerksamkeit wurde durch ein Blitzlicht abgelenkt, und die erschreckte Füchsin kam plötzlich wieder ins Leben und biß gerade durch den Arm; sie schloß dabei bulldogartig den Fang, erwartete das Unausweichliche, mit starren Augen und sich in Sekundenschnelle verbeißendem Kiefer. Ich hatte eine Zeit mit höllischen Schmerzen, bis ich sie überreden konnte, mich loszulassen. Ich habe eine unglaublich reiche Auswahl an Jagdfotografien, darunter gibt es aber eine, die ich niemanden außer meinen engsten Freunden zeige; die Aufnahme, die mich herumhüpfend zeigt, mit dem in meinem Arm verbissenen Fuchs, mein Gesicht so voller Panik, daß jedermann von meiner Unfähigkeit, einen lebenden Fuchs festzuhalten, überzeugt wird. Die Jagd von aus dem Bau gesprengten Füchsen mit Greyhounds oder Lurchers ist wohl der wirksamste Weg, sie zu fangen, weitaus erfolgreicher als die Fuchsjagd hinter den Hounds. Eine solche Jagd ist möglicherweise ebenso spektakulär, wird aber niemals zu einem gesellschaftlichen Ereignis. Trotzdem ist diese Einzeljagd sicherlich besonders erfolgreich. Im letzten Jahr hatte die Meynelle Hunt eine mittelmäßige Fuchsstrecke - man sagte mir, daß die Kosten für einen einzigen Fuchs bei etwa 20.000 Pfund lagen. Zehn Meilen von diesem Jagdzwinger lebt ein allgemein bekannter Fuchsfänger, der nahezu die doppelte Anzahl an Füchsen getötet hat, wobei seine einzigen Gehilfen eine verbastardete Jack Russell Terrier Hündin und ein abgemagerter Lurcher-Rüde waren. Leute, die andere glauben machen, daß die großen Fuchsjagden ein Mittel seien, den Fuchsbestand zu kontrollieren, betrügen damit die anderen und sich selbst. Ich wünschte mir, daß diese Leute einmal zugäben, daß die englische Fuchsjagd mit Pferd und Hounds ganz einfach ein gesellschaftliches Ereignis darstellt, keinen Rachefeldzug zwischen Jägern und Füchsen.

 

 

     Der Dachs

Der nächste auf der Liste der zu bejagenden Tiere eines Jack Russel Terriers ist der Dachs, ein wirklich beachtlicher, gefährlicher Gegner! Ich wette darauf, daß wenn ein Terrier-Besitzer einem älteren Farmer gegenüber nur erwähnt, daß er einen Jack Russell Terrier besitzt, daß dann gerade dieser Landmann - der wahrscheinlich selbst gerade keinen Hund besitzt - dem Terrier-Mann stolz er­zählen wird, wie er vor Jahren selbst einen Hund besessen habe, der einen Dachs getötet hat. Was für ein unglaubliches Tier dieser Terrier gewesen sein mußte - und was für ein unglaublicher Lügner dieser Erzähler in Wirklichkeit ist! Ähnlich dem Billy Liar in den Erzählungen von Keith Waterhouse frage ich mich immer wieder, ob es überhaupt je weise, alte, erfahrene Männer gibt. Die Verhältnisse liegen ganz einfach: Der Dachs ist seit Jahrhunderten ein geradezu klassischer Kämpfer, der Gegner „par excellence", das erfahrenste unter den kämpfenden Tieren, der großartigste Pfund-gegen­Pfund-Kämpfer, den der allmächtige Gott je erschaffen hat. Er ist in Wirklichkeit gegenüber dem Angriff eines 7 Kilo schweren Terriers völlig unverwundbar. Meine Leser können mir glauben, ein Hund der versucht, einen Dachs anzunehmen, niederzumachen ist - wie wir im Black Country zu sagen pflegen - einer, der „alles für nichts gibt". Zwei Geschichten sollen meine Leser davon überzeugen, daß diese Feststellung absolut wahr ist. Etwa um 1800, plus/minus zehn Jahre, gelang es im Norden von England, einen ganz herausragenden Kampfhund zu züchten (hell of a good fighting dog) - man nannte ihn den Blue Paul. Einige Fachleute berichten, daß es sich um eine besonders geglückte Kreuzung zwischen Terrier und Bulldog gehandelt habe, andere sprechen von einer Mischung von Mastiff mit Bulldog; wie es auch gewesen sein mag, es waren herausragende Kampfhunde mit einem Minimumgewicht von etwa 25 Kilo, einige Exemplare wogen bis zu 45 Kilo. Solche Hunde konnten tatsächlich einen Löwen in die Flucht schlagen, dies stimmt aber nicht ganz, denn nachweislich wurden eine ganze Reihe Blue Pauls in den Kolonien durch Löwen getötet. Zu der Zeit, als diese Rasse größte Popularität erreicht hatte, begann man in den Pubs von London abscheuliche Zweikämpfe zwischen Hunden und Dachsen zu organisieren, dabei wurden teilweise die Hunde angehetzt, einen Dachs aus einem Faß herauszuziehen. Manchmal kämpfte der Hund direkt gegen das Raubtier, sollte es töten. Es war ein ekelerregender, sehr ungleicher Zweikampf. Er wurde ausgetragen zwischen einem wilden Kampfhund mit einem Gewicht bis zu 45 Kilo gegen ein jämmerlich kleines, mitleiderregendes Raubtier - das war zumindest die Situation auf den ersten Blick, bis man sich die Ergebnisse solcher Kämpfe näher ansah. Selbst der Blue Paul wurde von diesem kleinen Tier besiegt - einem Lebewesen, das im besten Fall mit allem Winterspeck etwa 18 Kilo wog.

