Von Hugo Siegwart

Mit dem Dachshund 

unter der Erde

                                 VORWORT

Die Jagd unter der Erde auf Fuchs und Dachs, wer kennt sie wohl? Berufsjäger sind diese glücklichen Leute. Und sie wissen und fühlen es nicht, dieses Glück. Es ist ihr Beruf, daher kein Vergnügen. Sie „müssen", weil ihnen die „Raubzeugvertilgung" als Pflicht überbunden ist. Das Wort „Raubzeugvertilgung" widert mich an. Man liest es in jeder Jagdzeitschrift, in jedem Jagdbuch. Jeder Jäger hat es im Mund und jede Jagdgesellschaft zahlt Prämien für die Raubzeugvertilgung, ja selbst der Staat. Dieses Wort wird dem Jäger angewölft, er hört sieht und weiß nichts anderes. Man spricht allgemein von „Ausrottung des Raubwildes".  Warum soll das Raubwild ausgerottet vertilgt werden? Hat es denn nicht ebenso gut oder mehr  Existenzberechtigung wie das „Nutzwild"? Bringt es sich denn nicht selbständig durch? Müssen wir  es füttern wie z. B. den Fasan? Und ist etwa die Jagd auf Raubwild nicht interessanter und schöner, als eine andere?

Den Fasan muss man aufpäppeln wie ein kleines Kind, muss ihn füttern, das ganze Jahr, er ist zum Haustier geworden. Seine Jagd ist reizlos, ein Lehrmittel für Anfänger, ein Zielobjekt für Schiesser.   Gekocht auf dem Tisch kann ich ihn allenfalls noch verstehen, als Wild anerkenne ich ihn nicht. Ich hasse den Fasan. Er ist der größte Feind des Dachshundes, des wunderbarsten, universellsten Hundes. Der Fasan ist dumm, dümmer als das Haushuhn. Man muss ihn mit den Schuhen aus dem Kartoffelacker herausstoßen, man kann ihn fangen mit den Händen, wie Fliegen an der Wand. Kein Wunder, wenn ihn der gewandte Fuchs leicht erhascht und erwürgt.   Dafür muss der Gescheitere, der Fuchs, dran glauben. Gerade wie bei den Menschen. Der Dumme, Harmlose, wird verhätschelt, beschützt. Der Intelligente bekämpft und womöglich vernichtet. Warum? Der Begabte macht sich leicht unabhängig, selbständig, er hat und zeigt Charakter, damit macht er sich unbeliebt.  Der Dumme muss schmeicheln, ist unbedingt von seinen Mitmenschen abhängig, das hat man gern und man hält sich einen großen Anhang solcher Kreaturen. Gerade wie Fasanen. Die Fasanenzucht und das Halten von Fasanen wird immer mehr Mode. Man schämt sich beinahe, gestehen zu müssen, man habe keine Fasanen im Revier.

Und mit dem Zunehmen des Fasanenstandes muss der Fuchs weichen und mit dem Fuchs der Dachshund. Oder lohnt es sich wegen zwei, drei Füchsen, die der Nachstellung glücklich entkamen, ebenso viele Dachshunde zu halten? Nein! Man legt ihnen Eisen und Gift, das ist billiger. Es ist merkwürdig, wie der Begriff „weidgerecht" so verschieden verstanden und gedeutet wird. Der gerechte Weidmann greift zu Eisen und Gift, wenn er ein Fuchslein hinüber befördern will. Er lässt den Dachs und Fuchs tage- und nächtelang im Eisen hängend den Martertod erleiden, und bezeichnet es als verruchte Freveltat, wenn ein anderer Schlingen und Eisen legt zum Fangen von „Nutzwild". Wer den Hasen, das Huhn, den Fasan im Lager schießt, gilt als Aasjäger, mit Recht. Der weidgerechte Jäger will ihm die Möglichkeit geben, zu entkommen. Dieses Recht aber gesteht er dem Fuchs und Dachs nicht zu. Diese werden auf hinterlistige, feige Art umgebracht. Warum diese ungleiche Behandlung zweier Wildarten? Wir betreiben doch die Jagd nicht, um daraus Nutzen zu ziehen, leben zu müssen. Wir betreiben sie zu unserer Erholung, als Sport. Und wer einen Sport treibt, trachtet darnach, sich zu vervollkommnen, den Gipfelpunkt zu erreichen, sich körperlich and geistig zu entwickeln und frisch und gesund zu halten. Mich will es dünken, dass einer nach zehnjähriger Lehrzeit die Hasen- und Hühnerjagd satt bekommt und nach stärkeren Reizmitteln sucht. Er überlässt den Abschuss des Kleinnutzwildes dem Anfänger, dem weniger Begabten und dem Personal, während er sich zum Pirsch- und Raubzeugjäger entwickelt. Die weidgerechte Jagd auf den Fuchs und Dachs ist einer der schönsten, genussreichsten, aber auch anspruchsvollsten  Jagdarten, die wir kennen. Sie stellt nicht nur Anforderungen an die jagdlichen Fähigkeiten, sondern auch an dessen physisches Vermögen. Die Jagd unter der Erde ist überdies, abgesehen von der Pirsch auf Grattiere im Hochgebirge, diejenige, die dem menschlichen Körper am zuträglichsten ist, die die Muskeln des Körpers in gleicher Weise , anstrengt und entwickelt, die keine Fettleibigkeit aufkommen lässt. Diese Jagd sollen und müssen wir selbst betreiben, denn  überlassen wir sie dem Personal, so kommen wir um die herrlichsten Weidmannsgenüsse und Jagdtrophäen.

Um aber mit Erfolg die Bodenjagd betreiben zu können, müssen wir einen gewissen Bestand von Füchsen und Dachsen dulden, selbst auf Rechnung des Kleinwildstandes. Was macht’s? Mir ist ein Fuchs lieber wie zehn Hasen. Die Arbeit des Dachshundes entschädigt uns reichlich für deren Ausfall. Wir sind doch keine Krämer, haben einen anderen Beruf, mit dem wir unsern Unterhalt verdienen. Wir betreiben die Jagd,weil wir müssen, aus innerem Antrieb, dem wir nicht widerstehen können. Ein Stück Urmensch steckt in uns. Wir sind Raubtiere und werden es bleiben. Seht diese verfeinertenKulturmenschen an. wie sie nervös sind und schwach, wie sie kränkeln und geistig verkommen. Diese betrachten uns Jäger als Barbaren, als Rohlinge. Sie begreifen nicht, wie man Hunde lieben, ein Tier töten kann. Sie betrachten den Hund als das ekelhafteste, perverseste Geschöpf, während er unser bester und aufrichtigster Freund ist. Jene schrecken vor jedem Geräusch zusammen, weil sie der Natur entfremdet sind. Bleiben wir daher Urmenschen und entwickeln wir das bisschen Talent, das vom Urmensch noch in uns steckt. Der Jagd und ganz besonders der Bodenjagd haftet manches Rohe an. Das ist wahr, aber es wird immer und ewig so bleiben, solange noch Wild vorhanden ist. Wie erbärmlich wäre unser Dasein ohne Wild. In jene Welt möchte ich mich nicht versetzt wünschen, ebenso wenig wie dahin, wo Überfluss vorhanden ist. Wie ekelhaft ist ein Tiergarten, wo die armen Geschöpfe haufenweise beieinander stehen, sich kaum rühren können und langsam verkommen; wo sie, ihrer Freiheit beraubt, dahinsiechen, wie Menschen, die man ins Gefängnis steckt jahre- und lebenslang. Sind das keine Rohheiten?

Hat denn nicht jedes Geschöpf den Drang nach Freiheit?

Wie oft schon ist es mir passiert, dass man mich einen rohen Menschen nannte, wenn ich Jagderlebnisse zum besten gab oder über Hundedressur sprach. Sie nicht begreifen, dass ich als „Kulturmensch" rohen Sport betreiben könne. Solchen Leuten bleibe ich gewöhnlich die Antwort schuldig.  Diese meinen, wir dressieren unsere Jagdhunde aus Freude am Quälen und wir gehen auf die Jagd aus Mordlust und Blutgier. Sie begreifen nicht, dass Jemand den Abschuss besorgen muss und dass gerade wir, die wir gerecht jagen, darnach streben, das Wild so schonend wie möglich zur Strecke zu bringen. Aber diesen schmeckt doch der Braten, der täglich auf dem Tische steht, dann kümmern sie sich nicht darum, wie dieses vom Leben zum Tode befördert wurde. Man sollte eigentlich über die Jagd mit Laien nicht sprechen, noch weniger darüber schreiben, denn das geschriebene gibt den Gegnern einen festen Griff in die Hand, dass Gesprochene verflüchtigt sich. Wenn ich es aber wage, mit diesem Schriftchen vor den Richterstuhl der Öffentlichkeit zu treten, so tue ich es in der Hoffnung  nicht missdeutet zu werden. Denn ich schreibe nicht um blutige Szenen zu schildern, sondern um für die weidgerechte Bodenjagd zu werben, auf dass Eisen und Gift immer mehr verdrängt werden möchten. Ich möchte  nicht schmerzbringend, sondern schmerzmildernd wirken.

 

Der Fuchs

 

Dieser arg verschriene Geselle ist gar nicht so schlimm, wie man glauben macht. Schon aus dem Grunde gebührt ihm etwelche Schonung, weil er für geordnete sanitäre Zustände sorgt im Revier; denn wo der Fuchs der Doktor spielt, sind Krankenpflege und Totengräber über­flüssig. Ab und zu kommt es schon vor, dass er irrtümlicherweise ein gesundes Stück in Behandlung nimmt, Dies aber nur im Frühjahre, zur Zeit, wo seine hoff­nungsvolle Kinderschar einen tüchtigen Appetit entwickelt und ihn infolgedessen Nahrungssorgen quälen. Und wenn auch im strengen Winter mal ein marodes Stücklein ihm zu Opfer fällt, so ist der Schaden nicht so groß.

Im übrigen sei ja nicht geglaubt, dass der Fuchs sich ausschließlich von Nutzwild nähre. Das Gegenteil ist der Fall. Der Fuchs reißt nur im Notfalle bei großem Hunger Wild. Seine Hauptnahrung besteht aus Mäusen, Käfern, Larven, überhaupt Insekten aller Art, selbst Beeren und vorzugsweise Aas. Er räumt das Revier von allem Ungeziefer und Unrat. Auch sein Haupt­konkurrent im Handwerk, die gute Mieze, muss daran glauben. Wir sehen also, der Fuchs ist ein sehr nützliches Tier. Öffnen wir, sei es zu welcher Zeit im Jahre, seinen Magen oder untersuchen wir seine Losung, so finden wir immer   und   ausschließlich Mäusehaare, Mäusezähne und Knochen und Käferschalen. Er fischt auch gut und fängt Frösche und Krebse. Zu Zeiten, wo der Fuchs notgedrungen am Wild sich vergreift, kann man den Schaden dadurch zu verringern suchen, indem man durch den Jagdgehilfen eingegangene Haustiere, Abfälle vom Schlachthaus etc. im Wald an geeigneten Stellen deponieren lässt.

Der Fuchs hat außerdem die schöne Gewohnheit, dass er Wild oder Haustiere, die in seiner Umgebung, ja sogar in weitem Umkreise, sich aufhalten, also Tiere, die er kennt und täglich sieht, verschont. Er holt sich seine Beute weit her, außer wenn ihn der Heißhunger zu anderem zwingt. Er tut dies nicht, wie viele Leute meinen, aus Schlauheit, um sich nicht zu verraten; denn er ist weder schlau noch berechnend wie der Dackel; er tut es einfach darum nicht, weil er diese Tiere kennt, mit und neben ihnen aufgewachsen ist und sie als Bekannte respektiert.

Rechnen wir auf den Nutzenkonto des Fuchses noch seinen Balg, betrachten wir die prächtige Fuchsdecke aus zwölf selbsterlegten Winterbälgen, so will es mir scheinen, als sei der Schaden, den er anstiftet, reichlich aufgehoben. So eine Decke ist wohl hundert Hasen wert.

 

Naturgeschichtliches

 

Entgegen den Behauptungen vieler Jäger und Jagdschriftsteller verlege ich die Begattungszeit des Fuchses an Hand gemachter untrüglicher Beobachtungen auf die Zeit ums Neujahr. Denn ich habe schon zu oft in der zweiten Woche März Jungfüchse gegraben. Man nimmt an, dass die Fähe wie die Hündin neun Wochen trächtig gehe; es lässt sich folglich die Zeit der Begattung sehr leicht ausrechnen. Wenn nun aber die Rollzeit nach der Meinung vieler Jäger dennoch bis Ende Februar dauern soll und nach meinen gemachten Erfahrungen schon anfangs Dezember beginnt, so muss die Hitze bei der Fähe eben viel länger anhalten als bei der Hündin. Selbstredend werden nicht alle Fähen gleichzeitig hitzig, es kann sich aber nur um eine Verschiebung von drei Wochen handeln, denn sicher ist, dass bis Anfang April alle Fähen gewölft haben. Die Annahme, dass der Jungfuchs im Mai zur Welt komme, ist absolut falsch. Es ergibt sich, dass die Hitze bei der Fähe, statt wie bei der Hündin, drei Wochen, eben beinahe zwei Monate dauert, die Zeit der Befruchtung aber sich nur auf 8 bis 10 Tage erstreckt. Es wäre diese lang andauernde Hitze dadurch zu erklären, dass dieselbe bei der Fähe nur einmal im Jahre, statt zweimal wie bei der Hündin eintritt. Ob der Begattungsakt im Baue oder im Freien stattfindet, darüber habe ich keine Beobachtungen machen können. Dagegen habe ich mehrere hundert Fuchsbaue gegraben, also das Innere der Baue gesehen; aber in keinem Falle schien mir infolge der Enge der Röhren die Möglichkeit einer Begattung im Baue vorhanden. Wenn aber dennoch während dieser Zeit Rüden und Fähen im Baue stecken, so will mir scheinen, dass die Fähe vor dem ungestümen Werben der Rüden sich eben dahin zurückzieht, um so leichter die Verfolger abschlagen zu können. Dies erklärt sich schon daraus, dass nach beendigter Hitze sämtliche Baue verlassen sind, also auch von der Fähe.

Sämtliche Jagdschriftsteller behaupten, die Füchsin gehe neun Wochen trächtig. Ich habe keine Beobachtungen anstellen können, die diese Annahme widerlegen könnten.    Dagegen muss ich an Hand meiner untrüglichen Beobachtungen und Aufzeichnungen die Behauptung widerlegen, dass die Füchsin erst Ende April oder Anfang Mai wölfe. Wie schon gesagt, hat sie dies Geschäft bis Ende März erledigt und die ersten beginnen damit schon Anfang Februar. Wenn ich nun die Zeit des Wolfens auf Februar und März verlege, so bin ich allen andern Behauptungen gegenüber um zwei Monate voraus, stehe mit dieser Ansicht vereinzelt da, will aber sofort dafür den Beweisweg antreten:

 Ich grub im März:

8. März:

Fünf noch blinde Jungfüchse mit der Fähe, die ich mit der Flasche aufzog.   Gewölft  Anfang März.   Begattungszeit Ende Dezember.

22. März:

Eine Fähe  mit 6 vollentwickelten Jungfüchsen  in  der Tracht.    Begattungszeit Mitte Januar.

27. März:

Meine Dachshündin brachte mir drei abgewürgte Jung­füchse aus dem Bau.   Gewölft  Mitte März.   Begattungszeit Mitte Januar.

30. März:

5 Jungfüchse mit der Fähe. Jungf. ca. 4 Wochen alt, schwerster 1 Kg.   Gewölft  Anfang März.   Begattungszeit Ende Dezember.

Im April:

8. April:

5 Jungfüchse, 1 Fähe. Jungf. etwa sechs Wochen alt. Gewicht zusammen 8,500 Kg. Durchschnitt pro Jungf. 1.700 Kg.   Gewölft Ende Februar.   Begattungszeit Ende

Dezember. 8. April:

2 Jungfüchse,   noch   blind,   10—12 Tage   alt.    Gewölft Ende März.    Begattungszeit Ende Januar.

12. April:

11 Jungfüchse, l Fähe. Jungt. im Durchschnitt 750 Gr.,
etwa 4 Wochen alt. Gewölft Mitte März. Begattungszeit Mitte Januar.

16. April:

6 Jungfüchse, 1 Fähe. Es sind von zwei verschiedenen
Würfen. 4 sind je 1,150 Kg. und 4 je 650 Gr. schwer.
Erstere verfärbt, letztere zum Teil noch grau. Gewölft Mitte März—Ende Februar. Begattungszeit Ende Dezember—Mitte Januar.

17. April:

8 Jungfüchse, zusammen 12 Kg-, stärkster 1.800 Kg-,
geringster 1.100 Kg. Alter 6—7 Wochen. Gewölft An-
fang bis Mitte März. Begattungszeit erste Haine Januar.

22. April:

11 Jungfüchse, stärkster 1,750 Kg.. geringster 1.250 Kg.
5—6 Wochen. Gewölft anfang März. Begattungszeit
Anfang Januar.

     24. April:

2 Jungfüchse im Gewicht von 2,370 Kg. und 2,100 Kg.
Alter mindestens drei Monate. Vollständig verfärbt.
Gewölft Anfang Februar. Begattungszeit Anfang Dez.

      26. April:

6 Jungfüchse. Nähere Angaben fehlen.

  Im Mai:

6. Mai:

12 Jungfüchse. Ein Geheck von 5 und eines von 7 Stück.
Gewollt im Februar. Begattungszeit Anfang Dezember.
Gewicht der fünf: 2,400, 2,400, 2,320, 2,270, 2,180 Kg.;

Gewicht der sieben: 2,400, 2,320, 2,250, 2,070, 2,020,
1,900, 1,600 Kg. An einem Tage 12 Jungfüchse im Gesamtgewicht von 26,130 Kg.

10. Mai:

2 Jungfüchse zu je 2 Kg. Gewollt Anfang März. Be-
gattungszeit Anfang Januar.
17. Mai:

1 Jungfuchs zu 2,520 Kg. Gewölft Anfang März. Be-
gattungszeit Anfang Januar.

Meine Aufzeichnungen reichen weiter bis Ende Mai, doch nimmt die Strecke von der ersten Woche im Mai stark ab, so dass von dieser Zeit an ganze Gehecke keine mehr zur Strecke kamen und nur noch einzelne Jungfüchse gegraben werden konnten.   Die größte
Strecke hatte ich immer im April zu verzeichnen, später wandern die Füchslein umher und sind nicht mehr sicher im Baue anzutreffen. Also von der Zeit an, wo, wie es im Buch steht und die Fähe wölfen sollte, habe ich das Graben auf Jungfüchse schon aufgesteckt, weil mir diese schon zu alt und der Erfolg ein negativer war. Jungfüchse sind bis zum 21.—22. Tage blind. Ich grub des öfteren blinde Jungfüchse, die ich aufzog und die erst nach 14—15 Tagen anfingen, die Augen zu öffnen, obwohl sie am Tage des Fangens nach meiner Schätzung 8 Tage alt waren.

Jungfüchse sind anfänglich dunkelgrau, mäusefarbig, dann etwas heller grau und fangen mit der fünften Woche an gelb zu färben, welches am Kopfe beginnt und über den Rücken verläuft. Die weiße Kehle, Wangen und  Brustzeichnung erscheinen erst allmählich, während die Rutenspitze weiß gewölft wird. Die ersten drei Wochen liegen die Füchslein in einem Knäuel zusammen und erst mit dem öffnen der Augen fangen sie an, unbeholfen auf dem Bauche herumzukriechen. Solange leben sie ausschließlich von der Muttermilch, während die Fähe anfängt Fraß herbeizuschleppen. Erst immer Vögel, Mäuse, Käfer, Würmer Schnecken, Frösche etc, welche Portionen mit der zunehmenden Quäsigkeit der Kinder vergrößert werden. Jungfüchsen geht es besser als vielen Menschenkindern. Sie haben Nahrung in Überfluss und zudem solche, die für den Fuchsgaumen die feinste Delikatesse bedeutet.   Außerdem sind Reserven in großer Menge vorhanden, so dass, wenn die sorgende Mutter einen Tag oder zwei ausbleiben sollte, für die Kinder dennoch gesorgt ist.

Einmal fand ich in einem Bau von Jungfüchsen: 4 Katzen, 3 Maulwürfe, l Ratte, l Feldmaus, 3 alte Hasen, l Kalbsfuß, l Krähe, l Haushuhn, und bei einem ändern: 3 Krähen, 2 Haushühner, 2 Katzen, l junges Schwein, 4 Mäuse, l langen Kuhdarm, l Halsröhre von einer Kuh, viele Hasen- und Katzenknochen, 4 kleine Vögel, l Hundeschädel, l alten Hasen und l Mäusefalle. Das Herbeischleppen von Fraß für die 

Fuchskinder besorgt ausschließlich die Fähe. Ich weiß, dass ich
mit dieser Behauptung bei vielen Jägern auf Protest stoße. Aber ich betrachte es als eine ganz irrige Ansicht, dass der Rüde sich an diesem Geschäft beteilige. Der Rüde hätte strengen Dienst, wollte er allen seinen Weibern, die oft stundenweit auseinander wohnen, behilflich sein und umgekehrt hätte die Fähe sich nicht um Nahrungssorgen zu kümmern, wenn ihre sämtlichen
Galans im, Herbeischleppen von Fraß miteinander wetteifern würden. Der Rüde bekümmert sich einen Pfifferling um seine Familie, die er überhaupt gar nicht kennt und auch nicht kennen kann. Meine Beobachtungen an ganzen Gehecken von Jungfüchsen haben übrigens ergeben, dass das Verhältnis zwischen Rüden und Fähen wie l : 2 steht. Auf einen Rüden treffen demnach zwei Fähen. Welche ist nun seine Frau? Beide und noch eine ganze Anzahl andere dazu. So steht es mit dem gerühmten Familienleben derer von Reineke. In keinem Falle habe ich je einen alten Rüden im Baue von Jungfüchsen angetroffen. Dagegen oft zwei alte Fähen. Geht aber einer Fuchsfamilie die einzige Stütze, die Mutter, verloren, so sind die Kinder nicht dem Hungertode preisgegeben, wie es andern Tieren und Menschenkindern ergeht. Die Fuchsgemeinde hat vielmehr eine geordnete Waisenversorgung, besser als viele Menschengemeinden, wo die arme Waise verdingt wird an die Mindestofferte und dort gegen strenge und harte Behandlung magere Kost erhält. Fuchswaisen sind besser dran. Kehrt die Mutter nicht mehr zu den Kindern heim und sind die Vorräte alle aufgezehrt, so heulen diese Nachts solange in den Wald hinaus, bis Rettung kommt. Sei es nun eine vom Raubzug heimkehrende Fähe oder
sogar ein Rüde, das ist einerlei, sie werden versorgt.
Dabei habe ich aber die Beobachtung gemacht, dass solche Jungfuchswaisen ihren Muterbau  verlassen oder wenn noch zu klein, von Alten weggetragen und eine'n andern Geheck beigegeben werden. Ich habe öfters an einem Bau Jungfüchse gegraben, die, der Größe nach zu schließen, mehreren Gehecken angehört haben. Auch habe ich schon die Fähe mit einigen Jungen, aber allem
Anschein nach nicht mit allen erwischt. Der Rest blieb dennoch da und war nach einigen Tagen mit irgendeinem Fraß versehen.

Mit welcher Zähigkeit die Fähe trotz körperlichen Gebrechen für ihre Junger, sorgt, habe ich in einein eklatanten Fall gesehen. Ich grub ein Geheck kräftiger, gesunder, schon sehr großer Jungfüchse und die Fähe dazu. Diese hatte den linken Hinterlauf oben total weggeschossen und den rechten zur Hälfte. An diesem fehlte der Unterlaufknochen, dagegen waren die Zehen am Kniegelenk angewachsen. Der ganze Mittelhandknochen also war weg, der Lauf um 7 cm kürzer und steif. Das Tier hatte also nur noch einen und zwar ver­stümmelten  und  steifen  Hinterlauf. In den   Knochen staken mehrere eingekapselte Schrote.   Das Ganze war sauber vernarbt und es mögen Monate seit der Kata­strophe   verstrichen   sein.    Dieser   Fähe   ist   es   aber dennoch, trotz äußerst schlecht besetzten Reviers, gelungen, sich und sogar ihre sehr zahlreiche Familie zu ernähren und würde auch noch öfters Junge zur Welt gebracht und sie ernährt haben, hätte sie nicht frühzeitig der Tod ereilt.

