| Von Hugo Siegwart | |
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Mit dem Dachshund unter der Erde |
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VORWORT
Die
Jagd unter der Erde auf Fuchs und Dachs, wer kennt sie wohl? Berufsjäger sind
diese glücklichen Leute. Und sie wissen und fühlen es nicht, dieses Glück. Es
ist ihr Beruf, daher kein Vergnügen. Sie „müssen", weil ihnen die
„Raubzeugvertilgung" als Pflicht überbunden ist. Das Wort
„Raubzeugvertilgung" widert mich an. Man liest es in jeder
Jagdzeitschrift, in jedem Jagdbuch. Jeder Jäger hat es im Mund und jede
Jagdgesellschaft zahlt
Prämien für die Raubzeugvertilgung, ja selbst der Staat. Dieses Wort wird dem
Jäger angewölft, er hört sieht und weiß nichts anderes. Man spricht
allgemein von „Ausrottung des Raubwildes".
Warum soll das Raubwild ausgerottet vertilgt werden? Hat es denn nicht
ebenso gut oder mehr Existenzberechtigung
wie das „Nutzwild"? Bringt es sich denn nicht selbständig durch? Müssen
wir es füttern wie z. B. den
Fasan? Und ist etwa die Jagd auf Raubwild nicht interessanter und schöner, als
eine andere?
Den
Fasan muss man aufpäppeln wie ein kleines Kind, muss ihn füttern, das ganze
Jahr, er ist zum Haustier geworden. Seine Jagd ist reizlos, ein Lehrmittel für
Anfänger, ein Zielobjekt für Schiesser.
Gekocht auf dem Tisch kann ich ihn allenfalls noch verstehen, als Wild
anerkenne ich ihn nicht. Ich hasse den Fasan. Er ist der größte Feind des
Dachshundes, des wunderbarsten, universellsten Hundes. Der Fasan ist dumm, dümmer
als das Haushuhn. Man muss ihn mit den Schuhen aus dem Kartoffelacker herausstoßen,
man kann ihn fangen mit den Händen, wie Fliegen an der Wand. Kein Wunder, wenn
ihn der gewandte Fuchs leicht erhascht und erwürgt.
Dafür muss der Gescheitere, der Fuchs, dran glauben. Gerade wie bei den
Menschen. Der Dumme, Harmlose, wird verhätschelt, beschützt. Der Intelligente
bekämpft und womöglich vernichtet. Warum? Der Begabte macht sich leicht unabhängig,
selbständig, er hat und zeigt Charakter, damit macht er sich unbeliebt.
Der Dumme muss schmeicheln, ist unbedingt von seinen Mitmenschen abhängig,
das hat man gern und man hält sich einen großen Anhang solcher Kreaturen.
Gerade wie Fasanen. Die Fasanenzucht und das Halten von Fasanen wird immer mehr
Mode. Man schämt sich beinahe, gestehen zu müssen, man habe keine Fasanen im
Revier.
Und
mit dem Zunehmen des Fasanenstandes muss der Fuchs weichen und mit dem Fuchs der
Dachshund. Oder lohnt es sich wegen zwei, drei Füchsen, die der Nachstellung glücklich
entkamen, ebenso viele Dachshunde zu halten? Nein! Man legt ihnen Eisen und
Gift, das ist billiger. Es ist merkwürdig, wie der Begriff „weidgerecht"
so verschieden verstanden und gedeutet wird. Der gerechte Weidmann greift zu
Eisen und Gift, wenn er ein Fuchslein hinüber befördern will. Er lässt den
Dachs und Fuchs tage- und nächtelang im Eisen hängend den Martertod erleiden,
und bezeichnet es als verruchte Freveltat, wenn ein anderer Schlingen und Eisen
legt zum Fangen von „Nutzwild". Wer den Hasen, das Huhn, den Fasan im
Lager schießt, gilt als Aasjäger, mit Recht. Der weidgerechte Jäger will ihm
die Möglichkeit geben, zu entkommen. Dieses Recht aber gesteht er dem Fuchs und
Dachs nicht zu. Diese werden auf hinterlistige, feige Art umgebracht. Warum
diese ungleiche Behandlung zweier Wildarten? Wir betreiben doch die Jagd nicht,
um daraus Nutzen zu ziehen, leben zu müssen. Wir betreiben sie zu unserer
Erholung, als Sport. Und wer einen Sport treibt, trachtet darnach, sich zu
vervollkommnen, den Gipfelpunkt zu erreichen, sich körperlich and geistig zu
entwickeln und frisch und gesund zu halten. Mich will es dünken, dass einer
nach zehnjähriger Lehrzeit die Hasen- und Hühnerjagd satt bekommt und nach stärkeren
Reizmitteln sucht. Er überlässt den Abschuss des Kleinnutzwildes dem Anfänger,
dem weniger Begabten und dem Personal, während er sich zum Pirsch- und
Raubzeugjäger entwickelt. Die weidgerechte Jagd auf den Fuchs und Dachs ist
einer der schönsten, genussreichsten, aber auch anspruchsvollsten
Jagdarten, die wir kennen. Sie stellt nicht nur Anforderungen an die
jagdlichen Fähigkeiten, sondern auch an dessen physisches Vermögen. Die Jagd
unter der Erde ist überdies, abgesehen von der Pirsch auf Grattiere im
Hochgebirge, diejenige, die dem menschlichen Körper am zuträglichsten ist, die
die Muskeln des Körpers in gleicher Weise , anstrengt und entwickelt, die keine
Fettleibigkeit aufkommen lässt. Diese Jagd sollen und müssen wir selbst
betreiben, denn überlassen wir sie
dem Personal, so kommen wir um die herrlichsten Weidmannsgenüsse und Jagdtrophäen.
Um
aber mit Erfolg die Bodenjagd betreiben zu können, müssen wir einen gewissen
Bestand von Füchsen und Dachsen dulden, selbst auf Rechnung des
Kleinwildstandes. Was macht’s? Mir ist ein Fuchs lieber wie zehn Hasen. Die
Arbeit des Dachshundes entschädigt uns reichlich für deren Ausfall. Wir sind
doch keine Krämer, haben einen anderen Beruf, mit dem wir unsern Unterhalt
verdienen. Wir betreiben die Jagd,weil wir müssen, aus innerem Antrieb, dem wir
nicht widerstehen können. Ein Stück Urmensch steckt in uns. Wir sind Raubtiere
und werden es bleiben. Seht diese verfeinertenKulturmenschen
an. wie sie nervös sind und schwach, wie sie kränkeln und geistig verkommen.
Diese betrachten uns Jäger als Barbaren, als Rohlinge. Sie begreifen nicht, wie
man Hunde lieben, ein Tier töten kann. Sie betrachten den Hund als das
ekelhafteste, perverseste Geschöpf,
während er unser bester und aufrichtigster Freund ist. Jene schrecken vor jedem
Geräusch zusammen, weil sie der Natur entfremdet sind. Bleiben wir daher
Urmenschen und entwickeln wir das bisschen Talent, das vom Urmensch noch in uns
steckt. Der Jagd und ganz besonders der Bodenjagd haftet manches Rohe an. Das
ist wahr, aber es wird immer und ewig so bleiben, solange noch Wild vorhanden
ist. Wie erbärmlich wäre unser Dasein ohne Wild. In jene
Welt möchte ich mich nicht versetzt wünschen, ebenso wenig wie dahin, wo Überfluss
vorhanden ist. Wie ekelhaft ist ein Tiergarten, wo die armen Geschöpfe
haufenweise beieinander stehen, sich kaum rühren können und langsam verkommen;
wo sie, ihrer Freiheit beraubt, dahinsiechen, wie Menschen, die man ins Gefängnis
steckt jahre- und lebenslang. Sind das keine Rohheiten?
Hat
denn nicht jedes Geschöpf den Drang nach Freiheit?
Wie
oft schon ist es mir passiert, dass man mich
Der
Fuchs
Dieser
arg verschriene Geselle ist gar nicht so schlimm, wie man glauben macht. Schon
aus dem Grunde gebührt ihm
etwelche Schonung, weil er für geordnete sanitäre Zustände
sorgt im Revier; denn wo der Fuchs der Doktor
spielt, sind Krankenpflege und Totengräber überflüssig. Ab und zu kommt es schon vor, dass er irrtümlicherweise
ein gesundes Stück in Behandlung nimmt, Dies
aber nur im Frühjahre, zur Zeit, wo seine hoffnungsvolle
Kinderschar einen tüchtigen Appetit entwickelt und ihn infolgedessen Nahrungssorgen quälen.
Und
wenn auch im strengen Winter mal ein marodes Stücklein
ihm zu Opfer fällt, so ist der Schaden nicht so
groß.
Im
übrigen sei ja nicht geglaubt, dass der Fuchs sich
ausschließlich von Nutzwild nähre. Das Gegenteil ist
der Fall. Der Fuchs reißt nur im Notfalle bei großem Hunger
Wild. Seine Hauptnahrung besteht aus Mäusen, Käfern,
Larven, überhaupt Insekten aller Art, selbst Beeren
und vorzugsweise Aas. Er räumt das Revier von
allem Ungeziefer und Unrat. Auch sein Hauptkonkurrent
im Handwerk, die gute Mieze, muss daran glauben.
Wir sehen also, der Fuchs ist ein sehr nützliches
Tier. Öffnen wir, sei es zu welcher Zeit im Jahre,
seinen Magen oder untersuchen wir seine Losung, so
finden wir immer und
ausschließlich Mäusehaare, Mäusezähne
und Knochen und Käferschalen. Er fischt auch
gut und fängt Frösche und Krebse. Zu
Zeiten, wo der Fuchs notgedrungen am Wild sich
vergreift, kann man den Schaden dadurch zu verringern
suchen, indem man durch den Jagdgehilfen eingegangene
Haustiere, Abfälle vom Schlachthaus etc. im Wald
an geeigneten Stellen deponieren lässt.
Der
Fuchs hat außerdem die schöne Gewohnheit, dass
er Wild oder Haustiere, die in seiner Umgebung, ja
sogar in weitem Umkreise, sich aufhalten, also Tiere, die
er kennt und täglich sieht, verschont. Er holt sich seine
Beute weit her, außer wenn ihn der Heißhunger zu
anderem zwingt. Er tut dies nicht, wie viele Leute meinen,
aus Schlauheit, um sich nicht zu verraten; denn er
ist weder schlau noch berechnend wie der Dackel; er
tut es einfach darum nicht, weil er diese Tiere kennt, mit
und neben ihnen aufgewachsen ist und sie als Bekannte
respektiert.
Rechnen
wir auf den Nutzenkonto des Fuchses noch seinen
Balg, betrachten wir die prächtige Fuchsdecke aus
zwölf selbsterlegten Winterbälgen, so will es mir scheinen,
als sei der Schaden, den er anstiftet, reichlich aufgehoben.
So eine Decke ist wohl hundert Hasen wert.
Naturgeschichtliches
Sämtliche
Jagdschriftsteller behaupten, die Füchsin gehe neun Wochen trächtig. Ich habe
keine Beobachtungen anstellen können, die diese Annahme widerlegen könnten.
Dagegen muss ich an Hand meiner untrüglichen Beobachtungen und
Aufzeichnungen die Behauptung widerlegen, dass die Füchsin erst Ende April
oder Anfang Mai wölfe. Wie schon gesagt, hat sie dies Geschäft bis Ende März
erledigt und die ersten beginnen damit schon Anfang Februar. Wenn ich nun die
Zeit des Wolfens auf Februar und März verlege, so bin ich allen andern
Behauptungen gegenüber um zwei Monate voraus, stehe mit dieser Ansicht
vereinzelt da, will aber sofort dafür den Beweisweg antreten:
Ich
grub im März:
8.
März:
Fünf
noch blinde Jungfüchse mit der Fähe, die ich mit der Flasche aufzog.
Gewölft Anfang März.
Begattungszeit Ende Dezember.
22.
März:
Eine
Fähe mit 6 vollentwickelten Jungfüchsen
in der Tracht. Begattungszeit Mitte Januar.
27.
März:
Meine
Dachshündin brachte mir drei abgewürgte Jungfüchse aus dem Bau.
Gewölft Mitte März.
Begattungszeit Mitte Januar.
30.
März:
5
Jungfüchse mit der Fähe. Jungf. ca. 4 Wochen alt, schwerster 1 Kg.
Gewölft Anfang März.
Begattungszeit
Ende
Dezember.
Im
April:
8.
April:
5
Jungfüchse, 1 Fähe. Jungf. etwa sechs Wochen alt. Gewicht zusammen 8,500 Kg.
Durchschnitt pro Jungf. 1.700 Kg. Gewölft
Ende Februar. Begattungszeit
Ende
Dezember.
8. April:
2
Jungfüchse, noch
blind, 10—12 Tage
alt. Gewölft
Ende März. Begattungszeit
Ende Januar.
12.
April:
11
Jungfüchse, l Fähe. Jungt. im Durchschnitt 750 Gr.,
etwa 4 Wochen alt. Gewölft Mitte März. Begattungszeit Mitte Januar.
16.
April:
6
Jungfüchse, 1 Fähe. Es sind von zwei verschiedenen
Würfen. 4 sind je 1,150 Kg. und 4 je 650 Gr. schwer.
Erstere verfärbt, letztere zum Teil noch grau. Gewölft Mitte März—Ende
Februar. Begattungszeit Ende Dezember—Mitte Januar.
17.
April:
8
Jungfüchse, zusammen 12 Kg-, stärkster 1.800 Kg-,
geringster 1.100 Kg. Alter 6—7 Wochen. Gewölft An-
fang bis Mitte März. Begattungszeit erste Haine Januar.
22.
April:
11
Jungfüchse, stärkster 1,750 Kg.. geringster 1.250 Kg.
5—6 Wochen. Gewölft anfang März. Begattungszeit
Anfang Januar.
24. April:
2
Jungfüchse im Gewicht von 2,370 Kg. und 2,100 Kg.
Alter mindestens drei Monate. Vollständig verfärbt.
Gewölft Anfang Februar. Begattungszeit Anfang Dez.
26. April:
6
Jungfüchse. Nähere Angaben fehlen.
Im Mai:
6.
Mai:
12
Jungfüchse. Ein Geheck von 5 und eines von 7 Stück.
Gewollt im Februar. Begattungszeit Anfang Dezember.
Gewicht der fünf: 2,400, 2,400, 2,320, 2,270, 2,180 Kg.;
Gewicht
der sieben: 2,400, 2,320, 2,250, 2,070, 2,020,
1,900, 1,600 Kg. An einem Tage 12 Jungfüchse im Gesamtgewicht von 26,130 Kg.
10.
Mai:
2
Jungfüchse zu je 2 Kg. Gewollt Anfang März. Be-
gattungszeit Anfang Januar.
17. Mai:
1 Jungfuchs
zu 2,520 Kg. Gewölft Anfang März. Be-
gattungszeit Anfang Januar.
Meine
Aufzeichnungen reichen weiter bis Ende Mai, doch nimmt die Strecke von der ersten
Woche im Mai stark ab, so dass von dieser Zeit an ganze Gehecke keine mehr zur
Strecke kamen und nur noch einzelne Jungfüchse gegraben werden konnten.
Die größte
Strecke hatte ich immer im April zu verzeichnen, später wandern die Füchslein
umher und sind nicht mehr sicher im Baue anzutreffen. Also von der Zeit an, wo,
wie es im Buch steht und die Fähe wölfen sollte, habe ich das Graben auf Jungfüchse
schon aufgesteckt, weil mir diese schon zu alt und der Erfolg ein negativer war.
Jungfüchse sind bis zum 21.—22. Tage blind. Ich grub des öfteren blinde
Jungfüchse, die ich aufzog und die erst nach 14—15 Tagen anfingen, die Augen
zu öffnen, obwohl sie am Tage des Fangens nach meiner Schätzung 8 Tage alt
waren.
Jungfüchse
sind anfänglich dunkelgrau, mäusefarbig, dann etwas heller grau und fangen mit
der fünften Woche an gelb zu färben, welches am Kopfe beginnt und über den Rücken
verläuft. Die weiße Kehle, Wangen und Brustzeichnung
erscheinen erst allmählich, während die Rutenspitze weiß gewölft wird. Die
ersten drei Wochen liegen die Füchslein in einem Knäuel zusammen und erst mit
dem öffnen der Augen fangen sie an, unbeholfen auf dem Bauche herumzukriechen.
Solange leben sie ausschließlich von der Muttermilch, während die Fähe anfängt
Fraß herbeizuschleppen. Erst immer Vögel, Mäuse, Käfer, Würmer Schnecken,
Frösche etc, welche Portionen mit der zunehmenden Quäsigkeit der Kinder vergrößert
werden. Jungfüchsen geht es besser als vielen Menschenkindern. Sie haben
Nahrung in Überfluss und zudem solche, die für den Fuchsgaumen die feinste
Delikatesse bedeutet. Außerdem
sind Reserven in großer Menge vorhanden, so dass, wenn die sorgende Mutter
einen Tag oder zwei ausbleiben sollte, für die Kinder dennoch gesorgt ist.
Fuchskinder
besorgt ausschließlich die Fähe. Ich weiß, dass ich
mit dieser Behauptung bei vielen Jägern auf Protest stoße. Aber ich betrachte
es als eine ganz irrige Ansicht, dass der Rüde sich an diesem Geschäft
beteilige. Der Rüde hätte strengen Dienst, wollte er allen seinen Weibern, die
oft stundenweit auseinander wohnen, behilflich sein und umgekehrt hätte die Fähe
sich nicht um Nahrungssorgen zu kümmern, wenn ihre sämtlichen
Galans im, Herbeischleppen von Fraß miteinander wetteifern würden. Der Rüde
bekümmert sich einen Pfifferling um seine Familie, die er überhaupt gar nicht
kennt und auch nicht kennen kann. Meine Beobachtungen an ganzen Gehecken von
Jungfüchsen haben übrigens ergeben, dass das Verhältnis zwischen Rüden und Fähen
wie l : 2 steht. Auf einen Rüden treffen demnach zwei Fähen. Welche ist nun
seine Frau? Beide und noch eine ganze Anzahl andere dazu. So steht es mit dem
gerühmten Familienleben derer von Reineke. In keinem Falle habe ich je einen
alten Rüden im Baue von Jungfüchsen angetroffen. Dagegen oft zwei alte Fähen.
sogar ein Rüde, das ist einerlei, sie werden versorgt.
Dabei habe ich aber die Beobachtung gemacht, dass solche Jungfuchswaisen ihren
Muterbau verlassen oder wenn noch
zu klein, von Alten weggetragen und eine'n andern Geheck beigegeben werden. Ich
habe öfters an einem Bau Jungfüchse gegraben, die, der Größe nach zu schließen,
mehreren Gehecken angehört haben. Auch habe ich schon die Fähe mit einigen
Jungen, aber allem
Anschein nach nicht mit allen erwischt. Der Rest blieb dennoch da und war nach
einigen Tagen mit irgendeinem Fraß versehen.
Mit welcher Zähigkeit die Fähe trotz körperlichen
Gebrechen für ihre Junger, sorgt, habe ich in einein eklatanten Fall gesehen.
Ich grub ein Geheck kräftiger, gesunder, schon sehr großer Jungfüchse und die
Fähe dazu. Diese hatte den linken Hinterlauf oben total weggeschossen und den
rechten zur Hälfte. An diesem fehlte der Unterlaufknochen, dagegen waren die
Zehen am Kniegelenk angewachsen. Der ganze Mittelhandknochen
also war weg, der Lauf um 7 cm kürzer und steif. Das Tier hatte also nur noch
einen und zwar verstümmelten und
steifen Hinterlauf. In den
Knochen staken mehrere eingekapselte Schrote.
Das Ganze war sauber vernarbt und es mögen Monate seit der Katastrophe
verstrichen sein.
Dieser Fähe
ist es
aber dennoch, trotz äußerst schlecht besetzten Reviers, gelungen, sich
und sogar ihre sehr zahlreiche Familie zu ernähren und würde auch noch öfters
Junge zur Welt gebracht und sie ernährt haben, hätte sie nicht frühzeitig der
Tod ereilt.
Über
die Art und Weise, wie die Fähe ihre Jungen vor dem Angriffe der Feinde schützt,
kursieren recht
alberne Ansichten. Von der
Annahme ausgehend, dass alles, was
gedruckt ist, wahr sei, werden von Leuten Sachen behauptet, die grundfalsch
sind. Selbst recht brave Jagdschriftsteller begehen den
Fehler, um ihrem Werke den Stempel der
Vollständigkeit aufzudrücken,
Sachen, die sie weder selbst beobachtet, noch von glaubwürdigen Leuten
gehört haben,
aus Büchern
abzuschreiben, im guten Glauben,
dass derjenige, welcher
jenes Buch geschrieben, wohl aus
eigener Erfahrung seine Beobachtungen zu Papier gebracht habe.
So steht im Buche geschrieben:
„Die Füchsin
verteidigt ihre Jungen
bis aufs Äußerste mit eigener Lebensgefahr". Und ich sage: „Die Füchsin
lässt ihre Jungen feige im Stich und flüchtet sich, so schnell sie kann, ihre
Jungen dem Schicksal überlassend. Der
Tod ihrer Kinder wird ihr zum Lebensretter, indem der Hund mit den Jungen sich
balgt und der Alten dadurch Zeit lässt, sich abseits zu drücken."
Es
ist schon vorgekommen, dass in einem kleinen Bau, wenn die Fähe im Endrohr
steckt und nicht springen kann, diese vor den Jungen sich postiert und den Kampf
mit dem Hund führt.
Hat sie aber einen Ausweg, so wird sie sicher in den ersten fünf Minuten
springen.
Jungfüchse unterscheiden sich, wie
schon erwähnt, von andern Säugetieren, z. B. vom Menschen, dadurch, dass sie
nicht wie jene bei der Geburt das „Licht der Welt erblicken“, sondern erst
vier Wochen später. Erst sind sie drei Wochen lang blind, dann fangen sie an zu
kriechen und auf ihren unterirdischen Wanderungen rücken sie jetzt allmählich
gegen das Tageslicht vor und nach und nach verspüren sie den Drang in sich, die
Schönheiten der Außenwelt kennen zu lernen. Nur ganz schüchtern wagen sie
sich dem Ausgang der Röhre zu und glotzen mit ihren noch trüben, milchblauen
Augen stumpfsinnig in die Welt hinaus.
Einmal
pirschte ich mich vorsichtig an einen Bau heran, in dem ich Jungfüchse
vermutete und wartete. Nicht lange dauerte es, so wurde es lebendig bei den Röhren.
Ich pirschte mich näher und sah eine ganze Anzahl Jungfüchse, noch grau, aber
am Kopf ins Gelbliche gehend, ca. 5 Wochen alte Tiere. Sie waren ganz vertraut
und kannten die Gefahr nicht, in der sie sich befanden. Schließlich stand ich
mitten unter ihnen, sie äugten mich dumm an und ich versuchte, eines mit der
Hand zu fangen. Darauf zogen sie sich in die eine Röhre zurück und
betrachteten mich. Ich kniete nieder, um eines mit schnellem Griff zu erhaschen,
aber es misslang. Ich entschloss mich, die ganze Bande lebend zu fangen.
Vor der bevorzugten Röhre schaufelte ich eine mannstiefe Fallgrube mit
senkrechten Wänden, verblendete diese oben mit Reisig und Laub derart, dass sie
vom Erdboden nicht zu unterscheiden war. Ich ging nun fort, kam nach drei
Stunden zurück und wie viel Jungdachse glauben Sie, dass in der Grube staken.
Gar keiner sondern nur der Alte. Nicht etwa der alte Fuchs, sondern der alte Bauer, dem der Wald gehörte. Dieser
alte Trottel musste in die Grube fallen wie ausgerechnet, als ob er im ganzen
Wald gerade keinen anderen Weg hätte passieren können. Glücklicherweise nahm
er keinen Schaden, aber er schimpfte dennoch aus Leibeskräften und sagte
etwas von „Hals und Bein brechen", ich aber schimpfte noch mehr, weil er
mir das ganze Geschäft verdorben hatte.
Sind
die Füchse schon an das Licht gewöhnt, so werden sie frech und halten sich
tagsüber meist vor dem Baue auf. Mit einiger Übung lässt sich jetzt das
Alter, ohne sie zu sehen, leicht bestimmen. Denn je weiter im Umkreis ihre
Spuren sich zeigen, desto älter sind sie. Vorerst wagen sie sich nur einen
Schritt vor die Röhre. Acht Tage später ist der Kreis, in dem sie sich
bewegen, schon fünf Schritte im Durchmesser und bereits liegen Mäuse, kleine
Vögel oder deren Fragmente da. Nach weiteren acht Tagen tummeln sie sich bis
zwanzig bis dreißig Schritte herum und zertreten alles im ganzen Umkreis. Auch
liegen jetzt schon Überreste von Haushühnern, Wildenten, Hasen und Katzen
herum. Bald werden sie frecher, gehen schon in die nächste Dickung, oder, wenn
das Feld nicht weit, bis zum Waldrand, um aber beim geringsten Geräusch
blitzschnell in den Bau und zwar auf dem schon genau beschriebener Wechsel zurückzukehren.