Wenn so selbst ein Hund von solchem Kaliber große Schwierigkeiten mit einem Dachs hatte, wird ein Jack Russell Terrier mit Sicherheit in einem Kampf Hund gegen Dachs niemals der Sieger sein. Vor einigen Jahren kam auf die Crufts Hundeausstellung ein Bull Terrier­Züchter mit seinem Hund, von dem es hieß, er habe tatsächlich einen Dachs getötet; beide waren von einer Gruppe sie bewundernder Städter umringt, welche diese Geschichte glaubten. Städter überschätzen Hunde, haben wahrscheinlich selbst nie einen Dachs gesehen. Als sie alle erregt diskutierten, streichelte ich den Hund, untersuchte seinen Unterkiefer und den Hals - Stellen, an denen Dachse stets schwere Wunden hinterlassen. Der Hund zeigte keinerlei Verletzungen. So erscheint es mir mehr als zweifelhaft, ob Hund oder Mann überhaupt einen Dachs je gesehen, geschweige denn, ihn aus dem Bau gejagt und erlegt haben' Jeder Hund, der sich je mit einem Dachs angelegt hat, wird aus einem solchen Kampf immer unverkennbare Narben tragen.

Die zweite Geschichte spricht noch mehr für die kämpferischen Fähigkeiten des Dachses. Immer kurz vor einer Fuchsjagd hinter den Fox Hounds - meist in der Nacht vor der Jagd - muß der Jagd-Terrier-Mann alle schwierigen Eingänge zu Fuchs- und Dachsbauten verschließen. Damit versucht man zu verhindern, daß ein durch Hunde und Reiter gejagter Fuchs in einen Bau einschliefen kann, sowie er in Schwierigkeiten gerät. Sicherlich etwas unsportlich, wenn man an das Gedicht von John Mase­field „Reynard the Fox" denkt - ein Gedicht, das die meisten meiner Schulfreunde zu einer sehr kritischen Einstellung gegenüber der Fuchsjagd brachte. Tatsache ist aber einfach, daß sehr viele Füchse - auf dem Feld gejagt - so schnell wie möglich in einen Bau einschliefen. - Sehr vernünftig, aber es trägt einfach nicht dazu bei, daß eine solche Jagd dem Jagdfeld Freude bereitet. Unser Terrier-Mann führte seine Aufgabe des Blockierens der Eingänge sorgfältig und gründlich durch, blockierte dabei auch mit Stangen und schweren Steinen einen sehr tiefreichenden Dachsbau. Niemals könnte hier ein Fuchs einschliefen, selbst ein Dachs brauchte sehr viel Zeit, die schweren Felsbrocken wegzuschieben, um sich seinen Weg zu graben. Die meisten Terrier-Männer beseitigen sofort nach der Jagd wieder die Hindernisse vor den Bauten. In unserem Fall hatte der Terrier-Mann nicht nur die Füchse, sondern auch einen alten Dachsrüden aus dem Bau ausgesperrt, der während des Blockierens der Bauten gerade auf Futtersuche war. Am nächsten Tag drangen nahe der Höhle die Hounds in das Unterholz und da brach buchstäblich die Hölle los. Der Dachsrüde wurde von den Hunden in die Luft geworfen, geschüttelt und gestoßen, ein wildes Gekläffe und Getöse des Kampfes, bis die Jäger wild in das Gewühl einbrachen. Nach einem Kampf, der eine volle Viertelstunde dauerte, zottelte der Dachs in seinem rollenden, bärenartigen Trab von dannen, die charakteristische Bewegung des Dachses. Die Hounds waren schlimm verletzt, während der Dachs trotz des Angriffs von allen Seiten völlig intakt und unverletzt von dannen zog. Viele Houndmeuten gehen tatsächlich Dachse an, aber die Wunden, die ein ausgewachsener Dachs schlägt, sind wirklich erschreckend. Alison Craig aus Oregon, eine kühne Großwildjägerin, hat mir versichert, daß selbst ein Puma vor einem amerikanischen Dachs ausweicht; der amerikanische Dachs ist mit dem europäischen eng verwandt, ihm recht ähnlich. Sie berichtete weiter, daß „ra­tels", eine aggressive, dynamischere, afrikanische Abart des alten europäischen Dachses, wenn sie wütend sind, tatsächlich ausgewachsene schwarze Büffel angreifen. Terrier haben im Kampf gegen solche Lebewesen ganz einfach keinerlei Chance!