Über die Art und Weise, wie die Fähe ihre Jungen vor dem Angriffe der Feinde schützt,   kursieren   recht alberne Ansichten.   Von der Annahme ausgehend, dass  alles, was gedruckt ist, wahr sei, werden von Leuten Sachen behauptet, die grundfalsch sind.   Selbst recht brave Jagdschriftsteller begehen den Fehler, um ihrem Werke den Stempel   der Vollständigkeit   aufzudrücken, Sachen, die sie weder selbst beobachtet, noch von glaubwürdigen Leuten   gehört   haben,   aus   Büchern   abzuschreiben, im guten Glauben,   dass derjenige,   welcher jenes Buch   geschrieben,   wohl   aus   eigener Erfahrung seine Beobachtungen zu Papier gebracht habe.   So steht im Buche  geschrieben:   „Die   Füchsin   verteidigt   ihre Jungen bis aufs Äußerste mit eigener Lebensgefahr". Und ich sage: „Die Füchsin lässt ihre Jungen feige im Stich und flüchtet sich, so schnell sie kann, ihre Jungen dem Schicksal überlassend.   Der Tod ihrer Kinder wird ihr zum Lebensretter, indem der Hund mit den Jungen sich balgt und der Alten dadurch Zeit lässt, sich abseits zu drücken."

Es ist schon vorgekommen, dass in einem kleinen Bau, wenn die Fähe im Endrohr steckt und nicht springen kann, diese vor den Jungen sich postiert und den Kampf mit dem Hund führt.    Hat sie aber einen Ausweg, so wird sie sicher in den ersten fünf Minuten springen.

Jungfüchse unterscheiden sich, wie schon erwähnt, von andern Säugetieren, z. B. vom Menschen, dadurch, dass sie nicht wie jene bei der Geburt das „Licht der Welt erblicken“, sondern erst vier Wochen später. Erst sind sie drei Wochen lang blind, dann fangen sie an zu kriechen und auf ihren unterirdischen Wanderungen rücken sie jetzt allmählich gegen das Tageslicht vor und nach und nach verspüren sie den Drang in sich, die Schönheiten der Außenwelt kennen zu lernen. Nur ganz schüchtern wagen sie sich dem Ausgang der Röhre zu und glotzen mit ihren noch trüben, milchblauen Augen stumpfsinnig in die Welt hinaus.

Einmal pirschte ich mich vorsichtig an einen Bau heran, in dem ich Jungfüchse vermutete und wartete. Nicht lange dauerte es, so wurde es lebendig bei den Röhren. Ich pirschte mich näher und sah eine ganze Anzahl Jungfüchse, noch grau, aber am Kopf ins Gelbliche gehend, ca. 5 Wochen alte Tiere. Sie waren ganz vertraut und kannten die Gefahr nicht, in der sie sich befanden. Schließlich stand ich mitten unter ihnen, sie äugten mich dumm an und ich versuchte, eines mit der Hand zu fangen. Darauf zogen sie sich in die eine Röhre zurück und betrachteten mich. Ich kniete nieder, um eines mit schnellem Griff zu erhaschen, aber es misslang. Ich entschloss mich, die ganze Bande lebend zu fangen. Vor der bevorzugten Röhre schaufelte ich eine mannstiefe Fallgrube mit senkrechten Wänden, verblendete diese oben mit Reisig und Laub derart, dass sie vom Erdboden nicht zu unterscheiden war. Ich ging nun fort, kam nach drei Stunden zurück und wie viel Jungdachse glauben Sie, dass in der Grube staken. Gar keiner sondern nur der Alte.   Nicht etwa der alte Fuchs, sondern der alte Bauer, dem der Wald gehörte. Dieser alte Trottel musste in die Grube fallen wie ausgerechnet, als ob er im ganzen Wald gerade keinen anderen Weg hätte passieren können. Glücklicherweise nahm er keinen Schaden, aber er schimpfte dennoch aus Leibes­kräften und sagte etwas von „Hals und Bein brechen", ich aber schimpfte noch mehr, weil er mir das ganze Geschäft verdorben hatte.

Sind die Füchse schon an das Licht gewöhnt, so werden sie frech und halten sich tagsüber meist vor dem Baue auf. Mit einiger Übung lässt sich jetzt das Alter, ohne sie zu sehen, leicht bestimmen. Denn je weiter im Umkreis ihre Spuren sich zeigen, desto älter sind sie. Vorerst wagen sie sich nur einen Schritt vor die Röhre. Acht Tage später ist der Kreis, in dem sie sich bewegen, schon fünf Schritte im Durchmesser und be­reits liegen Mäuse, kleine Vögel oder deren Fragmente da. Nach weiteren acht Tagen tummeln sie sich bis zwanzig bis dreißig Schritte herum und zertreten alles im ganzen Umkreis. Auch liegen jetzt schon Überreste von Haushühnern, Wildenten, Hasen und Katzen herum. Bald werden sie frecher, gehen schon in die nächste Dickung, oder, wenn das Feld nicht weit, bis zum Wald­rand, um aber beim geringsten Geräusch blitzschnell in den Bau und zwar auf dem schon genau beschriebener Wechsel zurückzukehren.

Es gehört zu meinem besonderen Vergnügen, dem Treiben der Jungfüchse zuzuschauen.  Um sich diesen  Genuss verschaffen zu können, muss man aber allein gehen, ohne Begleitung, ohne Hund.   Denn das leiseste Geräusch verdirbt den Spaß.  So hatte ich im März einmal die Baue revidiert und einige als befahren angesprochen.   Ich ging nicht mehr bis am 21. April. An diesem Nachmittage setzte ich mich auf das Rad und fuhr in den Wald. Ich fuhr so leise auf dem Waldweg, dass ich bis nahe an den Bau vorrücken konnte. Nun sah ich plötzlich einen alten Fuchs vom Baue wegschnüren und im Walde verschwinden. Ich legte mein Rad auf die Erde und pirschte mich bis auf zwanzig Schritte heran und nahm Deckung hinter einem Stamm. Das Schauspiel, das ich nun über eine halbe Stunde lang betrachtete, haben wenig Sterbliche gesehen. Ich zählte auf dem Baue 12 Jungfüchse. Zwei Gehecke. Fünf schon ganz gelbe, kräftige Füchse beschäftigten sich mit einem größeren Gegenstand. Wie es sich nach­her herausstellte, war es ein prächtiger Haushahn. Und sieben Stück etwas geringere, noch nicht ganz verfärbte Füchse, trieben die tollsten Spiele mit einander. Während einige sich balgten wie junge Hunde, trieben andere „Verstecken". Einer stellte sich frech, herausfordernd hin, worauf die anderen eine Attacke machten, aber im selben Moment verschwand der Frechling unter der Erde und sauste pfeilschnell aus einer anderen Röhre heraus, dasselbe Spiel von neuem beginnend. Schließlich gab es eine allgemeine Rauferei, um aber wie auf ein verabredetes Zeichen plötzlich unter der Erde zu verschwinden, aber auch im selben Moment wieder auf allen Punkten zu erscheinen. Oft glaubte ich, man hätte mich bemerkt, wenn die ganze Bande wie ein Blitz in den Boden fuhr. Aber es war lauter Übermut und von allen Seiten erschienen sie wieder auf der Bildfläche. Schließlich, als ich dem Theater genügend zugeschaut, pirschte ich mich ebenso vorsichtig, wie ich gekommen, wieder weg, hockte auf mein Rad und entwarf im Heimfahren den Feldzugsplan für morgen.

Ich lud eine größere Gesellschaft von Herren und Damen ein und andern Tags nach leichter Arbeit von drei Stunden waren von den zwölf Füchsen elf Stück mein, wovon acht lebend im Sack.    Der Rest wurde von den Hunden abgewürgt und einen bekam ich nicht.  Dieser   mag wohl   abgewürgt von den Hunden   liegen gelassen worden sein.

Damals konnte ich mich rühmen, in einem Frühjahr fünfzig, sechzig und mehr Jungfüchse gegraben zu haben.

Ich glaubte eine Heldentat im Sinne der weidgerechten Jagd verübt und heute bedauere ich, es getan zu haben. Ich bin ein direkter Gegner der Ausrottung der Jungfüchse geworden.    Heute lasse ich sie alle leben und freue mich auf deren Jagd im Herbst und Winter.

 

Der Dachs

 

 

Harmloser als der Fuchs ist wohl der Dachs. Weniger nützlich, weniger schädlich. Obwohl auch er ein gewandter Räuber ist, so besteht doch seine Haupt­nahrung aus Mäusen und Käfern. Mäusegänge gräbt er mit großer Gewandtheit und macht oft lange Furchen in Wiesen und Saatfelder. Beginnt die Fruchtreife, so tut er sich gütlich daran, dagegen frisst er nur, bis sein Wanst gestopft ist und trägt keinen Frass in den Bau, selbst nicht für seine Jungen, auch keine Wintervorräte. Obwohl der Dachs mit außerordentlicher Geschicklich­keit kleine Tiere wie Junghasen, Rebhühner, Fasanen fängt, so ist der Schaden, den er anrichtet, größer in landwirtschaftlicher als in jagdlicher Hinsicht. In Rebbergen soll er bedenklich hausen. Es wird oft der Ver­such unternommen, den Dachs als harmlosen Burschen hinzustellen, der zu plump und träge sei, ein Tier zu fangen. Ich kann an Hand eigener Beobachtungen das Gegenteil berichten.

Ich grub einmal einen ganz alten Dachs und nahm ihn lebend heim. Zu Hause steckte ich ihn in einen großen hohen Parterreraum mit vier glatten Wänden. Nichts war darin als eine hohe Leiter und auf dieser hockte mein zahmer Rabe. Dem Dachs gab ich eine Schüssel mit Milch, Äpfel, gekochtes und rohes Fleisch und rohe Kartoffeln. Am andern Tag waren diese sämtlichen Esswaren unberührt,   dagegen   vom Raben   lagen   nur noch vereinzelte Federn da. Diesen hatte er von der Leiter heruntergeholt und verzehrt. Die Türen waren fürchterlich zugerichtet, sodass er eine zweite Nacht wohl kaum in dieser Gefangenschaft geblieben wäre. Ich fing ihn dann in einer Zementröhre und steckte ihn in den eigens gebauten Raubzeugzwinger, der seinen brutalen Angriffen Stand hielt. Dort nährte ich ihn mit Milch, Fleisch und Reis. Hatte ich aber lebende Spatzen gefangen und gab sie ihm hinein, so erhaschte er diese so schnell und gewandt, dass man sich von solcher Flinkigkeit gar keinen Begriff macht. Er war überhaupt ein mürrischer und gewalttätiger Geselle, so dass ich ihn im Herbst laufen lies.

 

Naturgeschichtliches.

 

Über den Dachs, seine Lebensweise und Kampfesart herrschen entweder Dunkelheiten oder teils ganz falsche Ansichten. Seine Rollzeit wurde bisher meistens auf Oktober verlegt, nun ist es aber nachgewiesen worden, dass er schon im Juli rollt. Ein Jäger fing anfangs August eine Dächsin im Eisen. Sie war nur schwach verletzt, wurde daher am Leben gelassen und In einen Zwinger gesteckt. Im Februar darauf wölfte die Dächsin, ohne dass sie in der Zwischenzeit mit einem Dachs in Fühlung gekommen wäre.

Sollte es sich nur darum handeln, den Dachs auszurotten, so hätte man leichtes Spiel. Einmal vermehrt sich der Dachs nur schwach, indem die Dächsin höchstens drei Junge wölft. Dann wölft sie zu einer Zeit, wo man noch eifrig dem Fuchs nachstellt, im Januar oder anfangs Februar.  Fährt der Hund in einen Bau ein, wo junge Dachse sind, so sind diese rettungslos verloren. Die Dächsin flüchtet sich vor dem Hunde in entfernte Röhren und überlässt die Jungen ihrem Schick­sal. Ich hatte einmal eine Hündin, die mir in einem Monat 22 junge Dachse aus dem Bau brachte, alle mit eingedrücktem Schädel. Das tat mir schließlich so leid, dass ich von dort ab die Bodenjagd im Februar und März ganz aufgab. In der Regel waren je drei Stück beieinander.

Einmal aber gelang es mir, drei junge Dachse lebend und unverletzt zu fangen. Es war am 30. März 1899. Ich glaubte, auf Füchse zu graben. Mein Hund lag lange Zeit am selben Ort laut Hals gebend vor, als die Röhre durchbrach, war ich auf einem Kessel und die Jagd ging weiter in eine Seitenröhre fort und verschwand. Jetzt aber hörte ich quietschen. Ich grub weiter und zu meiner großen Freude erblickte ich drei junge Dachse, die ich sofort fasste und herauszog. Sie wehrten sich gar nicht, waren ganz zahm und blieben es. Ich steckte sie in meine weite Rocktasche, und als ich am Abend am Stammtische erschien, stellte ich alle drei auf den Tisch zum Gaudium der anwesenden Herren. Die Dächslein waren ganz wollig, hellgelb und kugelrund mit den zwei schwarzen Streifen von Nase zu den Lusern, wundernette Tierchen. Das erste, was diese nun unternahmen, war, dass sie in die Rockärmel der Herren sich verkrochen, wo sie mit einer unglaublichen Schnelligkeit verschwanden.

Zu Hause steckte ich sie in ein unbewohntes Zimmer und richtete ihnen ein warmes Lager her und als ich andern Tags nachsah, waren alle drei verschwunden. Dem spurenkundigen Jäger fiel aber gleich ein Häuflein Rosshaar am Boden dicht beim Kanapee und ein kleines, kaum   kinderhandgroßes   Loch   im   Stoff am   unteren Ende auf. Da hatte sich ein Schlingel hinein und hinauf bis zum Sitz gearbeitet, wo er ruhig schlief. Der zweite stak in gleicher Weise am andern Ende des Kanapees und der dritte Schlauberger grub sich direkt mitten in das Flaumkissen, das auf dem Kanapee lag, hinein.

Mit einiger Mühe wurden die Kerlchen wieder ausgegraben, worauf sie sich sofort anschickten, durch meine Hosenbeinstöße hinaufzuklettern. Um ein allzu weites Vordringen zu verhindern, war ich genötigt, die Hosen von oben her aufzuknöpfen und sie da herauszuziehen, denn rückwärts saßen sie zu fest.

Nun musste man durch Zuführung von Nahrung die kleine Gesellschaft am Leben zu erhalten suchen, was mit leichter Mühe gelang, indem die Fresssäcke die Milchflasche, ohne sich einen Moment zu besinnen, gierig anfielen. So wuchsen sie und gediehen vortrefflich, aber eines Morgens fanden wir den einen in einem Vorhänge erhängt. Statt unter dem Vorhange durch­zukriechen, wollte er durch denselben hindurch. Er kratzte ein Loch auf. steckte den Kopf hinein und wollte sich so durcharbeiten, was ihm aber, weil das Tuch lose hing, nicht gelang.

Ich grub aber bald wieder einen jungen Dachs und die Gesellschaft war wieder vollständig. Ich hatte da­mals junge und alte Dachshunde, Laufhunde, Vorsteh­hunde. Alle diese Hunde gewöhnten sich bald an die jungen Dachse und taten ihnen kein Leid an. Die Dachse krochen ohne weiteres zu ihnen hinein, weil sie der Wärme bedurften und alle vertrugen sich gut. Nun sollte eine Laufhündin werfen. Ich richtete ihr in einer Kiste im selben Räume, wo die Dachse waren, ihr Lager her. Die Dachse schliefen in ihrer Kiste. Es war mittags und die Hündin begann zu werfen. Ich ging zum Essen und war gespannt auf den Wurf; als ich wieder kam, was sah ich? Die Hündin hatte mittlerweile fünf Junge zur Welt gebracht, die kräftig an den Zitzen sogen und neben ihnen lagen in Reih und Glied, ganz selbstverständlich, die drei Dachse, alle wetteiferten miteinander im Kneipen.

Wohl machte die Hündin Versuche, die frechen Eindringlinge über Bord zu schmeißen, aber sie kamen immer wieder, bis die gute Hündin das Zwecklose ihrer Bemühungen einsah und sie gewähren lies. Als die Witterung milder wurde, kamen die Dachse, die jungen Laufhunde und Dachshunde zusammen ins Freie auf die Terrasse, wo ich ihnen aus Petroleumfässern warme Lager herrichtete. Aber nun musste ich die Erfahrung machen, dass die kühle Nachtluft dem Dachse nicht zuträglich ist. Zwei davon gingen mir an Lungenent­zündung ein; den dritten brachte ich durch. Hätte ich: aber alle drei großgezogen, sie hätten mich bankrott gefressen. Bis Ende Juni war ihnen keine andere Nahrung beizubringen als Milch, aber dafür große Quanti­täten, Und nur aus der Flasche wollten sie selbe haben.; Wer nicht gleich den Gummilutscher erwischte, packte einen Finger und lutschte daran in der Hast Später fingen sie an, mit den übrigen Hunden aus einer Schüssel zu fressen, aber mit einer Gier, die die der Hunde weit in Schatten stellt.

Wir wissen doch, dass Hunde sehr eifersüchtig auf einander sind beim Fressen, dass man ihnen das Fressen in verschiedenen Schüsseln verteilen muss, um Raufe­reien zu vermeiden. Das wurde bei uns auch immer so gemacht. Aber unser Dachs übertraf an Fressneid, Frechheit und Unverschämtheit alles bisher da gewesene. Wenn das Fressen in den Schüsseln verteilt und das Zeichen zum Fressen gegeben war, stürzte er sich von einer  Schüssel  zur  andern,  warf  die  Hunde  mit dem

Hunde  mit dem Grind im weiten Bogen weg und packte schnell die besten Brocken. Das machte er mit einer solchen Fertigkeit und Kraft, dass er unbedingter Herr bei den Mahlzeiten war. Selbst alte Hunde schmiss er, indem er von hinten unter sie hineinkroch, weit weg. Dabei biss er aber nie zu, sondern verließ sich auf seine Nackenkraft. Wurde er selbst von Hunden im Zorn gebissen, so versteckte er seinen Grind blitzschnell unter seine Vorderpranken und lies sich ruhig in seinen Fett­wanst beißen.

Nach dem Fressen war wieder alles friedlich; nur glaubte er ein Anrecht auf das beste Lager zu haben, was öfters harte Kämpfe absetzte. Der Dachs ist un­bedingt ein geselliges Tier. Allein würde mein Dachs nie geschlafen haben, sondern immer bei den Hunden und dabei verlangte er für sich kein eigenes Lager, sondern er wollte da hinein, wo die meisten Hunde lagen. War kein Platz, so warf er die Überzähligen einfach kopfüber hinaus. Er war bald der stärkste der ganzen Gesellschaft, so dass höchstens der alte Vorstehhund ihm noch gewachsen war. Aber diesen respektierte er eben sowenig wie die Kleinen und so kam es oft zu erbitterten Kämpfen, die ich dann durch mein Dazwischenkommen teilen musste.

Mich konnte der Dachs gut leiden und tat mir niemals weh, selbst nicht, wenn ich ihn direkt am Fang fasste und wegtrug. Meist packte ich ihn am Genick, wie man Dachshunde fasst und trug ihn auf den Armen weg.

Wenn er genug gefressen hatte, so machte er dann die tollsten Sprünge. Auch verlangte er ein Bad, was er uns dadurch anzeigte, dass er aus der Wasserschüssel sich mit dem Kopf Wasser über den Rücken hinwarf und dann sich tüchtig schüttelte.   Wir gaben ihm eine große Wanne, dann stürzte er sich kopfüber hinein, schüttelte und puderte sich, dass es eine Freude war, zuzuschauen. Dies Geschäft besorgte er jeden Tag bei warmem Wetter.

Der Dachs ist überhaupt ein sehr reinliches Tier. Seine Losung setzte er immer in ein eigens zu diesem Zweck gegrabenes Loch. War dieses angefüllt, so grub er irgendwo im Garten ein neues.

Wir hielten ihn nämlich, als der Sommer begann, frei im Hundezwinger und im Garten. Doch da brach er öfters aus. In der Regel aber nur Sonntags nachmittags, weil dann größere Ruhe herrschte als an den übrigen Tagen. Dann bummelte er von Garten zu Garten im ganzen Villenviertel herum und verbreitete bei der weiblichen Bevölkerung großen Schrecken; grub sich durch oder kletterte über die Zäune. Einmal machte er einen Spaziergang in die Stadt, wollte sich dort bei allen Hunden anfreunden, was ihm indes nicht gelang, da alle vor ihm Reißaus nahmen; ein andermal ging er in eine benachbarte Wiese, Mäuse graben. Der Besitzer benachrichtigte uns davon. Da niemand zu Hause war wie meine Frau, steckte sie Zucker ein und ging den Joggeli rufen. Dieser kam auch allso gleich und lies  sich ruhig Heimtragen.

Im Herbst war er groß und stark, wog 21 Pfund, wurde rauflustig, aber nur gegen Hunde. Die Rauferei war sein beliebtester Sport und immer ergriff er die Offensive. Ich betrachtete ihn im übrigen für harmlos und gutmütig bis im

Frühjahr, als er jährig war und ich im Garten ein fürchterliches Kindergeschrei vernahm. Ich sprang hinaus, da hatte der Dachs mein damals dreijähriges Mädchen an der Wade erfasst und riss und schüttelte und Hess nicht mehr los. Mein Knecht war auch  schon  dabei  und  schlug  mit den Stiefelabsätzen auf das wütende Tier ein. Erst bei meiner Ankunft hielt er inne und wurde vernünftig.

Die Ursache über diese Tat klärte sich aber bald auf. Meine Frau war mit dem Kinde und dem Dachs im Garten und spielten miteinander. Da kam ein Freund von mir mit einem Vorstehhund, welcher vom Dachs attackiert wurde. Es gab einen wütenden Kampf, während dessen der Dachs, in der Meinung, er fasse den Hund, blindlings drauflos biss und statt des Hundes braune Schenkel die braunen Strümpfe des Kindes erwischte. Das war seine letzte Heldentat. Ich tat ihm zwar nichts, verkaufte ihn aber an einen Wirt, welcher einen kleinen Tiergarten als Attraktion für das Publikum hielt. Dort wurde er in einen Käfig gesteckt. Den Entzug der Freiheit nahm er aber so übel, dass er das Fressen verweigerte und bald darauf verendete.

Über die Kampfesweise des Dachses kursiert nur die eine Ansicht, nämlich, dass er weniger mit dem Gebiss als mit den Pranken schlage und so die Hunde schwer verletze, und ich behaupte: der Dachs schlägt mit den Pranken überhaupt nicht. Auch soll er im Frühjahr, wenn er Junge hat, dem Hunde besonders gefährlich sein.

Es ist richtig, dass der Dachs im Frühjahr viel gefährlicher ist als im Herbst und Hunde weit schwerer geschlagen werden. Dies kommt aber nicht davon her, weil er die Jungen verteidigt, denn das tut er nicht, sondern der Grund liegt darin, weil der Dachs im Früh­jahr gelenkiger und gewandter ist, als im Herbst, weil er dann sein dickes Fettpolster aufgezehrt hat und um 10 Pfund leichter ist. Der Jäger sagt, im Frühjahr ist der Dachs bös. Warum? Weil er im Herbst ein dicker, ungelenker, phlegmatischer Kerl ist, der seine Röhre so voll stopft, dass er sich darin kaum rühren kann. Das sind die Gründe, warum der Dachs im Frühjahr dem Hunde gefährlich wird. Und dazu rechnen wir noch seine enorme Körperkraft, die dem stärksten Erdhunde noch weit über das Doppelte überlegen ist.

Der Dachs verteidigt sich gegen den Hund, indem er ihm die Seite oder den Hinterteil zukehrt und den Grind nach unten und hinten zwischen den Vorderpranken durchsteckt, und unter dem Bauche hervor seine Hiebe mit kräftigem Gebiss austeilt. Die Ge­schwindigkeit, mit der der Dachs zwischen seinen Pranken hervor operiert, ist fabelhaft. Der Dachs schützt so seinen Grind vor den Angriffen des Hundes. Daher kommt es auch, dass Hunde sehr oft an Zehen, Läufen,  Hals, Unterkiefer, Backen und an der Seite des Körpers stark verwundet werden. Denn hat der Dachs einmal tüchtig zugefasst, so fängt er auch gleich an zu reißen und tüchtig zu schütteln und lässt solange nicht los, bis der Gegner mit kläglichem Geheul den Kampf einstellt. Lässt nun der Dachs los, so wird der Hund in der Regel den Ausgang suchen und meistens verfolgt vom wütenden Dachs, der ihm zum Geleite noch tüchtige Bisse in die Hinterläufe etc. versetzt. Wenn nun Dachse vom Hunde ebenfalls stark verwundet werden, so ist das meistens am Unterkiefer und an der Kehle der Fall, weil der Dachs, wie oben beschrieben, unter den Pranken durch seinen Unterkiefer nach oben wendet.

Das Gebiss eines Dachshundes ist in den weitaus meisten Fällen stärker als dasjenige des Dachses, dagegen hat der Dachs die weit überlegene Körperkraft, Gewandtheit und Gewicht, die er wie ein Ringkämpfer meisterlich in den Dienst seiner Verteidigung und Kampfesweise zu stellen weiß.