Es
gehört zu meinem besonderen Vergnügen, dem Treiben der Jungfüchse
zuzuschauen. Um sich diesen
Genuss verschaffen zu können, muss man aber allein gehen, ohne
Begleitung, ohne Hund. Denn
das leiseste Geräusch verdirbt den Spaß. So hatte ich im März einmal die Baue revidiert und einige
als befahren angesprochen. Ich
ging nicht mehr bis am 21. April. An diesem Nachmittage setzte ich mich auf das
Rad und fuhr in
den Wald. Ich fuhr so leise auf dem Waldweg, dass ich bis nahe an den Bau vorrücken
konnte. Nun sah ich plötzlich einen alten Fuchs vom Baue wegschnüren und im
Walde verschwinden. Ich legte mein Rad auf die Erde und pirschte mich bis auf
zwanzig Schritte heran und nahm Deckung hinter einem Stamm. Das Schauspiel, das
ich nun über eine halbe Stunde lang betrachtete, haben wenig Sterbliche
gesehen. Ich zählte auf dem Baue 12 Jungfüchse. Zwei Gehecke. Fünf schon ganz
gelbe, kräftige Füchse beschäftigten sich mit einem größeren Gegenstand.
Wie es sich nachher herausstellte, war es ein prächtiger Haushahn. Und sieben
Stück etwas geringere, noch nicht ganz verfärbte Füchse, trieben die tollsten
Spiele mit einander. Während einige sich balgten wie junge Hunde, trieben
andere „Verstecken". Einer stellte sich frech, herausfordernd hin, worauf
die anderen eine Attacke machten, aber im selben Moment verschwand der Frechling
unter der Erde und sauste pfeilschnell aus einer anderen Röhre heraus, dasselbe
Spiel von neuem beginnend. Schließlich gab es eine allgemeine Rauferei, um aber
wie auf ein verabredetes Zeichen plötzlich unter der Erde zu verschwinden, aber
auch im selben Moment wieder auf allen Punkten zu erscheinen. Oft glaubte ich,
man hätte mich bemerkt, wenn die ganze Bande wie ein Blitz in den Boden fuhr.
Aber es war lauter Übermut und von allen Seiten erschienen sie wieder auf der
Bildfläche. Schließlich, als ich dem Theater genügend zugeschaut, pirschte
ich mich ebenso vorsichtig, wie ich gekommen, wieder weg, hockte auf mein Rad
und entwarf im Heimfahren den Feldzugsplan für morgen.
Ich
lud eine größere Gesellschaft von Herren und Damen ein und andern Tags nach
leichter Arbeit von drei Stunden waren von den zwölf Füchsen elf Stück mein,
wovon acht lebend im Sack. Der
Rest wurde von den Hunden abgewürgt und einen bekam ich nicht. Dieser
mag wohl abgewürgt
von den Hunden liegen
gelassen worden sein.
Damals
konnte ich mich rühmen, in einem Frühjahr fünfzig, sechzig und mehr Jungfüchse
gegraben zu haben.
Ich
glaubte eine Heldentat im Sinne der weidgerechten Jagd verübt und heute
bedauere ich, es getan zu haben. Ich bin ein direkter Gegner der Ausrottung der
Jungfüchse geworden. Heute
lasse ich sie alle leben und freue mich auf deren Jagd im Herbst und Winter.
Der Dachs
Harmloser
als der Fuchs ist wohl der Dachs. Weniger nützlich, weniger schädlich. Obwohl
auch er ein gewandter Räuber ist, so besteht doch seine Hauptnahrung aus Mäusen
und Käfern. Mäusegänge gräbt er mit großer Gewandtheit und macht oft lange
Furchen in Wiesen und Saatfelder. Beginnt die Fruchtreife, so tut er sich gütlich
daran, dagegen frisst er nur, bis sein Wanst gestopft ist und trägt keinen
Frass in den Bau, selbst nicht für seine Jungen, auch keine Wintervorräte.
Obwohl der Dachs mit außerordentlicher Geschicklichkeit kleine Tiere wie
Junghasen, Rebhühner, Fasanen fängt, so ist der Schaden, den er anrichtet, größer
in landwirtschaftlicher als in jagdlicher Hinsicht. In Rebbergen soll er
bedenklich hausen. Es wird oft der Versuch unternommen, den Dachs als
harmlosen Burschen hinzustellen, der zu plump und träge sei, ein Tier zu
fangen. Ich kann an Hand eigener Beobachtungen das Gegenteil berichten.
Ich
grub einmal einen ganz alten Dachs und nahm ihn lebend heim. Zu Hause steckte
ich ihn in einen großen hohen Parterreraum mit vier glatten Wänden. Nichts war
darin als eine hohe Leiter und auf dieser hockte mein zahmer Rabe. Dem Dachs gab
ich eine Schüssel mit Milch, Äpfel, gekochtes und rohes Fleisch und rohe
Kartoffeln. Am andern Tag waren diese sämtlichen Esswaren unberührt, dagegen vom
Raben lagen
nur noch vereinzelte Federn da. Diesen hatte er von der Leiter
heruntergeholt und verzehrt. Die Türen waren fürchterlich zugerichtet, sodass
er eine zweite Nacht wohl kaum in dieser Gefangenschaft geblieben wäre. Ich
fing ihn dann in einer Zementröhre und steckte ihn in den eigens gebauten
Raubzeugzwinger, der seinen brutalen Angriffen Stand hielt. Dort nährte ich ihn
mit Milch, Fleisch und Reis. Hatte ich aber lebende Spatzen gefangen und gab sie
ihm hinein, so erhaschte er diese so schnell und gewandt, dass man sich von
solcher Flinkigkeit gar keinen Begriff macht. Er war überhaupt ein mürrischer
und gewalttätiger Geselle, so dass ich ihn im Herbst laufen lies.
Naturgeschichtliches.
Über
den Dachs, seine Lebensweise und Kampfesart herrschen entweder Dunkelheiten oder
teils ganz falsche Ansichten. Seine Rollzeit wurde bisher meistens auf Oktober
verlegt, nun ist es aber nachgewiesen worden, dass er schon im Juli rollt. Ein Jäger
fing anfangs August eine Dächsin im Eisen. Sie war nur schwach verletzt, wurde
daher am Leben gelassen und In einen Zwinger gesteckt. Im Februar darauf wölfte
die Dächsin, ohne dass sie in der Zwischenzeit mit einem Dachs in Fühlung
gekommen wäre.
Sollte
es sich nur darum handeln, den Dachs auszurotten, so hätte man leichtes Spiel.
Einmal vermehrt sich der Dachs nur schwach, indem die Dächsin höchstens drei
Junge wölft. Dann wölft sie zu einer Zeit, wo man noch eifrig dem Fuchs
nachstellt, im Januar oder anfangs Februar.
Fährt der Hund in einen Bau ein, wo
junge Dachse sind, so sind diese rettungslos verloren. Die Dächsin flüchtet
sich vor dem Hunde in entfernte Röhren und überlässt die Jungen ihrem Schicksal.
Ich hatte einmal eine Hündin, die mir in einem Monat 22 junge Dachse aus dem
Bau brachte, alle mit eingedrücktem Schädel. Das tat mir schließlich so leid,
dass ich von dort ab die Bodenjagd im Februar und März ganz aufgab. In der
Regel waren je drei Stück beieinander.
Einmal aber
gelang es mir, drei junge Dachse lebend und unverletzt zu fangen. Es war am 30.
März 1899. Ich glaubte, auf Füchse zu graben. Mein Hund lag lange Zeit am
selben Ort laut Hals gebend vor, als die Röhre durchbrach, war ich auf einem
Kessel und die Jagd ging weiter in eine Seitenröhre fort und verschwand. Jetzt
aber hörte ich quietschen. Ich grub weiter und zu meiner großen Freude
erblickte ich drei junge Dachse, die ich sofort fasste und herauszog. Sie
wehrten sich gar nicht, waren ganz zahm und blieben es. Ich steckte sie in meine
weite Rocktasche, und als ich am Abend am Stammtische erschien, stellte ich alle
drei auf den Tisch zum Gaudium der anwesenden Herren. Die Dächslein waren ganz
wollig, hellgelb und kugelrund mit den zwei schwarzen Streifen von Nase zu den
Lusern, wundernette Tierchen. Das erste, was diese nun unternahmen, war, dass
sie in die Rockärmel der Herren sich verkrochen, wo sie mit einer unglaublichen
Schnelligkeit verschwanden.
Zu
Hause steckte ich sie in ein unbewohntes Zimmer und richtete ihnen ein warmes
Lager her und als ich andern Tags nachsah, waren alle drei verschwunden. Dem
spurenkundigen Jäger fiel aber gleich ein Häuflein Rosshaar am Boden dicht
beim Kanapee und ein kleines, kaum kinderhandgroßes
Loch im
Stoff am unteren Ende
auf. Da hatte sich ein Schlingel hinein und hinauf bis zum Sitz gearbeitet, wo
er ruhig schlief. Der zweite stak in gleicher Weise am andern Ende des Kanapees
und der dritte Schlauberger grub sich direkt mitten in das Flaumkissen, das auf
dem Kanapee lag, hinein.
Mit
einiger Mühe wurden die Kerlchen wieder ausgegraben, worauf sie sich sofort
anschickten, durch meine Hosenbeinstöße hinaufzuklettern. Um ein allzu weites
Vordringen zu verhindern, war ich genötigt, die Hosen von oben her aufzuknöpfen
und sie da herauszuziehen, denn rückwärts saßen sie zu fest.
Nun
musste man durch Zuführung von Nahrung die kleine Gesellschaft am Leben zu
erhalten suchen, was mit leichter Mühe gelang, indem die Fresssäcke die
Milchflasche, ohne sich einen Moment zu besinnen, gierig anfielen. So wuchsen
sie und gediehen vortrefflich, aber eines Morgens fanden wir den einen in einem
Vorhänge erhängt. Statt unter dem Vorhange durchzukriechen, wollte er durch
denselben hindurch. Er kratzte ein Loch auf. steckte den Kopf hinein und wollte
sich so durcharbeiten, was ihm aber, weil das Tuch lose hing, nicht gelang.
Ich grub aber
bald wieder einen jungen Dachs und die Gesellschaft war wieder vollständig. Ich
hatte damals junge und alte Dachshunde, Laufhunde, Vorstehhunde. Alle diese
Hunde gewöhnten sich bald an die jungen Dachse und taten ihnen kein Leid an.
Die Dachse krochen ohne weiteres zu ihnen hinein, weil sie der Wärme bedurften
und alle vertrugen sich gut. Nun sollte eine Laufhündin werfen. Ich richtete
ihr in einer Kiste im selben Räume, wo die Dachse waren, ihr Lager her. Die
Dachse schliefen in ihrer Kiste. Es war mittags und die Hündin begann zu
werfen. Ich ging zum Essen und war gespannt auf den Wurf; als ich wieder kam,
was sah ich? Die Hündin hatte mittlerweile fünf Junge zur Welt gebracht, die
kräftig an den Zitzen sogen und neben ihnen lagen in Reih und Glied, ganz
selbstverständlich, die drei Dachse, alle wetteiferten miteinander im Kneipen.
Wohl machte die Hündin Versuche, die frechen Eindringlinge über Bord
zu schmeißen, aber sie kamen immer wieder, bis die gute Hündin das Zwecklose ihrer Bemühungen einsah und sie gewähren lies.
Als die Witterung milder wurde, kamen die Dachse, die jungen Laufhunde und
Dachshunde zusammen ins Freie auf die Terrasse, wo ich ihnen aus Petroleumfässern
warme Lager herrichtete. Aber nun musste ich die Erfahrung machen, dass die kühle
Nachtluft dem Dachse nicht zuträglich ist. Zwei davon gingen mir an Lungenentzündung
ein; den dritten brachte ich durch. Hätte ich: aber alle drei großgezogen, sie
hätten mich bankrott gefressen. Bis Ende Juni war ihnen keine andere Nahrung
beizubringen als Milch, aber dafür große Quantitäten, Und nur aus der
Flasche wollten sie selbe haben.; Wer nicht gleich den Gummilutscher
erwischte, packte einen Finger und lutschte daran in der Hast Später fingen sie
an, mit den übrigen Hunden aus einer Schüssel zu fressen, aber mit einer Gier,
die die der Hunde weit in Schatten stellt.
Wir wissen doch, dass Hunde sehr eifersüchtig auf
einander sind beim Fressen, dass man ihnen das Fressen in verschiedenen Schüsseln
verteilen muss, um Raufereien zu vermeiden. Das wurde bei uns auch immer so
gemacht. Aber unser Dachs übertraf an Fressneid, Frechheit und Unverschämtheit
alles bisher da gewesene. Wenn das Fressen in den Schüsseln verteilt und das
Zeichen zum Fressen gegeben war, stürzte er sich von einer
Schüssel zur
andern, warf
die Hunde
mit dem
Hunde mit dem Grind
im weiten Bogen weg und packte schnell die besten Brocken. Das machte er mit
einer solchen Fertigkeit und Kraft, dass er unbedingter Herr bei den Mahlzeiten
war. Selbst alte Hunde schmiss er, indem er von hinten unter sie hineinkroch,
weit weg. Dabei biss er aber nie zu, sondern verließ sich auf seine
Nackenkraft. Wurde er selbst von Hunden im Zorn gebissen, so versteckte er
seinen Grind blitzschnell unter seine Vorderpranken und lies sich ruhig in
seinen Fettwanst beißen.
Nach dem
Fressen war wieder alles friedlich; nur glaubte er ein Anrecht auf das beste
Lager zu haben, was öfters harte Kämpfe absetzte. Der Dachs ist unbedingt
ein geselliges Tier. Allein würde mein Dachs nie geschlafen haben, sondern
immer bei den Hunden und dabei verlangte er für sich kein eigenes Lager,
sondern er wollte da hinein, wo die meisten Hunde lagen. War kein Platz, so warf
er die Überzähligen einfach kopfüber hinaus. Er war bald der stärkste der
ganzen Gesellschaft, so dass höchstens der alte Vorstehhund ihm noch gewachsen
war. Aber diesen respektierte er eben sowenig wie die Kleinen und so kam es oft
zu erbitterten Kämpfen, die ich dann durch mein Dazwischenkommen teilen musste.
Mich
konnte der Dachs gut leiden und tat mir niemals weh, selbst nicht, wenn ich ihn
direkt am Fang fasste und wegtrug. Meist packte ich ihn am Genick, wie man
Dachshunde fasst und trug ihn auf den Armen weg.
Wenn er genug gefressen
hatte, so machte er dann die tollsten Sprünge. Auch verlangte er ein Bad, was
er uns dadurch anzeigte, dass er aus der Wasserschüssel sich mit dem Kopf
Wasser über den Rücken hinwarf und dann sich tüchtig schüttelte. Wir gaben ihm eine große Wanne, dann stürzte er sich
kopfüber hinein, schüttelte und puderte sich, dass es eine Freude war,
zuzuschauen. Dies Geschäft besorgte er jeden Tag bei warmem Wetter.
Der
Dachs ist überhaupt ein sehr reinliches Tier. Seine Losung setzte er immer in
ein eigens zu diesem Zweck gegrabenes Loch. War dieses angefüllt, so grub er
irgendwo im Garten ein neues.
Wir hielten ihn
nämlich, als der Sommer begann, frei im Hundezwinger und im Garten. Doch da
brach er öfters aus. In der Regel aber nur Sonntags nachmittags, weil dann größere
Ruhe herrschte als an den übrigen Tagen. Dann bummelte er von Garten zu Garten
im ganzen Villenviertel herum und verbreitete bei der weiblichen Bevölkerung
großen Schrecken; grub sich durch oder kletterte über die Zäune. Einmal
machte er einen Spaziergang in die Stadt, wollte sich dort bei allen Hunden
anfreunden, was ihm indes nicht gelang, da alle vor ihm Reißaus nahmen; ein
andermal ging er in eine benachbarte Wiese, Mäuse graben. Der Besitzer
benachrichtigte uns davon. Da niemand zu Hause war wie meine Frau, steckte sie
Zucker ein und ging den Joggeli rufen. Dieser kam auch allso gleich und lies
sich ruhig Heimtragen.
Frühjahr,
als er jährig war und ich im Garten ein fürchterliches Kindergeschrei vernahm.
Ich sprang hinaus, da hatte der Dachs mein damals dreijähriges Mädchen an der
Wade erfasst und riss und schüttelte und Hess nicht mehr los. Mein Knecht war
auch schon dabei und
schlug mit den Stiefelabsätzen
auf das wütende Tier ein. Erst bei meiner Ankunft hielt er inne und wurde vernünftig.
Die
Ursache über diese Tat klärte sich aber bald auf. Meine Frau war mit dem Kinde
und dem Dachs im Garten und spielten miteinander. Da kam ein Freund von mir mit
einem Vorstehhund, welcher vom Dachs attackiert wurde. Es gab einen wütenden
Kampf, während dessen der Dachs, in der Meinung, er fasse den Hund, blindlings
drauflos biss und statt des Hundes braune Schenkel die braunen Strümpfe des
Kindes erwischte. Das war seine letzte Heldentat. Ich tat ihm zwar nichts,
verkaufte ihn aber an einen Wirt, welcher einen kleinen Tiergarten als
Attraktion für das Publikum hielt. Dort wurde er in einen Käfig gesteckt. Den
Entzug der Freiheit nahm er aber so übel, dass er das Fressen verweigerte und
bald darauf verendete.
Über
die Kampfesweise des Dachses kursiert nur die eine Ansicht, nämlich, dass er
weniger mit dem Gebiss als mit den Pranken schlage und so die Hunde schwer
verletze, und ich behaupte: der Dachs schlägt mit den Pranken überhaupt nicht.
Auch soll er im Frühjahr, wenn er Junge hat, dem Hunde besonders gefährlich
sein.
Es ist
richtig, dass der Dachs im Frühjahr viel gefährlicher ist als im Herbst und
Hunde weit schwerer geschlagen werden. Dies kommt aber nicht davon her, weil er
die Jungen verteidigt, denn das tut er nicht, sondern der Grund liegt darin,
weil der Dachs im Frühjahr gelenkiger und gewandter ist, als im Herbst, weil
er dann sein dickes Fettpolster aufgezehrt hat und um 10 Pfund leichter ist. Der
Jäger sagt, im Frühjahr ist der Dachs bös. Warum? Weil er im Herbst ein
dicker, ungelenker, phlegmatischer Kerl ist, der seine Röhre so voll stopft,
dass er sich darin kaum rühren kann. Das sind die Gründe, warum der Dachs im
Frühjahr dem Hunde gefährlich wird. Und dazu rechnen wir noch seine enorme Körperkraft,
die dem stärksten Erdhunde noch weit über das Doppelte überlegen ist.
Der
Dachs verteidigt sich gegen den Hund, indem er ihm die Seite oder den Hinterteil
zukehrt und den Grind nach unten und hinten zwischen den Vorderpranken
durchsteckt, und unter dem Bauche hervor seine Hiebe mit kräftigem Gebiss
austeilt. Die Geschwindigkeit, mit der der Dachs zwischen seinen Pranken
hervor operiert, ist fabelhaft. Der Dachs schützt so seinen Grind vor den
Angriffen des Hundes. Daher kommt es auch, dass Hunde sehr oft an Zehen, Läufen, Hals, Unterkiefer, Backen und an der Seite des Körpers
stark verwundet werden. Denn hat der Dachs einmal tüchtig zugefasst, so fängt
er auch gleich an zu reißen und tüchtig zu schütteln und lässt solange nicht
los, bis der Gegner mit kläglichem Geheul den Kampf einstellt. Lässt nun der
Dachs los, so wird der Hund in der Regel den Ausgang suchen und meistens
verfolgt vom wütenden Dachs, der ihm zum Geleite noch tüchtige Bisse in die
Hinterläufe etc. versetzt. Wenn nun Dachse vom Hunde ebenfalls stark verwundet
werden, so ist das meistens am Unterkiefer und an der Kehle der Fall, weil der
Dachs, wie oben beschrieben, unter den Pranken durch seinen Unterkiefer nach
oben wendet.
Das
Gebiss eines Dachshundes ist in den weitaus meisten Fällen stärker als
dasjenige des Dachses, dagegen hat der Dachs die weit überlegene Körperkraft,
Gewandtheit und Gewicht, die er wie ein Ringkämpfer meisterlich in den Dienst
seiner Verteidigung und Kampfesweise zu stellen weiß.
Der
Kampf zwischen Hund und Dachs wird also nicht Fang gegen Fang wie beim Fuchs,
sondern Seite gegen Seite geführt und da dies in der engen Röhre selten möglich,
so wird er in der Regel in einem Kessel zum Austrag gebracht, wobei aber dem
Hund nicht selten Rippen gebrochen werden. Auch kommt es vor, dass der Dachs in
der Röhre sich beim Hunde vorbeischiebt, diesen jämmerlich drückt und durch
das Schieben den Hund mit den Krallen schwer verletzt. So ein Hund liegt oft
lange irgendwo bewusstlos, so dass der Jäger glaubt, er sei in großer Tiefe
und könne ihn nur nicht hören. Wird dem Dachs die Rauferei zu bunt oder
verleidet ihm infolge seines phlegmatischen Wesens, so flüchtet er sich in eine
entlegene enge Röhre, gefolgt vom Hund, der sich nun gleich dahinter macht, dem
eng eingekeilten Grimbart den Hintern zu bearbeiten, welches Beginnen dieser
dadurch zu parieren sucht, indem er, mit allen vier Pranken schaffend, dem Hund
einen Hagel von Sand und Steinen ins Gesicht und Augen wirft. Mit dieser Beschäftigung
fährt der Dachs solange fort, bis zwischen ihm und dem Hund eine Barrikade
errichtet ist, die ein weiteres Vordringen des Hundes unmöglich macht. Nun gibt
es aber Hunde, die das Geschäft eben so gut verstehen wie der Dachs und
ihrerseits das vom Vormann gelieferte Material ebenfalls nach hinten schaffen,
sich so nicht selten den Ausgang vermauernd. Hat der Dachs nun keine Lust mehr,
sich mit dem immer nachfolgenden Hunde in einen Kampf in dem verschlossenen Räume
einzulassen, was für letzteren zwar lebensgefährlich wäre, so gräbt er sich
schließlich senkrecht in die Erde hinein. Jetzt ist das Spiel aus. Zu diesem
neuen Sport fühlt der Hund keine Lust. Bald erscheint er vor dem Bau und alle
Versuche, selbst mit frischen Hunden, den Dachs zu finden, bleiben erfolglos.
Der Bau ist wie ausgestorben, der Dachs hat sich verklüftet.
Ich
habe einmal einem Dachs beim Verklüften zugeschaut, er ist mir vor den Augen in
die Erde versunken. Es war
der alte griesgrämige Dachs, der mir den Raben gerissen und den ich im Winter
laufen lies. Das ging so: Ich ging mit meinem Gehilfen in der Absicht,
einen Dachs lebend zu fangen
und nahm einen großen Sack
mit. Der Sack
wurde vorn mit einem Holzreif
versehen und
ausgespannt, ähnlich
einem Schmetterlingsgarn.
Wir gruben
auf den Hund
und kamen dicht am Dachs herunter.
Der Sack wurde nun an die Röhrenöffnung hingehalten, doch der Dachs war
nicht dazu zu bewegen, in den
Sack zu fahren.
Da er im
Endrohr steckte,
maßen wir
mit einer Rute
die Länge der Röhre, welche nur etwas über einen Meter lang war und nun
gruben wir dort hinunter und kamen ihm
direkt auf
den Bürzel.
Dort wurde ihm nun
der Dachshund
angesetzt, doch
der Dachs
wich nicht, sondern
fing das Graben
an. Es
dauerte nur einige
Minuten, so
war er
verschwunden. Wir
warfen den Hund hinaus und säuberten die Röhre, aber, als wir, jeder von
seiner Seite durchschauten, sah einer nur des andern dummes Gesicht, der Dachs
war weg, die Röhre sauber leer.
Ich wusste schon, der Dachs
hatte sich verklüftet. Mit
dieser Endtaktik hatte er aber diesmal die Schlacht verloren.
Der Dachs stak senkrecht im Sand drin.
Bald hatten wir aber den Bürzel und die beiden Hinterpranken frei,
welche nun festgebunden wurden und der Strick wurde durch ein Loch am unteren
Ende des Sackes gezogen. Wir
zogen nun den Dachs aus seinem Versteck und streiften den Sack über ihn.
Verwundungen
von Krallen des Dachses habe ich bei meinen Hunden niemals beobachtet, dagegen
hat einmal ein und derselbe Dachs
und zwar gleichzeitig dem einen
Hund die Muskeln vom Knochen des Oberschenkels abgerissen, so dass man beim
Knochen durchschauen konnte und dem andern zwei Rippen gebrochen. Beide Hunde
musste man Heimtragen, erholten sich aber wieder, ohne an Schneid zu verlieren.