Warum ist ein Dachs eigentlich so schwer verwundbar? Er gehört nicht nur zum Geschlecht der Wiesel, eine Gattung außerordentlich wilder, kleiner Raubtiere, er hat gegenüber seinen wieselartigen Vettern noch zusätzliche Vorteile. Die Schwarte eines Dachses ist außerordentlich zäh, so zäh, daß das Abhäuten und Präparieren der Häu­te allen außer den Spezialisten eine Menge Probleme bereitet. Außerdem liegt unter der Haut eine dicke Fettschicht, eine Fettschicht, die bei Wärme zu einer Art halbflüssigem Öl wird. Das Wichtigste ist aber, die Kiefer dieses Raubtieres sind völlig einzigartig, da sie im gelenk drehbar sind und sich nicht, wie die Kiefer anderer Säugetiere, im Kampf ausrenken lassen. Manchmal bricht der Kiefer - besser ausgedrückt in ganz seltenen Fällen - aber er läßt sich nicht ausrenken, ohne daß die sehr dicke Schädelplatte des Dachses schweren Schaden nimmt. Hinzu kommt noch, Dachsknochen sind außer­ordentlich dicht, deshalb außerordentlich schwer zu verletzen (man beachte das Schädelfoto dieses Raubtieres auf Seite 49). Kombiniert man nun diese Verteidigungsmechanismen noch mit der Tatsache, daß dieses Raubtier einen Biß ähnlich einer Stahlfalle hat, außerdem Krallen - die es in der Regel für das Graben braucht - mit einer Länge von etwa 3,5 - 4 cm, dann hat man ein ungefähr richtiges Bild des Gegners. Sie können mir glauben, er ist wirklich ein echter Gegner! Ich wiederhole es: Kein Hund kann einen Dachs töten! Dachse leben in England seit der Eiszeit; zeitweise wurden sie recht wild verfolgt, trotzdem gibt es sie auch heute noch reichlich, sie sind bei weitem nicht die gefährdete Tierart, wie sie uns von Naturschützern immer vorgestellt werden.