Der Kampf zwischen Hund und Dachs wird also nicht Fang gegen Fang wie beim Fuchs, sondern Seite gegen Seite geführt und da dies in der engen Röhre selten möglich, so wird er in der Regel in einem Kessel zum Austrag gebracht, wobei aber dem Hund nicht selten Rippen gebrochen werden. Auch kommt es vor, dass der Dachs in der Röhre sich beim Hunde vorbeischiebt, diesen jämmerlich drückt und durch das Schieben den Hund mit den Krallen schwer verletzt. So ein Hund liegt oft lange irgendwo bewusstlos, so dass der Jäger glaubt, er sei in großer Tiefe und könne ihn nur nicht hören. Wird dem Dachs die Rauferei zu bunt oder verleidet ihm infolge seines phlegmatischen Wesens, so flüchtet er sich in eine entlegene enge Röhre, gefolgt vom Hund, der sich nun gleich dahinter macht, dem eng eingekeilten Grimbart den Hintern zu bearbeiten, welches Beginnen dieser dadurch zu parieren sucht, indem er, mit allen vier Pranken schaffend, dem Hund einen Hagel von Sand und Steinen ins Gesicht und Augen wirft. Mit dieser Beschäftigung fährt der Dachs solange fort, bis zwischen ihm und dem Hund eine Barrikade errichtet ist, die ein weiteres Vordringen des Hundes unmöglich macht. Nun gibt es aber Hunde, die das Geschäft eben so gut verstehen wie der Dachs und ihrerseits das vom Vormann gelieferte Material ebenfalls nach hinten schaffen, sich so nicht selten den Ausgang vermauernd. Hat der Dachs nun keine Lust mehr, sich mit dem immer nachfolgenden Hunde in einen Kampf in dem ver­schlossenen Räume einzulassen, was für letzteren zwar lebensgefährlich wäre, so gräbt er sich schließlich senkrecht in die Erde hinein. Jetzt ist das Spiel aus. Zu diesem neuen Sport fühlt der Hund keine Lust. Bald erscheint er vor dem Bau und alle Versuche, selbst mit frischen Hunden, den Dachs zu finden, bleiben erfolglos. Der Bau ist wie ausgestorben, der Dachs hat sich verklüftet.

Ich habe einmal einem Dachs beim Verklüften zugeschaut, er ist mir vor den Augen in die Erde versunken.   Es war der alte griesgrämige Dachs, der mir den Raben gerissen und den ich im Winter laufen lies. Das ging so: Ich ging mit meinem Gehilfen in der Ab­sicht,  einen  Dachs lebend zu fangen und  nahm einen großen Sack  mit.    Der Sack wurde vorn  mit einem Holzreif   versehen    und   ausgespannt,    ähnlich    einem Schmetterlingsgarn.     Wir   gruben   auf den   Hund   und kamen dicht am Dachs herunter.   Der Sack wurde nun an die Röhrenöffnung hingehalten, doch der Dachs war nicht dazu  zu  bewegen,  in den  Sack  zu fahren.    Da er    im    Endrohr    steckte,    maßen    wir    mit    einer Rute die Länge der Röhre, welche nur etwas über einen Meter lang war und nun gruben wir dort hinunter und kamen  ihm  direkt  auf  den  Bürzel.    Dort wurde  ihm nun  der  Dachshund  angesetzt,  doch  der  Dachs  wich nicht,  sondern  fing das  Graben  an.    Es  dauerte   nur einige    Minuten,    so    war    er    verschwunden.     Wir warfen den Hund hinaus und säuberten die Röhre, aber, als wir, jeder von seiner Seite durchschauten, sah einer nur des andern dummes Gesicht, der Dachs war weg, die Röhre sauber leer.    Ich wusste schon,  der Dachs hatte sich verklüftet.   Mit dieser Endtaktik hatte er aber diesmal die Schlacht verloren.   Der Dachs stak senkrecht im Sand drin.   Bald hatten wir aber den Bürzel und die beiden Hinterpranken frei, welche nun festgebunden wurden und der Strick wurde durch ein Loch am unteren Ende des Sackes gezogen.   Wir zogen nun den Dachs aus seinem Versteck und streiften den Sack über ihn.

Verwundungen von Krallen des Dachses habe ich bei meinen Hunden niemals beobachtet, dagegen hat einmal  ein und derselbe Dachs und  zwar gleichzeitig dem einen Hund die Muskeln vom Knochen des Oberschenkels abgerissen, so dass man beim Knochen durchschauen konnte und dem andern zwei Rippen gebrochen. Beide Hunde musste man Heimtragen, erholten sich aber wieder, ohne an Schneid zu verlieren.

Wenn also Verletzungen von Krallen herrührend vorkommen, so ist das in der Weise wie oben erwähnt, wenn er sich beim Hunde durchzwängt, aber die Krallen braucht er niemals als Waffe.

Handelte es sich nur darum, den Dachs auszurotten, so wäre das ein Leichtes. Man lässt im Februar seine Jungen vom Hunde abwürgen und fängt dann die Alten leicht im Eisen. Aber das wäre eine Freveltat. Wir wollen nicht ausrotten, sondern hegen und haben wir einen guten Bestand an Dachsen, so können wir uns genussreiche Tage verschaffen; denn die Jagd auf den wehrhaften Dachs mit dem schneidigen deutschen Dachshund ist vom Interessantesten und Schönsten, was Diana uns zu bieten im Stande ist.

Und ein Teppich aus 15 selbsterlegten Dachsschwarten ist eine schöne Jagdtrophäe.

Irrig ist die Meinung, der Dachs halte Winterschlaf. Es kann vorkommen bei schlechtem Wetter und Schneegestöber, dass der Dachs den Bau nicht verlässt und 4, 6—8 Tage im Baue bleibt. Tritt aber trockenes Wetter ein, so macht der Dachs seine gewohnten nächtlichen Spaziergänge. Dachsspuren findet man den ganzen Winter über im Schnee.

Der Dachs weiß sich besser wie der Fuchs den Blicken der Menschen zu entziehen. Denn er ist von Natur aus lichtscheu und zieht nur nachts auf Raub aus und dann braucht er Ruhe. Erst wenn alles Geräusch im Walde verstummt ist, wagt er sich vor seinen Bau und zieht dann oft mit der ganzen Familie, wie Soldaten einer hinter dem andern, auf die Wanderung. Im Herbst, wenn er feist ist, wird er träge und faul und schläft mitunter in warmen Nächten im Felde unter einem Obst­baume und erwacht nicht eher, bis ihn das Tagesgeräusch aufweckt. Ein Bauer traf einen Dachs unter einem Birnbaum schlafend an, ging zurück ins Dorf und sagte es dem Jäger, welcher ihn im Schlafe ins Jenseits hinüber beförderte.

Mehr wie einmal im Oktober, wenn ich zum Dachsgraben auszog und den Bau vorsichtig betrat, hörte ich das Schnarchen des Dachses. Der alte Grimbart liebt es, in der Röhre direkt bei der Einfahrt zu schlafen. Weckt man so einen alten Herrn aus seinem Mittagsschläfchen, so fährt er laut pustend und polternd in die tiefern Gemächer.

Ich habe, so oft ich zu jeder Jahreszeit und Wetter den Bauen nachschnürte, nie das Glück gehabt, junge Dachse vor dem Baue zu treffen, dagegen belauschte ich einmal einen alten Dachs bei seiner häuslichen Arbeit. Ich zog abends vor Einnachten von der Pirsch heim. Mein Weg führte mich auf 100 Schritt bei einem Dachs­bau vorbei. Da sah ich auf einmal weiß und dann wieder rot. Ich dachte an einen Bock und schaute durchs Glas. Verschwunden. Ich blieb ruhig stehen. Da auf einmal 20 Schritte links dieselbe Erscheinung, um ebenso schnell zu verschwinden. Nun pirschte ich mich rasch auf 60 Schritte heran und nahm Deckung. Nun klärte sich das Rätsel. Ein alter Dachs war daran, seinen Bau zu putzen. Mit größter Gewandtheit kam er jeweils rückwärts aus der Röhre und warf hinter sich roten Sand aus dem Bau, mit allen vier Pranken arbeitend. Aha, so, dachte ich, mein alter Bekannter, der mir voriges Jahr meine zwei Dackel so schwer geschlagen und auf den ich einen ganzen Tag lang mit zwei Gehilfen umsonst gearbeitet. Jetzt wird abgerechnet. Und als er wieder mit einer Ladung Sand erschien, schlug meine Kugel ein. Der Dachs warf den Grind hoch auf, machte einige Schwenkungen und ver­schwand in der Röhre. Am Anschuss lag eine große Schweißlacke mit Lungenfetzen vermischt. Am andern Morgen ging ich mit den Dackeln hin, lies diese am langen Schweißriemen gekoppelt schliefen, welche sich sofort am Dachse festbissen und mit vereinter Kraft wurde der Geselle herausgezogen.

 

Die weidgerechte Jagd.

 

 

Wegen Unkenntnis der Bodenjagd überlässt der Jagdherr die „Ausrottung" des „Raubgesindels" dem Personal, welches mit allen erdenklichen unweidmännischen Mitteln zu Werke geht, während der Fuchs und der Dachs weidgerecht bejagt und zur Strecke gebracht werden können.

Kaum ist die Zeit des Haarwechsels angerückt, wird mit Tellereisen und Kastenfallen operiert und fällt sogar eine Neue, flugs liegt Strychnin auf allen Wechseln. Und der Erfolg im Verhältnis zu den Mühen ist ein ver­schwindend kleiner gegenüber der weidgerechten Jagd, dem Ausgraben und aus dem Baue sprengen.

Will man Füchse und Dachse dezimieren, ja sogar ausrotten, so wird man mit Ausgraben das Ziel leicht erreichen. Es liegt einem in der Hand, den letzten Fuchs und Dachs zur Strecke zu bringen, aber auch eben so gut zu schonen und einen gewissen Bestand zu dulden. Denn es wäre schade, wenn wir die genussreiche, fröhliche, aber auch höchst aufregende Bodenjagd missen müssten. Und es wäre jammerschade, wenn wir unsern vielseitigsten und schneidigsten aller Jagdhunde, den Dachshund, der durch falsche, verständnislose Zuchtrichtung seinem Berufe entfremdet wurde, nicht wieder der Jagd erhalten und zuführen könnten.

Schmerzlich berührt es den Jäger, wenn die schönsten, rein gezüchteten Dachshunde   durch  Nichtgebrauch während Generationen die Jagdeigenschaften verkümmert haben und zum verfeinerten, nichtsnutzigen Kanapeedackel herabgesunken sind.

Und im gleichen Verhältnis, wie der Dachshund der Jagd entfremdet wurde, hat die Fabrikation und der Gebrauch von Strychnin und Fallen zugenommen. Glücklicherweise ist seit einiger Zeit die Zucht unserer Erdhunde zum Teil in die Hände von Weidmännern übergegangen und die Zahl der Vereine zur Prüfung von Dachshunden auf deren jagdliche Eigenschaften ist im Wachsen begriffen, so dass in absehbarer Zeit der letzte Salonteckel sein nichtsnutziges Dasein beendet haben wird.

Um nun die Bodenjagd mit Erfolg betreiben zu können, ist es nötig, alle Baue in seinem und dem anstoßenden Revier zu kennen. Dann sind mindestens zwei gute, ausdauernde Dachshunde erforderlich, gutes Grabwerkzeug, dann nur das allerbeste ist gut genug, und sonstige Ausrüstung zur Bodenjagd. Und dann gehört zu allem Kenntnis der Jagd, Fährtenkunde, soweit es Fuchs und Dachs betrifft, und sehr viel Ausdauer. Mit der besten Ausrüstung ist der Dachs nicht ausgegraben und einige Zufallserfolge stempeln einen nicht zum Bodenjäger.

Weiß man alle Baue, so mache man sich daran, diese in guten Stand zu setzen. Man reinige vorab die Umgebung der Baue von allem, was den Fuchs vergrämen könnte, entferne also Papier und Tuchfetzen, ziehe in die Röhren gestoßenes Holz, Reisig, Lappen heraus und entferne es. Ist ein Bau seit längerer Zeit nicht mehr befahren, so öffne man die Röhren sauber. Bei durch Holzschlag ganz kahl liegenden Bauen sorge man dafür, dass schnellwachsendes Gestrüpp angepflanzt wird. Man richte überhaupt die Baue so wohnlich als möglich ein. Dadurch werden auch die Füchse vom Nachbarrevier, wo sie beständig beunruhigt werden, angezogen und Wohnung nehmen. Dies ist ganz besonders der Grenze entlang zu berücksichtigen. Haben wir dies alles bewerkstelligt, so verbiete man dem Jagdpersonal, die Baue zu begehen. Aufs schärfste aber verbiete man den Leuten, einen Dachshund ohne Erlaubnis des Jagdherrn schliefen zu lassen. Nicht nur wird dadurch der Fuchs und Dachs vergrämt und zum Ausziehen gezwungen, sondern der Hund verliert durch dieses un­sinnige schliefenlassen, ohne dass man auf ihn gräbt, seinen Schneid, ganz besonders aber die Ausdauer und schließlich den Appell; Eigenschaften, welche unsern Gebrauchshund vor dem dickköpfigen Salonteckel so vorteilhaft auszeichnen. Man sei überhaupt in allem, was die Bodenjagd angeht, vorsichtig und misstrauisch und hat man nicht einen absolut zuverlässigen Jagdaufseher, so revidiere man die Baue selber.

 

Das Revidieren der Baue.

 

Ich wiederhole hier noch, dass beim Revidieren der Baue der Dachshund zu Hause gelassen oder dann an der Leine geführt werden soll. Hat man einen zuverlässigen ruhigen Hund mit absolut sicherer Nase, so kann er an der Leine hingeführt werden, er wird uns beim Beschnüffeln der Röhren sofort sagen, ob der Bau be­fahren sei oder nicht Aber auch der ruhigste Hund kann vor dem stark befahrenen Baue oft ein leises Winseln nicht unterdrücken, was den nachherigen Erfolg beim Graben in Frage stellen kann. Sicherer ist immer, man lege den Hund weit vom Bau weg ab und überzeuge sich erst selber. Den Hund benütze man nur zur Bestätigung dessen, was man selbst beobachtet hat, oder in zweifelhaften Fällen. Aber nur an der Leine.

Viele Jäger und Berufsjäger meinen, es genüge, den Bauen nachzuschnüren und den Dachshund einfahren zu lassen. Gibt der Hund Hals, so ist der Bau befahren und sonst nicht. Nun laden solche Leute einem zum Graben ein, der ganze Apparat wird in Bewegung gesetzt, alles ist verproviantiert für einen Tag oder zwei und am Bau angekommen, zeigt sich, dass er leer ist. Voll Ärger zieht man von Bau zu Bau, überall dieselbe Geschichte und missmutig und verstimmt zieht man dem eigenen Baue zu.

Das Revidieren stellt schon sehr harte Proben an die weidmännischen Kenntnisse des Jägers. Es ist eines der Haupterfordernisse der Bodenjagd.

Da wir den Dachshund beim Revidieren der Baue grundsätzlich zu Hause lassen, so sind wir nur auf unsere Erfahrung und Kenntnisse in der Fährtenkunde angewiesen. Und machen wir im Herbst, bevor das Laub reißt, einen Gang von Bau zu Bau, so finden wir, dass, vorausgesetzt, es seien überhaupt Füchse ständig im Revier, die meisten Baue mehr oder weniger vom Fuchs angenommen sind. Bei allen Bauen, selbst beim Felsen­bau, wird etwas Erde ausgestoßen sein. Ist dies nicht der Fall, was vorkommt, wenn die Röhren sehr weit sind, so wird man im Innern einer der Röhren, wenn auch oft nur durch ein geringes Zeichen die Spur vom Fuchs finden und daraus schließen können, ob der Fuchs ein- oder ausgefahren ist.

Bei anhaltendem Regenwetter wird jede Spur vermischt sein.   Das ist aber auch nicht die Zeit zum Revidieren, sondern man warte eine Nacht nach Regenfall ab oder es soll mindestens seit Mitternacht nicht geregnet haben. Dann haben wir andern Tags frische und sichere Zeichen. Die Witterungsverhältnisse sollen überhaupt immer sorgfältigst geprüft werden und weiß man selbst nicht die genaue Zeit des Regenaufhörens, so erkundige man sich bei einem Eingeborenen.

Haben wir längere Zeit trockenes Wetter, so können ganz frisch aussehende Spuren dennoch alt sein. Man drücke nur zwei, drei Finger in die Erde, kratze sie mit dem Nagel und vergleiche die Spur mit diesen, so wird man finden, dass jene matter und heller aussieht wie der frische Fingerabdruck. Bei einem stark befahrenen Bau, besonders wenn Dachse darin sind, kommt es vor, dass die Einfahrt so glatt getreten ist, dass das Unterscheiden einer einzelnen Spur als eine Unmöglichkeit erscheint. Dies ist ganz besonders der Fall bei lang anhaltendem trockenem Wetter. Man achte dann ganz sorgfältig auf die kleinsten Zeichen, also auf die Abdrücke der Krallen. Findet man einen einzigen Abdruck einer Krallenspitze, so sehen wir an der Richtung, wie die Kralle eingesetzt hat, ob das Tier ein- oder ausgefahren ist.

Liegt Laub vor den Röhren und sind einige Blätter gewendet, was an der feuchten, nach oben gekehrten Seite deutlich erkennbar ist, so ist das auch eine ganz frische Spur. Dagegen kann die Richtung, nach welcher das Tier gegangen ist, nicht so leicht erraten werden.

Der Fuchs aber hat die Gewohnheit, wenn er ausfährt, sich ein oder zwei Schritte von der Röhre den Sand vom Balge zu schütteln, und sind nun die Blätter gewendet, aber sandfrei, so wird der Fuchs im Baue stecken. Sind dagegen dieselben mit Sand leicht be­streut, so ist er ausgefahren. Ist man hierüber im Ungewissen, so stecke man einfach den Windfang in die

Röhre und ziehe sich die Lunge voll. Reinekes Anwesenheit wird sich an der Nasenschleimhaut kundgeben. Auf die Nase den Bau richtig ansprechen, ist aber Sache großer Übung, lässt sich doch mancher brave Dackel irre leiten, nimmt den Bau laut an, obwohl der Fuchs kurz vorher ausgefahren ist.

Tritt eine Neue ein, so wird es jedem Jäger ein leichtes sein, die Spur richtig anzusprechen. Nicht so aber bei gefrorenem Schnee, welcher das Tier trägt und höchstens die Kralle etwas Schnee aufkratzt. Dafür aber haben wir jetzt den Farbabdruck. Fährt der Fuchs oder Dachs aus, so wird er immer etwas Erdfarbe auf dem weißen Schnee zurücklassen. Meistens aber sind seine Ballen ganz deutlich in Farbe abgedrückt, die sich nach der Seite, wo er gegangen, verringert und ganz verschwindet. Auch das Sanden ist auf dem Schnee deutlich zu sehen. Fährt er aber ein, so sind seine Ballen sauber. Dann wird die Sache schwieriger, so dass man sich oft nur auf die Nase verlassen kann.

Bei hart gefrorenem Boden ohne Schnee sieht oft der bestbefahrene Bau wie unbefahren aus. Es sind gar keine Pirschzeichen vorhanden, als das Sanden. Allenfalls herumliegende und an den Röhren hängen gebliebene Haare können alt sein. Das sind gar keine sicheren Zeichen. Im allgemeinen aber ist im Winter der Bau dennoch besser richtig anzusprechen als im Herbst. Wo alle Pirschzeichen fehlen, genügt fast immer die Nase. Denn ist der Bau befahren, so strömt immer warme Witterung heraus. Bei großer Kälte entströmt den Röhren oft ein schwaches Nebelchen.

Merkt das Tier im Innern des Baues die Anwesenheit eines Menschen, was bei gefrorener Erde die Bodenerschütterung ihm anzeigt, so wechselt es oft sein Lager und zieht weiter in den Bau. Dadurch wird die Luft in den Röhren bewegt, es stößt sie vor sich her, während es hinter sich kalte Luft nachzieht und der Geruch hört draußen bei der einen Röhre plötzlich auf, während er bei einer andern umso intensiver wird.

Auf die Nase den Unterschied zwischen Fuchs- und Dachs Witterung herauszubringen, ist so leicht, wie Veilchen von Rosen zu unterscheiden. Sind aber beide Tiere im Bau, so wird die Sache schwieriger. Doch einmal riecht's von Fuchs, das andere Mal von Dachs, je nachdem die Tiere sich bewegen.

Im Frühjahr nach beendigter Ranzzeit sind die Fuchsbaue meistens verlassen. Weder Rüde noch Fähe fahren zu Bau. Es beginnt die Schneeschmelze, und Tauwetter, vermischt mit Regengüssen, setzt den noch vor kurzem schönst befahrenen Bau in verwahrlosten, ruinenähnlichen Zustand. Während der Rüde nach stattgefundener Hochzeit sich um seine zukünftige Familie einen Teufel kümmert und seine eigenen Wege geht, sein ist die Fähe 4-6 Wochen nach Beschlag schon wieder auf der Wohnungssuche. Unruhig schnürt sie von Bau zu Bau, fährt hier etwas Erde aus und dort etwas. Sie putzt und reinigt eine Anzahl benachbarter Baue, ohne aber einen derselben zu befahren. Erst zwei, drei Tage vor dem Wölfen hat sie die Wahl getroffen und dann bleibt sie. Revidieren wir in der zweiten Hälfte des Monats März die Baue und finden wir einzelne in beschriebenem Zustande, so können wir mit absoluter Sicherheit Ende April 4-8 Wochen alte Jungfüchse graben. Haben wir aber die Gewissheit erlangt, dass in dieser und jener Gegend Jungfüchse zu erwarten sind, so beunruhigen wir die Baue während 4 Wochen nicht mehr, vorausgesetzt, dass wir uns den Genuss einer Jungfuchsjagd leisten wollen.

 

Die günstigsten Zeiten für die Jagd unter der Erde.

 

Den Dachs gräbt man am erfolgreichsten Ende September bis Ende Oktober. Dann ist er feist und seine Schwarte ist gut.. Auch ist er zu dieser Zeit phlegmatisch und wird den Hunden weniger gefährlich als zu andern Zeiten. Es sind in der Regel mehrere beieinander. Später trennen sie sich gern und kann man meistens den Dachs nur noch einzeln graben.

Im Oktober fährt der Fuchs gern zu Baue. Sein Haarwechsel hat sich bereits vollzogen, der Balg ist brauchbar. Stürme und kaltes Regenwetter treten ein, und wenn das Laub zu reissen beginnt und die Wälder lichter und unruhig werden, verbirgt sich der Fuchs mit Vorliebe in sein unterirdisches Versteck. Also zur Zeit, wo die Waldtriebe beginnen, wo es knallt und kläfft von Schützen und Tagenden Hunden, steckt der Fuchs im Bau. Tritt eine Neue ein, so wird's dem Fuchs unheimlich in der weißen Landschaft mit den ver­änderten, schwarzen Gestalten und er fährt zu Baue.

Die beste Zeit aber, wo man den Fuchs am sichersten zu Hause trifft und sein Balg am wertvollsten ist, beginnt erst um Mitte November und dauert an bis zu Ende der Ranzzeit, Mitte Januar. Dann hat er sein bestes Winterkleid. Oft stecken dann drei und mehr Füchse in einem Bau. Dann ist das Sprengen des Fuchses sehr lohnend. Oft springt der erste schon, wenn der Hund kaum eingefahren ist und der zweite fünf Minuten später. Man sei auf der Hut und lasse sich nicht verleiten, den geschossenen Fuchs herzuholen, der zweite wird sich sicherlich während dieser Zeit empfehlen. Man bleibe so lange stehen, bis der Hund her­auskommt oder nicht mehr schliefen will. Es kommt vor, je nach der Beschaffenheit des Baues, dass der Fuchs nicht springen will oder kann. Dieser wird dann gegraben. Ist man nicht dazu ausgerüstet, so verlappe man den Bau und gehe andern Tags an die Arbeit.

Will man junge Hunde führen, oder will man sich den Genuss einer Jungfuchsjagd verschaffen, so gehe man nicht vor Mitte April ans Werk. Erst dann ist er ein würdiger Gegner des Dachshundes. Je wehrhafter der Jüngling ist, desto interessanter wird die Jagd, der Kampf. Jungfüchse grabe ich aber nur noch, um sie lebend heim zu bringen, als Lehrobjekt für junge Hunde. Alte Hunde verdirbt man leicht, wenn man sie auf Jung­füchse arbeiten lässt, sie verlieren den Schneid auf alte Tiere. Auch tut einem der Jungfuchs, liegt er tot auf der Strecke, immer leid. Man kann nichts mit ihm anfangen, als gleich wieder eingraben. Es sei denn, man brauche ihn zum Apportieren oder Schleppe machen für einen jungen Vorstehhund. Zwecklos Jungfüchse vernichten ist so gut Aasjägerei wie angeschossene Hasen verludern lassen. Sind aber Füchse in bedenklicher Überzahl da, so dass Abschuss geboten erscheint, so kann man allenfalls für deren Dezimierung Hand bieten. Sonst soll der Fuchs seine harmlose Jugendzeit genießen dürfen wie jedes andere Geschöpf und erst auf die Abschussliste kommen, wenn er selber schädlich wird.