Wenn
also Verletzungen von Krallen herrührend vorkommen, so ist das in der Weise wie
oben erwähnt, wenn er sich beim Hunde durchzwängt, aber die Krallen braucht er
niemals als Waffe.
Handelte
es sich nur darum, den Dachs auszurotten, so wäre das ein Leichtes. Man lässt
im Februar seine Jungen vom Hunde abwürgen und fängt dann die Alten leicht im
Eisen. Aber das wäre eine Freveltat. Wir wollen nicht ausrotten, sondern hegen
und haben wir einen guten Bestand an Dachsen, so können wir uns genussreiche
Tage verschaffen; denn die Jagd auf den wehrhaften Dachs mit dem schneidigen
deutschen Dachshund ist vom Interessantesten und Schönsten, was Diana uns zu
bieten im Stande ist.
Und
ein Teppich aus 15 selbsterlegten Dachsschwarten ist eine schöne Jagdtrophäe.
Irrig
ist die Meinung, der Dachs halte Winterschlaf. Es kann vorkommen bei schlechtem
Wetter und Schneegestöber, dass der Dachs den Bau nicht verlässt und 4, 6—8
Tage im Baue bleibt. Tritt aber trockenes Wetter ein, so macht der Dachs seine
gewohnten nächtlichen Spaziergänge. Dachsspuren findet man den ganzen Winter
über im Schnee.
Der
Dachs weiß sich besser wie der Fuchs den Blicken der Menschen zu entziehen.
Denn er ist von Natur aus lichtscheu und zieht nur nachts auf Raub aus und dann
braucht er Ruhe. Erst wenn alles Geräusch im Walde verstummt ist, wagt er sich
vor seinen Bau und zieht dann oft mit der ganzen Familie, wie Soldaten einer
hinter dem andern, auf die Wanderung. Im Herbst, wenn er feist ist, wird er träge
und faul und schläft mitunter in warmen Nächten im Felde unter einem Obstbaume
und erwacht nicht eher, bis ihn das Tagesgeräusch aufweckt. Ein Bauer traf
einen Dachs unter einem Birnbaum schlafend an, ging zurück ins Dorf und sagte
es dem Jäger, welcher ihn im Schlafe ins Jenseits hinüber beförderte.
Mehr
wie einmal im Oktober, wenn ich zum Dachsgraben auszog und den Bau vorsichtig
betrat, hörte ich das Schnarchen des Dachses. Der alte Grimbart liebt es, in
der Röhre direkt bei der Einfahrt zu schlafen. Weckt man so einen alten Herrn
aus seinem Mittagsschläfchen, so fährt er laut pustend und polternd in die
tiefern Gemächer.
Ich
habe, so oft ich zu jeder Jahreszeit und Wetter den Bauen nachschnürte, nie das
Glück gehabt, junge Dachse vor dem Baue zu treffen, dagegen belauschte ich
einmal einen alten Dachs bei seiner häuslichen Arbeit. Ich zog abends vor
Einnachten von der Pirsch heim. Mein Weg führte mich auf 100 Schritt bei einem
Dachsbau vorbei. Da sah ich auf einmal weiß und dann wieder rot. Ich dachte
an einen Bock und schaute durchs Glas. Verschwunden. Ich blieb ruhig stehen. Da
auf einmal 20 Schritte links dieselbe Erscheinung, um ebenso schnell zu
verschwinden. Nun pirschte ich mich rasch auf 60 Schritte heran und nahm
Deckung. Nun klärte sich das Rätsel. Ein alter Dachs war daran, seinen Bau zu
putzen. Mit größter Gewandtheit kam er jeweils rückwärts aus der Röhre und
warf hinter sich roten Sand aus dem Bau, mit allen vier Pranken arbeitend. Aha,
so, dachte ich, mein alter Bekannter, der mir voriges Jahr meine zwei Dackel so
schwer geschlagen und auf den ich einen ganzen Tag lang mit zwei Gehilfen
umsonst gearbeitet. Jetzt wird abgerechnet. Und als er wieder mit einer Ladung
Sand erschien, schlug meine Kugel ein. Der Dachs warf den Grind hoch auf, machte
einige Schwenkungen und verschwand in der Röhre. Am Anschuss lag eine große
Schweißlacke mit Lungenfetzen vermischt. Am andern Morgen ging ich mit den
Dackeln hin, lies diese am langen Schweißriemen gekoppelt schliefen, welche
sich sofort am Dachse festbissen und mit vereinter Kraft wurde der Geselle
herausgezogen.
Die
weidgerechte Jagd.
Wegen
Unkenntnis der Bodenjagd überlässt der Jagdherr die „Ausrottung" des
„Raubgesindels" dem Personal, welches mit allen erdenklichen unweidmännischen
Mitteln zu Werke geht, während der Fuchs und der Dachs weidgerecht bejagt und
zur Strecke gebracht werden können.
Kaum
ist die Zeit des Haarwechsels angerückt, wird mit Tellereisen und Kastenfallen
operiert und fällt sogar eine Neue, flugs liegt Strychnin auf allen Wechseln.
Und der Erfolg im Verhältnis zu den Mühen ist ein verschwindend kleiner
gegenüber der weidgerechten Jagd, dem Ausgraben und aus dem Baue sprengen.
Will
man Füchse und Dachse dezimieren, ja sogar ausrotten, so wird man mit Ausgraben
das Ziel leicht erreichen. Es liegt einem in der Hand, den letzten Fuchs und
Dachs zur Strecke zu bringen, aber auch eben so gut zu schonen und einen
gewissen Bestand zu dulden. Denn es wäre schade, wenn wir die genussreiche, fröhliche,
aber auch höchst aufregende Bodenjagd missen müssten. Und es wäre
jammerschade, wenn wir unsern vielseitigsten und schneidigsten aller Jagdhunde,
den Dachshund, der durch falsche, verständnislose Zuchtrichtung seinem Berufe
entfremdet wurde, nicht wieder der Jagd erhalten und zuführen könnten.
Schmerzlich
berührt es den Jäger, wenn die schönsten, rein gezüchteten Dachshunde
durch Nichtgebrauch während
Generationen die Jagdeigenschaften verkümmert haben und zum verfeinerten,
nichtsnutzigen Kanapeedackel herabgesunken sind.
Und im
gleichen Verhältnis, wie der Dachshund der Jagd entfremdet wurde, hat die
Fabrikation und der Gebrauch von Strychnin und Fallen zugenommen. Glücklicherweise
ist seit einiger Zeit die Zucht unserer Erdhunde zum Teil in die Hände von
Weidmännern übergegangen und die Zahl der Vereine zur Prüfung von Dachshunden
auf deren jagdliche Eigenschaften ist im Wachsen begriffen, so dass in
absehbarer Zeit der letzte Salonteckel sein nichtsnutziges Dasein beendet haben
wird.
Um nun
die Bodenjagd mit Erfolg betreiben zu können, ist es nötig, alle Baue in
seinem und dem anstoßenden Revier zu kennen. Dann sind mindestens zwei gute,
ausdauernde Dachshunde erforderlich, gutes Grabwerkzeug, dann nur das allerbeste
ist gut genug, und sonstige Ausrüstung zur Bodenjagd. Und dann gehört zu allem
Kenntnis der Jagd, Fährtenkunde, soweit es Fuchs und Dachs betrifft, und sehr
viel Ausdauer. Mit der besten Ausrüstung ist der Dachs nicht ausgegraben und
einige Zufallserfolge stempeln einen nicht zum Bodenjäger.
Weiß
man alle Baue, so mache man sich daran, diese in guten Stand zu setzen. Man
reinige vorab die Umgebung der Baue von allem, was den Fuchs vergrämen könnte,
entferne also Papier und Tuchfetzen, ziehe in die Röhren gestoßenes Holz,
Reisig, Lappen heraus und entferne es. Ist ein Bau seit längerer Zeit nicht mehr
befahren, so öffne man die Röhren sauber. Bei durch Holzschlag ganz
kahl liegenden Bauen sorge man dafür, dass schnellwachsendes Gestrüpp
angepflanzt wird. Man richte überhaupt die Baue so wohnlich als möglich ein.
Dadurch werden auch die Füchse vom Nachbarrevier, wo sie beständig beunruhigt
werden, angezogen und Wohnung nehmen. Dies ist ganz besonders der Grenze entlang
zu berücksichtigen. Haben wir dies alles bewerkstelligt, so verbiete man dem
Jagdpersonal, die Baue zu begehen. Aufs schärfste aber verbiete man den Leuten,
einen Dachshund ohne Erlaubnis des Jagdherrn schliefen zu lassen. Nicht nur wird
dadurch der Fuchs und Dachs vergrämt und zum Ausziehen gezwungen, sondern der
Hund verliert durch dieses unsinnige schliefenlassen, ohne dass man auf ihn gräbt,
seinen Schneid, ganz besonders aber die Ausdauer und schließlich den Appell;
Eigenschaften, welche unsern Gebrauchshund vor dem dickköpfigen Salonteckel so
vorteilhaft auszeichnen. Man sei überhaupt in allem, was die Bodenjagd angeht,
vorsichtig und misstrauisch und hat man nicht einen absolut zuverlässigen
Jagdaufseher, so revidiere man die Baue selber.
Das
Revidieren der Baue.
Ich
wiederhole hier noch, dass beim Revidieren der Baue der Dachshund zu Hause
gelassen oder dann an der Leine geführt werden soll. Hat man einen zuverlässigen
ruhigen Hund mit absolut sicherer Nase, so kann er an der Leine hingeführt
werden, er wird uns beim Beschnüffeln der Röhren sofort sagen, ob der Bau befahren
sei oder nicht Aber auch der ruhigste Hund kann vor dem stark befahrenen Baue
oft ein leises Winseln nicht unterdrücken, was den nachherigen Erfolg beim
Graben in Frage stellen kann. Sicherer ist immer, man lege den Hund weit vom Bau
weg ab und überzeuge sich erst selber. Den Hund benütze man nur zur Bestätigung
dessen, was man selbst beobachtet hat, oder in zweifelhaften Fällen. Aber nur
an der Leine.
Viele
Jäger und Berufsjäger meinen, es genüge, den Bauen nachzuschnüren und den
Dachshund einfahren zu lassen. Gibt der Hund Hals, so ist der Bau befahren und
sonst nicht. Nun laden solche Leute einem zum Graben ein, der ganze Apparat wird
in Bewegung gesetzt, alles ist verproviantiert für einen Tag oder zwei und am
Bau angekommen, zeigt sich, dass er leer ist. Voll Ärger zieht man von Bau zu
Bau, überall dieselbe Geschichte und missmutig und verstimmt zieht man dem
eigenen Baue zu.
Das
Revidieren stellt schon sehr harte Proben an die weidmännischen Kenntnisse des
Jägers. Es ist eines der Haupterfordernisse der Bodenjagd.
Da wir
den Dachshund beim Revidieren der Baue grundsätzlich zu Hause lassen, so sind
wir nur auf unsere Erfahrung und Kenntnisse in der Fährtenkunde angewiesen. Und
machen wir im Herbst, bevor das Laub reißt, einen Gang von Bau zu Bau, so
finden wir, dass, vorausgesetzt, es seien überhaupt Füchse ständig im Revier,
die meisten Baue mehr oder weniger vom Fuchs angenommen sind. Bei allen Bauen,
selbst beim Felsenbau, wird etwas Erde ausgestoßen sein. Ist dies nicht der
Fall, was vorkommt, wenn die Röhren sehr weit sind, so wird man im Innern einer
der Röhren, wenn auch oft nur durch ein geringes Zeichen die Spur vom Fuchs
finden und daraus schließen können, ob der Fuchs ein- oder ausgefahren
ist.
Bei
anhaltendem Regenwetter wird jede Spur vermischt sein.
Das ist aber auch nicht die Zeit zum Revidieren, sondern man warte eine
Nacht nach Regenfall ab oder es soll mindestens seit Mitternacht nicht geregnet
haben. Dann haben wir andern Tags frische und sichere Zeichen. Die
Witterungsverhältnisse sollen überhaupt immer sorgfältigst geprüft werden
und weiß man selbst nicht die genaue Zeit des Regenaufhörens, so erkundige man
sich bei einem Eingeborenen.
Haben
wir längere Zeit trockenes Wetter, so können ganz frisch aussehende Spuren
dennoch alt sein. Man drücke nur zwei, drei Finger in die Erde, kratze sie mit
dem Nagel und vergleiche die Spur mit diesen, so wird man finden, dass jene
matter und heller aussieht wie der frische Fingerabdruck. Bei einem stark
befahrenen Bau, besonders wenn Dachse darin sind, kommt es vor, dass die
Einfahrt so glatt getreten ist, dass das Unterscheiden einer einzelnen Spur als
eine Unmöglichkeit erscheint. Dies ist ganz besonders der Fall bei lang
anhaltendem trockenem Wetter. Man achte dann ganz sorgfältig auf die kleinsten
Zeichen, also auf die Abdrücke der Krallen. Findet man einen einzigen Abdruck
einer Krallenspitze, so sehen wir an der Richtung, wie die Kralle eingesetzt
hat, ob das Tier ein- oder ausgefahren ist.
Liegt
Laub vor den Röhren und sind einige Blätter gewendet, was an der feuchten,
nach oben gekehrten Seite deutlich erkennbar ist, so ist das auch eine ganz
frische Spur. Dagegen kann die Richtung, nach welcher das Tier gegangen ist,
nicht so leicht erraten werden.
Der
Fuchs aber hat die Gewohnheit, wenn er ausfährt, sich ein oder zwei Schritte
von der Röhre den Sand vom Balge zu schütteln, und sind nun die Blätter
gewendet, aber sandfrei, so wird der Fuchs im Baue stecken. Sind dagegen
dieselben mit Sand leicht bestreut, so ist er ausgefahren. Ist man hierüber
im Ungewissen, so stecke man einfach den Windfang in die
Röhre
und ziehe sich die Lunge voll. Reinekes Anwesenheit wird sich an der
Nasenschleimhaut kundgeben. Auf die Nase den Bau richtig ansprechen, ist aber
Sache großer Übung, lässt sich doch mancher brave Dackel irre leiten, nimmt
den Bau laut an, obwohl der Fuchs kurz vorher ausgefahren ist.
Tritt
eine Neue ein, so wird es jedem Jäger ein leichtes sein, die Spur richtig
anzusprechen. Nicht so aber bei gefrorenem Schnee, welcher das Tier trägt und höchstens
die Kralle etwas Schnee aufkratzt. Dafür aber haben wir jetzt den Farbabdruck.
Fährt der Fuchs oder Dachs aus, so wird er immer etwas Erdfarbe auf dem weißen
Schnee zurücklassen. Meistens aber sind seine Ballen ganz deutlich in Farbe
abgedrückt, die sich nach der Seite, wo er gegangen, verringert und ganz
verschwindet. Auch das Sanden ist auf dem Schnee deutlich zu sehen. Fährt er
aber ein, so sind seine Ballen sauber. Dann wird die Sache schwieriger, so dass
man sich oft nur auf die Nase verlassen kann.
Bei
hart gefrorenem Boden ohne Schnee sieht oft der bestbefahrene Bau wie unbefahren
aus. Es sind gar keine Pirschzeichen vorhanden, als das Sanden. Allenfalls
herumliegende und an den Röhren hängen gebliebene Haare können alt sein. Das
sind gar keine sicheren Zeichen. Im allgemeinen aber ist im Winter der Bau
dennoch besser richtig anzusprechen als im Herbst. Wo alle Pirschzeichen fehlen,
genügt fast immer die Nase. Denn ist der Bau befahren, so strömt immer warme
Witterung heraus. Bei großer Kälte entströmt den Röhren oft ein schwaches
Nebelchen.
Merkt
das Tier im Innern des Baues die Anwesenheit eines Menschen, was bei gefrorener
Erde die Bodenerschütterung ihm anzeigt, so wechselt es oft sein Lager und
zieht weiter in den Bau. Dadurch wird die Luft in den Röhren bewegt, es
stößt sie vor sich her, während es hinter sich kalte Luft
nachzieht und der Geruch hört draußen bei der einen Röhre plötzlich auf, während
er bei einer andern umso intensiver wird.
Auf die Nase den Unterschied zwischen Fuchs- und Dachs
Witterung herauszubringen, ist so leicht, wie Veilchen von Rosen zu
unterscheiden. Sind aber beide Tiere im Bau, so wird die Sache schwieriger. Doch einmal
riecht's von Fuchs, das andere Mal von Dachs, je nachdem die Tiere sich
bewegen.
Im Frühjahr nach beendigter Ranzzeit sind die Fuchsbaue
meistens verlassen. Weder Rüde noch Fähe fahren zu Bau. Es
beginnt die Schneeschmelze, und Tauwetter, vermischt mit Regengüssen,
setzt den noch vor kurzem schönst befahrenen Bau in
verwahrlosten, ruinenähnlichen Zustand. Während der Rüde nach stattgefundener
Hochzeit sich um seine zukünftige Familie einen Teufel kümmert und seine
eigenen Wege geht, sein ist die Fähe 4-6 Wochen nach Beschlag schon wieder
auf der Wohnungssuche. Unruhig schnürt sie von Bau zu
Bau, fährt hier etwas Erde aus und dort etwas. Sie putzt und reinigt eine
Anzahl benachbarter Baue, ohne aber einen derselben zu befahren. Erst zwei, drei
Tage vor dem Wölfen hat sie die Wahl getroffen und dann bleibt
sie. Revidieren wir in der zweiten Hälfte des Monats März die Baue und
finden wir einzelne in beschriebenem Zustande, so können wir mit absoluter Sicherheit
Ende April 4-8 Wochen alte Jungfüchse graben. Haben
wir aber die Gewissheit erlangt, dass in dieser und jener Gegend Jungfüchse
zu erwarten sind, so beunruhigen wir die Baue während 4 Wochen nicht
mehr, vorausgesetzt, dass wir uns den Genuss einer Jungfuchsjagd
leisten wollen.
Die günstigsten Zeiten für die
Jagd unter der Erde.
Den Dachs gräbt man am
erfolgreichsten Ende September
bis Ende Oktober. Dann ist er feist und seine Schwarte ist gut.. Auch
ist er zu dieser Zeit phlegmatisch und wird den Hunden weniger gefährlich als
zu andern Zeiten. Es sind in der Regel mehrere beieinander.
Später trennen sie sich gern und kann man meistens den Dachs nur noch einzeln
graben.
Im Oktober fährt der Fuchs gern zu Baue. Sein Haarwechsel
hat sich bereits vollzogen, der Balg ist brauchbar. Stürme
und kaltes Regenwetter treten ein, und wenn das Laub zu reissen beginnt und die
Wälder lichter und unruhig werden, verbirgt sich der Fuchs mit
Vorliebe in sein unterirdisches Versteck. Also zur Zeit, wo
die Waldtriebe beginnen, wo es knallt und kläfft von Schützen und
Tagenden Hunden, steckt der Fuchs im Bau. Tritt eine
Neue ein, so wird's dem Fuchs unheimlich
in der weißen Landschaft mit den veränderten,
schwarzen Gestalten und er fährt zu Baue.
Die beste Zeit aber, wo man den Fuchs am sichersten zu
Hause trifft und sein Balg am wertvollsten ist, beginnt
erst um Mitte November und dauert an bis zu Ende der Ranzzeit, Mitte Januar.
Dann hat er sein bestes Winterkleid. Oft stecken dann drei und mehr Füchse
in einem Bau. Dann ist das Sprengen des Fuchses sehr lohnend. Oft springt der erste schon, wenn der
Hund kaum eingefahren ist und der zweite fünf Minuten später. Man
sei auf der Hut und lasse sich nicht verleiten, den geschossenen Fuchs herzuholen,
der zweite wird sich sicherlich während dieser Zeit empfehlen.
Man bleibe so lange stehen, bis der Hund herauskommt
oder nicht mehr schliefen will. Es
kommt vor, je nach der Beschaffenheit
des Baues, dass der Fuchs nicht springen will oder kann. Dieser wird dann gegraben.
Ist man nicht dazu ausgerüstet, so
verlappe man den Bau und gehe andern Tags an die Arbeit.
Will man junge Hunde führen, oder will man sich den
Genuss einer Jungfuchsjagd verschaffen, so gehe man nicht vor Mitte April ans
Werk. Erst dann ist er ein würdiger Gegner des
Dachshundes. Je wehrhafter der Jüngling ist, desto interessanter wird die
Jagd, der Kampf. Jungfüchse grabe ich aber nur
noch, um sie lebend
heim zu bringen, als Lehrobjekt für junge Hunde. Alte Hunde verdirbt man
leicht, wenn man sie auf Jungfüchse
arbeiten lässt, sie verlieren den Schneid auf alte Tiere.
Auch tut einem der Jungfuchs, liegt er
tot auf der Strecke, immer leid. Man
kann nichts mit ihm anfangen, als
gleich wieder eingraben. Es sei denn,
man brauche ihn zum Apportieren oder Schleppe machen für einen
jungen Vorstehhund. Zwecklos Jungfüchse
vernichten ist so gut Aasjägerei wie
angeschossene Hasen verludern lassen. Sind
aber Füchse in bedenklicher Überzahl da, so dass Abschuss geboten erscheint,
so kann man allenfalls für deren Dezimierung Hand bieten. Sonst
soll der Fuchs seine harmlose Jugendzeit genießen dürfen
wie jedes andere Geschöpf und erst auf die Abschussliste kommen, wenn er selber schädlich wird.
Die Ausrüstung.
Ich führe seit Jahren, wenn ich zur
Bodenjagd ausziehe,
einen kleinen stählernen Spaten mit abnehmbarem Griff
(Stiel) im Rucksack mit. Außerdem einen Doppelhaken zum Aufschlagen an einen Stock, ein leichtes Beil,
Revolver und Flinte. Eine Kerze im Rucksack und Zündhölzchen
sind unentbehrlich. Ebenso schwarze Lappen. Komme
ich an einen leichten Bau und der Fuchs
will nicht springen, so fange ich gleich das Graben an.
Werde ich bis am Abend nicht fertig, so wird verlappt
und andern Tags weiter gegraben. Die
Lappen müssen einen halben Meter von
der Röhre weg so aufgehängt sein,
dass sie der Fuchs von weitem in der Röhre sieht, dann traut er sich nicht
vorbei und gräbt sich eher anderswo aus, als dass er die „gefährlichen"
Lappen überspringt. Man kann Füchse in der Weise mehrere
Tage im Bau behalten.
Ist der Bau sehr tief und die Erde hart, so muss ein Gehilfe
mit Pickel und Schaufel her. Für einen allein wäre die Arbeit zu
streng.
Und nun, was die Hauptsache ist bei der Bodenjagd, das
ist der Hund. Wir brauchen zwei firme Hunde und führen außerdem noch einen oder zwei Jünglinge
mit, die als Lehrbuben dem Betrieb zuschauen
oder je nach Temperament mitmachen dürfen.
Der
Erdhund.
Das erste aller Bedürfnisse bei der Jagd unter der Erde
ist der Hund. Obwohl es sehr viele Hunderassen gibt,
die sich zu dieser Jagd eignen dürften, gebe ich doch einer den Vorzug. Es
ist dies der deutsche Dachshund. Früher
sind mir Foxterrier, Scottish-Terrier für die
Bodenjagd zur Verfügung gestanden. Ich habe Blueterriers
und Dandie Dinmont-Terriers arbeiten sehen, ich habe
mit Dachsbracken und kleinen Laufhunden unter der Erde gejagt und mit
Bastarden aller Art. Sie haben
zum Teil gut gearbeitet, aber von all
diesen Hunden war dem Dachshund keiner über. Nahe kam ihm der Dandie, ja
man könnte gar behaupten, wenigstens was die Arbeit im Bau anbelangt, dass der Dandie ebenso
Gutes leistet. Dieser sehr sympathische Hund hat schon der äußeren Erscheinung nach große
Ähnlichkeit mit dem Dachshund und
besonders mit dem rauhaarigen. Er
hat die Schärfe, Ausdauer und das anhaltende Halsgeben von jenem, kurz,
im Bau sind sie einander ebenbürtig. Was
aber der Dandie über der Erde macht,
darüber kann ich leider keine Auskunft geben.
Hätten wir nicht unsern großartigen Dachshund, dann
wär's
der englische Dandie, den ich zur Bodenjagd führen würde.
Aber wozu in die Ferne schweifen, wenn das Gute so nahe liegt und solange die Ansichten der Jäger und Züchter
in Bezug auf die Rassekennzeichen des
Dachshundes sich decken, können wir fremde Hunde entbehren. Der Dachshund hat heute Eigenschaften, wie man
sie besser gar nicht wünschen kann. Er
ist für en Jäger der unentbehrlichste Gehilfe und Freund.
Der Dachshund setzt da ein, wo die Ohnmacht des eigens
anfängt.