Vor einigen Jahren grub ich zusammen mit Gerry Humphries einen jungen Dachsrüden aus, der solch einen Kaninchenbau erweitert hatte und in einer kurzen Röhre lag, nur 1,30 Meter lang und etwa 30 cm unter der Oberfläche. Dies war natürlich eine bemerkenswert leichte Ausgrabung. Ich muß aber betonen, daß es außerordentlich selten ist, daß man einen Dachs an einer so gefährlichen, ungeschützten Stelle antrifft. Künstliche Röhren, von Jagdberechtigten an Stellen angelegt, wo Füchse in Ruhe ihre Welpen aufziehen können, beherbergen öfter einsame Dachsrüden - Rüden, die einen Territorialkampf gegen ihre Väter verloren haben, aus dem Hauptbau vertrieben wurden. Capel legte viele derartige Kunstbauten an und Dachse wurden zur großen Plage, denn sie bewohnten die Bauten, gaben den Füchsen keine Wurfgelegenheit. In einigen Jagden sind Dachse sehr erwünscht, insbesondere wenn in einem Gebiet die Bauten von Räudemilben (Sarcoptes communis) verseucht sind; ein Dachs wird (richtiger wäre wohl, man vermutet ein Dachs würde) solche Bauten reinigen, indem er die mit Räudemilben verseuchte Erde ausgräbt. Ich persönlich glaube, daß es sich hierbei um eine angedichtete Eigenschaft handelt, aber diese Vorstellung war im goldenen Zeitalter der Fuchsjagden sehr verbreitet, man duldete die Dachse aufgrund solcher Vermutungen weitgehend. Nachdem wir uns mit den Bauten und den Eigenschaften des jagdbaren Tiers eingehend befaßt haben, kommen wir zu einem sehr umstrittenen Punkt, nämlich der zeitlichen Begrenzung der Dachsjagd. Vom Gesetz her besteht in England keine zeitliche Begrenzung; zweifelsohne kann man auch sagen, daß, würde die Regierung eine solche zeitliche Begrenzung einführen, es damit zu einer anderen, außerordentlich falschen Regulation käme. Wie die Dinge nun einmal sind, ist es Aufgabe des Terrier-Mannes sicherzustellen, daß Dachse nicht während der Zeit der Aufzucht gejagt werden. Man nimmt an, daß Dachse sich im Spätsommer paaren, aber niemand vermag genau die Tragezeit von Brock zu sagen, jedenfalls werden die Jungen im Februar oder um den Februar herum geboren. Es wäre eine absolute Verrücktheit, einen Terrier in den Bau zu schicken, der wahrscheinlich einen Wurf beherbergt, denn sicherlich sind Vater und Mutter unverwundbar, die Jungtiere aber bestimmt nicht. Hinzu kommt, daß im Gegensatz zu vielen erfundenen Erzählungen von Autoren, die überhaupt keine Ahnung von Dachsen haben, wahrscheinlich nie einen sahen, kaum eine Dächsin ihre Jungen verteidigt; sie zieht sich in eine Röhre zurück, vielleicht um den Hund abzulenken. Dies klappt aber selten, denn Terrier sehen in neugeborenen Dachsjungen „leichtes Fleisch", richten ein Blutbad an. Dies ist nicht nur barbarisch oder, vorsichtiger ausgedrückt, unsportlich, es hat auch ausgesprochen schlechte Folgen für die Jagd in der Zukunft. Jeder Jäger, der dieses Namens würdig, kein Schlächter ist, sollte sich Gedanken um die Zukunft der Jagdtiere machen, auf die er jagt. Tut er das nicht, sondern schlachtet Tiere rücksichtlos, dann wird der Dachs auch dem Weg des Uhus folgen, der großen Eule und dem englischen Wolf. Gerade die Dachsbevölkerung in Cardi­ganshire hat aufgrund eines unverantwortlichen Dahinschlachtens von Jungtieren und erwachsenen Tieren zur Zeit, da dieses Buch geschrieben wird, einen verheerenden Schaden erlitten. Da die Jungen immer Anfang des Jahres geboren werden, sollte sich der Dachsgräber mit seinen Aktivitäten unbedingt auf die Sommermonate beschränken.