 

Die Ausrüstung.

 

Ich führe seit Jahren, wenn ich zur Bodenjagd ausziehe, einen kleinen stählernen Spaten mit abnehmbarem Griff (Stiel) im Rucksack mit. Außerdem einen Doppelhaken zum Aufschlagen an einen Stock, ein leichtes Beil, Revolver und Flinte. Eine Kerze im Rucksack und Zündhölzchen sind unentbehrlich. Ebenso schwarze Lappen. Komme ich an einen leichten Bau und der Fuchs will nicht springen, so fange ich gleich das Graben an. Werde ich bis am Abend nicht fertig, so wird verlappt und andern Tags weiter gegraben. Die Lappen müssen einen halben Meter von der Röhre weg so aufgehängt sein, dass sie der Fuchs von weitem in der Röhre sieht, dann traut er sich nicht vorbei und gräbt sich eher anderswo aus, als dass er die „gefährlichen" Lappen überspringt. Man kann Füchse in der Weise mehrere Tage im Bau behalten.

Ist der Bau sehr tief und die Erde hart, so muss ein Gehilfe mit Pickel und Schaufel her. Für einen allein wäre die Arbeit zu streng.

Und nun, was die Hauptsache ist bei der Bodenjagd, das ist der Hund. Wir brauchen zwei firme Hunde und führen außerdem noch einen oder zwei Jünglinge mit, die als Lehrbuben dem Betrieb zuschauen oder je nach Temperament mitmachen dürfen.

 

Der Erdhund.

Das erste aller Bedürfnisse bei der Jagd unter der Erde ist der Hund. Obwohl es sehr viele Hunderassen gibt, die sich zu dieser Jagd eignen dürften, gebe ich doch einer den Vorzug. Es ist dies der deutsche Dachshund. Früher sind mir Foxterrier, Scottish-Terrier für die Bodenjagd zur Verfügung gestanden. Ich habe Blue­terriers und Dandie Dinmont-Terriers arbeiten sehen, ich habe mit Dachsbracken und kleinen Laufhunden unter der Erde gejagt und mit Bastarden aller Art. Sie haben zum Teil gut gearbeitet, aber von all diesen Hunden war dem Dachshund keiner über. Nahe kam ihm der Dandie, ja man könnte gar behaupten, wenigstens was die Arbeit im Bau anbelangt, dass der Dandie ebenso Gutes leistet. Dieser sehr sympathische Hund hat schon der äußeren Erscheinung nach große Ähnlichkeit mit dem Dachshund und besonders mit dem rauhaarigen. Er hat die Schärfe, Ausdauer und das anhaltende Halsgeben von jenem, kurz, im Bau sind sie einander ebenbürtig. Was aber der Dandie über der Erde macht, darüber kann ich leider keine Auskunft geben.

Hätten wir nicht unsern großartigen Dachshund, dann wär's der englische Dandie, den ich zur Bodenjagd führen würde. Aber wozu in die Ferne schweifen, wenn das Gute so nahe liegt und solange die Ansichten der Jäger und Züchter in Bezug auf die Rassekennzeichen des Dachshundes sich decken, können wir fremde Hunde entbehren. Der Dachshund hat heute Eigenschaften, wie man sie besser gar nicht wünschen kann. Er ist für en Jäger der unentbehrlichste Gehilfe und Freund.

Der Dachshund setzt da ein, wo die Ohnmacht des eigens anfängt.

 

 

 Die Führung und Dressur (Auszüge )

 

Die jungen Hündchen entwickelten sich bald zu jagdlichen Taten. Noch nicht der Muttermilch entwöhnt, machten sie schon Jagd auf Spatzen und Mäuse, die durch das Hundefutter angezogen, immer im Zwinger sich aufhielten. Eine 15 cm weite Zementröhre, die, in die Erde eingelassen, den Kleinen den Eintritt vom Zwinger in den Garten ermöglichte, gewöhnte sie, kaum vier Wochen alt, ans Schliefen. Oft war die Röhre vom Regen zur Hälfte mit Wasser gefüllt, was aber die kleinen Schliefer nicht hinderte, trotzdem den gewohnten Spaziergang zu machen.

Das wurden richtige Erdhunde. Von frühester Jugend an wurden sie schon auf ihren späteren Beruf vorbereitet und statt Bleisoldaten bekamen sie lebende Kaninchen zum „Spielen" und statt einem Säbel und Pickelhaube junge Katzen. Und später, als die Zeit der Berufswahl an sie herantrat, waren Jungfüchse ihre Lehrbücher. Einer zeigte mehr Talent, der andere weniger. Der eine war frühreif, ein anderer später. Gerade wie bei Kindern.

Der Erdhund muss eben gemacht werden. Die Veranlagung allein genügt nicht. Sie muss frühzeitig ge­weckt und gebildet werden.

Und wenn der junge Hund den Zahnwechsel und die Kinderkrankheiten hinter sich hat und gesund ist und Temperament zeigt, so darf er mit an den Fuchsbau.
Ich setze voraus, dass er bereits leinenführig gemacht ist, denn kein Hund darf unangeleint zur Arbeit gehen.
Ich nehme ihn an die Koppel mit einem geführten Hund
zusammen und lasse sie hinter meinem linken Fuße herlaufen. Der Alte weiß es ganz genau, dass er mit der Peitsche eins auf die Nase kriegt, wenn diese neben meinem Fuße sichtbar wird und der Junge macht jetzt dieselbe Erfahrung. Am Baue, sei es ein Kunstbau oder
Naturbau, werden die Hunde angeleint, angehängt. Der Alte wird geschnallt und darf schliefen. Jetzt wird der Junge an der Leine reißen und zu winseln und heulen anfangen. Dafür bekommt er eine gehörige Tracht Prügel mit der Hundepeitsche, solange bis er ganz
ruhig ist. Er mag noch so ein netter, lieber Kerl sein zu Hause, hier auf der hohen Schule kennt man keine Rücksichten, bis sein Wille sich dem unsern unterordnet.
Ist er nun eine Zeitlang schön ruhig, so wird er zur Belohnung geschnallt und darf nun herumrennen wie er nur mag. Er wird wohl im ersten ungestümen Anlauf dem Alten nach in die Röhre sausen, aber auch augenblicklich wieder mit fürchterlichem Geheul und
großem Schreck auf der Bildfläche erscheinen und umeinander rennen wie besessen. Zur Strafe, dass er vor dem Bau laut war, kommt er wieder an die Leine. Solange, bis er ganz ruhig ist und erst dann wird er wieder geschnallt, denn außerhalb des Baues darf ein
Hund weder winseln noch bellen oder an der Leine zerren. Für solche Ungezogenheiten sind die härtesten Strafen nicht hart genug. Man gehe aber langsam vor und steigere die Strafen je nach Gutfinden. Fürs erste Mal wird sich der Jüngling um den Bau und Fuchs wenig oder gar nicht bekümmern, das ist einerlei. Wir
wiederholen einfach die Lektion. Und will er nach
wiederholten Versuchen vom Naturbau nichts wissen und wollen wir ihm möglichst schnell das Interesse für den Fuchs beibringen, so stecken wir einen solchen in den mit Gitterstäben versehenen Kasten und lassen ihm das Verbellen durch den alten Hund vormachen. Der junge wird erst sich nicht hin getrauen, aber nach und nach, wenn er merkt, dass die Geschichte nicht lebensgefährlich ist, fängt er auf Distanz wie die alten Soldaten ebenfalls das Bellen an, rückt immer näher, kriegt immer mehr Mut und fängt nun an, den Kasten zu untergraben und in die Eisenstäbe zu beißen.

Jetzt haben wir gewonnenes Spiel. Nun wird der Fuchs in den großen Bau gesetzt. Erst zwischen zwei Gitter, damit der Schliefenlehrling nicht gleich die Nase voll kriegt und lassen ihn da 10 Minuten verbellen. Dann wird der hintere Schieber gezogen, dass der Fuchs sich zurückziehen kann und dann der andere zwischen ihm und dem Hund. Drängt der Hund nun vor und treibt der Fuchs bis zum Ende, so lassen wir ihn hier verbellen, solange er mag. Wird er nun leicht geschlagen und kommt heraus, so wird er angeleint und diese Lektion ist zu Ende. Das wiederholen wir einmal in der Woche und in kurzer Zeit ist der Erdhund gemacht. Angeleint wird der Hund immer, wenn er den Bau verlässt.

Hunde auf dem Bau herumlaufen zu lassen, ist unstatthaft und verderblich. Man erzieht sie damit zu appelllosen Taugenichtsen. Der Hund darf grundsätzlich nur dann von der Leine gelassen werden, wenn er arbeiten soll, tut er dies nicht, so wird er rücksichtslos angehängt. Führen wir das strenge durch, so wird der Hund in kurzer Zeit einen Appell bekommen wie der Vorstehhund. Auf Pfiff oder Wink oder auch nur schütteln mit der Koppel wird der Dachshund ansausen, dass es eine Freude ist. Wir loben ihn immer, wenn er

herkommt und sich anleinen lässt. Es soll bei ihm die Idee aufkommen, als sei es das Höchste, was wir ihm bieten können, beim Herrn an der Leine hängen zu dürfen.

Hat er nun die Primarschule hinter sich und ist ein Jahr oder mehr alt geworden, so darf unser Jüngling mit in die Schlacht.

 

Die Bauarbeit.

 

Es ist Ende September. - Die Baue sind revidiert. Ein Bau ist vom Dachs befahren. Wir warten auf einen schönen Tag, die Gäste sind eingeladen, verproviantiert und nun ziehen wir los. Einen Gehilfen zum Graben haben wir engagiert, ebenso das nötige Werkzeug herbei­geschleppt. Der Gehilfe trägt Pickel, Schaufel, Axt und den großen Spaten. Ich im Rucksack den kurzen Spaten, Haken, Revolver und Kerze, an der Leine den jungen Spritzlink, während die zwei alten Haudegen von einem Gaste geführt werden. Zur Auffrischung des Gedächtnisses der Hunde wird bei der ersten Gelegenheit eine tüchtige Haselrute geschnitten, denn wir haben die Nilpferdpeitsche zu Hause gelassen. Der Gast geht voraus und mein Wildfang macht alle erdenklichen Anstrengungen, den alten Hunden nachzukommen, aber die Rute pfeift und mit einem Ruck fliegt der vergessliche Schüler im Bogen zurück.

Wir sind am Bau. Hunde, Rucksack, Geschirr wird abgelegt. Wir gehen hin, die Röhren zu besichtigen. alles frisch und prächtig befahren. Der Hundejüngling spannt etwas und winselt. Dafür bekommt er harte Schläge, denn Ruhe ist jetzt das oberste Gesetz. In aller Gemütsruhe haben wir jetzt den Bau inspiziert. Fuchs ist keiner drin, nur Dachse. Der junge Hund blieb seither ruhig und wird nun zur Belohnung dafür geschnallt. Er darf den Reigen eröffnen. Kühn und stolz wie der Spanier geht er drauflos, aber sein Mut ist bald gekühlt, er kriegt eins runter, und er erscheint kleinlaut und bescheiden wieder an der Oberfläche, lässt sich anleinen und ist froh, dass man nichts mehr von ihm verlangt. Jetzt bleibt er ruhig. Nun kommt sein Vater dran, der schon längst aus Ungeduld erzittert. Wie der Blitz verschwindet er in der Erde und kommt nicht wieder. Eine halbe Stunde, eine Stunde ist verstrichen, man hört nichts, sieht nichts. Ich gehe den Bau ab, vom Zentrum aus im Kreise die Bogen nach außen vergrößernd, immer sachte, leise, immer weiter hinaus und halt, jetzt höre ich den Hund, weit, weit entfernt. Doch er ist nicht weit, keine drei Meter und die Gäste hören ihn nicht, glauben, ich träume.

Jetzt lege ich mich zur Erde, das Ohr fest aufgelegt. Es stimmt. Hier liegt der Hund und der Dachs kratzt und wirft Erde gegen den Hund. Dieser zieht sich jeweils einige Schritte zurück, ich merke mir die Richtung, zeichne sie an und nun beginnt das Graben. Soweit wie der Hund vordringt, das ist die Grenze, über die hinaus dürfen wir nicht graben, sonst laufen wir Gefahr, direkt auf den Dachs zu stoßen. Wir müssen abseits vom Dachs, also hinter ihm herunterkommen, direkt auf den Hund. Ich schätze die Tiefe nach dem Hals des Hundes auf 2,50 Meter und zeichne mit dem Pickel den Einschlag an, zwei Meter lang, ein Meter breit. Und nun beginnt das Graben. Alles, was Hände hat, hilft mit. Die starken Wurzeln sind mit der Axt und die schwächeren mit dem Stahlspaten durch­hauen. Aber bald werden wir uns gegenseitig hinderlich, einer nach dem andern setzt aus, nur der Gehilfe, der an schwere Arbeit gewöhnt ist, gräbt weiter.

Nach einer Stunde ist der Einschlag ein Meter tief, weil die Erde hart ist und mit Kies vermengt. Man hört den Hund schon ganz deutlich. Nach einer weiteren Stunde sind wir auf Mannstiefe. Der Hund ist noch da, seit drei Stunden am selben Fleck. Sein Hals lässt nach, auch setzt er öfters lange aus, weil er gräbt. Der Dachs hat sich verklüftet, die Röhre zwischen ihm und dein Hund mit Erde verstopft. Der Hund merkt unser Näherkommen. Jetzt setzt er länger aus und erscheint an der Einfahrt. Der arme Kerl blutet an Nase und Behäng und seine Augen sind mit Sand angefüllt, so dass er sie gar nicht öffnen kann. Er wird angeleint und sofort sein Bruder in den Bau gelassen. Unterdessen aber wird im Schacht tüchtig drauflos geklopft, dass der Dachs nicht weicht, sich nicht vorbei traut. Schon liegt der Hund an derselben Stelle und gibt Hals. Wir graben weiter und nach einer Stunde sitzt der Pickel fest. Durchgeschlagen. Der Hund steckt schon sein schwarzes Näschen durch. Er wird herausgezogen und angeleint. Der Boden des Einschlags wird jetzt tun einen halben Meter tiefer gelegt, damit man sich in der Tiefe besser rühren kann. Jetzt kommt der Gehilfe heraus, unsere Arbeit beginnt. Den kleinen Spaten, Revolver, Fuchshaken und  Kerze nehme ich mit hinunter. Die Röhre, wo der Hund lag, wird fest zugestopft und die vom Dachs verklüftete Röhre geöffnet. Ich sondiere mit dem Hacken, spüre aber nichts Weiches. Nun stecke ich die Kerze mit Lehm auf den Spaten, zünde sie an und schiebe sie in die Röhre. Diese zieht sich in starker Krümmung nach links, jedoch die Kerze löscht ohne Luftzug. Das Unternehmen ist somit als gesichert zu betrachten. Es ist eine Endröhre. Der Sauerstoff wird vom Tier, das darin steckt, verbraucht. Nun dauert es aber auch gar nicht lange, so sichert der Dachs hervor. Ich bin auf diesen Moment gefasst, habe den Revolver schussbereit und schon sitzt die Kugel ihm zwischen den Sehern. Er ist augenblicklich tot, wird mit dem Haken angehängt und vorsichtig hervorgezogen, den Revolver schussbereit. Denn mit dem toten Dachs erscheint ein zweiter und will ausfahren. Ihn erreicht das gleiche Schicksal. Beide Dachse werden hinaufgezogen, alle Hunde geschnallt, die sich nun in die Schwarte verbeißen. Besonders für den jungen Hund eine gute Lektion. Ich bleibe im Schacht, denn leicht könnte ein dritter noch in der Röhre sein. Jetzt gibt man mir einen Hund herunter, welcher die Röhre unter­sucht, aber bald wieder kommt. Die Röhre ist leer.

Der hier erzählte ist wohl einer der günstigsten Fälle beim Dachsgraben, oft geht es so krumm und verzwickt, dass man sich nicht mehr auskennt, dass man zwei und drei Tage graben und schließlich ohne Resultat abziehen muss. Felsenbaue sind in der Regel nicht zu graben; doch habe ich öfters aus solchen Dachse be­kommen. Man plagt sie mit den Hunden solange, bis sie auswandern und in kleinere Baue sich verziehen. Tiefe Sandbaue sind die schlimmsten. Je weicher die Erde, desto schneller gräbt sich der Dachs vor dem Hund vorwärts und ist man unten, so ist der Dachs schon wieder einige Meter weiter. Doch auch aus solchen habe ich meinen Dachs geholt.

 

Ich habe  über meine Fuchs- und Dachsjagden Notizen gemacht und an Hand derer will ich nun einige Erzählungen bringen über die praktische Jagd unter der Erde. Der Anfänger wird daraus alles zu wissen Nötige finden und der erprobte Bodenjäger Be­stätigungen und vielleicht gar Neues, das er sich zu Nutzen ziehen kann.

 

Sieben Dachse aus einem Bau.

 

Von Utting am Ammersee gelangt man in einer Stunde auf die Bergeshöhe. Nicht auf einen Gipfel, sondern auf eine weite Bergfläche, die sich nach der Mitte zu leicht einsenkt und durch ein Flüsschen, die Windach, in vielen Krümmungen sanft durchzogen wird. Inmitten dieses Tales erhebt sich in leichter Steigung ein breiter Hügel, auf welchem das stattliche Herrschaftsgut, der Fuchshof, liegt.

Diese Anhöhe ist mit einem Wald bewachsen und das Gehöfte direkt an diesen angebaut. Die Benennung
Fuchshof hat ihre gute Begründung. Er könnte aber auch eben so gut Dachshof heißen, denn im Walde drin liegt die uralte Burg derer von Grimbart und Reineke.
Es ist einer jener alten, wohl vielhundertjährigen Dachsbaue, am steilen Hange auf der Sonnenseite des Waldes gelegen. Mehr wie zwanzig Röhren, am Fuße,  in halber Höhe und noch weiter oben führen in das Innere des Berges zu den dunklen Wohnungen dieser Raubritter. Auch seitlich sind die Röhren weit ver­zweigt und zwischen hinein die tiefen Löcher und Schutthaufen, die mit Moos und Tannen bewachsen
sind, sprechen deutlich, dass hier zu früheren Zeiten des öftern eifrige Jäger den Dachsen Besuche machten oder machen wollten. Indessen ist die Dachsenburg derart angelegt, dass wohl manch' Angriff abgeschlagen und manch' Jäger nach tagelangen Mühen den Kampf mit den unterirdischen Gesellen resultatlos aufgeben musste. Ich war mir dessen wohl bewusst, als ich die Anlage musterte. Die beinahe senkrecht in den Berg führenden Röhren und das Erdreich, das von den Tieren zu großen Haufen ausgestoßen, und das aus Lehm und Kies bestand, waren nicht erfolgversprechend.

Denn Lehm und Kies ist harter Boden und jede Handbreit Tiefe muss mit dem Zweispitz und schweren Schweißtropfen errungen werden.

Jedoch der Besitzer des Fuchshofes, Herr Oberleutnant v. Sch., gab mir die Erlaubnis zum Graben und mehr wollte ich nicht. Wir rüsteten uns gehörig zum Kampfe aus mit Pickel, Haue, Schaufeln, Revolver, Gewehr und Bier und Brod und begannen den Angriff auf die Festung um halb neun Uhr in der Frühe.

Meine rauhaarige Loni eröffnete den Reigen. Sie fuhr in eine der bestbefahrenen Röhren ein und verschwand im Innern des Berges. Bald hörte man ihren Laut, als Zeichen, dass sie mit dem Feinde in Berührung gekommen, doch dieser zog sich zurück in seine tiefsten Röhren, der Hals der Hündin wurde schwächer und immer leiser und verstummte schließlich im Berginnern.

Herr und Frau v. Sch., die beide anwesend und auf dem Gebiete der Bodenjagd Neulinge waren, mochten meinen begonnenen Operationen wenig Vertrauen schenken und ich meinerseits traute der Hündin nicht, denn es war dies das erste Mal, dass sie auf Dachs und überhaupt im Naturbau arbeiten sollte. So konnte ich einstweilen nur abwarten, wie sich die Sache gestalten werde. Doch die Loni blieb stumm und ich schielte oft nach der Röhre, wo sie eingefahren. Als sie aber nach einiger Zeit immer noch nicht erschien und von ihr nichts mehr zu hören war, wanderte ich sachte auf dem Bau herum und nach einer halben Stunde glaubte ich wie aus weiter Ferne den Laut eines Hundes zu vernehmen. Als ich aber diese Stelle verließ, war wieder alles still. Dann kam ich zurück und hörte es wieder. Jetzt legte ich mich platt auf die Erde, das Ohr fest angelegt, rutschte nach links, rechts, nach vorn und zurück, bis ich die Stelle, wo der Hund lag, genau eingekreist hatte. Ich hörte, wie der Hund mit heftigem Geheul seine Attacken ausführte und jeweils einen Schritt oder zwei zurückwich, um mit desto größerer Wucht dieselben zu erneuern. Ich hörte, wie der Dachs Erde aufscharrte und dieselbe mit großem Gerumpel gegen die Loni schmiss. Der Betrieb in der Unterwelt war ein derart aufregender, dass ich vor Freuden aufsprang und erklärte: Hier müssen wir runter.

Jeder legte sich hin und überzeugte sich über die Richtigkeit meiner Beobachtung. Jetzt aber kam Leben in die Gesellschaft. Ich zeichnete die Richtung und Größe des Einschlags an und nun ging es los, was die Lunge hielt. Aber oh weh! Durch das Klopfen wurde die Hündin erschreckt und fuhr aus. Sie überzeugte sich aber bloß, was los und ob ich noch da sei, um sofort wieder einzufahren und von neuem den Kampf aufs heftigste aufzunehmen. Wir aber arbeiteten unterdessen drauf los, um dem Dachs den Durchpass zu vergrämen, bis die Loni wieder zur Stelle war. Bald rückte Verstärkung an in der Person eines Verwandten des Gutsbesitzers. Die Ablösung erfolgte nun schneller, aber dennoch ging das Graben entsetzlich langsam. Die Erde war hart wie Zement und Funken sprühten auf jeden Schlag. Und zudem sah ich nun bald ein, dass das Loch zu klein angefangen war. Wusste ich doch, dass Kiesboden den Schall leicht leitet, dass man sich in der Tiefe irren kann, dass der Hund tiefer liegt, als man glauben möchte. Ich getraute mir aber, diese Ansicht nicht gleich zu äußern, um meine Gehilfen nicht zum vornherein zu entmutigen.

Wir waren vielleicht einen Meter tief, das Graben wurde immer beschwerlicher und der Hals des Hundes kaum merklich deutlicher. Wohl oder übel mussten wir uns jetzt entschließen, die Anlage nach der Richtung wo die Hündin sich jeweilig zurückzog, zu erweitern, und mittlerweile wurde es Mittag. Unsere Kräfte fingen an zu erlahmen. Die Loni kam auch aus dein Bau, war erschöpft, und ohne es zu sagen, fing man an, am Gelingen der Operationen zu zweifeln. Herr v. Sch. drängte zum Mittagessen, doch ich wollte mir das Essen herauskommen lassen, damit abwechselnd einer drauflos klopft, um den Dachs so im Schacht zu halten. Denn gab's Ruhe auf dem Bau, so hätte der Dachs die Ge­legenheit benützt, die verklüfteten Rühren geöffnet und sich irgendwo im Bau verzogen. Dann wäre unser ganzer Schweiß- und Kräfteverlust umsonst gewesen und das so gut begonnene Unternehmen hätte ein kläg­liches Ende genommen. Auch war's mir besonders darum zu tun, auf alle Fälle einen Dachs zu erlegen, damit die Loni und ihre ebenfalls anwesende Tochter seine Schwarte tüchtig beuteln könnten.

Herr v. Sch. ließ sich leicht belehren, beharrte aber auf seinem Mittagessen, das schon bereit stehe im Hause. Er ließ daher zwei Knechte kommen, die während unserer Abwesenheit graben sollten. Und uni ihnen das Verständnis für das, was sie beginnen sollten, zu wecken, schickte ich die Loni in den Bau, die also gleich an ihrer alten Stelle laut wurde. Jetzt begriffen die Leute, um was es sich handle und voll Tatendrang fingen sie an zu graben.