Die
Führung und Dressur (Auszüge )
Die jungen Hündchen entwickelten
sich bald zu jagdlichen
Taten. Noch nicht der Muttermilch entwöhnt, machten
sie schon Jagd auf Spatzen und Mäuse, die durch das Hundefutter angezogen,
immer im Zwinger sich
aufhielten. Eine 15 cm weite Zementröhre,
die, in die Erde eingelassen, den Kleinen den Eintritt vom Zwinger
in den Garten ermöglichte, gewöhnte sie, kaum vier
Wochen alt, ans Schliefen. Oft war die Röhre vom
Regen zur Hälfte mit Wasser gefüllt, was aber die kleinen Schliefer
nicht hinderte, trotzdem den gewohnten
Spaziergang zu machen.
Das wurden richtige Erdhunde.
Von frühester Jugend an wurden sie schon auf ihren späteren Beruf vorbereitet
und statt Bleisoldaten bekamen sie lebende Kaninchen
zum „Spielen" und statt einem Säbel und Pickelhaube junge Katzen. Und
später, als die Zeit der Berufswahl an
sie herantrat, waren Jungfüchse ihre Lehrbücher.
Einer zeigte mehr Talent, der andere
weniger. Der
eine war frühreif, ein anderer später. Gerade
wie bei Kindern.
Der Erdhund muss eben gemacht werden. Die
Veranlagung
allein genügt nicht. Sie muss frühzeitig geweckt
und gebildet werden.
Und wenn der junge Hund den Zahnwechsel und die Kinderkrankheiten
hinter sich hat und gesund ist und
Temperament zeigt, so darf
er mit
an den Fuchsbau.
Ich setze voraus, dass
er bereits leinenführig gemacht ist,
denn kein Hund darf unangeleint zur Arbeit gehen.
Ich nehme ihn an die Koppel mit einem
geführten Hund
zusammen und lasse sie hinter meinem
linken Fuße herlaufen. Der Alte weiß
es ganz genau, dass er mit der Peitsche
eins auf die Nase kriegt, wenn diese neben meinem
Fuße sichtbar wird und der Junge macht jetzt dieselbe
Erfahrung. Am Baue, sei es ein Kunstbau
oder
Naturbau, werden die Hunde angeleint,
angehängt. Der Alte wird geschnallt
und darf schliefen. Jetzt wird der Junge
an der Leine reißen und zu winseln und heulen anfangen.
Dafür bekommt er eine gehörige
Tracht Prügel mit der Hundepeitsche,
solange bis er ganz
ruhig ist. Er
mag noch so ein netter, lieber Kerl sein zu Hause, hier auf der hohen Schule
kennt man keine Rücksichten, bis sein
Wille sich dem unsern unterordnet.
Ist er nun eine Zeitlang schön ruhig,
so wird er zur Belohnung geschnallt und
darf nun herumrennen wie er nur mag. Er
wird wohl im ersten ungestümen Anlauf
dem Alten nach in die Röhre sausen, aber auch augenblicklich
wieder mit fürchterlichem Geheul und
großem Schreck auf der Bildfläche erscheinen
und umeinander rennen wie
besessen. Zur Strafe, dass er vor
dem Bau laut war, kommt er wieder an die Leine. Solange,
bis er ganz ruhig ist und erst dann wird er wieder
geschnallt, denn außerhalb des Baues darf ein
Hund weder winseln noch bellen oder an
der Leine zerren. Für
solche Ungezogenheiten sind die härtesten Strafen
nicht hart genug. Man gehe aber
langsam vor und steigere die Strafen
je nach Gutfinden. Fürs erste Mal wird
sich der Jüngling um den Bau und Fuchs wenig
oder gar nicht bekümmern, das ist einerlei. Wir
wiederholen einfach die Lektion. Und
will er nach wiederholten Versuchen vom
Naturbau
nichts wissen und wollen wir ihm möglichst schnell das Interesse
für den Fuchs beibringen, so stecken wir einen solchen in
den mit Gitterstäben versehenen Kasten und lassen ihm das Verbellen durch den
alten Hund vormachen. Der
junge wird erst sich nicht hin getrauen, aber nach und nach, wenn er merkt, dass die Geschichte nicht lebensgefährlich
ist, fängt er auf Distanz wie die alten Soldaten
ebenfalls das Bellen an, rückt immer näher, kriegt immer mehr Mut und fängt
nun an, den Kasten zu untergraben und in die
Eisenstäbe zu beißen.
Jetzt haben wir gewonnenes Spiel. Nun
wird der Fuchs in den großen Bau gesetzt. Erst
zwischen zwei Gitter,
damit der Schliefenlehrling nicht gleich die Nase voll kriegt und lassen ihn da 10 Minuten verbellen. Dann wird
der hintere Schieber gezogen, dass der Fuchs sich zurückziehen
kann und dann der andere zwischen ihm und
dem Hund. Drängt der Hund nun vor und
treibt der Fuchs bis zum Ende, so
lassen wir ihn hier verbellen, solange
er mag. Wird er nun leicht geschlagen
und kommt heraus, so wird er angeleint
und diese Lektion ist zu Ende. Das
wiederholen wir einmal in der Woche und in kurzer Zeit ist der Erdhund
gemacht. Angeleint wird
der Hund immer, wenn er den Bau verlässt.
Hunde auf dem Bau herumlaufen zu lassen,
ist unstatthaft und verderblich. Man
erzieht sie damit zu appelllosen
Taugenichtsen. Der Hund darf grundsätzlich
nur dann von der Leine gelassen werden, wenn er arbeiten soll, tut er
dies nicht, so wird er rücksichtslos angehängt.
Führen wir das strenge durch, so wird
der Hund in kurzer Zeit einen Appell
bekommen wie der Vorstehhund. Auf
Pfiff oder Wink oder
auch nur schütteln
mit der Koppel wird der Dachshund ansausen, dass es eine Freude ist. Wir
loben ihn immer, wenn er
herkommt und sich anleinen lässt. Es
soll bei ihm die Idee aufkommen, als sei es das Höchste, was wir ihm bieten
können, beim Herrn an der Leine hängen zu dürfen.
Hat er nun die Primarschule hinter sich und ist ein
Jahr oder mehr alt geworden, so darf unser Jüngling mit in die Schlacht.
Die
Bauarbeit.
Es ist Ende September. - Die Baue sind revidiert. Ein Bau ist vom
Dachs befahren. Wir warten auf einen schönen
Tag, die Gäste sind eingeladen, verproviantiert und
nun ziehen wir los. Einen Gehilfen
zum Graben haben wir engagiert, ebenso
das nötige Werkzeug herbeigeschleppt. Der Gehilfe trägt Pickel,
Schaufel, Axt und den großen
Spaten. Ich im
Rucksack den kurzen Spaten,
Haken, Revolver und Kerze, an der Leine den jungen
Spritzlink, während die zwei alten
Haudegen von einem Gaste geführt werden. Zur Auffrischung des Gedächtnisses
der Hunde wird bei der ersten Gelegenheit
eine tüchtige Haselrute geschnitten, denn wir haben die Nilpferdpeitsche
zu Hause gelassen. Der Gast geht voraus
und mein Wildfang macht alle
erdenklichen Anstrengungen, den alten Hunden nachzukommen, aber die
Rute pfeift und mit einem Ruck fliegt der vergessliche Schüler im Bogen
zurück.
Wir sind am Bau. Hunde, Rucksack, Geschirr wird abgelegt.
Wir gehen hin, die Röhren zu besichtigen. alles frisch und prächtig
befahren. Der Hundejüngling spannt etwas und winselt. Dafür
bekommt er harte Schläge, denn Ruhe ist jetzt das oberste Gesetz. In
aller Gemütsruhe haben wir jetzt den
Bau inspiziert. Fuchs ist keiner drin, nur Dachse. Der
junge Hund blieb seither
ruhig und wird nun zur
Belohnung dafür geschnallt. Er
darf den Reigen eröffnen. Kühn und
stolz wie der Spanier geht er drauflos, aber sein Mut ist bald gekühlt,
er kriegt eins runter, und er erscheint kleinlaut und
bescheiden wieder an der Oberfläche, lässt
sich anleinen und ist froh,
dass man nichts mehr von ihm verlangt. Jetzt
bleibt er ruhig. Nun kommt sein Vater
dran, der schon längst aus Ungeduld
erzittert. Wie der Blitz
verschwindet er in der Erde und kommt nicht wieder. Eine halbe Stunde, eine Stunde ist verstrichen, man
hört nichts, sieht nichts. Ich gehe den Bau ab, vom
Zentrum aus im Kreise die Bogen nach außen vergrößernd,
immer sachte, leise, immer weiter hinaus und halt,
jetzt höre ich den Hund, weit, weit entfernt. Doch er ist nicht weit, keine
drei Meter und die Gäste hören ihn nicht, glauben, ich träume.
Jetzt lege ich mich zur Erde, das Ohr fest aufgelegt. Es
stimmt. Hier liegt der Hund und der Dachs kratzt und
wirft Erde gegen den Hund. Dieser zieht sich
jeweils einige Schritte zurück, ich
merke mir die Richtung, zeichne sie an und nun
beginnt das Graben. Soweit
wie der Hund vordringt, das ist die Grenze, über die
hinaus dürfen wir nicht graben, sonst laufen wir Gefahr, direkt auf den
Dachs zu stoßen. Wir müssen abseits
vom Dachs, also hinter ihm herunterkommen, direkt auf den Hund. Ich schätze
die Tiefe nach dem Hals des Hundes auf 2,50 Meter und zeichne mit dem Pickel
den Einschlag an, zwei Meter lang, ein Meter breit.
Und nun
beginnt das Graben. Alles, was
Hände hat, hilft mit. Die
starken Wurzeln sind mit der Axt und die schwächeren mit dem Stahlspaten durchhauen.
Aber bald werden wir uns gegenseitig hinderlich,
einer nach dem andern setzt aus, nur der Gehilfe, der
an schwere Arbeit gewöhnt ist, gräbt weiter.
Nach
einer Stunde ist der Einschlag ein Meter tief, weil die Erde hart ist und mit Kies vermengt. Man
hört den Hund schon ganz deutlich. Nach einer weiteren Stunde
sind wir auf Mannstiefe. Der Hund ist noch da, seit drei
Stunden am selben Fleck. Sein Hals lässt nach, auch setzt er öfters lange aus, weil er gräbt. Der Dachs
hat sich verklüftet, die Röhre zwischen ihm und dein Hund mit Erde verstopft.
Der Hund merkt unser Näherkommen. Jetzt
setzt er länger aus und erscheint an
der Einfahrt. Der arme Kerl blutet an Nase und Behäng und seine Augen sind mit
Sand angefüllt, so dass er sie gar nicht öffnen kann. Er wird angeleint und sofort
sein Bruder in den Bau gelassen. Unterdessen
aber wird im Schacht tüchtig drauflos geklopft, dass der Dachs nicht weicht,
sich nicht vorbei traut. Schon liegt
der Hund an derselben Stelle und gibt Hals. Wir graben weiter und nach einer
Stunde sitzt der Pickel
fest. Durchgeschlagen. Der Hund steckt
schon sein schwarzes Näschen durch. Er
wird herausgezogen und angeleint. Der Boden des Einschlags wird jetzt tun einen halben Meter tiefer gelegt, damit man sich in der
Tiefe besser rühren kann. Jetzt kommt der Gehilfe heraus, unsere Arbeit beginnt.
Den kleinen
Spaten, Revolver,
Fuchshaken und
Kerze nehme ich
mit hinunter.
Die Röhre, wo der Hund lag, wird fest
zugestopft und die vom Dachs verklüftete Röhre geöffnet. Ich sondiere mit dem
Hacken, spüre aber nichts Weiches. Nun
stecke ich die Kerze mit Lehm auf den Spaten, zünde
sie an und schiebe sie in die Röhre. Diese zieht sich
in starker Krümmung nach links, jedoch die Kerze löscht
ohne Luftzug. Das Unternehmen ist somit
als gesichert zu betrachten. Es ist
eine Endröhre. Der Sauerstoff wird vom
Tier, das darin steckt, verbraucht. Nun
dauert es aber auch gar nicht lange, so sichert der Dachs
hervor. Ich bin auf diesen Moment gefasst, habe den Revolver schussbereit und schon sitzt die Kugel ihm zwischen
den Sehern. Er ist augenblicklich tot, wird mit dem Haken angehängt und vorsichtig
hervorgezogen, den Revolver
schussbereit. Denn mit dem toten
Dachs erscheint ein zweiter und will
ausfahren. Ihn erreicht das gleiche
Schicksal. Beide Dachse werden hinaufgezogen,
alle Hunde geschnallt, die sich nun in
die Schwarte verbeißen. Besonders
für den jungen Hund eine gute Lektion. Ich
bleibe im Schacht, denn leicht könnte ein
dritter noch in der Röhre sein. Jetzt
gibt man mir einen Hund herunter,
welcher die Röhre untersucht, aber
bald wieder kommt. Die Röhre ist leer.
Der hier erzählte ist wohl einer der günstigsten Fälle beim Dachsgraben, oft geht es so krumm und verzwickt, dass man sich nicht mehr auskennt, dass man zwei und drei Tage graben und schließlich ohne Resultat abziehen muss. Felsenbaue sind in der Regel nicht zu graben; doch habe ich öfters aus solchen Dachse bekommen. Man plagt sie mit den Hunden solange, bis sie auswandern und in kleinere Baue sich verziehen. Tiefe Sandbaue sind die schlimmsten. Je weicher die Erde, desto schneller gräbt sich der Dachs vor dem Hund vorwärts und ist man unten, so ist der Dachs schon wieder einige Meter weiter. Doch auch aus solchen habe ich meinen Dachs geholt.
Ich habe über
meine Fuchs- und Dachsjagden Notizen gemacht und an Hand derer will ich
nun einige Erzählungen bringen über die praktische Jagd unter
der Erde. Der Anfänger wird daraus alles zu wissen
Nötige finden und der erprobte Bodenjäger Bestätigungen
und vielleicht gar Neues, das er sich zu Nutzen
ziehen kann.
Sieben Dachse aus einem Bau.
Von
Utting am Ammersee gelangt man in einer Stunde auf die Bergeshöhe. Nicht auf
einen Gipfel, sondern auf eine weite Bergfläche, die sich nach der Mitte zu
leicht einsenkt und durch ein Flüsschen, die Windach, in vielen Krümmungen
sanft durchzogen wird. Inmitten dieses Tales erhebt sich in leichter Steigung
ein breiter Hügel, auf welchem das stattliche Herrschaftsgut, der Fuchshof,
liegt.
Diese Anhöhe ist mit einem Wald bewachsen und das
Gehöfte direkt an diesen angebaut. Die Benennung
Fuchshof hat ihre gute Begründung. Er könnte aber auch eben so gut Dachshof
heißen, denn im Walde drin liegt die uralte Burg derer von Grimbart und
Reineke.
Es ist einer jener alten, wohl vielhundertjährigen Dachsbaue, am steilen Hange
auf der Sonnenseite des Waldes gelegen. Mehr wie zwanzig Röhren, am Fuße,
in halber Höhe und noch weiter oben führen in das Innere des Berges zu
den dunklen Wohnungen dieser Raubritter. Auch seitlich sind die Röhren weit verzweigt
und zwischen hinein die tiefen Löcher und Schutthaufen, die mit Moos und Tannen
bewachsen
sind, sprechen deutlich, dass hier zu früheren Zeiten des öftern eifrige Jäger
den Dachsen Besuche machten oder machen wollten. Indessen ist die Dachsenburg
derart angelegt, dass wohl manch' Angriff abgeschlagen und manch' Jäger nach
tagelangen Mühen den Kampf mit den unterirdischen Gesellen resultatlos aufgeben
musste. Ich war mir dessen wohl bewusst, als ich die Anlage musterte. Die
beinahe senkrecht in den Berg führenden Röhren und das Erdreich, das von den
Tieren zu großen Haufen ausgestoßen, und das aus Lehm und Kies bestand, waren
nicht erfolgversprechend.
Denn Lehm und
Kies ist harter Boden und jede Handbreit Tiefe muss mit dem Zweispitz und schweren Schweißtropfen errungen werden.
Jedoch der Besitzer des Fuchshofes, Herr Oberleutnant
v. Sch., gab mir die Erlaubnis zum Graben und mehr wollte ich nicht.
Wir rüsteten uns gehörig zum Kampfe aus mit
Pickel, Haue, Schaufeln, Revolver, Gewehr und
Bier und Brod
und begannen den Angriff auf die Festung um
halb neun Uhr in der Frühe.
Meine
rauhaarige Loni eröffnete den Reigen. Sie fuhr
in eine der bestbefahrenen Röhren ein und verschwand im Innern des Berges. Bald hörte man ihren Laut,
als Zeichen, dass sie mit dem Feinde in Berührung gekommen,
doch dieser zog sich zurück in seine tiefsten Röhren,
der Hals der Hündin wurde schwächer und immer leiser und verstummte schließlich im Berginnern.
Herr und Frau v. Sch., die beide anwesend und auf dem
Gebiete der Bodenjagd Neulinge waren, mochten meinen begonnenen Operationen
wenig Vertrauen schenken und ich meinerseits
traute der Hündin nicht, denn es war dies das erste Mal, dass sie auf Dachs und überhaupt im Naturbau arbeiten sollte. So konnte ich
einstweilen nur abwarten, wie sich die Sache gestalten werde. Doch
die Loni blieb stumm und ich schielte oft nach der Röhre, wo sie eingefahren.
Als sie aber nach einiger Zeit immer noch nicht erschien und
von ihr nichts mehr zu hören war, wanderte ich sachte auf dem Bau herum und
nach einer halben Stunde glaubte ich wie aus weiter Ferne den Laut eines
Hundes zu vernehmen. Als ich aber diese Stelle verließ, war wieder
alles still. Dann kam ich zurück und hörte es wieder.
Jetzt legte ich mich platt auf die Erde, das Ohr
fest angelegt, rutschte nach links, rechts, nach vorn und zurück, bis ich die
Stelle, wo der Hund lag, genau eingekreist hatte. Ich hörte, wie der Hund
mit heftigem Geheul
seine Attacken ausführte und jeweils einen Schritt
oder zwei zurückwich, um mit desto größerer Wucht
dieselben zu erneuern. Ich hörte, wie der Dachs Erde
aufscharrte und dieselbe mit großem Gerumpel gegen
die Loni schmiss. Der Betrieb in der
Unterwelt war ein derart aufregender, dass ich vor Freuden aufsprang
und erklärte: Hier müssen wir runter.
Jeder legte sich hin und überzeugte sich über die Richtigkeit
meiner Beobachtung. Jetzt aber kam Leben in die Gesellschaft. Ich zeichnete die Richtung und Größe des Einschlags an und nun ging es
los, was die Lunge hielt. Aber
oh weh! Durch das Klopfen wurde die Hündin
erschreckt und fuhr aus. Sie überzeugte
sich aber bloß, was los und ob ich noch da sei, um sofort wieder
einzufahren und von neuem den Kampf aufs heftigste
aufzunehmen. Wir aber arbeiteten
unterdessen drauf los, um dem Dachs
den Durchpass zu vergrämen, bis die
Loni wieder zur Stelle war. Bald rückte
Verstärkung an in der Person eines
Verwandten des Gutsbesitzers. Die Ablösung erfolgte nun schneller, aber dennoch ging das Graben
entsetzlich langsam. Die Erde war
hart wie Zement und Funken sprühten auf jeden Schlag.
Und zudem sah ich nun bald ein, dass
das Loch zu klein angefangen war. Wusste
ich doch, dass Kiesboden den Schall
leicht leitet, dass man sich in der Tiefe irren kann, dass der Hund
tiefer liegt, als man glauben möchte. Ich
getraute mir aber, diese Ansicht nicht
gleich zu
äußern,
um meine Gehilfen nicht zum vornherein zu entmutigen.
Wir waren vielleicht einen Meter tief, das Graben wurde
immer beschwerlicher und der Hals des Hundes kaum merklich deutlicher. Wohl
oder übel mussten wir uns jetzt entschließen, die Anlage nach der
Richtung wo die Hündin sich jeweilig zurückzog, zu erweitern, und mittlerweile
wurde es Mittag. Unsere Kräfte fingen an zu erlahmen. Die
Loni kam auch aus dein Bau, war erschöpft, und ohne es zu sagen, fing
man an, am Gelingen der Operationen zu
zweifeln. Herr v. Sch. drängte zum Mittagessen, doch ich wollte mir das Essen herauskommen
lassen, damit abwechselnd einer drauflos klopft,
um den Dachs so im Schacht zu halten. Denn
gab's Ruhe auf dem Bau, so hätte der
Dachs die Gelegenheit benützt, die verklüfteten Rühren geöffnet und
sich irgendwo im Bau verzogen. Dann
wäre unser
ganzer Schweiß- und Kräfteverlust
umsonst gewesen und das so gut
begonnene Unternehmen hätte ein klägliches
Ende genommen. Auch war's
mir besonders darum zu tun, auf
alle Fälle einen Dachs zu erlegen, damit die
Loni und ihre ebenfalls anwesende Tochter seine
Schwarte tüchtig beuteln könnten.
Herr v. Sch. ließ sich leicht belehren, beharrte aber auf
seinem Mittagessen, das schon bereit stehe im Hause. Er
ließ daher zwei Knechte kommen, die während unserer
Abwesenheit graben sollten. Und uni ihnen das Verständnis für das, was
sie beginnen sollten, zu wecken, schickte ich die Loni in den
Bau, die also gleich an ihrer alten Stelle laut wurde. Jetzt
begriffen die Leute, um was es sich handle und voll Tatendrang fingen sie an
zu graben.
Ich war zwar schon lang überzeugt, dass der Dachs sich
verklüftet hatte und ein Entweichen nach rückwärts nicht
leicht zu befürchten war. Und da schon seit drei ein
halb Stunden sich alles auf demselben Platz abspielte, auch
nach vorn eine Grenze gesetzt war und der Dachs im Endrohr
steckte. Die Härte des Bodens begünstigte unsere
Hoffnung und vereitelte dein Dachs ein Durchbrechen
der Röhren. Wir
gingen also ruhig fort und nach einer
Stunde waren wir wieder da. Indessen
war der Einschlag mannstief geworden, aber noch immer zeigten sich
keine Röhren. Die Loni aber gab noch an derselben
Stelle Hals, nur konnte man sie jetzt schon gut hören, auch tönte der Pickelbeschlag schon etwas hohl,
was darauf schließen ließ, dass das Röhrengewölbe
in nächster Nähe war und man bald auf einen Durchbruch
gefasst sein musste. Aber es dauerte eine weitere Stunde, bis der Pickel durch
die Decke fuhr und stecken blieb. Ein kitzeliger Moment. Ich
gab den Befehl, so rasch als immer möglich,
das Gewölbe einzuschlagen, um dem
Dachs ein Entweichen zu verleiden. Aber schon steckte die Loni ihr
schwarzes Näschen heraus zum Zeichen,
dass auf ihrer Seite alles in Ordnung
sei, also der Dachs auf der andern Seite stecke. Um uns davon zu überzeugen, langte sie mit dem Fang durch
die verengte Röhre, packte etwas und fing zu reißen
an. Es war der Pürzel eines Dachses. Ich
nahm die Hündin heraus, untersuchte
ihre Zähne und richtig hatten sich
einige Dachshaare dazwischen eingeklemmt.
Nun ließ ich den Boden noch um einen Fuß tiefer graben,
uni besser hantieren zu können und als man die Erde herausgeworfen hatte,
schauten auch schon die äußersten Haarspitzen des Pürzels heraus. Jetzt
kam meine
Arbeit, die Knechte durften zuschauen. Mit
dem Revolver und einem langen Strick
stieg ich in den Schacht, löste die
Erde uni den
fest eingeklemmten Hinterteil des
Dachses, band den Strick um das Kniegelenk eines Hinterpranken fest, gab das
Ende herauf und fing an, aus Leibeskräften zu zerren. Jedoch
der Dachs hielt sich fest und tat keinen Wank. Jetzt
hatte ich beide Pranken und einen Teil
des Rückens frei. Das benützend,
wollte nun der Dachs gegen mich aus der
Röhre fahren, doch ich war gefasst und meine Kugel zerschlug
ihm die
Wirbelsäule schräg
nach vorn und
drang durch
die Lunge vorne heraus.
Ein plötzlicher Tod.
Numero eins!
Ich blieb im Schacht, während der Dachs draußen der
Loni und ihrer Tochter Trudi überlassen wurde.
Einmal als ich noch Anfänger in der Bodenjagd
war, hakte ich in der Freude über die
erste Beute den Schacht verlassen und konnte dann von oben gerade noch zusehen,
wie der zweite Dachs herauskam und schnell in der andern offenen Röhre
auf Nimmerwiedersehen verschwand.