Nun zum Einsatz des Hundes und zum Ausgraben. Zunächst bevorzugen es die meisten erfahrenen Jäger, ihre Hunde über eine Jagdsaison nur auf Füchse einzusetzen, ehe sie diese auf den Dachs zulassen. Der Dachs ist ein gefährlicher Gegner, deshalb ist es ein guter Rat an den Jäger, den Terrier erst bei der Jagd unter der Erde auf weniger gefährliches Wild Erfahrungen gewinnen zu lassen, ehe der Terrier sich mit einem so schweren Gegner einläßt. Viele Jäger testen ihre Terrier auf den Dachs, noch ehe diese einen Fuchs zu Gesicht bekommen haben. Die Gründe liegen auf der Hand. Füchse ziehen über weite Strecken umher, oft muß der Jäger gleichfalls meilenweit gehen, ehe er auf einen Fuchs trifft, der sich in sei­nem Bau befindet. Dachse sind wenig wanderlustig, bei Besuch nahezu immer zu Hause, deshalb lassen sie sich leicht aufspüren. Es ist traurig, vielleicht aber doch ein Glück - man kann sie nicht leicht jagen. Unverändert vertrete ich die Auffassung, daß wenn ein Terrier-Mann über eine Jagdsaison zunächst seine Hunde nur auf den Fuchs einsetzt, ehe er sich an Brock wagt, umso besser. Im Normalfall wird ein Hund recht leicht in den Dachsbau einschliefen, wenn er über eine Jagdsaison bereits auf den Fuchs gejagt hat; tatsächlich kenne ich auch eini­ge Hunde, die außerordentlich gierig auf die Dachsjagd sind, obwohl sie sich für einen Fuchs überhaupt nicht interessieren. Hier ist zu unterstreichen, daß auch das Ge­genteil vorliegen kann. So war Climber, eine Hündin, die ich schon früher erwähnte, auf Füchse eine vorzügliche Jagdhündin, verwandelte sich aber zum flüchtenden Feigling, wenn sie nur einem halberwachsenen Dachs­jungtier gegenüberstand. Gaston Phoebus, ein berühmter Jäger aus dem Mittelalter, beschreibt eine einmalig barbarische Methode, wie ein junger Terrier auf den Dachs angelernt wird. Man fing einen ausgewachsenen Dachsrüden, schnitt ihm mit großen Metallschneidem die Unterkiefer ab. Dann hetzte man die Terrier auf dieses armselige, nahezu harmlose Tier, das ohne seinen Unterkiefer dem Terrier gegenüber absolut wehrlos war. Diese erstaunliche Methode einer Einführung in die Dachsjagd ist ebenso tierquälerisch wie töricht. Zunächst einmal habe ich große Zweifel, ob ein Dachs es überhaupt überleben würde, wenn man ihm den Kiefer abtrennt, und zum zweiten würde eine solche Methode den Terrier einen völlig falschen, gefährlich falschen Jagdstil lehren. Würde ein so angelernter Junghund nicht alle Vorsichtsregeln in den Wind schlagen, sich auf den ersten, nicht verstümmelten Dachs, den er trifft, stürzen, weil er glaubt, dieser könnte nicht zurückbeißen? Ein erstklassiger Dachshund braucht vier Grundqualitäten. Zum ersten muß er tapfer sein, aber nicht zu tapfer; am besten ähnelt er „dem Brei für den kleinen Bären", mit andern Worten, „er ist gerade richtig". Würde er sich wirklich vor dem Dachs fürchten, könnte er durchaus am Dachskessel im ersten leeren Schlafplatz verbellen, ein Problem, auf das man recht häufig trifft, wenn man mit einem leicht nervösen Terrier auf Dachse jagt; zum anderen würde er sich vom Dachs so fern halten, daß es dem Raubtier gelingt, wieder zum Hauptausgang durchzukommen, dadurch alles Graben erfolglos zu machen. Wäre der Terrier aber zu tapfer und versuchte, sich in den Dachs zu verbeißen oder ihn unter der Erde angreifen, würde er auf eigene Kosten die Kampfkraft dieses Raubtieres erfahren.

Ein harter Hund, ein Hund, der nicht zurückweicht, würde schnell zum Opfer, bräuchte tierärztliche Behandlung. Einige Schläge der Fellterrier sind Füchsen gegenüber wahre Teufel, auf der Dachsjagd aber völlig unbrauchbar. Nicht durch mangelnden Mut, wohlgemerkt, sondern ganz durch das Gegenteil! Denn sie haben die Gewohnheit, sich auf den Gegner zu stürzen, furchtlos zuzupacken; dabei erleiden sie eine schreckliche Niederlage, werden verkrüppelt, gelähmt und vor ihrer Zeit jagduntauglich, dies alles aufgrund mangelnder Vorsicht beim Kampf gegen einen so gefährlichen Gegner. Willie Irving, seit Piper Allen der großartigste Jäger in dem Gebiet der Fells, sagt man nach, daß er stets darauf hingewiesen habe, daß der Lakeland Terrier für die Dachsjagd nutzlos sei, ganz einfach, weil er ein zu harter Draufgänger war (Willie sorgte dafür, daß der Kennel Club diese Rasse akzeptierte, den Standard anerkannte). Deshalb ist der ideale Hund für die Dachsjagd ein Hund, der etwa genau in der Mitte liegt („just right"), ein Hund, der lange Zeit den Dachs verbellt, ihn immer wieder bedroht, dabei in der höllischen Dunkelheit im Zentrum des Baus bleibt, immer den richtigen Abstand zu den Kiefern des Dachses hält, sich nicht darum schert, daß ihm die Erde um die Ohren fliegt, welche ihm der Dachs während dieser Jagd entgegenschleudert. Dachse versuchen - wie ihr Name sagt - sich im Bau selbst einzugraben, wenn sie sich fürchten, einen Erdwall zwischen sich selbst und dem Hund zu errichten.