Ich war zwar schon lang überzeugt, dass der Dachs sich verklüftet hatte und ein Entweichen nach rückwärts nicht leicht zu befürchten war. Und da schon seit drei ein halb Stunden sich alles auf demselben Platz abspielte, auch nach vorn eine Grenze gesetzt war und der Dachs im Endrohr steckte. Die Härte des Bodens begünstigte unsere Hoffnung und vereitelte dein Dachs ein Durchbrechen der Röhren. Wir gingen also ruhig fort und nach einer Stunde waren wir wieder da. Indessen war der Einschlag mannstief geworden, aber noch immer zeigten sich keine Röhren. Die Loni aber gab noch an derselben Stelle Hals, nur konnte man sie jetzt schon gut hören, auch tönte der Pickelbeschlag schon etwas hohl, was darauf schließen ließ, dass das Röhrenge­wölbe in nächster Nähe war und man bald auf einen Durchbruch gefasst sein musste. Aber es dauerte eine weitere Stunde, bis der Pickel durch die Decke fuhr und stecken blieb. Ein kitzeliger Moment. Ich gab den Befehl, so rasch als immer möglich, das Gewölbe ein­zuschlagen, um dem Dachs ein Entweichen zu verleiden. Aber schon steckte die Loni ihr schwarzes Näschen heraus zum Zeichen, dass auf ihrer Seite alles in Ordnung sei, also der Dachs auf der andern Seite stecke. Um uns davon zu überzeugen, langte sie mit dem Fang durch die verengte Röhre, packte etwas und fing zu reißen an. Es war der Pürzel eines Dachses. Ich nahm die Hündin heraus, untersuchte ihre Zähne und richtig hatten sich einige Dachshaare dazwischen eingeklemmt.

Nun ließ ich den Boden noch um einen Fuß tiefer graben, uni besser hantieren zu können und als man die Erde herausgeworfen hatte, schauten auch schon die äußersten Haarspitzen des Pürzels heraus. Jetzt kam meine Arbeit, die Knechte durften zuschauen. Mit dem Revolver und einem langen Strick stieg ich in den Schacht, löste die Erde uni den fest eingeklemmten Hinterteil des Dachses, band den Strick um das Kniegelenk eines Hinterpranken fest, gab das Ende herauf und fing an, aus Leibeskräften zu zerren. Jedoch der Dachs hielt sich fest und tat keinen Wank. Jetzt hatte ich beide Pranken und einen Teil des Rückens frei. Das benützend, wollte nun der Dachs gegen mich aus der Röhre fahren, doch ich war gefasst und meine Kugel zerschlug ihm die Wirbelsäule schräg nach vorn und drang durch die Lunge vorne heraus. Ein plötzlicher Tod. Numero eins!

Ich blieb im Schacht, während der Dachs draußen der Loni und ihrer Tochter Trudi überlassen wurde.

Einmal als ich noch Anfänger in der Bodenjagd war, hakte ich in der Freude über die erste Beute den Schacht verlassen und konnte dann von oben gerade noch zusehen, wie der zweite Dachs herauskam und schnell in der andern offenen Röhre auf Nimmerwiedersehen verschwand.

Ich zündete also die Kerze an, schob sie auf dem kleinen Spaten in die Röhre und erblickte die Lichter von Numero zwei. So gut ich in dem engen Schacht mich drehen konnte, richtete ich den Revolver zwischen die Seher und bumm, das Licht erlosch und dichter Rauch hüllte uns ein. Ich setzte ihm die Loni auf den Leib, welche alsbald den Burschen an den Ohrwascheln herauszog. Auch der wurde tüchtig gerüttelt und hinaufgegeben. Aber schon wieder wurde die Loni laut. Jetzt aber nahm ich diese ab und steckte die Trudi hinein, die sich draußen am ersten Dachs einen tüchtigen Mut angerüttelt hatte. Diese fuhr blindlings darauf los, erwischte den Dachs glücklich an der Gurgel und ließ nimmer aus, bis auch die Seele von Nummer drei hinübergewechselt war.

Das war Ende September und Anfang Dezember gleichen Jahres erneuerte ich die Operationen auf demselben Bau.

Nebst der Loni führte ich diesmal noch ihre zwei andershalbjährigen Buben Lump und Flink ins Treffen.

Die Feindseligkeiten nahmen ihren Anfang Mittwoch den 11. Dezember, nachmittags 1 Uhr. Ich schickte den gewandten und kräftigen Flink voraus, der mit einem fürchterlichen Kriegsgeheul auf den Feind losstürzte. Die von Grimbart waren über solche Keckheit derart erschrocken, dass sie sich Kopf über Hals in schleunigster Flucht in die innersten Gemächer der Burg zurückzogen. Flink aber folgte ihnen in jugendlichem Übermute bis in den Rittersaal und lieferte hier dem an Zahl vierfach und an Kraft zehnmal überlegenen Feind eine Schlacht sondergleichen. Eine Stunde schon mochte der Kampf gedauert haben, bis ich die Stelle fand, wo er sich abspielte.

Ich schätzte die Tiefe auf drei Meter. Aber da unten tobte und rumorte es, dass es eine Freude war. Flink verstärkte sein Indianergeheul und die Dachse kratzten Steine los und schmissen sie gegen den Hund, dass es nur so rumpelte. Dann und wann packte Flink einen am Kragen, musste aber, der Übermacht ge­horchend, immer wieder loslassen. Aber der kühne Bursche wich keinen Zoll, sondern behauptete das gewonnene Terrain hartnäckig.

Nun war es an der Zeit, dem Braven Hilfe zu bringen. Die Verstärkung rückte an in Gestalt zweier Knechte mit einem Karren voll Kriegsgerät: Pickel. Schaufeln, Hauen, Äxte. Das Graben begann. Aber hart, hart war die Erde. Nur langsam kam man runter. Der Betrieb unter der Erde wurde nach und nach schwächer. Die Raubritter bauten Barrikaden. Sie türmten Erde und Steine auf, so dass die Röhre auf eine große Länge beinahe vollgestopft wurde und der Hund nach und nach die direkte Fühlung mit dem Feinde verlor. Der Betrieb erlahmte.

Mittlerweilen waren wir in zwei Fuß Tiefe auf einen großen Stein gestoßen, der ein weiteres Vordringen einstweilen verhinderte. Auch setzte die Nacht und Kälte ein. Die Leute waren ermüdet und der Hund kam aus dein Bau. Der arme Bursche hatte eine große klaffende Wunde quer über die Nase und unzählige kleinere Risse am ganzen Kopf. Ein braver Hund. Wir legten über sämtliche Röhren kreuzweise Strohhalme und zogen ab.

Am zweiten Tag mit Tagesanbruch begannen die Operationen aufs Neue. Die Halme waren intakt, kein Dachs hatte den Bau verlassen. Jetzt ließ ich den Lump einfahren, der alsbald die Anwesenheit des Feindes an der alten Stelle konstatierte. Doch hatten die Dachse sich um etliche Schritte zurückgezogen, aber glücklicherweise nicht nach der Bergseite, was ich gestern be­fürchtete, sondern nach außen und unten. Wir mussten den Einschlag nach dieser Richtung verlängern. Der große, etwa fünf Zentner schwere Stein wurde erst herausgeschafft, was viele Mühe und Zeitverlust verursachte. Wir arbeiteten indessen rüstig drauf los und nachmittags 2 Uhr fuhr der Pickel durch die Decke der Röhre.

Das ist immer ein freudiges Ereignis und die Spannung, die schon durch den immer deutlicher werdenden Laut des Hundes zugenommen, wächst noch mehr. Diesmal waren wir hinter dem Hund durchgebrochen und zwar direkt an einem großen Kessel, der Raum für etliche Dachse gewährte und der mit Moos und Heu schön ausgepolstert war. Darin lag der Hund, welcher nach einer von dort ausgehenden Röhre kräftige Vorstöße machte. In diese Röhre, die sich als Endröhre erwies, hatten die Dachse sich zurückgezogen und sie war, wie es sich herausstellte, noch mehrere Meter lang und zog sich in starker Krümmung nach rechts und mit Gefälle gegen den Berg. Was nun tun? Schon wurde es Nacht. Ein zweiter Schacht hätte die Arbeit eines weiteren Tages bedeutet und die Dächse wären uns in dieser zweiten Nacht sicherlich ausgerissen. Machen wir die Röhre mit Holz und Steinen zu, so gräbt sich der Dachs unter oder seitwärts durch aus. Hängen wir die Nacht über eine brennende Laterne hin, so muss außerdem noch einer abwechselnd Posten stehen und bei dieser Kälte! Die Dachse laufen lassen? Nie und nimmer! Diese Ansicht war einstimmig. Ich griff zu einem gewalttätigen, barbarischen Kriegsmittel, dem Feuer.

Der sensible Leser hält mich für ein Scheusal. Doch hören Sie: Wenn man einem lebenden Wesen den Sauerstoff entzieht, so hört die Herztätigkeit langsam auf, das Geschöpf wird, ohne Schmerz zu empfinden, ohnmächtig. Und bringt man nun in diesen sauerstoff schwachen Raum eine gehörige Dosis Kohlenoxyd, so schlummert das Lebewesen darin langsam und empfindungslos ein und erwacht nicht mehr. Ich habe das an mir selber erprobt, ohne Selbstmordabsicht. Ich ,,schloff" in eine Röhre, wo wir Tags vorher gefeuert hatten und wollte den verendeten Dachs mit dem haken einhängen. Dabei wurde mir ganz sonderlich zu Mute. Mein Kamerad, als er das merkte, zog mich an den Füssen heraus. Ich hatte das Gefühl, dass die Beine mich nicht mehr tragen und ich einsinken möchte und ewig schlafen. Diesen idealen Tod hatte ich für meine Dachse ersonnen. Es wurde Holz herbeigeschafft und unten im Schacht ein großes Feuer angefacht. Als das Holz verbrannt und nur noch Gluten übrig waren, wurden diese in den Kessel geschoben und außen die Röhre mit Erde verstopft.

Als wir in der Frühe öffneten, lag der erste Dachs tot nahe beim Feuer. Der zweite, ebenfalls tot, war hinten in der Röhre fest eingekeilt. Der dritte und vierte waren lebend und guter Dinge. Diese machten uns und den Hunden noch einen Tag lang schwer zu schaffen. Wir erweiterten die Röhren, so dass zwei Mann hinter­einander schliefen konnten. Schließlich konnte ich den einen Dachs mit dem Revolver schießen. Und als es abermals Abend wurde, mussten wir den vierten noch mit Kohlenoxyd behandeln. Andern Morgens lag er ebenfalls verendet da.

Eine beschwerliche Dachsjagd im Felsenbau.

Es war am 29. November und acht Jahre mögen seither verstrichen sein. Damals hatte ich noch meine unübertroffene schwarzrote Schlieferin Tschämpi und ihre Tochter Fanny. Schon in aller Frühe kletterten wir, mein Gehilfe und ich, einen steilen Tobel hinauf und revidierten einen Bau nach dem andern, doch keiner war befahren. Unser Weg führte über schmale Felsenbändchen und nasse Rutschhalden. Jetzt sind wir gegenüber dem alten Dachsbau auf der andern Seite der Schlucht. Unter einem haushohen Felskopf, durch ab­gestürzte Felsmassen und Sand ein Felsenband bildend, führten die Röhren unter dein Felskopf hinein. Ein Dachswechsel ging vom Bache her steil, beinahe senkrecht hinauf zum Bau. Wir klettern hinunter zum Bache und zum Wechsel und richtig, frische Spuren eines starken Dachses sind abgedrückt im Lehm und Sand. Bald sind wir oben auf dem kaum schrittbreiten Felsenband. Vier Röhren führen in den Berg hinein, die wohl dreißig Schritt auseinanderliegen und der Bau ist gut befahren.

Es ist 9 Uhr morgens. Die andershalbjährige Fanny, die kurz vorher von einem Dachse die Weihe erhielt. darf beginnen. Die Jagd geht los, wir hören rennen, klopfen, kratzen. Die Hündin erscheint wieder und fährt wie der Blitz bei einer anderen Röhre ein. Die Hatz wiederholt sich. Um schnell zu einem Resultat zu kommen, schicke ich die alte erfahrene Tschämpi ins Treffen. Nun gehen die Hunde scharf ins Zeug und bald ist der Dachs links an der Wand gestellt. Kaum einen Meter tief. Wir graben, aber durch unser Klopfen überspringt der Dachs die Hunde und zieht sich tief in den Berg, auf die entgegengesetzte Seite des Baues, mehr wie dreißig Schritt von hier.

Nach langem Suchen finden wir die Stelle, wo die Hunde Hals geben, aber es ist sehr, sehr tief. Armsdicke Buchen und Tannenwurzeln erschweren uns das Graben. Wir schlagen sie mit dem Beil durch, was dem Dachs nicht sonderlich gefällt, denn er verlässt auch diesen Ort. Wir hören nichts mehr, auch kommen die Hunde nicht wieder.

Lange Zeit suchen wir das ganze Band ab, das Ohr hart angedrückt. Das Rauschen des nahen Waldbaches ist hinderlich. Endlich vernehmen wir ein ganz leises Klopfen, es ist der Hals der Hunde, der in großer Tiefe nur als leiser Schlag vernehmbar ist. Wir graben andert­halb Meter tief und brechen durch. Ein senkrecht abfallender Kamin von nochmals anderthalb Metern ist geöffnet. Die Erde, die wir graben, sind abgestürzte, zerschellte und versandete Felsmassen. Unten sehen wir die Rute Fannys, vor dieser liegt Tschämpi beim Dachs.

Das Konzert, das die Hunde aufführen, ist Hoch­genuss. Grosse, zwei bis fünf Zentner schwere Fels­blöcke liegen dicht aneinandergereiht. Sie müssen teils umgangen und zum Teil hinausbefördert werden und schließlich sind wir in genügend weitem Schacht bei den Hunden. Es ist drei Uhr.

Der Schacht ist drei Meter tief. Die Wände halten sich durch die sich gegenseitig stützenden Blöcke und die Buchenwurzeln, die diese nach allen Seiten umschlingen. Alles, was locker und gefährlich, wurde hin­ausbefördert, ein Nachstürzen ist nicht mehr zu befürchten.

Wir nehmen die Hunde ab, füttern sie und lassen sie ausruhen. Währenddessen setzen wir die Grube noch etwas tiefer und erweitern den Gang, wo der Dachs liegt. Dieser aber steckt im Endrohr und gräbt sich unaufhörlich weiter. Er wirft uns Steine und Sand entgegen, was wir vorweg hinaus befördern. Er gewinnt aber dennoch Vorsprung und wenn nicht große, harte Blöcke ihm den Weg versperren, ist unser Graben umsonst.

Mein Gehilfe, der bis dahin die Hauptarbeit verrichtete, ist erschöpft und gibt das Unternehmen für verloren. Ich aber nicht, obwohl ich mit meiner ver­stauchten linken Hand nur halb diensttauglich bin.

Es beginnt zu dunkeln. Der Dachs hält sich ruhig, sodass wir befürchten, er habe sich in weitere Felsen­spälte abseits drücken können. Wir setzen ihm Tschämpi auf den Hals, die aber sofort die Anwesen­heit des Dachses mit lautem Hals anzeigt. Auch der Dachs antwortet mit Werfen von Steinen und Sand. Die Hündin wird abgenommen. Und nun kommt der entscheidende Moment. Die Hauptarbeit.

Es ist mittlerweile vollständig stockfinstere Nacht geworden. Um weiter vordringen zu können, wird der Gang noch etwas erweitert. Der Dachs scheint nun ermüdet zu sein und schnarcht. Ich stecke die Kerze auf den kurzen Spaten, schiebe ihn vor und schliefe, soweit ich kann. Doch Meister Grimbart scheint an dieser neuen Idee kein Gefallen zu finden. Er löscht die Kerze wiederholt mit Sand aus. Bis dahin habe ich vom Dachs nur den Hinterteil gesehen und ein Schuss mit der Einläufer Pistole wäre zwecklos und gefährlich zugleich. Denn es gehört nicht zu den Annehmlichkeiten der Bodenjagd, mit einem angeschweißten Dachs in finsterer Röhre zu stecken.

Nun heißt es handeln. Ich krieche nochmals in die Röhre, soweit als nur möglich. In der linken Hand habe ich Streichhölzer und Kerze, in der rechten die Pistole und den Fuchshaken und zwischen den Zähnen eine Reservepatronen. Die Pistole mit gespanntem Hahn lege ich zur Seite und greife nun mit dem Haken den Dachs energisch an. Nun macht er plötzlich Kehrt und betrachtet mich einen Augenblick unschlüssig. Währenddessen ergreife ich die Pistole, ziele ihm zwischen die Lichter und drücke ab. Totale Finsternis umfängt mich, die Kerze ist durch den Luftdruck erlöscht.

Schnell zünde ich sie wieder an und mache mich mit dem Haken kampfbereit. Aber der Dachs hat seine Stellung nicht verändert. Die Kugel sitzt gut auf der Stirn. Jetzt hänge ich den Haken am Fang ein und ziehe den tapferen Streiter heraus.

Mein Gehilfe hatte mittlerweile alles zum Abmarsch bereit gelegt. Der Kerzenstummel reicht gerade noch, um uns in der finsteren Schlucht zurechtzufinden und im Schnellschritt erreichten wir noch den letzten Zug zur Heimfahrt. Der Dachs war von kapitaler Stärke, ein alter Einsiedler, aber nicht schwer, er, er wog nur 28 Pfund. Ein alter Wanderdachs.

 

Eine fröhliche Dachsjagd.

 

Oberhalb des Städtchens Sempach in einem Wäldchen, wo vor 500 Jahren die Eidgenossen vor der nnörderischen Schlacht gegen die Oesterreicher ihr Kampfgebet verrichteten, findet sich ein uralter Dachsbau, der vielleicht schon damals den Füchsen und Dächsen als Wohnung gedient hat. Es ist ein vielverzweigter, weitläufiger Bau, bei dem die Röhren zwei- und drei­stöckig übereinanderliegen.

Von dort aus wird die Umgegend weit herum mit Füchsen und Dächsen versorgt.

An einem Apriltage, nachdem es Tags und sogar die Nacht vorher tüchtig geregnet hatte, besuchten wir, begleitet von zwei Gästen, den Herren Art.-Oberst v. S. und Art.-Oberleutn. M., diesen Bau. Wir hatten die Ab­sicht, Füchse zu graben; allein es kam anders.

Vor dem Bau hatten wir frische Spuren von Fuchs, aber auch von Dachs. Ob der Fuchs wirklich ein­gefahren, konnten wir mit Bestimmtheit nicht konstatieren, dagegen sind zu unserem Leidwesen sicher Dächse drin. So lieb uns Dächse im Oktober und November sind, so ungern treffen wir sie während der übrigen Zeit im Bau; denn erstens ist die Schwarte im Frühjahr nicht so gut; zweitens liefert der Dachs zu dieser Jahreszeit wenig Schuhschmiere, und drittens ist es überhaupt

verboten, Dächse zu graben. Doch in der Hoffnung, auch auf Füchse zu stoßen, schnallen wir die Hunde. Die Musik beginnt, ein feines Duett, bald näher, bald ferner, dazu ein Getrampel und eine Hatz, dass einem das Herz im Leibe lacht. Aufmerksam horchen wir dem Konzerte im Bau. Die Jagd zieht sich nach rechts, die Hunde liegen vor; das ist gut, dort gräbt es sich leicht. Nun heißt es aber schnell den Rückpass abschneiden. Geht's gegen den Berg, ist nichts zu machen, da geht's in die Felsen; zieht es sich links in die Dickung, so gehen die Röhren zu tief. Hastig arbeiten Beil und Schaufeln und bald sind drei Einschläge bis auf die Röhren gemacht, aber der Bau gleicht einem Labyrinth und die Musik ist plötzlich verstummt. Die Hunde sind weg, aber wohin, die Stelle zu finden, das gelingt uns nicht. Es bleibt uns nichts anderes übrig, als warten, bis die Hunde kommen, dann diese abnehmen, eine Stunde Pause machen.

Nach einiger Zeit erscheinen die Hunde und nach der Pause wird wieder begonnen. Bald hat Waldi ein Tier links in der Dickung fest, auch Tschämpi sekundiert. Jetzt ist's gut, also los! In Mannstiefe stoßen wir auf Tschämpi. Waldi liegt in derselben Röhre etwas weiter vor. Es scheint, das Tier kann nicht mehr weichen. Eine Kerze wird mit Lehm auf die Schaufel gekittet, angezündet und hineingeschoben. Nun gelingt's, Waldi abzunehmen. Die Kerze wird abermals eingeschoben, erlischt aber ohne Luftzug bei jedem erneuerten Versuch. Das gefällt uns, es muss ein lebendes Wesen in der Röhre sein, das ebenso sehr Sauerstoff nötig hat wie die Flamme; es ist also eine Sackröhre und das Tier steckt drin. Aber was für ein's? Wir stecken den Kopf in die Röhre und vernehmen ganz leises Schnarchen, es ist ein Dachs! Verfluchtes Pech, nun ist alle Arbeit umsonst; Dächse wollen wir nicht, Füchse sind keine da und bis zum nächsten Bau haben wir mehr als eine Stunde zu gehen, dann ist's Abend. Ein Vorschlag, den Dachs vor unseren Augen aus dem Bau zu vertreiben, wird freudig begrüßt. Vor unseren Augen muss der Dachs den Bau räumen, die steile Wand hinaufklettern und durch das Stangenholz trotten und dann lassen wir ihm erst noch Waldi zur Begleitung nach. Wir sind alle einverstanden, es soll dem Tiere nichts geschehen, im Herbst wird es ja so wie so unsere Beute.

Nun wird ihm hinten am Pürzel gegraben, was bald geschehen ist. Wir haben den Dachs nun in einer fünf Meter langen Röhre, deutlich sehen wir die Seher, mit der Pistole wäre die Angelegenheit erledigt; es braucht wirklich große Überwindung, aber das Versprechen wird gehalten. Waldi wird nun hinten angesetzt, der Dachs aber schmeißt ihm mit den Hinterpranken ganze Wellen Sand in die Augen und bald hat sich der Dachs verklüftet. Vorwärts will er nicht, also muss er rückwärts. Die Öffnung wird wieder hergestellt und Waldi von vorn angesetzt, aber auch hier hat der Dachs seine Waffen und weist jeden Angriff blutig ab. Nun kommt Tschämpi, die brave, alte Hündin, ins Treffen; jetzt wird's lustig. Tschämpi beisst sich einfach am Pürzel fest und vorn im Schacht erscheinen zwei kapitale Dächse. Tschämpi im Schlepptau. Der eine versucht zu klettern, purzelt aber immer wieder hinunter, während der andere sich ebenfalls am hinteren Teil von Tschämpi festhält. Während nun diese zwei zusammen Karusell spielen, ge­lingt es dem andern Dachs, eine der verstopften Seiten­röhren zu öffnen und im Bau zu verschwinden. Der vorige aber hat schliesslich unter Tschämpi's Anleitung klettern gelernt und das Stangenholz angenommen. Waldi hat ihm dann noch ein Stück Weges das Geleit gegeben.

 

Drei Füchse aus einem Bau.

 

Oftmals schon habe ich meinen Bruder bestimmen wollen, unter die Jünger des Hl. Hubertus einzutreten, allein jeder Versuch misslang; doch versprach er mir, einmal ein Dachsgraben mitmachen zu wollen. Ich musste ihm aber ganz sicheren Erfolg versprechen, was ich auch ohne weiteres tat, denn, dachte ich, geht's schief, so habe ich Ausreden genug. Kürzlich frug er mich, ob ich einen befahrenen Dachsbau wisse, er hätte nun Zeit, einen Tag der Jagd zu widmen. Ich nannte ihm von meinen dreihundert Fuchs- und Dachsbauen einen als befahren, obwohl ich seit einem Jahr den Bau nicht mehr revidierte.