Ich zündete also die Kerze an, schob sie auf dem kleinen
Spaten in die Röhre und erblickte die Lichter von
Numero zwei. So gut ich in dem engen Schacht mich
drehen konnte, richtete ich den Revolver zwischen die Seher und bumm, das Licht erlosch und dichter Rauch
hüllte uns ein. Ich setzte ihm die
Loni auf den Leib, welche alsbald den
Burschen an den Ohrwascheln herauszog.
Auch der wurde tüchtig gerüttelt und hinaufgegeben.
Aber schon wieder wurde die Loni laut. Jetzt aber nahm ich diese ab und
steckte die Trudi hinein, die sich draußen am ersten Dachs einen tüchtigen Mut
angerüttelt hatte. Diese fuhr blindlings darauf los, erwischte den Dachs glücklich an der
Gurgel und ließ nimmer aus, bis auch die Seele von Nummer drei hinübergewechselt
war.
Das war Ende September und Anfang Dezember gleichen
Jahres erneuerte ich die Operationen auf demselben Bau.
Nebst der Loni führte ich diesmal noch ihre zwei andershalbjährigen
Buben Lump und Flink ins Treffen.
Die Feindseligkeiten nahmen ihren Anfang Mittwoch den
11. Dezember, nachmittags 1 Uhr. Ich schickte den gewandten und kräftigen
Flink voraus, der mit einem fürchterlichen Kriegsgeheul auf
den Feind losstürzte.
Die von
Grimbart waren
über solche Keckheit
derart erschrocken, dass sie
sich Kopf über Hals in schleunigster Flucht
in die innersten Gemächer der Burg zurückzogen. Flink
aber folgte ihnen in jugendlichem Übermute bis in den Rittersaal und lieferte
hier dem an Zahl vierfach und an Kraft zehnmal überlegenen Feind eine
Schlacht sondergleichen. Eine Stunde
schon mochte der Kampf gedauert haben, bis ich
die Stelle fand, wo er sich abspielte.
Ich schätzte die Tiefe auf drei Meter. Aber
da unten tobte und rumorte es, dass es eine Freude war. Flink
verstärkte sein Indianergeheul und die Dachse kratzten
Steine los und schmissen sie gegen den Hund, dass es nur so rumpelte. Dann
und wann packte Flink einen am Kragen, musste
aber, der Übermacht gehorchend, immer wieder loslassen. Aber der kühne Bursche wich
keinen Zoll, sondern behauptete das gewonnene
Terrain hartnäckig.
Nun war es an der Zeit, dem Braven Hilfe zu
bringen. Die
Verstärkung rückte an in Gestalt zweier Knechte
mit einem
Karren voll Kriegsgerät: Pickel. Schaufeln,
Hauen, Äxte. Das Graben begann. Aber hart, hart war die Erde. Nur
langsam kam man runter. Der Betrieb unter der
Erde wurde nach
und nach schwächer.
Die Raubritter bauten Barrikaden.
Sie türmten Erde und Steine
auf, so dass die Röhre auf eine große
Länge beinahe vollgestopft wurde und der Hund nach und nach die direkte
Fühlung mit dem Feinde verlor. Der
Betrieb erlahmte.
Mittlerweilen waren wir in zwei Fuß Tiefe auf
einen
großen Stein gestoßen, der ein weiteres Vordringen einstweilen verhinderte. Auch setzte die Nacht und Kälte ein. Die Leute waren ermüdet und der Hund kam
aus dein Bau. Der arme Bursche hatte eine große klaffende
Wunde quer über die Nase und unzählige
kleinere Risse am ganzen Kopf. Ein braver
Hund. Wir legten
über sämtliche Röhren kreuzweise
Strohhalme und zogen ab.
Am zweiten Tag mit Tagesanbruch begannen die Operationen
aufs Neue. Die Halme waren intakt, kein Dachs hatte den Bau verlassen.
Jetzt ließ ich den Lump einfahren, der alsbald die
Anwesenheit des Feindes an der alten Stelle konstatierte. Doch
hatten die Dachse sich um etliche Schritte zurückgezogen, aber glücklicherweise
nicht nach der Bergseite, was ich gestern befürchtete, sondern nach
außen und unten. Wir mussten den Einschlag nach dieser
Richtung verlängern. Der große, etwa fünf Zentner
schwere Stein wurde erst herausgeschafft, was viele Mühe
und Zeitverlust verursachte. Wir arbeiteten indessen rüstig drauf los und nachmittags
2 Uhr fuhr der Pickel durch die Decke der Röhre.
Das ist immer ein
freudiges Ereignis und
die Spannung, die
schon durch den immer
deutlicher werdenden
Laut des Hundes zugenommen, wächst noch mehr.
Diesmal waren wir hinter dem Hund
durchgebrochen und zwar direkt an einem großen Kessel, der Raum für etliche
Dachse gewährte und der mit Moos und
Heu schön ausgepolstert war. Darin
lag der Hund, welcher nach einer von
dort ausgehenden Röhre kräftige Vorstöße
machte. In diese Röhre, die sich als
Endröhre erwies, hatten die Dachse
sich zurückgezogen und sie war, wie es
sich herausstellte, noch mehrere Meter lang
und zog sich in starker Krümmung nach rechts und mit Gefälle gegen den Berg. Was
nun tun? Schon wurde es Nacht. Ein zweiter Schacht hätte die Arbeit eines weiteren Tages bedeutet und die Dächse wären
uns
in
dieser
zweiten Nacht sicherlich ausgerissen. Machen
wir die Röhre mit Holz und Steinen zu, so gräbt sich der Dachs unter oder
seitwärts durch aus. Hängen wir die Nacht über eine brennende
Laterne hin, so muss außerdem noch einer abwechselnd
Posten stehen und bei dieser Kälte! Die
Dachse laufen lassen? Nie
und nimmer! Diese Ansicht war
einstimmig. Ich griff zu einem gewalttätigen,
barbarischen Kriegsmittel, dem Feuer.
Der
sensible Leser hält mich für ein Scheusal. Doch hören Sie: Wenn man einem lebenden Wesen den Sauerstoff entzieht,
so hört die Herztätigkeit langsam auf, das Geschöpf wird, ohne Schmerz zu
empfinden, ohnmächtig. Und bringt man nun in
diesen sauerstoff
schwachen Raum eine gehörige Dosis
Kohlenoxyd, so schlummert das Lebewesen darin langsam und empfindungslos ein und
erwacht nicht mehr. Ich habe das an
mir selber erprobt, ohne
Selbstmordabsicht. Ich ,,schloff"
in eine Röhre, wo wir Tags vorher
gefeuert hatten und wollte den verendeten
Dachs mit
dem haken einhängen.
Dabei wurde
mir ganz sonderlich
zu Mute. Mein
Kamerad, als er das merkte, zog mich an
den Füssen heraus. Ich hatte das Gefühl,
dass die Beine mich nicht mehr tragen und ich einsinken möchte und ewig
schlafen. Diesen idealen Tod hatte ich für meine Dachse ersonnen. Es wurde Holz
herbeigeschafft und unten im Schacht ein großes
Feuer angefacht. Als das Holz
verbrannt und nur noch Gluten übrig
waren, wurden diese in den Kessel geschoben
und außen die Röhre mit Erde verstopft.
Als wir in der Frühe öffneten, lag der erste Dachs tot
nahe beim Feuer. Der zweite, ebenfalls tot, war hinten
in der Röhre fest eingekeilt. Der dritte und
vierte waren lebend und guter Dinge. Diese
machten uns und den Hunden noch einen Tag lang schwer zu schaffen. Wir erweiterten die Röhren, so dass zwei Mann hintereinander
schliefen konnten. Schließlich konnte ich den einen
Dachs mit dem Revolver schießen. Und
als es abermals Abend wurde, mussten
wir den vierten noch mit Kohlenoxyd
behandeln. Andern Morgens lag er ebenfalls
verendet da.
Eine
beschwerliche Dachsjagd im Felsenbau.
Es war am 29. November und acht Jahre mögen seither
verstrichen sein. Damals
hatte ich noch meine unübertroffene schwarzrote
Schlieferin Tschämpi und ihre
Tochter Fanny. Schon in aller Frühe kletterten wir, mein Gehilfe und ich, einen steilen Tobel hinauf und
revidierten einen Bau nach dem andern, doch keiner war befahren. Unser Weg führte über
schmale Felsenbändchen und nasse Rutschhalden. Jetzt sind wir gegenüber
dem alten Dachsbau auf der andern Seite der Schlucht.
Unter einem haushohen Felskopf, durch
abgestürzte Felsmassen und Sand ein
Felsenband bildend, führten die Röhren unter dein Felskopf hinein. Ein
Dachswechsel ging vom Bache her steil,
beinahe senkrecht hinauf zum Bau. Wir
klettern hinunter zum Bache und zum
Wechsel und richtig, frische
Spuren eines starken Dachses sind abgedrückt
im Lehm und Sand. Bald sind wir oben auf dem kaum schrittbreiten Felsenband.
Vier Röhren führen in den Berg hinein, die wohl dreißig Schritt
auseinanderliegen und der Bau ist gut befahren.
Es ist 9 Uhr morgens. Die andershalbjährige Fanny, die
kurz vorher von einem Dachse die Weihe erhielt. darf beginnen. Die
Jagd geht los, wir hören rennen, klopfen, kratzen. Die
Hündin erscheint wieder und fährt wie der
Blitz bei einer anderen Röhre ein. Die
Hatz wiederholt sich. Um schnell zu einem Resultat zu kommen,
schicke ich die alte erfahrene Tschämpi ins Treffen. Nun
gehen die Hunde scharf ins Zeug und bald ist
der Dachs links an der Wand gestellt. Kaum
einen Meter tief. Wir graben, aber
durch unser Klopfen überspringt der
Dachs die Hunde und zieht sich tief in den Berg,
auf die entgegengesetzte Seite des Baues, mehr wie dreißig Schritt von hier.
Nach langem Suchen finden wir die Stelle, wo die Hunde
Hals geben, aber es ist sehr, sehr tief. Armsdicke
Buchen und Tannenwurzeln erschweren uns das Graben. Wir
schlagen sie mit dem Beil durch, was dem Dachs nicht sonderlich gefällt,
denn er verlässt auch diesen Ort. Wir hören nichts mehr, auch kommen die Hunde
nicht wieder.
Lange Zeit suchen wir das ganze Band ab, das Ohr hart
angedrückt. Das Rauschen des nahen Waldbaches ist hinderlich. Endlich vernehmen wir ein ganz leises Klopfen, es ist der Hals der
Hunde, der in großer Tiefe nur als leiser
Schlag vernehmbar ist. Wir graben anderthalb Meter tief und brechen durch. Ein senkrecht abfallender Kamin
von nochmals anderthalb Metern ist geöffnet. Die Erde, die wir
graben, sind abgestürzte, zerschellte
und versandete Felsmassen. Unten sehen
wir die Rute Fannys, vor dieser liegt Tschämpi beim Dachs.
Das
Konzert, das die Hunde aufführen, ist Hochgenuss.
Grosse, zwei bis fünf Zentner schwere
Felsblöcke liegen dicht
aneinandergereiht. Sie müssen teils umgangen
und zum Teil hinausbefördert werden und schließlich
sind wir in genügend weitem Schacht bei den Hunden. Es ist drei Uhr.
Der Schacht ist drei Meter tief. Die
Wände halten sich durch die sich gegenseitig stützenden Blöcke und die
Buchenwurzeln, die diese nach allen Seiten umschlingen.
Alles, was locker und gefährlich, wurde hinausbefördert,
ein Nachstürzen ist nicht mehr zu befürchten.
Wir nehmen die Hunde ab, füttern sie und lassen sie
ausruhen. Währenddessen setzen wir die Grube noch
etwas tiefer und erweitern den Gang, wo der Dachs liegt.
Dieser aber steckt im Endrohr und gräbt sich
unaufhörlich weiter. Er wirft uns
Steine und Sand entgegen, was wir
vorweg hinaus befördern. Er gewinnt aber
dennoch Vorsprung und wenn nicht große, harte Blöcke ihm den Weg versperren, ist
unser Graben umsonst.
Mein Gehilfe, der bis dahin die Hauptarbeit
verrichtete, ist erschöpft und gibt das Unternehmen für verloren.
Ich aber nicht, obwohl ich mit meiner verstauchten linken Hand nur
halb diensttauglich bin.
Es beginnt zu dunkeln. Der Dachs hält sich
ruhig, sodass wir befürchten, er habe sich in weitere Felsenspälte
abseits
drücken
können. Wir setzen ihm Tschämpi
auf den Hals, die aber sofort die Anwesenheit des Dachses mit lautem Hals
anzeigt. Auch
der Dachs antwortet mit Werfen von Steinen
und Sand. Die Hündin wird abgenommen. Und
nun kommt der entscheidende Moment. Die
Hauptarbeit.
Es ist mittlerweile vollständig stockfinstere Nacht geworden.
Um weiter vordringen zu können, wird der Gang noch etwas erweitert.
Der Dachs
scheint nun ermüdet zu sein und schnarcht.
Ich stecke die Kerze auf den kurzen
Spaten, schiebe ihn vor und schliefe, soweit ich kann. Doch Meister
Grimbart scheint an dieser neuen Idee
kein Gefallen zu finden. Er löscht die
Kerze wiederholt mit Sand aus. Bis
dahin habe ich vom Dachs nur den Hinterteil gesehen und ein Schuss mit
der Einläufer Pistole wäre
zwecklos und gefährlich zugleich. Denn es gehört nicht zu den
Annehmlichkeiten der Bodenjagd, mit einem angeschweißten Dachs in
finsterer Röhre zu stecken.
Nun heißt es handeln. Ich krieche nochmals in die
Röhre, soweit als nur möglich. In der linken Hand habe ich Streichhölzer und Kerze, in der
rechten die Pistole und den Fuchshaken und
zwischen den Zähnen eine
Reservepatronen. Die Pistole mit
gespanntem Hahn lege ich zur Seite
und greife nun mit dem Haken den Dachs
energisch an. Nun macht er plötzlich
Kehrt und betrachtet mich
einen Augenblick unschlüssig. Währenddessen
ergreife ich die
Pistole, ziele
ihm zwischen die Lichter und
drücke ab. Totale Finsternis umfängt
mich, die Kerze ist durch den Luftdruck erlöscht.
Schnell zünde ich sie wieder an und mache mich
mit dem Haken kampfbereit. Aber der Dachs hat seine Stellung
nicht verändert. Die Kugel sitzt gut auf der Stirn.
Jetzt
hänge ich den Haken am Fang ein und ziehe den tapferen Streiter
heraus.
Mein
Gehilfe hatte mittlerweile alles zum Abmarsch bereit
gelegt. Der Kerzenstummel reicht gerade noch, um uns in der finsteren
Schlucht zurechtzufinden und im
Schnellschritt erreichten wir noch den letzten Zug zur Heimfahrt. Der
Dachs war von kapitaler Stärke, ein alter
Einsiedler, aber nicht schwer, er, er wog nur 28 Pfund. Ein
alter Wanderdachs.
Eine fröhliche
Dachsjagd.
Oberhalb des Städtchens Sempach in
einem Wäldchen,
wo vor 500 Jahren die Eidgenossen vor der nnörderischen Schlacht
gegen die
Oesterreicher ihr
Kampfgebet verrichteten, findet sich ein uralter Dachsbau, der vielleicht
schon damals den Füchsen und Dächsen als Wohnung gedient hat. Es ist
ein vielverzweigter, weitläufiger Bau, bei dem die Röhren zwei- und
dreistöckig übereinanderliegen.
Von dort aus wird die Umgegend weit herum mit Füchsen
und Dächsen versorgt.
An einem Apriltage, nachdem es Tags und sogar die
Nacht vorher tüchtig geregnet hatte, besuchten wir, begleitet
von zwei Gästen, den Herren Art.-Oberst v. S. und Art.-Oberleutn. M.,
diesen Bau. Wir hatten die Absicht, Füchse zu graben; allein es kam anders.
verboten, Dächse zu graben. Doch
in der Hoffnung, auch auf Füchse zu stoßen,
schnallen wir die Hunde. Die Musik
beginnt, ein feines Duett, bald näher, bald
ferner, dazu ein Getrampel und eine Hatz, dass einem das Herz im Leibe lacht. Aufmerksam
horchen wir dem Konzerte im Bau. Die Jagd
zieht sich nach rechts, die Hunde
liegen vor; das ist gut, dort gräbt es sich
leicht. Nun heißt es aber schnell den
Rückpass abschneiden. Geht's
gegen den
Berg, ist nichts
zu machen,
da geht's in die Felsen; zieht es sich links in die
Dickung, so gehen die
Röhren zu tief. Hastig arbeiten Beil und Schaufeln und bald sind drei Einschläge bis
auf die Röhren gemacht, aber der Bau gleicht einem Labyrinth
und die Musik ist plötzlich verstummt. Die
Hunde sind weg, aber wohin, die Stelle
zu finden, das gelingt uns nicht. Es
bleibt uns nichts anderes übrig, als
warten, bis die Hunde kommen, dann diese abnehmen,
eine Stunde Pause machen.
Nach einiger Zeit erscheinen die Hunde und nach der
Pause wird wieder begonnen. Bald hat Waldi ein Tier links in der
Dickung fest, auch Tschämpi sekundiert. Jetzt ist's gut, also los! In
Mannstiefe stoßen wir auf Tschämpi. Waldi
liegt in derselben Röhre etwas weiter vor. Es
scheint, das Tier kann nicht mehr weichen. Eine
Kerze wird mit Lehm auf die Schaufel gekittet, angezündet
und hineingeschoben. Nun gelingt's, Waldi abzunehmen.
Die Kerze wird abermals eingeschoben, erlischt
aber ohne Luftzug bei jedem erneuerten Versuch. Das
gefällt uns, es muss ein lebendes Wesen in der Röhre
sein, das ebenso sehr Sauerstoff nötig hat wie die Flamme; es ist also eine Sackröhre und das Tier steckt drin.
Aber was für ein's? Wir
stecken den Kopf in die Röhre und
vernehmen ganz leises Schnarchen, es ist
ein Dachs! Verfluchtes Pech, nun ist
alle Arbeit umsonst; Dächse wollen wir
nicht, Füchse sind keine da und bis
zum nächsten Bau haben wir mehr als eine Stunde
zu gehen, dann ist's Abend. Ein Vorschlag, den Dachs
vor unseren Augen aus dem Bau zu vertreiben, wird freudig begrüßt. Vor
unseren Augen muss der Dachs den Bau räumen,
die steile Wand hinaufklettern und
durch das Stangenholz trotten und dann lassen wir ihm erst noch Waldi zur
Begleitung nach. Wir sind alle
einverstanden, es soll dem Tiere nichts geschehen, im Herbst
wird es ja so wie so unsere Beute.
Nun wird ihm hinten am Pürzel gegraben, was bald geschehen
ist. Wir haben den Dachs nun in einer fünf Meter langen Röhre,
deutlich sehen wir die Seher, mit der Pistole wäre die
Angelegenheit erledigt; es braucht wirklich große Überwindung,
aber das Versprechen wird gehalten. Waldi wird nun hinten angesetzt, der
Dachs aber schmeißt ihm mit den Hinterpranken ganze Wellen
Sand in die Augen und bald hat sich der Dachs verklüftet. Vorwärts
will er nicht, also muss er rückwärts. Die Öffnung wird wieder hergestellt und Waldi von
vorn angesetzt, aber auch hier hat der Dachs seine Waffen
und weist jeden Angriff blutig ab. Nun
kommt Tschämpi, die brave, alte Hündin,
ins Treffen; jetzt wird's lustig. Tschämpi
beisst sich einfach am Pürzel fest und
vorn im Schacht erscheinen zwei kapitale Dächse. Tschämpi
im Schlepptau. Der eine versucht zu
klettern, purzelt aber immer wieder hinunter, während der andere sich ebenfalls
am hinteren Teil von Tschämpi festhält. Während nun diese zwei zusammen
Karusell spielen, gelingt es dem
andern Dachs, eine der verstopften Seitenröhren
zu öffnen und im Bau zu verschwinden. Der
vorige aber hat schliesslich unter Tschämpi's
Anleitung klettern gelernt und das
Stangenholz angenommen. Waldi hat ihm
dann noch ein Stück Weges das Geleit gegeben.
Drei
Füchse aus einem Bau.
Oftmals schon habe ich meinen Bruder
bestimmen wollen,
unter die Jünger des Hl. Hubertus einzutreten, allein jeder Versuch misslang;
doch versprach er mir, einmal ein Dachsgraben mitmachen zu wollen. Ich
musste
ihm aber ganz sicheren Erfolg versprechen, was ich auch ohne weiteres
tat, denn, dachte ich, geht's schief, so habe ich Ausreden genug. Kürzlich frug
er mich, ob ich
einen befahrenen Dachsbau wisse, er hätte nun
Zeit, einen Tag der Jagd zu widmen. Ich
nannte ihm von meinen dreihundert
Fuchs- und Dachsbauen einen als befahren, obwohl ich seit einem Jahr den
Bau nicht mehr revidierte.
Am 27. November, bei grimmiger Kälte, trafen wir dort
ein. Ich sprach einen Bau als befahren
an; wenigstens
entströmte den Röhren warme, parfümierte Luft; auch wurde der Bau von den Hunden sofort angenommen und
nach kurzer Zeit begann die wilde Jagd. Mehrere
Einschläge wurden gemacht, aber es gelang den Hunden nicht, das Tier festzumachen und schliesslich
verloren wir jede Spur der Hunde, die wahrscheinlich tief
in der Erde vor Dachsen lagen. Endlich nach vier Stunden fuhren beide
Hunde aus und waren nicht mehr zum Schliefen zu bewegen. Der
Dachs hatte sich verklüftet und die
Hunde seine Spur verloren. Es ist mittlerweile 11 Uhr geworden; die Hoffnung auf Erfolg wird bedenklich wacklig; mein Bruder wird wortkarg und sein
Gesicht zieht sich bedeutend in die Länge. Ich
befehle: „Aufprotzen
und Abmarsch!"
Der nächste Bau
liegt eine schwache Stunde von hier. Dort
angekommen, konstatieren wir, dass der
Bau von Dachs befahren ist. Indes erinnern
wir uns, dass dieser Bau sehr schwer
zu bewältigen ist und wir hier auch schon ohne Erfolg gegraben haben. (Zwei
Tage später, am 30. November, gruben
wir hier einen Dachs.)
Wir ziehen weiter zum nächsten
Bau im gleichen Walde, am steilen Hange einer
Schlucht gelegen. Die Hunde fahren sofort
laut halsgebend ein. Mein Bruder wird vor die beiden
Röhren gestellt, um das eventuelle Ausfahren
eines Fuchses zu verhindern, während wir verhören. Plötzlich
ruft mein Bruder: Ein Fuchs! hier wollte er hinaus, hat sich aber wieder zurückgezogen.
Da mein Bruder noch nie einen Fuchs in Freiheit gesehen, ließ ich
mir das gesehene Tier beschreiben; ich dachte nämlich,
es könnte auch ein mit Lehm beschmutzter Teckel sein.
Mein Bruder war etwas beleidigt, dass ich seine zoologischen Kenntnisse
derart in Zweifel zog, und bestand auf seiner
Behauptung. Also angenommen, es stecke
ein Fuchs im Bau, was tun? In zwei Stunden müssen wir fort, um den
letzten Zug für die Heimfahrt zu erreichen. Graben
wir, ist das Tier uns sicher, aber vielleicht
reicht die Zeit nicht; lassen wir es springen, ist die Sache riskiert. Das Schussfeld ist sehr ungünstig. Mit Rücksicht
auf die karg bemessene Zeit entschließen wir uns dennoch für letzteres und empfehlen uns der Gunst des Hl.
Hubertus, der den Bodenjäger nicht so schnell
im Stiche lässt. Wir stellen uns also
hinter die Röhren auf, mein Bruder,
als tüchtiger Revolverschütze, bekommt
die Pistole mit Kugelschuss in die Hand; ich mache mich mit der Flinte schussbereit. Kaum aufgestellt,
saust der Fuchs in weiten Flüchten aus der Röhre und bäng, bäng, bäng, drei
Schüsse veranlassen ihn, seine Gangart noch mehr zu beschleunigen und
fort ist er, in der Dickung verschwunden, ohne
auch nur gezeichnet zu haben. Verfl .