Als nächstes braucht ein solcher Hund eine kräftige Stimme. So töricht dies klingen mag, dies ist eine der wichtigsten Eigenschaften! Ein stumm jagender Hund ist für die Dachsjagd praktisch nutzlos, ein Hund mit schwacher, piepsiger Stimme ist fast ebenso schlecht. Oft stellen sich die Dachse dem Hund erst ganz tief in der Erde. Um hier nachzugraben, braucht der Hund einen tiefen, klingenden Standlaut (basso profundo), um den Grabenden den sicheren Weg zu zeigen. Einmal grub ich nahe Maltby in Yorkshire einen Dachsrüden aus, der nahezu fünf Meter tief lag; ich fand ihn nur aufgrund der kräftigen Stimme einer außerordentlich nützlichen Hündin, die ich damals besaß. Jetzt muß ich aber diese Geschichte zu Ende erzählen, auch wenn sie mich als kras­sen Amateur brandmarkt. Wir stießen durch und kamen senkrecht von oben über dem Paar an, wobei die Hündin kreischte wie ein ärgerliches Marktweib. Ich faßte nach unten, um die Hündin herauszuziehen, denn es wäre eine Idiotie, einen Hund den Verletzungen auszusetzen, die auftreten können, wenn der Dachs an der Rute herausgezogen wird; als ich sie packte, schlug sie mir in voller Erregung die Zähne in die Hände. Ich hob sie, vom eigenen Körper abgewandt, heraus, rollte mich leicht zur Seite, um ihre schnappenden Kiefer von meinem Gesicht abzuhalten, drehte mich um und sah gerade noch, wie der Dachs in die Hauptröhre abwanderte. Ich muß zugeben, ich hatte ihm bestens geholfen. Es war später Abend, es regnete, und mein Team von Terrier-Leuten war völlig erschöpft. Niemand sprach mit mir auf dem Heimweg. Aber man sollte mir den Jäger zeigen, der nie einen Fehler gemacht hat.

Die nächste Forderung ist, der Hund muß bei seinem Gegner über eine lange Zeitspanne verweilen. Ich kannte Hunde, die 20 Stunden beim Dachs blieben, noch im letzten Jahr grub ich eine alte Hündin aus, die ihren Gegner über 29 Stunden stellte. Wenn ein Hund alle paar Minuten herein- und hinausläuft, wird der Dachs ganz einfach in den Hauptgang abwandern, die ganze Aufgabe beginnt von neuem.

Bei der Dachsjagd schätze ich eine gute Hundenase. Ich besitze eine Hündin - heute leider recht alt geworden - die einen Dachs wittert, der sich hinter einem ganzen Wall von Erde eingegraben hat. Bei der Arbeit braucht ein Hund eine sehr gute Nase, um in einem mit Faulgasen angefüllten Bau einen Dachs auch hinter loser Erde auszumachen. Ein starker, kraftvoller Hund ist von großem Wert, wenn er am Ende des Grabens den Dachs fixieren oder festhalten muß. Der beste Hund, den ich je sah, war ein riesiger, häßlicher, rauhhaariger Hund im Besitz von Bob Walker in Rugeley. Dieser Hund konnte nicht unter der Erde arbeiten, hierfür war er ganz einfach zu groß; aber wenn das Graben zu Ende war, all die Arbeit getan, war dieser Hund von höchstem Wert. Wie es mit den meisten Kopfhunden geht (Caesar dogs - wie man diese Hunde nennt), fand er jedoch ein trauriges Ende. Leider ist dies immer wieder das große Risiko von Kopfhunden, die am Ende des Ausgrabens im Kampf an vorderster Stelle arbeiten müssen.

Ich muß hier bekennen, ich hasse es, Dachse zu töten. Wie schon gesagt habe ich einmal einen als Haustier aufgezogen, und obwohl er sich dabei als außerordentlich lästig erwies, lehrte er mich bestimmt, Mr. Brock zu schätzen, anstatt ihm zu schaden.