Am 27. November, bei grimmiger Kälte, trafen wir dort ein. Ich sprach einen Bau als befahren an; wenigstens entströmte den Röhren warme, parfümierte Luft; auch wurde der Bau von den Hunden sofort an­genommen und nach kurzer Zeit begann die wilde Jagd. Mehrere Einschläge wurden gemacht, aber es gelang den Hunden nicht, das Tier festzumachen und schliesslich verloren wir jede Spur der Hunde, die wahrscheinlich tief in der Erde vor Dachsen lagen. Endlich nach vier Stunden fuhren beide Hunde aus und waren nicht mehr zum Schliefen zu bewegen. Der Dachs hatte sich verklüftet und die Hunde seine Spur verloren. Es ist mittlerweile 11 Uhr geworden; die Hoffnung auf Erfolg wird bedenklich wacklig; mein Bruder wird wortkarg und sein Gesicht zieht sich bedeutend in die Länge. Ich befehle: „Aufprotzen und Abmarsch!" Der nächste Bau liegt eine schwache Stunde von hier. Dort angekommen, konstatieren wir, dass der Bau von Dachs befahren ist. Indes erinnern wir uns, dass dieser Bau sehr schwer zu bewältigen ist und wir hier auch schon ohne Erfolg gegraben haben. (Zwei Tage später, am 30. November, gruben wir hier einen Dachs.) Wir ziehen weiter zum nächsten Bau im gleichen Walde, am steilen Hange einer Schlucht gelegen. Die Hunde fahren sofort laut halsgebend ein. Mein Bruder wird vor die beiden Röhren gestellt, um das eventuelle Ausfahren eines Fuchses zu verhindern, während wir verhören. Plötzlich ruft mein Bruder: Ein Fuchs! hier wollte er hinaus, hat sich aber wieder zurückgezogen. Da mein Bruder noch nie einen Fuchs in Freiheit gesehen, ließ ich mir das gesehene Tier beschreiben; ich dachte nämlich, es könnte auch ein mit Lehm beschmutzter Teckel sein. Mein Bruder war etwas beleidigt, dass ich seine zoologischen Kenntnisse derart in Zweifel zog, und bestand auf seiner Behauptung. Also angenommen, es stecke ein Fuchs im Bau, was tun? In zwei Stunden müssen wir fort, um den letzten Zug für die Heimfahrt zu erreichen. Graben wir, ist das Tier uns sicher, aber vielleicht reicht die Zeit nicht; lassen wir es springen, ist die Sache riskiert. Das Schussfeld ist sehr ungünstig. Mit Rücksicht auf die karg bemessene Zeit entschließen wir uns dennoch für letzteres und empfehlen uns der Gunst des Hl. Hubertus, der den Bodenjäger nicht so schnell im Stiche lässt. Wir stellen uns also hinter die Röhren auf, mein Bruder, als tüchtiger Revolverschütze, bekommt die Pistole mit Kugelschuss in die Hand; ich mache mich mit der Flinte schussbereit. Kaum aufgestellt, saust der Fuchs in weiten Flüchten aus der Röhre und bäng, bäng, bäng, drei Schüsse veranlassen ihn, seine Gangart noch mehr zu beschleunigen und fort ist er, in der Dickung verschwunden, ohne auch nur gezeichnet zu haben. Verfl . . . Pech, ich hätte Hubertus als Jagdpatron abschaffen mögen. Nun fährt aber Waldi aus dem Bau, nimmt die Spur an und hält sie laut. Ich begebe mich zum Anschuss und konstatiere: Erster Schuss auf zehn Schritte links vorbei durch ein junges Tännchen, zweiter Schuss kommt überhaupt nicht in Betracht, obwohl mein Bruder behauptet, getroffen zu haben, dritter Schuss auf zwanzig Schritt gut in Richtung, etwas kurz, aber - Schnitthaar ohne Schweiß.  Waldi jagt weiter, doch will die Jagd nicht zur Schlucht hinaus, jetzt plötzlich - Standlaut; sollte Waldi den Fuchs gestellt haben? Ich stürmte der Stelle zu und richtig, da sitzt der Fuchs, vorn hoch, gegen Waldi die Fänge weisend. Waldi aber erspart mir den Fang­schuss; er springt dem Fuchs an die Kehle und beide purzeln den Hang hinunter in den Bach. Nachdem Waldi das Abwürgen regelrecht besorgt, kehren wir zum Bau zurück. Der Gesichtsausdruck meines Bruders ist wieder freundlicher geworden. Drinnen im Bau liegt Tschämpi mit lautem Hals. Wir graben auf die Hündin in beschleunigtem Tempo, denn es rückt gegen Abend. Der Durchschlag ist bald erfolgt und Tschämpi wird sichtbar, sie liegt in einer Felsenspalte und uni sie her die zerzausten Überreste einer Fuchslunte. Die Hündin wird abgenommen, aber auch gleichzeitig äugt ein Fuchs hervor; den lassen wir nicht springen; ans Schiessen wäre hier nicht zu denken. Mit diesem Spitzbuben nehme ich's im Baue auf. Mit Laterne und Pistole ausgerüstet krieche ich hinein; der Fuchs zieht sich zurück. Auf Körperlänge zweigt sich die Röhre nach links ab und hier, kaum einen Meter vor mir, hockt der Fuchs, mich frech betrachtend. Ich ziele so gut die schwierige Körperhaltung es erlaubt und drücke ab. Ein Rauchqualm und tiefe Finsternis. Der Fuchs wird mit dem Haken hervorgezogen. Doch was ist das? Er hat eine unversehrte Lunte, also steckt noch einer drin, und bald ist auch der dritte herausbefördert.

Ein Rüde und zwei Fähen, alles alte Tiere.

 

Drei Dachse und ein Fuchs.

 

Der 4. Oktober war sehr warm und föhnig und der Tau mit Tagesanbruch schon aufgetrocknet, für die Jagd mit Laufhunden eine sehr ungünstige Witterung. Ich entschloss mich deshalb, den Dächsen auf den Leib zu rücken. Ich machte mich schon zeitig mit meinem Jagdgehilfen auf den Weg, einem 21/2 Stunden von meinem Wohnort entfernten Dachsbau zu, von dem ich weiß, dass er das ganze Jahr befahren ist. Aus dem Munde alter Jäger hatte ich zwar vernommen, dass dort noch keiner mit Erfolg gegraben und dass dieser Bau für Jäger und Hund lebensgefährlich sei. In der Tat habe ich selbst diesen Bau schon mehrere Male ohne Erfolg verlassen müssen und zwar aus dem Grunde, weil die Tiefe der Röhren es verhinderte, das Halsgeben des Dachshundes zu vernehmen. Ich hatte mir aber in den Kopf gesetzt, diesen Bau doch einmal zu bewältigen.

So sind wir dann um 8 Uhr an Ort und Stelle angelangt, begleitet von der Dachshündin Tschämpi und dem Laufhund Zibo, welch letzterer im Bau vorzügliches leistet und vermöge seiner kräftigen Laute uns die Ge­heimnisse des gefürchteten Baues aufdecken sollte. Den Spuren nach zu schließen, sind die Dächse diese Nacht im Bau geblieben, dagegen ist ein starker Fuchs frisch eingefahren. Von den vielen Röhren, die in die Erde führen, wird auch die vom Fuchs benützte von Zibo bevorzugt. Nachdem, wie üblich, alle Röhren verlappt sind, lassen wir Zibo einfahren. Nicht lange geht's, so gibt Zibo Hals, aber kaum vernehmbar. Da der Bau mit Gestrüpp und Dornen dicht überwuchert ist, suchen wir, auf dem Bauche kriechend, die Umgebung ab. Nach ca. einer Stunde glauben wir die Stelle, wo Zibo liegt, ausfindig gemacht zu haben. Dem ungeübten Ohr wäre der schwache Ton nicht hörbar gewesen. Wir entschließen uns, hier den ersten Einschlag zu machen. Da wir, dem Laut des Hundes nach, mehr wie Mannstiefe hinunter müssen, machen wir den Einschlag gleich 7 Fuß lang und 21/,, Fuß breit, um dann später un­gehindert die Erde hinauswerfen zu können. Mit abwechselndem Schaufeln graben wir uns schnell tiefer,in 5 Fuß Tiefe brechen wir durch; wir sind auf einem  Kessel, von welchem mehrere Röhren ausgehen. Zibo aber liegt noch tiefer, direkt unter unseren Füssen. Noch drei Fuß hinunter und wir brechen abermals durch; wieder ist's ein Kessel mit verschiedenen Röhren; Zibo aber ist weg und liegt ca. 12 Schritte in der Röhre links.

Obwohl wir nun mit diesem Einschlag direkt nichts erreicht, so haben wir doch den Bau entzwei geschnitten und das häufige Wechseln des Tieres verhindert.

Eine Stunde später ist der zweite, 7 Fuß tiefe Einschlag auch gemacht und Zibo wird, an der Nase blutend, herausgeholt. Nachdem nun der Schacht noch etwas tiefer gelegt, wird mit einer Stange die Entfernung des Tieres gemessen. Wütendes Anbeißen gibt uns die Ver­sicherung, dass ein Fuchs kaum zwei Schritte vor uns liegt. Die Röhre wird nun noch ein wenig erweitert, um dem Tier näher auf den Leib rücken zu können; nun wird der Haken im Fang eingehängt und der Fuchs, hervorgezogen. Leider hatte ich meinen Revolver zu Hause gelassen; ich öffne daher schnell eine Patrone, schnitt das Schrot bis auf 3-4 Körner weg und schieße die reduzierte Ladung über die Schultern meines Gefährten dem Fuchs zwischen die Seher. Nun wird das Tier den Hunden zur Belohnung für kurze Zeit über­lassen und dann an den nächsten Baum gehängt. Auf den Knall haben sich einige neugierige Holzer herbeigemacht, was uns gar nicht passt; es ist höchst unangenehm, bei der Arbeit am Bau durch ungebetene Zuschauer gestört zu werden. Es bleibt uns daher nichts anderes übrig, als uns so zu stellen, als wollten wir zusammenpacken und weitergehen, dies veranlasste denn auch die Zuschauer, abzuziehen.

Kaum ist dies geschehen, so lassen wir Tschämpi einfahren und zwar beim ersten Schacht, von wo die vielen Röhren ausgehen. Die Hündin nimmt sofort eine Röhre rechts an und gibt Hals. Die Jagd ist heftig und wechselt beständig; plötzlich erscheint ein Dachs im Kessel, um sofort in einer Seitenröhre zu verschwinden. Das ist sein Tod; er ist in eine blinde Röhre geraten und Tschämpi hält ihn fest. Der dritte Einschlag wird gemacht  Tschämpi, aus verschiedenen Wunden blutend, abgenommen. Den Dachs erreicht das gleiche Schicksal wie seinen vorigen Baugenossen.

Es war schon Mittag vorbei; großer Durst hatte sich eingestellt; unsere Flasche Wein war längst geleert; Flüssiges war nichts vorhanden als eine Pfütze zusammengesickertes Wasser, von welchem wir not­gedrungen trinken mussten. Den Hunden schmeckte es zwar vorzüglich und drängte sie zu neuen Taten; nach­dem sie ihren Magen auch mit etwas Festem beruhigt, fahren beide wieder ein. Eine halbe Stunde vergeht; es erscheint kein Hund und kein Laut ist zu vernehmen. Wir suchen weit herum, das Ohr hart am Boden, alles ab. Da glauben wir etwa 20 Schritte recht abseits ein leises Anschlagen tief in der Erde zu vernehmen. Wir graben, je tiefer wir kommen, desto deutlicher hören wir das Duett der Hunde. Der Einschlag ist schon so tief, dass wir, um hinauszukommen, Stufen hauen müssen. In einer Tiefe von 10 Fuß brechen wir durch. Da liegt Zibo und etwas weiter vorn Tschämpi. Wir zünden die Kerze an und schliefen, so weit es geht, in die Röhre; da sehen wir die Hündin, wie sie beständig angreift und. blitzschnell wieder zurückfährt. Wir sind sicher, der Dachs steckt am Ende einer Röhre, die sich mit starkem Gefäll gegen den Berg hinzieht. Es geht nicht anders, wir müssen selber schliefen. Der Vordere, auf dein Bauche liegend, die Kerze vorgeschoben, erweitert mit dem kurzen Spaten die Röhre und schiebt die abgestoßene Erde mit den Händen, gleich einem Dachs, unter dem Körper durch zurück, während sie der Hintere hinauswirft. So können wir bald anderthalb Körperlänge schliefen und Tschämpi abnehmen. Wie sieht aber das arme Tier aus! Seine Augen sind voll Sand und sein Kopf ist von den Raufbolden ganz zerhackt. Für heute haben die Hunde ihre Arbeit getan, sie werden hinausbefördert und angeleint. Nun kommt die schwierigste Arbeit; der Dachs, den wir deutlich sehen können, hat sich verklüftet und nur sein Hinterteil ist sichtbar. Ans Schiessen ist wegen Einsturzgefahr nicht zu denken und wir müssen ihm direkt auf den Leib rücken. Mit einem Strick werden ihm beide Hinterpranken festgebunden, 'was bei der schwierigen Position keine leichte Arbeit ist. Dann legen wir uns beide auf den Rücken, einer hinter dem andern; die Füße werden an den Wänden fest eingestemmt und auf Kommando „Iooorutsch!" rückt der Dachs Zoll für Zoll vor, bis er in der erweiterten Röhre anlangt; nun geht's leicht. Mein Gehilfe zieht das Tier ganz hervor, während ich nach der Flinte lange; ein Schuss hinter die Lauscher und der Dachs hängt bei seinen Kameraden.

Wir kriechen abermals in die Röhre und erblicken ganz zuhinderst die glühenden Seher eines dritten Dachses. Mein Gefährte erklärt aber, dass er mir verdurste; ich schicke ihn deshalb auf die Suche nach Getränken und arbeite unterdessen an der Erweiterung der Röhre. Schon bin ich so weit vor­gedrungen, das ich mit dem Haken das Tier am Fang anhängen kann. Mit dem zweiten Haken löse ich ihm eine Pranke, stecke Kopf und Schulter fest ein und reisse aus Leibeskräften. Dachs und Jäger grunzen (!) uni die Wette, aber keiner gibt nach. Da höre ich draußen Stimmen; ich rufe sie an, es sind die Holzer. Zwei Mann steigen herunter mit einem Strick, welcher am Haken befestigt wird. Einer fasst den Strick, der andere meine Füße und alle zerren aus Leibeskräften. Der Strick reißt, aber der Dachs weicht nicht. Nun kommt mein Gefährte und löst mich ab; aber kaum ist er im Bau, so kommt der Dachs freiwillig gegen ihn. Auf Zurufen meines Genossen zerre ich ihn schleunigst an den Füssen heraus, klettere hinauf, fasse meine Flinte und schicke dem Tier einige Schrote zwischen die Seher.

Die vier Tiere wogen zusammen 107 Pfund, und obwohl müde, zogen wir dennoch mit unserer Last vergnügt nach Hause.

 

Der gefährliche Fuchsbau.

 

Von vielen hundert Bauen, die ich kenne, gibt's nur Einen, den ich meide.

Dort grub einst eine größere Gesellschaft von Jägern mit etlichen Gehilfen nach Füchsen. Sie gruben fünf Tage lang. Aber vom zweiten Tag ab wars ihnen nicht mehr um Füchse zu tun, sondern es handelte sich jetzt darum, die im Baue verschütteten Hunde zu retten. Zwei tiefe Schächte wurden gegraben und die Wände mit Brettern und Balken verspreizt. Am fünften Tage endlich konnte einer der Hunde lebend ausgehoben werden. Die berühmte Siegerin Zanggina aber war noch tiefer in der Erde und gab noch ganz leise Laut.  Und die Hoffnung, auch noch diese zu retten, wuchs. Das frohe Ereignis wurde einstweilen mit einem Trunk gefeiert. Die Arbeiter stiegen aus dein Schacht, aber kaum war der letzte Mann draußen, so stürzte unter Krachen die Grube ein. Das Geschiebe von oben her deckte alles schön säuberlich zu, Hund, Werkzeug, Bretter und Balken  und die untenstehenden Waldbauern senkten ihre Häupter über Zanggina's Grab zum Zeichen der Trauer.

Beim Revidieren der Baue führt mich der Weg oft dort vorbei. Noch ist er vom Fuchs befahren, aber warnend stehen noch die gebückten Stämme über dem Baue, das Denkmal trauriger Erinnerung.

Aber einmal entschloss ich mich, trotz aller Warnungen, den Bau in Angriff zu nehmen und die Herren von dazumal wurden zu diesem Wagnis eingeladen. Auch zwei Damen begleiteten uns. Und in der Frühe um acht Uhr waren mir am Bau, unser acht Personen mit vier Hunden.

Die hoffnungsvolle junge Fanuy darf zuerst in den Bau. Nach einigen Minuten erscheint sie wieder mit einer großen Feldmaus im Fang. Sie wird angeleint und durch Waldi, ihren Vater, ersetzt, welcher sofort links bei der Einfahrt laut wird. Wir graben, und bald sind wir auf der Röhre, nehmen den Hund ab und lassen Tschämpi hinein. Hier, wo die Röhre einen scharfen Winkel macht, hatte der Fuchs den Hund gestellt, aber die Draufgängerin Tschämpi treibt den Fuchs zurück und tief in den Berg. Bald hat sie ihn gestellt, aber ihr Hals ist nur noch ganz schwach vernehmbar und zwar direkt unter den gekreuzten Stämmen. Es bleibt nichts anderes übrig, wir müssen hier graben. Das hat aber seine Schwierigkeit, denn soviel wir hinauswerfen, rutscht von oben wieder zu und erst nach vieler Mühe gelingt es uns, die Röhre zu öffnen. Tschämpi hat aber seither den Fuchs noch weiter in den Berg getrieben. Oft zieht sie sich zurück bis fast zum Einschlag, dann treibt sie wieder so weit vor, dass man die Hündin kaum mehr hört.

Die Aussichten auf Erfolg schwinden, unsere Gäste bewegen uns, den Bau zu verlassen, was wir schließlich tun, aber ungern. Wir ziehen mit den übrigen Hunden zu einem eine halbe Stunde von hier entfernten Bau und rechnen darauf, dass Tschämpi nach drei Stunden vom Fuchse lassen, unsere Spur aufnehmen und uns folgen wird.

Der Bau, wo wir jetzt sind, ist ebenfalls vorn Fuchs befahren. Wir graben da und dort. Aber die Stimmung ist gedrückt, unsere Gedanken sind bei Tschämpi. Sechs Stunden sind bereits verstrichen, aber die Hündin ist immer noch nicht da. Wir begeben uns zurück zum ersten Bau. Der am Morgen gemachte Einschlag ist Mittlerweilen eingestürzt und der Hündin der Rückweg abgeschnitten. Doch hören wir sie etwa. zehn Schritte rechts, beständig halsgebend. Wir graben. Aber mit der größten Anstrengung aller Anwesenden wil es uns nicht gelingen, in die kaum anderthalb Meter tiefe Röhre zu dringen, wo die Hündin liegt. Was mir hinauswerfen, wird von oben her wieder ergänzt. Es ist, als ob der ganze Berg in Bewegung käme. Die dünne Erdkruste darüber, durch Buchen und Tannenwurzeln gebunden, gleicht einem Gewölbe, dem die Stützen eine nach der andern entfernt werden. Alles, sogar die Damen, schaufelt, was Muskeln und Lunge aushält. Alles ist umsonst. Der Einschlag füllt sich immer wieder mit Kies und Sand.

Schon ist es sechs Uhr und Tschämpi gibt noch immer Hals, zehn Stunden schon. Ich rate den Gästen sich nun heim zu begeben und beim nächsten Wirtshaus für uns eine Laterne zu besorgen, dass wir die Nacht durcharbeiten können, mein Gehilfe und ich stehen Ratlos stehen da. Keiner spricht ein Wort. Sie möchten alle bleiben, doch die Nacht hat begonnen. Jeder hat denselben Gedanken: Tschämpi ist verloren. Jetzt verschweigt die Hündin eine Weile. Die Jagd ist fort. Glücklicherweise! Und jetzt hören wir ganz rechts draußen den Laut der Hündin, heftig am Tier. Kaum zwei Fuß tief. Rasch schlagen wir durch. Tschämpi ist gerettet.

 

Tschämpis letzte Tat und Tod.

 

Anno 1903 Ende November machte ich meine letzte Jagd in jener Gegend, wo ich während 12 Jahren ansässig war. Die alte Tschämpi mochte im dreizehnten Jahre gewesen sein. Heute verbrachte sie eine Helden­tat, an die ich zeitlebens denke und die einen würdigen Abschluss bildete im Kampfe gegen ihren Erbfeind unter der Erde.

Von 9 Uhr bis 5 Uhr, acht Stunden lang an einem Stück und am selben Fleck, lag die Hündin laut vor, dreieinhalb Meter tief in einer Felsenspalte. Die Spalte war von oben her mit Sand gefüllt und kaum schulterbreit und verengte sich nach unten. Hier war eine horizontale Felsenplatte und unter dieser die Hündin. Je tiefer wir kamen, desto beschwerlicher wurde die Arbeit. Endlich musste die Erde im Rucksack hinauf­gezogen werden, und als wir schließlich auf die Platte kamen, war durch unser Graben die Röhre, die unter diese führte, mit Sand gefüllt. Wir merkten wohl, dass der Laut der Hündin immer schwächer wurde und befürchteten, dass wir ihr die Luft abgeschnitten. Es war auch so. Aber um nichts in der Welt hätten wir unsere Anstrengungen vermehren und die Befreiung der Hündin beschleunigen können.

Endlich hörten wir nur noch ein Stöhnen und Schnarchen, immer leiser und leiser. Wir wechselten schnell ab und sprengten uns unmenschlich an, aber schließlich war auch das letzte Zeichen verstummt. Die Felsspalte war unten so eng, dass wir uns gar nicht mehr rühren konnten und die letzte Arbeit auf dem Kopfe stehend verrichten mussten. Endlich konnte ich den Zugang unter die Platte frei machen. Ich konnte mit der Hand hineinlangen und da lag die Hündin regungslos. Herausziehen war unmöglich, denn nur mit den Fingerspitzen konnte ich bis an sie hinlangen. Da ließ mein Gehilfe den Fuchshaken hinuntergleiten und so gelang es mir, sie an einem Hinterlauf einzuhängen und herauszuziehen.

Aber wie sah das arme Tier aus. Das Gesicht zerhackt und vom Haken ein langer Riss an der Seite und Schenkel. Wir betteten sie ins weiche Moos und beschlossen, sie hier zu beerdigen im Bau, da, wo sie so oft den Tod gebracht den unterirdischen Gesellen.

Traurig, dass die tapferste aller Hündinnen derart enden musste, standen wir da und vergaßen ganz ihre Arbeit. Denn umsonst hatte sie doch nicht acht Stunden unter der Platte gelegen. Mein Gehilfe kroch in die Spalte mit dem Kopfe voran, senkrecht, und langte mit dem Haken unter die Platte, aber gleich zuckte es, als ob eine schwere Forelle am Angel hinge. Ein Fuchs hatte eingebissen und er konnte ihn soweit herausziehen, dass ich von oben her gerade die Lichter sah. Mein Gehilfe wusste, was nun kam. Er verhielt sich still und wartete vertrauensvoll auf den Schuss. Ich zielte ruhig wie immer, und scharf neben seinem Kopfe vorbei sauste die tödliche Kugel zwischen die Seher des Fuchses. Kaum lag der draußen, so biss der zweite an, der in gleicher Weise hinüberbefördert wurde. Ein Rüde war's und eine Fähe, prächtige Tiere.

War's die frische Luft und das Schiessen, auf einmal erwachte die alte Tschämpi aus ihrem Todesschlafe. Sie fing zu zucken an und das Herz, das schon stille stand, pochte leise und regelmäßig. Wir trugen sie ins nächste Bauernhaus, dort erholte sie sich bald, konnte wieder auf den Läufen stehen und trank Milch.

Andern Tags reiste ich ab nach München für längere Zeit, und als ich nach vier Monaten zurückkehrte, war die Freude des Wiedersehens eine unbeschreibliche. Mich sehen, liebkosen und sterben war das Werk weniger Minuten.  Vor Freude an Herzschlag gestorben.  An das arme, gute, treue Tier denke ich zeitlebens.

 

Der brave Familienvater.

 

Ich hockte zu Haus, volle vier Wochen lang, hörte auf die Stimme der Vernunft und spielte den braven Familienvater.

Die Rolle gelang mir im Anfang ganz gut, weil mir das Wetter dazu half, aber nach und nach spürte ich den Jagdteufel in mir rumoren. Dieser rannte in meinem Innern herum, zernagte die ohnehin lockeren Wurzeln der Vernunft vollends, und um mich ganz in seine Krallen zu kriegen, ließ der teuflische Geselle über Nacht eine Neue zur Erde nieder.

Ich bin sonst in diplomatischen Gemeinheiten ein Stümper; aber was tut man nicht in der Not! Also erklärte ich meiner Frau und meinen Kindern: Ihr dürft mit nach Strassberg fahren zum Schlitteln. Ich gehe auch mit, auch die Dackel und wir bleiben dort eine ganze Woche lang!

 

Die Neue.

 

Also am 27. Dezember waren wir dort. Meine Kinder standen mit ihrem Davoser und Grindelwaldner im Kot, weil der Schnee weggeschmolzen, und ich mit den Dackeln am Fuchsbau.

Mein Lump fährt ein und macht alsbald einen Mordsradau. Dachs!

Als Grabgehilfen hatte ich einen beurlaubten Soldaten mit, ein flinker, kräftiger Bursche, der in kürzester Zeit das tiefste Loch in die Erde schlug. Er schwitzte und ich fror. Er, weil er dem bekannten wärmlichen Teil der Erde näher kam; ich, weil ich draußen in grimmig kalter Zugluft stand. Ich wollte ihn ablösen, doch der deutsche Soldat kennt kein Ermüden. Er haut sich durch und ich glaube, er wäre unten bei den Zulukaffern herausgekommen, wenn ich nicht, das Zwecklose des Unternehmens einsehend, Abmarsch! kommandiert hätte.

Dies Wort schlug ein. Wir zogen ab und wanderten von Bau zu Bau. Ich kenne in dem Revier 25 Baue.

Dachse trafen wir noch an, doch keinen Fuchs. Wenigstens sprang keiner. Die Dackel sahen aus, wie frisch zerhackte Korpsstudenten, nur mit dem Unterschied, dass sie statt nach Jodoform, nach einem andern zarten Parfüm stanken.

Abends langten wir müde im Dorfwirtshaus an.

Wir waren eben daran, unsere leeren Magen mit flüssigen und festen Gegenständen zu packen, als der Wirt hereintrat und Schneefall meldete. Ich sprang hinaus. Eine Neue! Ich kann ruhig sagen, auf meiner vielgeplagten Erdenbahn haben Freud und Leid zu oft  heimgesucht, als dass mein Gleichgewicht so leicht ins Wanken käme. Aber eine Neue, das ist zu viel für's Jägerherz.