. . Pech, ich hätte Hubertus als
Jagdpatron abschaffen mögen. Nun fährt aber Waldi aus
dem Bau, nimmt die Spur an und hält sie laut. Ich begebe
mich zum Anschuss und konstatiere: Erster
Schuss auf zehn Schritte links vorbei
durch ein junges Tännchen, zweiter Schuss kommt überhaupt nicht in Betracht,
obwohl mein Bruder behauptet, getroffen zu haben, dritter Schuss auf zwanzig
Schritt gut in Richtung, etwas kurz,
aber - Schnitthaar ohne Schweiß. Waldi
jagt weiter, doch will die Jagd nicht zur Schlucht hinaus,
jetzt plötzlich - Standlaut; sollte Waldi den Fuchs
gestellt haben? Ich stürmte der Stelle zu und richtig, da sitzt der
Fuchs, vorn hoch, gegen Waldi die Fänge weisend. Waldi
aber erspart mir den Fangschuss; er springt dem Fuchs an die Kehle und beide purzeln
den Hang hinunter in den Bach. Nachdem Waldi das
Abwürgen regelrecht besorgt, kehren wir zum Bau zurück. Der Gesichtsausdruck meines Bruders ist wieder freundlicher
geworden. Drinnen im Bau liegt Tschämpi mit lautem Hals. Wir
graben auf die Hündin in beschleunigtem
Tempo, denn es rückt gegen Abend. Der Durchschlag ist bald erfolgt und Tschämpi
wird sichtbar, sie liegt in einer
Felsenspalte und uni sie her die zerzausten
Überreste einer Fuchslunte. Die Hündin wird abgenommen, aber auch gleichzeitig äugt ein Fuchs hervor;
den lassen wir nicht springen; ans Schiessen wäre hier nicht zu denken. Mit
diesem Spitzbuben nehme ich's im Baue
auf. Mit Laterne und Pistole ausgerüstet krieche
ich hinein; der Fuchs zieht sich zurück. Auf Körperlänge zweigt sich die Röhre nach links ab und hier,
kaum einen Meter vor mir, hockt der Fuchs, mich frech
betrachtend. Ich ziele so
gut die schwierige Körperhaltung es
erlaubt und drücke ab. Ein Rauchqualm
und tiefe Finsternis. Der Fuchs wird
mit dem Haken hervorgezogen. Doch was
ist das? Er hat eine unversehrte Lunte,
also steckt noch einer drin, und bald ist auch der dritte herausbefördert.
Ein Rüde und zwei Fähen, alles
alte Tiere.
Drei Dachse und ein Fuchs.
Der 4. Oktober war sehr warm und föhnig
und der Tau
mit Tagesanbruch schon aufgetrocknet, für die Jagd mit Laufhunden eine sehr
ungünstige Witterung. Ich entschloss mich deshalb, den Dächsen auf den Leib
zu rücken. Ich machte mich schon zeitig mit meinem Jagdgehilfen auf den
Weg, einem 21/2 Stunden von meinem
Wohnort entfernten Dachsbau zu, von dem ich weiß, dass er das ganze Jahr
befahren ist. Aus dem Munde alter Jäger hatte ich zwar vernommen, dass
dort noch keiner mit Erfolg gegraben und dass dieser Bau für
Jäger und Hund lebensgefährlich sei. In der Tat habe ich selbst diesen Bau
schon mehrere Male ohne Erfolg verlassen müssen und zwar aus dem Grunde, weil
die Tiefe der Röhren es verhinderte, das Halsgeben des Dachshundes zu
vernehmen. Ich hatte mir aber in den Kopf gesetzt, diesen Bau
doch einmal zu bewältigen.
So sind wir dann um 8 Uhr an Ort und Stelle angelangt,
begleitet von der Dachshündin Tschämpi und dem Laufhund Zibo, welch
letzterer im Bau vorzügliches leistet und vermöge seiner kräftigen Laute uns
die Geheimnisse des gefürchteten Baues aufdecken sollte. Den Spuren
nach zu schließen, sind die Dächse diese Nacht im
Bau geblieben, dagegen ist ein starker Fuchs frisch eingefahren. Von
den vielen Röhren, die in die Erde führen, wird auch die vom Fuchs benützte
von Zibo bevorzugt. Nachdem, wie üblich, alle Röhren verlappt sind,
lassen wir Zibo einfahren. Nicht lange geht's, so gibt
Zibo Hals, aber kaum vernehmbar. Da der Bau mit Gestrüpp und Dornen dicht überwuchert
ist, suchen wir, auf dem Bauche kriechend, die Umgebung ab. Nach
ca. einer Stunde glauben wir die Stelle, wo Zibo liegt, ausfindig
gemacht zu haben. Dem ungeübten Ohr wäre der schwache
Ton nicht
hörbar gewesen.
Wir entschließen
uns, hier den ersten Einschlag zu machen. Da wir, dem Laut des Hundes nach, mehr wie Mannstiefe hinunter
müssen, machen wir den Einschlag gleich 7
Fuß lang und 21/,, Fuß breit, um dann später ungehindert
die Erde hinauswerfen zu können. Mit abwechselndem
Schaufeln graben wir uns schnell tiefer,in 5 Fuß Tiefe brechen wir durch;
wir sind auf einem
Kessel, von welchem mehrere Röhren ausgehen. Zibo aber
liegt noch tiefer, direkt unter unseren Füssen. Noch drei
Fuß hinunter und wir brechen abermals durch; wieder ist's ein Kessel
mit verschiedenen Röhren; Zibo aber ist weg und liegt ca. 12 Schritte in der Röhre
links.
Obwohl wir nun mit diesem Einschlag direkt nichts erreicht,
so haben wir doch den Bau entzwei geschnitten und das häufige Wechseln des
Tieres verhindert.
Eine Stunde später ist der zweite, 7 Fuß tiefe Einschlag
auch gemacht und Zibo wird, an der Nase blutend, herausgeholt. Nachdem
nun der Schacht noch etwas tiefer gelegt, wird mit einer Stange die Entfernung
des Tieres gemessen. Wütendes Anbeißen gibt uns die Versicherung,
dass ein Fuchs kaum zwei Schritte vor uns liegt. Die
Röhre wird nun noch ein wenig erweitert, um dem Tier näher auf den Leib rücken zu können;
nun wird der Haken im Fang eingehängt und der
Fuchs, hervorgezogen. Leider
hatte ich meinen Revolver zu Hause gelassen; ich öffne daher schnell eine
Patrone, schnitt das Schrot bis auf
3-4 Körner weg und schieße die reduzierte Ladung über die Schultern meines Gefährten
dem Fuchs zwischen die Seher. Nun wird das Tier den Hunden zur Belohnung
für kurze Zeit überlassen und dann an den nächsten Baum gehängt. Auf den
Knall haben sich einige neugierige Holzer herbeigemacht,
was uns gar nicht passt; es ist höchst unangenehm,
bei der Arbeit am Bau durch ungebetene Zuschauer
gestört zu werden. Es bleibt uns daher nichts anderes
übrig, als uns so zu stellen, als wollten wir zusammenpacken und weitergehen, dies veranlasste denn auch die
Zuschauer, abzuziehen.
Kaum ist dies geschehen, so lassen wir Tschämpi einfahren
und zwar beim ersten Schacht, von wo die vielen Röhren ausgehen. Die Hündin nimmt sofort
eine Röhre rechts an und gibt Hals. Die Jagd ist heftig und wechselt beständig; plötzlich erscheint ein Dachs im Kessel,
um sofort in einer Seitenröhre zu verschwinden. Das
ist sein Tod; er ist in eine blinde Röhre geraten und
Tschämpi hält ihn fest. Der dritte Einschlag wird gemacht Tschämpi, aus
verschiedenen Wunden blutend,
abgenommen. Den Dachs erreicht das gleiche Schicksal
wie seinen vorigen Baugenossen.
Es war schon Mittag vorbei; großer Durst hatte sich
eingestellt; unsere Flasche Wein war längst geleert; Flüssiges
war nichts vorhanden als eine Pfütze zusammengesickertes Wasser, von
welchem wir notgedrungen trinken mussten. Den Hunden schmeckte es zwar
vorzüglich und drängte sie zu neuen Taten; nachdem sie ihren Magen auch
mit etwas Festem beruhigt, fahren beide wieder ein. Eine
halbe Stunde vergeht; es erscheint kein Hund und kein Laut ist zu
vernehmen. Wir suchen weit herum, das Ohr hart am Boden, alles ab.
Da
glauben wir etwa 20 Schritte recht abseits ein leises Anschlagen tief in
der Erde zu vernehmen. Wir graben, je tiefer wir kommen, desto deutlicher
hören wir das Duett der Hunde. Der Einschlag ist schon so tief,
dass
wir,
um
hinauszukommen,
Stufen hauen müssen. In einer Tiefe von 10 Fuß brechen wir durch. Da
liegt Zibo und etwas weiter vorn Tschämpi. Wir zünden die Kerze an und
schliefen, so weit es geht, in die Röhre; da sehen wir die Hündin, wie sie beständig angreift
und. blitzschnell wieder zurückfährt. Wir
sind sicher, der Dachs steckt am Ende
einer Röhre, die sich mit starkem Gefäll gegen den Berg hinzieht. Es
geht nicht anders, wir müssen selber
schliefen. Der Vordere, auf dein
Bauche liegend, die Kerze vorgeschoben, erweitert
mit dem kurzen Spaten die Röhre und schiebt die abgestoßene Erde mit
den Händen, gleich einem Dachs, unter dem Körper
durch zurück, während sie der
Hintere hinauswirft. So können wir
bald anderthalb Körperlänge schliefen
und Tschämpi abnehmen. Wie sieht
aber das arme Tier aus! Seine Augen
sind voll Sand und sein Kopf ist von
den Raufbolden ganz zerhackt. Für
heute haben die Hunde ihre Arbeit getan, sie werden hinausbefördert und
angeleint. Nun kommt die
schwierigste Arbeit; der Dachs, den wir deutlich sehen können, hat sich
verklüftet und nur sein Hinterteil ist sichtbar. Ans Schiessen ist wegen
Einsturzgefahr nicht zu denken und wir müssen
ihm direkt auf den Leib rücken. Mit einem Strick werden ihm beide Hinterpranken festgebunden, 'was bei der schwierigen Position keine
leichte Arbeit ist. Dann legen wir uns beide
auf den Rücken, einer hinter dem andern; die Füße
werden an den Wänden fest eingestemmt
und auf Kommando „Iooorutsch!"
rückt der Dachs Zoll für Zoll vor, bis er in der erweiterten Röhre
anlangt; nun geht's leicht. Mein Gehilfe
zieht das Tier ganz hervor, während ich nach der Flinte lange; ein
Schuss hinter die Lauscher und der Dachs hängt
bei seinen Kameraden.
Wir kriechen abermals in die Röhre und erblicken ganz
zuhinderst
die glühenden Seher eines
dritten Dachses. Mein Gefährte
erklärt aber, dass er mir verdurste; ich
schicke ihn deshalb auf die Suche nach Getränken und arbeite unterdessen an der
Erweiterung der
Röhre. Schon
bin ich so
weit vorgedrungen,
das ich mit dem Haken das Tier am Fang anhängen
kann. Mit dem zweiten Haken löse ich
ihm eine Pranke, stecke Kopf und
Schulter fest ein und reisse aus
Leibeskräften. Dachs und Jäger
grunzen (!) uni die Wette, aber keiner
gibt nach. Da höre ich draußen Stimmen; ich rufe sie an, es sind die Holzer. Zwei Mann
steigen herunter mit einem Strick, welcher am
Haken befestigt wird. Einer fasst den
Strick, der andere meine Füße und alle zerren aus Leibeskräften. Der
Strick reißt, aber der Dachs weicht nicht. Nun
kommt mein Gefährte und löst mich
ab; aber kaum ist er im Bau, so kommt der Dachs freiwillig gegen ihn. Auf
Zurufen meines Genossen zerre ich ihn schleunigst an den Füssen heraus, klettere hinauf, fasse meine Flinte und
schicke dem Tier einige Schrote zwischen die Seher.
Die
vier Tiere wogen zusammen 107 Pfund, und obwohl
müde, zogen wir dennoch mit unserer Last vergnügt nach Hause.
Der
gefährliche Fuchsbau.
Von
vielen hundert Bauen, die ich kenne, gibt's nur Einen, den ich meide.
Dort
grub einst eine größere Gesellschaft von
Jägern mit etlichen Gehilfen nach Füchsen.
Sie gruben fünf
Tage lang. Aber vom zweiten Tag ab
wars ihnen nicht mehr um Füchse zu tun, sondern es handelte sich jetzt darum, die im Baue verschütteten Hunde zu retten. Zwei
tiefe Schächte wurden gegraben und die Wände mit
Brettern und Balken verspreizt. Am fünften
Tage endlich konnte einer der Hunde lebend ausgehoben werden.
Die berühmte Siegerin
Zanggina aber war noch tiefer in der
Erde und gab noch ganz leise Laut. Und die Hoffnung,
auch noch diese
zu retten,
wuchs. Das frohe Ereignis wurde
einstweilen mit einem Trunk gefeiert.
Die Arbeiter stiegen aus dein Schacht, aber kaum war der letzte Mann draußen,
so stürzte unter Krachen die Grube
ein. Das Geschiebe von oben her deckte
alles schön säuberlich
zu, Hund, Werkzeug, Bretter und
Balken und die untenstehenden Waldbauern senkten ihre Häupter
über Zanggina's
Grab zum
Zeichen der Trauer.
Beim Revidieren der Baue führt mich der Weg oft dort
vorbei. Noch ist er vom Fuchs befahren, aber
warnend
stehen noch die gebückten Stämme über dem Baue, das Denkmal trauriger
Erinnerung.
Aber einmal entschloss ich mich, trotz aller Warnungen,
den Bau in Angriff zu nehmen und die Herren von dazumal wurden zu diesem
Wagnis eingeladen. Auch zwei Damen begleiteten uns. Und
in der Frühe um acht Uhr waren mir am Bau, unser acht Personen mit
vier Hunden.
Die hoffnungsvolle junge Fanuy darf zuerst in den Bau.
Nach
einigen Minuten erscheint sie wieder mit einer großen Feldmaus im Fang. Sie
wird angeleint und durch Waldi, ihren Vater, ersetzt, welcher sofort links
bei der Einfahrt laut wird. Wir graben, und bald sind wir auf der Röhre,
nehmen den Hund ab und lassen Tschämpi hinein. Hier, wo die Röhre
einen scharfen Winkel macht, hatte der
Fuchs den Hund gestellt, aber die
Draufgängerin Tschämpi treibt den Fuchs zurück und tief in den Berg. Bald hat
sie ihn gestellt, aber ihr Hals ist
nur noch ganz schwach vernehmbar und zwar
direkt unter den gekreuzten Stämmen. Es
bleibt nichts anderes übrig, wir müssen
hier graben. Das hat aber seine
Schwierigkeit, denn soviel wir hinauswerfen, rutscht von oben wieder zu
und erst nach vieler Mühe
gelingt es uns, die Röhre zu öffnen. Tschämpi
hat aber seither
den Fuchs noch weiter in den Berg getrieben. Oft
zieht sie sich zurück bis fast zum Einschlag, dann treibt
sie wieder so weit vor, dass man die Hündin kaum
mehr hört.
Die Aussichten auf Erfolg schwinden,
unsere Gäste bewegen uns, den Bau zu verlassen, was wir schließlich
tun, aber ungern. Wir ziehen mit den übrigen Hunden
zu einem eine halbe Stunde von hier entfernten Bau und rechnen darauf,
dass Tschämpi
nach drei Stunden vom Fuchse lassen,
unsere Spur aufnehmen und uns folgen
wird.
Der Bau, wo wir jetzt sind, ist ebenfalls vorn Fuchs befahren.
Wir graben da und dort. Aber die Stimmung ist gedrückt, unsere Gedanken
sind bei Tschämpi. Sechs Stunden sind bereits verstrichen,
aber die Hündin ist immer noch nicht da. Wir
begeben uns zurück zum ersten Bau. Der am Morgen gemachte Einschlag ist Mittlerweilen
eingestürzt und der Hündin der Rückweg
abgeschnitten. Doch
hören wir sie etwa. zehn Schritte rechts,
beständig halsgebend. Wir graben. Aber
mit der größten Anstrengung aller
Anwesenden wil es uns nicht
gelingen, in die kaum anderthalb Meter tiefe Röhre zu
dringen, wo die Hündin liegt. Was mir hinauswerfen, wird
von oben her wieder ergänzt. Es ist,
als ob der ganze Berg in Bewegung käme.
Die dünne Erdkruste darüber,
durch Buchen und Tannenwurzeln gebunden, gleicht
einem Gewölbe, dem die Stützen eine
nach der andern entfernt werden.
Alles, sogar
die Damen, schaufelt,
was Muskeln und Lunge aushält. Alles
ist umsonst. Der
Einschlag füllt sich immer wieder mit Kies
und Sand.
Schon ist es sechs Uhr und Tschämpi gibt noch immer
Hals, zehn Stunden schon. Ich rate den Gästen
sich nun heim zu begeben und beim nächsten Wirtshaus für
uns eine Laterne zu besorgen, dass wir die Nacht durcharbeiten können,
mein Gehilfe und ich stehen Ratlos stehen da. Keiner
spricht ein Wort. Sie möchten alle bleiben, doch die Nacht hat
begonnen. Jeder hat denselben
Gedanken: Tschämpi ist verloren. Jetzt
verschweigt die Hündin eine Weile. Die Jagd ist fort. Glücklicherweise!
Und jetzt hören wir ganz rechts draußen
den Laut der Hündin, heftig am Tier. Kaum
zwei Fuß tief. Rasch schlagen wir
durch. Tschämpi ist gerettet.
Tschämpis letzte Tat und Tod.
Anno
1903 Ende November machte ich meine letzte Jagd
in jener Gegend, wo ich während 12 Jahren ansässig war. Die alte Tschämpi
mochte im dreizehnten Jahre gewesen
sein. Heute verbrachte sie eine Heldentat,
an die ich zeitlebens denke und die einen würdigen Abschluss bildete im
Kampfe gegen ihren Erbfeind unter der Erde.
Von 9 Uhr bis 5 Uhr, acht Stunden lang an einem Stück
und am selben Fleck, lag die Hündin laut vor, dreieinhalb Meter tief in einer Felsenspalte. Die
Spalte war von oben her mit Sand gefüllt und kaum schulterbreit
und verengte sich nach unten. Hier war
eine horizontale Felsenplatte und unter dieser die Hündin. Je
tiefer wir kamen, desto beschwerlicher wurde die Arbeit.
Endlich musste die Erde im Rucksack hinaufgezogen
werden, und als wir schließlich auf die Platte kamen,
war durch unser Graben die Röhre, die unter diese führte, mit Sand gefüllt. Wir
merkten wohl, dass der Laut der Hündin
immer schwächer wurde und befürchteten, dass wir ihr die Luft abgeschnitten. Es
war auch so. Aber
um nichts in der Welt hätten wir unsere Anstrengungen
vermehren und die Befreiung der Hündin beschleunigen können.
Endlich
hörten wir nur noch ein Stöhnen und Schnarchen,
immer leiser und leiser. Wir wechselten
schnell ab und sprengten uns
unmenschlich an, aber schließlich war
auch das letzte Zeichen verstummt. Die
Felsspalte war unten so eng, dass wir uns gar nicht mehr
rühren konnten und die letzte Arbeit auf dem Kopfe stehend verrichten mussten. Endlich konnte ich den Zugang
unter die Platte frei machen. Ich konnte mit der
Hand hineinlangen und da lag die Hündin regungslos.
Herausziehen war unmöglich, denn nur
mit den Fingerspitzen konnte ich bis an
sie hinlangen. Da ließ mein
Gehilfe den Fuchshaken hinuntergleiten und so gelang
es mir, sie an einem Hinterlauf einzuhängen und herauszuziehen.
Aber wie sah das arme Tier aus. Das
Gesicht zerhackt und vom Haken ein langer Riss an der Seite und Schenkel. Wir
betteten sie ins weiche Moos und beschlossen, sie hier zu beerdigen im Bau, da,
wo sie so oft den Tod gebracht den unterirdischen Gesellen.
Traurig, dass die tapferste aller Hündinnen derart enden
musste, standen wir da und vergaßen ganz ihre Arbeit. Denn
umsonst hatte sie doch nicht acht Stunden unter der Platte gelegen. Mein
Gehilfe kroch in die Spalte mit dem Kopfe voran, senkrecht, und langte
mit dem Haken unter die Platte, aber gleich zuckte es, als ob
eine schwere Forelle am Angel hinge. Ein Fuchs hatte
eingebissen und er konnte ihn soweit herausziehen, dass
ich von oben her gerade die Lichter sah. Mein Gehilfe
wusste, was nun kam. Er verhielt sich still und wartete
vertrauensvoll auf den Schuss. Ich
zielte ruhig wie immer, und scharf neben seinem Kopfe vorbei sauste die tödliche
Kugel zwischen die Seher des Fuchses. Kaum lag der draußen, so biss der zweite
an, der in gleicher Weise hinüberbefördert wurde. Ein Rüde war's und eine Fähe,
prächtige Tiere.
War's
die frische Luft und das Schiessen, auf einmal erwachte die alte Tschämpi aus
ihrem Todesschlafe. Sie fing zu zucken an und das Herz, das schon stille stand,
pochte leise und regelmäßig. Wir trugen sie ins nächste Bauernhaus, dort
erholte sie sich bald, konnte wieder auf den Läufen stehen und trank Milch.
Andern
Tags reiste ich ab nach München für längere Zeit, und als ich nach vier
Monaten zurückkehrte, war die Freude des Wiedersehens eine unbeschreibliche.
Mich sehen, liebkosen und sterben war das Werk weniger Minuten. Vor Freude
an Herzschlag gestorben. An das arme, gute, treue Tier denke ich
zeitlebens.
Der
brave Familienvater.
Ich
hockte zu Haus, volle vier Wochen lang, hörte auf die Stimme der Vernunft und
spielte den braven Familienvater.
Die
Rolle gelang mir im Anfang ganz gut, weil mir das Wetter dazu half, aber nach
und nach spürte ich den Jagdteufel in mir rumoren. Dieser rannte in meinem
Innern herum, zernagte die ohnehin lockeren Wurzeln der Vernunft vollends, und
um mich ganz in seine Krallen zu kriegen, ließ der teuflische Geselle über
Nacht eine Neue zur Erde nieder.
Ich
bin sonst in diplomatischen Gemeinheiten ein Stümper; aber was tut man nicht in
der Not! Also erklärte ich meiner Frau und meinen Kindern: Ihr dürft mit
nach
Strassberg
fahren zum Schlitteln. Ich gehe auch mit, auch die Dackel und wir bleiben dort eine ganze
Woche lang!
Die
Neue.
Also am 27. Dezember waren wir dort.
Meine Kinder
standen mit ihrem Davoser und Grindelwaldner im Kot, weil der Schnee weggeschmolzen,
und ich mit den Dackeln am Fuchsbau.
Mein Lump fährt ein und macht alsbald einen Mordsradau.
Dachs!
Als
Grabgehilfen hatte ich einen beurlaubten Soldaten mit, ein flinker, kräftiger
Bursche, der in kürzester Zeit das tiefste
Loch in die Erde schlug. Er schwitzte und ich fror. Er,
weil er dem bekannten wärmlichen Teil der
Erde näher kam; ich, weil ich draußen in grimmig kalter
Zugluft stand. Ich wollte ihn ablösen, doch der deutsche
Soldat kennt kein Ermüden. Er haut sich durch und ich glaube, er wäre unten bei den Zulukaffern herausgekommen,
wenn ich nicht, das Zwecklose des Unternehmens
einsehend, Abmarsch! kommandiert hätte.
Dies Wort schlug ein. Wir zogen ab und wanderten von
Bau zu Bau. Ich kenne in dem Revier 25 Baue.
Dachse trafen wir noch an, doch keinen Fuchs. Wenigstens
sprang keiner. Die Dackel sahen aus, wie frisch zerhackte Korpsstudenten,
nur mit dem Unterschied, dass sie statt nach
Jodoform, nach einem andern zarten Parfüm stanken.
Abends langten wir müde im
Dorfwirtshaus an.
Wir waren eben daran, unsere leeren Magen mit flüssigen
und festen Gegenständen zu packen, als der Wirt hereintrat und Schneefall
meldete. Ich sprang hinaus. Eine Neue! Ich kann ruhig
sagen, auf meiner vielgeplagten Erdenbahn haben Freud und Leid zu oft
heimgesucht, als dass mein Gleichgewicht so leicht ins Wanken käme. Aber
eine Neue, das ist zu viel für's Jägerherz.
Infanteristischer
Größenwahn.
In der Früh' um halb neun Uhr waren
wir wieder am
Bau, da, wo der Soldat gestern auf dem nächsten Weg nach Deutsch-Ostafrika sich
durchhauen wollte.
Was sehe ich?
Eine schwache und eine starke Spur von Füchsen, direkt
in den Bau und keine hinaus.
Diana ist halt doch ein braves Weib, wenn sie schon mir
letzten Sommer einen Bock verhext hat.
Also: Flink Reckenbühl, antreten! Flink packt die Spur
an, fährt ein, Padau. Ich stehe oberhalb der Röhren am Hang, neben mir der
Soldat und jetzt rennt der Fuchs wie ein junger
Teufel aus dem Bau, den Berg hinunter, unten rechts - bäng
-
überwirft
- rennt weiter - bäng - bleibt liegen.
Und der Soldat? Er hat ihn schon und schwingt ihn
in der Luft, weil der Fuchs sich wehrt im Todeskampfe. Ich
begreife ganz gut, dass, wenn man ein Heer solcher Kerle hat, man
rauflustig wird.
