Jagen mit  Terrier, Hounds & Lurcher

 

 

 

 

Die Arbeit mit dem Erdhund

Eile ein.

Allgemeines

(Schärfe, Laut, »Flieger oder Steher«?, Teckel oder Terrier?, Größe des Hundes)

Die Baujagd nimmt eine gesonderte Stellung ein. Das Sprengen des prachtvoll roten Räubers im vollen Winterbalg ist eine der interessantesten Jagdarten für den Kenner mit gutem Hunde und eine der langweiligsten mit einem schlechten Hunde. Sitzt man stundenlang auf einem Hochsitz, ohne Wild zu Schuß zu bekommen oder steht man längere Zeit mit gleichem Ergebnis bei einem Trei­ben, so erlebt man durch die verschiedensten Beobachtungen in der Natur - vom Käfer bis zum Schalenwild - trotzdem schöne Stunden. Steht man aber ebenso­lange mit frierenden Füßen auf einem Bau, ohne daß der Fuchs springt, wird die Geschichte ungemütlich: trotz der Länge der Zeit, der kalten Füße, der steifen Finger usw. muß man stockstill stehen, darf sich nicht ablenken lassen und hat ständig sein Augenmerk auf Ausfahrten zu richten. Das ist kein Vergnügen mehr, wenn der große Uhrzeiger einmal die Runde gemacht hat, und wird zur Qual und Überforderung des Jägers, wenn es noch länger dauert. Solange noch »Leben in der Bude ist«, d. h. solange die Jagd in der Burg noch hin und her geht, der Kampf mal hier und dort zu hören ist, hält die Spannung an. Sie läßt schon erheblich nach, sobald der Laut eine Viertelstunde an der gleichen Stelle ertönt und der Gedanke erwogen werden muß, ob nicht Spaten und Hacke in Tätigkeit zu treten haben, und die Stimmung sinkt bald unter Null, wenn im großen, tiefen Bau (Mehretagenbau oder steiles Gelände) vom Hunde längere Zeit überhaupt nichts zu hören ist.

Ich habe acht Jahre lang mit einem Rüden - Rasse und Haarform spielen keine Rolle - unter und über der Erde gejagt. In Laut, in der Zähigkeit und Sicherheit auf der Spur und Fährte hervorragend, aber aus dem Naturbau hat er noch nicht 15% der Füchse gesprengt. Einmal hat er 52 (zweiundfünfzig!) Stunden vor dem Fuchs gelegen, natürlich in achtungsvoller Entfernung. Abends legten wir Ruck­sack und Mantel vor die (einzige) Röhre und am nächsten Morgen hörten wir seinen Laut ebenso wie am zweiten Abend. Am Nachmittag des dritten Tages bequemte er sich schließlich herauszukommen. Den Fuchs haben wir nicht be­kommen.

Das Gegenstück: Ich besaß eine Hündin, die mir in ihren besten Jahren 56 (sechsundfünfzig!) Füchse hintereinander ohne eine einzige Fehljagd sprengte. Was das letztere bedeutet, wird nur der erfahrene Bodenjäger richtig beurteilen können. War der Bau nicht befahren, blieb ihre Rute bei der Kontrolle der Einfahrten zu sehen, steckte der Fuchs (Dachs), schlief te sie ohne erkennbare

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Eile ein, und in kürzester Frist ging unten das Getobe los. Kein langes Lautge­ben, nur wenige Anschläge, und dann setzte es sofort Fetzen. Manchmal war der Fuchs binnen 60 Sekunden draußen. Sprang er nicht innerhalb von längstens 10 Minuten, erschien die Hündin, stocherte - ihrem Benehmen nach fast uninteres­siert - auf dem Bau herum, untersuchte andere Einfahrten, und sofern man selbst ruhig stand, kam dann sehr häufig der Fuchs. Tat er es nicht, so schliefte sie nach einigen Minuten in aller Ruhe in eine andere Röhre ein, und unmittelbar nach der dann erfolgenden Jagd oder Beißerei flitzte in 90 von 100 Fällen Reineke aus dem Bau.

Aus der Schilderung ist schon zu ersehen, worauf es bei der Baujagd in der Praxis ankommt, sofern man nicht gewillt ist, ständig den Spaten zu Hilfe zu nehmen und sich damit seine guten Fuchsbaue zu verderben. Zum Jagen gehört Pulver und Blei, der Spaten sollte nach meinem Geschmack nur ganz ausnahmsweise auf Fuchs gebraucht werden.

Zum Sprengen ist der »Steher« ungeeignet, erst recht, wenn er nicht wenigstens häufig Faßversuche macht. Reineke hat sehr bald heraus, ob ihm der Hund gefährlich ist oder nicht. Ist das letztere der Fall, so läßt er seinen Gegner bellen und sieht sich die Sache in Ruhe mit an. Sitzt er in einer Endröhre, ist die Sache für den Jäger noch aussichtsloser, und hat der Fuchs gar die Anwesenheit von Menschen auf dem Bau wahrgenommen, so ist die Aussicht, ihn zu Schuß zu kriegen, absolut gleich null, solange der Hund vorliegt.

Ganz anders der »Flieger«! Selbst wenn er keine rücksichtslose Schärfe besitzt, d. h. den Gegner nicht auf Biegen und Brechen angreift und sich mit ihm herum­beißt, wird er mindestens 50 % aller Füchse in relativ kurzer Zeit aus dem Bau bringen, wenn der Jäger sich nicht gar zu dämlich benimmt. Steht einer der Schützen im Wind oder trampelt auf dem Bau herum, ist der Erfolg gering, denn der vor dem nicht scharfen »Flieger« den Bau verlassende Fuchs pflegt vor der Ausfahrt erst die Lage vorsichtig zu peilen. Er springt nicht in panischer Angst, nicht weil er sein Leben unmittelbar gefährdet glaubt, vielmehr ist ihm seine Lage im Bau nur unheimlich geworden. Er hat Zeit, die Verhältnisse draußen zu priifen. Der »Flieger«, der das eine Mal von der einen und fünf Minuten später von der anderen Seite kommt, beunruhigt ihn. Hat der Hund vorübergehend den Bau verlassen, versucht der Fuchs die Lage vorsichtig zu sondieren. Durch das Eindringen seines Gegners von verschiedenen Seiten in die Burg steht drin­nen überall Hundewittrung. Jetzt ist alles ruhig. Ist der Feind fort? Oder kommt er gleich wieder? Alles das macht dem Fuchs den Aufenthalt in seinem Zu­fluchtsort unangenehm, was ihn in vielen Fällen zum Verlassen des Baues veran­laßt.

Wieder ganz anders beim »Flieger«, der gleichzeitig rücksichtsloser Draufgän­ger ist. Ohne jedes Zögern, ohne Rücksicht auf eigene Verletzungen geht er seinem Gegner an Balg und Leben, bricht aber - oft selbst schweißend - nach wenigen Minuten den Kampf ab, um zu versuchen, den Fuchs von einer anderen Seite anzugreifen. Dieser doppelten Einwirkung des ernsten Kampfes und der wiederholten Beunruhigung von verschiedenen Seiten ist der Fuchs nicht ge­wachsen.

Und schließlich liegen die Verhältnisse wieder völlig anders beim Dachsgraben. Einen Hund, der - wie es in manchen Annoncen heißt - »totsicherer Sprenger von Fuchs und Dachs« ist, gibt es nicht. Der Dachs läßt sich grundsätzlich ohne

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