 

Infanteristischer Größenwahn.

 

In der Früh' um halb neun Uhr waren wir wieder am Bau, da, wo der Soldat gestern auf dem nächsten Weg nach Deutsch-Ostafrika sich durchhauen wollte.

Was sehe ich?

Eine schwache und eine starke  Spur von Füchsen, direkt in den Bau und keine hinaus.

Diana ist halt doch ein braves Weib, wenn sie schon mir letzten Sommer einen Bock verhext hat.

Also: Flink Reckenbühl, antreten! Flink packt die Spur an, fährt ein, Padau. Ich stehe oberhalb der Röhren am Hang, neben mir der Soldat und jetzt rennt der Fuchs wie ein junger Teufel aus dem Bau, den Berg hinunter, unten rechts - bäng - überwirft - rennt weiter - bäng - bleibt liegen.

Und der Soldat? Er hat ihn schon und schwingt ihn in der Luft, weil der Fuchs sich wehrt im Todes­kampfe. Ich begreife ganz gut, dass, wenn man ein Heer solcher Kerle hat, man rauflustig wird.

Ich stehe indes auf meinem Posten und jetzt rumpelt der zweite Fuchs, ein kapitaler Rüde, rechts hinaus.

Zweimal! kracht meine Flinte. Aber, ich schäme mich heute noch und ärgere mich, wenn ich daran denke.

Meine Schiesskunst hat jämmerlich versagt.

Ich will den Leser mit den Ausreden, mit welchen ich mich vor dem Soldaten rein waschen wollte, nicht langweilen. Nur das eine möchte ich erwähnen: „Ich hätte ihn sicher nicht gefehlt", meinte der Soldat nach Anhören meines Vortrages. Das war nun gerade nicht bescheiden und eigentlich rücksichtslos gegenüber mir und ich sann im Geheimen auf Rache. Denn, dass ein Soldat sich anmaß, mir im Schiessen über zu sein, mir, der ich schon mit Kanonen schoss, lange bevor er nur in die Windeln sch ..., das war mir zu stark.

Wie also der Betrieb am Bau erledigt war, zogen wir ab.

Triumph der Artillerie.

Lange konnte ich es nicht vergessen, denn: er ein gemeiner Infanterist, ich Kanoniergefreiter, so ein Größenwahn!

Bald kam die Stunde der Vergeltung, die erste Schlappe. Ich sage die erste, weil bald darauf die zweite folgte.

Also wir kamen an einen Bau, wo die Hunde am Riemen mächtig anzogen. Es war keine Spur zu sehen im frischen Schnee. Ich dachte, s'ist halt ein Dachs, und ließ den Lump hinein. Doch dieser kam nicht mehr, auch vernahm man ihn nicht. Nach einer Weile hörte man in der Erde rumpeln, und als immer noch keiner sprang, stellte ich mein Gewehr an den Baum und legte mich aufs Ohr, um zu horchen, was los sei. Dem Soldaten sagte ich, er solle aufpassen und 's Gewehr packen, wenn einer komme.

Ich liege da und horche. Ein Mordsbetrieb! Jetzt kracht ein Schuss. Ich springe auf und sehe den Fuchs fröhlich für bas ziehen. An den zweiten Schuss hatte mein Vaterlandsverteidiger nicht gedacht. Er, natürlich, hatte jetzt auch seine Ausreden.

Eine Stunde vor Einnachten kamen wir an einen Bau, der prächtig befahren war, den Hauptbau vom Revier.

Ich ließ alle drei Hunde gleichzeitig einfahren, eine halbe Stunde verrann, man vernahm nichts und die Hunde kamen nicht heraus. Meine Hände froren und wurden allmählich steif. Da gab ich das Gewehr dem Infanteristen und stellte mich hinter ihn. Die Hände steckte ich in die Hosentaschen zum erwärmen. Aber kaum waren die Rollen vertauscht, als drüben auf zehn Schritt ein Fuchs vor der Röhre stand und die Aussicht bewunderte.

Nun kam die zweite Schlappe. Mein Soldat gewahrte ihn nicht, weil er hartnäckig nur auf eine Röhre schaute. Da gab ich ihm ein Zeichen und darauf knallte auch alsbald der Schuss Der Fuchs aber, durch das Geräusch auf die Nähe menschlicher Wesen aufmerksam gemacht, schnürte langsam den Berg hinauf.

Ruhig wartete ich auf die weiteren Operationen meines Schützen, aber als er immer zielte und sich end­lich zum zweiten Schusse nicht entschloss, riss ich ihm das Gewehr aus der Hand, schlug noch auf gute Distanz an und drückte. Aber es ging nicht los. Das Kamel hatte meinen zweiten Schuss zuerst geschossen.

Damit war die Infanterie endgültig geschlagen. Es ward Nacht und wir zogen heim.

 

 Der Festzug.

 

Die Kunde von den großartigen Leistungen meiner Dachshunde drang mit Blitzeseile von Dorf zu Dorf. Von deren Ruhmestaten hörte der Förster vom Nachbarrevier und er lud mich zu einer Extravorstellung ein.

Anderntags um neun Uhr standen wir an seinem Hauptbau schussbereit. Er oben, ich unten und drin der Lump. Neben dem Förster saß sein Hektor, der Fuchswürger. Jetzt reißt plötzlich oben beim Förster ein Fuchs aus und nun entwickelte sich folgendes schöne Bild.

Den Festzug eröffnete Ritter Reineke mit hoch erhobener Standarte. Ihm folgte der Edle Lump von Rückenbühl mit fürchterlichem Kriegsgeheul. Jetzt erst das grobe Geschütz des Försters. Dann Hektor der Würger und hinter diesem des Försters wohlbepackter Rucksack, weil der Hund daran angebunden war.

Der Zug bewegte sch mit Windeseile den Berg hinauf. Der Rucksack riss eine tiefe, breite Spur im Schnee. Auf diese legte sich nun der Förster und kam nach einer Weile mit Hund und Sack zurück. Der Hund hatte an einem benachbarten Bau vor der Röhre down gemacht, während drinnen der Lump mit dem Fuchs sich unterhielt.

Als der Torwächter weg war, benützte der Fuchs die freie Ausfahrt, und bevor ich den Fehler durch rasches Hineilen zum Bau gut machen konnte, kam auch schon der Lump uns entgegen.

 

Hektor der Würger.

 

Man zog weiter. Nach einer guten halben Stunde kamen  abermals an einen Hauptbau. Dieser war befahren, wie das beste Berghotel im Hochsommer.

Unterwegs hatte sich noch ein dritter Schütze hinzugesellt, der Fischer. Nun konnte es ja nicht mehr fehlen.

Ich, als oberster Kriegsherr, verteilte die Stände und gab das Zeichen zum Angriff. Flink durfte den Kampf eröffnen. Der Fischer bekam einen Hustenanfall, der sich öfters wiederholte, was unvorteilhaft am Baue ist. Ich war daher gezwungen, den Lump als Verstärkung nachzuschicken und endlich noch deren Mutter, die Loni.

Nun dauert es aber nicht lange, so erscheint, wie aus der Erde gewachsen, ein Fuchs. Bäng, bum, macht meine Flinte, der Fuchs zwirbelt im Kreise und geht ab. Aber Hektor holt ihn nach kaum hundert Gängen ein, würgt ihn ab und bringt ihn her.

Der Kampf in der Unterwelt tobte indessen weiter. Die sieggewohnten Dackel griffen jetzt den Feind von allen Seiten an, welcher in schleuniger Flucht sich zu retten suchte. Es erschienen drei Füchse. Einer oben in der Mitte des Baues, welchen ich unter Feuer nahm, einer links beim Fischer, der unbeschossen abging, und einer rechts beim Förster. Es knallte und rumorte wie an einem Schützenfest. Aber das Resultat? Einstweilen Null! Bei meinem lag Schweiß und der Förster behauptete, der seine sei im Feuer gelegen, doch Hektor kam leer zurück.

So ein Betrieb ist oft sehr unterhaltend und anregend. Der Fischer meinte sogar: aufregend, denn er zitterte wie ein nasser Pudel. Zu seinem Husten gesellte sich noch Bauchweh. Wir gossen ihn mit Schnaps voll und schickten ihn weg, denn es war höchste Zeit.

Abgewürgt und Ende.

Bald kamen die Hunde, einer nach dem andern, mit blutigen Gesichtern an die Oberfläche. Sie wurden angeleint und der Lump kam an den Schweißriemen. Dieser führt mich nun auf der kranken Spur den Berg hinauf, durch eine Dickung, oben durchs Stangenholz, dann auf der andern Seite den Berg hinunter in eine Mulde und kommt schließlich an einen Fuchsbau, wo er schliefen will. Hier war der kranke Fuchs eingefahren.

Der Schauplatz unserer Tätigkeit wurde nun hierher verlegt; als aber nach einiger Zeit der Fuchs nicht springen will und die Hunde einer nach dem andern mit

neuen Schmissen herauskamen, fingen wir an zu graben. Schon wurde es Abend, als ich den Fuchs endlich in der Röhre vor mir sah, aber so, dass ich ihm nicht beikommen konnte. Einen Revolver hatten wir nicht und mit dem Gewehr konnte man nicht um die Ecke herum­langen. Den Fuchs springen lassen, getraute ich mich nicht, denn als Meisterschützen hatte sich keiner von uns entpuppt, und so beschloss ich, die Arbeit den Hunden zu überlassen. Hektor wurde in den Schacht gelassen, doch der Hund war zu groß, konnte nicht bis an den Fuchs hinkommen. Ich gab ihm deshalb den Lump zu Hilfe. Dieser rannte dem Räuber derart an den Pelz, dass er für gut fand, zu weichen, er geriet dabei in Hektors Fang und drei Sekunden später schnürte ,eine edle Seele stillvergnügt in den Himmel hinein.

 

Aus dem Tagebuch eines Bodenjägers.

 

Manchem mag es merkwürdig erscheinen, wenn ein Jäger, welcher in München wohnt, nach der Schweiz auf die Jagd geht. Wenn er Bayern, dies jagdliche Dorado, verlässt, um in der Schweiz dem Jagdvergnügen nachzuhängen. Es gibt halt allerlei Käuze auf der Welt. Ich bin im Laufe der Jahre einer derjenigen geworden, die Treibjagden womöglich meiden und lieber allein und führerlos die Jagd ausüben. Hasen, Hühner und Fasanen sind mir gleichgültig geworden. Was mich noch reizt, ist die Pirsch auf den Bock, die Hochwildjagd und die Bodenjagd. Auf den Fuchs und Dachs mit guten Hunden ist wohl eine der schönsten Jagden, die es gibt, aber man muss befahrene Baue haben. Diese werden jedoch in hiesiger Gegend immer weniger und daher entschloss ich mich, diesen Herbst im Kanton Luzern, wo ich von früher her viele Baue kenne, wieder einmal auf die Jagd zu gehen. Ich nahm meine zwei Dachshunde, den kurz­haarigen Flink- und seinen rauhaarigen Bruder Lump­ Reckenbühl, zwei Ausstellungs- und Schliefensieger, mit und kaufte mir für 70 Fr. das kantonale Jagdpatent. Über meine dortigen Erlebnisse habe ich ein Tagebuch geführt und photographische Aufnahmen gemacht, die ich den Lesern nun vorführen will.

1. Oktober.

Automobile sind unzuverlässig. Um 7 Uhr wollte mich mein Bruder abholen; aber der Karren streikte, er kam erst um 9 Uhr, während ich mit meinen Dackeln schon um halb sieben marschbereit wartete. Dann fuhren wir hinaus direkt zum Dachsbau. Es hat auch seine Vorteile, das Automobil, wenn man so mühelos auf den holperigsten Waldwegen direkt zum Bau hinfahren kann. Man kommt frisch dort an und die Hunde sind nicht ermüdet.

Der Bau war prächtig befahren und ich ließ sofort Flink hinein. Es war ein alter Hauptbau und draußen lag reiner Sand. Sandbaue liebe ich nicht. Die Hatz unter der Erde ging lange hin und her und endlich nach einer Stunde fanden wir den Hund weit abseits, berg­aufwärts. Wir fingen an zu graben, doch bald kam Flink heraus mit zerrissenem Behang und einer Wunde neben dem linken Auge. Nun kam Lump daran, sein Bruder. Es sind beides brave Hunde, obwohl erst zweijährig, und ich wüsste nicht, welchem ich den Vorzug gebe. Lump gab an derselben Stelle heftig Hals. Aber mittlerweilen hatte der Dachs die Röhre verklüftet. Lump kam mit geschlossenen Augen heraus, diese waren mit Sand ge­füllt, so dass er gar nicht mehr sehen konnte.

Wir gruben weiter. Die Hunde hatten die Fühlung mit dem Feinde verloren, die Barrikade war vollständig. In drei Meter Tiefe (mit dem Mass gemessen) kamen wir auf die Röhre, aber leider auf das Ende und den Dachs. Dieser wich gegen die Barrikade, öffnete sie und verschwand im Labyrinth seiner Behausung.

Ich hasse die Sandbaue. Wir fuhren ab und kamen nach einem kleinen Autounfall zum nächsten Bau. Aber­mals ein Sand- und Hauptbau. Lump fuhr ein. Es ging lustig zu in der Unterwelt. Bald da, bald dort stellte der Hund den Dachs. Doch die Jagd ging immer weiter. Endlich machte der Hund den Dachs fest. Die beiden Grabgehilfen und ich lagen mit dein Ohr auf der Erde, da sprang ein kapitaler Dachs. Doch bis wir schussbereit waren, hatte der Dachs einen solchen Vorsprung, dass unsere nachge­schickten Schrote keinen Erfolg mehr hatten. Die Hunde nahmen die Verfolgung auf, es war eine lustige Hetze, doch leider resultatlos.

Später schoss ich auf einen Fuchs, der durch das Geräusch im Walde sich abseits drücken wollte. Als Lump ankam, nahm ich ihn an den Riemen und so führte mich der Hund durch eine Dickung direkt zum verendeten Tiere.

5. Oktober.

Automobile sind schön, aber sicherer ist die Eisenbahn. Wir hielten uns lange an einem Baue auf und als wir weiter fahren wollten, versagte die Zündung. Es wurde Abend, bis uns ein zweites Auto holte.

7. Oktober

Ich ging allein mit meinen Hunden. Im Rucksack den kleinen Spaten, das Beil, den Revolver. In einer beinahe undurchdringlichen Dickung fand ich einen befahrenen Fuchsbau, den ich von früher kannte. Erst musste ich mit dem Beile Luft machen. Ich wollte den Fuchs trotzdem auslaufen lassen, doch Lump verhinderte es ihm. Drum fing ich an zu graben. In Schultertiefe kam ich auf den Mund und bald darauf sah ich die Blume einer Fuchslunte. Ich packte diese Lunte und fing an zu zerren: jetzt streckte der Fuchs die Hinterläufe heraus. Diese band ich ihm mit einer Schnur fest und zog vorsichtig. Doch bevor der Vorderteil sichtbar wurde, setzte ich ihm die Revolverkugel zwischen die Rippen, warf ihn hinaus, den Hunden zum Abwürgen, was sie prompt besorgten.

Es war ein mörderisch heißer Tag, ich hatte weiten Weg und schwer zu tragen, ich sann darnach, mir für die Zukunft einen Knecht anzuschaffen.

8.Oktober.

Das war ein kritischer Tag erster Ordnung. Gleich in der Frühe sprengte Flink einen Fuchs aus dem Bau, den ich glatt fehlte. Nachher fiel Lump beim Verfolgen einer Fuchsspur über eine haushohe Felswand hinunter, zum Glück in dichtes Gebüsch, ohne Schaden zu nehmen. Dann sprengten sie aus einem Felsenbau im steilen Tobel wieder einen Fuchs. Den Fuchs sehen, schießen und fehlen und verschwinden, war eins. Nachher in einem anderen Bau machten die Hunde einen Fuchs in der Röhre fest. Er konnte nicht springen und ich nicht graben, da heute kein Grabzeug mitführte. Die Hunde wurden stark geschlagen. Drei Füchse hätte ich heute haben sollen.

10. Oktober.

Früher hatte ich es rundweg bestritten, dass ein Dachshund einen Dachs aus dem Baue sprengen könne. Ich hatte doch schon sehr scharfe Hunde, habe mit diesen mehr wie hundert Dachsbauen gearbeitet, aber es ist mir nie vorgekommen, dass ein Dachs vor dem Hund aus dem Baue sprang, ohne dass man vorher gegraben hätte. Merkwürdig, wie man beinahe plötzlich anders belehrt wird. Meine Hunde haben mir jetzt das Kunststück zweimal hintereinander gezeigt. Heute war es im „Eärdmänndliloch".

Alte Weiber behaupten, es sei dort nicht ganz geheuer. Erdmännchen treiben dort ihren Spuk. Es hätten früher oft freche Gesellen versucht, die Erdmännchen zu vertreiben; sie seien aber verschüttet worden, und wenn ein Hund es wage, in die Höhle einzudringen, so käme er nie mehr heraus.

Es war etwa vor 10 Jahren, da kam ich auf der Jagd auch in das steile Tobel zum Eärdmänndliloch. Ich zog mich aus bis auf Hosen und Hemd und kroch hinein. Platt auf dem Bauch, vor mir herschiebend die brennende Kerze, ging's erst einige Meter gradaus, dann im scharfen Winkel nach rechts, dann kam ein spitzer herunterhängender Stein, der unheimlich auf Genick und Schultern drückte und wieder nach einigen Metern wurde der Gang weiter und schließlich so weit und hoch, dass man knien konnte. Von diesem Gewölbe aus verteilten sich die Felsenspalten nach verschiedenen Seiten. In einem dieser Spalten war mein Dachshund und machte einen Mordsradau. Er war bei den Erdmännchen. Diese aber warfen Steine und Sand gegen ihn, so dass ich für gut fand, die Unterwelt zu verlassen, und war schließlich froh, als ich bei dem spitzen Stein vorbei und endlich wieder im Freien stand.

Gestern kam ich wieder dorthin. Man sah deutlich die Spuren der „Erdmännchen". Ich blieb außen an der Felswand stehen und ließ meinen Rauhaarigen hinein. Der Kampf begann also gleich. Nur etwa fünf Minuten tobte die Schlacht, da trieb der Hund das „Erdmännchen" aus seiner Felsenhöhle. Es erschien auf dein Felsenband, und vom Hunde bedrängt, sprang es die

Wand hinunter, purzelte unten weiter den Tobel hinab, begleitet von meinen zwei Schrotschüssen, und als es noch weiter flüchten wollte, streckte ihn meine nachgesandte Kugel vollends. Die Hunde waren auch schon dabei, bissen sich am Feinde fest und alle drei stürzten mitsamt in den Bach in einen tiefen Wassertümpel.

Später, am selben Tage sprengten mir die Hunde noch einen Fuchs aus dem Bau, der aber für mich so unglücklich ausfuhr, dass ich gar nicht schießen konnte.

Mittlerweilen ging ich mit Lump zu einem benachbarten Bau, um zu sehen, ob vielleicht dort ein Fuchs eingefahren sei. Es war dies nicht der Fall und kehrte zurück. Fünf Stunden, seit Flink eingefahren, doch ich hörte immer noch nichts. Nun wurde es mir unheimlich zu Mute. Ich gab Flink für verloren. Entweder glaubte ich, er habe sich selber den Rückweg vermauert und sei erstickt, oder er sei im Kampfe schwer geschlagen worden und verblutet, oder er sei in eine tiefe Spalte gefallen und müsse darin elend zugrunde gehen. Alles Mögliche fuhr mir durch den Kopf, aber das Resümee war immer: Flink ist verloren.

Schon entschloss ich mich, die Bodenjagd aufzugeben für immer und andern Tags gleich nach München heimzufahren. Für alle Fälle ging ich noch zu dem nahe gelegenen Bauernhof und gab dort den Auftrag, man möge den Hund fangen und versorgen, im Falle er käme.

Nun kam mir noch ein Gedanke. Nachdem ich doch schon der Jagd entsagte, was nützt mich dann noch mein Freund Lump. Ich entschloss mich, ihn zu opfern, der Jagd und seinem Bruder Flink. Wozu brauche ich jetzt noch einen Hund? Soll er mich immerdar an diese unglückliche Jagd erinnern?

Schweren Herzens ging ich zum Bau zurück und schickte den tapferen Lump zu seinem Bruder in die Unterwelt, damit sie vereint sterben und auf dem Felde der Ehre bestattet seien. Lump ahnte nicht meine teuflische Absicht, fuhr fröhlich ein und gab alsbald Hals. Er drang immer weiter vorwärts, den Berg hinauf, hin und her und horch  welch göttliche Musik! Ich werfe mich zur Erde, lege das Ohr fest an und vernehme  zwei Hundestimmen. Wirklich, ganz deutlich  da liegen sie, die beiden Braven. Ein wunderbares Duett im Kampfe gegen den Feind. Jetzt aber rannte ich zum Bauernhof, um Schaufel und Haue zu borgen. Nicht nur konnte ich meine lieben Hunde wieder kriegen, sondern noch obendrein ihren gemeinsamen Feind, einen Dachs oder mehrere.

Wie ich zurückkam, tobte der Kampf noch an derselben Stelle. Ich begann zu graben wie rasend. Aber das Werkzeug war jämmerlich schlecht. Die Haue brach entzwei und die Schaufel war ganz ungeeignet. Ich grub, so gut ich konnte, während die Hunde ein prächtiges Konzert aufführten. Es wurde Nacht. Vielleicht noch ein halber Meter und ich wäre unten. Aber mein erbärmliches Werkzeug! Auch ließen schon meine Kräfte nach. Jetzt plötzlich verstummte die Musik und bald erschien Lump und kurz nachher Flink, beide mit blutigen Köpfen. Jetzt war's mir aber nicht mehr um den Dachs zu tun. Ich war froh, dass ich beide Hunde hatte und wanderte zum Bahnhof, uni den letzten Zug nicht zu verpassen.

 

21. Oktober.

 

Von jetzt ab nahm ich regelmäßig meinen Jagdknecht mit und wir fuhren immer mit dem ersten Zug, der um 61/, Uhr die Stadt verlässt, hinaus, um mit Tagesanbruch oder doch möglichst früh am Bau zu sein. Ein Bau, aus dem ich vor sechs Jahren in der Zeit einer Stunde drei prächtige Füchse holte, war heute wieder befahren. Damals war der Wald auf Schussweite kahl, so dass ich den Fuchs beim Auslaufen schießen konnte. Heute ist dort eine Wildnis, die Bäume sind zweimal mannshoch und dicht, ans Schiessen gar nicht zu denken. Wenn man solche Änderungen in der Natur sieht, merkt man wieder, dass man älter wird.

Die Hunde gingen wie gewohnt tapfer drauf los, aber die Jagd zog sich bald gegen den Berg in eine Felsenspalte. Ich kenne diese Spalte. Damals kroch ich dort hinein und schoss den zweiten und dritten Fuchs, die wir nicht laufen lassen durften, mit dem Revolver. Heute fühlte ich keine Lust, selbst zu schliefen, umso weniger, als ich den Revolver zu Hause lies. Wir gruben, bis das Gestein Halt gebot. Dann machten wir ein Feuer, schoben die Gluten ein und machten von außen mit Erde zu. Als wir nach einer halben Stunde öffneten, lag der Fuchs tot beim Feuer und sodann ein zweiter grad dicht hinter dem ersten.

Im selben Wald, weiter oben, gruben wir damals noch zwei Dächse. Auch diesmal war der Bau vom Dachs befahren, doch ich ließ ihn unbehelligt, denn erstens war es für diesen Bau schon zu spät des Tages und zweitens hatte ich auf morgen eine größere Korona Damen und Herren eingeladen, für welche ich diesen Bau reservierte.

22. Oktober.

Früh 9 Uhr waren wir schon am Bau. Es war sehr kalt, man fror. Bald war ein großes Feuer angefacht und die Damen kochten Tee. Lump war einstweilen im Bau, aber man spürte ihn nirgends, dann ließ ich auch Flink hinein. Als nach einer Stunde noch kein Fuchs springen wollte, hängte ich den Drilling auf und verhörte den Bau. Der Bau musste stellenweise sehr tief, weit über drei Meter tief sein, denn in dieser Tiefe höre ich den Hund noch, auch wenn ich stehe.

Endlich, endlich, es können an die zwei Stunden vergangen sein, konnte ich die Stelle, wo die Hunde lagen, ausfindig machen und zwar schätzungsweise kaum zwei Meter tief. Wir gruben, aber der Boden war sehr hart, Lehm und Kies, hart wie Zement. Lauter Pickelarbeit. Die Hunde aber lagen gut vor und schließlich waren wir unten. Mannstief. Die Hunde kamen heraus, schwer geschlagen, blutüberströmt bis über den Rücken hin, klaffende Wunden an Kopf, Behang und Läufen. Arme Kerle!