Ich
stehe indes auf meinem Posten und jetzt rumpelt der zweite Fuchs, ein kapitaler Rüde, rechts hinaus.
Zweimal! kracht meine Flinte. Aber, ich schäme mich
heute noch und ärgere mich, wenn ich daran denke.
Meine Schiesskunst hat jämmerlich
versagt.
Ich
will den Leser mit den Ausreden, mit welchen ich
mich vor dem Soldaten rein waschen wollte, nicht langweilen. Nur das eine möchte
ich erwähnen: „Ich hätte ihn
sicher nicht gefehlt", meinte der Soldat nach Anhören meines Vortrages. Das war nun gerade nicht bescheiden und
eigentlich rücksichtslos gegenüber mir und ich sann im Geheimen auf
Rache. Denn, dass ein Soldat sich anmaß, mir im Schiessen über zu sein, mir, der ich schon mit Kanonen schoss,
lange bevor er nur in die Windeln sch ..., das
war mir zu stark.
Wie also der Betrieb am Bau erledigt war, zogen wir
ab.
Triumph
der Artillerie.
Lange konnte ich es nicht vergessen, denn: er ein
gemeiner Infanterist, ich Kanoniergefreiter, so ein Größenwahn!
Bald kam die Stunde der Vergeltung, die erste Schlappe.
Ich sage die erste, weil bald darauf die zweite folgte.
Also wir kamen an einen Bau, wo die Hunde am Riemen
mächtig anzogen. Es war keine Spur zu sehen im frischen Schnee. Ich dachte,
s'ist halt ein Dachs, und ließ den Lump hinein. Doch
dieser kam nicht mehr, auch vernahm man ihn
nicht. Nach einer Weile hörte man in der Erde rumpeln, und als immer
noch keiner sprang, stellte ich mein Gewehr an
den Baum und legte mich aufs Ohr, um zu horchen, was los sei. Dem Soldaten
sagte ich, er solle aufpassen und 's Gewehr packen,
wenn einer komme.
Ich liege da und horche. Ein Mordsbetrieb! Jetzt kracht
ein Schuss. Ich springe auf und sehe den Fuchs fröhlich für bas ziehen. An
den zweiten Schuss hatte mein
Vaterlandsverteidiger nicht gedacht. Er, natürlich, hatte jetzt auch seine
Ausreden.
Eine Stunde vor Einnachten kamen wir an einen Bau,
der prächtig befahren war, den Hauptbau vom Revier.
Ich ließ alle drei Hunde gleichzeitig einfahren, eine halbe
Stunde verrann, man vernahm nichts und die Hunde kamen nicht heraus. Meine
Hände froren und wurden allmählich steif. Da gab ich das Gewehr dem Infanteristen und stellte mich hinter ihn. Die Hände steckte
ich in die Hosentaschen zum erwärmen. Aber kaum
waren die Rollen vertauscht, als drüben auf zehn Schritt
ein Fuchs vor der Röhre stand und die Aussicht bewunderte.
Nun kam die zweite Schlappe. Mein Soldat gewahrte
ihn nicht, weil er hartnäckig nur auf eine Röhre schaute.
Da gab ich ihm ein Zeichen und darauf knallte auch alsbald der Schuss Der
Fuchs aber, durch das Geräusch auf
die Nähe menschlicher Wesen aufmerksam gemacht,
schnürte langsam den Berg hinauf.
Ruhig wartete ich auf die weiteren Operationen meines
Schützen, aber als er immer zielte und sich endlich zum zweiten Schusse nicht
entschloss, riss ich ihm das Gewehr aus der Hand, schlug noch auf gute
Distanz an und drückte. Aber es ging nicht los. Das Kamel
hatte meinen zweiten Schuss zuerst geschossen.
Damit war die Infanterie endgültig geschlagen. Es
ward Nacht und wir zogen heim.
Der
Festzug.
Die Kunde von den großartigen
Leistungen meiner Dachshunde
drang mit Blitzeseile von Dorf zu Dorf. Von deren Ruhmestaten hörte der
Förster vom Nachbarrevier und er lud mich zu einer Extravorstellung
ein.
Anderntags um neun Uhr standen wir an seinem Hauptbau
schussbereit. Er oben, ich unten und drin der Lump. Neben
dem Förster saß sein Hektor, der Fuchswürger. Jetzt
reißt plötzlich oben beim Förster ein Fuchs
aus
und
nun
entwickelte
sich folgendes schöne Bild.
Den
Festzug eröffnete Ritter Reineke mit hoch erhobener
Standarte. Ihm folgte der Edle Lump von
Rückenbühl mit fürchterlichem
Kriegsgeheul. Jetzt erst das grobe
Geschütz des Försters. Dann Hektor
der Würger und hinter diesem des Försters wohlbepackter Rucksack,
weil der Hund daran angebunden war.
Der Zug bewegte sch mit Windeseile den Berg hinauf.
Der Rucksack
riss eine tiefe, breite Spur im Schnee. Auf
diese legte sich nun der Förster und kam nach einer Weile mit Hund und
Sack zurück. Der Hund hatte an einem benachbarten Bau vor der Röhre down gemacht, während
drinnen der Lump mit dem Fuchs sich
unterhielt.
Als der Torwächter weg war, benützte der Fuchs die
freie Ausfahrt, und bevor ich den Fehler durch rasches Hineilen zum Bau gut machen konnte,
kam auch schon der Lump uns entgegen.
Hektor
der Würger.
Man
zog weiter. Nach einer guten halben Stunde
kamen abermals an einen Hauptbau.
Dieser war befahren, wie das beste Berghotel im Hochsommer.
Unterwegs hatte sich noch ein dritter Schütze
hinzugesellt, der Fischer. Nun konnte es ja nicht mehr fehlen.
Ich, als oberster Kriegsherr, verteilte die Stände und gab
das Zeichen zum Angriff. Flink durfte den Kampf eröffnen.
Der Fischer bekam einen Hustenanfall, der sich öfters wiederholte,
was unvorteilhaft am Baue ist. Ich war daher gezwungen, den Lump als Verstärkung
nachzuschicken
und endlich noch deren Mutter, die Loni.
Nun dauert es aber nicht lange, so erscheint, wie aus der
Erde gewachsen, ein Fuchs. Bäng, bum, macht meine Flinte, der Fuchs zwirbelt im
Kreise und geht ab. Aber Hektor holt ihn nach kaum hundert Gängen ein, würgt ihn
ab und bringt ihn her.
Der
Kampf in der Unterwelt tobte indessen weiter. Die
sieggewohnten Dackel griffen jetzt den Feind von allen Seiten an, welcher in schleuniger Flucht sich zu retten
suchte. Es erschienen drei Füchse. Einer oben in
der Mitte des Baues, welchen ich unter Feuer nahm, einer links beim Fischer, der
unbeschossen abging, und einer rechts
beim Förster. Es knallte und rumorte wie an
einem Schützenfest. Aber das Resultat? Einstweilen Null!
Bei meinem lag Schweiß und der Förster
behauptete, der seine sei im Feuer
gelegen, doch Hektor kam leer zurück.
So ein Betrieb ist oft sehr unterhaltend und anregend.
Der Fischer meinte sogar: aufregend, denn er zitterte wie ein nasser
Pudel. Zu seinem Husten gesellte sich noch Bauchweh. Wir gossen ihn mit
Schnaps voll und schickten ihn weg, denn es war höchste Zeit.
Abgewürgt
und Ende.
Bald kamen die Hunde, einer nach dem andern, mit blutigen
Gesichtern an die Oberfläche. Sie wurden angeleint und der Lump kam an den
Schweißriemen. Dieser
führt mich nun auf der kranken Spur den Berg hinauf,
durch eine Dickung, oben durchs Stangenholz, dann auf der andern Seite
den Berg hinunter in eine Mulde und kommt
schließlich an einen Fuchsbau, wo er schliefen will. Hier war der kranke Fuchs
eingefahren.
Der Schauplatz unserer Tätigkeit wurde nun hierher verlegt;
als aber nach einiger Zeit der Fuchs nicht springen will und die Hunde
einer nach dem andern mit
neuen Schmissen herauskamen, fingen wir an zu graben. Schon
wurde es Abend, als ich den Fuchs endlich in der Röhre vor mir sah,
aber so, dass ich ihm nicht beikommen konnte. Einen Revolver
hatten wir nicht und mit dem Gewehr konnte man nicht um die Ecke herumlangen.
Den
Fuchs springen lassen, getraute ich mich nicht, denn als Meisterschützen
hatte sich keiner von uns entpuppt, und so beschloss ich, die Arbeit den Hunden
zu überlassen. Hektor wurde in den Schacht gelassen,
doch der Hund war zu groß, konnte nicht bis an den Fuchs hinkommen. Ich
gab ihm deshalb den Lump zu Hilfe. Dieser rannte dem Räuber derart
an den Pelz, dass er für gut fand, zu weichen, er geriet dabei
in Hektors Fang und drei Sekunden später schnürte ,eine
edle
Seele stillvergnügt in den Himmel hinein.
Aus dem Tagebuch eines Bodenjägers.
Manchem mag es merkwürdig
erscheinen, wenn ein Jäger,
welcher in München wohnt, nach der Schweiz auf die Jagd geht. Wenn
er Bayern, dies jagdliche Dorado, verlässt, um in der Schweiz dem Jagdvergnügen
nachzuhängen. Es gibt halt allerlei Käuze auf der Welt. Ich bin im Laufe der Jahre einer derjenigen geworden, die
Treibjagden womöglich meiden und lieber allein und führerlos
die Jagd ausüben. Hasen, Hühner und Fasanen sind mir gleichgültig
geworden. Was mich noch reizt, ist
die Pirsch auf den Bock, die Hochwildjagd und die Bodenjagd. Auf den Fuchs und
Dachs mit guten Hunden ist wohl eine
der schönsten Jagden, die es gibt, aber man
muss befahrene Baue haben. Diese
werden jedoch in hiesiger Gegend immer weniger und daher entschloss ich
mich, diesen Herbst im Kanton Luzern, wo ich von früher her viele Baue kenne,
wieder einmal auf die Jagd zu gehen. Ich
nahm meine zwei Dachshunde, den kurzhaarigen
Flink- und seinen rauhaarigen Bruder Lump Reckenbühl,
zwei Ausstellungs-
und Schliefensieger, mit und kaufte mir für 70 Fr. das kantonale Jagdpatent.
Über meine dortigen Erlebnisse habe ich ein Tagebuch geführt
und photographische Aufnahmen gemacht, die ich
den Lesern nun vorführen will.
1. Oktober.
Automobile sind unzuverlässig. Um
7 Uhr wollte mich mein Bruder abholen; aber
der Karren streikte, er kam erst um 9
Uhr, während ich mit meinen Dackeln schon
um halb sieben marschbereit wartete. Dann fuhren wir hinaus direkt zum Dachsbau.
Es hat auch seine Vorteile, das
Automobil, wenn man so mühelos auf den holperigsten Waldwegen direkt zum
Bau hinfahren kann. Man kommt frisch dort an
und die Hunde sind nicht ermüdet.
Der
Bau war prächtig befahren und ich ließ sofort Flink
hinein. Es war ein alter Hauptbau und
draußen lag reiner Sand. Sandbaue
liebe ich nicht. Die Hatz unter der
Erde ging lange hin und her und endlich nach einer
Stunde fanden wir den Hund weit abseits, bergaufwärts.
Wir fingen an zu graben, doch bald kam Flink heraus mit zerrissenem Behang und
einer Wunde neben dem linken Auge. Nun
kam Lump daran, sein Bruder. Es sind beides
brave Hunde, obwohl erst zweijährig, und ich wüsste nicht, welchem ich den Vorzug gebe. Lump gab
an derselben Stelle heftig Hals. Aber
mittlerweilen hatte der Dachs die Röhre verklüftet. Lump kam mit geschlossenen Augen
heraus, diese waren mit Sand gefüllt,
so dass er gar nicht mehr sehen konnte.
Wir gruben weiter. Die Hunde hatten die Fühlung mit dem Feinde verloren, die Barrikade war vollständig. In
drei Meter Tiefe (mit dem Mass gemessen) kamen wir
auf die Röhre, aber leider auf das Ende und den Dachs.
Dieser wich gegen die Barrikade, öffnete sie und
verschwand im Labyrinth seiner Behausung.
Ich hasse die Sandbaue. Wir fuhren ab und kamen nach
einem kleinen Autounfall zum nächsten Bau. Abermals
ein Sand- und Hauptbau. Lump fuhr
ein. Es ging lustig zu in der
Unterwelt. Bald da, bald dort stellte der Hund den Dachs. Doch die Jagd
ging immer weiter. Endlich machte der Hund den Dachs fest. Die
beiden Grabgehilfen und ich lagen mit
dein Ohr auf der Erde, da sprang ein kapitaler Dachs.
Doch bis wir schussbereit waren, hatte
der Dachs einen solchen Vorsprung, dass
unsere nachgeschickten Schrote
keinen Erfolg mehr hatten. Die Hunde nahmen die Verfolgung auf, es war eine
lustige Hetze, doch leider resultatlos.
Später schoss ich auf einen Fuchs, der durch das Geräusch
im Walde sich abseits drücken wollte. Als Lump ankam, nahm ich ihn an den Riemen und so führte
mich der Hund durch eine Dickung direkt zum
verendeten Tiere.
5.
Oktober.
Automobile sind schön, aber sicherer ist die Eisenbahn.
Wir
hielten uns lange an einem Baue auf und als wir weiter fahren wollten,
versagte die Zündung. Es wurde Abend, bis uns ein zweites Auto holte.
7.
Oktober
Ich ging allein mit meinen Hunden. Im
Rucksack den kleinen Spaten, das Beil, den Revolver. In
einer beinahe undurchdringlichen Dickung fand ich einen befahrenen
Fuchsbau, den ich von früher kannte. Erst musste
ich mit dem Beile Luft machen. Ich wollte den Fuchs trotzdem
auslaufen lassen, doch Lump verhinderte es ihm. Drum fing ich an zu
graben. In Schultertiefe kam
ich auf den Mund und bald darauf sah ich die Blume einer Fuchslunte. Ich
packte diese Lunte und fing an zu zerren:
jetzt streckte der Fuchs die Hinterläufe heraus. Diese
band ich ihm mit einer Schnur fest und zog vorsichtig.
Doch bevor der Vorderteil sichtbar wurde,
setzte ich ihm die Revolverkugel
zwischen die Rippen, warf ihn hinaus, den Hunden zum Abwürgen, was sie prompt
besorgten.
Es war ein mörderisch heißer Tag, ich hatte weiten Weg
und schwer zu tragen, ich sann darnach, mir für die
Zukunft einen Knecht anzuschaffen.
8.Oktober.
Das war ein kritischer Tag erster Ordnung. Gleich in der Frühe
sprengte Flink einen Fuchs aus dem Bau, den ich glatt fehlte.
Nachher fiel Lump beim Verfolgen einer Fuchsspur über eine
haushohe Felswand hinunter, zum Glück in dichtes Gebüsch, ohne Schaden zu
nehmen. Dann sprengten sie aus einem Felsenbau im steilen Tobel
wieder einen Fuchs. Den Fuchs sehen, schießen und fehlen und
verschwinden, war eins. Nachher in einem anderen Bau machten die
Hunde einen Fuchs in der Röhre fest. Er konnte nicht springen und ich nicht graben,
da heute kein Grabzeug mitführte. Die Hunde wurden
stark geschlagen. Drei Füchse hätte ich heute haben sollen.
10.
Oktober.
Früher hatte ich es rundweg bestritten, dass ein Dachshund
einen Dachs aus dem Baue sprengen könne. Ich hatte doch schon sehr
scharfe Hunde, habe mit diesen mehr wie hundert Dachsbauen gearbeitet, aber es ist
mir nie vorgekommen, dass ein Dachs vor dem Hund aus
dem Baue sprang, ohne dass man vorher gegraben hätte. Merkwürdig,
wie man beinahe plötzlich anders belehrt wird. Meine Hunde haben mir jetzt das
Kunststück zweimal hintereinander gezeigt. Heute war es im
„Eärdmänndliloch".
Alte Weiber behaupten, es sei dort nicht ganz geheuer. Erdmännchen
treiben dort ihren Spuk. Es hätten früher oft freche
Gesellen versucht, die Erdmännchen zu vertreiben; sie seien aber verschüttet
worden, und wenn ein Hund es wage, in die Höhle einzudringen, so käme
er nie mehr heraus.
Es war etwa vor
10
Jahren,
da
kam
ich
auf
der
Jagd auch in das steile Tobel zum Eärdmänndliloch. Ich zog mich aus
bis auf Hosen und Hemd und kroch hinein. Platt
auf dem Bauch, vor mir herschiebend die brennende Kerze, ging's erst einige
Meter gradaus, dann im scharfen Winkel
nach rechts, dann kam ein spitzer
herunterhängender Stein, der unheimlich auf Genick und Schultern drückte
und wieder nach einigen Metern wurde der
Gang weiter und schließlich so weit
und hoch, dass man knien konnte. Von
diesem Gewölbe aus verteilten sich die
Felsenspalten nach verschiedenen Seiten. In einem dieser Spalten war
mein Dachshund und machte einen Mordsradau. Er war bei den Erdmännchen. Diese aber warfen Steine und Sand gegen ihn,
so dass ich für gut fand, die
Unterwelt zu verlassen, und war schließlich froh, als ich bei dem
spitzen Stein vorbei und endlich wieder im
Freien stand.
Wand hinunter, purzelte unten weiter den Tobel hinab, begleitet
von meinen zwei Schrotschüssen, und als es noch weiter flüchten wollte, streckte ihn meine nachgesandte
Kugel vollends. Die Hunde waren auch schon dabei, bissen sich am Feinde fest und
alle drei stürzten mitsamt in den Bach in einen tiefen Wassertümpel.
Später, am selben Tage sprengten mir die Hunde noch
einen Fuchs aus dem Bau, der aber für mich so unglücklich ausfuhr, dass ich
gar nicht schießen konnte.
Mittlerweilen ging ich mit Lump zu einem benachbarten
Bau, um zu sehen, ob vielleicht dort ein Fuchs eingefahren sei. Es war dies nicht der Fall und kehrte zurück. Fünf Stunden, seit
Flink eingefahren, doch ich hörte immer noch nichts. Nun
wurde es mir unheimlich zu Mute. Ich
gab Flink für verloren. Entweder glaubte ich, er habe sich selber den Rückweg vermauert und sei
erstickt, oder er sei im Kampfe schwer geschlagen worden und verblutet, oder er
sei in eine tiefe Spalte gefallen und müsse
darin elend zugrunde gehen. Alles Mögliche
fuhr mir durch den Kopf, aber das Resümee war
immer: Flink ist verloren.
Schon entschloss ich mich, die Bodenjagd aufzugeben
für immer und andern Tags gleich nach München heimzufahren.
Für alle Fälle ging ich noch zu dem nahe gelegenen
Bauernhof und gab dort den Auftrag, man möge den Hund fangen und versorgen, im Falle er käme.
Nun kam mir noch ein Gedanke. Nachdem ich doch schon
der Jagd entsagte, was nützt mich dann noch mein Freund Lump. Ich
entschloss mich, ihn zu opfern, der Jagd und seinem Bruder Flink.
Wozu brauche ich jetzt noch einen Hund? Soll er mich immerdar an diese
unglückliche
Jagd erinnern?
Schweren Herzens ging ich zum Bau zurück und schickte
den tapferen Lump zu seinem Bruder in die Unterwelt,
damit sie vereint sterben und auf dem Felde der
Ehre bestattet seien. Lump ahnte nicht
meine teuflische Absicht, fuhr fröhlich ein und gab alsbald Hals. Er
drang immer weiter vorwärts, den Berg hinauf, hin und
her und horch welch göttliche
Musik! Ich werfe mich
zur Erde, lege das Ohr fest an und vernehme zwei Hundestimmen. Wirklich, ganz deutlich da
liegen sie, die beiden Braven. Ein
wunderbares Duett im Kampfe gegen den Feind. Jetzt aber rannte ich zum Bauernhof, um Schaufel und Haue zu
borgen. Nicht
nur konnte ich
meine lieben Hunde
wieder kriegen, sondern noch
obendrein ihren gemeinsamen Feind, einen Dachs
oder mehrere.
Wie
ich zurückkam, tobte der Kampf noch an derselben
Stelle. Ich begann zu graben wie
rasend. Aber das Werkzeug war jämmerlich
schlecht. Die
Haue brach entzwei und die Schaufel
war ganz ungeeignet. Ich grub, so gut ich konnte, während die Hunde ein prächtiges
Konzert aufführten. Es wurde Nacht. Vielleicht
noch ein halber Meter und ich wäre unten. Aber mein erbärmliches
Werkzeug! Auch ließen
schon meine Kräfte
nach. Jetzt
plötzlich verstummte die Musik
und bald erschien Lump und kurz nachher Flink, beide
mit blutigen Köpfen. Jetzt war's mir
aber nicht mehr um den Dachs zu tun. Ich
war froh, dass ich beide Hunde hatte und wanderte zum Bahnhof, uni den letzten
Zug nicht zu verpassen.
21.
Oktober.
Von jetzt ab nahm ich regelmäßig
meinen Jagdknecht
mit und wir fuhren immer mit dem ersten Zug, der
um 61/, Uhr die Stadt verlässt,
hinaus, um mit Tagesanbruch oder
doch möglichst früh am Bau zu sein. Ein
Bau, aus dem ich vor sechs Jahren in
der Zeit einer Stunde drei prächtige Füchse holte, war heute wieder befahren.
Damals war der Wald auf Schussweite kahl, so dass ich den Fuchs beim
Auslaufen schießen konnte. Heute ist dort eine Wildnis, die Bäume sind zweimal
mannshoch und dicht, ans Schiessen gar nicht
zu denken. Wenn man solche Änderungen in der Natur sieht, merkt
man wieder, dass man älter wird.
Die Hunde gingen wie gewohnt tapfer drauf los, aber die
Jagd zog sich bald gegen den Berg in eine Felsenspalte. Ich
kenne diese Spalte. Damals kroch ich dort hinein
und schoss den zweiten und dritten Fuchs, die wir
nicht laufen lassen durften, mit dem Revolver. Heute fühlte ich keine
Lust, selbst zu schliefen, umso weniger, als ich den Revolver zu Hause lies. Wir
gruben, bis das Gestein Halt gebot. Dann
machten wir ein Feuer, schoben die
Gluten ein und machten von außen mit Erde
zu. Als wir nach einer halben Stunde
öffneten, lag der Fuchs tot beim Feuer
und sodann ein zweiter grad dicht
hinter dem ersten.
Im selben Wald, weiter oben, gruben wir damals noch
zwei Dächse. Auch diesmal war der Bau vom Dachs
befahren, doch ich ließ ihn unbehelligt, denn erstens war es für
diesen Bau schon zu spät des Tages und zweitens hatte ich auf morgen eine größere
Korona Damen und Herren eingeladen, für welche ich diesen Bau
reservierte.
22.
Oktober.
Früh 9 Uhr waren wir schon am Bau. Es
war sehr
kalt, man fror. Bald war ein großes Feuer angefacht
und die Damen kochten Tee. Lump war einstweilen im Bau, aber man spürte ihn nirgends, dann
ließ ich auch Flink hinein. Als
nach einer Stunde noch kein Fuchs springen wollte, hängte ich den Drilling auf
und verhörte den Bau. Der Bau musste stellenweise sehr tief,
weit über drei Meter tief sein, denn in dieser Tiefe höre
ich den Hund noch, auch wenn ich stehe.
Endlich, endlich, es können an die zwei Stunden vergangen
sein, konnte ich die Stelle, wo die Hunde lagen, ausfindig machen und zwar schätzungsweise
kaum zwei Meter tief. Wir gruben, aber
der Boden war sehr hart, Lehm und Kies, hart wie Zement. Lauter Pickelarbeit.
Die Hunde aber lagen gut vor und schließlich waren wir
unten. Mannstief. Die Hunde
kamen heraus, schwer geschlagen, blutüberströmt
bis über den Rücken hin, klaffende
Wunden an Kopf, Behang und Läufen. Arme Kerle!
Wir setzen den Einschlag noch etwas tiefer, um besser
hantieren zu können, dann durften die Hunde wieder hinein. Erst
einer. Gleich ging der Kampf aufs neue
los. Ich merke bald, dass der Dachs im
Endrohre stak, sich aber noch einen Rückzug
gesichert hatte. Noch drei Meter drang der Hund vor, dann gab ich ihm
Verstärkung, in der Hoffnung, dass sie zu zweien noch
etwas vorrücken sollten. Doch es
blieb dabei, obwohl der Angriff aufs
energischste geführt wurde. Die Röhre hatte starke Krümmung nach links. Der neue Einschlag ward
begonnen. Wir wechselten schnell ab. Nach
und nach wurden die Hunde flauer. Man
merkte am Laut, dass die Fühlung mit
dem Feinde nachließ und schließlich kamen beide heraus.