Wir setzen den Einschlag noch etwas tiefer, um besser hantieren zu können, dann durften die Hunde wieder hinein. Erst einer. Gleich ging der Kampf aufs neue los. Ich merke bald, dass der Dachs im Endrohre stak, sich aber noch einen Rückzug gesichert hatte. Noch drei Meter drang der Hund vor, dann gab ich ihm Verstärkung, in der Hoffnung, dass sie zu zweien noch etwas vorrücken sollten. Doch es blieb dabei, obwohl der Angriff aufs energischste geführt wurde. Die Röhre hatte starke Krümmung nach links. Der neue Einschlag ward begonnen. Wir wechselten schnell ab. Nach und nach wurden die Hunde flauer. Man merkte am Laut, dass die Fühlung mit dem Feinde nachließ und schließlich kamen beide heraus.

Ich war nun sicher, dass der Dachs sich verklüftet hatte und die Hunde nicht mehr nachgraben konnten. Eine Stunde lang gruben wir, dass der Schweiß in Strömen floss, dann sauste der Pickel durch. Aber eine weitere halbe Stunde brauchte es, um den Einschlag auf die Tiefe der Röhre hinunter zu legen. Je tiefer man kommt, desto schwerer wird die Arbeit. Jetzt waren wir links am Endrohr und rechts an einem geräumigen Kessel, von wo aus die Röhre im Bogen nach dem ersten Einschlag führte. Wir sondierten mit Ruten und leuchteten mit der Kerze, konnten aber keinen Dachs entdecken. Die anwesenden Gäste glaubten an einen Misserfolg. Doch ich betrachtete das Unternehmen als gesichert. Flink herein. Dieser fing gleich an zu graben und wurde laut.

Das Rätsel war gelöst. Der Dachs hatte vom Kessel aus sich einen neuen Gang gegraben und hinter sich zugestopft. Vom ersten Einschlag aus fuhr Lump ein. Dieser kam mit Flink zusammen. Vereint gruben sie die lockere Erde aus und plötzlich ging der Radau los. Der Dachs war bloßgelegt und griff nun die Hunde an. Lump wurde mit Macht zum ersten Einschlag, wo ich mit dem Revolver Wache stand, zurückgedrängt. Er kam langsam, rückwärts, immer kämpfend heraus und gleich darauf steckte der Dachs den Grind aus der Röhre, aber im selben Moment streckte ihn meine Kugel nieder. Er tat keinen Muck mehr und blieb auf der Stelle liegen.

Jetzt gab ich Lump hinauf zum Anleinen, setzte den Revolver schön sauber auf den Rand des Schachtes, um ihn jederzeit fassen zu können, links hatte ich ohne­hin das Gewehr liegen. Und was glauben sie, was jetzt passiert ist? Als ich den toten Dachs einhängte, aus der Röhre zog und hinauf gab, erschien ein zweiter Dachs, von Flink von hinten her getrieben, im Schacht. Ich langte nach meinem Revolver, der war weg. Dann griff ich nach dem Gewehr, auch das war weg. Der Dachs zwischen meinen Füssen im Schacht, von Flink bekämpft und ich ohne jede Waffe. Dieser machte nun Versuche, die Wand hinauf zu klettern, was ihm indes misslang.

Ich schrie nach Waffen. Oben sämtliche Zuschauer in sinnloser Aufregung. Ich springe aus dem Schacht, Gewehr, Revolver verschwunden. Ein Durcheinander ohne Gleichen, alles hatte den Kopf verloren und in der Aufregung mein nötigstes, die Waffen, versteckt. Niemand konnte Auskunft geben und niemand wollte den sinnlosen Streich verübt haben. Ich hatte die Damen im Verdachte. Sie bestritten es zwar, aber sie waren dennoch die Übeltäter, und aus welchem Grunde: ungefähr aus demselben wie bei der Feuersbrunst, wo die Teppiche und Kissen fein säuberlich hinunter getragen und die kostbaren Geschirre aus dem Fenster geworfen werden.

Als ich schließlich meinen Drilling in einem entfernten Versteck fand, hatte der Dachs seine Kletterversuche aufgegeben und wieder die Röhre angenommen.

Jetzt gab's ein hartes Stück Arbeit. Der Dachs verklüftete sich derart, dass ans Graben, infolge der vorgerückten Tageszeit, nicht gedacht werden konnte. Ich entschloss mich, wenn auch ungern, zum Feuern und zwar im ersten Einschlag, um ihn so beim zweiten zum Ausfahren zu bewegen. Doch ich hatte die Rechnung ohne den Dachs gemacht. Dieser machte hinter sich die Röhre vollständig zu, dass der Rauch nicht durchdringen konnte. So mussten wir auch beim zweiten Einschlag ein Feuer anfachen, was den Erfolg hatte, dass er bald zu husten anfing und schnell verendete.

31. Oktober.

Eine lange, erfolglose Zeit rückte an. Füchse waren keine mehr im Bau und auf Dachs hatte ich Pech. Die Hunde wurden stark geschlagen und jeweils musste ich abends müde und ohne Beute heimziehen. Der 31. Oktober war wieder ein kleiner Leuchtstern. Ich hatte Tags zuvor im Eärdmänndliloch ein kleines Feuer angefacht, um den Dächsen den Bau zu vergrämen. Andern Tags waren die Grimbärte ausgezogen. Aber die Stammutter begann die Unvorsichtigkeit, in einen kleinen Bau an einer nahen Sandgrube einzufahren. Das war ihr Tod. Meine Hunde fanden sie dort und  gruben sie mühelos aus.

Hier hatten wir nun das seltene Schauspiel, einen Dachs abwürgen zu sehen. Die Sandgrube war auf freiem Felde draußen, drum wollte ich den Dachs, da er meinem Schusse nicht entrinnen konnte, ausfahren lassen. Ich schoss, als er ausfuhr, mit dem Revolver und verletzte ihn leicht. Alsbald hatten ihn die Hunde gefasst, einer an der Kehle, der andere am Genick und ließen nicht mehr los. Sie kugelten miteinander hin und her und ich hatte genügend Zeit, meinen Photoapparat auszupacken und Aufnahmen zu machen. Leider war's ein nebeliger Tag und die Aufnahmen gerieten schlecht. Es war 9 Uhr morgens.

Von da machten wir eine weite Wanderung. Konnten keinen Dachs mehr finden, bis wir gegen Mittag in einen Wald kamen, wo gerade zwei Bauernjäger mit Laufhunden der Jagd oblagen.

Sie klagten uns, sie hätten einen Fuchs schwer angeschossen und er sei zu Bau gefahren. Sie baten mich, ich möchte mit den Dachshunden nachschauen. Ich kannte den Bau, er ist nicht tief, aber weitläufig. Doch ich fühlte keine Lust, diesen Nimroden zu ihrer Beute zu verhelfen. Ich betrachtete vielmehr den Fuchs als mein Eigentum, denn, was unter der Erde steckt, gehört den Dachshunden. Als der Jäger aber nicht nachließ, frug ich ihn: „Was wollen Sie für den Fuchs, wenn ich ihn ausgrabe?" Er gab mir aber keine Antwort und zog ab.

Nach einiger Zeit kehrte er mit einem Dachshund, Grabwerkzeug und verschiedenen Knechten zurück. Wir hatten mittlerweile an einem anderen Bau zu graben angefangen. Es war ein Dachs darin. Wir konnten aber nichts ausrichten, weil die Röhren sehr tief lagen und es allmählig Abend wurde.

Der Bauernjäger kam und ging beständig, pumpte unsere Schaufeln ab und den Fuchshaken und schließlich bat er mich nochmals, ich möchte doch mit einem Hund kommen und ihm helfen, sein Hund sei nichts nutz.

Ich ließ mich überreden und ging mit. Mein Lump hatte bald den Fuchs, der anscheinend nur leicht verletzt war, in ein Endrohr gehetzt und lag dort vor.

Wir gruben den Hund aus, leinten ihn an und gingen fort, es war stockfinstere Nacht und höchste Zeit auf den letzten Zug. Dem Jäger gab ich noch alle nötigen Instruktionen und zudem noch eine Kerze. Aber der Tropf sagte uns weder Dank noch Gruß, als wir fortgingen.

2. November.

In der Nacht kam mir der Gedanke, der Bauernjäger habe den Fuchs doch nicht erwischt. Wir fuhren gleich mit dem ersten Zug hinaus, um nachzusehen. Was der Bauer nach unserer Abwesenheit machte, war wenig und verkehrt. Er hatte meine Ratschläge nicht befolgt, in dem schlauen Bauernglauben, ich habe ihm falsche Räte erteilt.

Der Fuchs war nicht mehr im Bau, obwohl die Hunde infolge reichlichen Schweißes da und dort laut wurden. Sie kamen bald heraus und ich ließ sie über der Erde suchen. Von Bau zu Bau, von Dickung zu Dickung.

Wir kamen aufs Feld, fünf Minuten kaum vom ersten Bau und sahen dort einen großen frischen Sandhaufen. Aha! Im Sande waren Fuchsspuren und die Hunde fuhren ein. Radau. Zwanzig Schritte von der Einfahrt gaben die Hunde Hals. Wir gruben zwei Meter tief, kamen auf den Hund und den Fuchs, welcher fröhlich in die vorgehaltene Rute biss. Es war der Fuchs von unserem Bauernjäger. Er hatte am rechten Vorder­lauf alle Zehen durchschossen und aufgeschlitzt, ein Blei im Fuß und eines im Ellbogengelenk. Er hatte schweres Wundfieber. Der arme Kerl. Meine Kugel erlöste ihn schmerzlos von seinen Leiden.

8. November.

Oberförster B. lud mich in sein Revier im Kt. Aargau zum Dachsgraben ein. Mich begleitete Oberst 0., der auch mal so eine Vorstellung mit erleben wollte. Wir gruben fünf Schächte, der letzte über drei Meter tief. Da kamen wir auf eine horizontale Steinplatte und unter dieser Platte war der Gang, der Hund, der Dachs. Wieder so ein verfluchter Sandbau.

Doch jetzt schien der Erfolg nahe. Die Platte war hart wie Eisen, ich fand aber eine weiche Stelle, grub sie durch und kam auf die Röhre. Voraus der Dachs, dann Lump und Flink, alle gruben aus Leibeskräften, doch der Dachs erhielt Vorsprung vor den Hunden, die Erde war zu weich. Lump bearbeitete den Dachs schon seit acht Stunden, dann und wann unterstützt von Flink, welcher heute mehr den Handlanger spielte, während Lump die Führung hatte.

Ich lag im tiefen Schacht auf dem Bauch, den Kopf in der Röhre und studierte, was da zu machen sei. Da plötzlich verstummte die Musik. Hund und Dachs waren weg. Letzterer hatte, nachdem er fünf Stunden in dieser Endröhre gearbeitet, eine Seitenröhre öffnen können und verschwand im Bau, gefolgt von Lump. Ich lag noch da und horchte. Da schrie der Oberst: „Der Dachs ist raus!"  

Wie ich ohne Hilfe aus diesem Schacht kletterte und mit welcher Geschwindigkeit, ist mir ein Rätsel. Ich weiß nur, dass ich plötzlich oben war, mein Gewehr packte und wie besessen durch den Wald rannte zum nächsten Bau. Leider kam ich um einige Sekunden zu spät. Der Dachs war schon eingefahren und die Herren, die oben waren, schienen im kritischen Moment den Kopf verloren zu haben. Da sind Sekunden wertvoll. Der Oberförster behauptete übrigens, ans Schiessen sei nicht zu denken gewesen, da Lump den Dachs so hart verfolgte, dass man unbedingt beide Tiere hätte treffen müssen. Und als sich die Aufregung gelegt hatte, kam die Kritik des Herrn Oberst, die darin gipfelte: man müsse für solche Eventualitäten immer ein Gewehr schussbereit halten. 

 Acht Stunden lang!

 

10. November.

Ich wusste einen Bau ganz in der Nähe, der vom Dachs befahren war und den ich sorgfältig beobachtete und mir für einen weniger strengen Tag reservierte. Heute wollte ich ihn holen, doch der Dachs war weg ohne sichtliche Gründe.

Gestern Abend begann es zu schneien, und heute lag eine prächtige Neue, aber trotzdem konnte ich keinen Fuchs im Baue treffen. Doch fand ich einen Dachs im Bau. 35 Schritte von der Einfahrt entfernt gab Lump Hals. Wir gruben und kamen in zwei Stunden auf den Dachs, welchem ich die Revolverkugel auf den Grind setzte.

11. November.

Ein „Schliengenjäger" (Wilderer) vom Lande sagte mir, er wisse verschiedene „Gruben", die „schliefig" seien. Ich solle kommen, er wolle sie mir zeigen. Ich bestellte ihn auf bestimmte Zeit und Ort, doch als wir kamen, war der Schuft nicht da. So waren wir im großen fremden Walde führerlos. Da noch reichlich Schnee lag, gingen wir den Fuchs- und Dachsfährten nach, drückten uns den Halden und Tobeln entlang und kamen bald an einen Bau, wo der Schnee von Füchsen ganz vertreten war. Flink fuhr ein und ich wartete schussbereit auf den Fuchs. Statt dessen erschien nach 20 Minuten ein Dachs. Ich war baff, hatte ich doch Fuchs erwartet. Kurz und gut, das Werk einer halben Sekunde; mein Gewehr krachte, der Dachs hörte den Knall nicht mehr, er war vorher tot.

Schon der vierte Dachs, den mir die Hunde diesen Herbst aus dem Baue sprengten. Ich bin jetzt bekehrt.

Wir gingen weiter, es war erst neun Uhr morgens und fanden bald wieder einen Bau. Eigentlich fand ihn Lump, denn ich liess die Hunde frei laufen und beobachtete sie. Lump arbeitete offenbar auf einer Fährte ganz langsam den Berg hinauf und verschwand unsern Blicken auf einer Kuppe. Wie wir ankamen, war er schon eingefahren und gab Hals. Um elf Uhr nach leichter Grabarbeit schoss ich einen Fuchs mit dem Revolver. Der Fuchs war durch einen früheren Schrot­schuss an der Seite des rechten Vorderlaufes verwundet und die Wunde war noch nass und brandig.

Lump hatte die kranke Spur gefunden und sauber ausgemacht. Eine brave Arbeit. Leider konnten wir von jetzt ab keinen Bau mehr finden.

12. November.

Der Forstbeamte zeigte uns verschiedene Baue in einem fremden Tobel. Lauter tiefe Felsenbaue. In einem war ein Fuchs. Dreimal wollte er ausfahren, doch jedesmal sah er mich und zog sich zurück. Leider konnte ich mich am steilen Hang nicht anders postieren. Schließlich machten ihn die Hunde fest und wir gruben ihn aus. Ein Prachtkerl, uralt und hatte nur noch einen Fangzahn.

14. November.

Nach mühsamer Tagesarbeit waren wir abends so nahe am Dachs, dass ich ihn mit dem Stecken berühren konnte. Er stak in einer Spalte zwischen großen Steinen und hatte hinter sich die Öffnung ganz mit Sand und Steinen angefüllt. Es ward Nacht. Es blieb uns nichts anderes übrig, als Kohlenoxyd und Sauerstoffentzug. Andern Tags lag der Dachs verendet in der Röhre, aus der wir ihn mit leichter Mühe herauszogen.

16. November.

Ein misslicher Tag. Lump fand an der Landstrasse eine Dohle, fuhr ein und gab Hals. Ohne Hals kein Tier. Wir gruben. Bauern kamen und schimpften, so dass wir abziehen mussten.

Später kamen wir zu einem Dachsbau. Bald hatten die Hunde den Dachs fest. Wir gruben tief bis auf Felsen, die ein weiteres Vordringen verhinderten. Der Dachs änderte nun seine Kriegstaktik, statt sich treiben zu lassen, trieb er die Hunde. Er postierte sich am Eingang und ließ die Hunde gar nicht mehr einfahren. Sie wurden schwer geschlagen.

Morgen ist Gastpartie, sonst würde ich dem alten Brummbären nochmals zu Leibe gehen.

18. November.

Der Weltreisende Dag. v. S. und sein Sohn waren meine Gäste. Pechtag! Wieder Dohlenarbeit. 250 Schritte von der Einfahrt entfernt, auf dem Felde draußen, hörten wir die Hunde. Wir kamen auf einen Felsenspalt, in welchen sich der Fuchs geflüchtet hatte. Zu schmal für die Hunde, mussten abziehen. Nachher ein Hauptdachsbau, wo wir vor Jahren an einem Tage einen Fuchs und drei Dachse gruben. Heute Null.

20. November.

In Wind und Schneegestöber den ganzen Tag gegangen und ohne Beute heimgezogen. Es fängt mir langsam an zu verleiden. Die Konkurrenz in der Bodenjagd, durch mein Beispiel angefacht, nimmt überhand. Wo ich hinkomme, sind die Baue verdorben, gegraben, gefeuert.

23. November.

Zwei Herren sollten mich abholen zur Jagd. Sie telephonierten ab wegen schlechtem Wetter. Den Zug mit Warten verpasst, ging zu Fuß allein. Regen und Sturm. Nass bis auf die Haut. Ich hatte nur Lump dabei und ließ ihn laufen, ein Glöcklein am Halsband. In einer Dickung machte er sich lange zu schaffen und gab Hals. Ich dachte ein Igel oder ein verendetes Reh und wartete. Da kam er auf meiner Spur und wedelte freundlich und verschwand wieder in der Dickung und gab wieder Hals. Ich ging hin. Kein Igel, kein Reh, sondern ein Fuchsbau. Jetzt war Lump zufrieden und verschwand unter der Erde. Ich grub mit dem kleinen Spaten und nach einer Stunde war der Fuchs im Rucksack.

25. November.

Wieder ein unerforschtes Gebiet. Eine tiefe lange Schlucht. Ein Bauer beschrieb uns die Richtung des Dachsbaues. Wir kletterten drei Stunden lang umeinander, immer höher hinauf und fanden nichts. Da ließ ich den Lump laufen. Dieser ging bergabwärts und ver­schwand in der Tiefe der Schlucht. Nach einer Weile kam er zurück auf seinem Rückwechsel und wedelte freundlich. Er hatte uns eine wichtige Mitteilung zu machen. Gefunden. Dann führte er uns hin auf einen Dachswechsel und diesem entlang zum schwerbefahrenen

Dachsbau. Leider war's ein großer tiefer Felsenbau, ans Graben gar nicht zu denken und springen wollte einer.

26. November.

Nach langem Suchen ein befahrener Bau mit fünfzehn Röhren. Die Hunde drin. Ein Fuchs springt aus einer Röhre und fährt in die nächste ein. Bald äugt er wieder heraus und verschwindet wieder. Ich stehe schon vier Stunden, da höre ich hinter mir rascheln im Laub und dort ist er, unbeschossen entkommen.

27. November.

Ein alter Jäger, der kümmerlicher Verhältnisse halber die Jagd aufgab, aber das Umherstreichen nicht lassen kann, nannte mir einen befahrenen Fuchsbau, den ich nicht kannte. „Sie gehen nur der Reuss entlang, abwärts bis zur großen Eiche", sagte er. „Von da schnurgrad in den Wald hinein. Dann kommen Sie auf eine Waldwiese. Auf dieser Wiese steht ein Stadel. Dann gehen Sie genau in der Flucht des Stadels 200 Schritte in den Wald hinein, dann stehen Sie auf dem Fuchsbau."

28. November.

Letzter Jagdtag im Kt. Luzern. Mit etlichen Gästen.

Viele Baue abgesucht. Alle leer. Endlich gehen wir der Reuss entlang bis zur Eiche. Von da zur Wald­wiese und genau 200 Schritt vom Stadel stehen wir auf dem befahrenen Fuchsbau. Noch nie hat mir ein Bauer oder Jäger so genaue und zuverlässige Auskunft gegeben. Meistens wird man begaunert und irregeführt und für solche Redensarten habe ich sonst längst kein Gehör mehr. Diesmal war es unser letzter Hoffnungsstern und ich bereute es nicht, dem Jäger gefolgt zu haben. Wir mussten kaum einen halben Meter tief graben, so war der Fuchs schon unser.

Ende der Jagd im Kt. Luzern. Resultat: neun Füchse, acht Dachse.

Damit war meine Ferienzeit beendet. Ich kehrte drei Tage später wieder nach München zurück und widmete mich wieder beruflichen Arbeiten.

Bald aber kam eine Einladung zur Fuchsjagd in der nähe von Augsburg.

Ich sollte dem Förster einige Füchse abschießen, da er selber durch Holzschlag schwer beschäftigt sei und keine Zeit finde, sich der Jagd zu widmen. Oder eigentlich tat er es mehr, um mir Freude zu machen, er wäre mit den Füchsen wohl auch selber fertig geworden.

26. Dezember.

Missmutig, verstimmt und unglücklich hocke ich abends im Dorfwirtshaus. - Ist es das beginnende Alter? - Ist es momentane Indisposition? - Ist es die große Kälte und der ungewohnte schwere Jagdanzug?

An was liegt's, dass ich nicht mehr schießen kann?

Der Förster kommt und der Jagdaufseher. - Ist Ihnen ein Unglück passiert? Jawohl, ein großes, drei Füchse gefehlt. Ich erzähle: Kaum ist Lump im Bau, so springt der Fuchs drüben rechts bei einer Röhre, auf die ich gar nicht achtete. Ich schieße und fehle ihn mit zwei Schüssen. Fünf Minuten später springt der zweite aus der äußersten Röhre links. Wieder zwei Schüsse. Fuchs fort. Lump nimmt die Verfolgung auf und treibt den Fuchs in den nächsten Bau. Ich verlappe, gehe fort. Wieder stehe ich an einem Bau. Lump drin. Der Fuchs springt, ich reiße den Drilling hoch - bäng! Fuchs fährt wieder ein. Er springt wieder - Gewehr kracht - Fuchs im Bau. Herrgottsakrament noch einmal!

Ich stehe ich eine Stunde, Schluss. Ich  wandre von Bau zu Bau,  alle leer.

27. Dezember.

Ein Waldarbeiter und etliche Gäste gehen mit, die verlappten Füchse graben. Bis mittags 1 Uhr haben wir beide. Einer leicht verletzt, der andere tot im Bau, mit abgeschossenen Hinterläufen.

28. Dezember.

Der Jagdaufseher weiß einen befahrenen Bau. Er glaubt, es sei ein Dachs drin. Wir graben auf Lump, nehmen ihn ab und ich stehe auf Posten. Jetzt äugt ein Fuchs heraus und zieht sich zurück. Er sichert noch einmal und wagt den Sprung. Sprung und Schuss war eins. Er sprang ins Feuer.

29. Dezember.

Der Jagdaufseher weiß noch einen befahrenen Bau. Wir graben den ganzen Tag. Abends steckt der Dachs im Endrohr, wir mauern es zu und ziehen ab.

30. Dezember.

Der Bau ist intakt. Der Dachs drin. Er schmeißt den Hund raus. Wir mauern zu und graben von der andern Seite. Bald sind wir auf der Röhre. Der Dachs streckt den Grind heraus und die Kugel sitzt.

3. Februar.

Sturm und Schneegestöber seit etlichen Tagen. Der Fuchs muss im Baue stecken. Ich fahre hinaus ins Revier mit zwei Rauhaarigen, Lump und Trudi. Die Rauhaarigen sind auf der Windseite mit einer Eiskruste bedeckt. Der Kurzhaarige des Försters ist sauber glatt.

Wir stehen am Bau schussbereit. Der Sturm ist fürchterlich. Der Wind schlägt die Tannen durcheinander wie Grashalme. Äste brechen, eisiger Schnee peitscht uns in die Augen. Lump und Trudi sind im Bau. Wir sehen nichts, hören nichts als das Geheul des Waldes. 40 Minuten. Der Förster geht zu einem andern Bau. Kaum ist er fort, so springt der Fuchs. Mein Gewehr kracht - Fuchs fällt. Steht wieder auf - Krach - fällt wieder. Ich will wieder laden. Die Finger sind steif. Kann keine Patrone fassen. Fuchs steht auf und flüchtet den Berg hinunter. Ich stelle auf Kugel - versagt - Schlagstift eingefroren. Die Hunde nehmen die Spur auf, verfolgen und stellen den Fuchs. Der Förster ist da, will schießen, versagt. Gewehr gefroren. Ich springe hinzu und fasse den Fuchs an der Lunte und schwinge ihn an einen Stamm - Tod. Ein starker Rüde.

4. Februar.

Viele Baue leer. Endlich einer befahren. Lump und Trudi drin, eine Stunde. Wir stehen wie Säulen, steif, unbeweglich. Nur die Augen drehen sich im Kopfe von Röhre zu Röhre. Der Wind heult und die Waldbäume raufen und schlagen sich die Äste ab. Ein Getöse und ein Lärm. Mich übernimmt der Schlaf - stehend - trotz eisiger Kälte, oder gerade deshalb. Aber plötzlich reisst's mich zusammen - ein Fuchs rennt aus der Röhre in wilder Flucht - mein Gewehr fliegt ans Gesicht - schrumm - da liegt er tot - der kapitale Rüde -- Kopfschuss.

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