Ich war nun sicher, dass der Dachs sich verklüftet hatte
und die Hunde nicht mehr nachgraben konnten. Eine Stunde lang gruben
wir, dass der Schweiß in Strömen floss, dann sauste der Pickel durch. Aber
eine weitere halbe Stunde brauchte es, um den Einschlag auf
die Tiefe der Röhre hinunter zu legen. Je tiefer man
kommt, desto schwerer wird die Arbeit. Jetzt waren
wir links am Endrohr und rechts an einem geräumigen Kessel, von wo aus die
Röhre im Bogen nach dem ersten Einschlag führte. Wir sondierten mit
Ruten und leuchteten mit der Kerze, konnten aber keinen Dachs
entdecken. Die anwesenden Gäste glaubten an einen Misserfolg. Doch ich betrachtete das
Unternehmen als gesichert. Flink
herein. Dieser fing gleich an zu graben
und wurde laut.
Das Rätsel war gelöst. Der
Dachs hatte vom Kessel
aus sich einen neuen Gang gegraben und hinter sich zugestopft. Vom ersten
Einschlag aus fuhr Lump ein. Dieser
kam mit Flink zusammen. Vereint gruben sie
die lockere Erde aus und plötzlich ging der Radau los. Der
Dachs war bloßgelegt und griff nun die Hunde an.
Lump wurde mit Macht zum ersten
Einschlag, wo ich mit dem Revolver Wache stand, zurückgedrängt. Er
kam langsam, rückwärts, immer kämpfend heraus und
gleich darauf steckte der Dachs den Grind aus der Röhre, aber im selben Moment streckte
ihn meine Kugel
nieder. Er tat keinen Muck mehr und blieb auf der Stelle liegen.
Jetzt gab ich Lump hinauf zum Anleinen, setzte den Revolver
schön sauber auf den Rand des Schachtes, um ihn jederzeit fassen zu können,
links hatte ich ohnehin das Gewehr liegen. Und
was glauben sie, was jetzt passiert ist? Als ich den toten Dachs einhängte,
aus der Röhre zog und hinauf gab, erschien ein zweiter Dachs,
von Flink von hinten her getrieben, im Schacht. Ich langte nach meinem
Revolver, der war weg. Dann griff ich nach dem Gewehr, auch
das war weg. Der Dachs
zwischen meinen Füssen im Schacht, von Flink bekämpft
und ich ohne jede Waffe. Dieser machte nun Versuche,
die Wand hinauf zu klettern, was ihm indes misslang.
Ich
schrie nach Waffen. Oben sämtliche Zuschauer in
sinnloser Aufregung. Ich springe aus
dem Schacht, Gewehr, Revolver
verschwunden. Ein Durcheinander ohne Gleichen, alles hatte den Kopf verloren und in der
Aufregung mein nötigstes, die Waffen, versteckt. Niemand konnte Auskunft geben
und niemand wollte den sinnlosen
Streich verübt haben. Ich hatte die Damen im Verdachte. Sie
bestritten es zwar, aber sie waren
dennoch die Übeltäter, und aus welchem Grunde: ungefähr
aus demselben wie bei der Feuersbrunst, wo die Teppiche und Kissen fein säuberlich hinunter
getragen und die kostbaren Geschirre aus dem
Fenster geworfen werden.
Als ich schließlich meinen Drilling in einem entfernten
Versteck fand, hatte der Dachs seine Kletterversuche aufgegeben und wieder die Röhre
angenommen.
Jetzt gab's ein hartes Stück Arbeit. Der
Dachs verklüftete sich derart, dass ans Graben, infolge der
vorgerückten Tageszeit, nicht gedacht werden konnte. Ich entschloss mich, wenn auch
ungern, zum Feuern und zwar im ersten Einschlag, um ihn so beim zweiten zum Ausfahren
zu bewegen. Doch ich hatte die Rechnung ohne
den Dachs gemacht. Dieser machte hinter sich die
Röhre vollständig zu, dass der Rauch nicht durchdringen konnte. So
mussten wir auch beim zweiten Einschlag ein Feuer anfachen, was den Erfolg
hatte, dass er bald zu husten anfing
und schnell verendete.
31.
Oktober.
Eine lange, erfolglose Zeit rückte an. Füchse waren keine
mehr im Bau und auf Dachs hatte ich Pech. Die Hunde wurden stark
geschlagen und jeweils musste ich abends müde und ohne Beute heimziehen. Der 31.
Oktober war wieder ein kleiner Leuchtstern. Ich hatte Tags zuvor im Eärdmänndliloch
ein kleines Feuer angefacht, um den Dächsen den
Bau zu vergrämen. Andern Tags waren die Grimbärte ausgezogen. Aber die
Stammutter begann die Unvorsichtigkeit, in einen kleinen Bau an einer
nahen Sandgrube einzufahren. Das war ihr Tod. Meine
Hunde fanden sie dort und gruben
sie mühelos aus.
Hier hatten wir nun das seltene Schauspiel, einen Dachs
abwürgen zu sehen. Die Sandgrube war auf freiem Felde draußen, drum
wollte ich den Dachs, da er meinem Schusse nicht entrinnen konnte, ausfahren
lassen. Ich schoss, als er ausfuhr, mit dem Revolver und
verletzte ihn leicht. Alsbald hatten ihn die Hunde gefasst,
einer an der Kehle, der andere am Genick und ließen nicht mehr los.
Sie kugelten miteinander hin und her und ich hatte genügend Zeit, meinen Photoapparat
auszupacken und Aufnahmen zu machen. Leider war's
ein nebeliger Tag und die Aufnahmen gerieten schlecht. Es
war 9 Uhr morgens.
Von da machten wir eine weite Wanderung. Konnten keinen
Dachs mehr finden, bis wir gegen Mittag in einen Wald kamen, wo gerade zwei
Bauernjäger mit Laufhunden der Jagd oblagen.
Sie klagten uns, sie hätten einen Fuchs schwer angeschossen
und er sei zu Bau gefahren. Sie baten mich, ich
möchte mit den Dachshunden nachschauen. Ich
kannte den Bau, er ist nicht tief, aber
weitläufig. Doch ich fühlte keine Lust, diesen Nimroden zu ihrer Beute zu
verhelfen. Ich betrachtete vielmehr den Fuchs
als mein Eigentum, denn, was unter der Erde steckt, gehört den Dachshunden. Als
der Jäger aber nicht nachließ, frug ich
ihn: „Was wollen Sie für den Fuchs, wenn ich ihn ausgrabe?" Er gab mir
aber keine Antwort und zog ab.
Nach einiger Zeit kehrte er mit einem Dachshund, Grabwerkzeug
und verschiedenen Knechten zurück. Wir hatten mittlerweile an einem
anderen Bau zu graben angefangen. Es war ein Dachs darin. Wir
konnten aber nichts ausrichten, weil die Röhren sehr tief lagen und es allmählig
Abend wurde.
Der Bauernjäger kam und ging beständig, pumpte unsere
Schaufeln ab und den Fuchshaken und schließlich bat er mich nochmals, ich möchte
doch mit einem Hund kommen und ihm helfen, sein Hund sei nichts
nutz.
Ich ließ mich überreden und ging mit. Mein
Lump hatte bald den Fuchs, der anscheinend nur leicht verletzt
war, in ein Endrohr gehetzt und lag dort vor.
Wir gruben den Hund aus, leinten ihn an und gingen fort,
es war stockfinstere Nacht und höchste Zeit auf den letzten Zug. Dem Jäger gab ich noch alle nötigen Instruktionen und zudem noch eine Kerze. Aber der Tropf sagte uns weder Dank noch Gruß, als wir
fortgingen.
2.
November.
In
der Nacht kam mir der Gedanke, der Bauernjäger habe den Fuchs doch nicht erwischt. Wir fuhren gleich mit dem ersten Zug hinaus, um nachzusehen. Was
der Bauer nach unserer Abwesenheit
machte, war wenig und verkehrt. Er hatte meine
Ratschläge nicht befolgt, in dem
schlauen Bauernglauben, ich habe ihm falsche Räte erteilt.
Der Fuchs war nicht mehr im Bau, obwohl die Hunde
infolge reichlichen Schweißes da und dort laut wurden.
Sie kamen bald heraus und ich ließ sie über der
Erde suchen. Von Bau zu Bau, von
Dickung zu Dickung.
Wir kamen aufs Feld, fünf Minuten kaum vom ersten
Bau und sahen dort einen großen frischen Sandhaufen. Aha!
Im Sande waren Fuchsspuren und die Hunde
fuhren ein. Radau. Zwanzig Schritte von der Einfahrt
gaben die Hunde Hals. Wir gruben zwei
Meter tief, kamen auf den Hund und den
Fuchs, welcher fröhlich in die vorgehaltene Rute biss. Es
war der Fuchs von unserem Bauernjäger. Er
hatte am rechten Vorderlauf alle
Zehen durchschossen und aufgeschlitzt, ein Blei
8.
November.
Oberförster B. lud mich in sein Revier im Kt. Aargau
zum Dachsgraben ein. Mich begleitete Oberst 0., der auch mal so eine
Vorstellung mit erleben wollte. Wir gruben fünf Schächte, der letzte über drei
Meter tief. Da kamen wir auf eine
horizontale Steinplatte und unter dieser
Platte war der Gang, der Hund, der Dachs. Wieder
so ein verfluchter Sandbau.
Doch jetzt schien der Erfolg nahe. Die
Platte war hart wie Eisen, ich fand aber eine weiche Stelle, grub sie
durch und kam auf die Röhre. Voraus der Dachs, dann Lump und Flink, alle gruben
aus Leibeskräften, doch der Dachs erhielt Vorsprung vor den Hunden,
die Erde war zu weich. Lump bearbeitete den Dachs schon seit acht Stunden,
dann und wann unterstützt von Flink, welcher heute mehr den
Handlanger spielte, während Lump die Führung hatte.
Ich lag im tiefen Schacht auf dem Bauch, den Kopf in
der Röhre und studierte, was da zu machen sei. Da plötzlich
verstummte die Musik. Hund und Dachs waren weg. Letzterer hatte, nachdem er
fünf Stunden in dieser Endröhre gearbeitet, eine Seitenröhre öffnen können
und verschwand im Bau, gefolgt von Lump. Ich
lag noch da und
horchte. Da schrie der Oberst: „Der
Dachs ist raus!"
Wie ich ohne Hilfe aus diesem Schacht kletterte und mit welcher Geschwindigkeit, ist mir ein Rätsel. Ich weiß nur, dass ich plötzlich oben war, mein Gewehr packte und wie besessen durch den Wald rannte zum nächsten Bau. Leider kam ich um einige Sekunden zu spät. Der Dachs war schon eingefahren und die Herren, die oben waren, schienen im kritischen Moment den Kopf verloren zu haben. Da sind Sekunden wertvoll. Der Oberförster behauptete übrigens, ans Schiessen sei nicht zu denken gewesen, da Lump den Dachs so hart verfolgte, dass man unbedingt beide Tiere hätte treffen müssen. Und als sich die Aufregung gelegt hatte, kam die Kritik des Herrn Oberst, die darin gipfelte: man müsse für solche Eventualitäten immer ein Gewehr schussbereit halten.
Acht Stunden lang!
10.
November.
Ich wusste einen Bau ganz in der Nähe, der vom Dachs
befahren war und den ich sorgfältig beobachtete und mir für einen
weniger strengen Tag reservierte. Heute wollte ich ihn holen, doch
der Dachs war weg ohne sichtliche Gründe.
Gestern Abend begann es zu schneien, und heute lag eine prächtige
Neue, aber trotzdem konnte ich keinen Fuchs im Baue treffen.
Doch fand ich einen Dachs im Bau. 35 Schritte von der Einfahrt
entfernt gab Lump Hals. Wir gruben und kamen in zwei Stunden auf den Dachs,
welchem ich die Revolverkugel auf den Grind setzte.
11.
November.
Ein „Schliengenjäger" (Wilderer) vom Lande sagte mir,
er wisse verschiedene „Gruben", die „schliefig" seien.
Ich
solle kommen, er wolle sie mir zeigen. Ich bestellte ihn auf bestimmte Zeit und Ort, doch als
wir kamen, war der Schuft nicht da. So waren
wir im großen fremden Walde führerlos.
Da noch reichlich Schnee lag, gingen
wir den Fuchs- und Dachsfährten nach, drückten uns den Halden und
Tobeln entlang und kamen bald an einen Bau, wo
der Schnee von Füchsen ganz vertreten
war. Flink fuhr ein und ich wartete schussbereit
auf den Fuchs. Statt dessen erschien nach 20
Minuten ein Dachs. Ich war baff, hatte
ich doch Fuchs erwartet. Kurz und gut,
das Werk einer halben Sekunde; mein Gewehr krachte, der Dachs hörte den Knall
nicht mehr, er war vorher tot.
Schon der vierte Dachs, den mir die Hunde diesen Herbst
aus dem Baue sprengten. Ich bin jetzt bekehrt.
Wir gingen weiter, es war erst neun Uhr morgens und
fanden bald wieder einen Bau. Eigentlich fand ihn Lump,
denn ich liess die Hunde frei laufen und beobachtete sie. Lump arbeitete
offenbar auf einer Fährte ganz langsam den Berg hinauf und verschwand unsern Blicken
auf einer Kuppe. Wie wir ankamen, war er schon eingefahren und gab
Hals. Um elf Uhr nach leichter Grabarbeit schoss ich einen Fuchs mit dem
Revolver. Der Fuchs war durch einen früheren Schrotschuss
an der Seite des rechten Vorderlaufes verwundet und die Wunde war noch
nass und brandig.
Lump hatte die kranke Spur gefunden und sauber ausgemacht.
Eine brave Arbeit. Leider konnten wir von jetzt ab keinen Bau mehr finden.
12.
November.
Der Forstbeamte zeigte uns verschiedene Baue in einem
fremden Tobel. Lauter tiefe Felsenbaue. In einem war ein Fuchs. Dreimal
wollte er ausfahren, doch jedesmal sah er mich und zog sich zurück.
Leider konnte ich mich am steilen Hang nicht anders postieren. Schließlich
machten ihn die Hunde fest und wir gruben ihn aus. Ein Prachtkerl, uralt
und hatte nur noch einen Fangzahn.
14. November.
Nach mühsamer Tagesarbeit waren wir abends so nahe
am Dachs, dass ich ihn mit dem Stecken berühren konnte. Er stak in einer
Spalte zwischen großen Steinen und hatte hinter sich die Öffnung ganz mit Sand und Steinen
angefüllt. Es ward Nacht. Es blieb uns nichts anderes
übrig, als Kohlenoxyd und Sauerstoffentzug. Andern Tags lag der Dachs verendet
in der Röhre, aus der wir ihn mit leichter Mühe herauszogen.
16.
November.
Ein misslicher Tag. Lump fand an der Landstrasse eine
Dohle, fuhr ein und gab Hals. Ohne Hals kein Tier. Wir
gruben. Bauern kamen und schimpften, so dass wir abziehen mussten.
Später kamen wir zu einem Dachsbau. Bald hatten die
Hunde den Dachs fest. Wir gruben tief bis auf Felsen, die ein weiteres
Vordringen verhinderten. Der Dachs änderte nun seine Kriegstaktik, statt sich
treiben zu lassen, trieb er die Hunde. Er postierte sich am Eingang
und ließ die Hunde gar nicht mehr einfahren. Sie wurden schwer geschlagen.
Morgen ist Gastpartie, sonst würde ich dem alten Brummbären
nochmals zu Leibe gehen.
18.
November.
Der Weltreisende Dag. v. S. und sein Sohn waren meine
Gäste.
Pechtag!
Wieder Dohlenarbeit. 250 Schritte von der Einfahrt
entfernt, auf dem Felde draußen, hörten wir die Hunde. Wir kamen auf
einen Felsenspalt, in welchen sich der Fuchs geflüchtet hatte. Zu
schmal für die Hunde, mussten abziehen. Nachher ein Hauptdachsbau, wo wir
vor Jahren an einem Tage einen Fuchs und drei Dachse gruben. Heute Null.
20.
November.
In Wind und Schneegestöber den ganzen Tag gegangen und
ohne Beute heimgezogen. Es fängt mir langsam an zu verleiden. Die
Konkurrenz in der Bodenjagd, durch mein Beispiel angefacht, nimmt überhand. Wo
ich hinkomme, sind die Baue verdorben, gegraben, gefeuert.
23.
November.
Zwei Herren sollten mich abholen zur Jagd. Sie telephonierten
ab wegen schlechtem Wetter. Den Zug mit Warten verpasst, ging zu Fuß allein.
Regen und Sturm. Nass bis auf die Haut. Ich
hatte nur Lump dabei
und ließ ihn laufen, ein Glöcklein am Halsband. In einer Dickung machte er sich lange zu schaffen und gab
Hals. Ich dachte ein Igel oder ein
verendetes Reh und wartete. Da kam er auf meiner Spur und wedelte freundlich
und verschwand wieder in der Dickung und gab
wieder Hals. Ich ging hin. Kein Igel, kein Reh, sondern
ein Fuchsbau. Jetzt war Lump zufrieden und verschwand
unter der Erde. Ich grub mit dem kleinen Spaten und nach einer Stunde war der Fuchs im Rucksack.
25.
November.
Wieder ein unerforschtes Gebiet. Eine tiefe lange Schlucht.
Ein Bauer beschrieb uns die Richtung des Dachsbaues. Wir
kletterten drei Stunden lang umeinander, immer höher hinauf
und fanden nichts. Da ließ ich den Lump laufen. Dieser ging bergabwärts und
verschwand in der Tiefe der Schlucht. Nach einer Weile kam
er zurück auf seinem Rückwechsel und wedelte freundlich. Er
hatte uns eine wichtige Mitteilung zu machen. Gefunden.
Dann führte er uns hin auf einen Dachswechsel und diesem entlang
zum schwerbefahrenen
Dachsbau. Leider war's ein großer tiefer Felsenbau, ans
Graben gar nicht zu denken und springen wollte einer.
26.
November.
Nach langem Suchen ein befahrener Bau mit fünfzehn Röhren.
Die
Hunde drin. Ein Fuchs springt aus einer Röhre und fährt in die nächste
ein. Bald äugt er wieder heraus und verschwindet wieder. Ich stehe schon vier
Stunden, da höre ich hinter mir rascheln im Laub und dort
ist er, unbeschossen entkommen.
27.
November.
Ein alter Jäger, der kümmerlicher Verhältnisse halber
die Jagd aufgab, aber das Umherstreichen nicht lassen kann,
nannte mir einen befahrenen Fuchsbau, den ich nicht kannte. „Sie
gehen nur der Reuss entlang, abwärts bis zur großen Eiche", sagte er. „Von da
schnurgrad in
den Wald hinein. Dann kommen Sie auf eine Waldwiese. Auf dieser Wiese steht ein
Stadel. Dann gehen Sie genau in der
Flucht des Stadels 200 Schritte in den Wald hinein, dann stehen Sie auf dem Fuchsbau."
28.
November.
Letzter Jagdtag im Kt. Luzern. Mit
etlichen Gästen.
Viele Baue abgesucht. Alle leer. Endlich
gehen wir der Reuss entlang bis zur Eiche.
Von da zur Waldwiese und genau 200
Schritt vom Stadel stehen wir auf dem befahrenen Fuchsbau. Noch nie hat
mir ein Bauer oder Jäger so genaue und zuverlässige
Auskunft gegeben. Meistens wird man
begaunert und irregeführt und für solche
Redensarten habe ich sonst längst kein Gehör mehr. Diesmal war es unser
letzter Hoffnungsstern und ich bereute
es nicht, dem Jäger gefolgt zu haben. Wir mussten
kaum einen halben Meter tief graben, so war der
Fuchs schon unser.
Ende der Jagd im Kt. Luzern. Resultat:
neun Füchse, acht Dachse.
Damit war meine Ferienzeit beendet. Ich kehrte drei
Tage später wieder nach München zurück und widmete mich wieder beruflichen
Arbeiten.
Bald aber kam eine Einladung zur
Fuchsjagd in der nähe von Augsburg.
Ich sollte dem Förster einige Füchse
abschießen, da er selber durch Holzschlag schwer beschäftigt sei und keine
Zeit finde, sich der Jagd zu widmen. Oder eigentlich tat er es mehr, um mir
Freude zu machen, er wäre mit den Füchsen wohl auch selber fertig geworden.
26. Dezember.
Missmutig, verstimmt und unglücklich
hocke ich abends im Dorfwirtshaus. - Ist es das beginnende Alter? - Ist es
momentane Indisposition? - Ist es die große Kälte und der ungewohnte schwere
Jagdanzug?
An was liegt's, dass ich nicht mehr
schießen kann?
Der Förster kommt und der
Jagdaufseher. - Ist Ihnen ein Unglück passiert? Jawohl, ein großes, drei Füchse
gefehlt. Ich erzähle: Kaum ist Lump im Bau, so springt der Fuchs drüben rechts
bei einer Röhre, auf die ich gar nicht achtete. Ich schieße und fehle ihn mit
zwei Schüssen. Fünf Minuten später springt der zweite aus der äußersten Röhre
links. Wieder zwei Schüsse. Fuchs fort. Lump nimmt die Verfolgung auf und
treibt den Fuchs in den nächsten Bau. Ich verlappe, gehe fort. Wieder stehe
ich an einem Bau. Lump drin. Der Fuchs springt, ich reiße den Drilling hoch - bäng!
Fuchs fährt wieder ein. Er springt wieder - Gewehr kracht - Fuchs im Bau.
Herrgottsakrament noch einmal!
Ich stehe ich eine Stunde, Schluss.
Ich wandre von Bau
zu Bau, alle leer.
27.
Dezember.
Ein Waldarbeiter und etliche Gäste gehen mit, die verlappten
Füchse graben. Bis mittags 1 Uhr haben wir beide. Einer leicht verletzt,
der andere tot im Bau, mit abgeschossenen Hinterläufen.
28.
Dezember.
Der Jagdaufseher weiß einen befahrenen Bau. Er glaubt,
es sei ein Dachs drin. Wir graben auf Lump, nehmen ihn ab und ich stehe auf
Posten. Jetzt äugt ein Fuchs heraus und zieht sich zurück. Er sichert
noch einmal und wagt den Sprung. Sprung und Schuss war eins.
Er
sprang ins Feuer.
29.
Dezember.
Der Jagdaufseher weiß noch einen befahrenen Bau. Wir
graben den ganzen Tag. Abends steckt der Dachs im Endrohr, wir mauern es
zu und ziehen ab.
30.
Dezember.
Der Bau ist intakt. Der Dachs drin. Er schmeißt den
Hund raus. Wir mauern zu und graben von der andern
Seite. Bald sind wir auf der Röhre. Der Dachs streckt den Grind heraus
und die Kugel sitzt.
3.
Februar.
Sturm und Schneegestöber seit etlichen Tagen. Der Fuchs
muss im Baue stecken. Ich fahre hinaus ins Revier mit zwei Rauhaarigen, Lump
und Trudi. Die Rauhaarigen sind auf der
Windseite mit einer Eiskruste bedeckt.
Der Kurzhaarige des Försters ist
sauber glatt.
Wir stehen am Bau schussbereit. Der Sturm ist fürchterlich.
Der Wind schlägt die Tannen durcheinander wie Grashalme. Äste
brechen, eisiger Schnee peitscht uns in die Augen. Lump
und Trudi sind im Bau. Wir sehen nichts, hören nichts als
das Geheul des Waldes. 40 Minuten. Der Förster geht zu
einem andern Bau. Kaum ist er fort, so
springt der Fuchs. Mein Gewehr kracht
- Fuchs fällt. Steht wieder auf -
Krach - fällt
wieder. Ich will wieder laden. Die
Finger sind steif. Kann keine Patrone
fassen. Fuchs steht auf und flüchtet
den Berg hinunter. Ich stelle auf
Kugel - versagt
- Schlagstift eingefroren. Die
Hunde nehmen die Spur auf, verfolgen
und stellen den Fuchs. Der Förster ist da, will schießen, versagt. Gewehr
gefroren. Ich springe
hinzu und fasse den Fuchs an der Lunte und schwinge
ihn an einen Stamm - Tod. Ein starker Rüde.
4.
Februar.
Viele
Baue leer. Endlich einer befahren. Lump
und Trudi drin, eine Stunde. Wir
stehen wie Säulen, steif,
unbeweglich. Nur die Augen drehen sich im Kopfe von Röhre zu Röhre. Der Wind
heult und die Waldbäume raufen und schlagen sich die Äste ab. Ein Getöse
und ein Lärm. Mich übernimmt der
Schlaf - stehend - trotz
eisiger Kälte, oder gerade deshalb. Aber plötzlich reisst's mich zusammen -
ein Fuchs rennt aus der
Röhre in wilder Flucht - mein Gewehr
fliegt ans Gesicht - schrumm
- da liegt er tot - der
kapitale Rüde -- Kopfschuss.